Urteil des VG Düsseldorf vom 13.02.2009, 25 K 7918/08

Entschieden
13.02.2009
Schlagworte
Verwalter, Dachgeschoss, Treppenhaus, Störer, Wohnung, Anhörung, Unmöglichkeit, Eigenschaft, Heizung, Miteigentümer
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Verwaltungsgericht Düsseldorf, 25 K 7918/08

Datum: 13.02.2009

Gericht: Verwaltungsgericht Düsseldorf

Spruchkörper: 25. Kammer

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 25 K 7918/08

Tenor: Die Klage wird abgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der Kläger darf die Vollstreckung gegen Sicherheitsleistung in Höhe des beizutreibenden Betrages abwenden, wenn nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

Tatbestand: 1

Der Kläger ist Eigentümer der Erdgeschosswohnung des Hauses J 5 in E-J. Das Haus besteht aus einer Erdgeschosswohnung, einer Wohnung im ersten Obergeschoss und einer Wohnung im Dachgeschoss mit zugehörigem ausgebauten Spitzboden. Der Kläger war ursprünglich Eigentümer des gesamten Hausgrundstücks. Im Jahre 1995 hat er es in Sondereigentum aufgeteilt und die Wohnungen im ersten Obergeschoss und Dachgeschoss mit Spitzboden an die damaligen Mieter veräußert. Die Dachgeschosswohnung ist im Jahre 2005 weiter veräußert worden und wird von der Tochter der Erwerberin bewohnt. Seither bestehen nach Angaben des Klägers eine Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten zwischen der Wohnungseigentümergemeinschaft, deren Verwalter der Kläger ist, und der Eigentümerin der Dachgeschosswohnung.

3Nach einer Beschwerde des Klägers vom 16. März 2007, dass der Spitzboden unzulässig zu Wohnzwecken genutzt werde, überprüfte der Beklagte dies und untersagte mit Ordnungsverfügung vom 28. März 2007 die Wohnnutzung des Spitzbodens wegen Verstoßes gegen §§ 3 Abs. 1, 17 Abs. 1 und 3 BauO NRW. Später zu Kontrollzwecken gefertigte Fotos zeigen, dass u.a. eine früher auf dem Spitzboden stehende Couch nunmehr im Dachgeschoss im Flur vor der Wohnungstür stand.

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Unter dem 15. Mai 2008 führte der Kläger unter der Angabe "Hausverwalter der WEG" Beschwerde darüber, dass nunmehr die Couch nunmehr vor der Dachgeschosswohnung und einem Fenster aufgestellt sei, welches für Handwerker zwecks Arbeiten auf dem Dach genutzt werde; dies stehe auch im Gegensatz zu Notausstiegen im Rahmen der Brandschutzbestimmungen. Ferner seien auf dem Treppenabsatz zwischen den Wohnungen im Dachgeschoss und ersten Obergeschoss 2

"Geräte" aufgebaut, was im Ernstfall eine Behinderung darstelle und den Brandschutz beeinflusse und verhindere.

5Der Beklagte nahm erneut eine Ortsbesichtigung vor und hörte unter dem 21. August 2008 den Kläger und die beiden anderen Eigentümer der beiden anderen Wohnungen dazu an, dass bei der Ortsbesichtigung festgestellt worden sei, dass der gesamte Hausflur einschließlich Treppenabsatz, Fenster und Wände als erster Rettungsweg Brandlasten in Form von Schuhregalen, Truhen, Schränkchen, Sitzmöbel, Gardinen, Teppichen, Bildern, Bekleidung und Plüschtieren aufweise, die zudem den Hausflur einengten. Hingewiesen wurde auf Verstöße gegen §§ 3 Abs. 1, 17 Abs. 1 und 36 Abs. 5 BauO NRW. Er beabsichtige, wegen der brandschutzrechtlichen Mängel durch Ordnungsverfügung die Entfernung der Brandlasten aus dem gesamten Hausflur und damit auch die Beseitigung der Einengung zu fordern.

6Der Kläger antwortete unter dem 23. August 2008, er gehe davon aus, dass er als Verwalter angeschrieben worden sei, und verwies darauf, dass die Zustände im Erdgeschoss seit 30 Jahren, im ersten Obergeschoss seit 13 Jahren und im Dachgeschoss seit dem 1. Februar 2007 beständen. Seine Gegenstände im Erdgeschoss seien im wesentlichen nicht brennbar.

