Urteil des VG Düsseldorf vom 18.12.2002, 10 K 3271/02

Entschieden
18.12.2002
Schlagworte
Pflegebedürftigkeit, Aufschiebende wirkung, Fürsorgepflicht, Sozialhilfe, Geschäftsführung, Bahn, Erfüllung, Vollziehung, Verminderung, Verwaltungsakt
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Verwaltungsgericht Düsseldorf, 10 K 3271/02

Datum: 18.12.2002

Gericht: Verwaltungsgericht Düsseldorf

Spruchkörper: 10. Kammer

Entscheidungsart: Gerichtsbescheid

Aktenzeichen: 10 K 3271/02

Tenor: Die Klage wird abgewiesen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Verfahrens.

Der Gerichtsbescheid ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die Klägerin darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung in Höhe des jeweils beizutreibenden Betrages abwenden, wenn nicht der Beklagte vorher Sicherheit in derselben Höhe leistet.

Die Berufung wird zugelassen.

Tatbestand: 1

Die 1908 geborene Klägerin ist die Witwe des 1988 verstorbenen Hauptlokomotivführers a.D. T2. Sie bezieht Witwengeld und Witwenrente. Sie ist seit dem Tode ihres Ehemannes selbständiges Mitglied der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten (KVB) und seit dem 1. Januar 1995 in der privaten Pflegepflichtversicherung versichert.

3Die Klägerin lebt seit Oktober 1995 in dem Altenheim X in L. Sie ist nach amtsärztlicher Feststellung auf Dauer pflegebedürftig, wobei die Pflegebedürftigkeit überwiegend auf körperlicher Krankheit beruht. Sie war zunächst in Pflegestufe I und ist seit 1998 in Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige) eingestuft.

4Die Parteien streiten in diesem Verfahren darüber, ob die Zuschüsse des Beklagten an die Klägerin zu den Aufwendungen bei dauernder Pflegebedürftigkeit auch über den 1. Juli 2001 hinaus nach der Übergangsregelung in Nr. 6.10 der bisherigen Richtlinien "Dauernde Pflegebedürfigkeit" zu gewähren sind.

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Die Klägerin stellte unter dem 8. Oktober 1995 einen vordruckmäßigen "Antrag auf Gewährung eines Zuschusses zu den Aufwendungen bei dauernder oder vorübergehender Heimunterbringung pflegebedürftig körperlich oder geistig Kranker 2

entsprechend §§ 9 und 6 Abs. 1 Nr. 7 Beihilfevorschriften (BhV)".

6Mit Bescheid vom 31. Januar 1996 teilte der Beklagte der Klägerin, die seit 1988 aufgrund erteilter Vollmacht in allen Angelegenheiten durch ihren Sohn vertreten wird, mit, daß der beantragte Zuschuß zu den Heimunterbringungskosten entsprechend den Richtlinien Heimunterbringung/§§ 9 und 6 Abs. 1 Nr. 7 der Beihilfevorschriften des Bundes (BhV) vom 4. Oktober 1995 an gewährt werde. Der Bescheid habe nur solange Gültigkeit, wie die Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung der Zuschüsse gegeben seien.

7Die Klägerin erhielt in der Folgezeit jeweils auf Antrag die entsprechenden Zuschüsse einschließlich der Erhöhungsbeträge nach Maßgabe der Richtlinien "Heimunterbringung" (Stand: 1. April 1995, veröffentlicht in den "Bekanntgaben Deutsche Bahn" Nr. 5 vom 8. Juni 1995). Nach Inkrafttreten der zweiten Stufe der Pflegeversicherung am 1. Juli 1996 fanden diese Richtlinien keine Anwendung mehr. An ihre Stelle traten die Richtlinien für die Gewährung von Zuschüssen zu den Aufwendungen bei dauernder Pflegebedürftigkeit (Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit", Stand: 1. Juli 1996, veröffentlicht in "Deutsche Bahn - Geschäftliche Mitteilungen Sonderausgabe Nr. 9" vom 15. November 1996), die unter Nr. 6.10 (vollstationäre Pflege) u.a. folgende Regelung enthalten:

8"Bei stationärer Pflege in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung 82 Abs. 1 Satz 1 Elftes Buch Sozialgesetzbuch - SGB XI -) sind die nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit entstehenden pflegebedingten Aufwendungen 84 Abs. 2 Satz 2 SGB XI) zuschußfähig.

9Zu den Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung einschließlich der Investitionskosten wird kein Zuschuß gewährt, es sei denn, daß sie einen Eigenanteil des Einkommens übersteigen. Einkommen sind die Dienst- und Versorgungsbezüge (ohne den kinderbezogenen Anteil im Ortszuschlag) sowie die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und aus einer zusätzlichen Alters- und Hinterbliebenenversorgung des Anspruchsberechtigten und des Ehegatten einschließlich dessen laufenden Erwerbseinkommens. Der Eigenanteil beträgt ...

103. bei alleinstehenden Anspruchsberechtigten und bei gleichzeitiger stationärer Pflege des Anspruchsberechtigten und aller berücksichtigungsfähigen Angehörigen 70 % des Einkommens.

11Die den Eigenanteil übersteigenden Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung einschließlich der Investitionskosten werden als Zuschuß gezahlt.

