Urteil des OVG Berlin-Brandenburg vom 14.05.2009, 70 S 2.09

Aktenzeichen: 70 S 2.09

OVG Berlin-Brandenburg: wiederherstellung der aufschiebenden wirkung, öffentliche bekanntmachung, amtsblatt, einlage, bewirtschaftung, missverhältnis, eltern, stadt, vollziehung, umdeutung

Quelle: Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg 70. Senat

Entscheidungsdatum: 29.01.2010

Normen: § 3 LAnpG, § 53 LAnpG, § 61a LAnpG, § 63 Abs 2 LAnpG, § 65 FlurbG

Aktenzeichen: OVG 70 S 2.09

Dokumenttyp: Beschluss

Bodenordnungsverfahren; kombiniertes Verfahren; vorläufige Besitzregelung; Anwendbarkeit von Regelungen des Flurbereinigungsverfahrens; Geltung einer öffentlichen

Bekanntmachung für auswärts wohnhafte Beteiligte

Tenor

Der Antrag der Antragstellerin auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ihres Widerspruchs gegen den Bescheid des Landesamts für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung vom 14. Mai 2009 wird zurückgewiesen.

Die Antragstellerin trägt die Kosten des Verfahrens, das gebührenpflichtig nach einem Streitwert von 2.500 Euro ist. Ferner wird ein Pauschsatz von 30,00 Euro festgesetzt.

Gründe

I.

1Die Antragstellerin begehrt die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ihres „mit Schreiben vom 5. Juli 2009 eingelegten Widerspruchs“ gegen die durch Bescheid des Landesamts für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung vom 14. Mai 2009 angeordnete „Vorläufige Besitzregelung mit Übergangsbestimmungen“.

2Die Antragstellerin und ihr Bruder H., der zwischenzeitlich seinen Anteil durch Erbteilsübertragungsvertrag unter Nießbrauchseinräumung bis zum Tode an seine Tochter J. weiterveräußert hat (Grundbucheintragung am 3. Mai 2006), wurden nach dem Tode ihrer Eltern aufgrund Erbscheins am 3. Mai 2005 als neue Eigentümer in ungeteilter Erbengemeinschaft u.a. der Grundstücke in der Gemarkung K. - auf diesem Dorfgrundstück liegt auch das Wohnhaus der verstorbenen Eltern sowie von H.-, 6... eingetragen.

3Durch für sofort vollziehbar erklärten, in den örtlichen Amtsblättern öffentlich bekannt gemachten Beschluss vom 16. Juli 2002 ordnete das Amt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung des Landes Brandenburg für u.a. Teile der Gemarkungen K. einschl. der o.g. Grundstücke - K.ist ein Ortsteil von B. - gemäß § 56 LwAnpG in Verbindung mit § 86 FlurbG das „Bodenordnungsverfahren Beeskow-Ost“ (BOV Beeskow-Ost) an. Ausweislich seiner Begründung geschah dies auf Antrag von Landwirten und Gemeinden des Verfahrensgebietes wegen des sehr großen Bodenordnungsbedarfs vor dem Hintergrund von erheblichen Flurveränderungen als Folge u.a. des Gewässerausbaus der Oelse in den 70er und 80er Jahren sowie der damaligen Großraumbewirtschaftung, im Rahmen derer grundstücksübergreifend Wege, Gräben, Hecken und Flurgehölze entfernt bzw. neu gebaut oder gepflanzt wurden, so dass in der gesamten Feldflur für die landwirtschaftliche Nutzung keine gesicherten Wegeverhältnisse existierten, ein Großteil der Grundstücke nicht mehr durch Wege erschlossen und der Grundbesitz im Verfahrensgebiet zersplittert war. Ziel des Bodenordnungsverfahrens sei es hiernach u.a., die Wege- und Gewässerverhältnisse neu zu ordnen und anzupassen bzw. auszubauen, zersplitterten Grundbesitz zusammenzulegen, bestehende Zerschneidungen durch Wege und Gräben zu beseitigen, die Entwicklung der ansässigen Landwirtschaftsbetriebe nachhaltig zu stärken und die Voraussetzungen zur Umsetzung landschaftspflegerischer und ökologischer Maßnahmen zu schaffen.

