Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen vom 06.11.2000, 18 B 932/00

Aktenzeichen: 18 B 932/00

OVG NRW: aufschiebende wirkung, interessenabwägung, versuch, verfügung, ausnahme, datum

Oberverwaltungsgericht NRW, 18 B 932/00

Datum: 06.11.2000

Gericht: Oberverwaltungsgericht NRW

Spruchkörper: 18. Senat

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 18 B 932/00

Vorinstanz: Verwaltungsgericht Münster, 8 L 1237/99

Tenor: Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Der Antragsgegner trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens mit Ausnahme der außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen, die diese selbst trägt.

Der Streitwert wird auch für das Beschwerdeverfahren auf 40.000,-- DM festgesetzt.

G r ü n d e : 1

Die zugelassene Beschwerde des Antragsgegners ist unbegründet. 2

Das Verwaltungsgericht hat dem Antrag der Antragsteller, 3

4die aufschiebende Wirkung ihres Widerspruchs gegen die Ordnungsverfügungen des Antragsgegners vom 19. Oktober 1999 hinsichtlich der darin enthaltenen Zuweisungsanordnungen und räumlichen Beschränkungen ihres Aufenthalts auf das Land Sachsen-Anhalt wiederherzustellen und hinsichtlich der Androhungen unmittelbaren Zwanges anzuordnen,

5im Ergebnis zu Recht stattgegeben. Die im Rahmen des vorläufigen Rechtsschutzes nach § 80 Abs. 5 VwGO gebotene Interessenabwägung fällt zu Lasten des Antragsgegners aus.

6Der Senat hat in seinem den Beteiligten im Einzelnen bekannten Beschluss vom 26. Mai 2000 - 18 B 227/00 - dargelegt, dass die Entscheidung in einem Verfahren der vorliegenden Art nach seiner Ansicht auf Grund einer ohne Berücksichtigung der Erfolgsaussichten des Rechtsbehelfs vorzunehmenden allgemeinen Interessenabwägung zu erfolgen hat. Er hält an dieser Auffassung nach erneuter Überprüfung - auch in Würdigung der fraglos bedenkenswerten Gegenargumente des Verwaltungsgerichts - fest.

7Der Senat hat in dem zuvor genannten Beschluss darüber hinaus begründet, warum bei den betreffenden Fällen in der Regel das Vollzugsinteresse das Suspensivinteresse des von der Zuweisungsanordnung Betroffenen überwiegt.

8Ausgehend davon ist hier allerdings eine abweichende Bewertung der Interessenlage geboten. Dies folgt - unabhängig von den ansonsten maßgeblichen Gesichtspunkten - bereits allein daraus, dass die Beigeladene unmissverständlich erklärt hat, sie sei zu einer Aufnahme der Antragsteller nicht (mehr) bereit. Angesichts dessen ist von einem Überwiegen des Interesses der Antragsteller an der aufschiebenden Wirkung des von ihnen erhobenen Widerspruchs auszugehen, da ihnen unter solchen Umständen die Befolgung der Zuweisungsverfügung nicht zuzumuten ist und weil eine umgehende zwangsweise Umsetzung der Verfügung - wie der Antragsgegner selbst einräumt - ohnehin derzeit tatsächlich objektiv unmöglich ist. Da es für die vom Senat vorzunehmende Interessenabwägung auf die Sachlage im Zeitpunkt seiner Entscheidung ankommt und der Senat mit Blick auf die detaillierten Ausführungen, mit denen die Beigeladene ihre Weigerung nachvollziehbar begründet hat, auch keinen Anhaltspunkt dafür sieht, dass der vom Antragsgegner angekündigte Versuch, eine Aufnahmebereitschaft der Beigeladenen (wieder) herzustellen, zu einem unmittelbar bevorstehenden Zeitpunkt Erfolg haben wird, sind diese Bemühungen des Antragsgegners nicht entscheidungserheblich.

9Die Nebenentscheidungen beruhen auf § 154 Abs. 1 VwGO und §§ 14 Abs. 1, 20 Abs. 3, 13 Abs. 1 GKG. Der Senat hat davon abgesehen, die außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen dem Antragsgegner oder der Staatskasse aufzuerlegen (vgl. § 162 Abs. 3 VwGO), da die Beigeladene keinen Antrag gestellt und damit kein eigenes Kostenrisiko übernommen hat.

Dieser Beschluss ist unanfechtbar 152 Abs. 1 VwGO, § 25 Abs. 3 Satz 2 GKG). 10

Urteil herunterladen
Informationen
Optionen
Sie suchen einen Anwalt?

Wir finden den passenden Anwalt für Sie! Nutzen Sie einfach unseren jusmeum-Vermittlungsservice!

Zum Vermittlungsservice