Urteil des OLG Oldenburg vom 03.04.1990, 5 U 147/89

Entschieden
03.04.1990
Schlagworte
Gewehr, Mitverschulden, übung, Schmerzensgeld, Unfall, Datum
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Gericht: OLG Oldenburg, 05. Zivilsenat

Typ, AZ: Urteil, 5 U 147/89

Datum: 03.04.1990

Sachgebiet: Kein Sachgebiet eingetragen

Normen: BGB § 847, BGB § 254

Leitsatz: Zum Mitverschulden bei Schießunfall Schmerzensgeld bei Verlust eines Auges

Volltext:

Der Kläger, der Beklagte zu 1) und ein weiterer Junge - sämtlich 14 - 15 Jahre alt - nahmen aus dem verschlossenen Gewehrschrank des Vaters des Beklagten zu 1), dem Beklagten zu 2), ein Luftgewehr und schossen damit in einem nahegelegenen Wald auf Bäume und Äste. Als der Beklagte zu 1) von einem Querschläger eines zuvor von dem Kläger abgegeben Schusses getroffen wurde, nahm er das von dem weglaufenden Kläger weggeworfene Gewehr an sich, drückte zunächst das gespannte, aber ungeladene Gewehr ab, schoß dann, nachdem er eine Bleikugel geladen hatte, gezielt in Richtung des Klägers, der inzwischen stehen geblieben war, und traf dessen rechtes Auge. Wegen der Verletzung mußte das rechte Auge entfernt und durch ein Kunstauge ersetzt werden.

Ein mögliches Mitverschulden des Klägers an der Verursachung des Schadens ist hier als so gering einzustufen, das es gegenüber dem überwiegenden Ursachenbeitrag, den die Beklagten gesetzt haben, zurücktritt.

Bei der in § 254 BGB vorgeschiebenen Abwägung ist in erster Linie auf die Verursachung und nicht auf das Verschulden abzustellen (vgl. BGH VersR 1958, 851, 851).

Der Senat verkennt nicht, daß der Kläger vorliegend allein durch seine Teilnahme an den Schießübungen eine Mitursache für seine spätere Verletzung gesetzt hat. Dieses Verhalten des Klägers wäre aber für dem Eintritt des Schadens unerheblich geblieben, wenn der Beklagte zu 1) nicht in unerwarteter und unter keinem Gesichtspunkt zu rechtfertigender Weise einen Schuß in Richtung auf den Kläger abgegeben hätte. Eine soche Entwicklung der Schieß- übung brauchte der Kläger - wenn überhaupt - allenfalls als entfernte Möglichkeit in Rechnung zu stellen.

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