4Im Rahmen des weiteren Verfahrens fanden ausweislich eines Schreibens der „Beliehenen Stelle des Landes Brandenburg zur Durchführung von Flurneuordnungsverfahren“ (nachfolgend: Durchführungsbeauftragte) vom 26. August 2005 Gespräche mit H. statt, der hiernach erklärt haben soll, es stelle kein Problem dar, dass seine Schwester - die Antragstellerin - ihn bevollmächtige. Dieser wurde auch in der

dass seine Schwester - die Antragstellerin - ihn bevollmächtige. Dieser wurde auch in der Folgezeit stets als Ansprechpartner der Erbengemeinschaft angesehen. Er und die Antragstellerin wurden mit Schreiben vom 5. bzw. 9. November 2007 ferner zu Planwunschterminen nach § 59 Abs. 2 LwAnpG geladen, wobei im Schreiben an sie ausgeführt ist, ihr Bruder habe sich bereit erklärt, für sie den Termin wahrzunehmen. Zumindest im März 2009 fanden Gespräche mit H. über die Zuteilung von Grün- und Ackerflächen statt. Da erbetene Vollmachten für die Miteigentümerinnen nicht vorgelegt wurden, wurden diese durch Schreiben vom 21. März 2009 zur Benennung eines gemeinsamen Bevollmächtigten nach § 119 FlurbG aufgefordert, woraufhin J. schließlich am 14. April 2009 die Antragstellerin bevollmächtigte.

5Nach Durchführung eines Wertermittlungsverfahrens wies der Beklagte den Beteiligten gemäß § 61a LwAnpG durch die im - für sofort vollziehbar erklärten - Bescheid vom 14. Mai 2009 angeordnete „Vorläufige Besitzregelung mit Übergangsbestimmungen“ vorläufig den Besitz neuer Grundstücke unter gleichzeitiger Inkraftsetzung von Überleitungsbestimmungen zur vorläufigen Besitzregelung nach § 62 Abs. 2 und 3 FlurbG zu. Diese wurden für die Stadt Beeskow mit dem Ortsteil K. im Amtsblatt für die Stadt Beeskow vom 20. Mai 2009 veröffentlicht. Hiernach wurden der Antragstellerin und Frau G. zur Ordnungsnummer 4... anstelle der o.g. benachbarten Flurstücke 2... mit insgesamt 5... Ackerfläche eine anderweitige nahegelegene Ackerfläche mit 5... (Flur 6... Flurstück 7...), ferner anstelle der Flurstücke 6... mit insgesamt 1... in der Nähe gelegenes anderweitiges landwirtschaftliches Grünland von 1... (Flur 5... Flurstück 3...) und das im Wesentlichen gleiche Dorfgrundstück mit Wohnhaus, Gartenland und Ackerfläche, verkleinert insoweit um 45 auf 9... (neues Flurstück 3... der Flur 4...), als Abfindungsgrundstücke zugeteilt. Anstelle des alten Bestandes von 8... mit der Wertzahl 3... WE ergaben sich somit ein neuer Bestand von 8... und eine Wertzahl von 3... WE.

6Mit Schreiben vom 10. Juni 2009 teilten die Durchführungsbeauftragten der Antragstellerin mit, anstelle ihres Bruders H., mit dem alle vorherigen Termine durchgeführt worden seien, werde nunmehr sie als Ansprechpartnerin angesehen. Nach Genehmigung des Zuteilungsentwurfs habe man mit der Absteckung der ihr zugewiesenen Abfindungsgrundstücke begonnen und sie, wie aus dem beigefügten Kartenausschnitt ersichtlich, gekennzeichnet. Die Bewertung sei den anliegenden Einlage- und Abfindungsnachweisen bzw. einem Erläuterungsblatt zu entnehmen.

7Außerdem würden noch folgende Unterlagen übersandt:

8

- Öffentliche Bekanntmachung der vorläufigen Besitzregelung (Entwurf)

9

- Überleitungsbestimmungen zur vorläufigen Besitzregelung (Entwurf)

10

- …. .

11 Beides würde im Juni 2009 in den Amtsblättern u.a. der Stadt Beeskow öffentlich bekannt gemacht.

12 Nach Angaben der Antragstellerin kam es am 2. Juli 2009 zum Vororttermin mit den Durchführungsbeauftragten, wobei sie erklärt habe, man sei mit der Zuteilung der Abfindungsgrundstücke für die Flurstücke 22 und 23 nicht einverstanden.

