Urteil des VG Berlin vom 14.03.2017, 3 A 703.08

Entschieden
14.03.2017
Schlagworte
Zahl, Praktische ausbildung, Geographie, Verfügung, Diplom, Universität, Hochschule, Streichung, Veranstaltung, Amtsblatt
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Gericht: VG Berlin 3. Kammer Quelle:

Entscheidungsdatum: 08.01.2009 Norm: § 10 S 1 KapVO BE

Aktenzeichen: 3 A 703.08

Dokumenttyp: Beschluss

Zulassung für Studienplatz in Geographie FU Berlin WS 2008/09

Tenor

Die Antragsgegnerin wird im Wege einstweiliger Anordnung verpflichtet, den Antragsteller vom Wintersemester 2008/09 an vorläufig zum Studium der Geographischen Wissenschaften (Abschluss Bachelor of Arts) im 1. Fachsemester zuzulassen.

Diese einstweilige Anordnung wird unwirksam, sofern der Antragsteller nicht innerhalb von sieben Arbeitstagen (Montag - Freitag) nach Zustellung dieses Beschlusses unter gleichzeitiger Abgabe einer Versicherung an Eides Statt, dass er an keiner anderen Universität in der Bundesrepublik Deutschland vorläufig oder endgültig für ein Studium desselben Studiengangs eingeschrieben ist, die Immatrikulation bei der Antragsgegnerin beantragt hat.

Die Antragsgegnerin trägt die Kosten des Verfahrens.

Der Wert des Verfahrensgegenstandes wird auf 5.000,- Euro festgesetzt.

Gründe

1Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung im Sinne von § 123 Abs. 1 VwGO, mit dem die vorläufige Zulassung zum Studium im Studiengang Geographische Wissenschaften an der Freien Universität Berlin (Antragsgegnerin) vom Wintersemester 2008/2009 an erstrebt wird, hat Erfolg. Die im vorliegenden einstweiligen Rechtsschutzverfahren allein gebotene und mögliche summarische Prüfung ergibt, dass in den oben genannten Studiengängen über die in der Zulassungsordnung der Antragsgegnerin für das Wintersemester 2008/2009 (ABl. der Antragsgegnerin Nr. 29/2008 vom 10. Juli 2008) festgesetzte Zulassungszahl von 74 und die tatsächlich vergebenen 93 Studienplätze hinaus weitere 11 Studienplätze zur Verfügung stehen, von denen der Antragsteller einen beanspruchen kann.

2I. Die der Festsetzung der Zulassungszahlen zugrunde liegende Kapazitätsberechnung beruht auf der Verordnung über die Kapazitätsermittlung, die Curricularnormwerte und die Festsetzung von Zulassungszahlen - KapVO - vom 10. Mai 1994 (GVBl. S. 186), zuletzt geändert durch Verordnung vom 11. März 2004 (GVBl. S. 119). Die aufgrund dieser Vorschriften von der Antragsgegnerin zum Berechnungsstichtag 1. April 2008 vorgenommene Ermittlung der Aufnahmekapazität hält im Ergebnis einer Überprüfung nicht stand.

31. Zur Ermittlung des unbereinigten Lehrangebots nach §§ 8 und 9 KapVO ist von den der Lehreinheit zugewiesenen Planstellen des Lehrpersonals auszugehen. Die Antragsgegnerin hat ihrer Kapazitätsberechnung für die Lehreinheit Geographische Wissenschaften folgende Ausstattung mit wissenschaftlichem Lehrpersonal (Bestand an verfügbaren Stellen, § 8 KapVO) zugrunde gelegt:

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5Die Regellehrverpflichtung des hauptamtlichen Lehrpersonals beträgt nach der Lehrverpflichtungsverordnung i.d.F. vom 22. Oktober 2008 (GVBl. S 294) LVVO - für Professoren 9 Lehrveranstaltungsstunden (LVS), für Juniorprofessoren für die Dauer der ersten Phase des Dienstverhältnisses 4 LVS, für Hochschulassistenten 4 LVS, für Oberassistenten 6 LVS, für auf Dauer angestellte wissenschaftliche Mitarbeiter mit Vollzeitbeschäftigung 8 LVS, für Lehrkräfte für besondere Aufgaben 16 LVS und für vollzeitbeschäftigte wissenschaftliche Mitarbeiter mit befristeten Verträgen (Qualifikationsstellen) 4 LVS. Akademische Räte haben als unbefristet beschäftigte wissenschaftliche Mitarbeiter ein Lehrdeputat von 8 LVS. Soweit § 5 Abs. 1 Satz 4 LVVO

