Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen vom 21.07.2005, 14 B 873/05

Entschieden
21.07.2005
Schlagworte
Herbst, Behandlung, Datum
Urteil herunterladen

Oberverwaltungsgericht NRW, 14 B 873/05

Datum: 21.07.2005

Gericht: Oberverwaltungsgericht NRW

Spruchkörper: 14. Senat

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 14 B 873/05

Vorinstanz: Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, 4 L 90/05

Tenor: Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Der Antragsteller trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Der Streitwert wird auch für das Beschwerdeverfahren auf 2.500,-- Euro festgesetzt.

Gründe: 1

2Die Beschwerde ist zulässig. Entgegen der Auffassung der Antragsgegnerin hält der Senat eine § 146 Abs. 4 Satz 3 VwGO noch genügende Auseinandersetzung der Beschwerdebegründung mit der Entscheidung des Verwaltungsgerichts für gegeben. Zwar enthalten die vom Antragsteller ausdrücklich auf den vom Verwaltungsgericht verneinten Anordnungsanspruch bezogenen Ausführungen keine detaillierte Auseinandersetzung mit den entsprechenden Passagen des angefochtenen Beschlusses. Jedoch ist zum Anordnungsanspruch in der Sache in den Teilen der Beschwerdebegründung Stellung genommen worden, die sich mit der Verneinung des Anordnungsgrundes durch das Verwaltungsgericht befassen, indem zu den Ausführungen des Verwaltungsgerichts zum Anordnungsgrund, die sich jedoch in Wirklichkeit zum Anordnungsanspruch verhalten und auf die das Verwaltungsgericht sich bei der Behandlung des Anordnungsanspruches auch ausdrücklich bezieht, Stellung genommen wird.

Die Beschwerde ist jedoch unbegründet. 3

4Ein Anordnungsanspruch für die Zulassung zum Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung nach neuem Recht für den August 2005 steht dem Antragsteller nicht zu, weil eine solche Prüfung nicht stattfindet. Nach § 14 Abs. 3 Satz 1 ÄAppO 2002 - nicht anders als nach entsprechenden Bestimmung der ÄAppO 1987 - sind für die

schriftlichen Prüfungen bundeseinheitliche Termine abzuhalten, bei denen die Prüfung nach den weiteren, in § 14 ÄAppO 2002 geregelten Modalitäten durchzuführen ist. Da nach Art. 3 Nr. 10a des Gesetzes zur Änderung der Bundesärzteordnung und anderer Gesetze vom 21. Juli 2004, BGBl. I 1776, und dem durch dieses Gesetz eingefügten § 43 Abs. 8 ÄAppO der Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung erst ab dem 1. Oktober 2006 durchgeführt wird, hat die Antragsgegnerin keine rechtliche Möglichkeit, eine solche bundeseinheitliche Prüfung bereits im Herbst 2005 herbeizuführen. Zu einer Prüfung, die es nicht gibt und die sie nicht anberaumen kann, kann sie den Antragsteller auch nicht zulassen und kann der Antragsteller keinen Zulassungsanspruch haben.

5An dieser Sachlage ändert sich auch nichts, wenn man mit dem Antragsteller Art. 3 Nr. 10a des Gesetzes zur Änderung der Bundesärzteordnung und anderer Gesetze für verfassungswidrig hält. Selbst wenn dem so wäre, vermittelt dies der Antragsgegnerin nicht die Möglichkeit, unabhängig von den anderen Bundesländern ein Prüfungsverfahren nach § 14 ÄAppO 2002 durchzuführen.