13 Mit Schreiben vom 5. Juli 2009 legte die - hierbei noch nicht anwaltlich vertretene - Antragstellerin „gegenüber dem mir zur Mitteilung vom 10.06.09 gegebenen Bodenordnungsverfahren Widerspruch ein“. Zur Begründung wurde ausgeführt, Voraussetzung eines solchen Verfahrens sei das Scheitern eines freiwilligen Landtauschverfahrens nach § 54 LwAnpG, insoweit sei jedoch niemals jemand an sie herangetreten. Auch seien Bodenordnungs- und Flurbereinigungsverfahren nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts getrennte Verfahren, so dass die Verfahrensvoraussetzungen nicht vorlägen. Es werde um „Aufhebung des Bodenordnungsverfahrens gemäß § 56 LwAnpG i.V.m. § 86 FlurbG“ gebeten. Mit Schreiben vom 20. August 2009 erklärte die Verfahrensbevollmächtigte der Antragstellerin, dass sich das Widerspruchsschreiben nicht nur allgemein gegen das Bodenordnungsverfahren richte, sondern insbesondere gegen die Zuteilung des Abfindungsgrundstücks für die Flurstücke 22 und 23 und den „hierauf bezogenen Erlass der Überleitung und vorläufigen Besitzregelung“.

14 Zur Begründung des vorliegenden Antrags auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs vom 5. Juli 2009 „gegen den Erlass des Antragsgegners zur

Wirkung des Widerspruchs vom 5. Juli 2009 „gegen den Erlass des Antragsgegners zur Überleitung und vorläufigen Besitzregelung vom 14.05.2009“ macht die Antragstellerin im Wesentlichen geltend, mit diesem Schreiben habe sie - über den mündlichen Widerspruch im Vororttermin hinaus - nochmals gegen die ihr mit Schreiben vom 10. Juni 2009 zugegangenen Mitteilungen erhoben. Erst durch die Nutzung des Flurstücks 2... durch einen anderen Landwirt und telefonische Nachfrage beim Antragsgegner habe sie von der öffentlichen Bekanntmachung der vorläufigen Besitzregelung im Amtsblatt vom 20. Mai 2009 und den Besitzübergang am 15. August 2009 erfahren. Ob diese Bekanntgabe ihr gegenüber wirksam sei, sei zweifelhaft, da sie selbst nicht dort wohne und auch nicht die in K. lebende Miteigentümerin J. als Empfangsbevollmächtigte nach § 127 FlurbG benannt habe. Dementsprechend habe es ihr gegenüber der Aufgabe des Bescheids zur Post bedurft. Jedenfalls aber sei sie durch das Schreiben vom 10. Juni 2009 unrichtig informiert worden, was sich der Antragsgegner zurechnen lassen müsse. Deshalb fehle es an einer schuldhaften Fristsäumnis. Auch sei der Widerspruch vom 5. Juli 2009 als gegen die vorläufige Besitzregelung gerichtet auszulegen, da diese Regelung Teil des Bodenordnungsverfahrens und inhaltlich das Nichteinverständnis mit der „aufgezwungenen Zuweisung“ zum Ausdruck gebracht worden sei. Materiell sei zu beanstanden, dass hinsichtlich ihrer Grundstücke bereits BGB-konforme Verhältnisse existierten, weshalb die Erforderlichkeit der Neuordnung nicht nachvollziehbar sei. Auch sei wegen des anzustrebenden vorherigen Landtauschs nach § 54 LwAnpG niemand an sie herangetreten. Vorliegend sei - wie schon in der Vergangenheit - ein Tausch mit Grundstücken der S-GmbH denkbar gewesen. Schließlich sei auch die Begründung der Anordnung der sofortigen Vollziehung nicht nachvollziehbar, da eine Bewirtschaftung der Flächen auch ohne die vorläufige Regelung gewährleistet sei und die endgültige Regelung hätte abgewartet werden können.