wissenschaftliche Mitarbeiter ein Lehrdeputat von 8 LVS. Soweit § 5 Abs. 1 Satz 4 LVVO bestimmt, dass für Akademische Räte/Oberräte und Lektoren im Sinne von § 128 des Berliner Hochschulgesetzes die Regellehrverpflichtung von Lehrkräften für besondere Aufgaben (16 LVS) entsprechend gilt, bezieht sich dies nur auf Beschäftigte, die das Amt eines „Akademischen Rates und Lektors“ bzw. „Akademischen Oberrats und Lektors“ ausüben. Nach §§ 54, 55 des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Lehrer sowie der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiter an den Hochschulen des Landes Berlin - Hochschullehrergesetz (HSchLG) - in der Fassung vom 28. August 1969 (GVBl. S. 1884) handelte es sich dabei um von den Akademischen Räten i.S. der §§ 52, 53 HSchLG zu unterscheidende wissenschaftliche Mitarbeiter. Die „Akademischen Räte und Lektoren“ hatten gemäß § 54 Satz 1 HSchLG die Aufgabe, die wissenschaftliche und künstlerische Lehrtätigkeit durch eine praktische Ausbildung zu ergänzen. Sie wurden für Sprachen und sonstige Fächer bestellt, die nach der Entscheidung des Senats der Hochschule von Lektoren zu unterrichten waren 54 Satz 2 HSchLG). Dementsprechend wurden die „Akademischen Räte und Lektoren“ im Landesbesoldungsgesetz in der Fassung vom 8. Oktober 1969 neben den „Akademischen Räten“ in der Besoldungsgruppe H 1 genannt (GVBl. S. 1997). Eine dem heutigen § 128 BerlHG entsprechende Vorschrift zur Überleitung der Dienstverhältnisse der Akademischen Räte und Lektoren existierte im Übrigen bereits im BerlHG in der Fassung vom 28. Dezember 1978 175, GVBl. S. 2493).

6Aus dem Bestand von insgesamt 20 Stellen hat die Antragsgegnerin ein Lehrangebot aus verfügbaren Stellen von 111 LVS errechnet. Hinzuzurechnen ist das von der Antragsgegnerin nicht berücksichtigte Lehrdeputat aus den Stellen 240184, 240610, 241826 und 240774 im Umfang von insgesamt 17 LVS. Ohne Erfolg beruft sich die Antragsgegnerin auf § 21 Abs. 1 KapVO, wonach einer Lehreinheit zugeordnete Stellen, die im Berechnungszeitraum oder in dem dem Berechnungszeitraum folgenden Jahr entfallen, bei der Feststellung der Ausbildungskapazität unberücksichtigt bleiben. Nach § 21 Abs. 3 KapVO sind die Stellen im Sinnes des Abs. 1 zu kennzeichnen und der Zeitpunkt des Wegfalls festzulegen. Weder dies noch den Wegfall der Stellen als solches hat die Antragsgegnerin glaubhaft gemacht. Nach dem im Kapazitätsrecht maßgeblichen abstrakten Stellenprinzip ist das von ihr allein vorgetragene Ausscheiden der Stelleninhaber unerheblich. Einen Beschluss des Kuratoriums über die Streichung der Stellen hat die Antragsgegnerin trotz Aufforderung seitens des Gerichts nicht vorgelegt.

