Urteil des OLG Köln vom 29.03.2005, 4 UF 25/05

Entschieden
29.03.2005
Schlagworte
Wohl des kindes, Elterliche sorge, Eltern, Kindeswohl, Konsens, Schule, Zukunft, Besuch, Trennung, Erziehungsfähigkeit
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Oberlandesgericht Köln, 4 UF 25/05

Datum: 29.03.2005

Gericht: Oberlandesgericht Köln

Spruchkörper: 4. Zivilsenat

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 4 UF 25/05

Vorinstanz: Amtsgericht Brühl, 33 F 36/96

Tenor: Die Beschwerde wird auf Kosten der Antragsgegnerin zurückgewiesen.

G r ü n d e : 1

Die zulässige Beschwerde der Antragsgegnerin ist nicht begründet. 2

3Das Amtsgericht hat zu Recht davon abgesehen, der Antragsgegnerin das alleinige Sorgerecht für E, der jetzt 14 Jahre alten gemeinsamen Tochter der Parteien zu übertragen.

4Gemäß § 1671 Abs. 2 Nr. 2 BGB ist die elterliche Sorge auf einen Elternteil allein zu übertragen, wenn zu erwarten ist, dass die Aufhebung der gemeinsamen Sorge und die Übertragung auf den antragstellenden Elternteil dem Wohl des Kindes am besten entspricht. Dabei ist die Ausgestaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge, wie sie § 1687 BGB geregelt hat, zu berücksichtigen. Danach hat das Elternteil, bei dem sich das Kind gewöhnlich aufhält, die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens. Lediglich bei Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung für das Kind ist gegenseitiges Einvernehmen erforderlich. Aus diesem Grunde ist zwar regelmäßig ein gewisses Mindestmaß an Kooperationsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit erforderlich. In diesem Zusammenhang besteht Anlaß zu dem Hinweis, dass die Eltern im Rahmen der elterlichen Sorge verpflichtet sind, einen Konsens zu finden bzw. sich um Konsensfindung zu bemühen. Wenn ein Elternteil das Fehlen der eigenen Kooperationsbereitschaft nicht nachvollziehbar begründen kann, kann dies Zweifel an seiner Erziehungsfähigkeit begründen.

5Entscheidend ist, dass sich die Frage der Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge ausschließlich am Wohl des Kindes zu orientieren hat. Hinsichtlich einer mangelnden Konsens- und Kooperationsbereitschaft ist also zu prüfen, welche Auswirkungen die mangelnde Einigungsfähigkeit der Eltern bei einer Gesamtbeurteilung der Verhältnisse auf die Entwicklung und das Wohl des Kindes haben wird (BGH, FamRZ 1999, 1646; OLG Karlsruhe FamRZ 2000,111). Hier sind jedoch keinerlei Tatsachen bzw. Gesichtspunkte dafür dargelegt oder sonst erkennbar, dass sich das behauptete schlechteVerhältnis zwischen den Eltern bislang negativ auf das Kindeswohl ausgewirkt hat und deshalb zu befürchten ist, dass sich zukünftig negative Auswirkungen ergeben könnten.

Die Eltern leben bereits seit 8-9 Jahren getrennt und zwar bei gemeinsamer elterlicher 6

Sorge, ohne dass bislang ein Anlaß gesehen wurde, die Alleinsorge zu beantragen. Bei Trennung im Jahr 1996 war das am 22.11.1990 geborene Kind erst 5 Jahre alt. Es galt in der Folgezeit also einige Angelegenheiten von erheblichem Gewicht für das Kind zu regeln, wie z.B. die Einschulung, Besuch einer weiterführenden Schule, ohne dass die Antragsgegnerin hier Konflikte geschildert hätte. Zudem stehen in der Zukunft - soweit ersichtlich - angesichts des Alters des Kindes von nunmehr 14 Jahre auch keine Entscheidungen an, die Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung für das Kind betreffen.

7Der Senat vermag keinen Grund zu erkennen, weshalb das Kindeswohl eine Änderung der bestehenden Verhältnisse erfordern könnte.

8Der Wille des Kindes,die Antragsgegnerin möge die elterliche Sorge alleine ausüben, ist insoweit nicht entscheidend. Die Frage der Regelung der elterlichen Sorge betrifft hier im wesentlichen eine Rechtsfrage, da die tatsächlichen Lebensumstände des Kindes nicht berührt sind. Die Parteien sind sich darüber einig, dass das Kind bei der Antragsgegnerin lebt. Für die Regelung eines Umgangsrechts ist die konkrete Ausgestaltung der elterlichen Sorge ohne Bedeutung. Dass E zur Zeit keinen persönlichen Umgangskontakt zu ihrem Vater wünscht, erfordert daher nicht eine Aufhebung der gemeinsamen Sorge, zumal der Antragsteller auch diesbezüglich Konflikte zu Lasten des Kindeswohls zu vermeiden scheint.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 13 a FGG. 9

Beschwerdewert: 3000 €. 10

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