7Der Eigentümer der Wohnung im ersten Obergeschoss teilte unter dem 3. September 2008 mit, er habe seine Gegenstände vor 12 Jahren mit Zustimmung der beiden anderen Miteigentümer aufgestellt; der Fluchtweg werde nicht beeinträchtigt, die Treppenbreite sei nicht eingeschränkt.

8Die Eigentümerin der Dachgeschosswohnung teilte am 28. August 2008 mit, sie habe die Wirtschaftsbetriebe beauftragt, den Sperrmüll (Couch etc.) abzuholen.

9Mit Ordnungsverfügung vom 6. November 2008 gab der Beklagte dem Kläger als Verwalter der Wohnungseigentümergemeinschaft unter Anordnung der sofortigen Vollziehung auf, bis zum 24. November 2008 sämtliche Brandlasten aus dem Treppenhaus zu entfernen, wie u.a. im Erdgeschoss Teppiche und Heizung, im ersten Obergeschoss Kleiderbügel, Holztruhe, Schuhschrank, Schirmständer, Gardine, Blumengestell und die Teppiche, im Dachgeschoss Teppiche, Bilderrahmen und die Deko auf dem Fensterbrett, sowie sämtlichen Teppichbelag von den Treppenstufen. Für den Fall der Nichtbefolgung drohte er ein Zwangsgeld von 1.500,-- Euro an. Zur Begründung verwies er auf einen Verstoß gegen §§ 3 Abs. 1, 17 Abs. 1 und 2 BauO NRW.

10Einen Antrag des Klägers auf Aussetzung der Vollziehung vom 18. November 2009 lehnte der Beklagte mit Schreiben vom 21. November 2008 ab und verwies darauf, der Kläger selbst habe auf die Brandlasten aufmerksam gemacht, die dann im gesamten Treppenhaus gefunden worden seien. Keiner der vorhandenen Gegenstände weise nachweislich die Feuerwiderstandsqualität nicht brennbar bzw. schwerentflammbar (Bodenbelag) auf, deshalb sei nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz die Entfernung sämtlicher Dekorationsgegenstände zu fordern. Auf die an alle Eigentümer erfolgte Anhörung habe der Kläger als Verwalter der Wohnungseigentümergemeinschaft geantwortet. Deshalb könne er als Ordnungspflichtiger in Anspruch genommen werden. Unerheblich sei, wer Eigentümer der Gegenstände sei bzw. wer sie an den nicht zulässigen Ort gebracht habe. Aufgabe des Klägers sei es nicht in erster Linie, die Gefahr eigenhändig zu beseitigen, sondern die WEG dazu anzuhalten, für den

gesetzlichen Bestimmungen entsprechende Verhältnisse in dem Haus zu sorgen.

11Der Kläger hat am 17. November 2008 Klage erhoben und zugleich vorläufigen Rechtsschutz beantragt 25 L 1831/08 –. Er führt im einzelnen aus, die Voraussetzungen, einen WEG-Verwalter in Anspruch zu nehmen, seien nicht erfüllt. Er sei auch nicht als Verwalter angehört worden. Zudem sei das Auswahlermessen nicht ausgeübt. Die in fremdem Eigentum stehenden Gegenstände dürfe er nicht entfernen; insoweit hätten mindestens Duldungsverfügungen an die Miteigentümer oder an die Wohnungseigentümergemeinschaft ergehen müssen. Die Gegenstände stellten keine Brandgefahr dar. Der Treppenabsatz sei trotz dort stehenden Schuhschranks mit 1,40 m Breite begehbar. Der Teppichbelag sei nach seinem Wissen schwer entflammbar. Die gesetzte Frist sei zu kurz.

Der Kläger beantragt, 12

die Ordnungsverfügung des Beklagten vom 6. November 2008 aufzuheben. 13

Der Beklagte beantragt, 14

die Klage abzuweisen. 15

16Er verweist darauf, dass ein WEG-Verwalter nach der Rechtsprechung des OVG NRW als Störer in Anspruch genommen werden könne; da der Kläger sich auf die Anhörung als WEG-Verwalter gemeldet habe, sei er in Anspruch genommen worden.

17Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird ergänzend auf den Inhalt der Gerichtsakten, der Gerichtsakten 25 L 1831/08 sowie der Verwaltungsvorgänge des Beklagten Bezug genommen.

