Urteil des HessVGH vom 23.02.1995, 6 UE 1549/93

Entschieden
23.02.1995
Schlagworte
Ausbildung, Zweigstelle, Bwl, Programm, Akkreditierung, Diplom, Genehmigung, Anerkennung, Forschung, Bildungswesen
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Quelle: Hessischer Verwaltungsgerichtshof 6. Senat

Normen: § 2 Abs 1 AkaGrG, § 1 AkaGrGDV HE 2

Entscheidungsdatum: 23.02.1995

Aktenzeichen: 6 UE 1549/93

Dokumenttyp: Urteil

(Genehmigung zum Führen eines ausländischen akademischen Grades)

Tatbestand

1Der Kläger begehrt von dem Beklagten die Genehmigung zur Führung des Grades "MBA" (Master of Business Administration) der City University, Bellevue, Washington (U.S.A.). Die City University, Bellevue, Washington, im folgenden "C.U." genannt, ist in der "Northwest Association of Schools and Colleges" (NASC) akkreditiert, die ihrerseits von dem zuständigen "Council on Postsecondary Accreditation" (COPA) anerkannt ist. Die C.U. unterhält unter anderem in F eine Zweigstelle, die in einem Gebäude der Firma S untergebracht ist und von dem "Deutschen Verein für Höhere Erwachsenenbildung der City University, Washington" getragen wird. Für die C.U. U.S.A. sind im Bereich des MBA- Programms 41 Vollzeit-Hochschullehrer tätig. Im übrigen arbeiten für die C.U. weltweit ca. 550 nebenberufliche Lehrpersonen. Die C.U. überläßt nach ihren Angaben die Forschung den Institutionen, die auf diesem Sektor mehr Tradition haben. Auch steht in der Zweigstelle Frankfurt am Main für die Studenten keine eigene Bibliothek zur Verfügung.

2Der Kläger absolvierte 1973 die erste und 1976 die zweite juristische Staatsprüfung. Von Januar 1988 bis März 1990 nahm er in der F Zweigstelle der C.U. an Kursen im Fach Business Administration teil. Daraufhin erhielt er von der C.U., Bellevue, Washington, eine auf den Monat Juni 1990 datierte Urkunde über den Grad eines "Master of Business Administration" (ins Deutsche übersetzt: "Magister der Betriebswirtschaftslehre") und beantragte mit Schreiben vom 20. August 1990 bei dem Beklagten die Genehmigung zur Führung dieses Grades.

3Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen beim Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland teilte dem Beklagten mit Schreiben vom 16. Mai 1991 mit, die C.U. sei mit deutschen Hochschulen nicht vergleichbar. Sie sei eine Einrichtung der Erwachsenenweiterbildung, die ohne eigene Professoren, Bibliotheken usw. auskomme. Entsprechend sei auf der letzten Sitzung "des UA-Prüf." festgehalten worden, daß MBA-Grade der C.U. für eine Führungsgenehmigung auch in der Originalform nicht in Betracht kämen. Aus einem Vermerk vom 06. Februar 1991 betreffend die genannte Sitzung am 29./30. Oktober 1990 ergibt sich die Einschätzung der Zentralstelle, daß neben der Frage der Hochschuleigenschaft der Institution auch die materielle Bewertung des einzelnen Studiengangs von Bedeutung sei. Im Business-Bereich sei für die materielle Vergleichbarkeit mit deutschen BWL-Studiengängen im Regelfall die Akkreditierung des MBA- Programms durch den Spezialverband "American Assembly of Collegiate Schools of Business - AACSB" erforderlich. Unter anderem die C.U. verfüge nicht über diese Akkreditierung. Die bloße Mitgliedschaft in diesem Verband sei ohne Belang.

4Mit Bescheid vom 02. Juli 1991, dem Kläger zugestellt am 03. Juli 1991, lehnte der Beklagte den Genehmigungsantrag im wesentlichen aus den in dem genannten Vermerk aufgeführten Gründen ab und führte ergänzend aus, die Ausbildungsinhalte seien auch im weitesten Sinne nicht als wissenschaftsfähig

Ausbildungsinhalte seien auch im weitesten Sinne nicht als wissenschaftsfähig oder hochschuladäquat anzusehen.