7Nicht zu beanstanden ist dagegen der Wegfall der Stelle 240276 (C 1). Die Streichung trägt den aus dem Kapazitätserschöpfungsgebot (Art. 12 Abs. 1 GG) resultierenden Anforderungen an einen rationalen und grundrechtskonformen Planungs- und Abwägungsprozess hinreichend Rechnung. Mit der im Haushaltsplan für die Haushaltsjahre 2007/2008 vorgenommenen teilweisen Streichung der im Haushaltsplankapitel 08 - Sonderkapitel (Personalmanagementliste) - aufgeführten nicht besetzten bzw. frei gewordenen o. g. Stellen hat das gemäß § 65 Abs. 1 Nr. 1 BerlHG zuständige Kuratorium der Antragsgegnerin durch Beschluss 125/2006 vom 29. November 2006 ausweislich der Begründung des Beschlusses die Strukturplanung der Antragsgegnerin mit Zeithorizont 2009 umgesetzt. Damit wurde auf die vom Akademischen Senat der Antragsgegnerin sowie vom Kuratorium mit Zeithorizont 2009 beschlossene Struktur- und Entwicklungsplanung Bezug genommen, die unter anderem deshalb notwendig geworden war, weil die Antragsgegnerin durch den (mit dem Land Berlin bestehenden) Hochschulvertrag 2006 - 2009 Zuschusskürzungen erfahren hat, durch die sie sich zu einem erheblichen Stellenabbau gezwungen sieht. Dass diese Stellenstreichungen auf einem Abwägungsprozess beruhen, in den - bezogen auf jedes an der Antragsgegnerin vertretene Fach - sowohl die durch das Teilhaberecht aus Art. 12 Abs. 1 GG bestimmten Belange künftiger Studienbewerber als auch die durch Art. 5 Abs. 3 GG geschützten Belange der Antragsgegnerin einbezogen wurden, hat die Kammer bereits in ihren Beschlüssen vom 15. Mai 2006 (VG 3 A 115.06 u. a. - zu Wirtschaftswissenschaften) und vom 20. November 2006 (VG 3 A 494.06 u. a. - zu Psychologie) dargelegt.

8Aus dem Stellenbestand von 24 Stellen errechnet sich somit ein Bruttolehrangebot aus verfügbaren Stellen von 128 LVS .

92. Die von der Antragsgegnerin angesetzte Lehrverpflichtungsverminderung von 2,25 LVS gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 4 a) LVVO für Frau Professorin ... zur Wahrnehmung der Funktion der Studiendekanin ist nicht zu beanstanden.

10 3. Lehraufträge wirken sich hier im Umfang von 13,5 LVS kapazitätserhöhend aus. Gemäß § 10 Satz 1 KapVO werden als Lehrauftragsstunden die Lehrveranstaltungsstunden in die Berechnung einbezogen, die der Lehreinheit für den

Lehrveranstaltungsstunden in die Berechnung einbezogen, die der Lehreinheit für den Ausbildungsaufwand nach § 13 Abs. 1 KapVO in den dem Berechnungsstichtag vorausgehenden zwei Semestern (Sommersemester 2007 und Wintersemester 2007/08) im Durchschnitt je Semester zur Verfügung gestanden haben (also auch tatsächlich durchgeführt wurden) und nicht auf einer Regellehrverpflichtung beruhen. Nach den von der Antragsgegnerin eingereichten und mit Schriftsatz vom 15. Dezember 2008 korrigierten Aufstellungen wurden im Sommersemester 2007 im Umfang von 8 LVS und im Wintersemester 2007/08 im Umfang von 17 LVS Lehraufträge erteilt und durchgeführt. Hinzuzurechnen sind im Sommersemester 2007 weitere 2 LVS. Die Antragsgegnerin hat zwar durch Vorlage der Schreiben der Zentralen Universitätsverwaltung vom 27. Juli 2007 hinreichend glaubhaft gemacht, dass eine Regellehrverpflichtung der drittmittelbeschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeiter Ramelow und Reinhardt nicht besteht. Bei der im Sommersemester 2007 angebotenen Veranstaltung „Methodik (Modul D 1)“, die nach der Studienordnung zum Wahlpflichtbereich des Bachelorstudiums zählt, handelt es sich aber jedenfalls um Lehrveranstaltungsstunden, die der Lehreinheit im Sinne des § 10 Satz 1 KapVO zur Verfügung standen. Ob die Antragsgegnerin die für die auslaufenden Diplom-, Magister und Lehramtsstudiengänge erteilten Lehraufträge im Umfang von durchschnittlich 18,5 LVS zu Recht bei der Berechnung außer Acht gelassen hat, konnte, da nicht entscheidungserheblich, dahinstehen.

