Urteil des VG Saarlouis vom 15.05.2006, 5 F 8/06

Entschieden
15.05.2006
Schlagworte
Aufschiebende wirkung, Wiederherstellung der aufschiebenden wirkung, Gemeinde, Bergwerk, Zukünftige nutzung, Einbau, Bergrecht, Verwaltungsakt, Bestimmtheit, Hauptsache
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VG Saarlouis Beschluß vom 15.5.2006, 5 F 8/06

Zulassung einer Berghalde; Bestimmtheit; Einvernehmen der Gemeinde

Leitsätze

1. Die Zulassung einer Berghalde erfordert unter dem Gesichtspunkt der Bestimmtheit nicht die Angabe der Herkunft des zu lagernden Abraums.

2. § 2 Abs. 1 Nr. 4 BBergG erfordert einen unmittelbar betrieblichen Zusammenhang zwischen dem Gewinnen von Bodenschätzung und dem Ablagern von Nebengestein, ein unmittelbar räumlicher Zusammenhang ist nicht erforderlich.

3. Allgemeine langfristige Planungsabsichten für ein seit mehr als 50 Jahren als Berghalde genutztes Gelände sind gegenüber dem von Art. 14 GG geschützten Bergrecht eines Bergbauberechtigten, jedenfalls nicht vorrangig.

Tenor

Der Antrag wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens einschließlich der außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen trägt die Antragstellerin.

Der Streitwert wird auf 30.000 EUR festgesetzt.

Gründe

Die Antragstellerin begehrt einstweiligen Rechtsschutz gegen den vom Antragsgegner unter dem 16.03.2006 angeordneten Sofortvollzug des Nachtrags vom 27.09.2002 zum Sonderbetriebsplan vom 01.12.1986 für die Endgestaltung der Bergehalde Maybach.

I. Die antragstellende Gemeinde wendet sich gegen die Ablagerung von Waschbergen (mit Wasser vermischtes Nebengestein) der Grube Ensdorf des Bergwerks Saarland auf der etwa 30 km entfernten Bergehalde Maybach.

1. Die Bergehalde Maybach diente ursprünglich der Ablagerung des Abraums der Grube Maybach. Nach der Schließung der Grube Maybach diente die Bergehalde der Ablagerung des Abraums der etwa 3 km entfernten Grube Göttelborn, die dann auch geschlossen wurde.

2. a. Mit Genehmigungsbescheid vom 06.11.2000 ließ das Oberbergamt für das Saarland und das Land Rheinland-Pfalz aufgrund er §§ 4 und 19 BImSchG i.V.m. den §§ 1 und 2 der 4. BImSchV den Antrag der Beigeladenen vom 15.12.1999 mit den Ergänzungen vom 11.02.2000, 08.05.2000 und 29.08.2000 zur Errichtung und zum Betrieb einer Anlage zur Lagerung und Behandlung von Abfällen zur Verwertung auf der Bergehalde Maybach zu. Die Anlage bestehe im Wesentlichen aus der Annahme, der Zwischenlagerung, Mischung und Verrotte. In der Begründung heißt es u.a., bei der Berghalde Maybach handele es sich um eine Betriebsgelände der Beigeladenen, die im Rahmen der zu beachtenden öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Vorgaben frei in der Entscheidung über Dauer und Art des Betriebes sei. Gleichwohl sei unter C. 5 des Bescheides eine Bedingung aufgenommen worden, nach der die Genehmigung mit dem Ende der Bergaufsicht über den Standort Bergehalde Maybach entfalle. Diese Bedingung sei erforderlich, da das Projekt der Wiedernutzbarmachung des Standortes Bergehalde Maybach mit der Durchführung des Abschlussbetriebsplans ende und die Bergaufsicht über die betreffenden Flächen erlösche.

b. Mit Urteil vom 13.10.2003 1 K 121/03 hob das Verwaltungsgericht des Saarlandes den Genehmigungsbescheid vom 06.11.2000 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 08.06.2001 mit der Begründung auf, der Antragsgegner habe die Genehmigung nicht ohne das Einvernehmen der Antragstellerin gemäß § 36 Abs. 1 BauGB erteilen dürfen. Das Einvernehmen sei unbeschadet der Konzentrationswirkung des § 13 BImSchG erforderlich gewesen. Der Antragsgegner könne sich auch nicht auf die Ausnahmeregelungen des § 36 Abs. 1 Satz 2 2. Halbsatz BauGB oder auf § 38 BauGB berufen, nach denen es nicht des Einvernehmens bedürfe. Insbesondere fehle es an einem Verfahren mit den

Rechtswirkungen der Planfeststellung. Im Bergrecht sei das Planfeststellungsverfahren seit dem Jahre 1990 an die UVP-Pflichtigkeit des Vorhabens geknüpft, wobei nach § 52 Abs. 2 a BBergG nur der Rahmenbetriebsplan als Plan festgestellt werde, der dann den Charakter eines Konzept- und Standortbescheides habe, dem später Haupt-, Sonder- und Abschlussbetriebspläne folgten, die ihrerseits nicht dem Planfeststellungsverfahren, aber den daraus hergeleiteten Bindungen unterlägen. Der Weiterbetrieb und die Erweiterung der Bergehalde Maybach seien allerdings vor dem Jahre 1990 und damit vor der Einführung der UVP zugelassen worden. Aus Art. 2 des Bergrechtsänderungsgesetzes vom 17.02.1990 (BGBl. I S. 215) ergebe sich, dass die am 01.08.1990 in Kraft getretenen Änderungen nicht auf die Fortführung bereits zugelassener Vorhaben anzuwenden seien. Folglich komme dem Rahmenbetriebsplan nicht die Wirkung eines Planfeststellungsverfahrens zu. Auch § 36 Abs. 1 Satz 2 2. Halbsatz BauGB, demzufolge das Einvernehmen nicht für solche Vorhaben in der in § 29 Abs. 1 BauGB bezeichneten Art erforderlich sei, die der Bergaufsicht unterlägen, könne sich der Antragsgegner nicht stützen. Aus der Zuständigkeit des Bergamts ließe sich insoweit nichts herleiten. Der Begriff der Bergaufsicht sei dem Sinn und Zweck des § 36 BauGB folgend dahingehend einschränkend auszulegen, dass § 36 Abs. 1 Satz 2 2. Halbsatz nur für solche Vorhaben Anwendung findet, die Gegenstand eines bergrechtlichen Verfahrens seien, an dem die Gemeinde beteiligt worden sei. Nur dann erscheine es gerechtfertigt, das Einwirkungsrecht der Gemeinde durch Nichtanwendung des Einvernehmenserfordernisses im Genehmigungsverfahren zu beschränken. Daran fehle es im Falle der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung.

c. Gegen das Urteil vom 13.10.2003 1 K 121/01 hat die Beigeladene die Zulassung der Berufung beantragt. Auf den Antrag der Beteiligten hat das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes mit Beschluss vom 04.08.2004 3 Q 67/03 gemäß den §§ 173 VwGO, 251 ZPO das Ruhen des Verfahrens angeordnet.