5Am 29. Juli 1991 hat der Kläger Klage erhoben und zur Begründung vorgetragen, in keiner der im Bescheid zitierten Rechtsvorschriften finde sich der Terminus "Wissenschaftliche Hochschule". Im übrigen sei nicht ersichtlich, in welcher Weise die Eigenschaft einer Institution als Einrichtung der "Erwachsenenweiterbildung" einer Vergleichbarkeit entgegenstehen könne. Zum einen würden auch deutsche Hochschulen in der Regel von Erwachsenen besucht. Zum anderen entbehre die Einordnung eines Lehrprogramms als "Weiterbildung" und nicht als "Ausbildung" jeglicher Aussagekraft in Bezug auf die "Wissenschaftlichkeit" des Programms. In dem angefochtenen Bescheid würden keine Fakten angeführt, die einen Bezug zu den Begriffen "wissenschaftsfähig" und "hochschuladäquat" erkennen ließen. Was die Forderung des Beklagten betreffe, an einer Hochschule müsse neben der Lehre auch die Forschung betrieben werden, möge der Beklagte sich gängige deutsche Studiengänge auf ihren Gehalt an "Forschung" ansehen. Er werde dann feststellen, daß die von ihm verwendeten Kriterien nicht nur nebulös, sondern auch weitgehend unrealistisch seien. Bei dem Hinweis, die C.U. komme "ohne eigene Professoren" aus, verkenne der Beklagte, daß solche spezifisch deutschen Vorstellungen die Anerkennung der Hochschulen ganzer ausländischer Staaten unmöglich machen müßte, wenn deren Konzept des Bildungswesens wie zum Beispiel in den U.S.A. die Verleihung von Dozenturen und Professuren in breitem Ausmaß auch an nicht habilitierte, sondern anderweitig qualifizierte Personen kenne. Maßgebend sei die Anerkennung einer ausländischen Hochschule nach dem Recht des betreffenden Staates oder der Feststellung der Hochschulorganisation in diesem Staat. In diesem Sinne sei die C.U. eine anerkannte Hochschule in den U.S.A.. Der akademische Wert eines MBA- Programms hänge nicht von der Anerkennung durch die AACSB ab. Eine große Anzahl sehr bekannter und traditionsreicher US-amerikanischer Universitäten besitze für ihr MBA-Programm keine AACSB-Akkreditierung, zum Beispiel John Hopkins oder Yale.

6Der Beklagte ist dem Vortrag des Klägers entgegengetreten.

7Das Verwaltungsgericht hat die Klage mit Urteil vom 02. Dezember 1992 abgewiesen und zur Begründung ausgeführt, Zweck der Genehmigungsbedürftigkeit ausländischer akademischer Grade, wozu der Grad des "MBA" auch im Hinblick auf seine Vergleichbarkeit mit dem Abschluß eines BWL-Studienganges an einer deutschen Hochschule zu zählen sei, sei der Schutz der deutschen akademischen Grade vor der unkontrollierten Führung ausländischer Grade. Die oben genannte Zentralstelle verlange für MBA- Programme zutreffend wegen ihrer Vergleichbarkeit mit BWL-Studiengängen die Akkreditierung durch den Spezialverband AACSB. Der diesbezügliche Beschluß der Kultusministerkonferenz stelle zwar keine gesetzliche Grundlage dar, konkretisiere aber die Verwaltungspraxis, wirke norminterpretierend und sei insoweit nicht zu beanstanden. Die Akkreditierung im AACSB besitze die C.U. nicht. Der ausländische akademische Grad sei davon abhängig, ob er mit inländischen akademischen Graden vergleichbar sei. Das Bundesverwaltungsgericht stelle in ständiger Rechtsprechung darauf ab, daß die ausländische Hochschule mit Hochschulen in der Bundesrepublik vergleichbar sei. Das sei hier nicht der Fall. Bei der Zweigstelle der C.U. handele es sich nicht um eine anerkannte wissenschaftliche Hochschule. Dem Kläger sei der Grad des MBA deshalb nicht aufgrund einer Prüfung seitens einer anerkannten Hochschule zuerkannt worden. Insoweit spiele es keine Rolle, daß ihm die Anerkennungsurkunde von der C.U., Bellevue, Washington, verliehen worden sei. Die Prüfung sei in F abgenommen worden. Die Zulassungsvoraussetzungen der C.U. in F entsprächen nicht den Zulassungsvoraussetzungen für deutsche Hochschulen. Entsprechendes gelte für die Studiendauer. Rechne man die absolvierten 450 Stunden auf die Verhältnisse an deutschen Hochschulen um, so bedeute dies, daß ein BWL-Student innerhalb der von ihm zu absolvierenden Studienzeit lediglich etwa 4 Wochenstunden besuche. Im übrigen entsprächen der Unterricht und die Lehre der C.U. in F nicht den Anforderungen an Wissenschaftlichkeit und Forschung, wie sie an deutschen Hochschulen gestellt würden. Die Unterrichtsprogramme würden in Zusammenarbeit mit großen Privatfirmen erstellt und seien allein an der Praxis ausgerichtet. Sie stellten keine wissenschaftlichen Anforderungen. Die Lehrkräfte erfüllten überwiegend nicht die Einstellungsvoraussetzungen für Lehrkräfte an deutschen Hochschulen.

