Urteil des VG Düsseldorf vom 20.03.2000, 12 K 673/97.A

Aktenzeichen: 12 K 673/97.A

VG Düsseldorf: togo, politische verfolgung, wahrscheinlichkeit, asylbewerber, gefahr, auskunft, genfer konvention, staatliche verfolgung, amnesty international, botschaft

Verwaltungsgericht Düsseldorf, 12 K 673/97.A

Datum: 20.03.2000

Gericht: Verwaltungsgericht Düsseldorf

Spruchkörper: 12. Kammer

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 12 K 673/97.A

Tenor: Die Klage wird abgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden.

Tatbestand: 1

Der Kläger stammt aus Togo. 2

3Er reiste nach eigenen Angaben per Flugzeug und einer Zwischenlandung in Belgien in die Bundesrepublik Deutschland ein und beantragte am 7. Mai 1996 die Anerkennung als Asylberechtigter.

4Mit Bescheid vom 9. Januar 1997 lehnte das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge (Bundesamt) den Asylantrag als unbegründet ab und stellte fest, daß weder die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 AuslG noch Abschiebungshindernisse nach § 53 AuslG vorliegen. Zugleich forderte es den Kläger unter Androhung der Abschiebung nach Togo auf, das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland innerhalb eines Monats nach Eintritt der Unanfechtbarkeit des Bescheides des Bundesamtes zu verlassen. Der Bescheid wurde dem Kläger am 14. Januar 1997 zugestellt.

Der Kläger hat am 28. Januar 1997 Klage erhoben. 5

Der Kläger beantragt, 6

7die Beklagte unter Aufhebung des Bescheides des Bundesamtes vom 9. Januar 1997 zu verpflichten, ihn als Asylberechtigten anzuerkennen bzw. festzustellen, daß die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 AuslG vorliegen,

hilfsweise festzustellen, daß Abschiebungshindernisse nach § 53 AuslG vorliegen. 8

Die Beklagte beantragt schriftsätzlich, 9

die Klage abzuweisen. 10

11Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird ergänzend auf den Inhalt der Gerichtsakten und der beigezogenen Verwaltungsvorgänge der Beklagten sowie auf die der Kammer vorliegenden Auskünfte und Erkenntnisse, auf die der Kläger hingewiesen worden ist, Bezug genommen.

Entscheidungsgründe: 12

Die zulässige Klage ist unbegründet. 13

14Der angegriffene Bescheid ist rechtmäßig und verletzt den Kläger nicht in seinen Rechten 113 Abs. 1 und Abs. 5 VwGO).

15Der Kläger hat weder einen Anspruch auf die Anerkennung als Asylberechtigter (I.) noch auf die begehrten Feststellungen nach § 51 AuslG (II.) und § 53 AuslG (III.). Er ist von der Beklagten zu Recht unter Abschiebungsandrohung zum Verlassen des Bundesgebietes innerhalb der im Bescheid genannten Frist aufgefordert worden (IV.).

I. 16

17Der Kläger ist nicht als Asylberechtigter anzuerkennen; Art. 16a Abs. 2 Satz 1 GG i.V.m. § 26a Abs. 1 Satz 2 AsylVfG verbietet dies, weil die Einreise über einen „sicheren Drittstaat" im Sinne des Art. 16a Abs. 2 GG, 26a Abs. 2 AsylVfG i.V.m. der Anlage I zu dieser Vorschrift erfolgte (Zwischenaufenthalt mit Flugzeugwechsel in Belgien).

II. 18

Der Kläger hat auch keinen Anspruch auf Gewährung von Abschiebungsschutz nach § 51 Abs. 1 AuslG, weil bei einer Abschiebung nach Togo keine politische Verfolgung droht.

20Nach § 51 Abs. 1 AuslG darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist. Die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 AuslG sind deckungsgleich mit denjenigen des Asylanspruchs aus Art. 16 a Abs. 1 GG, soweit es die Verfolgungshandlung, das geschützte Rechtsgut und den politischen Charakter der Verfolgung betrifft.

21BVerwG, Urteil vom 18. Februar 1992 - 9 C 59.91 -, DVBl. 1992, 843 = DÖV 1992, 582 = NVwZ 1992, 892.

22Mit Blick darauf geht das Gericht auch im Rahmen des streitigen Abschiebungsschutzbegehrens - vorbehaltlich hier nicht einschlägiger Besonderheiten bei selbstgeschaffenen Nachfluchtgründen - von denjenigen Grundsätzen aus, die für die Auslegung des Art. 16 a Abs. 1 GG gelten.

23

Vgl. insbesondere grundlegend: BVerfG, Beschluß vom 10. Juli 1989 - 2 BvR 502/86 u.a. -, BVerfGE 80, 315 ff.; vgl. ferner zur Deckungsgleichheit von Art. 16 a Abs. 1 GG 19

und § 51 Abs. 1 AuslG mit dem Flüchtlingsbegriff der Genfer Konvention: BVerwG, Urteil vom 26. Oktober 1993 - 9 C 50.92 u.a. -, NVwZ 1994, 500 (503); Urteil vom 18. Januar 1994 - 9 C 48.92 -, NVwZ 1994, 497 (498 ff.) = DVBl. 1994, 531 ff.