15 Der Antragsgegner macht geltend, die Anordnung des Bodenordnungsverfahrens durch Beschluss vom 16. Juli 2002 sei ebenso bestandskräftig wie die hier allein streitgegenständliche vorläufige Besitzregelung nebst Überleitungsbestimmungen. Denn angesichts der öffentlichen Bekanntmachung im Amtsblatt Beeskow vom 20. Mai 2009 sei die einmonatige Widerspruchsfrist bereits am 21. Juni 2009 abgelaufen, so dass der Widerspruch vom 5. Juli 2009 verspätet eingelegt sei. Im Übrigen richte sich dieser eindeutig nur gegen die Anordnung des Bodenordnungsverfahrens. Eine nachträgliche Umdeutung durch das Schreiben vom 20. August 2009 sei nicht möglich. Auch Nachsichtgewährung nach § 134 FlurbG komme nicht in Betracht, da auswärts wohnhafte Teilnehmer des Verfahrens angemessene Vorkehrungen zu treffen hätten, um Kenntnis über ihre Grundstücke betreffenden Verfahren zu erlangen, und sowohl ihr Bruder wie auch die Miteigentümerin in K. wohnten. Im Übrigen sei der Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO auch in der Sache unbegründet. Der vorläufigen Besitzregelung liege eine bestandskräftige Wertfeststellung zugrunde, zudem könne ihr gegenüber nur geltend gemacht werden, es bestünde ein grobes Missverhältnis zwischen den Werten der Einlage- und Abfindungsgrundstücke. Das sei jedoch gerade nicht der Fall. Auch das Begehren des die Grundstücke bewirtschaftenden Bruders auf Zuweisung höherwertiger Äcker für den Tabakanbau habe man berücksichtigt. Fehlender Neuordnungsbedarf und vorheriger freiwilliger Landtausch könnten in diesem Verfahren nicht mehr geltend gemacht werden, dies sei vielmehr im Anordnungsbeschluss für das Bodenordnungsverfahren zu prüfen gewesen.

II.

16 Der gegen die vorläufige Besitzregelung nebst Überleitungsbestimmungen nach § 61a LwAnpG gerichtete Antrag der Antragstellerin auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ihres Widerspruchs gemäß § 80 Abs. 5 VwGO in Verbindung mit § 60 LwAnpG und § 138 Abs. 1 Satz 2 FlurbG hat keinen Erfolg. Bei der im vorliegenden Verfahren nur gebotenen summarischen Prüfung ist er bereits als unzulässig anzusehen. Denn der diesbezügliche Bescheid vom 14. Mai 2009 ist bestandskräftig (1.) und Nachsichtgewährung durch den Antragsgegner ermessensfehlerfrei abgelehnt worden (2.). Darüber hinaus ist der Antrag aber auch in der Sache unbegründet (3.).

17 1. Der Bescheid vom 14. Mai 2009 ist durch die Veröffentlichung im Amtsblatt von Beeskow vom 20. Mai 2009 wirksam öffentlich bekanntgemacht worden (vgl. §§ 61 Abs. 3 Satz 2 und 63 Abs. 2 LwAnpG in Verbindung mit § 110 FlurbG). Gegen die generelle Zulässigkeit der öffentlichen Bekanntmachung der vorläufigen Besitzregelung macht die Antragstellerin keine Bedenken geltend, solche sind auch nicht ersichtlich. Dass sie für die Einleitung des Bodenordnungsverfahrens nach dem LwAnpG zulässig ist, entspricht ständiger Rechtsprechung der Oberverwaltungsgerichte (vg. nur OVG Brandenburg, Urteil vom 10. Januar 2003 - 8 D 15/01.G -, juris Rz 16 m.w.N.). Für die vorläufige Besitzregelung als weiterer Teil dieses Bodenordnungsverfahrens kann nichts Anderes gelten. Hierfür spricht ferner, dass auch die vorläufige Besitzeinweisung, die in die

gelten. Hierfür spricht ferner, dass auch die vorläufige Besitzeinweisung, die in die gleiche Richtung eines Vorgriffs auf die angestrebte Neuordnung der Eigentumsverhältnisse zielt (vgl. OVG Brandenburg, Urteil vom 26. September 2002 - 8 D 30/99.G -, juris Rz. 25), in § 65 Abs. 2 Satz 3 und 4 FlurbG die öffentliche Bekanntmachung vorsieht.

18 Trotz ihres Wohnortes außerhalb des Gebietes des vorliegenden kombinierten Bodenordnungsverfahrens ist die öffentliche Bekanntmachung auch der Antragstellerin gegenüber wirksam; es bedurfte entgegen ihrer Annahme nicht postalischer Zustellung des Bescheids vom 14. Mai 2009. Denn die öffentliche Bekanntmachung gilt auch für die Beteiligten, deren Grundstücke im Gebiet der Gemeinden liegen, für die die Regelung öffentlich bekannt gemacht ist; somit ist auch für den Beginn der Widerspruchsfrist hierauf abzustellen (Schwantag/Wingerter, FlurbG, 8. Auflage, § 110 Rz. 7 m.w.N.; OVG Brandenburg, Beschluss vom 17. April 2003 - 8 D 18/00.G -, RdL 2003, 188 ff. und ThürOVG, Urteil vom 17. Januar 2002 - 7 F 944/00 -, RdL 2002, 275; so im Ergebnis offensichtlich auch BVerwG, Urteil vom 29. April 1998 - 11 C 6/97 -, juris Rz. 22).