8Gegen das am 28. April 1993 zugestellte Urteil hat der Kläger am 27. Mai 1993

8Gegen das am 28. April 1993 zugestellte Urteil hat der Kläger am 27. Mai 1993 Berufung eingelegt.

9Er trägt vor, es sei nicht ersichtlich, daß die vom Verwaltungsgericht für ausreichend gehaltene Akkreditierung bei dem AACSB ein weniger formales Kriterium als diejenige bei der "Northwest Association of Schools and Colleges" sei. Ein MBA-Programm könne mit einem deutschen BWL-Studiengang nicht gleichgestellt werden. So werde ein Vollzeit-MBA-Programm an einer US- Bildungsinstitution in einem Zeitraum von einem halben bis einem Jahr und damit in erheblich kürzerer Zeit durchlaufen als ein deutsches BWL- Regelstudium. Die Anknüpfung an einen dem deutschen Abitur bzw. Fachabitur vergleichbaren Schulabschluß als Zulassungsvoraussetzung für die Teilnahme an einem MBA- Programm sei unbrauchbar, weil es in den U.S.A. vergleichbare Schulabschlüsse nicht gebe und der Zugang zu Bildungsinstitutionen im amerikanischen Hochschulbereich von formalen Voraussetzungen generell nicht abhänge. Eine praxisorientierte Zielsetzung schließe wissenschaftliche Anforderungen bei den Programminhalten nicht aus. Es könne nicht darauf abgestellt werden, daß an der C.U. auch Lehrkräfte tätig seien, die über an deutschen Hochschulen maßgebliche Einstellungsvoraussetzungen nicht verfügten, denn in den U.S.A. gälten diese Einstellungsvoraussetzungen nicht. Der Beklagte hätte auch berücksichtigen müssen, daß in der Öffentlichkeit eine Gleichstellung des MBA mit einem BWL- Hochschulabschluß wohl kaum vorgenommen werde, weil bekannt sei, daß ein amerikanisches MBA-Programm in kürzerer Zeit und stärker praxisorientiert durchgeführt werde als ein deutsches BWL-Studium.

10 Der Kläger beantragt,

11 das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main vom 2. Dezember 1992 sowie den Bescheid des Beklagten vom 2. Juli 1991 aufzuheben und ihm die Führung des Grades "MBA" zu genehmigen,

12 hilfsweise mit dem Zusatz "(City-Univ., Bellevue, Wa.)" zu genehmigen.

13 Der Beklagte beantragt,

14

die Berufung zurückzuweisen.