11 4. In die Ermittlung des Lehrangebots ist schließlich auch die Lehrleistung der Privatdozenten, außerplanmäßigen Professoren und Honorarprofessoren (sog. Titellehre ) einzubeziehen. Nach den von der Antragsgegnerin vorgelegten Aufstellungen und den Angaben im Vorlesungsverzeichnis errechnet sich für den entsprechend § 10 S. 1 KapVO maßgeblichen Zeitraum (Sommersemester 2007 und Wintersemester 2007/08) ein weiteres Lehrangebot von insgesamt 26 (Sommersemester 12, Wintersemester 14) LVS, was bezogen auf ein Semester ein Lehrangebot aus Titellehre von 13 LVS ergibt. Soweit die Antragsgegnerin dieses Lehrangebot nicht berücksichtigt hat, weil es ausschließlich den auslaufenden Diplom-, Magister und Lehramtsstudiengängen zugeordnet werden könne, kann dies nach Auffassung der Kammer jedenfalls für den Bereich der Titellehre keine Rolle spielen. Nach § 117 Abs. 1 Satz 2 1. Hs. BerlHG haben Honorarprofessoren und Honorarprofessorinnen regelmäßige Lehrveranstaltungen durchzuführen; dies gilt entsprechend für Privatdozenten und Privatdozentinnen 118 Abs. 2 Satz 1 BerlHG). Sie sind daher, ohne dass es sich um eine Regellehrverpflichtung handelt, gesetzlich zum Abhalten von Lehrveranstaltungen verpflichtet. Angesichts dieser personenbezogenen Verpflichtung, bei der es auf die inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltung nicht ankommt, ist ein Wegfall des Lehrangebots aus Titellehre für die Lehreinheit auch bei Auslaufen der Diplom-, Magister und Lehramtsstudiengänge nicht zu erwarten.

12 Das unbereinigte Lehrangebot beläuft sich nach alledem auf 152,25 LVS (128 LVS aus Stellen - 2,25 LVS Verminderung + 13,5 LVS Lehraufträge + 13 LVS Titellehre).

13 5. Zur Ermittlung des bereinigten Lehrangebotes ist von der Lehreinheit erbrachter Dienstleistungsexport 11 KapVO) von 4,6672 LVS abzuziehen (Ansatz der Antragsgegnerin: 13,9 LVS).

14 Nicht zu berücksichtigen waren dabei die von der Antragsgegnerin nach ihren Angaben zur Verfügung gestellten 30 Studienplätze für „affine Module“ Studierender anderer Monostudiengänge. Dabei handelt es sich nach der Aufstellung der Antragsgegnerin ausschließlich um Module, die zum Pflichtstoff des Bachelorstudiengangs Geographische Wissenschaften zählen. Nach § 11 Abs. 1 KapVO sind Dienstleistungen einer Lehreinheit die Lehrveranstaltungsstunden, die die Lehreinheit für nicht zugeordnete Studiengänge zu erbringen hat. Auch auf Aufforderung des Gerichts hat die Antragsgegnerin weder die in diesem Sinne „nachfragenden“ Studiengänge benennen noch glaubhaft machen können, dass es sich bei den angebotenen Lehrveranstaltungen um Pflichtveranstaltungen dieser anderen Studiengänge handelt.

15 Die Lehreinheit Geographische Wissenschaft bietet, wie sich aus der Klarstellung der Antragsgegnerin im Schriftsatz vom 15. Dezember 2008 ergibt, den Studierenden im Bachelorstudiengang Geologische Wissenschaften aber Lehrleistungen in Form des Pflichtmoduls „Geoinformatik“ (vgl. § 6 Nr. 4 der Studienordnung für den Bachelorstudiengang Geologische Wissenschaften, Amtsblatt der Antragsgegnerin Nr. 34/2006 vom 12. Juli 2006). Das Modul besteht nach der Modulbeschreibung aus einer Vorlesung (2 SWS) und einer Übung (2 SWS).

16 Der Dienstleistungsbedarf wird nach der Formel 2 in der Anlage 1 der KapVO 1994 E= q CA q X Aq /2 berechnet, wobei Aq für die Anzahl der jährlichen Studienanfänger des