Entscheidungsgründe: 18

19Die zulässige Klage ist unbegründet. Die angefochtene Ordnungsverfügung ist rechtmäßig und verletzt den Kläger nicht in seinen Rechten, § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO.

20Ermächtigungsgrundlage für die angefochtene Ordnungsverfügung ist § 61 Abs. 1 Satz 2 BauO NRW. Nach § 61 Abs. 1 BauO NRW haben die Bauaufsichtsbehörden u.a. bei der Nutzung baulicher Anlagen darüber zu wachen, dass die öffentlich-rechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Sie haben in Wahrnehmung dieser Aufgaben nach pflichtgemäßem Ermessen die erforderlichen Maßnahmen zu treffen.

21Die vom Beklagten in der angefochtenen Ordnungsverfügung im einzelnen im Treppenhaus im Erdgeschoss, ersten Obergeschoss und Dachgeschoss aufgeführten Gegenstände verstoßen gegen § 17 Abs. 1 BauO NRW, wonach bauliche Anlagen unter Berücksichtigung von u.a. der Brennbarkeit der Baustoffe so beschaffen sein müssen, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer vorgebeugt und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind. Abgesehen von einigen ohnehin brennbaren hölzernen Gegenständen behindern sämtliche genannten Gegenstände wirksame Löscharbeiten i.S.d. § 17 Abs. 1 BauO NRW, da die Bediensteten der Feuerwehr ggf. darauf angewiesen sind, in einem verqualmten Treppenhaus unter Atemschutz vorzugehen und bei eingeschränkten Sichtverhältnissen nicht über Hindernisse zu

vorzugehen und bei eingeschränkten Sichtverhältnissen nicht über Hindernisse zu stolpern bzw. daran hängenzubleiben. Dies gilt auch für nicht brennbare Gegenstände wie z.B. einen Blumenständer aus Metall oder die Heizung im Erdgeschoss. Auf die Frage der unzulässigen Einengung 36 Abs. 5 BauO NRW) kommt es insoweit nicht an. Das Treppenhaus ist der erste Rettungsweg des Hauses und muss entsprechend nutzbar sein. Die Ausführungen des Klägers im Schriftsatz vom 19. Dezember 2008 im Verfahren 25 L 1831/08 zu seinen Vorstellungen über den Rettungsweg aus den einzelnen Geschossen (Ausstieg aus den Fenstern, ggf. Sprung von Balkonen oder aus dem Fenster in den Garten oder auf weitere Balkone, Klettern aus dem Fenster über das Dach zum Fenster des Nachbarhauses oder ob den dortigen Balkon) sind abwegig. Hinsichtlich des Teppichbodenbelages hat der Beklagte sich in seinem Schreiben vom 21. November 2008 ergänzend auf § 37 Abs. 9 BauO NRW gestützt. Nach § 37 Abs. 9 Satz 1 Nr. 2 BauO NRW müssen Bodenbeläge aus mindestens schwer entflammbaren Baustoffen bestehen. Der Kläger hat insoweit ausgeführt (Schriftsatz vom 19. Dezember 2008 im Verfahren 25 L 1831/08), er habe diesen Teppichboden 1985 mit dieser Maßgabe verlegen lassen. Nach Auffassung des Gerichts hat der Beklagte in diesem Fall zu Recht darauf abgestellt, dass dies nicht nachgewiesen sei während grundsätzlich Ordnungsbehörden die Voraussetzungen ihres Einschreitens nachzuweisen haben –, da zur damaligen Zeit das Erfordernis der Schwerentflammbarkeit von Bodenbelägen gerade erst neu eingeführt worden war (vgl. § 34 Abs. 4 Satz 2 BauO 1984, die BauO 1970 hatte entsprechende Anforderungen noch nicht enthalten, vgl. § 39 Abs. 10 BauO 1970) und deshalb nicht damit zu rechnen war, dass Teppichbodenlieferanten hierauf schon eingestellt waren. Im übrigen ist nach dem Schriftsatz des Klägers vom 19. Dezember 2008 der Austausch des abgenutzten, "versifften" Teppichbodens ohnehin für das vierte Quartal 2009 endgültig vorgesehen, so dass der Kläger in der Sache durch diese Anordnung nicht beschwert ist.