12Übergangsregelung Für Anspruchsberechtigte oder berücksichtigungsfähige Angehörige, die in einer Pflegeeinrichtung wegen dauernder Pflegebedürftigkeit untergebracht sind und für die bereits vor dem 1. Juli 1996 Zuschüsse nach den "Richtlinien Heimunterbringung" zustehen, bleiben Aufwendungen nach diesen bis zum 30. Juni 1996 geltenden Richtlinien zuschußfähig mit der Maßgabe, daß die ab 1. Juli 1996 von der Pflegeversicherung erbrachten Leistungen von dem so festgesetzten Zuschuß abzuziehen sind. Nr. 7.3 der bis zum 30. Juni 1996 geltenden Fassung ist nur in den Fällen anzuwenden, in denen ein entsprechender Antrag erstmalig vor dem 1. September 1996 gestellt worden ist.

13Auf Antrag des Anspruchsberechtigten findet Nr. 6.10 der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" Anwendung. Der Antrag auf Umstellung ist bis zum 31. März 1997 zu stellen und ist unwiderruflich.

Diese Regelung gilt bis zum 30. Juni 2001." 14

15Die Geschäftsführung hinsichtlich der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" wird seit 1996 im Einvernehmen mit dem Beklagten durch die Hauptverwaltung der KVB wahrgenommen. Die Bearbeitung und Bescheidung von Anträgen auf Gewährung von Zuschüssen nach diesen Richtlinien ist den KVB-Bezirksleitungen übertragen, die auch die Aufgaben der privaten Pflegeversicherung wahrnehmen. Die Zuschüsse werden im Auftrag des Beklagten geleistet. Die Richtlinien wurden in der Folgezeit durch die Hauptverwaltung der KVB wiederholt überarbeitet und neu aufgelegt und zwar zum 1. Oktober 1997, 1. März 1999, 1. März 2000 und zuletzt zum 1. Januar 2002. Die Neufassung und Veröffentlichung der Richtlinien erfolgte im Einvernehmen mit dem Beklagten und unter dessen Namen.

16Die Klägerin erhielt bis zum 30. Juni 2001 jeweils auf Antrag Zuschüsse gemäß der vorgenannten Übergangsregelung. Ab dem 1. Juli 2001 wurden die Zuschüsse nach Maßgabe der Regelung in Nr. 6.10 (ohne Übergangsregelung) festgesetzt und gezahlt. Dies führte zu einer Verminderung der monatlichen Zuschüsse, die sich auf der Grundlage einer Vergleichsberechnung z.B. für den Monat Juli 2001 auf 556,45 DM belief. Während aufgrund der Regelung in Nr. 6.10 der Richtlinien für Juli 2001 ein Gesamtbetrag von 3.195,19 DM (bestehend aus dem Zuschuß zu den Pflegekosten von 2.500,00 DM und dem Zuschuß zu Unterkunfts-, Verpflegungs- und Investitionskosten vom 695,19 DM) gezahlt wurde, hätte sich nach Maßgabe der Übergangsregelung ein Zuschuß von insgesamt 3.751,64 DM ergeben. Nach Angaben der Klägerin im Schriftsatz vom 4. März 2002 (10 K 6640/01, Bl. 138 ff.) beträgt die Differenz seit Juli 2001 monatlich bis zu 600,00 DM und mehr.

17Die Klägerin legte mit Schreiben vom 17. und 21. August 2001 Widerspruch gegen die Erstattungsmitteilung der KVB-Bezirksleitung L1 vom 15. August 2001 zu Pflegeleistungen für die Zeit vom 1. bis 31. Juli 2001 ein und führte aus: Der Widerspruch richte sich dagegen, daß die Bezirksleitung bei der Festsetzung des Erstattungsbetrages von der Übergangsregelung für die sog. Altfälle abgewichen sei und den Erstattungsbetrag durch die Festsetzung nach sog. neuem Recht erheblich vermindert habe. Sie, die Klägerin, habe schon vor dem 1. Juli 1996 Zuschüsse nach den damaligen Richtlinien "Heimunterbringung" erhalten. Sie mache einen Rechtsanspruch dahingehend geltend, daß die Zuschüsse auch nach dem 30. Juni 2001 weiterhin, ohne zeitliche Begrenzung, nach Maßgabe der Übergangsregelung in Nr. 6.10 der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" für die sog. Altfälle festgesetzt würden. Der Wegfall der Übergangsregelung sei rechtswidrig. Diese Maßnahme verstoße insbesondere gegen Art. 33 Abs. 4 GG und die dem Dienstherrn obliegende Treue- und Fürsorgepflicht aus § 79 BBG. Sie berufe sich auch auf den Bewilligungsbescheid des Bundeseisenbahnvermögens vom 31. Januar 1996, durch den die Gewährung von Zuschüssen zu den Aufwendungen bei dauernder Pflegebedürftigkeit aufgrund der "Richtlinien Heimunterbringung" zugesagt worden sei. Dieser Bescheid sei rechtskräftig und somit unanfechtbar und könne als rechtmäßiger begünstigender Verwaltungsakt auch nicht widerrufen werden. Die Leistungen an sie seien daher weiterhin entsprechend dem Bewilligungsbescheid zu erbringen.