15 Er verweist auf sein erstinstanzliches Vorbringen sowie auf das angefochtene Urteil und hebt hervor, daß der Kläger kein wissenschaftliches Studium an einer ausländischen Hochschule, die den Hochschulen im Geltungsbereich des Hochschulrahmengesetzes vergleichbar sei, absolviert und mit dem Erwerb eines akademischen Grades abgeschlossen habe. Vielmehr habe er Kurse an der C. U., einer Einrichtung der Erwachsenenbildung, besucht. Im übrigen verweist er auf ein Gutachten zu den MBA-Graden amerikanischer Hochschulen und deren Anerkennung in der Bundesrepublik Deutschland, das die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen für einen anderen Rechtsstreit erstellt hat. Die C. U. gehöre zum Typ I, also einer Hochschule, die Erwachsenenweiterbildung in Teilzeitform ohne wissenschaftlichen Standard und stringente Zugangsvoraussetzungen biete.

16 Die Verwaltungsvorgänge des Beklagten (ein Heftstreifen) sowie ein vom Kläger vorgelegtes Exemplar des Werbeprospekts der C. U. haben vorgelegen und sind zum Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht worden. Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die gewechselten Schriftsätze sowie den darüber hinausgehenden Inhalt der Gerichtsakte Bezug genommen.

Entscheidungsgründe

17 Die Berufung ist zulässig, insbesondere form- und fristgemäß erhoben worden. Sie ist jedoch unbegründet, denn der Kläger hat weder einen Anspruch auf. Führung des Grades "MBA" ohne Zusatz noch mit dem Zusatz "(City Univ., Bellevue, Wa.)".

18 Dies folgt aus § 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Führung akademischer Grade vom 7. Juni 1939 - GFaG - (RGBl. I S. 589) in Verbindung mit der Zweiten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Führung akademischer Grade vom 17. Februar 1981 (GVBl. I S. 63) - 2. DVO-GFaG -. § 2 Abs. 1 GFaG gilt als Landesrecht fort, denn die Vorschrift ist mit dem Grundgesetz vereinbar (vgl. Hess. VGH,

fort, denn die Vorschrift ist mit dem Grundgesetz vereinbar (vgl. Hess. VGH, Beschluß vom 20. Dezember 1988 - 6 UE 387/86 -, KMK - HSchR 1989, 319 m. w. N., Urteile vom 7. März 1991 - 6 UE 2988/89 - ESVGH 41, 209 ff. -, 16. Mai 1991 - 6 UE 550/88 - ESVGH 41, 260 ff., und vom 14. April 1993 - 6 UE 427/91 - S. 8 des amtl. Umdrucks).

19 Der Anspruch scheitert daran, daß der Kläger keinen "akademischen Grad" einer ausländischen Hochschule erworben hat, was jedoch nach § 2 Abs. 1 GFaG Voraussetzung für die Erteilung der Führungsgenehmigung ist. Nach dieser Vorschrift bedürfen deutsche Staatsangehörige, die einen akademischen Grad einer ausländischen Hochschule erworben haben, zur Führung dieses Grades in der Bundesrepublik Deutschland der Genehmigung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Als ausländischer akademischer Grad im Sinne des § 2 Abs. 1 GFaG gilt nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 der 2. DVO-GFaG eine Bezeichnung, die dem Absolventen einer in dem betreffenden Staate anerkannten Hochschule unter anderem aufgrund einer Prüfung von der Hochschule durch Verleihungsakt zuerkannt worden ist, wobei nach § 1 Abs. 2 der 2. DVO-GFaG für die Anerkennung der Hochschule das Recht des betreffenden Staates oder die Feststellung der Hochschulorganisation in diesem Staat maßgebend ist.

20 Zwar hat der Kläger die Führungsgenehmigung hinsichtlich einer Bezeichnung beantragt, die - insbesondere in den U.S.A. - für den akademischen MBA-Grad verwendet wird, denn es gibt in den U.S.A. verschiedene Arten von MBA-Graden, die als akademische Grade anzusehen sind. Die Bezeichnung "MBA" fällt daher in den Schutzbereich des GFaG und der 2. DVO-GFaG, so daß zur Führung eines derartigen Grades die Führungsgenehmigung erforderlich ist.