24Eine Verfolgung ist dann eine politische, wenn sie dem einzelnen in Anknüpfung an seine politische Überzeugung, seine religiöse Grundentscheidung oder an für ihn unverfügbare Merkmale, die sein Anderssein prägen, gezielt Rechtsverletzungen zufügt, die ihn ihrer Intensität nach aus der übergreifenden Friedensordnung der staatlichen Einheit ausgrenzen.

25Vgl. BVerfG, Beschluß vom 10. Juli 1989 - 2 BvR 502/86 u.a. -, BVerfGE 80, 315 (333 ff.).

26In Anlehnung an das durch den Zufluchtgedanken geprägte normative Leitbild des Asylgrundrechts gelten auch für die Beurteilung, ob ein Asylsuchender politisch Verfolgter im Sinne des § 51 Abs. 1 AuslG ist, unterschiedliche Maßstäbe je nach dem, ob er seinen Heimatstaat auf der Flucht vor eingetretener oder unmittelbar drohender politischer Verfolgung verlassen hat oder ob er unverfolgt in die Bundesrepublik Deutschland gekommen ist. Im erstgenannten Fall ist Abschiebungsschutz zu gewähren, wenn der Ausländer vor erneuter Verfolgung nicht hinreichend sicher sein kann (herabgestufter Prognosemaßstab). Hat der Ausländer sein Heimatland jedoch unverfolgt verlassen, so kann sein Feststellungsbegehren nach § 51 Abs. 1 AuslG nur Erfolg haben, wenn ihm aufgrund von beachtlichen Nachfluchttatbeständen politische Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit droht (gewöhnlicher Prognosemaßstab).

27Vgl. BVerfG, Beschluß vom 2. Juli 1980 - 1 BvR 147/80 u.a. -, BVerfGE 54, 341 (360), Beschluß vom 10. Juli 1989 - 2 BvR 502/86 u.a. -, BVerfGE 80, 315 (344 f.).

28Bei Anwendung dieser Grundsätze ist im vorliegenden Fall der gewöhnliche Prognosemaßstab anzuwenden. Der Kläger war vor der Ausreise aus Togo weder von politischer Verfolgung betroffen noch von einer solchen unmittelbar bedroht.

29Grundsätzlich müssen die verfolgungsschutzbegründenden Tatsachen zur Überzeugung des Gerichts nachgewiesen werden, wobei für den Nachweis derjenigen Fluchtgründe, die ihren Ursprung im Heimatland des Schutzsuchenden haben, in der Regel die Glaubhaftmachung genügt. Insoweit kommt naturgemäß dem persönlichen Vorbringen des Betroffenen besondere Bedeutung zu. Er ist gehalten, seine Gründe für das Vorliegen einer politischen Verfolgung schlüssig mit genauen Einzelheiten vorzutragen.

30BVerwG, Urteil vom 12. November 1985, - 9 C 27.85 -, InfAuslR 1986, 79 sowie Beschluß vom 21. Juni 1989, - 9 B 239/89 -, NVwZ 1990, 171.

31Hierzu gehört, daß er zu den in seine eigene Sphäre fallenden Ereignissen insbesondere zu seinen persönlichen Erlebnissen eine substantiierte, im wesentlichen widerspruchsfreie und nicht wechselnde Schilderung gibt, die geeignet ist, den behaupteten Schutzanspruch zu tragen.

32BVerwG, Urteil vom 22. März 1983, - 9 C 68.81 -, Buchholz 402.24 § 28 AuslG, Nr. 44 sowie Beschluß vom 26. Oktober 1989, - 9 B 405/89 -, NVwZ-RR 1990, 380.

33Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze hat der Kläger nicht glaubhaft machen können, vor der Ausreise politisch verfolgt worden zu sein oder bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit verfolgt zu werden.

34Soweit der Kläger zur Begründung des Asylbegehrens im wesentlichen vorgetragen hat, ihm habe nach Ende einer rund einjährigen Haft wegen seines politischen Engagements in der Heimat erneute Inhaftierung gedroht, nachdem er Flugblätter für die PDR vervielfältigt und verteilt habe, glaubt ihm das Gericht nicht.

35Für die Gewinnung der für die Anerkennung als politischer Flüchtling erforderlichen Überzeugung des Gerichts von der Wahrheit der von einem Asylbewerber als in der Heimat selbst erlebte Ereignisse geschilderten Umstände ist wegen der asylrechtstypischen Beweisschwierigkeiten die Glaubwürdigkeit des Betroffenen bzw. deren Fehlen von ausschlaggebender Bedeutung. Der Kläger hat seine Glaubwürdigkeit in einem für die Verfolgungsgeschichte wesentlichen Punkt - durch einen unglaubhaften Vortrag - verloren.