Die KVB habe zudem keine Zuständigkeit hinsichtlich der Herausgabe von Richtlinien, des Erlasses von Bescheiden und der Bearbeitung hoheitlicher Angelegenheiten. Auch gehe aus der Erstattungsmitteilung vom 15. August 2001 die erlassende Behörde - das Bundeseisenbahnvermögen - nicht hervor. Aus diesem Grund handele es sich gemäß § 44 Abs. 2 Nr. 1 VwVfG um einen nichtigen Verwaltungsakt, dessen Nichtigkeit das Bundeseisenbahnvermögen von Amts wegen festzustellen habe. Der von ihr eingelegte Widerspruch habe aufschiebende Wirkung. Sie fordere die Bezirksleitung daher auf, unverzüglich eine Neuberechnung des Zuschusses für Juli 2001 vorzunehmen und den hierbei ermittelten Betrag nachzuzahlen.

19Die KVB-Bezirksleitung L1 teilte der Klägerin mit Bescheid vom 24. August 2001 mit, daß sie bisher Fürsorgeleistungen des Bundeseisenbahnvermögens nach den bis zum 30. Juni 1996 geltenden Richtlinien "Heimunterbringung" erhalten habe. Die Gewährung dieser Leistungen sei nach den Bestimmungen der Übergangsregelung in Nr. 6.10 der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" bis zum 30. Juni 2001 befristet worden. Wie sich aus einer vom Bundesministerium des Innern (BMI) nunmehr mitgeteilten Entscheidung ergebe, sei eine Verlängerung dieser Übergangsregelung nicht vorgesehen. Aus diesem Grunde werde der Bewilligungsbescheid vom 31. Januar 1996 gemäß § 49 VwVfG hiermit widerrufen.

20Mit weiterem Schreiben vom 24. August 2001 erläuterte die KVB-Bezirksleitung L1 die rechnerische Ermittlung des Gesamtbetrages von 3.195,19 DM für Juli 2001 nach Maßgabe der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit".

21Die Klägerin legte mit Schreiben vom 28. und 29. August 2001 Widerspruch gegen den Bescheid der KVB-Bezirksleitung vom 24. August 2001 und deren Schreiben vom selben Tage ein und machte geltend, daß auch dieser Widerspruch aufschiebende Wirkung habe.

22Der Beklagte wies den Widerspruch der Klägerin gegen die Erstattungsmitteilung der KVB-Bezirksleitung vom 15. August 2001 durch Widerspruchsbescheid vom 8. Oktober 2001 und den Widerspruch gegen den Bescheid der KVB-Bezirksleitung vom 24. August 2001 durch Widerspruchsbescheid vom 9. Oktober 2001 unter gleichzeitiger Anordnung der sofortigen Vollziehung gemäß § 80 Abs. 2 Nr. 4 VwGO jeweils als unbegründet zurück. Wegen der Einzelheiten wird auf die Begründung der Widerspruchsbescheide Bezug genommen.

23Die Klägerin hat am 19. Oktober 2001 zunächst einen Antrag auf Gewährung von Prozeßkostenhilfe gestellt und dann am 29. Oktober 2001 Klage (10 K 6640/01) gegen die Erstattungsmitteilung vom 15. August 2001, den Bescheid vom 24. August 2001 und die Widerspruchsbescheide vom 8. Oktober und 9. Oktober 2001 erhoben mit dem Begehren, den Beklagten unter Aufhebung der vorgenannten Bescheide zu verpflichten, die an die Klägerin zu leistenden Zuschüsse über den 1. Juli 2001 hinaus weiterhin nach Maßgabe der Übergangsregelung in Nr. 6.10 der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" festzusetzen.

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Gleichzeitig mit der Klageerhebung beantragte die Klägerin die Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes mit dem sinngemäßen Begehren, die Beklagte zur Weiterzahlung der Zuschüsse nach der Übergangsregelung zu verpflichten (10 L 3058/01). Diesen Antrag hat die Kammer durch Beschluß vom 22. März 2002 - 10 L 3058/01 - mangels eines Anspruchs der Klägerin zurückgewiesen. Wegen der Einzelheiten wird auf die Gründe 18

des Beschlusses Bezug genommen. Die hiergegen eingelegte Beschwerde der Klägerin ist durch Beschluß des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein- Westfalen (OVG NRW) vom 3. Mai 2002 - 1 B 703/02 - aus den zutreffenden Gründen der angefochtenen Entscheidung, die durch das Beschwerdevorbringen nicht entkräftet würden, zurückgewiesen worden.

Die weiteren vorläufigen Rechtsschutzanträge der Klägerin in den Verfahren 10 L 1484/02 und 10 L 1898/02 hatten ebenfalls keinen Erfolg (vgl. Beschlüsse der Kammer vom 25. April 2002 bzw. vom 21. Mai 2002 und Beschlüsse des OVG NRW vom 3. Juni 2002 - 1 B 932/02 - bzw. vom 9. Juli 2002 - 1 B 1162/02 -).

26Die Klägerin hat unter den Aktenzeichen 10 K 7390/01 (16.11.2001), 10 K 915/02 (13.02.2002), 10 K 1557/02 (12.03.2002), 10 K 2645/02 (24.04.2002) und 10 K 3271/02 (17.05.2002) weitere Klagen gegen die Erstattungsmitteilungen der KVB-Bezirksleitung L1 für die Monate August 2001 bis März 2002 und die hierzu ergangenen Widerspruchsbescheide des Beklagten erhoben und jeweils entsprechende Anträge auf Bewilligung von Prozeßkostenhilfe gestellt. Hinsichtlich des Klagebegehrens und der Begründung hat sie sich auf die Klage im Verfahren 10 K 6640/01 bezogen und eine Verbindung der Klagen gemäß § 93 VwGO beantragt.

