Urteil des OLG Köln vom 15.11.2010, 4 WA 91/98

Entschieden
15.11.2010
Schlagworte
Stpo, Rechtsmittel, Beschwerde, Kommentar, Auflage, Hauptverhandlung, Verteidiger, Hamburg, Berlin, Beweisaufnahme
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Oberlandesgericht Köln, 2 Ws 738 + 739/10

Datum: 15.11.2010

Gericht: Oberlandesgericht Köln

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 2 Ws 738 + 739/10

Leitsätze: Ein Rechtsmittel gegen die Entscheidung, mit der ein einen Sachverständigen betreffendes Befangenheitsgesuch zurückgewiesen wird, ist während laufender Hauptverhandlung unzulässig gem. § 305 S. 1 StPO.

Tenor: Die Beschwerden werden auf Kosten der Beschwerdeführer 473 Abs. 1 S. 1 StPO) als unzulässig verworfen.

Gründe: 1

2Die Generalstaatsanwaltschaft hat mit Vorlageverfügung vom 12.11.2010 u.a. wie folgt zu dem Rechtsmittel Stellung genommen:

3"Im Hauptverhandlungstermin vom 26.10.2010 erstattete der Sachverständige Dr. L., Facharzt für Rechtsmedizin, sein Gutachten und referierte u.a. zum Rettungsdienstprotokoll vom 30.11.2008.

4Daraufhin widersprach der Verteidiger des Angeklagten M. der Verfahrensweise, weil das Rettungsdienstprotokoll derzeit noch nicht zum Gegenstand der Hauptverhandlung gemacht worden sei. Nachdem die Hauptverhandlung kurzzeitig unterbrochen worden war, lehnten die Angeklagten M. und D. über ihre Verteidiger den Sachverständigen Dr. L. wegen Besorgnis der Befangenheit ab.

5Sie beanstanden im Wesentlichen, dass der Sachverständige sich bei der Erstattung seines Gutachtens auf Unterlagen gestützt habe, die noch nicht Gegenstand der Beweisaufnahme gewesen seien und sind der Auffassung, dass dieser eine vorgefasste Meinung wiedergebe, die nicht im Einklang mit dem Ergebnis der bislang durchgeführten Beweisaufnahme stehe.

6Mit Beschluss im Hauptverhandlungstermin vom 05.11.2010 hat die 1. große Jugendkammer die Ablehnungsgesuche zurückgewiesen.

Gegen diesen Beschluss haben die Angeklagten M. und D. durch ihre Verteidiger 7

"sofortige Beschwerde" eingelegt, die der Angeklagte M. mit Schriftsatz seines Verteidigers vom 06.11.2010 unter Wiederholung seines bisherigen Vorbringens nochmals begründet hat. Die Jugendkammer hat mit Beschluss im Hauptverhandlungstermin vom 08.11.2010 das Rechtsmittel als Beschwerde gewertet und diese als unzulässig verworfen.

Die Strafkammer hat dazu folgendes ausgeführt: 8

9"Eine sofortige Beschwerde ist gemäß §§ 74, 304, 305 StPO unstatthaft bzw. unzulässig. § 74 Abs. 1 StPO verweist zwar hinsichtlich der Ablehnungsgründe auf die hinsichtlich eines Richters geltenden Regelungen (§§ 25 ff. StPO), nicht jedoch hinsichtlich des Ablehnungsverfahrens (vgl. Meyer-Goßner, § 74 StPO, Rdz. 20; Karlsruher Kommentar (Senge) § 74 StPO, Rdz. 16; OLG Hamburg, NJW 1967, 2274; KG Berlin Beschluss vom 04.05.1998, 4 WA 91/98.

10Der das gegen einen Sachverständigen gerichtete Ablehnungsgesuch zurückweisende Beschluss der Kammer ist jedoch gemäß §§ 304, 305 Satz 1 StPO der Beschwerde entzogen, da es sich insoweit um eine der Urteilsfällung vorausgehende Entscheidung des erkennenden Gerichts handelt, die nicht zu den in § 305 Satz 2 StPO genannten Ausnahmen zählt (vgl. Karlsruher Kommentar (Engelhardt) § 305 StPO Rdz. 6; Karlsruher Kommentar (Senge) § 74 StPO Rdz. 16; KG Berlin Beschluss vom 04.05.1998, 4 WS 91/98; OLG Celle NJW 1966, 415; OLG Hamburg, NJW 1967, 2274). Die angefochtene Entscheidung steht auch im inneren Zusammenhang mit dem zu findenden Urteil und dient dessen Vorbereitung. Soweit das Rechtsmittel als Gegenvorstellung anzusehen wäre, gibt es der Kammer keinen Anlass zu einer Abänderung der Entscheidung."

Diesen Ausführungen ist zuzustimmen. 11

Die Beschwerde der Angeklagten ist daher als unzulässig zu verwerfen." 12

13Dem stimmt der Senat zu. Dass ein Rechtsmittel gegen die Entscheidung, mit der ein einen Sachverständigen betreffendes Befangenheitsgesuch zurückgewiesen wird während laufender Hauptverhandlung gem. § 305 S. 1 StPO unzulässig ist, entspricht über die bereits von der Kammer zitierten Fundstellen hinaus - unangefochtener Auffassung in der Literatur (Meyer-Goßner, StPO, 53. Auflage 2010, § 74 Rz. 20; Krause in: Löwe-Rosenberg, StPO, 26. Auflage 2009, § 74 Rz. 39; KMR-Neubeck, § 74 Rz. 26a; SK-StPO-Rogall, § 74 Rz. 68; Lemke in: Heidelberger Kommentar, StPO, 4. Auflage 2009, § 74 Rz. 21; Pfeiffer, StPO, 5. Auflage 2005, § 74 Rz. 6; Monka in: Graf, StPO, § 74 Rz. 11; Krekeler/Werner in: Anwaltkommentar StPO, § 74 Rz. 15).

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