36Die Geschichte des Klägers ist nach den Umständen, unter denen er von einer erneut drohenenden Verhaftung erfahren haben will, unglaubhaft. Ausgerechnet die Polizisten, die ihn nach Ende der Haftzeit freiließen, sollen lange nach seiner Adresse geforscht und den Kläger gesucht haben, um ihn vor einer kurz bevorstehenden neuerlichen Verhaftung wegen seines politischen Engagements zu warnen. Der Kläger vermochte keine plausible Erklärung für das Verhalten der Polizisten zu geben. Zwar versuchte er die Hilfe damit zu begründen, daß er sich mit den Polizisten am Tage seiner Entlassung gut unterhalten habe und sie Stammesnachbarn seien. Dies vermag aber im Hinblick darauf, daß den Polizisten im Falle des Bekanntwerdens ihrer Warnung erhebliche Nachteile drohten, nicht zu überzeugen.

37Der Eindruck der Unglaubwürdigkeit des Klägers, der aus Furcht vor politischer Verfolgung mit Hilfe eines Schleppers nach Deutschland gekommen sein will, um hier politisches Asyl zu finden, wird zudem durch die widersprüchliche Schilderung zu dem Verbleib der Papiere, mit denen er nach Deutschland gereist sein will, erschüttert. So gab er bei dem Bundesamt an, er habe sämtliche Papiere wie Paß und Ticket auf Weisung des Schleppers an seinen Cousin zurückgeschickt, der Verbindung mit der Schlepperorganisation gehabt habe. Bei der Anhörung ließ er sich hingegen dahin ein, er habe einem ihm unbekannten jungen Mann, den er im Flugzeug gesehen habe, die Papiere am Hamburger Flughafen übergeben, um keinen Ärger mit diesem zu bekommen, nachdem dieser von ihm deren Herausgabe verlangt habe. Dieser Widerspruch ist unauflöslich und das diesbezügliche Aussageverhalten des Klägers belegt dessen - seine Glaubwürdigkeit nachhaltig untergrabende - Bereitschaft, im Asylverfahren unzutreffende Angaben zu machen, um das Ziel einer Anerkennung als politischer Flüchtling zu erreichen.

38Er hat durch seine unglaubhaften und widersprüchlichen Aussagen seine Glaubwürdigkeit insgesamt verloren, so daß das Gericht daher auch den übrigen Vorverfolgungsvortrag nicht zu glauben vermag.

39Die behauptete Mitgliedschaft des Klägers in der ATLMC, einer Vereinigung, die die PDR unterstützt, ist als solche mit keiner Verfolgungsgefahr verbunden. Die bloße Mitgliedschaft in einer Oppositionspartei stellt in Togo keinen Verfolgungsgrund dar. Eine - allerdings geringe und daher den Prognosemaßstab der beachtlichen

Wahrscheinlichkeit im allgemeinen nicht ausfüllende - Gefahr, Opfer politischer Verfolgung zu werden, besteht allenfalls für politisch aktive Mitglieder der Opposition. Ausschlaggebend für die Verfolgung politischer Aktivisten ist weniger ihr Rang oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei als der Grad ihrer politischen Aktivitäten.

Vgl. Lagebericht des Auswärtigen Amtes zu Togo vom 24. September 1998. 40

41Die angeblichen Aktivitäten des Klägers in der Heimat für die ATLMC als deren Repräsentant in den Regionen Esmonar, Tschamba, Koussountou und Kamboli, die er ein- bis zweimal monatlich besucht haben will, um dort mit den Sektionspräsidenten und den Mitgliedern zu sprechen, und die Aktionen zur Unterstützung der PDR (Versammlungsbesuch, Herstellen und Verteilen von Flugblättern) blieben zu untergeordnet, um ihn als ein für ein Verfolgungsinteresse hinreichend aktives Mitglied der Opposition zu qualifizieren.

42Ist nach dem oben Dargelegten nicht glaubhaft, daß vor der Ausreise asylrelevante staatliche Verfolgung erfolgt ist oder unmittelbar drohte, so bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, daß bei einer Rückkehr ein politisch motiviertes Verfolgungsinteresse bestünde.

Auch auf beachtliche Nachfluchtgründe ist der Anspruch nicht zu stützen. 43

44Es besteht nicht die für die Feststellung von Abschiebungshindernissen erforderliche beachtliche Wahrscheinlichkeit, daß jeder - unverfolgt ausgereiste - togoische Asylbewerber allein aufgrund seines Auslandsaufenthalts bzw. der Asylantragstellung bei seiner Rückkehr politischer Verfolgung ausgesetzt sein wird.

