Urteil des VG Berlin vom 14.03.2017, 26 A 23.08

Entschieden
14.03.2017
Schlagworte
Haushalt, Wohnung, Wirtschaftliche leistungsfähigkeit, Verfügung, Unterbringung, Behörde, Rückforderung, Begriff, Rücknahme, Miete
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Quelle: Gericht: VG Berlin 26. Kammer

Entscheidungsdatum: 06.04.2010

Aktenzeichen: 26 A 23.08

Normen: § 40 Abs 1 Nr 4 BBesG, § 48 VwVfG, § 34 SGB 8, Nr 40.1.15 BMI-DII3-221710.1-19970711- 0424

Dokumenttyp: Urteil

Familienzuschlag bei Maßnahme der Jugendhilfe mit auswärtiger Unterbringung

Leitsatz

(Subsidiäre) staatliche Leistungen, die zweckgebunden für die Abdeckung eines der Art und der Höhe nach über das Übliche hinausgehenden besonderen und außergewöhnlichen Lebensbedarfes zufließen, gehören nicht zu den zu berücksichtigenden Mitteln für den Unterhalt im Sinne von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG.

Tenor

Der Bescheid des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg von Berlin vom 19. Juni 2007 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides derselben Behörde vom 14. Dezember 2007 wird aufgehoben.

Der Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar.

Der Beklagte kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 v.H. des aus dem Urteil vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht der Kläger vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 v.H. des jeweiligen Vollstreckungsbetrages leistet.

Tatbestand

1Der Kläger wendet sich gegen die (teilweise) Rücknahme eines Bescheides, mit dem ihm der Familienzuschlag der Stufe 1 gewährt wurde, und die damit verbundene Rückforderung von Dienstbezügen.

2Der im Dezember 195… geborene Kläger ist Beamter auf Lebenszeit im Dienste des beklagten Landes. Er ist seit Februar 2… geschieden, seiner früheren Ehefrau aber nicht zum Unterhalt verpflichtet. Aus dieser Ehe ist der im Juni 199… geborene Sohn E. hervorgegangen. Mit Bescheid vom 6. April 2004 gewährte das Bezirksamt Tempelhof- Schöneberg dem Kläger ab Februar 2004 den Familienzuschlag der Stufe 1, weil er seinen Sohn E. in seinen Haushalt aufgenommen hatte und dessen Einkünfte die Eigenmittelgrenze nicht überstiegen.

3Im Rahmen einer regelmäßigen Überprüfung der Voraussetzungen für die Zahlung des Familienzuschlages der Stufe 1 informierte der Kläger den Beklagten im Juni 2007 darüber, dass sich sein Sohn E. seit dem 27. September 2004 im Rahmen einer Jugendhilfemaßnahme in dem S. Heim in K., einer Heimeinrichtung mit lernpsychotherapeutischer Vollzeitförderung zur Wiederherstellung der Schulfähigkeit auch bei extremen Schulversagen, befindet. Diese Maßnahme wurde zunächst für sechs Monate bewilligt und - nach Prüfung des Verlaufs der Maßnahme - (wiederholt) um jeweils sechs Monate verlängert. Sie endete im Oktober 2007. Das Land Berlin trug die Kosten für diese Jugendhilfemaßnahme von über 4.000,00 Euro im Monat, die nach einer Bescheinigung des Leiters der Einrichtung vom 6. November 2007 überwiegend für pädagogisch-therapeutische Leistungen anfielen; die Kosten für den Lebensunterhalt in dieser Einrichtung betrugen 16,26 Euro pro Tag. Der Kläger wurde zu den Kosten der Heimunterbringung zunächst in Höhe von 273,00 Euro, ab April 2006 in Höhe von 349,00 Euro und ab Oktober 2006 in Höhe von 425,00 Euro monatlich herangezogen.

4Mit Bescheid vom 19. Juni 2007 hob das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg den Bewilligungsbescheid vom 6. April 2004 mit Wirkung vom 1. September 2004 auf und forderte zugleich für den Zeitraum von September 2004 bis einschließlich Juni 2007 einen Betrag von insgesamt 3.579,52 Euro zurück. Zur Begründung hieß es, es bestehe

einen Betrag von insgesamt 3.579,52 Euro zurück. Zur Begründung hieß es, es bestehe kein Anspruch auf Familienzuschlag der Stufe 1, weil die Aufwendungen des Landes Berlin für die Heimunterbringung und den Unterhalt des Sohnes die Eigenmittelgrenze in Höhe von 631,68 Euro monatlich erheblich überstiegen.