27Die vorgenannten Anträge auf Bewilligung von Prozeßkostenhilfe sind jeweils mangels Erfolgsaussicht der Klagen abgelehnt worden (vgl. Beschlüsse der Kammer vom 22.03.2002, 25.04.2002 und 21.05.2002). Die hiergegen erhobenen Beschwerden der Klägerin hat das OVG NRW durch Beschlüsse vom 3. Mai 2002 - 1 E 373/02 -, 3. Juni 2002 - 1 E 485/02 - und 9. Juli 2002 - 1 E 609/02 - zurückgewiesen mit der Begründung, das Verwaltungsgericht habe mit einer hinreichend substantiierten Begründung die sachlichen Erfolgsaussichten des Klagebegehrens verneint. Die Bewertung der Erfolgsaussichten durch das Verwaltungsgericht lasse aus Sicht des Senats auch in Ansehung des Beschwerdevorbringens Rechtsfehler nicht erkennen.

28Die Klägerin hat unter dem 9. Juni und 14. Juli 2002 Verfassungsbeschwerden u.a. gegen die vorgenannten Beschlüsse der Kammer und des OVG NRW erhoben, die ihren Angaben zufolge im Register unter dem Aktenzeichen 2 BvR 1049/02 geführt werden.

29Nachdem die Klägerin bereits unter dem 17. August 2001 vorsorglich einen Antrag auf Sozialhilfe gestellt und dabei mitgeteilt hatte, daß sie im Hinblick auf die von ihr eingelegten Rechtsbehelfe gegen die Verminderung der Zuschüsse zunächst noch keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen wolle, erhält sie ausweislich des Bescheides des Sozialamtes der Stadt E vom 24. Juni 2002 nunmehr Hilfe zum Lebensunterhalt nach Abschnitt 2 des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG) und zusätzliche Leistungen zur Deckung der Kosten für die Altenheimunterbringung.

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Die Klägerin hat in der Folgezeit unter den Aktenzeichen 10 K 5493/02 (14.08.2002), 10 K 6636/02 (11.09.2002), 10 K 7305/02 (14.10.2002) und 10 K 7767/02 (05.11.2002) weitere Klagen gegen die Erstattungsmitteilungen der KVB- Bezirksleitung L1 für die Monate April bis September 2002 und die hierzu ergangenen Widerspruchsbescheide des Beklagten erhoben. Hinsichtlich des Klagebegehrens und der Begründung bezieht sie sich jeweils auf die vorausgegangenen Klagen, ihre bisherigen Ausführungen, ihre ergänzenden Schriftsätze und ihre Verfassungsbeschwerden vom 9. Juni und 14. Juli 2002 und beantragt eine Verbindung der Klageverfahren unter dem Aktenzeichen 10 K 25

3271/02. Mit weiteren Schriftsätzen in diesen Klageverfahren beantragt sie, die Verfahren gemäß § 94 VwGO bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über ihre Verfassungsbeschwerden auszusetzen.

31Die Kammer hat durch Beschlüsse vom 22. März 2002, 8. August 2002 und zuletzt vom 16. Dezember 2002 gemäß § 93 Satz 1 VwGO die Klageverfahren wie folgt miteinander verbunden:

32die Verfahren 10 K 6640/01, 10 K 7390/01, 10 K 915/02 und 10 K 1557/02 unter dem Aktenzeichen 10 K 6640/01 (22.03.2002), die Verfahren 10 K 6640/01, 10 K 2645/01 und 10 K 3271/01 unter dem Aktenzeichen 10 K 3271/02 (08.08.2002), die Verfahren 10 K 3271/02, 10 K 5493/02, 10 K 6636/02, 10 K 7305/02 und 10 K 7767/02 unter dem Aktenzeichen 10 K 3271/02 (16.12.2002). Die Klägerin beantragt sinngemäß,

33den Beklagten unter Aufhebung des Bescheides der KVB- Bezirksleitung L1 vom 24. August 2001 sowie der Erstattungsmitteilungen vom 15. August 2001, 7. September 2001, 18. Oktober 2001, 12. November 2001, 4. Dezember 2001, 9. Januar 2002, 6. Februar, 4. März, 5. April, 7. Mai, 11. Juni, 5. Juli, 19. August, 5. September und 4. Oktober 2002 und der Widerspruchsbescheide des Beklagten vom 8. und 9. Oktober 2001, 26. Oktober 2001, 1. Februar 2002, 6. März, 18. April, 15. Mai, 8. August, 21. August, 8. September und 30. Oktober 2002 zu verpflichten, die an die Klägerin zu leistenden Zuschüsse über den 1. Juli 2001 hinaus weiterhin nach Maßgabe der Übergangsregelung in Nr. 6.10 der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" festzusetzen.

Der Beklagte beantragt, 34

die Klage abzuweisen. 35

36Er hält an den Bescheiden fest und tritt dem Vorbringen der Klägerin entgegen. Wegen der Einzelheiten wird auf die eingereichten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

37Die Beteiligten sind auf die Möglichkeit einer Entscheidung des Gerichts ohne mündliche Verhandlung durch Gerichtsbescheid hingewiesen worden und haben Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.

38Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die Gerichtsakten der Klage- und vorläufigen Rechtsschutzverfahren und die beigezogenen Verwaltungsvorgänge verwiesen.