45Vgl. insoweit OVG NW, Urteile vom 24. Juli 1995 - 23 A 5963/94.A -, vom 26. August 1996 - 23 A 296/95.A - sowie vom 14. November 1997 - 23 A 2412/96.A - und Beschluß vom 19. April 1999 - 23 A 4894/95.A -; ebenso VGH Baden- Württemberg vom 27. November 1998 - A 13 S 1913/96 -; Bayrischer VGH, Urteil vom 30. März 1999 - 25 BA 95.34283 -; OVG Brandenburg, Urteil vom 29. Mai 1997 - 4 A 175/95.A -; OVG Hamburg vom 19. Dezember 1995 - OVG Bf VI (VII) 15/95) -; OVG Lüneburg, Urteil vom 26. September 1994 - 3 L 5727/92 -; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 19. Dezember 1996 - 1 A 12657/96 -; OVG Saarland, Urteile vom 26. August 1999 - 1 R 3 und 5/99; OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 27. November 1997 - A 2 S 14/97 -; OVG Schleswig- Holstein, Urteil vom 13. November 1996 - 3 A 42/94 - und vom 23. März 1999 - 4 L 159/98 -; und OVG Thüringen, Urteil vom 5. Dezember 1996 - 3 KO 847 -; a.A. OVG Mecklenburg- Vorpommern, Urteil vom 23. April 1996 - 2 L 209/95 - und das OVG Saarland im Urteil vom 10. November 1994 - 9 R 24/92 -; das OVG Saarland hat diese Rechtsprechung mittlerweile aufgegeben.

46Auch das erkennende Gericht vertritt auf der Grundlage der eingeführten Auskünfte und Erkenntnisse zu dieser Frage in ständiger Rechtsprechung die Auffassung, daß eine beachtliche Wahrscheinlichkeit für eine Verfolgungsgefahr allein wegen des - langen - Auslandsaufenthalts und der Stellung eines Asylantrages nicht besteht. Diese Einschätzung beruht mit Blick auf die allgemeine politische Situation in Togo, wie sie in den zitierten Urteilen des Bayrischen Verwaltungsgerichtshofs vom 25. Juni 1996, des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 14. November 1997 und des VGH Baden-Württemberg vom 27. November 1998 ausführlich dargestellt ist, insbesondere auf dem Umstand, daß trotz einer beachtlichen Zahl in der näheren

Vergangenheit nach Togo abgeschobener Asylbewerber aus Deutschland und verschiedenen anderen europäischen Ländern nach wie vor keine als repräsentativ zu bezeichnende Anzahl von Referenzfällen bekannt geworden ist, in denen zurückgekehrte Asylbewerber politischer Verfolgung allein wegen der Asylantragstellung ausgesetzt gewesen wären. Anhaltspunkte dafür, daß sich hieran aufgrund der Nachwahlen im August 1996, der Entlassung des früheren Premierministers Edem Kodjo und der Berufung von Klutsè zum neuen Premierminister, der Präsidentschaftswahlen im Juni 1998 oder der von der Opposition boykottierten Parlamentswahlen vom März 1999 Wesentliches geändert haben könnte, bestehen nicht.

47Vgl. Lageberichte des Auswärtigen Amtes zu Togo vom 19. März und 24. September 1998 sowie 10. Februar 1999 (Az.: 514-516.80/3 TOGO).

48Desweiteren liegen auch keine anderen nach der Ausreise eingetretenen Gründe vor, die einen Anspruch auf Verfolgungsschutz stützen könnten.

49Das gilt auch im Hinblick auf die vorgetragenen exilpolitischen Aktivitäten. Nach der bestehenden, in das Verfahren eingeführten Auskunftslage ist weiterhin nicht davon auszugehen, daß die togoische Regierung einfache exilpolitische Tätigkeiten von Einzelpersonen systematisch erfaßt und den Betroffenen im Fall ihrer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit die Gefahr politischer Verfolgung droht, sofern sie in einer Exilorganisation nicht in herausgehobener Weise politisch tätig waren.

50Bei der in jedem Einzelfall zu treffenden Entscheidung, wann eine beachtliche Verfolgungswahrscheinlichkeit anzunehmen ist und nicht nur die bloße Möglichkeit der politischen Verfolgung gegeben ist, sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Entscheidend für die Frage einer potentiellen Gefährdung bei einer Rückkehr nach Togo ist nicht die Mitgliedschaft in einer Exilorganisation oder allein die Funktion des betreffenden Asylbewerbers innerhalb der jeweiligen Vereinigung, sondern vielmehr die Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit des entsprechenden Engagements, vor allem der Grad der Öffentlichkeitswirksamkeit der jeweiligen Betätigung. Als mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit gefährdet anzusehen sind demnach Personen, die den togoischen Machthabern bereits in der Heimat wegen regimefeindlicher Aktivitäten aufgefallen sind, sowie an exponierter Stelle auftretende und agierende Wortführer der Exilorganisationen und sonst in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Kritiker der Verhältnisse in Togo. Nur bei derartig profilierter, individueller exilpolitischer Betätigung besteht Grund zu der Annahme, daß der betroffene Asylbewerber bei einer Rückkehr nach Togo mit politischer Verfolgung rechnen muß.

51Vgl. so auch OVG NW, Urteile vom 26. August 1996 - 23 A 296/95.A - und 14. November 1997 - 23 A 2412/96.A sowie Beschluß vom 19. April 1999 - 23 A 4894/95.A; VGH Baden-Württemberg vom 27. November 1998 - A 13 S 1913/96 -; OVG Rheinland- Pfalz, Urteil vom 19. Dezember 1996 - 1 A 12657/96. OVG -; OVG Saarland, Urteile vom 26. August 1999 - 1 R 3 und 5/99; Schleswig-Holsteinisches OVG, Urteil vom 13. November 1996 - 1 L 219/96 -; Thüringisches Oberverwaltungsgericht, Urteil vom 5. Dezember 1996 - 3 KO 847/96 -; jeweils mit weiteren Nachweisen; a.A. OVG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 23. April 1996 - 2 L 209/95 -.