5Auf den Widerspruch des Klägers reduzierte das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit Bescheid vom 14. Dezember 2007, zugestellt am 18. Dezember 2007, die Rückforderungssumme auf 3.474,24 Euro, weil die Rückforderung erst für die Zeit ab Oktober 2004 - und nicht schon ab September 2004 - geltend gemacht werde. Im Übrigen wurde der Widerspruch zurückgewiesen. Durch die Heimunterbringung des Sohnes sei die häusliche Bindung zum Haushalt des Klägers beendet worden. Außerdem gewähre der Kläger seinem Sohn keinen Unterhalt; der unterhaltsrechtliche Bedarf des Sohnes werde durch die Leistungen im Rahmen der Jugendhilfemaßnahme nach dem Sozialgesetzbuch Achtes Buch - SGB VIII - voll gedeckt.

6Hiergegen wendet sich der Kläger mit seiner am 18. Januar 2008 beim Verwaltungsgericht Berlin erhobenen Klage. Er trägt vor, die Heimunterbringung sei lediglich vorübergehend gewesen. Sie habe die häusliche Verbindung seines Sohnes zu ihm nicht aufgehoben. Die Aufrechterhaltung des Lebensmittelpunktes in seinem Haushalt sei Voraussetzung für das Gelingen der Jugendhilfemaßnahme gewesen, wie sich aus der Bescheinigung des Leiters der Einrichtung vom 30. März 2007 ergebe. In seiner Wohnung habe auch während der Heimunterbringung ein Zimmer ausschließlich für seinen Sohn zur Verfügung gestanden, das entsprechend dessen Bedürfnissen eingerichtet gewesen sei. Sein Sohn habe in den Jahren 2005 bis 2007 sämtliche Schulferien und darüber hinaus durchschnittlich fünf bis sechs Wochenenden im Jahr bei ihm verbracht. Er, der Kläger, habe seinem Sohn auch Unterhalt geleistet, weil er zu den Kosten der Jugendhilfemaßnahme herangezogen worden sei. Zudem habe er für seinen Sohn die Krankenversicherungsbeiträge, Fahrtkosten, Aufwendungen für Urlaubsreisen und Bekleidung, Taschengeld, sonstige Beitragszahlungen, Geschenke sowie anteilig Miete getragen.

7Der Kläger beantragt,

8den Bescheid des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg von Berlin vom 19. Juni 2007 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides derselben Behörde vom 14. Dezember 2007 aufzuheben.

9Der Beklagte beantragt,

10die Klage abzuweisen.

11 Der Beklagte verweist zur Begründung auf seine Ausführungen in den angegriffenen Bescheiden.

12 Seit Beendigung der Jugendhilfemaßnahme im Oktober 2007 lebt der Sohn wieder im Haushalt des Klägers, der seit diesem Zeitpunkt erneut den Familienzuschlag der Stufe 1 erhält.

13 Die Kammer hat den Rechtsstreit mit Beschluss vom 29. Juni 2009 der Berichterstatterin als Einzelrichterin zur Entscheidung übertragen.

14 Wegen der weiteren Einzelheiten des Sachverhalts und des Vorbringens der Beteiligten wird auf den Inhalt der Streitakte und des beigezogenen Verwaltungsvorganges des Beklagten Bezug genommen, die vorgelegen haben und Gegenstand der Entscheidung gewesen sind.

Entscheidungsgründe

15 Die Klage, über die im Einverständnis der Beteiligten nach § 101 Abs. 2 der Verwaltungsgerichtsordnung - VwGO - ohne mündliche Verhandlung entschieden werden kann, hat Erfolg. Der Bescheid des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg vom 19. Juni 2007 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides derselben Behörde vom 14. Dezember 2007 ist rechtswidrig und verletzt den Kläger in seinen Rechten 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO).