22Der Kläger ist zu Recht als Störer in Anspruch genommen worden. Die mit der Klageund Antragsschrift geltend gemachte rechtliche Unmöglichkeit besteht nicht. Der Kläger ist als WEG-Verwalter nach § 27 Abs. 1 Nr. 2 WEG berechtigt, die für die ordnungsgemäße Instandhaltung und Instandsetzung des gemeinschaftlichen Eigentums erforderlichen Maßnahmen zu treffen; hiernach ist er befugt, brandschutzrechtliche Anforderungen auszuführen. Wegen dieses eigenen Instandhaltungsrechts kann er aufgrund dieser Handlungsbefugnis als Störer in Anspruch genommen werden,

23vgl. OVG NRW, Beschluss vom 3. März 1994 11 B 2566/93 -, juris; ebenso bereits Beschluss der Kammer vom 10. Mai 2007 25 L 379/07 –.

24Im übrigen ist die Handhabung des Störerauswahlermessens durch den Beklagten im Rahmen der beschränkten gerichtlichen Überprüfungsbefugnis, § 114 VwGO, nicht zu beanstanden. Als Störer wären auch die beiden übrigen Wohnungseigentümer sowie der Kläger in seiner Eigenschaft als Wohnungseigentümer, ebenso auch die Wohnungseigentümergemeinschaft als solche in Betracht gekommen. Der Beklagte hat sich dafür entschieden, den Kläger als Verwalter in Anspruch zu nehmen, da dieser auf die Anhörung als erster geantwortet und sich damals in seiner Eigenschaft als Verwalter gemeldet hatte. Dass der Beklagte sich daraufhin entschieden hat, entsprechend vorzugehen, kann nicht beanstandet werden. Es kann insbesondere auch nicht festgestellt werden, dass ein Vorgehen gegen die drei Eigentümer bei welchem die Gegenstände individuell hätten zugeordnet werden müssen mit drei selbständigen Ordnungsverfügungen und selbständigen Vollstreckungsverfahren zur Gefahrenabwehr effizienter gewesen wäre.

25Soweit der Prozessbevollmächtigte des Klägers in der mündlichen Verhandlung ausgeführt hat, Gegenstände wie die hier in Rede stehenden befänden sich in vielen Treppenhäusern, wenn eine Behörde einschreite, müsse sie einem Konzept folgen, ergibt sich auch hieraus nichts zugunsten des Klägers. Der Beklagte ist nicht verpflichtet, von Amts wegen alle Wohnhäuser eines Stadtteils oder der ganzen Stadt auf Brandlasten im Treppenhaus zu überprüfen. Er schreitet ein, wenn ihm Brandlasten bekannt werden, wie es hier durch das Schreiben des Klägers vom 15. Mai 2008 geschehen ist, in dem dieser selbst auf brandschutzrechtliche Bedenken hingewiesen hatte. Aus anderen vor der Kammer anhängig gewesenen Verfahren betreffend Brandschutzmaßnahmen in Hochhäusern ist dem Gericht bekannt, dass der Beklagte auch dort nach entsprechenden Prüfungen gegen jegliche Brandlasten in den Treppenhäusern metallene Gegenstände wie Fahrräder, Einkaufswagen aus Supermärkten, Kinderwagen, die auf den breiten Fluren vor den jeweiligen Wohnungstüren standen unter dem Aspekt wirksamer Löscharbeiten durch Erlass von Ordnungsverfügungen eingeschritten ist.

26Die geforderten Maßnahmen sind mit Blick auf die hohen Belange des Brandschutzes, der dem Schutz von Menschenleben dient, auch nicht unverhältnismäßig.

27Die Zwangsgeldandrohung genügt den Voraussetzungen der §§ 55, 57, 60, 63 VwVG NRW. Insbesondere ist die gesetzte Frist angemessen, § 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG NRW; die geforderten Maßnahmen können in dieser Zeit tatsächlich ohne weiteres ausgeführt werden. Da, wie dargelegt, die vom Kläger geltend gemachte rechtliche Unmöglichkeit nicht besteht, war auch der Erlass von Duldungsverfügungen an die weiteren Eigentümer als Vollstreckungsvoraussetzung nicht erforderlich. Ob dies unter dem praktischen Aspekt hätte angezeigt sein können, dem Kläger das vom ihm erwartete Einwirken auf die WEG zur Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen (Schreiben des Beklagten vom 21. November 2008) zu erleichtern, bedarf nicht der Entscheidung.

Die Nebenentscheidungen folgen aus §§ 154 Abs. 1, 167 VwGO, 708 Nr. 11, 711 ZPO. 28

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