52Eine andere Einschätzung rechtfertigen auch nicht Auskünfte des UNHCR vom 3. Juli 1998 an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und vom 6. Juli 1998 an das

Verwaltungsgericht Regensburg. Bei der Auskunft vom 6. Juli 1998 an das VG Regensburg handelt es sich im Hinblick auf die Gefährdungsprognose durch die exilpolitischen Tätigkeiten um die Einschätzung der Rückkehrgefährdung in einem konkreten Einzelfall. Im übrigen wird auch in der Auskunft vom 3. Juli 1998 zur Rückkehrgefährdung insbesondere auf Übergriffe auf die 1997 nach Togo zurückgekehrten ehemaligen Militärangehörigen sowie Anhänger der gewaltbereiten Exilopposition verwiesen, darüber hinaus wird die allgemeine Situation in Togo nach den jüngsten Präsidentschaftswahlen seitens des UNHCR zwar als krisenträchtig eingestuft, keinesfalls kann der Stellungnahme aber schon eine mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zu erwartende Gefährdung von nicht in exponierter Weise exilpolitisch tätigen Asylbewerbern oder aber aller Asylbewerber im Falle ihrer Rückkehr entnommen werden.

53Vgl. hierzu Stellungnahme des UNHCR an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof vom 3. Juli 1998 und an das Verwaltungsgericht Regensburg vom 6. Juli 1998.

54Letztere Einschätzung deckt sich mit der des Auswärtigen Amtes. Dieses sieht aufgrund seiner Analyse der Lage in Togo keine Gefährdung bloßer Mitglieder von Oppositionsparteien oder Exilorganisationen und allenfalls eine geringe Gefährdung aktiver Angehöriger der Opposition und nicht-extremistischer Exilorganisationen. Daran hat sich grundsätzlich auch nichts durch die Ereignisse nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 1998,

55vgl. Lageberichte des Auswärtigen Amtes zu Togo vom 24. September 1998 und 10. Februar 1999 (Az.: 514- 516.80/3 TOGO),

56oder seit Veröffentlichung des Berichtes von ai zur Menschenrechtslage in Togo vom 5. Mai 1999 geändert.

57Vgl. Auskunft der deutschen Botschaft in Lomé an das Hamburgische OVG vom 19. Oktober 1999.

58Die Wahrscheinlichkeit einer Verfolgungsgefahr wegen exilpolitischer Tätigkeit in Deutschland ist - wie der Bay. VGH in seinem Urteil vom 30. März 1999 - 25 BA 95.34283 - ausgeführt hat - auch deswegen als gemindert anzusehen, weil Exilorganisationen im europäischen Ausland nur eine untergeordnete Rolle als Bedrohungsfaktor für den Herrschaftsanspruch des Regimes spielen können. Zwar wirken sich deren Aktivitäten auf das Ansehen des Regimes im Ausland, das unter der in Togo herrschenden Mißachtung von Menschenrechten und Rechten der politischen Opposition mit Auswirkungen auf die Bereitschaft Deutschlands zur Leistung von Entwicklungshilfen gelitten hat, zusätzlich negativ aus. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß das Regime bereit wäre, sich durch eine Verfolgung exilpolitisch tätiger Rückkehrer aus Europa einem noch größeren Ansehensverlust auszusetzen, zumal auch den interessierten togoischen Stellen bekannt ist, daß der Mitarbeit in Exilorganisationen häufig die Motivation zugrundeliegt, die Chancen in einem Asylverfahren zu verbessern. Nach den Erfahrungen des Auswärtigen Amtes sind dementsprechend die togoischen Behörden vielmehr um eine korrekte Behandlung von Rückkehrern bemüht, um Kritik und damit einen weiteren Ansehensverlust zu vermeiden.

59Vgl. Lagebericht des Auswärtigen Amtes zu Togo vom 10. Februar 1999 (Az.: 514- 516.80/3 TOGO) und zum Bewußtsein des togoischen Regimes um den

Zusammenhang von exilpolitischer Aktivität und dem Bemühen um ein Aufenthaltsrecht in Deutschland: Auskunft der deutschen Botschaft in Lomé an das Hamburgische OVG vom 19. Oktober 1999.

60Gegen eine verschärfte Situation für nach Togo zurückkehrende abgelehnte Asylbewerber spricht insbesondere der Umstand, daß auch zwischen Juli 1998 und Oktober 1998, also nach den von Unruhen begleiteten Präsidentschaftswahlen, insgesamt 63 Abschiebungen nach Togo durchgeführt wurden.

61Vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 27. November 1998 - A 13 S 1913/96 - sowie Auskunft der Grenzschutzdirektion vom 22. Dezember 1998 an das Verwaltungsgericht Aachen.