21 Hier scheitert der Anspruch auf Erteilung der Führungsgenehmigung aber daran, daß es um eine Bezeichnung geht, die für die Absolvierung eines nichtakademischen Ausbildungsgangs verliehen worden ist. Die 2. DVO-GFaG ist im Lichte des § 2 Abs. 1 GFaG unter Berücksichtigung von Sinn und Zweck der in der 2. DVO-GFaG getroffenen Regelungen einschränkend dahin auszulegen, daß die Führungsgenehmigung nur Hochschulabsolventen zu erteilen ist, wenn die Bezeichnung aufgrund einer Prüfung nach einer akademischen Ausbildung zuerkannt worden ist. Nicht jede Ausbildung, die von einer Hochschule angeboten wird, ist notwendig eine akademische Ausbildung. Das gilt auch für ausländische Bildungsinstitute. Wenn beispielsweise eine Universität in ihrem Klinikum eine Ausbildung zur Krankenschwester durchführt, liegt ohne Zweifel eine Ausbildung durch die Hochschule vor, aber keine akademische Ausbildung.

22 Entsprechend liegen die Dinge hier. Die vom Kläger in der Zweigstelle der C.U. in Frankfurt am Main absolvierte Ausbildung ist keine akademische Ausbildung.

23 Hierzu bedarf es einiger Erläuterungen: Nach dem von dem Beklagten mit Schriftsatz vom 15. September 1993 vorgelegten und von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen für einen anderen Rechtsstreit erstellten Gutachten, das das amerikanische Hochschulsystem nachvollziehbar und überzeugend darstellt, gliedert sich dieses System in zwei große aufeinander aufbauende Bereiche, nämlich das "Undergraduate"-Studium, welches nach 4-jähriger Studiendauer mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen wird, und das "Graduate"- Studium, das nach weiterem 1- bis 2- jährigem Studium mit dem Master-Grad abgeschlossen wird, und, darauf aufbauend, nach zusätzlichen zwei bis drei Jahren durch die Promotion zum "Doctor of Philosophy" (Ph.D.) ergänzt werden kann. Erst in der zweiten Hälfte des "Undergraduate"-Studiums findet in der Regel eine wissenschaftliche Ausbildung statt, die einem deutschen universitären Grundstudium entspricht. Erst das Master-Studium ("Graduate"-Studium) kann einem deutschen Hauptstudium nach Vordiplom bzw. Zwischenprüfung und erst der Master- Grad einem deutschen Universitätsabschluß (Diplom, Magister, Staatsprüfung) zugeordnet werden. In den U.S.A. wurde der "Master of Business Administration" (MBA) vor ca. 80 Jahren als Abschluß eines 1- bis 2-jährigen kaufmännischen Schnellstudiums eingeführt. Es handelte sich dabei um ein spontan geschaffenes Bildungsangebot einer Hochschule mit dem Ziel, bereits im Beruf befindlichen Managern amerikanischer Unternehmen nachträglich betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln. Die Nachfrage nach einem solchen Bildungsangebot entstand zum Teil durch das gänzliche Fehlen eines wissenschaftlichen Studiengangs der Betriebswirtschaftslehre an amerikanischen Hochschulen. Das MBA- Studium sollte die für Führungspositionen notwendigen Grund- und Spezialkenntnisse in möglichst kurzer Zeit ohne theoretischwissenschaftlichen Ballast und auch in Form von Abend- oder Wochenendkursen

