Urteil des VG Aachen vom 12.01.2011, 9 Nc 209/10

Entschieden
12.01.2011
Schlagworte
Wissenschaft und forschung, Medizin, Berechnung, Teil, Verwaltungsgericht, Verordnung, Festsetzung, Antrag, Zulassung, Studienjahr
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Verwaltungsgericht Aachen, 9 Nc 209/10

Datum: 12.01.2011

Gericht: Verwaltungsgericht Aachen

Spruchkörper: 9. Kammer

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 9 Nc 209/10

Tenor: 1. Der Antrag wird abgelehnt.

Die Antragstellerin trägt die Kosten des Verfahrens.

2. Der Wert des Streitgegenstandes wird auf 5.000,00 EUR festgesetzt.

G R Ü N D E : 1

I. 2

3Die Antragstellerin besitzt die allgemeine Hochschulreife und erstrebt die Zulassung zum Studium der Humanmedizin im Wintersemester 2010/2011 an der Rheinisch- Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen im Studiengang Medizin im klinischen Teil.

4Mit der Begründung, die verordnungsrechtlich festgesetzte Zulassungszahl für das fünfte Fachsemester erschöpfe die tatsächlich vorhandene Ausbildungskapazität nicht, beantragt die Antragstellerin sinngemäß,

5dem Antragsgegner im Wege der einstweiligen Anordnung aufzugeben, sie im Studium der Humanmedizin im Wintersemester 2010/2011 im fünften, hilfsweise einem niedrigeren Fachsemester zuzulassen.

6Der Antragsgegner hat Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten; er hat in diesem Rahmen die kapazitätsrelevanten Berechnungsunterlagen zur Generalakte Humanmedizin vorgelegt.

II. 7

8Der streitgegenständliche Antrag auf vorläufige Zulassung zum Studium der Humanmedizin im fünften Fachsemester (= erstes klinisches Fachsemester) im Wintersemester 2010/2011 ist zulässig, aber nicht begründet. Die Antragstellerin hat nicht glaubhaft gemacht, dass über die festgesetzte Zulassungszahl hinaus noch weitere Studienplätze zur Verfügung stehen.

9Die Zahl der Studienplätze im fünften Fachsemester hat die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWF) durch Verordnung über die Festsetzung von Zulassungszahlen und die Vergabe von Studienplätzen in höheren Fachsemestern an den Hochschulen des Landes Nordrhein- Westfalen zum Studienjahr 2010/2011 vom 12. August 2010 (GV. NRW. S. 438) für die RWTH Aachen im Modellstudiengang Medizin auf 199 im Wintersemester 2010/2011 festgesetzt.

10Nach Mitteilung des Antragsgegners vom 13. Dezember 2010 sind im fünften Fachsemester 221 Studenten eingeschrieben.

Eine darüber hinausgehende Kapazität besteht nicht. 11

12Die Ausbildungskapazität ermittelt sich gemäß der von der Rechtsprechung als geeignet anerkannten Verordnung über die Kapazitätsermittlung, die Curricularnormwerte und die Festsetzung von Zulassungszahlen (Kapazitätsverordnung - KapVO -) in der Neufassung vom 25. August 1994 (GV NRW S. 732), zuletzt geändert durch Verordnung vom 12. August 2003 (GV NRW S. 544), aus einer Gegenüberstellung von Lehrangebot und Lehrnachfrage, ausgedrückt jeweils in Deputatstunden (DS). Dabei wird gemäß § 7 Abs. 3 Satz 1 KapVO der Studiengang Medizin für Berechnungszwecke in einen vorklinischen und einen klinischen Teil untergliedert, wobei der vorklinische Teil den Studienabschnitt bis zum Ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung nach § 1 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Approbationsordnung für Ärzte vom 27. Juni 2002 (BGBl. I S. 2405 - ÄAppO n.F. -), zuletzt geändert durch Gesetz vom 30. Juli 2009 (BGBl. I S. 2495), und der klinische Teil den Studienabschnitt zwischen dem Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und dem Beginn des Praktischen Jahres nach § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ÄAppO n.F. umfasst. Nach § 7 Abs. 3 Satz 2 KapVO sind dann zur Berechnung der jährlichen Aufnahmekapazität für den Studiengang Medizin die Lehreinheiten Vorklinische Medizin - umfassend das erste bis vierte Fachsemester -, Klinisch-theoretische Medizin und Klinisch-praktische Medizin zu bilden.