62Auch hinsichtlich der 26 Personen, die am 30. November 1998 aus Deutschland nach Togo abgeschoben wurden, ist bislang kein Fall bekannt geworden, in dem einer der Rückkehrer asylrelevanter Verfolgung unterworfen worden wäre. Vielmehr wurden 17 der Rückkehrer direkt von ihren Angehörigen in Empfang genommen; bei den anderen, deren Familien nicht am Flughafen gewartet haben geschah dies in den Folgetagen, nachdem die Rückkehrers zwischenzeitlich auf Kosten der deutschen Ausländerbehörden in einem flughafennahen Hotel untergebracht worden waren. Lediglich in einem Fall kam es zu einem Personenfeststellungsverfahren, da die Staatsangehörigkeit des Abgeschobenen nicht zweifelsfrei geklärt war.

63Vgl. Auskunft des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Dr. Ludger Volmer, vom 10. Dezember 1998 an den Ökumenischen Arbeitskreis Asyl Grafenwöhr.

64Es fehlt daher nach wie vor an hinreichend zuverlässig dokumentierten - d.h. von mindestens zwei unabhängigen Quellen bestätigten - Referenzfällen, aus denen sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine Verfolgungsgefahr unverfolgt ausgereister, nach erfolglosem Asylverfahren abgeschobener Togoer allein wegen ihrer Asylantragstellung ergäbe.

65Vgl. so auch VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 27. November 1998 - A 13 S 1913/96 -.

66Gleiches gilt für unverfolgt ausgereiste Togoer, die sich in Deutschland nur niedrig profiliert exilpolitisch betätigt haben.

67Hinsichtlich der drei in der Auskunft von amnesty international vom 28. November 1998 genannten Fälle gibt es bislang keine - auch von a.i. sonst für verwertbare Auskünfte als notwendig angesehene - Bestätigung durch eine zweite objektive Quelle.

68Ihrer Eignung als Referenzfälle für eine Verfolgung von Rückkehrern wegen ihrer Asylantragstellung oder exilpolitischen Tätigkeit in Deutschland stehen die einschlägigen Auskünfte des Auswärtigen Amtes entgegen.

69Vgl. Lagebericht des Auswärtigen Amtes zu Togo vom 10. Februar 1999 und die entsprechende Einschätzung des Bay. VGH, Urteil vom 30. März 1999 - 25 BA 95.34283 -.

Dies gilt insbesondere auch für den von ai geschilderten Fall des Herrn E. Gemäß 70

Auskunft vom 11. Dezember 1998 an das Baden-Württembergische Innenministerium (514-516.50 Togo 036 - Anlage zum Schreiben des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein e.V. vom 5. Januar 1999 an das VG Schleswig) hat das Auswärtige Amt den Betroffenen im November 1998 durch die Botschaft in Lomé befragt. Dabei erklärte Herr E, daß die behauptete mehrmonatig Haft nicht stattgefunden habe, sondern er nach einem Tag freigelassen worden sei und erst am 25. September 1998 ein erneuter Verhaftungsversuch stattgefunden habe. Aufgrund einer Stellungnahme von ai vom 19. Januar 1999, in der behauptet wurde, Herr E habe bei seiner Vorsprache vor der Botschaft tatsächlich angegeben, seine Haftzeit habe von Januar bis September 1998 gedauert, führte die Botschaft am 1. Februar 1999 ein erneutes Gespräch mit Herrn E. Darin behauptete er nun eine Haftdauer von Januar bis September 1998, ohne diese nach Auffassung der Botschaft überzeugend darstellen oder einen Grund für die Haft zu nennen zu können.

Vgl. Lagebericht des Auswärtigen Amtes zu Togo vom 10. Februar 1999. 71

Der Fall des Herrn E eignet sich mithin nicht als belegter Referenzfall, zumal auch nicht feststeht, daß allein die Asylantragstellung oder eine niedrig profilierte exilpolitische Tätigkeit der Grund für die behaupteten Zugriffe der Sicherheitskräfte waren.

73Für unverfolgt ausgereiste Asylbewerber ist nach Überzeugung des Gerichtes eine danach gering zu veranschlagende allgemeine Verfolgungsgefahr noch nicht mit der Prognose zu verbinden, auch einem nicht profiliert exilpolitisch Tätigen drohe mit der erforderlichen beachtlichen Wahrscheinlichkeit Verfolgung bei Rückkehr.

74Die hier geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten sind nicht hinreichend profiliert; sie lassen das Engagement des Asylbewerbers nicht aus der Masse vergleichbarer Beiträge anderer exilpolitisch aktiver Togoer in Deutschland hervortreten, deren Gefährdung nach den obigen Darlegungen bei einer Rückkehr nicht beachtlich wahrscheinlich ist. Das Vorbringen rechtfertigt nicht die Annahme, es handele sich um profilierte exilpolitische Tätigkeiten, die mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit die besondere Aufmerksamkeit des togoischen Staates und dessen Verfolgungsinteresse hervorriefen.