Entscheidungsgründe: 39

40Das Gericht entscheidet gemäß § 84 Abs. 1 Satz 1 VwGO über die Klage ohne mündliche Verhandlung durch Gerichtsbescheid. Die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür liegen vor.

41Die - von der Klägerin beantragte - Aussetzung des Verfahrens kommt schon mangels der tatbestandlichen Voraussetzungen des § 94 VwGO nicht in Betracht. Im übrigen steht auch bei Vorliegen der Voraussetzungen dieser Vorschrift eine Aussetzung des Verfahrens im Ermessen des Gerichts. Für eine Ermessensentscheidung in diesem

Sinne spricht hier nichts.

Die Klage hat keinen Erfolg. 42

43Die Klägerin hat keinen Anspruch darauf, daß die von ihr beantragten Zuschüsse weiterhin nach der bisherigen Übergangsregelung festgesetzt werden. Die angefochtenen Bescheide sind rechtmäßig.

44Die Kammer hat in den Gründen des rechtskräftigen Beschlusses vom 22. März 2002 - 10 L 3058/01 - hierzu bereits folgendes ausgeführt:

45"Die Antragstellerin hat unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt einen Anspruch darauf, daß die ihr zu gewährenden Zuschüsse über den 30. Juni 2001 hinaus weiterhin nach Maßgabe der bisherigen Übergangsregelung in Nr. 6.10 der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" festgesetzt werden. Dies gilt schon bei der hier gebotenen summarischen Prüfung der Sach- und Rechtslage. Ein solcher Anspruch läßt sich weder aus der in § 79 BBG begründeten allgemeinen Fürsorgepflicht des Dienstherrn noch aus den Richtlinien des Antragsgegners oder sonstigen Verwaltungsvorschriften herleiten.

46Die im Gesetz nur allgemein festgelegte Fürsorgepflicht bietet keine Grundlage für eine Gewährung bestimmter Leistungen des Dienstherrn. Dies gilt insbesondere für Bereiche wie die Besoldung, Versorgung, Beihilfe und vergleichbare Leistungen, deren Gewährung nach Grund und Höhe durch einheitlich geltende Vorschriften abschließend geregelt ist. So konkretisieren z.B. die als allgemeine Verwaltungsvorschriften erlassenen Beihilfevorschriften des Bundes die im Gesetz nur allgemein festgelegte Fürsorgepflicht des Dienstherrn im Interesse einer gleichmäßigen Behandlung aller Beamten und Versorgungsempfänger in Krankheits-, Geburts- und Todesfällen, indem sie die Ausübung des Ermessens der insoweit zur Erfüllung der Fürsorgepflicht berufenen Stellen zentral binden. Die in den Beihilfevorschriften vorgenommene Konkretisierung der Fürsorgepflicht ist daher grundsätzlich abschließend. Mit Rücksicht auf ihre besondere rechtliche Form und Funktion werden die Beihilfevorschriften des Bundes nicht wie sonstige Verwaltungsvorschriften entsprechend der vom Urheber der Vorschriften gebilligten oder geduldeten tatsächlichen Verwaltungspraxis, sondern in gleicher Weise ausgelegt wie Rechtsvorschriften. Diese Grundsätze entsprechen ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, der die Kammer folgt (vgl. BVerwGE 60, 212 (214); 64, 333 (343); 72, 119 (121) und 79, 249 (252).

47Die Beihilfevorschriften des Bundes gelten allerdings nicht für den Bereich der Deutschen Bundesbahn und diejenigen Beamten des Bundeseisenbahnvermögens, die im Zeitpunkt der Zusammenführung der Bundeseisenbahnen Beamte der Deutschen Bundesbahn waren 18 Abs. 7 BhV (1985) und § 18 Abs. 6 BhV). Die Deutsche Bundesbahn und - seit der Neugliederung der Bundeseisenbahnen - die Bundesrepublik Deutschland (vgl. § 7 Abs. 1 ENeuOG, § 12 Abs. 2 und 3 DBGrG) haben ihre Fürsorgepflicht gegenüber diesen Beamten in Krankheitsfällen im wesentlichen dadurch erfüllt, daß sie ihnen die Möglichkeit eröffneten, Mitglied der - zur privaten Krankenversicherung offenstehende und seit 1994 bei geschlossenem Bestand weitergeführte - Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten (KVB) zu werden und dort aufgrund der zur globalen Abgeltung von Beihilfeleistungen gezahlten Zuschüsse Versicherungsleistungen zu erhalten, die erheblich höher sind als nach der Höhe der Mitgliedsbeiträge zu erwarten wäre. Insoweit besteht die bisherige Rechtslage fort (vgl.

BVerwG, Buchholz, 442.08 § 27 BBahnG Nr. 1 = ZBR 1991, 89; Buchholz, 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 1 VwGO Nr. 11 und ZBR 1997, 359, jeweils mit weiteren Nachweisen).

