Urteil des OLG Karlsruhe vom 09.06.2005

OLG Karlsruhe: werbung, unlauterer wettbewerb, verkehr, verbraucher, gebühr, zeitung, anzeige, verfügung, versicherung, irreführung

OLG Karlsruhe Urteil vom 9.6.2005, 4 U 164/04
Unlauterer Wettbewerb: Angabe der Buchungsgebühr in der Werbung für Reiseleistungen
Tenor
I.
Auf die Berufung des Verfügungsklägers wird das Urteil der ersten Kammer für Handelssachen des Landgerichts Freiburg vom 28.11.2004 – 10 O
118/04 – im Kostenpunkt aufgehoben und im Übrigen wie folgt abgeändert:
1. Die Verfügungsbeklagte wird verurteilt, es ab sofort zu unterlassen im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des
Wettbewerbs für Urlaubsreisen unter Angaben von Preisen zu werben, die nicht die noch zusätzlich für jede
Reisebuchung anfallende Buchungsgebühr enthalten, wenn dies geschieht wie in der nachfolgend verkleinert
wiedergegebenen, vom Kläger als Anlage ASt 1 vorgelegten Werbeanzeige in der "... Zeitung" vom 9. Oktober 2004.
...
2. Der Verfügungsbeklagten wird für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen die Unterlassungsverpflichtung gemäß Ziff.
I 1 ein Ordnungsgeld bis zu 250.000,00 EUR, ersatzweise an ihrem Geschäftsführer zu vollziehende Ordnungshaft,
oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten angedroht.
II.
Die Verfügungsbeklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits.
Gründe
I.
1
Der Verfügungskläger (im Folgenden: Kläger), ein Verband zur Förderung gewerblicher Interessen, verlangt von der Verfügungsbeklagten (im
Folgenden: Beklagte), die Reiseleistungen vermittelt, die Unterlassung einer in einer Tageszeit veröffentlichten Werbung für Urlaubsreisen, bei
der die Buchungsgebühr nicht in die Preisangabe eingerechnet ist.
2
Die Verfügungsbeklagte warb in der ... Zeitung vom 09.10.2004 mit der vom Verfügungskläger als ASt 1 vorgelegten, im Tenor wiedergegebenen
Anzeige.
3
Der Kläger ist der Auffassung, die herausgestellte Preisangabe ohne Berücksichtigung der Buchungsgebühr sei irreführend, denn der
Werbeadressat gehe davon aus, dass es sich um den Preis handele, der inklusive der Buchungsgebühr zu zahlen sei. Der Sternchen-Hinweis
sei nicht klar und in ähnlicher Deutlichkeit wie der Blickfang herausgestellt. Der Hinweis auf die zusätzliche Buchungsgebühr sei winzig gedruckt
und nur mit Anstrengung überhaupt lesbar.
4
Die Anzeige sei außerdem wegen Verstoßes gegen die Preisangabenverordnung wettbewerbswidrig. Entgegen § 1 Abs. 1 PAngV seien nicht
alle Preise und Kosten in den Endpreis einbezogen; sie ergäben sich erst aus dem Sternchen-Hinweis. Die Verpflichtung, alle Preisbestandteile
in den Endpreis einzurechnen, entfalle nur dann, wenn der betreffende Preisbestandteil zeit- oder verbrauchsabhängig sei und ein Endpreis
deshalb nicht gebildet werden könne. Dies sei bei einer Buchungsgebühr nicht der Fall, denn diese stehe fest und falle bei jeder Reisebuchung
in gleicher Weise an. Sie könne deshalb ohne weiteres in den Endpreis eingerechnet werden. Selbst wenn die Gebühr bei Buchung durch
mehrere Personen nur ein Mal anfalle, mache dies aus der Buchungsgebühr keinen variablen Preisbestandteil. Wolle ein Anbieter den
Kostenvorteil einer Gruppenbuchung an die Gruppe weiter geben, stehe ihm die Möglichkeit von Gruppenermäßigungen offen. Dass die Gebühr
im Falle einer Reisebuchung durch mehrere Personen nur ein Mal anfalle, werde bestritten. Aus dem Sternchenhinweis werde dies auf jeden
Fall nicht klar.