16 Die (teilweise) Rücknahme des Bescheides des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg vom 6. April 2004 über die Gewährung des Familienzuschlages der Stufe 1 ist rechtswidrig, weil der Tatbestand der allein in Betracht kommenden Rechtsgrundlage des § 48 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes - VwVfG - in Verbindung mit § 1 Abs. 1 des Gesetzes über das Verfahren der Berliner Verwaltung - BlnVwVfG - nicht

Abs. 1 des Gesetzes über das Verfahren der Berliner Verwaltung - BlnVwVfG - nicht erfüllt ist. Nach § 48 Abs. 1 und 2 VwVfG kann ein rechtswidriger Verwaltungsakt, der eine laufende Geldleistung gewährt oder hierfür Voraussetzung ist, ganz oder teilweise mit Wirkung für die Zukunft oder für die Vergangenheit zurückgenommen werden, soweit nicht der Begünstigte auf den Bestand des Verwaltungsaktes vertraut hat und sein Vertrauen unter Abwägung mit dem öffentlichen Interesse an einer Rücknahme schutzwürdig ist. Der Bewilligungsbescheid vom 6. April 2004 ist jedoch nicht rechtswidrig, soweit dem Kläger auch über den Monat September 2004 hinaus der Familienzuschlag der Stufe 1 gewährt worden ist. Der Kläger hat auch für die hier streitige Zeit von Oktober 2004 bis einschließlich September 2007 einen Anspruch auf diesen Zuschlag.

17 Gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 des Bundesbesoldungsgesetzes - BBesG - erhalten Beamte, die nicht unter § 40 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 BBesG fallen, den Familienzuschlag der Stufe 1, wenn sie eine andere Person nicht nur vorübergehend in ihre Wohnung aufgenommen haben und ihr Unterhalt gewähren, weil sie gesetzlich dazu verpflichtet sind.

18 Zu Recht hatte der Kläger, der nicht zu den gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 BBesG zuschlagsberechtigten Beamten gehörte, den Familienzuschlag der Stufe 1 in der Zeit von Februar 2004 bis einschließlich September 2004 erhalten. Denn er hatte (unstreitig) seinen Sohn Anfang des Jahres 2004 nicht nur vorübergehend in seinen Haushalt aufgenommen und ihm Unterhalt gewährt.

19 Es kann offen bleiben, ob der Sohn des Klägers auch während der Jugendhilfemaßnahme seinen Lebensmittelpunkt weiterhin in der Wohnung seines Vaters hatte. Jedenfalls greift für den hier maßgeblichen Zeitraum die Fiktion des § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 BBesG. Nach dieser Vorschrift gilt ein Kind auch dann als in die Wohnung aufgenommen, wenn der Beamte es auf seine Kosten anderweitig untergebracht hat, ohne dass dadurch die häusliche Verbindung mit ihm aufgehoben werden soll. Diese Regelung zielt auf Kinder ab, die sich etwa zu Zwecken des Studiums oder - wie der Sohn des Klägers - aus sonstigen Gründen nur vorübergehend für eine gewisse Zeit außerhalb der Wohnung des (aufnehmenden) Elternteils aufhalten (vgl. Sander in: Schwegmann/Summer, BBesG, § 40 Rn 9q).

20 Die Unterbringung des Sohnes E. im S. Heim war Hilfe zur Erziehung nach § 34 SGB VIII und von Anfang an nicht auf Dauer angelegt. Aus der Bescheinigung des Leiters der Einrichtung vom 30. März 2007 ergibt sich, dass Ziel der Maßnahme die Wiedereingliederung des Sohnes in den Haushalt des Klägers und in das gewohnte Umfeld gewesen ist. Dort heißt es wörtlich: „Der Hauptwohnsitz (von E.) verbleibt im Haushalt des Vaters. Regelmäßige Aufenthalte (dort) so häufig wie möglich sind notwendige Voraussetzung für das Gelingen der lernpsychotherapeutischen Maßnahme, die keine heimatersetzende Funktion hat. Sie dienen sowohl der Pflege der familiären Bindung als auch der Verkürzung der Maßnahme durch die Möglichkeit gegebenenfalls rascher Rückführung.“ Eine solche Heimunterbringung ist - nach der Intention des Gesetzgebers (vgl. § 34 Satz 2 Nr. 1 SGB VIII) - nur vorübergehender Art und beendete nicht die Zugehörigkeit des Sohnes E. zum Haushalt des Vaters (vgl. auch FG Düsseldorf, Urteil vom 15. Dezember 1999 - 9 K 5749.98 Kg -, EFG 2000, S. 225, zitiert nach juris dort Rn 21f.; FG Hamburg, Urteil vom 20. Juni 2001 - I 707.99 -, DStRE 2001, S. 1280, zitiert nach juris dort Rn 19f.). Hierfür spricht im Übrigen auch, dass die Jugendhilfemaßnahme jeweils nur für sechs Monate befristet bewilligt und anschließend über ihre Fortsetzung entschieden wurde. Für den Kläger und seinen Sohn war deshalb zu Beginn der Heimunterbringung deren (lange) Dauer nicht absehbar. Die Tatsache, dass der Sohn nach Abschluss der Maßnahme Mitte Oktober 2007 vollständig in den Haushalt seines Vaters zurückkehrte, bestätigt ebenfalls den nur vorübergehenden Charakter des Heimaufenthaltes.