48Lediglich für einzelne Leistungen bestanden bzw. bestehen ergänzende Richtlinien wie etwa die Richtlinien "Nicht-KVB-Mitglieder", "Gesundheitshilfe der Deutschen Bundesbahn", "Stationäre/teilstationäre Heilbehandlungen", "Heimunterbringung" und "Dauernde Pflegebedürftigkeit". Diese Richtlinien weisen nicht den besonderen Rechtscharakter der als allgemeine Verwaltungsvorschriften nach § 200 BBG erlassenen Beihilfevorschriften auf. Sie sind daher unter Heranziehung der vom Richtliniengeber gebilligten oder geduldeten tatsächlichen Verwaltungspraxis auszulegen und als Verwaltungsvorschriften nicht revisibel, auch wenn sie in Bezug auf das von ihnen Gewollte "entsprechend" auf revisible Beihilfevorschriften des Bundes verweisen (vgl. BVerwG, Buchholz, 442.08 § 27 BBahnG Nr. 1 = ZBR 1991, 89; Buchholz, 270 § 18 BhV Nr. 1 = RiA 1994, 147; Buchholz, 270 § 9 BhV Nr. 3 und 270 § 18 BhV Nr. 3 = ZBR 1997, 359).

49Hiernach kann die Antragstellerin ihr Begehren nicht auf die Richtlinien des Antragsgegners stützen. Dieser leistet in Erfüllung der Fürsorgepflicht des Dienstherrn aus § 79 BBG Zuschüsse zu den Aufwendungen bei dauernder Pflegebedürftigkeit. Um eine einheitliche Handhabung des vom Gesetz eingeräumten Ermessens in einer Vielzahl von Fällen zur Wahrung des Gleichbehandlungsgebots zu gewährleisten, hat er sich in der Ermessensausübung selbst gebunden mit der Folge, daß nur bei Vorliegen der in den Richtlinien bestimmten Voraussetzungen in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 GG Rechtsansprüche auf Gewährung von Zuschüssen begründet werden. Die Antragstellerin kann daher auch nur beanspruchen, daß ihr die Zuschüsse nach Maßgabe der Richtlinien des Antragsgegners gewährt werden. Dem trägt der Antragsgegner durch seine Verwaltungspraxis Rechnung. Die Zuschüsse werden seit dem 1. Juli 2001 im Falle der Anspruchsberechtigung einheitlich nach der Regelung in Nr. 6.10 der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit", d.h. ohne Anwendung der bisherigen Übergangsregelung, festgesetzt.

50Soweit die Antragstellerin sich auf die bisherige Übergangsregelung in Verbindung mit den früheren Richtlinien "Heimunterbringung" beruft, vermag sie daraus keinen Anspruch auf eine anderweitige Festsetzung der Zuschüsse herzuleiten. Die Übergangsregelung nach Nr. 6.10 der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" war von Anfang an - ebenso wie die in den Beihilfevorschriften des Bundes - bis zum 30. Juni 2001 befristet und findet seit dem 1. Juli 2001 keine Anwendung mehr. Die früheren Richtlinien "Heimunterbringung" galten lediglich bis zum 30. Juni 1996. An ihre Stelle traten die Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" vom 1. Juli 1996, veröffentlicht in den Geschäftlichen Mitteilungen der Deutschen Bahn, Sonderausgabe Nr. 9, vom 15. November 1996. Dies folgt schon aus dem Wortlaut der Übergangsregelung und der seitdem bestehenden Verwaltungspraxis des Antragsgegners.

51Darüber hinaus ergibt sich dies auch aus der Veröffentlichung der früheren Richtlinien des Antragsgegners "Dauernde Pflegebedürftigkeit" und "Heimunterbringung", jeweils vom 1. April 1995, veröffentlicht in den Bekanntgaben Deutsche Bahn Sonderausgabe Nr. 5 vom 8. Juni 1995. In den ebenfalls veröffentlichten Einführungsverfügungen hierzu vom 20. April und 4. Mai 1995 hat der Antragsgegner u.a. auf den Anlaß für die Einführung der Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" und die Änderung der Richtlinien "Heimunterbringung" verwiesen, nämlich das zum 1. Januar 1995 in Kraft getretene Pflege-Versicherungsgesetz und die dadurch veranlaßte Änderung der

Beihilfevorschriften des Bundes. Ebenso hat er darauf hingewiesen, daß die Richtlinien "Heimunterbringung" an die geänderten Bestimmungen des Beihilferechts angepaßt worden und bis zum 30. Juni 1996 weiterhin anzuwenden seien. Dementsprechend wurde auch in der Verwaltungspraxis des Antragsgegners verfahren. Die Zuschüsse zu den bis einschließlich 30. Juni 1996 entstandenen Aufwendungen für vollstationäre Pflege (Heimunterbringung) wurden nach den bis dahin geltenden Richtlinien "Heimunterbringung" festgesetzt. Ab dem 1. Juli 1996 hat der Antragsgegner seine Verwaltungspraxis geändert. Er leistet seitdem Zuschüsse zu den Aufwendungen bei dauernder Pflegebedürftigkeit nach Maßgabe der jeweiligen Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit". Die Geschäftsführung für die Richtlinien nimmt die Hauptverwaltung der KVB wahr. Die Bearbeitung und Bescheidung der Zuschußanträge obliegt den KVB-Bezirksleitungen, die Zuschüsse werden im Auftrag des Antragsgegners geleistet.