6Allerdings sieht der Senat keinen Anlass, an der Verfassungsmäßigkeit der Regelung des § 43 Abs. 8 ÄAppO zu zweifeln. Diese Regelung führt nicht zu einer unverhältnismäßigen Verzögerung des Ausbildungsabschlusses. Der Gesetzgeber hat mit dem genannten Termin im Zusammenhang mit den Übergangsvorschriften des § 43 ÄAppO ein System geschaffen, das bei regelmäßigem Studienverlauf zu keinen relevanten Verlängerungen der Ausbildungszeit führt. Wer noch im letzten Prüfungstermin vor dem Stichtag des § 43 Abs. 2 Satz 1 ÄAppO, also im Herbsttermin 2003, den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bestanden hatte und deshalb nach altem Recht weiterstudierte (vgl. § 43 Abs. 4 Satz 1 und Abs. 5 Satz 1 ÄAppO 2002), hätte den Zweiten Abschnitt nach weiteren zwei Jahren Studiums (vgl. § 1 Abs. 3 Nr. 3 ÄAppO 1987 idF. der 7. Änderungsverordnung vom 21. Dezember 1989) und den Dritten Abschnitt nach einem weiteren Jahr 1 Abs. 3 Nr. 4 ÄAppO 1987), also im Herbst 2006, ablegen können. Für einen Studenten, der wie der Antragsteller den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung nach altem Recht erst im Frühjahr 2004 abgelegt hat, wäre bei regelmäßigen Studienverlauf nach der alten ÄAppO der Termin für die Prüfung des Dritten Abschnitts sogar erst in das Frühjahr 2007 gefallen. Die Anwendung der neuen ÄAppO bedeutet deshalb für diejenigen, die einen regelmäßigen Studienverlauf aufzuweisen haben, keine zeitliche Verschlechterung. Der Gesetzgeber war nicht gehalten, Sonderregelungen für diejenigen vorzusehen, die, wie der Antragsteller, schon vor dem Stichtag des § 43 Abs. 4 Satz 1 ÄAppO 2002 sich auf einen Abschluss nach neuem Recht vorbereiteten, obwohl sie nach den Übergangsbestimmungen den Ersten Abschnitt der Prüfung und das weitere Studium bei regelmäßigem Ablauf noch nach der ÄAppO 1987 hätten ablegen können, und den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung nach altem Recht dann erst in einem Zeitpunkt ablegten, in dem ihnen die Fortsetzung des Studiums nach neuem Recht möglich war. Vertrauensgesichtspunkte dürften insoweit keine Rolle spielen, weil mangels entsprechender Regelungen ein Vertrauen darauf, den Zweiten Abschnitt der Prüfung nach neuem Recht schon früher als nunmehr vom Gesetzgeber vorgesehen ablegen zu können, keine sachliche Grundlage hatte.

7Soweit den Ausführungen des Antragstellers in der Beschwerdebegründung entnommen werden kann, dass er - hilfsweise - auch die Zulassung zum Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung nach altem Recht begehrt, kann dahinstehen, ob darin eine Antragsänderung liegt und ob diese im Beschwerdeverfahren zulässig ist. Jedenfalls fehlt es für dieses Begehren am Anordnungsanspruch, weil die

Antragsgegnerin mit ihrem Bescheid vom 28. Juni 2004 bereits bestandskräftig entschieden hat, dass eine Zulassung zu den weiteren Prüfungen nach der alten ÄAppO ausgeschlossen ist. Mit dem neuen "Zulassungsversagungsbescheid" vom 17. Januar 2005 hat die Antragsgegnerin insoweit keinen neuen, die rechtliche Überprüfung ermöglichenden Zweitbescheid erlassen, sondern sich ausdrücklich auf die Bestandskraft des Bescheides vom 28. Juni 2004 berufen.

8Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO, die Wertfestsetzung auf § 52 Abs. 1 GKG.

9Dieser Beschluss ist unanfechtbar 152 Abs. 1 VwGO, §§ 68 Abs. 1 Satz 5, 66 Abs. 3 Satz 3 GKG).

10

OVG NRW (grundstück, wahrscheinlichkeit, teil, fahrbahn, zweifel, antrag, verwaltungsgericht, streitwert, breite, grünfläche)

15 B 2751/97 vom 18.11.1997

OVG NRW: anschlussbeschwerde, versicherung, immatrikulation, einschreibung, hochschule, grundrecht, form, sozialstaatsprinzip, mitgliedschaft, fakultät

13 C 1/02 vom 01.03.2002

OVG NRW (vollstreckung, höhe, bezug, kläger, 1995, antrag, beurteilung, bewilligung, beweisantrag, zpo)

16 A 4026/96 vom 23.12.1998

Anmerkungen zum Urteil