q CA q X Aq /2 berechnet, wobei Aq für die Anzahl der jährlichen Studienanfänger des der Lehreinheit nicht zugeordneten Studiengangs 11 Abs. 2 KapVO) steht. Der von der Antragsgegnerin errechnete Curricularanteil (0,1222) war hinsichtlich der Zahl der Studienanfänger und der für die Übung zugrunde gelegten Gruppengrößen zu korrigieren. Im Hinblick auf die Zahl der Studienanfänger in dem zulassungsbeschränkten Studiengang Geologische Wissenschaften geht die Kammer entsprechend § 11 Abs. 2 KapVO nicht von der Zahl der Immatrikulierten im vergangenen Wintersemester, der für die bisherige Entwicklung der Studienanfängerzahlen nur eingeschränkte Aussagekraft zukommt, sondern von der Zulassungszahl für das Wintersemester 2008/2009 aus. Nach der Zulassungsordnung der Freien Universität Berlin (Amtsblatt der Antragsgegnerin Nr. 29/2008) liegt diese bei 105 Studienanfängern. Hinsichtlich der Gruppengrößen ist zunächst nicht zu beanstanden, dass die Antragsgegnerin bei den Anrechnungsfaktoren und angesetzten Betreuungsrelationen nach eigenen Angaben (vgl. Schriftsatz vom 15. Dezember 2008) den Vorgaben der Entschließung des 204. Plenums der Hochschulrektorenkonferenz vom 14. Juni 2005 („Empfehlung zur Sicherung der Qualität von Studium und Lehre in Bachelor- und Masterstudiengängen“), III. Abschnitt (Berechnung des Lehraufwands), S. 5 ff., folgt. Denn damit wird den besonderen Anforderungen der im Zuge der Einführung einer gestuften Studienstruktur zunehmend eingerichteten Bachelorstudiengänge Rechnung getragen. Diese Anforderungen, die zu einer Reduzierung der Abbrecherquoten und zu kürzeren Studienzeiten führen sollen, zielen auf eine Intensivierung der Ausbildung, die nach den Vorstellungen der HRK (a.a.O.) wiederum nur durch Lehrveranstaltungen mit kleineren Gruppengrößen und einer Ausweitung des Anteils dieser Lehrveranstaltungen am Curriculum zu erreichen ist. Allerdings vermochte die Kammer der Antragsgegnerin nicht dahin zu folgen, dass abweichend von diesen Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz für Übungen eine Gruppengröße von nur 20 anzusetzen sei. Da die Hochschulrektorenkonferenz für Übungen eine Teilnehmerzahl in einer Spanne von 30 bis 60 empfiehlt, erscheint der Kammer eine Gruppengröße von 30 für Übungen angemessen. Der insoweit korrigierte Curricularanteil beträgt 0,0889. Multipliziert mit der durch 2 geteilten Studienanfängerzahl (Aq /2) ergibt sich ein Dienstleistungsabzug von (0,0889 X 52,5 =) 4,6672 LVS.

17 Das bereinigte Lehrangebot beträgt danach (152,25 LVS 4,6672 LVS =) 147,5828 LVS .

18 6. Die dem so errechneten bereinigten Lehrangebot gegenüber zu stellende Lehrnachfrage des einzelnen Studierenden in der Lehreinheit Geographische Wissenschaften wird durch den Curricularnormwert (CNW) ausgedrückt, der den in Deputatstunden gemessenen Aufwand aller beteiligten Lehreinheiten, der für die ordnungsgemäße Ausbildung eines Studierenden in dem jeweiligen Studiengang erforderlich ist, bestimmt 13 Abs. 1 Satz 1 KapVO).

19 Bei der Ermittlung der Lehrnachfrage sind grundsätzlich die in der Anlage 2 zur KapVO aufgeführten Curricularnormwerte (CNW) anzuwenden 13 Abs. 1 Satz 2 KapVO). Für den Studiengang Geographie ist dort unterschiedslos für Diplom-, Magister- und Bachelor-abschlüsse ein CNW von 3,0 festgesetzt (Abschnitt I, Buchstabe a) Nr. 15 der Anlage 2 KapVO i.d.F. vom 19. Mai 2003, GVBl. S. 181). Demgegenüber hat die Antragsgegnerin anhand eines exemplarischen Studienverlaufsplans einen Curricularwert von 3,1389 und einen lehreinheitsspezifischen Curricularanteil von 2,4889 ermittelt. Ob hier der (im Ergebnis niedrigere) CNW der KapVO zugrunde zu legen oder die Berechnung der Antragsgegnerin im Hinblick auf die Gruppengröße zu korrigieren wäre, ist nicht entscheidungserheblich und kann daher dahinstehen. Im Folgenden geht die Kammer vom Ansatz der Antragsgegnerin - 2,4889 aus.