13Die gemäß den Vorschriften des Zweiten Abschnitts der KapVO vorgenommene Berechnung aufgrund der personellen Ausstattung hat in der Kapazitätsermittlung der MIWF - basierend auf dem Bericht der RWTH Aachen gemäß § 4 KapVO - in der Lehreinheit Klinisch-praktische Medizin für das Studienjahr 2010/2011 zu einer personalbezogenen Kapazität von 934 Studienplätzen geführt. Diese hat die MIWF aufgrund der ihr gemeldeten 700 verfügbaren Stellen mit Lehrverpflichtung unter Einbeziehung der weiter zu berücksichtigenden Parameter für den Krankenversorgungsabzug, die Lehrauftragsstunden, den Dienstleistungsbedarf und den gewichteten Curricularanteil ermittelt.

14Indessen ist dieses Berechnungsergebnis für den klinischen Teil des Studiengangs Medizin gemäß § 17 Abs. 1 KapVO anhand der patientenbezogenen Einflussfaktoren zu überprüfen. Liegt das Berechnungsergebnis dieser Überprüfung niedriger als das des Zweiten Abschnitts, ist es gemäß § 17 Abs. 2 KapVO der Festsetzung der Zulassungszahl zugrunde zu legen. Dies ist hier der Fall. Die Überprüfung nach § 17 Abs. 1 KapVO führt zu einer - verordnungsrechtlich auch festgesetzten - Zulassungszahl von 199 Studienplätzen im fünften Fachsemester. Diese ergeben sich zunächst aus der Berechnung nach § 17 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 KapVO, wonach an der RWTH Aachen sich aus 313.490 Pflegetagen (ohne Pflegetage mit Wahlarztabschlag) - ein Wert in einer

Größenordnung wie in den Vorjahren - bei der Division durch 365 eine Anzahl von 858,88 tagesbelegten Betten ergibt, wovon 15,5 % (und damit 133,126, gerundet) 133 Studienplätze ergeben. Soweit die Antragstellerin vorgetragen hat, dass bei der Berechnung der patientenbezogenen Ausbildungskapazität auch die Privatpatienten zu berücksichtigen seien, entspricht dies nicht der derzeitigen Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen (vgl. z.B. Beschluss vom 10. April 2008 - 13 C 67/08 -), wonach bezüglich der Regelung des Krankenversorgungsabzuges in § 17 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 KapVO nur diejenige Krankenversorgungstätigkeit eingestellt werden kann, zu der der Stelleninhaber im Rahmen seines Hauptamtes dienstrechtlich verpflichtet ist, nicht aber für die davon nicht erfasste Behandlung von Privatpatienten. Des Weiteren bringt die Berechnung nach § 17 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 KapVO aus insgesamt 124.784 poliklinischen Neuzugängen weitere 66 Studienplätze hinzu, sodass sich insgesamt für das erste klinische Fachsemester eine Studienplatzzahl von 199 ergibt, die auch festgesetzt worden ist. Anhaltspunkte dafür, dass die vom Antragsgegner gemeldeten und von der MIWF zur Berechnung verwendeten Daten in Zweifel zu ziehen sein könnten, sind weder vorgetragen noch sonst ersichtlich.

15Angesichts der im ersten klinischen Semester vorgenommenen 221 Einschreibungen liegt damit eine Überbuchung um 22 vor. Bei dieser Sachlage erscheint es nicht überwiegend wahrscheinlich, wenn nicht sogar fernliegend, dass über die die festgesetzte Aufnahmekapazität (199) deutlich übersteigende - kapazitätsdeckende - Überlast hinaus noch weitere klinische Studienplätze im fünften Fachsemester zur Verfügung stehen.

16Der Hilfsantrag auf Zulassung in einem niedrigeren Fachsemester bleibt ebenfalls ohne Erfolg. Die Kammer hat in ihrem Beschluss vom 13. Dezember 2010 - 9 Nc 195/10 - festgestellt, dass im Wintersemester 2010 die Kapazität sowohl im dritten als auch im ersten Fachsemester erschöpft ist.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO. 17

18Die Streitwertfestsetzung beruht auf §§ 53 Abs. 3 Nr. 1, 52 Abs. 2 des Gerichtskostengesetzes (GKG). Die Kammer schließt sich insoweit der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen in seinen Beschlüssen vom 26. Januar 2009 - 13 B 1922/08 - und 4. Februar 2009 - 13 C 4/09 - an, wonach der Auffangwert von 5.000,-- EUR in Verfahren der hier vorliegenden Art nicht mehr wie bislang verringert wird, weil die begehrte Entscheidung die Entscheidung in der Hauptsache regelmäßig vorwegnimmt. Dies gilt auch unabhängig davon, ob der Antrag auf die Teilnahme an einem Losverfahren beschränkt worden ist.

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