5
Der Kläger hat beantragt,
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der Beklagten unter Androhung näher bezeichneter Ordnungsmittel im Wege der einstweiligen Verfügung zu verbieten, im geschäftlichen
Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs für Urlaubsreisen unter Angabe von Preisen zu werben, die nicht die noch zusätzlich für jede
Reisebuchung anfallende Buchungsgebühr enthalten, wenn dies geschieht wie in der als Anlage ASt 1 beigefügten Werbeanzeige in der "...
Zeitung" vom 09. Oktober 2004.
7
Die Beklagte hat beantragt,
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den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zurückzuweisen.
9
Die Beklagte hat auf den ihrer Ansicht nach durch den Klagantrag auf einen Verstoß gegen die Preisangabenverordnung beschränkten
Streitgegenstand, die fehlende Eilbedürftigkeit und die fehlende Aktivlegitimation des Klägers hingewiesen. Die Beklagte meint, eine Pflicht zur
Angabe eines Endpreises bestehe nicht. Die in dem Sternchenhinweis ausgewiesene Buchungsgebühr falle nicht pro Person, sondern –
unabhängig von der Anzahl der Personen – je Buchung an. Da sich danach nicht prognostizieren lasse, um wie viel sie die Einzelreise
verteuere, sei sie eine variable Größe. Es bestehe daher keine Möglichkeit, die Buchungskosten in den Endpreis einzubeziehen. Selbst wenn
man einen Verstoß gegen die Preisangabenverordnung annehme, mache dieser allein die Werbung nicht unlauter. Außerdem sei ein solcher
Verstoß nicht geeignet, den Wettbewerb mehr als nur unerheblich zu beeinträchtigen. Eine wesentliche Wettbewerbsbeeinträchtigung liege
insbesondere dann nicht vor, wenn der Verbraucher aufgrund der ihm mitgeteilten Daten den Endpreis unschwer ermitteln könne. Dazu sei der
Sternchenhinweis ausreichend gewesen. Der Verkehr erkenne nämlich an dem kleinen Sternchen, dass dies nicht das letzte Wort sei.
10 Das Landgericht hat den Antrag auf Erlass der einstweiligen Verfügung zurückgewiesen. Streitgegenstand sei nur der geltend gemachte Verstoß
gegen die Preisangabenverordnung. Soweit in der Antragsbegründung gerügt werde, der Sternchenhinweis sei zu undeutlich und daher
irreführend, werde ein solcher Verstoß von dem eindeutigen Wortlaut des Antrags, der insoweit keinen Raum für Erweiterungen lasse, nicht
umfasst. Im Übrigen sei der Sternchenhinweis nach Ansicht der Kammer auch nicht zu beanstanden. Der vom Antrag umfasste Verstoß gegen §
1 PAngV liege nicht vor. Die Buchungsgebühr falle unabhängig von der Anzahl der Personen nur ein Mal an. Dann gebe es aber keine
praktikable Möglichkeit, den je nach Anzahl der Personen auf den Einzelpreis entfallenden variablen Anteil der Buchungsgebühr in den
werbemäßig hervorgehobenen Endpreis einzuberechnen. In diesem Fall reiche es aus, die zum Endpreis hinzu kommenden variablen Kosten so
anzugeben, dass sie der Verbraucher unschwer errechnen könne.
11 Mit seiner Berufung beanstandet der Kläger, das Landgericht habe verkannt, dass die Beklagte keine Gruppenreise, sondern eine Einzelreise
angeboten habe. Wolle eine Person diese Reise in Anspruch nehmen, müsse sie neben dem eigentlichen Reisepreis auch die Buchungsgebühr
zahlen, es handle sich also um einen Preisbestandteil, der in den Endpreis einzurechnen sei. Kosten fielen nur dann nicht unter die Verpflichtung
zur Endpreisangabe, wenn sie zum Zeitpunkt der Werbung noch nicht bekannt seien, wie laufzeit- oder verbrauchsabhängige Kosten. Die
Buchungskosten stünden demgegenüber mit 18,00 EUR fest. Auf die sich aus der fixen Buchungsgebühr für Gruppenreisen ergebenden
Preisreduzierung könne durch Rabatte hingewiesen werden, dies sei gängige Praxis. Die Beklagte verstoße zudem gegen die Preiswahrheit und
Preisklarheit, denn aufgrund einer eidesstattlichen Versicherung eines Dr. U vom 13.12.2004 habe sich ergeben, dass die Beklagte entgegen
ihren Angaben im erstinstanzlichen Verfahren nicht bereit sei, die Bestellung von 2 Doppelzimmern für 4 Personen als eine Buchung
aufzufassen; sie verlange hierfür 2 Buchungsgebühren. Aus diesem Grund sei die Werbung auch irreführend. Die konkrete Werbeanzeige werde
auch weiterhin unter diesem Gesichtspunkt beanstandet.