19 Die einmonatige Widerspruchsfrist begann für die Antragstellerin somit ebenfalls bereits mit dem ersten Tage der Bekanntmachung im Amtsblatt von Beeskow am 20. Mai 2009 und endete am Montag, den 22. Juni 2009 (§§ 115 und 138 Abs. 1 Satz 2 FlurbG, §§ 70 Abs. 1 VwGO, §§ 187 und 188 Abs. 2 BGB). Innerhalb dieser Frist hat die Antragstellerin unstreitig keinen Widerspruch gegen die vorläufige Besitzregelung eingelegt. Ob das Schreiben vom 5. Juli 2009 bereits als ein hiergegen - und nicht nur gegen die Anordnung des Bodenordnungsverfahrens - gerichteter Widerspruch ausgelegt werden kann, was nach dem Wortlaut, aber auch nach der Begründung des Schreibens mehr als zweifelhaft erscheint, oder erst das anwaltliche Schreiben vom 20. August 2009, kann deshalb dahinstehen.

20 2. Ein Anspruch auf Nachsichtgewährung nach § 134 Abs. 2 Satz 2 FlurbG ist vorliegend nicht ersichtlich, da die Antragstellerin die Widerspruchsfrist schuldhaft versäumt hat. Denn es gehört gerade für einen auswärts wohnhaften Beteiligten zur ordnungsgemäßen Verwaltung eines Grundstücks, Vorkehrungen zu treffen, damit ihn ausreichende Informationen über alle seine Grundstücke betreffenden Maßnahmen, v.a. örtliche Bekanntmachungen, so rechtzeitig erreichen, dass er evtl. hierdurch in Gang gesetzte Fristen einhalten kann (Schwantag/Wingerter, a.a.O. § 134 Rz. 5 m.w.N. zur Rechtsprechung; s. auch die o.g. Urteile des BVerwG und des OVG Thüringen).

21 Dafür hat die Antragstellerin nichts vorgetragen und ist auch nichts ersichtlich. Im Gegenteil ist vorliegend zum einen zu berücksichtigen, dass die Antragstellerin selbst aufgrund diverser Schreiben der Durchführungsbeauftragten über das laufende Bodenordnungsverfahren informiert war (Ladung zum Planwunschtermin im Schreiben vom 9. November 2007 und Aufforderung zur Bevollmächtigtenbenennung für das Verfahren BOV Beeskow-Ost im Schreiben vom 21. März 2009), zum anderen, dass ihr eine entsprechende Information über die sie am 14. April 2009 bevollmächtigende, in Beeskow, OT K., wohnhafte Miteigentümerin J. bzw. den bisher als Ansprechpartner im Verfahren agierenden Bruder H. ohne weiteres möglich war. Bei dieser Sachlage ist es auch nicht als ermessensfehlerhaft anzusehen, dass der Antragsgegner in der Antragserwiderung vom 28. September 2009 Nachsichtgewährung mit Blick gerade auch hierauf abgelehnt hat 134 Abs. 2 Satz 1 FlurbG).