21 Während der gesamten Zeit der Jugendhilfemaßnahme blieb die häusliche Verbindung von E. zur Wohnung seines Vaters bestehen. Er verbrachte - nach den glaubhaften und von dem Beklagten nicht bestrittenen Bekundungen des Klägers - sämtliche Schulferien bei bzw. mit seinem Vater und hielt sich darüber hinaus durchschnittlich an fünf bis sechs Wochenenden im Jahr bei ihm auf. In der Wohnung des Klägers stand für den Sohn ein Zimmer zur alleinigen Nutzung zur Verfügung, das mit einer altersentsprechenden Einrichtung ausgestattet war (siehe in diesem Zusammenhang Sander in: Schwegmann/Summer, BBesG, § 40 Rn 9r). Die fortbestehende häusliche Verbindung ergibt sich zudem aus der Bescheinigung des Leiters der Einrichtung vom 30. März 2007.

22 E. war auch „auf Kosten“ des Klägers (anderweitig) untergebracht. Nach der

22 E. war auch „auf Kosten“ des Klägers (anderweitig) untergebracht. Nach der gesetzlichen Systematik treten die für eine auswärtige Unterbringung anfallenden (Unterhalts-)Kosten im Sinne von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 BBesG an die Stelle der durch die Aufnahme in den eigenen Haushalt entstehenden Mehrkosten nach Satz 1 dieser Vorschrift. Sie wirken gleichsam als (normatives) Substitut ersparter Aufwendungen anspruchsbegründend. Da mit dem Familienzuschlag der Stufe 1 nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 BBesG die durch die Aufnahme einer anderen Person typischerweise entstehenden Mehrkosten ausgeglichen werden sollen (vgl. etwa Sander in: Schwegmann/Summer, BBesG, § 40 Rn 9a), umfasst der Begriff des Unterhalts (bzw. der Kosten) die typischen Unterhaltskosten, das heißt die üblichen für den laufenden Lebensunterhalt anfallenden Kosten. Denn § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 BBesG erweitert lediglich den Begriff der „Aufnahme in die Wohnung“ durch eine Fiktion.

23 Nach der Bescheinigung des Leiters des S. Heimes in K. vom 6. November 2007 betrugen die Kosten für den Lebensunterhalt in dieser Einrichtung im hier streitigen Zeitraum 16,26 Euro pro Tag, für einen Monat also durchschnittlich (30 Tage x 16,26 Euro =) 487,80 Euro. Zwar hat das Land Berlin diese Kosten im Rahmen der Jugendhilfemaßnahme zunächst übernommen, es fand jedoch ein Kostenrückgriff auf den Kläger statt. Im Umfang der Kostenbeteiligung des Klägers sind die Leistungen des Landes Berlin als Leistungen des Klägers anzusehen (siehe in diesem Zusammenhang auch BSG, Urteil vom 3. Dezember 1996 - 10 RKg 12.95 -, SozR 3-5870 § 11a Nr. 10, zitiert nach juris dort Rn 21 m. w. N.). Da der Kläger zu den Kosten der Heimunterbringung in Höhe von zunächst 273,00 Euro, ab April 2006 in Höhe von 349,00 Euro und ab Oktober 2006 in Höhe von 425,00 Euro monatlich herangezogen wurde, hat er die (Unterhalts-)Kosten für die Unterbringung seines Sohnes in der Einrichtung überwiegend getragen.Nach dem Wortlaut sowie Sinn und Zweck von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 BBesG ist nicht erforderlich, dass der Beamte für die gesamten Kosten aufkommt; entscheidend ist, dass der Beamte - wie hier der Kläger - durch seine Beteiligung an den bei einer anderweitigen Unterbringung entstehenden Lebenshaltungskosten nicht nur geringfügig belastet ist.