3. a. Mit dem im Hauptsacheverfahren in Streit stehenden Bescheid vom 27.09. 2002 mit der Überschrift „Bergwerk Ensdorf Weiterbetrieb der Bergehalde Maybach„ ließ der Antragsgegner den Nachtrag der Beigeladenen vom 13.02.2001 Az. EN 14/uhl-vs 152/01 mit Ergänzungen vom 11.10.2001 Az. WM/uhl/vs 1385/01 -, vom 06.12.2001 Az. EN WM/schn-ma 1705/01 und vom 06.06.2002 Az. EN WM/schn-ma - zur Sonderbetriebsplanzulassung vom 01.12.1986 Az. 2402/80/38-59 mit 1. Nachtrag vom 04.03.1997 Az. 2402/80/38-130 sowie 2. Nachtrag vom 26.05.1998 Az. 2402/80/38-140 -; Landschaftspflegerischer Begleitplan vom 29.03.1983 mit Änderungen vom 08.03.1985, vom 30.06.1986 und vom Juli 1997 aufgrund der Prüfung nach § 55 BBergG gemäß § 56 BBergG nach Maßgabe des Antrags und der zugehörigen Unterlagen mit folgenden Nebenbestimmungen zu:

1. Allgemeines

1.1 Der Einbau von Waschbergen im Außendammbereich sowie eines definierten Waschberge- und Flotationsbergegemisches innerhalb der vorgeschütteten Außendämme hat gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu erfolgen.

1.2 Darüber hinaus sind für den Weiterbetrieb der Halde die Vorgaben der Ursprungszulassung für den Haldenbetrieb Maybach Bescheid des Bergamts vom 01.12.1986, Az. 2402/80/38-59 verbindlich zugrunde zu legen.

2. Standsicherheit der Außendämme

2.1 Bevor mit der lagenweisen Schüttung der Außendämme begonnen wird, ist ein erdbaustatischer Standsicherheitsnachweis durch einen anerkannten Sachverständigen zu erbringen.

2.2 Der Bericht des Sachverständigen ist dem Bergamt unaufgefordert in 3-facher Ausfertigung vorzulegen.

3. Immissionen

3.1 Zur Minimierung von Lärmimmissionen sind die Betriebszeiten für die Anlieferung sowie für den Einbau des Bergematerials auf einen Zeitraum von 7:00 Uhr bis 22:00 Uhr zu beschränken.

3.2 Zur Sicherstellung der gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf den Lärmschutz sind spätestens drei Monate nach Bestandskraft dieser Zulassung Lärmimmissionsmessungen in der nächstgelegenen Wohnbebauung durchzuführen. Die Ergebnisse sind dem Bergamt unaufgefordert vorzulegen.

3.3 Zur Vermeidung von Staubverwehungen ist darauf zu achten, dass das Einbaumaterial eine ausreichende Erdfeuchte aufweist. Ggf. sind Staubverwehungen durch Berieselung des Haldenkörpers oder gleichwertige Maßnahmen zu minimieren.

4. Naturschutz

Für die Haldengestaltung bis zum antragsgemäß geplanten „Zwischenzustand“ sind die Vorgaben der bereits fachtechnisch geprüften und mit Bescheid des Bergamts vom 01.12.1986 zugelassenen Haldenplanung weiterhin maßgeblich.

5. Sonstiges

5.1 Für die Anlieferung des Bergematerials sowie die Rückfahrt der Lkws ist die Bergetransportstraße zu benutzen.

5.2 Zur Vermeidung von Verschmutzungen auf öffentlichen Straßen ist auf dem Betriebsgelände eine befestigte Abrollstrecke einzurichten und regelmäßig zu reinigen. Hierauf kann verzichtet werden, falls eine Reifenwaschanlage betriebsbereit zur Verfügung steht.

II. Auflagenvorbehalt

Die Festlegung weiterer Nebenbestimmungen bleibt allgemein vorbehalten, sofern sich dies aus Gründen des Arbeitsschutzes, des Umweltschutzes sowie des Immissionsschutzes als erforderlich erweisen sollte.

b. Den Widerspruch der Antragstellerin wies das Oberbergamt für das Saarland und das Land Rheinland-Pfalz mit Widerspruchsbescheid vom 21.07.2003 zurück: Der Widerspruch sei unzulässig. Der Antragstellerin stehe keine Antragsbefugnis entsprechend § 42 Abs. 2 VwGO zu. Sie habe nicht die hinreichende Möglichkeit der Verletzung in eigenen Rechten dargetan. Durch die Zulassungsentscheidung vom 27.09.2002 erscheine eine Verletzung ihres von Art. 28 Abs. 2 GG i.V.m. § 1 Abs. 3 BauGB geschützten Rechts auf Planungshoheit nicht möglich. Der Regelungsgehalt der Zulassungsentscheidung erstrecke sich nämlich in Abänderung der Ursprungszulassung aus dem Jahre 1986 nur auf die Gestaltung des Haldenkörpers durch lagenweisen Einbau von Waschbergen im Außendammbereich sowie eines definierten Waschberge-Flotationsbergegemischs im Innern der Vorschüttungen. Der Weiterbetrieb und die Erweiterung der Bergehalde Maybach seien durch die Zulassung des Sonderbetriebsplans vom 01.12.1986 erfolgt; die im Streit stehende Zulassung sei nur ein Nachtrag dazu. Die Antragstellerin sei nachdem die Zulassung des Weiterbetriebs und der Erweiterung seit fast 10 Jahre bestandskräftig seien, nunmehr der Ansicht, dass die Zulassung des Weiterbetriebs der Bergehalde Maybach nicht unter den Geltungsbereich des Bundesberggesetzes fielen, sondern nach dem Baugesetzbuch zu beurteilen seien. Das Lagern von Gestein und Nebengestein falle indes unter § 2 Abs. 1 Nr. 1 BBergG. Es stehe in einem unmittelbaren betrieblichen Zusammenhang mit dem Aufsuchen, Gewinnen und Aufbereiten von Bodenschätzen. Ein betrieblicher Zusammenhang setze keinen räumlichen Zusammenhang voraus (Zydek, Bundesberggesetz Materialien, S. 54). So könne eine Halde, die von einem Gewinnungsbetrieb durch fremde Grundstücke oder öffentliche Straßen getrennt sei, gleichwohl in betrieblichem Zusammenhang mit dem Gewinnungsbetrieb stehen, und zwar selbst dann, wenn die Bodenschätze oder Nebengesteine vom Gewinnungsbetrieb über größere Entfernungen zur Aufhaldung befördert werden (Boldt/Weller, BBergG, § 2 Rn. 16). Folglich fänden die Bestimmungen des BBergG Anwendung und nicht die des BauGB. Die Antragstellerin sei auch im Verständnis von § 54 Abs. 2 BBergG ordnungsgemäß am Verfahren beteiligt worden. In ihrer Stellungnahme vom 04.07.2001 habe sie keine Verletzung ihrer Planungshoheit geltend gemacht. Deshalb könne sie sich jetzt nicht (mehr) auf eine Verletzung ihres von Art. 28 Abs. 2 GG gewährleisteten Selbstverwaltungsrecht berufen. Damit hätten die Rügen zur Zuständigkeit des Antragsgegners und zur Einschlägigkeit des BBergG keinen Erfolg. In der Sache habe die Antragstellerin bereits nicht

die Möglichkeit einer Verletzung ihrer Planungshoheit dargelegt. Art. 28 Abs. 2 GG schütze sie nur in Bezug auf ausgewiesene Planungen oder hinreichend konkretisierte planerische Vorstellungen. Das allgemeine gemeindliche Interesse, sich (alle) Planungsmöglichkeiten offen zu halten, werde so nicht geschützt (Boldt/Weller, BBergG, § 54 Rn. 11). Die Bergehalde Maybach sei keine Industriebrache, sondern eine seit dem Jahre 1986 bergrechtlich zugelassene Bergehalde, die vom Bergwerk Ensdorf genutzt werde.