22 Das ist hier auch nicht deshalb anders zu beurteilen, weil die Durchführungsbeauftragten die Antragstellerin mit Schreiben vom 10. Juni 2009 über die örtliche Lage der ihnen neu zugewiesenen Abfindungsgrundstücke und die Bewertung der alten Flurstücke im Bodenordnungsverfahren informiert und hierin auf beigefügte Unterlagen über die öffentliche Bekanntmachung der vorläufigen Besitzregelung und der Überleitungsbestimmungen mit dem Klammerzusatz „Entwurf“ sowie der Bemerkung hingewiesen haben, diese würden im Juni 2009 in den örtlichen Amtsblättern öffentlich bekannt gemacht. Denn hierdurch werden schon die schuldhaft fehlende Kenntnis von der Bekanntmachung dieser Regelungen wegen der dargelegten unterbliebenen angemessenen Vorkehrungen und der aus diesem Grund (kausal) unterbliebene rechtzeitige Widerspruch nicht in Frage gestellt. Dass dieses Schreiben geeignet war, die Antragstellerin von der Widerspruchserhebung gegen den ihr - schuldhaft - gar nicht bekannten Bescheid abzuhalten, vermag das Gericht im Übrigen ebenfalls nicht zu erkennen. Eher im Gegenteil hätte sich die Antragstellerin durch dieses Schreiben vom 10. Juni 2009 nebst Anlagen veranlasst sehen müssen, jedenfalls nunmehr unverzüglich Einblick in das Amtsblatt für Beeskow zu nehmen. Auch dies hat sie, was eine Nachsichtgewährung nach § 134 Abs. 2 Satz 2 FlurbG ausschließt (vgl. Schwantag/Wingerter, a.a.O. § 134 Rz. 7), versäumt. Vielmehr hat die Antragstellerin ausweislich der Begründung des Antrags nach § 80 Abs. 5 VwGO erst anlässlich der

ausweislich der Begründung des Antrags nach § 80 Abs. 5 VwGO erst anlässlich der Feststellung der Nutzung eines der Flurstücke am 17. August 2009, d.h. mehr als zwei Monate später, telefonisch beim Antragsgegner nachgefragt und dabei Kenntnis von der öffentlichen Bekanntmachung im Amtsblatt vom 20. Mai 2009 erlangt.

23 3. Der Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO ist aber auch unbegründet, weil bei der hier nur gebotenen summarischen Prüfung ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Bescheids vom 14. Mai 2009 nicht bestehen.

24 Gemäß § 61a LwAnpG kann den Beteiligten der Besitz neuer Grundstücke vorläufig zugewiesen werden, um die Bewirtschaftung des Grund und Bodens in der Land- und Forstwirtschaft zu gewährleisten, wenn Nachweise für das Verhältnis der Besitzstücke zu dem von jedem Beteiligten Eingebrachten vorliegen.

25 Derartige Nachweise liegen vor, wenn die Ergebnisse der Wertermittlung zumindest vorläufig festgestellt sind (vgl. nur OVG Mecklenburg-Vorpommern, Beschluss vom 31. Januar 2006 - 9 M 121/05 -, juris Rz. 18). Das ist hier der Fall, wird im Übrigen auch seitens der Antragstellerin nicht bestritten.

26 Insoweit kann im Verfahren nach § 61a LwAnpG nur das Vorliegen eines groben Missverhältnisses zwischen Einlage und Abfindung geltend gemacht werden, was sich u.a. nach der Größe der Grundflächen und ihrer Nutzungsart beurteilt (OVG Mecklenburg-Vorpommern, Beschl. vom 9. März 1995 - 9 K 20/94 u.a. -, RdL 1996, 275 ff.; vgl. für § 65 FlurbG auch BayVGH, Beschluss vom 23. Dezember 2009 - 13 AS 09.2659 -). Für ein grobes Missverhältnis der Einlage- und Abfindungsgrundstücke ist vorliegend jedoch nichts ersichtlich. Denn Nutzungsart und Größe sowohl der einzelnen Grund- bzw. Flurstücke als auch der Gesamtfläche sowie die Wertzahlen sind nahezu gleich. Die vorliegend offensichtlich allein beanstandete Lage des Abfindungsgrundstücks Flurstück 7, das gegen die etwa gleich großen Einlage-Flurstücke 22 und 23 ausgetauscht worden ist, vermag ein grobes Missverhältnis nicht zu begründen.

27 Dass die vorläufige Besitzregelung vorliegend ferner den Zweck verfolgt, die Bewirtschaftung des betroffenen Grund und Bodens zu gewährleisten, wird seitens der Antragstellerin nur insoweit in Frage gestellt, als geltend gemacht wird, die Begründung der Anordnung der sofortigen Vollziehung sei nicht nachvollziehbar, da eine Bewirtschaftung der Flächen auch ohne die vorläufige Regelung gewährleistet sei und die endgültige Regelung hätte abgewartet werden können. Damit kann der Zweck der Regelung jedoch nicht erfolgreich in Zweifel gezogen werden, da im Bescheid ausgeführt ist, die neuen Erschließungswege seien bereits teilweise hergestellt und eine weitere Aufschiebung der Besitzeinweisung würde den Nutzungsausfall im Bereich der Wegetrasse nur ungerechtfertigt lange für die unmittelbar Betroffenen verlängern, während andere Beteiligte ohne Nutzungsausfall durch die neue Erschließungssituation begünstigt würden. Die vorläufige Besitzregelung nach § 61a LwAnpG - ähnlich wie die vorläufige Besitzeinweisung nach § 65 FlurbG - dient aber gerade der rechtlichen Absicherung von Besitzübertragungen.