24 Der Kläger hat seinem Sohn außerdem Unterhalt aufgrund gesetzlicher Verpflichtung (§§ 1601ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches - BGB -) gewährt, die auch während der Heimunterbringung bestehen blieb (vgl. BFH, Urteil vom 23. Februar 2006 - III R 65.04 -, BFHE 212, S. 481, zitiert nach juris dort Rn 12f. m. w. N.). Abgesehen von seiner Kostenbeteiligung bei der Heimunterbringung hielt der Kläger in seiner Wohnung Räumlichkeiten für seinen Sohn bereit und ermöglichte ihm den Aufenthalt an Wochenenden sowie in den Ferien. Zudem versorgte und betreute er ihn während dieser Zeit. Darüber hinaus hat der Kläger nach seinem unbestrittenen Vorbringen die Krankenversicherungsbeiträge, Fahrtkosten, Bekleidung, Taschengeld, sonstige Beiträge, Geschenke, Urlaubsreisen und (anteilig) Miete für seinen Sohn gezahlt. Unerheblich ist, dass auch das Land Berlin im Rahmen der Jugendhilfemaßnahme Kosten für den Lebensunterhalt des Sohnes getragen hat. Denn ein Anspruch auf Familienzuschlag der Stufe 1 nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 BBesG besteht auch dann, wenn der Beamte nicht den gesamten Unterhalt gewährt (siehe hierzu BVerwG, Urteil vom 3. November 2005 - 2 C 16.04 -, Buchholz 240 § 40 BBesG Nr. 35, zitiert nach juris dort Rn 9 m. w. N.).

25 Der Anspruch auf Familienzuschlag der Stufe 1 war auch nicht durch die Regelung des § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG ausgeschlossen. Nach dieser Vorschrift wird die Leistung nicht gewährt, wenn für den Unterhalt der aufgenommenen Person Mittel zur Verfügung stehen, die - bei einem Kind einschließlich des gewährten Kindergeldes und des kinderbezogenen Teils des Familienzuschlages - das Sechsfache des Betrages der Stufe 1 übersteigen (vgl. zur Vereinbarkeit der sog. Eigenmittelgrenze mit höherrangigem Recht BVerwG, Urteil vom 3. November 2005 - 2 C 16.04 -, Buchholz 240 § 40 BBesG Nr. 35, zitiert nach juris dort Rn 12ff.).Dies war im streitigen Zeitraum von Oktober 2004 bis September 2007 nicht der Fall. Denn die vom Land Berlin im Rahmen der Jugendhilfemaßnahme getragenen Kosten für die Heimunterbringung sind nur im Umfang der Kosten für den Lebensunterhalt abzüglich der Kostenbeiträge des Klägers zu berücksichtigen.

26 Unter den Begriff „Mittel“ im Sinne von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG fallen nach dem Wortsinn Einkünfte jedweder Einkunftsart. Diese Mittel stehen dem Unterhalt der aufgenommenen Person zur Verfügung, wenn sie es dieser erlauben, auf sie ohne rechtliche Hindernisse für ihren Unterhalt zurückzugreifen (so BVerwG, Urteil vom 9. Mai 2006 - 2 C 12.05 -, Buchholz 240 § 40 BBesG Nr. 37, zitiert nach juris). Grundsätzlich sind alle Mittel für den Unterhalt einzusetzen, es sei denn, aus ihrer Zweckbindung oder Zweckbestimmung ergibt sich etwas anderes. Insbesondere sind (subsidiäre) staatliche Hilfen, mit denen ein - zum Beispiel pflege- oder behinderungsbedingter - Sonderbedarf

Hilfen, mit denen ein - zum Beispiel pflege- oder behinderungsbedingter - Sonderbedarf gedeckt wird, außer Acht zu lassen, weil diese nicht für den üblichen Lebensunterhalt zur Verfügung stehen (siehe Sander in: Schwegmann/Summer, BBesG, § 40 Rn 9o [Ziffer 1. und 2. Buchst. d sowie Fußnote 69]; vgl. in diesem Zusammenhang ferner BFH, Urteil vom 14. November 2000 - VI R 62.97 -, BFHE 193, S. 444, zitiert nach juris dort Rn 17 m. w. N.; BFH, Urteil vom 15. Oktober 1999 - VI R 40.98 -, BFHE 189, S. 449, zitiert nach juris dort Rn 38ff. - zu § 32 EStG).Solche Leistungen führen nicht zu einem Wegfall des Familienzuschlages der Stufe 1 nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG.