4. a. Gegen die Zulassungsentscheidung vom 27.09.2002 in der Fassung des Widerspruchsbescheids hat die Antragstellerin am 19.08.2003 Anfechtungsklage erhoben, die zunächst die Geschäftsnummer 2 K 48/03 und nach der Auflösung der 2. Kammer die Geschäftsnummer 5 K 48/04 erhielt. Nachdem das Verfahren bis zum 28.07.2004 nicht weiter betrieben wurde, wurde es als fiktiv erledigt behandelt und nach der Aktenordnung weggelegt.

b. Am 10.03.2006 hat die Antragstellerin das Verfahren wieder aufgenommen, das nunmehr die Geschäftsnummer 5 K 15/06 trägt. Zur Begründung stützt sie sich auf das Urteil vom 13.10.2003 1 K 121/03 -, in dem ausgeführt sei, dass für den räumlichen Anwendungsbereich nach § 2 BBergG auf das Betriebsgelände der Grube abzustellen sei, in der das Nebengestein zu Tage gefördert werde (Piens/Schulte/Graf Vitzhum, § 2 Rn. 19; BVerwG, Urteil vom 14.04.2000 4 C 13.98 -, Buchholz 406.27 § 2 Nr. 2). Für ein Vorhaben, das als Aufschüttung größeren Umfangs den Vorhabenbegriff des § 29 BauGB erfülle, gelten die Bestimmungen der §§ 30 37 BauGB, das Bergrecht verdränge nicht die Planungshoheit der Gemeinde. Mit dem Verladen des Nebengesteins auf einen Lkw bzw. mit dem Verlassen des Betriebsgeländes der Grube Ensdorf ende die Bergaufsicht. Da das Einvernehmen der Gemeinde nicht eingeholt worden sei, sei der angefochtene Verwaltungsakt aufzuheben. Die Ablagerung von Nebengestein der Grube Ensdorf auf der Bergehalde Maybach sei auch nicht als standortgebundenes Vorhaben im Verständnis von § 35 Abs. 1 Nr. 3 BauGB privilegiert.

c. Der Beklagte hält die Klage für unzulässig, weil auch der Widerspruch als unzulässig zurückgewiesen worden sei. Nach wie vor sei eine Verletzung der Planungshoheit der Antragstellerin nicht im Ansatz erkennbar. Der Bescheid vom 27.09.2002 sei der dritte Nachtrag zur Ursprungszulassung und betreffe allein die Endgestaltung des Haldenkörpers und den Einbau von Waschbergen bzw. einem Wachberge- und Flotationsbergegemisches. Weder werde die Zulassung der Haldenfläche erweitert noch ihr Zuschnitt verändert. Die Regelung des § 36 BauGB ändere auch nichts, weil es für Vorhaben der in § 29 Abs. 1 BauGB bezeichneten Art, die der Bergaufsicht unterliegen, nach § 36 Abs. 1 Satz 2 2. Halbsatz BauGB nicht des Einvernehmens bedürfe. Die Bergaufsicht entstehe kraft Gesetzes im Einzelfall, wenn eine Tätigkeit im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 oder 2 BBergG aufgenommen werde oder die Errichtung einer Einrichtung im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 3 BBergG beginne. Für der Bergaufsicht unterliegende Aufschüttungen, Ausschachtungen, Ablagerungen und Lagerstätten bedürfe es nicht des gemeindlichen Einvernehmens (Ernst/Zinkahn/Bielenberg, BauGB, § 36 Rdnr. 16 (Stand: November 1999)). Auch die sich aus § 1 Abs. 3 BauGB ergebende Planungspflicht der Gemeinde begründe keine Klagebefugnis, weil die Bergehalde Maybach seit 1986 bergrechtlich zugelassen und deshalb keine „Industriebrache“ sei. Schließlich setze ein Eingreifen des sich aus § 35 Abs. 3 BauGB ergebenden Rücksichtnahmegebots eine schutzwürdige Rechtsposition voraus, die die Antragstellerin gerade nicht habe. Auch in der Sache sei die Klage unbegründet. Der nunmehr zugelassene Einbau von Waschbergen sowie eines definierten Waschberge- und Flotationsbergegemischs im Außendammbereich bzw. innerhalb der vorgeschütteten Außendämme stelle auch ohne einen räumlichen Zusammenhang mit dem Bergwerk eine Tätigkeit gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 1 BBergG dar (Boldt/Weller, BBergG, § 2 Rdnr. 16; Zydek, BBergG Materialien, S. 54). Der Beschluss des BVerwGs vom 16.03.2001 4 BN 15.01 sei in diesem Zusammenhang unergiebig. Soweit sich die Antragstellerin auf das Urteil des VG vom 13.10.2003 1 K 121/01 stütze, sei dieses nicht rechtskräftig und das Rechtsmittelverfahren nach wie vor beim OVG anhängig. In der Sache werde allein darauf hingewiesen, dass das Bergwerk Saar ein ortsgebundener Betrieb im Sinne von § 35 Abs. 1 Nr. 3 BauGB sei und die Bergehalde Maybach diesem Betrieb diene.

d. Auch die Beigeladene tritt der Klage entgegen; sie bezieht sich auf ihre Gründe im vorliegenden Eilverfahren.

5. a. Am 23.02.2006 hat die Antragstellerin bei Gericht beantragt, geeignete Maßnahmen zur Einhaltung der aufschiebenden Wirkung der Klage 5 K 15/06 anzuordnen, hilfsweise, dem Antragsgegner aufzugeben, der Beigeladenen zu untersagen, Nebengestein der Grube Ensdorf zur ehemaligen Bergehalde Maybach in Friedrichsthal zu verbringen und dort abzulagern, die Untersagung für sofort vollziehbar zu erklären und geeignete Zwangsmittel anzudrohen. Zur Begründung machte sie geltend, sie wehre sich gegen die Versumpfung eines in der Landesplanung und im Flächennutzungsplan als Gewerbefläche dargestellten Geländes als Folge von Nebengestein-Tourismus. Wenn das Gebiet erst einmal versumpft wäre, könne sie die Antragstellerin - den aus § 1 Abs. 4 BauGB folgenden Zwang nicht mehr erfüllen. Das verletze ihre Planungshoheit. Sie habe in der Vergangenheit dem Wunsch des seinerzeitigen Bergbaubetreibers, die Bergehalde Maybach für die benachbarte Grube Göttelborn zu nutzen, nur unter der Bedingung entsprochen, dass die Ablagerung von Schlamm unterbleibe und ausschließlich festes Nebengestein abgelagert werde. Dieser Zweck habe sich mit der Schließung der Grube Göttelborn erledigt.