wissenschaftlichen Ballast und auch in Form von Abend- oder Wochenendkursen vermitteln. Ein bestimmtes akademisches Bildungsniveau (Bachelor-Grad) als Eingangsvoraussetzung wurde nicht zwingend vorgeschrieben. Wesentliches Charakteristikum des MBA-Studiums ist vor allem der starke Praxisbezug. Nach dem 2. Weltkrieg hat jedoch die Harvard-University dem MBA-Studium erstmals das prestigeträchtige Image einer Eliteausbildung verschafft. Die Zulassung wurde auf eine Auswahl akademisch gebildeter Führungskräfte großer Unternehmen beschränkt und die Ausbildung selbst nur noch in einem intensiven 1- bis 2- jährigen Vollzeitstudium durchgeführt. Als Ziel der Ausbildung wurde weiterhin nicht die wissenschaftliche und forschende Vertiefung eines Stoffgebietes angesehen, sondern die Fähigkeit, komplexe Problemlagen analytisch zu erfassen und schnell angemessene unternehmerische Entscheidungen zu treffen. In dieser elitären Form wurde die MBA-Ausbildung vor ca. 20 Jahren auch in Europa eingeführt. Die Bezeichnung MBA konnte gerade durch die gezielt geringe Verbreitung in Europa ein besonderes Prestige erhalten. Dies änderte sich zu Beginn der 80er Jahre, als die großen amerikanischen Hochschulen mit bekannten Business-Schools ihre MBA-Studiengänge für die regulären Studenten ohne Berufserfahrung öffneten, so daß das MBA-Studium - den übrigen Master- Studiengängen vergleichbar - als unmittelbare Fortsetzung eines fachlich einschlägigen "Undergraduate"-Studiums möglich wurde. Dadurch wurde es auch deutschen Studenten möglich, nach dem universitären Vordiplom in Wirtschaftswissenschaften und evtl. noch zweier weiterer Semester des Hauptstudiums oder nach einem Fachhochschuldiplom unmittelbar in ein solches MBA-Studium aufgenommen zu werden. Typisierend lassen sich die bisher beschriebenen Formen der MBA-Ausbildung wie folgt zusammenfassen: Typ I betrifft Erwachsenenweiterbildung in Teilzeitform ohne wissenschaftlichen Standard und stringente Zugangsvoraussetzungen. Typ II bezeichnet ein praxisbezogenes Zusatzstudium in Vollzeitform für eine hochkarätige Managerelite. Als Zugangsvoraussetzungen werden ein qualifizierter Hochschulabschluß ("Bachelor- Grad") sowie eine Berufstätigkeit auf höherer Führungsebene verlangt. Typ III betrifft ein reguläres Studium als Fortsetzung eines wissenschaftlichen Grundstudiums auf "Graduate"-Niveau (Hauptstudium). Als Eingangsvoraussetzung werden der Abschluß eines einschlägigen wissenschaftlichen Grundstudiums (Bachelor- Grad, Vordiplom oder Fachhochschulabschluß) sowie das Bestehen eines speziellen Zulassungstests, jedoch keine Berufserfahrung verlangt.

24 Während in Europa lediglich die Typen II und III in aufeinanderfolgenden Phasen zunehmend bekannt wurden, hat der Typ I als traditionelle Dienstleistung an US- Hochschulen stets weiterbestanden. Anhand der Akkreditierung bei dem fachlich spezialisierten Akkreditierungsverband AACSB ist es den einheimischen Benutzern des amerikanischen Hochschulsystems möglich, zwischen den genannten Typen der MBA-Ausbildung zu unterscheiden. Dieser Verband bezieht nur die anspruchsvolleren Typen II und III in sein Akkreditierungsverfahren ein. Die AACSB- Akkreditierung setzt unter anderem voraus, daß das Studium überwiegend in Vollzeitform stattfindet, daß die Hochschule auch über Forschungskapazitäten (Promotionsrecht) im Bereich der Wirtschaftswissenschaften verfügt und daß der Lehrkörper zum überwiegenden Teil (75 %) aus hauptamtlichen Professoren mit der entsprechenden Qualifikation (Promotion und Habilitation) besteht. Weiterhin existiert in den U.S.A. eine eher inoffizielle Bewertung von MBA-Ausbildungen in Form des sogenannten "ranking", das heißt einer regelmäßigen Veröffentlichung von Ranglisten solcher Ausbildungen in Fachzeitschriften.

25 Der vom Kläger angestrebte MBA-Grad gehört zu den als Typ I bezeichneten MBA- Graden; er wird nicht aufgrund einer akademischen Ausbildung verliehen. Das Fehlen des "Akademischen" im MBA-Ausbildungsgang, den der Kläger absolviert hat, ergibt sich aus den nachstehend genannten Umständen: Die C.U. verfügt nicht über Forschungskapazitäten im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Dies folgt aus der rechten Spalte auf Seite 1 des Werbeprospekts. Dort wird darauf hingewiesen, daß die C.U. primär eine Lehreinrichtung sei. Sie überlasse die Forschung den mehr traditionellen Institutionen des höheren Lernens. Im übrigen beschäftigt die C.U. im wesentlichen nebenberufliche hauptsächlich in der Praxis tätige Lehrkräfte. Der Lehrkörper verfügt nach den Ausführungen des Klägers auf Seite 5 seines Schriftsatzes vom 14. Februar 1992 für das MBA-Programm über 41 Vollzeit- Hochschullehrer und über 550 nebenberufliche Instruktoren, so daß - wie sich auch aus dem Verzeichnis der Lehrer der "europäischen Fakultät" der C.U. auf den Seiten 28 bis 32 des Werbeprospekts ergibt - deutlich weniger als 75 % der Lehrkräfte hauptamtliche Professoren mit der entsprechenden Qualifikation (Promotion und Habilitation) sind. Die MBA-Ausbildung der Frankfurter Zweigstelle