27 Eine andere Betrachtung wäre mit dem Sinn und Zweck des Gesetzes nicht zu vereinbaren. Durch die Eigenmittelgrenze gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG wollte der Gesetzgeber ausschließen, dass unverheiratete Beamte den Zuschlag auch dann erhalten, wenn die aufgenommene Person selbst über finanzielle Mittel verfügt, die es ihr erlauben, ihren Unterhalt im Wesentlichen selbst zu bestreiten, und daher der „aufnehmende“ Besoldungsempfängers allenfalls geringfügig wirtschaftlich belastet ist (vgl. BT-Drucks. 10/3789, S. 12f.; BVerwG, Urteil vom 3. November 2005 - 2 C 16.04 -, Buchholz 240 § 40 BBesG Nr. 35, zitiert nach juris dort Rn 24). (Subsidiäre) staatliche Leistungen, die zweckgebunden für die Abdeckung eines der Art und der Höhe nach über das Übliche hinausgehenden besonderen und außergewöhnlichen Lebensbedarfes zufließen, stehen der aufgenommenen Person jedoch nicht zur Bestreitung ihrer üblichen Lebenshaltungskosten zur Verfügung. Sie erhöhen nicht die allgemeine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Empfängers im Vergleich zu jenen Personen, bei denen die Voraussetzungen für die Gewährung solcher Leistungen nicht vorliegen. Dementsprechend sieht auch Ziffer 40.1.15 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Bundesbesoldungsgesetz - BBesGVwV - vom 11. Juli 1997 (GMBl. S. 314) ausdrücklich vor, dass Leistungen, die einen Sonderbedarf abdecken sollen, nicht zu den zu berücksichtigenden Mitteln für den Unterhalt gehören. Dabei ist unerheblich, ob ein solcher Sonderbedarf - wie (nur) beispielhaft in der Verwaltungsvorschrift genannt - durch die Behinderung oder Pflegebedürftigkeit eines Kindes entsteht oder - wie hier bei dem Sohn des Klägers - durch schwere Erziehbarkeit oder Verhaltensauffälligkeiten.

28 Von den - grundsätzlich zu berücksichtigenden - staatlichen Leistungen für den Lebensunterhalt des Sohnes E. während der Heimunterbringung müssen zudem die Kostenbeiträge des Klägers abgezogen werden. Denn bei einem Kostenrückgriff sind die staatlichen Leistungen im entsprechenden Umfang als Leistungen des Unterhaltsverpflichteten anzusehen (vgl. BSG, Urteil vom 3. Dezember 1996 - 10 RKg 12.95 -, SozR 3-5870 § 11a Nr. 10, zitiert nach juris dort Rn 21 m. w .N.), die ihrerseits keine Mittel im Sinne von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG darstellen (Sander in: Schwegmann/Summer, BBesG, § 40 Rn 9n). Rechnete man die Kostenbeiträge hingegen auf die gesamten Kosten der Jugendhilfemaßnahme an, würde dies - dem Gesetzeszweck zuwider - dazu führen, dass (indirekt) die staatlichen Hilfen, mit denen ein Sonderbedarf gedeckt werden soll, als „zur Verfügung stehende Mittel“ berücksichtigt werden.

29 Zwischen den Beteiligten ist unstreitig, dass die Eigenmittelgrenze nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG nicht überschritten wird, wenn die Leistungen des Landes Berlin im Rahmen der Jugendhilfemaßnahme nur im hier dargestellten Umfang in die Berechnung einbezogen werden. Aus diesem Grunde bedürfen die den angegriffenen Bescheiden zugrunde liegenden Berechnungen keiner gerichtlichen Überprüfung.

30 Da hiernach der Bescheid des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg vom 19. Juni 2007 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides derselben Behörde vom 14. Dezember 2007 rechtswidrig und aufzuheben ist, kann auch die Rückforderung des vermeintlich überzahlten Familienzuschlages der Stufe 1 keinen Bestand haben. Denn die zurückgeforderten Bezüge sind - ohne die Teilrücknahme des Bescheides vom 6. April 2004 - mit Rechtsgrund geleistet.

31 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 VwGO. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus § 167 VwGO in Verbindung mit § 708 Nr. 11, § 711 der Zivilprozessordnung - ZPO -.

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