b. Unter dem 16.03.2006 hat der Antragsgegner die sofortige Vollziehung der Zulassung des Nachtrags vom 27.09.2002 zum Sonderbetriebsplans vom 01.12. 1986 für die Endgestaltung der Bergehalde Maybach sowohl im öffentlichen Interesse als auch im Interesse der Beigeladenen angeordnet. Zur Begründung ist in der Anordnung ausgeführt, die Anordnung des Sofortvollzugs diene dem öffentlichen Interesse an der Sicherstellung der weiteren Versorgung mit Steinkohle und der Arbeitsplatzsicherheit in der Region. Beides wäre nicht mehr gewährleistet, wenn das Bergwerk Saar die tägliche Menge an Bergen und getrockneten Flotationsschlämmen von durchschnittlich 13.500 t nicht mehr auf die Bergehalde Maybach verbringen könnte. In diesem Fall müsste die Steinkohlenförderung des Bergwerks komplett aufgegeben werden. Derzeit würden annähernd alle Aufbereitungsabgänge des Bergwerks Saar zur Halde Maybach verbracht, wo eine genehmigte Kapazität von 10,5 Mio m 3 zur Verfügung stehe. Die ebenfalls genehmigten Halden Duhamel und Ludweiler kämen dafür nicht in Betracht bzw. seien nahezu erschöpft. Eine die Halde Maybach ersetzende Bergehalde müsste im Wege des Planfeststellungsbeschlusses mit Umweltverträglichkeitsprüfung geplant und genehmigt werden, was einen Zeitrahmen von 5 bis 10 Jahren erfordere. Grundlage für den weiteren Abbau der heimischen Steinkohle bilde der sog. Bonner Kohlekompromiss vom 13.03.1997, der seinen Niederschlag in dem Gesetz zur Neuordnung der Steinkohlesubventionen vom 17.12.1997 gefunden habe. Gesamtwirtschaftlich und regional gesehen bleibe der Steinkohlenbergbau auch nach den Bonner Beschlüssen von 1997 weiterhin ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Schutzwürdigkeit der nicht unerschöpflichen und standortgebundenen einheimischen Lagerstätten habe der Bundesgesetzgeber in § 1 Abs. 1 BBergG entsprechend gewürdigt. Ein Fördereinbruch wegen fehlender Entsorgungskapazitäten wäre für das Bergwerk mit seinen ca. 3.600 Beschäftigten sowie für weitere ca. 2.300 Mitarbeiter der DSK-Regionalverwaltung Saar und ca. 70 Mitarbeiter der Transportunternehmen existenzbedrohend. Im Falle einer Unterbrechung der Gewinnung aufgrund von Rechtsbehelfen, denen aufschiebende Wirkung zukomme, entstünde ein Erlösverlust von allein ca. 440 Mio. EUR im Jahre 2006. Das liege nicht im öffentlichen Interesse. Vielmehr bestehe angesichts der ohnehin hohen Arbeitslosigkeit im Saarland ein vordringliches Interesse der Allgemeinheit daran, dass vorhandene Arbeitsplätze gesichert würden und ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit vermieden werde. Damit liege die Anordnung des Sofortvollzuges sowohl im Hinblick auf die Kohleversorgung als auch im Hinblick auf die Arbeitsplatzsituation im öffentlichen Interesse.

Die Anordnung des Sofortvollzuges liege zugleich im Interesse der Beigeladenen. Im Falle der Anordnung des Sofortvollzugs entstünde der Beigeladenen eine Erlöseinbuße von täglich 2,2 Mio. EUR, die für das Unternehmen nicht zu verkraften sei.

Dieser Sichtweise könnten keine überwiegenden Interessen der Antragstellerin entgegengehalten werden. Aufgrund des dargelegten öffentlichen Interesses an der Vollziehbarkeit wäre ein Abbaustopp nur gerechtfertigt, wenn worauf sich die Antragstellerin berufe - die Zulassung des Planfeststellungsbeschlusses in der aktuellen Fassung mit hinreichender Wahrscheinlichkeit rechtswidrig wäre. Das sei indes nicht anzunehmen.

Die vorzunehmende Gesamtwürdigung der gegenläufigen Interessen habe zu dem Ergebnis

geführt, dass das öffentliche und das Interesse der Beigeladenen am Sofortvollzug der Zulassung des Planfestsetzungsbeschlusses die gegenläufigen Interessen der Antragsteller überwögen, vorläufig von der Vollziehung verschont zu werden.

c. Am 03.04.2006 hat die Antragstellerin ihr Rechtsschutzbegehren der zwischenzeitlichen Anordnung des Sofortvollzugs angepasst und beantragt nunmehr die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Klage 5 K 15/06. Ihrer Ansicht nach ist ihre Klage keineswegs unzulässig. Denn wenn die Klage nämlich unzulässig wäre, habe der Sofortvollzug gar nicht angeordnet werden dürfen. Selbst eine unzulässige Klage führe von nicht einschlägigen Ausnahmefällen abgesehen zum Eingreifen des Suspensiveffekts. Ihrer weiteren Ansicht nach könne der Regelungsgehalt der Zulassung einer Bergehalde im Verständnis von § 2 BBergG nicht davon getrennt werden, was gelagert werde; ansonsten sei die Genehmigung schon mangels Bestimmtheit rechtswidrig. Das bedeute vorliegend, dass die Genehmigung aus dem Jahre 1986 nicht die Lagerung von Nebengestein des Bergwerks Ensdorf habe regeln können. Die Änderung dieser Regelung ohne eine Beteiligung der Gemeinde sei verfassungswidrig. Deshalb müsse das Einvernehmenserfordernis des § 36 BauGB gelten. Ein einfacher Blick auf den Landesentwicklungsplan, den Flächennutzungsplan und die politische Karte des Saarlandes zeige, dass die Antragstellerin die Gemeinde im Saarland sei, die mit Abstand am Meisten für Siedlung eingeschränkt sei; sie habe praktisch keine unbesiedelten Flächen, auf die sie ausweichen könne und deshalb gezwungen, besiedelte oder sonst gewerblich genutzte Flächen zu restrukturieren. Deshalb sei die Fläche sowohl im Landesentwicklungsplan als auch im Flächennutzungsplan als „G“ dargestellt. Ein verbindliche Bauleitplanung durch die Gemeinde sei nur deshalb noch nicht eingeleitet worden, weil der Zeitpunkt der Übergabe der Fläche der Bergehalde Maybach zur Nachfolgenutzung noch offen sei.

Die Antragstellerin beantragt,

die aufschiebende Wirkung der Klage 5 K 15/06 (zuvor: 2 K 48/03 und 5 K 48/04) gegen den Nachtrag vom 27.09.2002 1202/01/2-22 zur Sonderbetriebsplanzulassung des Antragsgegners vom 06.12.1986 hinsichtlich der Endgestaltung der Bergehalde Maybach in der Fassung des Widerspruchsbescheids des Oberbergamts für das Saarland und das Land Rheinland-Pfalz vom 21.07.2003 II E N/52/01-4 -, wiederherzustellen.

Der Antragsgegner beantragt,

den Antrag zurückzuweisen.

Seiner Ansicht nach ist der Antrag wegen fehlender Antragsbefugnis bereits unzulässig. Aus diesem Grunde sei auch der Widerspruch schon als unzulässig zurückgewiesen worden. Eine Verletzung der kommunalen Planungshoheit der Antragstellerin sei nicht im Ansatz zu erkennen. Spätestens die Interessenabwägung müsse zu Lasten der Antragstellerin ausgehen.

Die Beigeladene beantragt ebenfalls,

den Antrag zurückzuweisen.

Sie hält die ursprünglich gestellten Anträge für ebenso unstatthaft und unbegründet wie den zuletzt gestellten Antrag. Denn bereits die Möglichkeit einer Verletzung ihrer kommunalen Planungshoheit sei nicht in Betracht zu ziehen. Der Landesentwicklungsplan Umwelt weise die Haldenfläche zugleich als Gewerbe- und Bergbaufläche aus. Damit entspreche die Nutzung als Haldenfläche dem Landesentwicklungsplan. Der Flächennutzungsplan des Stadtverbandes A-Stadt weise die Bergehalde Maybach nicht als Gewerbefläche, sondern als Fläche zur Rekultivierung aus. Diese Rekultivierung nach der Beendigung der Haldenschüttung sei im landschaftspflegerischen Begleitplan vorgesehen. Im Übrigen verletze ein Verstoß gegen den Flächennutzungsplan des Stadtverbandes A- Stadt nicht die kommunale Planungshoheit der Antragstellerin. Die Bergehalde unterliege nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 BBergG der Bergaufsicht; ein räumlicher Zusammenhang zwischen der Halde und dem Bergwerk sei nicht erforderlich (Piens/Schulte/Graf Vitzthum, BBergG, 1983, § 2 Rdnr. 12; Boldt/Weller, BBergG, 1984, § 2 Rdnr. 16). In der von der Antragstellerin angeführten Kommentierung (Piens/Schulte/Graf Vitzthum, BBergG, 1983, § 2 Rdnr. 19) stehe ebenso nichts von einem räumlichen Zusammenhang wie im

angeführten Beschluss des BVerwG. (Beschluss vom 16.03.2001 4 BN 15.01 -, NVwZ- RR 2202, 8 ff.)