20 7. Da der Lehreinheit Geographische Wissenschaften neben dem Bachelorstudiengang auch der Masterstudiengang Geographie mit den Studienschwerpunkten Geographische Entwicklungsforschung, Terrestrische Systeme und Umwelthydrologie zugeordnet ist, muss zunächst ein gewichteter Curricularanteil beider Studiengänge gebildet werden. Ob die von der Antragsgegnerin wiederum anhand von exemplarischen Studienverlaufsplänen errechneten lehreinheitspezifischen Curricularanteile von 1,9389 (Geographische Entwicklungsforschung), 1,8833 (Terrestrische Systeme) und 2,2611 (Umwelthydrologie) im Einzelnen einer Überprüfung standhalten, ist ebenfalls nicht entscheidungserheblich.

21 Bei der Ermittlung des gewichteten Curricularanteils für die in der Lehreinheit zusammengefassten Studiengänge sind die von der Hochschule festgesetzten Anteilquoten zu berücksichtigen, mittels derer sie die Verteilung der vorhandenen Aufnahmekapazität auf die einzelnen Studiengänge vornimmt. Diese „Widmung“ der Ausbildungskapazität für bestimmte Studiengänge ist grundsätzlich - solange sie nicht

Ausbildungskapazität für bestimmte Studiengänge ist grundsätzlich - solange sie nicht willkürlich und „kapazitätsvernichtend“ erfolgt (Bahro/Berlin, a.a.O., § 12 KapVO Rdn. 3) - vom Gericht zu beachten. Materielle Kriterien hält die KapVO insoweit nicht bereit. Nach ständiger Rechtsprechung der Kammer (vgl. Beschlüsse vom 19. Februar 2004 - VG 3 A 1564.03 u. a. - Politikwissenschaft FU - und 13. Dezember 2005 - VG 3 A 414.05 u. a. - Wirtschaftskommunikation FHTW - ) ist es sachgerecht, für die Bemessung der jeweiligen Anteilquote auf die Zahl der Studienanfänger bzw. die insoweit festgesetzte Zulassungszahl eines der Lehreinheit zugeordneten Studiengangs im Verhältnis zu der entsprechenden Zahl der anderen derselben Lehreinheit zugeordneten Studiengänge abzustellen. Gerade wenn die Hochschule für diese Studiengänge Zulassungszahlen festsetzt, darf die darin zum Ausdruck gebrachte Verteilung der Ausbildungskapazität der Lehreinheit nicht in Widerspruch zu der sich aus der Anteilquotenbildung ergebenden Verteilung stehen, insbesondere dann nicht, wenn eine hohe Anteilquote für einen Studiengang mit vergleichsweise niedriger Zulassungszahl nicht durch einen entsprechend höheren Curricularanteil dieses Studiengangs zu rechtfertigen wäre.

22 Ein solches Missverhältnis liegt hier jedoch nicht vor, da die Antragsgegnerin für den Bachelorstudiengang 74 und für den Masterstudiengang 30 Bewerber zugelassen und die Anteilquoten auf 0,67 und 0,33 (0,11 pro Schwerpunkt) festgesetzt hat.

23 Danach errechnet sich nach der Formel 4 der Anl. 1 zur KapVO folgender gewichteter Curricularanteil:

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25 8. Bei Verdopplung des bereinigten Lehrangebots (147,5828), Division durch den gewichteten Curriculareigenanteil (Formel 5 der Anlage 1 zur KapVO 1994) und anschließender Multiplikation mit der für den Bachelorstudiengang festgelegten Anteilquote ergibt sich für diesen Studiengang eine Basiszahl von (147,5828X 2 : 2,3367 X 0,67 =) 84,6326 .

26 9. Diese Basiszahl ist um eine Schwundquote zu erhöhen 14 Abs. 3 Nr. 3 i.V.m. § 16 KapVO), wenn anzunehmen ist, dass die Zahl der Abgänge an Studierenden in höheren Fachsemestern größer sein wird als die Zahl der Zugänge. Der von der Antragsgegnerin nach dem sog. Hamburger Modell ermittelte Schwund von 0,8159 erscheint bei summarischer Prüfung nicht beanstandenswert. Die Basiszahl dividiert durch diesen Schwundfaktor ergibt eine Zahl von 103,73, aufgerundet 104 Studienplätze .

27 10. Da die Antragsgegnerin für das 1. Fachsemester 93 Studierende zugelassen hat, sind noch 11 Studienplätze zu besetzen. Die Anzahl der Antragstellerinnen/ Antragsteller übersteigt diese Zahl nicht, so dass dem Antrag in vollem Umfang entsprochen werden kann.

28 II. Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf §§ 39 ff., 52 f. GKG.

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