Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen vom 08.04.2002, 19 B 504/02

Entschieden
08.04.2002
Schlagworte
Wiederherstellung der aufschiebenden wirkung, Wahrscheinlichkeit, Cannabis, Blutprobe, Entziehung, Fahren, Konsum, Gesundheit, Interessenabwägung, Vollziehung
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Oberverwaltungsgericht NRW, 19 B 504/02

Datum: 08.04.2002

Gericht: Oberverwaltungsgericht NRW

Spruchkörper: 19. Senat

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 19 B 504/02

Vorinstanz: Verwaltungsgericht Düsseldorf, 6 L 326/02

Tenor: Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Der Antragsteller trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Der Streitwert wird unter Änderung der erstinstanzlichen Festsetzung für beide Rechtszüge auf jeweils auf 2.000 EUR festgesetzt.

Gründe: 1

2Die gemäß § 146 Abs. 4 VwGO zulässige Beschwerde ist unbegründet. Aus den in der Beschwerdebegründung dargelegten Gründen, auf die gemäß § 146 Abs. 4 Satz 6 VwGO die Prüfung durch das Oberverwaltungsgericht beschränkt ist, ergibt sich nicht, dass im Rahmen der Interessenabwägung nach § 80 Abs. 5 Satz 1 VwGO durchgreifende Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit der Fahrerlaubnisentziehung vom 2. Januar 2002 und dagegen bestehen, dass das öffentliche Interesse an der sofortigen Vollziehung der Fahrerlaubnisentziehung das private Interesse des Antragstellers daran überwiegt, vorläufig bis zum rechtskräftigen Abschluss des Hauptsacheverfahrens im öffentlichen Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führen zu dürfen.

3Das Verwaltungsgericht ist in dem angefochtenen Beschluss - zutreffend - davon ausgegangen, dass angesichts des Ergebnisses der dem Antragsteller am 17. Oktober 2001 entnommenen Blutprobe, die eine THC-COOH-Konzentration von 151 ng/ml im Blut ergab, ein regelmäßiger Cannabiskonsum des Antragstellers überwiegend wahrscheinlich ist. Gegen diese Auffassung des Verwaltungsgerichts hat der Antragsteller im Beschwerdeverfahren keine substantiierten Einwände erhoben.

4Er wendet sich mit der Beschwerdebegründung vielmehr allein dagegen, dass auch bei einem regelmäßigen Cannabiskonsum der Schluss auf seine Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen unzulässig sei, weil er lediglich ein Mal am 17. Oktober 2001 ein Kraftfahrzeug unter Cannabiseinfluss geführt habe. Es sei nicht gerechtfertigt, auf Grund dieses Einzelfalls davon auszugehen, dass er generell Cannabiskonsum und Führen eines Kraftfahrzeuges nicht trennen könne.

5Der Antragsteller verkennt mit diesem Vortrag, dass nach Nr. 3.12.1 der sachverständigen Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahreignung des Gemeinsamen Beirats für Verkehrsmedizin beim Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen und beim Bundesministerium für Gesundheit, Februar 2000, bei einem regelmäßigen (täglichen oder gewohnheitsmäßigen) Cannabiskonsum die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen nur ausnahmsweise in seltenen Fällen dann angenommen werden kann, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür gegeben ist, dass Konsum und Fahren getrennt werden und wenn keine Leistungsmängel vorliegen. Nach dieser sachverständigen Aussage kommt es darauf an, dass der Antragsteller mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut ein Kraftfahrzeug unter Cannabiseinfluss führen wird. Dafür bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte. Der Antragsteller, der mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angesichts des Ergebnisses der Blutprobe vom 17. Oktober 2001 regelmäßig Cannabis konsumiert, hat im Beschwerdeverfahren nicht aufgezeigt, dass er nicht mehr Cannabis konsumiert oder Strategien entwickelt hat, die die hinreichende Gewähr dafür bieten, dass er nicht erneut ein Kraftfahrzeug unter Cannabiseinfluss führt. Dementsprechend besteht nach dem bisherigen Sachstand keine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass er Cannabiskonsum und Führen eines Kraftfahrzeuges trennen kann.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO. 6

7Die Streitwertfestsetzung und -änderung beruht auf §§ 13 Abs. 1, 14, 20 Abs. 3, 25 Abs. 2 Satz 2 GKG. Der Senat setzt in Verfahren, in denen die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung gemäß § 80 Abs. 5 Satz 1 VwGO eines Widerspruchs oder einer Klage gegen Entziehung der Fahrerlaubnis der Klassen B, BE, CE, C1, C1E, L und M begehrt wird, den Streitwert in Höhe der Hälfte des Auffangstreitwertes gemäß § 13 Abs. 1 Satz 2 GKG (4.000 EUR) fest.

Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 11. Januar 2002 - 19 B 1507/01 -. 8

Hinreichende Anhaltspunkte für eine abweichende Wertfestsetzung sind nicht erkennbar. 9

Dieser Beschluss ist unanfechtbar 152 Abs. 1 VwGO, § 25 Abs. 3 Satz 2 GKG). 10

11

OVG NRW (grundstück, wahrscheinlichkeit, teil, fahrbahn, zweifel, antrag, verwaltungsgericht, streitwert, breite, grünfläche)

15 B 2751/97 vom 18.11.1997

OVG NRW: anschlussbeschwerde, versicherung, immatrikulation, einschreibung, hochschule, grundrecht, form, sozialstaatsprinzip, mitgliedschaft, fakultät

13 C 1/02 vom 01.03.2002

OVG NRW (vollstreckung, höhe, bezug, kläger, 1995, antrag, beurteilung, bewilligung, beweisantrag, zpo)

16 A 4026/96 vom 23.12.1998

Anmerkungen zum Urteil