II. Der allein zur Entscheidung anstehende Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Klage 5 K 15/06 (zuvor: 2 K 48/03 und 5 K 48/04) gegen die für sofort vollziehbar erklärte Zulassung des Nachtrags vom 27.09.2002 zum Sonderbetriebsplan vom 01.12.1986 für die Endgestaltung der Bergehalde Maybach ist entgegen der Ansicht von Antragsgegner und Beigeladenen - zulässig, gleichwohl unbegründet.

Nach § 80 a Abs. 3 i.V.m. § 80 Abs. 5 VwGO kann das Gericht der Hauptsache die aufschiebende Wirkung eines Widerspruchs gegen einen an einen anderen gerichteten Verwaltungsakt ganz oder teilweise wiederherstellen, wenn dem Rechtsbehelf aufgrund einer Anordnung gemäß § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 VwGO keine aufschiebende Wirkung zukommt.

1. Das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes hat im Beschluss vom 22.08.2001 - 2 W 1/01 -, ZfB 2001, 287 den in einem bergrechtlichen Falle vom Gericht anzuwendenden Prüfungsmaßstab (auf Seite 6 des amtlichen Umdrucks = ZfB 2001, 287 <288>) zusammengefasst dargestellt:

Der Senat hält an der bisher etwa im Beschluss vom 05.10.1983 - 3 W 1619/83 -, AS 18, 279, 285 und im Übrigen vom Verwaltungsgericht ebenfalls praktizierten sowie auch sonst wenn auch mit gewissen Nuancen der weitaus überwiegenden Meinung entsprechenden Handhabung fest, wonach das Gericht in Verfahren nach § 80 Abs. 5 VwGO bei Vorliegen einer den formalen Anforderungen des § 80 Abs. 3 VwGO entsprechenden Begründung der Vollzugsanordnung keine inhaltliche, gegebenenfalls am Maßstab von § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO oder § 114 VwGO ausgerichtete Rechtmäßigkeitsprüfung der Vollzugsanordnung, sondern eine an dem Ergebnis einer summarischen Vorausbeurteilung der Hauptsache ausgerichtete eigene Interessenabwägung vorzunehmen hat.

Die Anordnung des Sofortvollzuges vom 18.03.2006 genügt diesen formalen Anforderungen des § 80 Abs. 3 VwGO. Der Antragsgegner hat das besondere Interesse an der sofortigen Vollziehung der Zulassung des Nachtrags vom 27.09.2002 zum Sonderbetriebsplan vom 01.12.1986 ausführlich schriftlich begründet. Mehr gebietet diese Bestimmung nicht.

2. Die somit vorzunehmende summarische Vorausbeurteilung der Erfolgsaussichten der in der Hauptsache verfolgten Klage führt vorliegend zu dem Ergebnis, dass der angegriffene Nachtrag vom 27.09.2002 zum Sonderbetriebsplan vom 01.12.1986 die Antragstellerin aller Voraussicht nach nicht in sie öffentlich-rechtlich schützenden Rechten verletzt.

Die von der Antragstellerin angegriffene Verwaltungsentscheidung, die im Verhältnis zu ihr die Ablagerung von Waschbergen und Flotationsschlämmen auf der Bergehalde Maybach zulässt, stellt vom Ausgangspunkt her einen die Beigeladene begünstigenden Verwaltungsakt mit Drittwirkung dar. Da der von der VwGO gewährleistete Rechtsschutz grundsätzlich auf die Gewährung von Individualrechtsschutz abzielt und Einzelnen nicht die Rolle des Sachwalters öffentlicher Interessen zuweist (vgl. § 42 Abs. 2, § 113 Abs. 1 VwGO), ist ein solcher Verwaltungsakt auf die Anfechtung eines von ihm betroffenen Dritten hin nicht umfassend darauf zu überprüfen, ob er mit der objektiven Rechtsordnung, das heißt auch mit im öffentlichen Interesse bestehenden Normen übereinstimmt. Die gerichtliche Kontrolle beschränkt sich vielmehr auf die Frage, ob die angegriffene Verwaltungsentscheidung zum Nachteil des das Rechtsmittel führenden Dritten gegen (auch) seinen Schutz bezweckende Vorschriften des öffentlichen Rechts verstößt und - wenn ja - ob dieser diesen Rechtsverstoß (noch) erfolgreich geltend machen kann (sog. Schutznormtheorie). (BVerwG, "Moers-Kapellen"-Urteil vom 16.03.1989, BVerwGE 81, 329, 334 = ZfB 1989, 199; zum Baurecht: BVerwG, Urteil vom 13.06.1980, BRS 36 Nr. 185, und vom 30.09.1983, BRS 40 Nr. 195)

Dementsprechend ist Streitgegenstand der Anfechtungsklage eines Dritten gegen einen begünstigenden Verwaltungsakt die Behauptung, diese Entscheidung verletze ihn, den Dritten, in eigenen Rechten. Für die summarische Beurteilung der Erfolgsaussichten des Hauptsacherechtsbehelfs in Verfahren nach § 80 Abs. 5 VwGO gilt insoweit kein anderer

Maßstab (OVG des Saarlandes, Beschluss (betreffend das Bergwerk Ensdorf) vom 22.01. 2001 - 2 W 1/01 -, ZfB 2001, 287 (289) mit Nachweisen).

Das leitet über zu der Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang Vorschriften, die im bergrechtlichen Betriebsplanzulassungsverfahren von Bedeutung sind, Schutzwirkung zugunsten der von der Ablagerung von Nebengestein des Bergwerks Ensdorf auf der Bergehalde Maybach betroffenen Gemeinde entfalten.

Entscheidend ist somit, auf welche Schutznorm sich die Antragstellerin vorliegend berufen kann. Keiner Bedeutung kommt demgegenüber die Rechtsfrage zu, ob der Nachtrag objektiv rechtmäßig ist.

Soweit die Antragstellerin die Möglichkeit der Nichtigkeit des Nachtrags mit der Begründung in den Raum stellt, eine Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Abraumhalde müsse zwingend bestimmen, woher der abzulagernde Abraum stammt, entspricht das zur Überzeugung der Kammer einer Wunschvorstellung, der sich die Kammer nicht anzuschließen vermag. Die Zulassung einer Bergehalde muss unter dem Gesichtspunkt der Bestimmtheit 37 VwVfG) sicherlich deren Abmessungen enthalten, nicht jedoch die Herkunft des zu lagernden Abraums.

1. Die Antragstellerin macht vorliegend als ihrem Schutz dienenden öffentlichen Belang die Regelung des § 36 Abs. 1 BauGB geltend. Nach § 36 Abs. 1 Satz 1 BauGB wird im bauaufsichtlichen Verfahren über die Zulässigkeit von Vorhaben nach den §§ 31, 33 bis 35 BauGB von der Baugenehmigungsbehörde im Einvernehmen mit der Gemeinde entschieden. Nach Satz 2 ist das Einvernehmen der Gemeinde auch erforderlich, wenn in einem anderen Verfahren über die Zulässigkeit nach den in Satz 1 bezeichneten Vorschriften entschieden wird.

Das Erfordernis des gemeindlichen Einvernehmens bei der Erteilung von Baugenehmigungen steht im Zusammenhang mit der Zuständigkeit der Gemeinde für die Aufstellung der Bauleitpläne 2 Abs. 1 Satz 1 BauGB), durch die die Entwicklung der Gemeinde vorbereitet und geleitet wird 1 Abs. 1 und 2, § 8 Abs. 1 BauGB), also mit der sog. Planungshoheit der Gemeinde, und im Zusammenhang mit der Befugnis der Bauaufsichtsbehörde, über den Bauantrag auch nach den bauplanungsrechtlichen Zulässigkeitsregeln zu entscheiden. Zweck des Einvernehmenserfordernisses ist daher, dass die Gemeinde dort, wo sie noch nicht geplant hat, oder wenn von der Planung im Genehmigungsverfahren abgewichen werden soll, im bauaufsichtlichen Genehmigungsverfahren an der Beurteilung der planungsrechtlichen Zulässigkeitsvoraussetzungen von Vorhaben mitentscheidend beteiligt ist (Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, BauGB, § 36 Rdnr. 9 mit Nachweisen).