75Dazu reicht die Stellung des Klägers als im Vereinsregister eingetragener Präsident der CERAD, als Generalsekretär der PDR-Deutschland, als ehemaliger Präsident der aufgelösten PDR- Sektion O und Mitglied der ARBALO sowie die Teilnahme an deren Veranstaltungen mit Redebeiträgen nicht hin.

76

Nach den Kenntnissen des Gerichtes aus einer Vielzahl von Verfahren mit exilpolitisch tätigen Togoern ist die Zahl der togoischen Exilorganisationen einschließlich ihrer regionalen und lokalen Untergliederungen beträchtlich, die Relation der Funktionärsstellen zur Mitgliederzahl hoch und der personelle Wechsel in der Besetzung groß. Daher hebt sich die Übernahme eines Vorstandsamtes in einer exilpolitisch tätigen Organisation in ihrer Außenwirkung noch nicht erheblich von dem Engagement ab, das in vergleichbarer Weise auch andere exilpolitisch tätige Togoer entfalten, ohne daß diese deswegen das besondere Interesse der togoischen Sicherheitskräfte auf sich zögen. Dies gilt insbesondere auch für die Übernahme der oben genannten Vorstandsämter und selbst für das Amt im Vorstand der PDR- Deutschland, die eine große Zahl von Mitgliedern hat. Die Ämter vermitteln dem Kläger, der die damit verbundenen üblichen Aufgaben übernommen hat, als solche noch nicht 72

die Rolle eines ernstzunehmenden Gegners für das togoische Regime. Dies ergibt sich daraus, daß die PDR eine in Togo legal tätige Oppositionspartei ist und deren Unterstützung wie die anderer nichtextremistischer Oppositionsparteien dort nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zwangsläufig zu politischer Verfolgung führt. Die bloße Mitgliedschaft in einer Oppositionspartei stellt in Togo nämlich keinen Verfolgungsgrund dar. Eine - allerdings geringe und daher den Prognosemaßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit im allgemeinen nicht ausfüllende - Gefahr, Opfer politischer Verfolgung zu werden, besteht allenfalls für politisch aktive Mitglieder der Opposition. Ausschlaggebend für die Verfolgung politischer Aktivisten ist weniger ihr Rang oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei als der Grad ihrer politischen Aktivitäten.

Vgl. Lagebericht des Auswärtigen Amtes zu Togo vom 10. Februar 1999. 77

Bei dieser Situation für Aktivisten der PDR im Heimatland erscheinen die Aktivitäten des Klägers als Funktionär der Exil-PDR Deutschland und erst recht als ehemaliger Funktionär einer Unterorganisation der PDR oder einer anderen kleineren Organisation wie der CERAD zu unbedeutend für die Lage in Togo, als daß sich für das togoische Regime schon eine (Spitzen-)Stellung in deren Vorstand als solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit als verfolgungswürdig darstellen könnte. Diese Exilorganisationen sind für das politische Leben in Togo zu wenig relevant, als daß ihre allgemeinen politischen Aktivitäten eine ernstzunehmende, verfolgungswürdige Gefahr darstellen könnten, da keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, daß ihr in Deutschland Politiker angehören, die ein für eine Einflußnahme in Togo hinreichendes Gewicht haben, wie dies zum Beispiel bei Exilpolitikern wie dem prominenten Oppositionsführer Gilchrist Olympio der Fall ist. Diese fehlende Bedeutung erfaßt auch den Kläger in seiner Rolle als Generalsekretär der PDR, weil seine Außenwirkung zu gering ist. Nach seinen durch den Vizepräsidenten der PDR-Deutschland gestützten Aussagen in der mündlichen Verhandlung zu seinen Aktivitäten für die PDR als Generalsekretär beschränken sich diese im wesentlichen auf innerorganisatorische Aufgaben ohne unmittelbare Außenwirkung (Vorschläge zur Formulierung der Tagesordnung von Sitzungen, Erstellung von Sitzungs- und Veranstaltungsprotokollen, innerparteiliche Gespräche zur Strukturreform der Partei in Deutschland). Die gelegentliche Vertretung des Vorsitzenden und seines Stellvertreters in der Leitung der regelmäßigen Versammlungen der PDR-Deutschland gehören zu den üblichen Aufgaben eines Vorstandsmitgliedes, ohne seine Aktivitäten in einer für den Bestand des Regimes in Togo erheblichen Weise aus dem Üblichen herauszuheben. Bestärkt wird diese Einschätzung durch den Umstand, daß togoische Asylbewerber in ihrer überwiegenden Mehrzahl einer Exilorganisation angehören, also einen entsprechend hohen Anteil der Rückkehrer stellen, von denen - wie oben dargelegt - mit hoher Wahrscheinlichkeit bislang keiner Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt gewesen ist.

79An der Einschätzung, die Gefahr politischer Verfolgung wegen der exilpolitischen Aktivitäten des Klägers sei bei Rückkehr nicht beachtlich wahrscheinlich, ändert es nichts, daß über seine Wahl zum Präsidenten der CERAD in einer deutschen Lokalzeitung unter Nennung seines Namens berichtet worden ist. Es kommt nämlich nicht auf die Art des Bekanntwerdens der exilpolitischen Aktivitäten, sondern auf deren Gewicht an.