28 Liegen die tatbestandlichen Voraussetzungen des § 61a LwAnpG somit vor, ist der Senat darauf beschränkt, die behördlichen Ermessenserwägungen nach § 114 VwGO zu prüfen. Ermessensfehler sind vorliegend nicht ersichtlich.

29 Der Einwand der Antragstellerin, wegen des nach § 54 LwAnpG anzustrebenden freiwilligen Landtausches sei niemand an sie herangetreten, kann im Verfahren gegen die vorläufige Besitzregelung in § 61a LwAnpG schon nicht geltend gemacht werden. Zu prüfen war dies im Rahmen der Anordnung des Bodenordnungsverfahrens nach § 56 LwAnpG durch Beschluss vom 16. Juli 2002. Dass die Antragstellerin zu diesem Zeitpunkt noch nicht Beteiligte war - sie ist erst durch die maßgebliche (vgl. OVG Brandenburg, Urteil vom 11. November 1999 - 8 D 18/98.G -, ZOV 2000, 124 m.w.N.) Grundbucheintragung am 3. Mai 2005, damals zusammen mit ihrem Bruder H., als Gesamtrechtsnachfolgerin ihrer Eltern in das Verfahren eingetreten -, ist unerheblich. Denn als Gesamtrechtsnachfolgerin muss sie die vorangegangenen Maßnahmen im Bodenordnungsverfahren gegen sich gelten lassen 15 FlurbG).

30 Auch der Einwand der Antragstellerin, hinsichtlich ihrer Grundstücke lägen bereits BGBkonforme Verhältnisse vor, weshalb die Erforderlichkeit der Neuordnung nicht nachvollziehbar sei, betrifft die Anordnung des Bodenordnungsverfahrens und kann hier nicht geltend gemacht werden. Auch übersieht die Antragstellerin, dass die Zielstellung des LwAnpG eine weitergehendere ist, wie §§ 3 und 53 des Gesetzes belegen, und dass es hierauf im Rahmen der vorliegenden großflächig notwendigen Bodenneuordnung nicht ankommen kann.

31 Fehl geht schließlich auch die Annahme der Antragstellerin im Schreiben vom 5. Juli 2009, das Bundesverwaltungsgericht habe im Urteil vom 14. Dezember 2005 - 10 C 6/04 - (BVerwGE 125, 9 ff.) entschieden, Bodenordnungs- und Flurbereinigungsverfahren seien zwei „voneinander getrennte Verfahren“. Vielmehr hat es ausdrücklich die Kombination beider Verfahren - wie vorliegend geschehen - zugelassen und nur auf die Notwendigkeit der Beachtung der in den jeweiligen Verfahren geltenden formellen und materiellen Voraussetzungen hingewiesen bzw. das Verbot der Schlechterstellung der Betroffenen betont. Soweit die Antragstellerin in jenem Schreiben ferner davon ausgeht, vorliegend habe es sich ursprünglich um ein Flurneuordnungsverfahren gehandelt, erst später sei es zu einer Umdeutung zu einem kombinierten Verfahren gekommen, trifft auch das nicht zu. Der Beschluss vom 16. Juli 2002 weist das Verfahren vielmehr von vornherein als solches nach § 56 LwAnpG in Verbindung mit § 86 FlurbG aus.

32 Auch gegen die Anordnung der sofortigen Vollziehung der vorläufigen Besitzregelung bzw. deren Begründung bestehen vorliegend keine durchgreifenden Bedenken. Insoweit ist neben den obigen Ausführungen zum Zweck der Regelung auch auf die weiteren Ausführungen im letzten Absatz des Bescheids vom 14. Mai 2009 zu verweisen.

33 Die Kostenentscheidung beruht auf § 60 LwAnpG in Verbindung mit §§ 147 Abs. 1 FlurbG und 154 Abs. 1 VwGO.

34 Dieser Beschluss ist unanfechtbar 152 Abs. 1 VwGO).

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