Nach § 36 Abs. 1 Satz 2 zweiter Halbsatz BauGB ist das Einvernehmen der Gemeinde allerdings nicht für Vorhaben der in § 29 Abs. 1 BauGB („Für Vorhaben, die die Errichtung, Änderung oder Nutzungsänderung von baulichen Anlagen zum Inhalt haben, und für Aufschüttungen und Abgrabungen größeren Umfangs sowie für Ausschachtungen, Ablagerungen einschließlich Lagerstätten gelten die §§ 30 bis 37.“) bezeichneten Art erforderlich, die der Bergaufsicht unterliegen. Hauptanwendungsfall dieser Bestimmung ist die immissionsschutzrechtliche Genehmigung nach den §§ 4 ff. BImSchG (Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, BauGB, § 36 Rdnr. 16). Dass es sich bei der Bergehalde Maybach um ein Vorhaben im Verständnis von § 29 Abs. 1 BauGB handelt, ist offenkundig und auch zwischen den Beteiligten unstreitig und bedarf folglich keiner weiteren Begründung. Die Kammer ist im vorliegenden Verfahren zu der Überzeugung gelangt, dass der Betrieb der Bergehalde Maybach im Verständnis von § 36 Abs. 1 Satz 2 zweiter Halbsatz BauGB der Bergaufsicht unterliegt.

Was der Bergaufsicht unterliegt, ergibt sich aus den Bestimmungen des Bundesberggesetzes und dort in erster Linie aus § 2 BBergG:

(1) Dieses Gesetz gilt für

1. das Aufsuchen, Gewinnen und Aufbereiten von bergfreien und grundeigenen Bodenschätzen einschließlich des Verladens, Beförderns, Abladens, Lagerns und Ablagerns von Bodenschätzen, Nebengestein und sonstigen Massen, soweit es im unmittelbaren

betrieblichen Zusammenhang mit dem Aufsuchen, Gewinnen oder Aufbereiten steht und sich nicht aus Absatz 4 etwas anderes ergibt,

2. das Wiedernutzbarmachen der Oberfläche während und nach der Aufsuchung, Gewinnung und Aufbereitung von bergfreien und grundeigenen Bodenschätzen,

3. Betriebsanlagen und Betriebseinrichtungen (Einrichtungen), die überwiegend einer der in den Nummern 1 oder 2 bezeichneten Tätigkeiten dienen oder zu dienen bestimmt sind.

(4) Dieses Gesetz gilt nicht für das Verladen, Befördern und Abladen von Bodenschätzen, Nebengestein und sonstigen Massen im Sinne des Absatzes 1

1. im Schienenverkehr der Eisenbahnen des öffentlichen Verkehrs,

2. im Kraftfahrzeugverkehr auf öffentlichen Wegen oder Plätzen,

Offenkundig nicht einschlägig für den vorliegenden Fall ist § 2 Abs. 4 BBergG, da diese Bestimmung allein dem Zweck dient, die allgemein geltenden Bestimmungen des Straßenverkehrsrechts nicht für den Gütertransport von Bodenschäden und Nebengestein außer Kraft zu setzen (Boldt/Weller, BBergG, 1984, § 2 Rdnr. 17).

Das Bundesberggesetz selbst verlangt für seine Anwendbarkeit keinen räumlichen, sondern allein einen unmittelbar betrieblichen Zusammenhang zwischen dem Aufsuchen von Bodenschätzen und dem Ablagern von Nebengestein. Dass ein solcher unmittelbarer betrieblicher Zusammenhang zwischen dem Abbau in der Grube Ensdorf und dem Ablagern auf der Bergehalde Maybach besteht, bedarf keiner vertieften Ausführungen. Damit findet die Ansicht der Antragstellerin, die Bergaufsicht ende mit dem Verladen des Nebengesteins auf einem Lkw bzw. mit dem Verlassen des Betriebsgeländes der Grube Ensdorf, im Gesetz keine Stütze. Die Kammer vermag auch keinen sonstigen Grund erkennen, der für diese Einschätzung der Antragstellerin sprechen könnte. Vielmehr dient das BBergG ersichtlich dem Zweck, dass die Ablagerung von Nebengestein gerade von der Bergbehörde und keiner anderen Behörde geregelt wird und zwar nach den Bestimmungen dieses Gesetzes. Piens/Schulte/Graf Vitzthum ( BBergB, 1983, § 2 Rdnr. 12) stellt deshalb ausdrücklich darauf ab, dass ein unmittelbar betrieblicher Zusammenhang keine räumliche Nähe erfordert und etwa auch dann vorliegen kann, wenn die Bergehalde in einer größeren räumlichen Entfernung liege; kein unmittelbar betrieblicher Zusammenhang bestehe mehr, wenn etwa Massen zur dauerhaften Verfestigung von Plätzen oder Straßen verwandt und damit endgültig aus dem betrieblichen Verbund gelöst würden.

Soweit sich die Antragstellerin auf das Urteil der 1. Kammer vom 13.10.2003 1 K 121/01 glaubt stützen zu können, führt das vorliegend nicht zum Erfolg. In dem Urteil heißt es insoweit auf Seite 22, dass aus allen (zuvor zitierten) Fundstellen eindeutig hervorgehe, dass § 36 Abs. 1 Satz 2 zweiter Halbsatz BauGB bei sachgerechter Auslegung nur auf solche Vorhaben Anwendung finden könne, die Gegenstand eines bergrechtlichen Verfahrens seien oder gewesen seien, an denen die betroffene Gemeinde beteiligt worden sei; nur dann sei es gerechtfertigt, das Einwirkungsrecht der Gemeinde durch Nichtanwendung des Einvernehmenserfordernisses im Genehmigungsverfahren zu beschränken.

Dass die Antragstellerin im Verfahren über die Zulassung des Sonderbetriebsplans über den Weiterbetrieb und die Erweiterung der Bergehalde Maybach vom 01.12.1986 gemäß § 54 Abs. 2 BBergG beteiligt wurde und seinerzeit keine Einwände gegen den Haldenbetrieb geäußert hat, ist in dem Urteil auf Seite 22 ausgeführt. Die weiteren Ausführungen in dem Urteil betreffen den vorliegenden Fall nicht, weil es seinerzeit anders als vorliegend - nicht um die Ablagerung von Waschbergen aus der Steinkohlenaufbereitung, sondern um die Lagerung und Behandlung von Abfällen zur Verwertung ging.

Am vorliegenden Verfahren ist die Antragstellerin ebenfalls gemäß § 54 Abs. 2 BBergG beteiligt worden. Sie hat sich mit ihrer Stellungnahme vom 04.07.2001 dazu geäußert, ohne eine Verletzung ihrer Planungshoheit geltend zu machen. Das Oberbergamt hat diese Stellungnahme im Widerspruchsverfahren berücksichtigt und gewichtet.

Als spezialgesetzliche Schutznorm für die Antragstellerin kommt deshalb nicht § 36 Abs. 1 Satz 2 BauBG, sondern allein § 54 Abs. 2 Satz 1 BBergG in Betracht; diese Vorschrift über

die Beteiligung der Gemeinde an der bergrechtlichen Betriebsplanzulassung vermittelt der Gemeinde im Hinblick auf ihre von Art. 28 GG geschützte Planungshoheit grundsätzlich Drittschutz.