52Die Antragstellerin hat - soweit ersichtlich - erstmals im August 2001, d.h. mehr als fünf Jahre nach Änderung der Verwaltungspraxis, Einwendungen hiergegen erhoben, und zwar nach Auslaufen der von vornherein bis zum 30. Juni 2001 befristeten Übergangsregelung. Sie beruft sich insbesondere auf den sog. Funktionsvorbehalt in Art. 33 Abs. 4 GG, wonach die Ausübung hoheitsrechtlicher Befugnisse als ständige Aufgabe in der Regel Angehörigen des öffentlichen Dienstes zu übertragen ist, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis stehen. Sie macht geltend, aufgrund des Funktionsvorbehalts sei es Aufgabe des Antragsgegners, die Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit" selbst zu erlassen und anzuwenden. Es sei daher unzulässig, daß die Geschäftsführung für die Richtlinien durch die Hauptverwaltung der KVB wahrgenommen werde und die Bescheidung der Zuschußanträge den KVB- Bezirksleitungen übertragen sei. Der Antragsgegner habe kein Recht, die Ausübung solchermaßen hoheitsrechtlicher Befugnisse der Hauptverwaltung oder den Bezirksleitungen der KVB zu übertragen. Dies habe zur Folge, daß die von der KVB herausgegebenen Richtlinien "Dauernde Pflegebedürftigkeit", insbesondere die Befristung der Übergangsregelung, unwirksam und die darauf beruhende Reduzierung der Zuschüsse unzulässig sei. Sie habe daher einen Anspruch darauf, daß die Zuschüsse weiterhin in bisheriger Höhe nach den Richtlinien "Heimunterbringung" festgesetzt würden.

53Die Einwendungen der Antragstellerin greifen nicht durch. Selbst wenn der Funktionsvorbehalt des Art. 33 Abs. 4 GG einer Wahrnehmung der vorgenannten Aufgaben durch die Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten (KVB) - einer betrieblichen Sozialeinrichtung und Körperschaft des öffentlichen Rechts - entgegenstünde, könnte die Antragstellerin daraus keinen Anspruch im Sinne ihres Antrags- und Klagebegehrens herleiten. Art. 33 Abs. 4 GG begründet kein Recht des Einzelnen, sondern enthält eine objektiv-rechtliche Verfassungsregelung. Der Funktionsvorbehalt des Art. 33 Abs. 4 GG dient nicht dem Schutz oder den Interessen des Einzelnen, sondern stellt lediglich als Strukturprinzip sicher, daß hoheitsrechtliche Befugnisse in der Regel durch Beamte wahrgenommen werden (vgl. BVerfGE 6, 376 (385) und BVerfG in NVwZ 1988, S. 523). Zudem bliebe auch die seit dem 1. Juli 1996 geübte Verwaltungspraxis des Antragsgegeners hiervon unberührt. Die damals erfolgte Änderung der Verwaltungspraxis ist mit Willen und Billigung des Antragsgegners erfolgt. Eine gleichmäßige Handhabung der Zuschußgewährung im Fall der Anspruchsberechtigung war und ist durch die Verwaltungspraxis gegeben. Ein Anspruch auf Gewährung von Zuschüssen besteht daher - unabhängig von etwaigen Richtlinien - allein nach Maßgabe der Verwaltungspraxis in Verbindung mit dem

Gleichbehandlungsgebot des Art. 3 Abs. 1 GG.

54Abgesehen hiervon bestehen auch keine begründeten Zweifel an der Zulässigkeit der Aufgabenwahrnehmung durch die KVB in diesem Bereich. Dabei kann es dahinstehen, ob die Gewährung von Zuschüssen solcher Art überhaupt eine Ausübung hoheitsrechtlicher Befugnisse darstellt. Denn der Dientstherr bzw. der für ihn handelnde Antragsgegner ist rechtlich nicht gehindert, im Rahmen seiner Organisationsbefugnis Maßnahmen zur sachgerechten Wahrnehmung solcher Aufgaben zu treffen. Anlaß für die in Rede stehende Organisationsmaßnahme des Antragsgegners war das Inkrafttreten der zweiten Stufe der Pflegeversicherung zum 1. Juli 1996. Es war erkennbar sachgerecht, die KVB mit der Wahrnehmung dieser Aufgaben zu beauftragen, die seit langem für die Leistungen im Rahmen der Krankenversorgung zuständig ist und seit dem 1. Juli 1996 auch die Aufgaben der privaten Pflegeversicherung wahrnimmt. Die Konzentration solcher Aufgabenbereiche bei der KVB ist sachbezogen, dient einer zweckmäßigen Aufgabenerledigung und hält sich im Rahmen der Organisationsbefugnis des Antragsgegners. Dies gilt umsomehr, als die KVB lediglich die Geschäftsführung für die Richtlinien wahrnimmt, die nur mit Genehmigung und unter dem Namen des Antragsgegners herausgegeben werden. Leistungserbringer ist der Antragsgegner in Erfüllung seiner Fürsorgepflicht aus § 79 BBG. Dementsprechend werden die Zuschüsse in seinem Auftrag geleistet.

55Der Antragstellerin steht auch kein Anspruch auf Gewährung weitergehender Zuschüsse zu, die über die in den Richtlinien vorgegebene Verwaltungspraxis hinausgehen. Wie bereits dargelegt, kann ein solcher Anspruch grundsätzlich nicht aus der im Gesetz nur allgemein bestimmten Fürsorgepflicht des Dienstherrn hergeleitet werden, soweit die Richtlinien die Gewährung von Zuschüssen dem Grunde und der Höhe nach abschließend regeln. Auf die allgemeine Fürsorgepflicht kann allenfalls dann zurückgegriffen werden, wenn sonst die Fürsorgepflicht in ihrem Wesenskern verletzt wäre (vgl. BVerwGE 60, 212, 220 und 64, 333 (343)). Für einen solchen Ausnahmefall sind hier keine Anhaltspunkte gegeben. Der Dienstherr ist weder verfassungsrechtlich noch nach geltendem Bundesrecht verpflichtet, den Beamten und Versorgungsempfängern zu den Aufwendungen im Krankheitsfall Beihilfen bzw. Zuschüsse in bestimmter Höhe zu gewähren. Diese treten, wie schon der Name sagt, nur zusätzlich hinzu, um die Belastung durch Krankheitskosten zu mindern. Die vom Antragsgegner praktizierte Regelung der Zuschüsse zu den Aufwendungen bei dauernder Pflegebedürftigkeit entspricht dem einheitlichen Beihilfestandard, wie er seit dem 1. Juli 2001 aufgrund der Beihilfevorschriften des Bundes in Konkretisierung der Fürsorgepflicht aus § 79 BBG besteht (vgl. § 9 Abs. 7 BhV).