80

Eine beachtlich wahrscheinliche Gefahr einer Verfolgung bei Rückkehr ist auch nicht damit verbunden, daß der Kläger Korrespondent der togoischen Wochenschrift „M" ist und dort ein von ihm nur mit Kürzel gezeichneter Artikel über die Vorstandswahlen der 78

PDR-Deutschland sowie ein von ihm als Fragesteller mit dem Repräsentanten der PDR in Europa geführtes und namentlich gezeichnetes Interview veröffentlicht worden ist.

81Zwar wird immer wieder von Übergriffen der togoischen Regierung auf oppositionelle Journalisten, insbesondere durch Einschüchterungsversuche und Inhaftierungen wegen kritischer Artikel berichtet. Es existiert allerdings eine breite regierungskritische Oppositionspresse.

82Vgl. Lagebericht des Auswärtigen Amtes (AA) zu Togo vom 10. Februar 1999 und ai- Bericht vom 5. Mai 1999: Togo - staatlicher Terror -.

83Daher besteht nicht für jeden Journalisten, der Artikel für die Presseorgane der Opposition schreibt, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit die Gefahr, deswegen Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt zu werden. Soweit sich dies den Quellen entnehmen läßt, besteht eine erhöhte Verfolgungsgefahr für Herausgeber und Leiter von Zeitungen, für verantwortliche Redakteure, prominente Journalisten sowie Journalisten, die über konkrete, dem Regime unangenehme Ereignisse berichtet haben.

84Vgl. die im Lagebericht des AA vom 10. Februar 1999 und in dem ai-Bericht vom 5. Mai 1999 genannten Festnahmegründe.

85Da der Artikel des - nicht prominenten - Klägers und das Interview an untergeordneter, nicht herausragender Stelle erschienen sind und diese Veröffentlichungen sich im wesentlichen mit Problemen der Exilszene befassen, ohne konkrete Einzelprobleme in Togo aufzugreifen, ist der Kläger gegenüber in Togo lebenden, einfachen Presseleuten, die für die Opposition schreiben, keiner gesteigerten Verfolgungsgefahr ausgesetzt, so daß nach dem oben Gesagten keine beachtliche Wahrscheinlichkeit für eine solche Verfolgung bei Rückkehr besteht.

86Die übrigen Aktivitäten des Klägers wie etwa die Veröffentlichung eines an Eyadema bzw. seine Partei gerichteten offenen Briefes in Togo, die Unterzeichnung eines an den französischen Präsidenten gerichteten offenen Briefes, die Wahrnehmung von Einladungen zu exilpolitischen Veranstaltungen oder das Halten einer Ansprache zur Situation in Togo bei einem Gemeindefest oder die Veröffentlichung von Artikeln mit eigenen Fotos in deutschen Kirchenblättern heben ihn erst recht nicht aus der Masse der übrigen exilpolitisch tätigen Togoer hervor.

87An der hier dargelegten Einschätzung, daß eine politische Verfolgung des Klägers bei Rückkehr nach Togo nicht in dem erforderlichen Umfang beachtlich wahrscheinlich ist, vermag auch eine Gesamtschau aller exilpolitischer Aktivitäten des Klägers, die die Gefährdungsschwelle nicht überschreiten, nichts zu ändern.

III. 88

Abschiebungshindernisse nach § 53 AuslG bestehen ebenfalls nicht. 89

90Obwohl es nach wie vor in Togo zu Verstößen gegen die Menschenrechte kommt, ist die für die Feststellung der Voraussetzungen der §§ 53 Abs. 4 und Abs. 6 Satz 1 AuslG erforderliche hinreichende Wahrscheinlichkeit einer konkreten, individuellen Gefahr für den Kläger nicht gegeben. Die - abstrakte - Gefahr, nach einer eventuellen Rückkehr wie jeder dort lebende Staatsbürger Opfer etwaiger, in dieser Region nie völlig

auszuschließender Ausschreitungen von Angehörigen des Militärs oder anderer Gruppierungen zu werden, könnte dagegen allenfalls im Rahmen von Abschiebungsschutz nach §§ 53 Abs. 6 Satz 2, 54 AuslG Berücksichtigung finden, über den das Bundesamt nicht zu befinden hat.

IV. 91

92Auch die gesetzlichen Voraussetzungen für den Erlaß der Abschiebungsandrohung sind gegeben. Die Abschiebungsandrohung findet ihre Rechtsgrundlage in § 34 Abs. 1 AsylVfG. Danach hat das Bundesamt nach den §§ 50 und 51 Abs. 4 AuslG eine Abschiebungsandrohung zu erlassen, wenn der Ausländer - wie hier - nicht als Asylberechtigter anerkannt wird und keine Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Nach § 38 Abs. 1 AsylVfG beträgt die dem Ausländer zu setzende Ausreisefrist in den Fällen einfacher Unbegründetheit des Asylantrages einen Monat.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO, § 83 b Abs. 1 AsylVfG. 93

Der Gegenstandswert folgt aus § 83 b Abs. 2 AsylVfG. 94

95

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