Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen vom 09.05.1996, 7 B 934/96

Entschieden
09.05.1996
Schlagworte
Funktion, Standort, Bezug, Verfügung, Verwaltungsgericht, Beschwerde, 1995, Ausführung, Gkg, Garage
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Oberverwaltungsgericht NRW, 7 B 934/96

Datum: 09.05.1996

Gericht: Oberverwaltungsgericht NRW

Spruchkörper: 7. Senat

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 7 B 934/96

Vorinstanz: Verwaltungsgericht Köln, 2 L 663/96

Tenor: Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Die Antragstellerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Der Streitwert wird auch für das Beschwerdeverfahren auf 1.000,00 DM festgesetzt.

Gründe: 1

2Die zulässige Beschwerde ist nicht begründet. Das Verwaltungsgericht hat den Antrag der Antragstellerin auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes gegen die Verfügung des Antragsgegners vom 4. März 1996 über die Festsetzung der mit Verfügung vom 19. Januar 1996 angedrohten Ersatzvornahme zur vollziehbaren Beseitigungsverfügung vom 19. Januar 1994 zu Recht und mit zutreffender Begründung, auf die gemäß § 122 Abs. 2 Satz 3 VwGO verwiesen wird, abgelehnt. Das Beschwerdevorbringen gibt zu einer anderen Beurteilung keinen Anlaß. Ergänzend ist lediglich anzumerken:

3Die Beseitigungspflicht der Antragstellerin aus der Ordnungsverfügung vom 19. Januar 1994, zu deren Durchsetzung die strittige Festsetzungsverfügung ergangen ist, nachdem die Antragstellerin trotz wiederholt festgesetzter Zwangsgelder ihrer Verpflichtung nur unzureichend nachgekommen ist, besteht noch fort und ist daher der Vollstreckung weiterhin zugänglich.

4Entgegen der Ansicht der Antragstellerin ist der um Dach und einige Querbalken reduzierte Carport nicht zu einer Pergola umgewandelt worden.

5Eine Pergola im Sinne des Bauordnungsrechts ist ein nach oben offener Laubengang, der dem Ranken von Pflanzen dient,

6vgl. Bayerischer VGH, Urteil vom 29. November 1977 - Nr. 323 I 74 -, BRS 32 Nr. 102; OVG NW, Beschluß vom 30. November 1992 - 7 B 4620/92 -

7Ob es sich bei einem Holzgerüst um eine Pergola handelt, richtet sich danach, ob es die Funktion als Rankhilfe im Rahmen der Gartengestaltung wahrnehmen kann - vgl. auch § 62 Abs. 1 Nr. 7 BauONW 1984 bzw. § 65 Abs. 1 Nr. 28 BauONW 1995 - und durch diese Funktion sowohl in seinem äußeren Erscheinungsbild als auch in seinem Standort bestimmt ist.

8Diesen Anforderungen wird der "Rest"carport nicht gerecht. Er weist weder nach seinem äußeren Erscheinungsbild noch nach seinem Standort die charakteristischen Merkmale einer Pergola im vorgenannten Sinne, auf.

9Allein die Ausführung der Balkenwerks entspricht in Konstruktion, Abmessung und Proportion in keiner Weise dem, was im Rahmen von Gartengestaltung üblicherweise als Pergola fungiert. Darüber hinaus fehlt bei der Konstruktion aufgrund ihres Standortes über der Garagenzufahrt zwischen Straße, Garage, Hauswand und Nachbargrenze jeder Bezug zu einer Funktion als gartengestaltendes Element. Der Standort in Verbindung mit dem konstruktiven Teilen und deren Proportionen läßt vielmehr lediglich, wie das vorliegende Bildmaterial belegt, den Eindruck eines baulich nicht abgeschlossenen Unterstellplatzes für ein Kraftfahrzeug aufkommen. Der Umstand, daß sich an einigen konstruktiven Teilen der Anlage Pflanzen hochranken, macht aus den Resten des ehemalen Carports angesichts des Fehlens der oben erörterten Voraussetzungen keine Pergola. Bestehen geblieben ist vielmehr der Rest eines Carports in bezug auf den die Beseitungspflicht fortbesteht.

10Angesichts dessen, daß die in ihrer materiellen nachbarlichen Abwehrposition betroffene Nachbarn auf die Durchsetzung der Ordnungsverfügung drängen, ist ein Verstoß gegen das Willkürverbot nicht festzustellen, auch wenn der Antragsgegner ggf. gegen andere grenzständige Carports nicht vorgehen sollte.

11Die Kostenentscheidung folgt aus § 154. Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung beruht auf §§ 20 Abs. 3, 13 Abs. 1 Satz 1 GKG.

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