56Im übrigen gebietet es die allgemeine Fürsorgepflicht des Dienstherrn nicht, über die in den Beihilfevorschriften bzw. entsprechenden Richtlinien festgelegten Ansprüche hinaus eine Untergrenze für die Beihilfe bzw. den Zuschuß so festzulegen, daß der Anspruchsberechtigte im Falle einer notwendigen dauernden Unterbringung wegen Pflegebedürftigkeit nicht auch auf Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz angewiesen ist. Insoweit handelt es sich nicht um mindere Ansprüche, sondern lediglich um andere, die deshalb bestehen, weil beamtenrechtliche Ansprüche nicht gegeben sind (vgl. BVerwGE 64, 333 (343); 80, 328 (333) und BVerwG, Buchholz, 270 § 9 BhV Nr. 3 = ZBR 1996, S. 46). Die Antragstellerin hat zudem bereits unter dem 17. August 2001 vorsorglich einen Antrag auf Gewährung von Sozialhilfe gestellt und dabei mitgeteilt, daß sie im Hinblick auf die eingelegten Rechtsbehelfe gegen die Reduzierung der Zuschüsse zunächst noch keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen

wolle.

57Schließlich kann die Antragstellerin einen Anspruch im Sinne ihres Antrags- und Klagebegehrens auch nicht aus dem Bescheid des Antragsgegners vom 31. Januar 1996 herleiten. Dieser Bescheid stand, wie bereits dargelegt, unter dem Vorbehalt des Gleichbleibens der Sach- und Rechtslage, die ihm seinerzeit zugrundelag. Der Vorbehalt betraf sowohl die persönlichen und sachlichen Voraussetzungen für die Gewährung von Zuschüssen als auch die Fortgeltung der damaligen Richtlinien "Heimunterbringung" und der entsprechenden Beihilfevorschriften des Bundes. Nur solange diese Anspruchsvoraussetzungen gegeben waren, hatte der Bescheid Gültigkeit. Mit Änderung der Richtlinien und der Beihilfevorschriften des Bundes ab dem 1. Juli 1996 ist er gegenstandslos geworden."

58Die Kammer hält nach erneuter Prüfung der Sach- und Rechtslage im Klageverfahren an diesen Ausführungen fest. Zu einer anderweitigen rechtlichen Beurteilung besteht auch in Ansehung des weiteren Klagevorbringens kein Anlaß.

59Soweit die Klage auf die Aufhebung des (Widerrufs-) Bescheides vom 24. August 2001 in der Fassung des Widerspruchsbescheides vom 9. Oktober 2001 gerichtet ist, hat sie ebenfalls keinen Erfolg.

60Der Bescheid des Beklagten vom 31. Januar 1996 begründet keinen eigenständigen Anspruch auf die Gewährung von Zuschüssen zu den Aufwendungen bei dauernder Heimunterbringung. Wie sich aus dem Wortlaut und Regelungsgehalt ergibt, stand der Bescheid unter dem Vorbehalt des Gleichbleibens der Sach- und Rechtslage, die ihm seinerzeit zugrundelag. Der Vorbehalt betraf sowohl die persönlichen und sachlichen Voraussetzungen für die Gewährung von Zuschüssen als auch die Fortgeltung der damaligen Richtlinien "Heimunterbringung" und der entsprechenden Beihilfevorschriften des Bundes. Nur solange diese Anspruchsvoraussetzungen gegeben waren, hatte der Bescheid Gültigkeit. Dementsprechend wurde er infolge Änderung der Richtlinien und der Beihilfevorschriften des Bundes ab dem 1. Juli 1996 gegenstandslos. Der "Widerruf" durch den Bescheid vom 24. August 2001 hat lediglich klarstellenden Charakter, ohne eine eigenständige Regelung mit Außenwirkung zu treffen. Die im Widerspruchsbescheid vom 9. Oktober 2001 zusätzlich angeordnete sofortige Vollziehung des "Widerrufs" ging somit rechtlich ins Leere.

Die Klage ist nach allem mit der Kostenfolge aus § 154 Abs. 1 VwGO abzuweisen. 61

62Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit der Kostenentscheidung beruht auf § 167 Abs. 2 VwGO iVm §§ 708 Nr. 11, 711 ZPO.

63Die Berufung ist gemäß § 84 Abs. 2 Nr. 1 iVm §§ 124 Abs. 2 Nr. 3, 124 a Abs. 1 Satz 1 VwGO zuzulassen, weil die Rechtssache über den Einzelfall hinaus von rechtlicher Relevanz ist und deshalb grundsätzliche Bedeutung hat.

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Anmerkungen zum Urteil