(Promotion und Habilitation) sind. Die MBA-Ausbildung der Frankfurter Zweigstelle der C.U. ist keine Vollzeit-Ausbildung, und es handelt sich bei der Zweigstelle nicht um eine staatliche oder nichtstaatliche Hochschule, sondern nur um eine Institution der Erwachsenenweiterbildung, was auch daran deutlich wird, daß die Zweigstelle von einem Verein getragen wird, der sich "Deutscher Verein für höhere Erwachsenenbildung der City University" nennt, wie der Werbeprospekt auf Seite 32 ausweist. Abgesehen davon hat der Kläger in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat selbst eingeräumt, daß die Frankfurter Zweigstelle der C.U. keine Hochschule ist.

26 Daß es hier um einen MBA-Grad des Typs 1 geht und daß der hier in Rede stehende MBA-Studiengang kein akademischer Studiengang ist, ergibt sich auch daraus, daß keine "stringenten Zugangsvoraussetzungen" (vgl. das mit Schriftsatz des Beklagten vom 15. September 1993 übersandte Gutachten der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen) für die MBA-Ausbildung der C.U. aufgestellt sind. Nach den Angaben auf Seite 6 des Werbeprospekts der C.U. steht das MBA- Programm denjenigen offen, die einen Bachelor-Grad einer akkreditierten US- Institution höherer Ausbildung, einen vergleichbaren Grad einer Nicht-US- Institution, ein Diplom von einer anerkannten europäischen Universität, ein "ETH"- Diplom (Schweiz), ein Diplom einer deutschen Fachhochschule, einen den obigen Abschlüssen vergleichbaren Abschluß oder die erfolgreiche Teilnahme an einem der von der C.U. angebotenen "PRE-MBA"-Kurse nachweisen können. Der "PRE- MBA"-Kurs besteht aus fünf Kursen, nämlich aus drei Kursen des Bachelor- Ausbildungsprogramms der C.U. und zwei zentralen Kursen aus dem MBA- Programm der C.U.. Es müssen durchschnittlich 3.0 Punkte bei einer Skala von bis zu 4.0 Punkten erreicht werden, um an der MBA-Ausbildung teilnehmen zu können. Deutsche Studenten müssen das Diplom einer Berufsakademie oder einer vergleichbaren Institution vorlegen, um an der "PRE-MBA"-Ausbildung teilnehmen zu können. Dies zeigt, daß man letztlich ohne Abitur oder eine dem Abitur vergleichbare Studienzugangsberechtigung an den MBA-Kursen teilnehmen kann, wenn man die "PRE-MBA"-Kurse erfolgreich absolviert. Auch eine Berufstätigkeit auf höherer Führungsebene wird nicht verlangt, was Voraussetzung für eine Ausbildung nach Typ II wäre. Letztlich hat es die C.U. selbst in der Hand, welche Anforderungen sie im einzelnen Fall für die Aufnahme in die MBA-Kurse stellt.

27 Der Kläger hat die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen, da sein Rechtsmittel ohne Erfolg bleibt 154 Abs. 2 VwGO).

28 Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit hinsichtlich der Kosten beruht auf § 167 Abs. 1 VwGO in Verbindung mit §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO.

29 Gründe für die Zulassung der Revision liegen nicht vor 132 Abs. 2 VwGO).

Hinweis: Die Entscheidung wurde von den Dokumentationsstellen der hessischen Gerichte ausgewählt und dokumentiert. Darüber hinaus ist eine ergänzende Dokumentation durch die obersten Bundesgerichte erfolgt.

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