Verfassungsrechtlichen Schutz kann die Gemeinde als Körperschaft des öffentlichen Rechts grundsätzlich nur insoweit in Anspruch nehmen, als sich das aus dem Wesen der Bestimmungen des GG ergibt. Dabei bedarf es keines unmittelbaren Rückgriffs auf Verfassungsrecht, weil die zuvor als der Gemeinde Drittschutz vermittelnde Norm des BBergG im Lichte des anwendbaren Verfassungsrechtes auszulegen ist.

Die ihr durch Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG gewährte gemeindlichen Planungshoheit vermittelt der Gemeinde grundsätzlich eine wehrfähige Rechtsposition gegen fremde, auch bergrechtliche, Fachplanungen auf dem eigenen Gemeindegebiet, wenn das Vorhaben

- eine hinreichend bestimmte, nicht notwendig verbindliche Planung der Gemeinde nachhaltig stört, d. h. unmittelbare Auswirkungen gewichtigerer Art auf ihre Planung hat, oder

- wegen seiner Großräumigkeit wesentliche Teile des Gemeindegebietes einer durchsetzbaren gemeindlichen Planung entzieht, oder

- kommunale Einrichtungen erheblich beeinträchtigt.

Die beiden zuletzt genannten Kriterien greifen vorliegend offenkundig nicht. Ernstlich in Streit ist allein die Frage, ob der Weiterbetrieb der Bergehalde Maybach eine hinreichend bestimmte Planung der Antragstellerin nachhaltig stört, d. h. unmittelbare Auswirkungen gewichtigerer Art auf ihre Planung hat. Während die Antragstellerin das mit Nachdruck für sich in Anspruch nimmt, halten der Antragsgegner und die Beigeladene das für so fern liegend, dass das Oberbergamt den Widerspruch wegen offenkundig fehlender Möglichkeit der Beeinträchtigung der Planungshoheit sogar als unzulässig behandelt hat.

Vorliegend kann dahinstehen, ob dem so ist oder aber nicht doch durch den Weiterbetrieb der Bergehalde Maybach langfristige Planungsabsichten der Gemeinde beeinträchtigt werden. Soweit sich die Antragstellerin im vorliegenden einstweiligen Verfahren auf den Landesentwicklungsplan und den Flächennutzungsplan des Stadtverbandes A-Stadt stützt und geltend macht, dort sei die Fläche der Bergehalde Maybach als „G“ (= Gewerbe) dargestellt, hat die Beigeladene dem mit Recht entgegengesetzt, dass der Landesentwicklungsplan die Fläche zusätzlich als Bergbaufläche ausweise und sie diesem Zweck entspreche. Zum Flächennutzungsplan des Stadtverbandes hat die Beigeladene unter Vorlage einer Farbkopie des Planes (Anlage DSK 3 (Bl. 69 d.A.)) vorgetragen, die Haldenfläche sei in dem Plan als „REK“ (= Fläche zur Rekultivierung) ausgewiesen, durch eine gezackte Linie gekennzeichnet und ausschließlich grün unterlegt; demgegenüber seien Gewerbeflächen wie etwa das Gewerbegebiet Maybach - in dem Plan lila unterlegt. Folglich kann die Antragstellerin aus dem Landesentwicklungsplan und dem Flächennutzungsplan des Stadtverbandes A-Stadt aller Voraussicht nach nichts für eine Verletzung ihrer Planungshoheit herleiten.

Die Kammer vermag auch nicht festzustellen, dass ein einmal unterstellter - Eingriff in die Planungshoheit unverhältnismäßig wäre. In diesem Zusammenhang darf nämlich nicht außer Acht gelassen werden, dass das Gewicht des Eingriffs durch die örtlichen Gegebenheiten bestimmt wird, auf die die überörtliche Planungshoheit zugreift. Gemeinden mit bestehenden Bergehalden auf ihrem Gebiet unterliegen nämlich bereits deshalb einer gewissen „Situationsgebundenheit“. Der nunmehr zugelassene Nachtrag zum Sonderbetriebsplan verändert die Größe der Bergehalde Maybach nicht, verlagert allein die theoretische zukünftige Nutzbarkeit des Geländes nach der endgültigen Aufgabe der bergrechtlichen Nutzung zeitlich „nach hinten“. Das stellt indes nur ein zeitliches Verschieben der bloßen Hoffnung auf eine anderweitige Nutzung dar, zumal die Beigeladene Eigentümerin des Grundstücks ist und insoweit dessen zukünftige Nutzung selbst im Rahmen der Möglichkeiten u.a. des öffentlichen Baurechts bestimmen wird. Im Übrigen ist die Gemeinde bei der Aufstellung und Fortschreibung von derzeit nicht ernsthaft im Raum stehenden - Bebauungsplänen für das Gebiet gehalten, die tatsächlichen Verhältnisse im Plangebiet zu berücksichtigen.

Geht man davon aus, dass der streitige Nachtrag zum Sonderbetriebsplan die von Art. 28 Abs. 2 GG umfasste Planungshoheit der Antragstellerin beeinträchtigen sollte, so führte das noch nicht zur Feststellung einer Rechtsverletzung der Antragstellerin. Denn dann käme es auf die Abwägung zwischen dem Recht der Antragstellerin aus Art. 28 Abs. 2 GG mit den gegenläufigen bergrechtlichen Befugnissen der Beigeladenen an; sie wird aller Voraussicht nach zu Lasten der Antragstellerin ausgehen.

Durch das Bundesberggesetz vom 13.08.1980 (BGBl I S. 1310), dessen wesentliche Bestimmungen am 01.01.1982 in Kraft getreten sind, hat das Bergrecht in der Bundesrepublik Deutschland erstmals eine umfassende bundesgesetzliche Regelung erfahren. Das BBergG ersetzt die vorher gültigen Landesberggesetze sowie zahlreiche bergrechtliche Nebengesetze des Bundes und der Länder (für das Saarland siehe § 176 Abs. 1 Nrn. 80 bis 90). Das deutsche Bergrecht kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen stammen bereits aus dem Mittelalter. Sie waren geprägt durch das Bergregal, d.h. das ausschließliche Recht des Kaisers bzw. der einzelnen Fürsten zur Aufsuchung und Gewinnung der wichtigsten Bodenschätze. Eine grundlegende Änderung brachte erst die preußische Bergrechtsreform. Mit Inkrafttreten des Preuß. Allgemeinen Berggesetzes vom 24.06.1865 wurde das Bergregal abgeschafft und die Bergbaufreiheit eingeführt. Danach durfte jeder nach den bergfreien, d.h. dem Grundeigentum entzogenen Bodenschätzen schürfen und hatte, wenn er fündig wurde, einen Anspruch auf Verleihung des Bergwerkseigentums. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland stellte sich die Frage, ob das Preußische Allgemeine Berggesetz Bundesrecht geworden sei, was vom BGH verneint wurde (Beschluss vom 24.11.1953, BGHZ 11, 104), weil das Recht des Bergbaus gemäß Art. 74 Nr. 11 GG zur konkurrierenden Gesetzgebung des Bundes gehört. Ziel des am 01.01.1982 in Kraft getretenen BBergG ist es, zur Sicherung der Rohstoffversorgung eine ordnende Grundlage für das Aufsuchen, Gewinnen und Aufbereiten von Bodenschätzen zu schaffen. Das BBergG schafft bundeseinheitlich rohstoffwirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Bergbauwirtschaft, ordnet den Arbeitsschutz und regelt das Verhältnis des Bergbaus zum Grundeigentum. Die Bestimmungen des Gesetzes sind überwiegend dem öffentlichen Recht zuzuordnen; zum Teil haben sie aber auch privatrechtlichen Inhalt, z.B. die Bergschadensvorschriften. Der Geltungsbereich des BBergG umfasst nicht alle Bodenschätze, sondern nur die „bergfreien“ und die „grundeigenen“. Zu den bergfreien Bodenschätzen, die im Gesetz namentlich aufgeführt sind, gehören solche mineralischen Grundstoffe, die für die Rohstoffversorgung besonders wichtig sind, nämlich Erze, Salze, Kohle, Erdöl und Erdgas. Sie sind der Verfügungsbefugnis des Grundeigentümers entzogen; zu ihrer Gewinnung bedarf es einer besonderen Bergbauberechtigung (Erläuterungen zum Bundesberggesetz von Dr. Herbert Weller, Bonn, abgedruckt in: Das deutsche Bundesrecht, III D 50, S. 93 ff.; BT-Drucksachen 8/1315 = ZfB 1981, 94, und 11/4015 = ZfB 1990, 89).

Das Bundesverfassungsgericht hat in der „Schloss Cappenberg“-Entscheidung vom 21.10.1987 - 1 BvR 1048/87 -, BVerfGE 77, 130, darauf abgestellt, dass der Bergwerksberechtigte für seine Bergbauberechtigungen nach allgemeiner Auffassung (vgl. Papier in: Maunz/Dürig, GG, Art. 14 Rdnr. 191a) Grundrechtsschutz nach Art 14 GG beanspruchen kann (Vgl. etwa auch Kühne, Bestandsschutz alten Bergwerkseigentums unter Berücksichtigung des Art. 14 GG, Baden-Baden 1998 mit Hinweis in ZfB 2000, 212).

Zur Lösung dieses vorliegend allein unterstellten - Konfliktes zwischen dem Eigentumsrecht des Bergbaubetreibers und der Planungshoheit der Gemeinde kommen vom Ansatz her drei Möglichkeiten in Betracht. Entweder ist der Konflikt einseitig zugunsten des Bergbaubetreibers oder einseitig zu Gunsten der Gemeinde oder durch eine zwischen den widerstreitenden Rechten vermittelnde Zwischenlösung zu lösen. Für eine der ersten beiden Lösungen spricht nichts. Dass die somit allein in Betracht kommende vermittelnde Lösung einer gesetzlichen Regelung zugänglich wäre, vermag das Gericht nicht zu erkennen. Dementsprechend ist dieser Konflikt unter Anwendung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit zu lösen.

In diesem Zusammenhang kommt der „Situationsgebundenheit“ der Gemeinde in Bezug auf die Existenz der dort seit dem Jahre 1952 vorhandenen Bergehalde, die von der Grundfläche her auch nicht vergrößert werden soll, ein entscheidendes Gewicht zu.

Zutreffend hat der Antragsgegner darauf hingewiesen, dass die Planung, Genehmigung und der Bau einer alternativen Bergehalde einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren erforderte und möglicherweise das Ende des Bergwerks Saar bedeuteten könnte. Nimmt man hinzu, dass die Antragstellerin bislang keine konkreten Planungsabsichten für das Haldengelände vorgetragen hat, sondern seine planerische Verfügbarkeit allein unter dem Blickwinkel einer Flächenvorsorge beansprucht, sind diese Interessen gegenüber dem Interesse der Beigeladenen an der weiteren Nutzung der Halde hintan zu stellen

Ist daher im Ergebnis davon auszugehen, dass sich der Nachtrag vom 27.09.2002 zum Sonderbetriebsplan vom 01.12.2002 für die Endgestaltung der Bergehalde Maybach im Verhältnis zur Antragstellerin aller Voraussicht nach nicht als rechtswidrig darstellt, überwiegt das Vollzugsinteresse des Antragsgegners und der Beigeladenen am Weiterbetrieb der Halde das entgegenstehende Suspensivinteresse der Antragstellerin.

Deshalb ist der Antrag mit der Kostenfolge aus § 154 Abs. 1 VwGO zurückzuweisen.

Die außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen sind der Antragstellerin auf der Grundlage von § 162 Abs. 3 VwGO aufzuerlegen, weil die Beigeladene einen Antrag gestellt hat und dementsprechend selbst das Risiko der Kostentragung 154 Abs. 3 VwGO) eingegangen ist.

Die Streitwertfestsetzung beruht auf den §§ 20 Abs. 3, 13 Abs. 1 Satz 1 GKG. Die Klage einer drittbetroffenen Gemeinde gegen eine bergrechtliche Maßnahme ist nach Tz. 11.3 des Streitwertkatalogs grundsätzlich mit einem Streitwert von 60.000 Euro zu bemessen. Dieser Betrag ist nach Tz. 1.5 des Streitwertkatalogs im Hinblick darauf zu halbieren, dass es sich vorliegend allein um ein Eilrechtschutzverfahren handelt. Das ergibt den Wert von 30.000 Euro.

Sonstiger Langtext

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diese Entscheidung steht den Beteiligten und den sonst von der Entscheidung Betroffenen die Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes zu.

Die Beschwerde ist bei dem Verwaltungsgericht des Saarlandes, Kaiser-Wilhelm-Straße 15, 66740 Saarlouis, schriftlich oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe der Entscheidung einzulegen. Die Beschwerdefrist ist auch gewahrt, wenn die Beschwerde innerhalb der Frist bei dem Beschwerdegericht eingeht.

Die Beschwerde ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung zu begründen. Die Begründung ist, soweit sie nicht bereits mit der Beschwerde vorgelegt worden ist, bei dem Oberverwaltungsgericht des Saarlandes, Kaiser-Wilhelm-Straße 15, 66740 Saarlouis, einzureichen. Sie muss einen bestimmten Antrag enthalten, die Gründe darlegen, aus denen die Entscheidung abzuändern oder aufzuheben ist und sich mit der angefochtenen Entscheidung auseinandersetzen. Das Oberverwaltungsgericht prüft nur die dargelegten Gründe.

Einlegung und Begründung der Beschwerde müssen durch einen Rechtsanwalt oder einen Rechtslehrer an einer deutschen Hochschule im Sinne des Hochschulrahmengesetzes mit Befähigung zum Richteramt als Prozessbevollmächtigten erfolgen. Juristische Personen des öffentlichen Rechts und Behörden können sich auch durch Beamte oder Angestellte mit Befähigung zum Richteramt sowie Diplomjuristen im höheren Dienst, Gebietskörperschaften auch durch Beamte und Angestellte mit Befähigung zum Richteramt der zuständigen Aufsichtsbehörde oder des jeweiligen kommunalen Spitzenverbandes des Landes, dem sie als Mitglied zugehören, vertreten lassen.

Gegen die Festsetzung des Streitwerts steht den Beteiligten oder sonst von der Entscheidung Betroffenen die Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes, zu, wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 200,00 Euro übersteigt.

Die Beschwerde ist bei dem Verwaltungsgericht des Saarlandes, Kaiser-Wilhelm-Straße 15, 66740 Saarlouis, schriftlich oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle einzulegen.

einzulegen.

Die Beschwerde ist nur bis zum Ablauf von sechs Monaten nach Eintritt der Rechtskraft der Entscheidung in der Hauptsache oder anderweitiger Erledigung zulässig.

VG Saarlouis: arbeitskraft, hausarzt, verfügung, erhöhter beweiswert, diagnose, disziplinarverfahren, intervention, unverzüglich, anstaltsleitung, unterlassen

7 K 625/09 vom 16.07.2010

VG Saarlouis: jagdhütte, nutzungsänderung, bauwerk, standort des gebäudes, forsthütte, verordnung, bewirtschaftung, bauherr, ernte, gemeinde

5 K 1767/08 vom 03.06.2009

VG Saarlouis: garage, wohnhaus, wohngebäude, grenzmauer, grenzabstand, firsthöhe, flachdach, einheit, bauarbeiten, grundstück

5 K 82/05 vom 24.05.2006

Anmerkungen zum Urteil