12 Der Kläger beantragt,
13
das Urteil des Landgerichts Freiburg vom 28.11.2004 – 10 O 118/04 – wie folgt abzuändern:
14
1. Die Verfügungsbeklagte wird verurteilt, es ab sofort zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs für
Urlaubsreisen unter Angaben von Preisen zu werben, die nicht die noch zusätzlich für jede Reisebuchung anfallende Buchungsgebühr
enthalten,
15
wenn dies geschieht wie in der als Anlage ASt 1 beigefügten Werbeanzeige in der "... Zeitung" vom 09. Oktober 2004.
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2. Der Verfügungsbeklagten wird für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen die Unterlassungsverpflichtung gemäß Ziffer 1 ein
Ordnungsgeld bis zu EUR 250.000,00, ersatzweise an ihrem Geschäftsführer zu vollziehende Ordnungshaft, oder Ordnungshaft bis zu
sechs Monaten angedroht.
17 Die Beklagte beantragt,
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die Berufung zurückzuweisen.
19 Die Beklagte bezweifelt die Eilbedürftigkeit, weil der Kläger sogar eine Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist beantragt habe. Eine
Verletzung der Preisangabenverordnung liege nicht vor, weil das Verhältnis zwischen Buchungs- und Reisekosten variabel sei. Buche eine
Person die angebotene Reise fielen 18,00 EUR an, buchten dagegen 2 Personen die Reise, fielen pro Person nur 9,00 EUR an. Soweit sich aus
der eidesstattlichen Versicherung des Dr. U ergebe, dass pro Zimmer eine Buchungsgebühr angefallen sei, ergebe sich dies aus den
Besonderheiten der Hotelbranche. Die Buchung eines jeden Zimmers werde – im Gegensatz zu reinen Flugreisen – als ein Buchungsvorgang
behandelt. Die vom Kläger ins Spiel gebrachte Möglichkeit, bei Buchungen von mehr als einer Person Rabatte anzubieten, sei nicht praktikabel
und viel verwirrender; sie habe sich nicht durchgesetzt. Buchungskosten seien vergleichbar mit Versandkosten, die mangels vorheriger Kenntnis
davon, inwieweit sie den Preis der Ware verhältnismäßig verteuerten, auch neben der eigentlichen Leistung ausgewiesen werden dürften.
Schließlich sei ein möglicher Verstoß gegen die Preisangabenverordnung nicht wettbewerbswidrig.
20 Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen, die Gegenstand der mündlichen
Verhandlung waren.
II.
21 Die zulässige Berufung hat Erfolg.
1.
22 Die Berufung scheitert nicht bereits daran, dass es dem Begehren des Klägers deshalb an der Eilbedürftigkeit und damit am Verfügungsgrund
fehlte, weil auf seinen Antrag hin die Berufungsbegründungsfrist verlängert wurde. Zwar kann die Dringlichkeit auch noch während des
Verfahrens entfallen, wenn der Antragsteller das Verfahren verzögert. Dies kann aber nicht allein mit der Begründung angenommen werden, der
Antragsteller habe einen Antrag auf Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist gestellt; vielmehr entscheiden dann die Umstände des
Einzelfalls (Baumbach/Hefermehl/Köhler, UWG, 23. Aufl., § 12 Rdn. 3.16). Danach ist die Dringlichkeit nicht entfallen. Zum einen handelt es sich
nämlich um einen rechtlich nicht ganz einfach gelagerten Fall und der Kläger hat, wie sich aus der Vorlage der eidesstattlichen Versicherung des
Dr. U ergibt, im tatsächlichen Bereich zusätzliche Ermittlungen angestellt. Zum anderen wurde die Fristverlängerung wegen Erkrankung des
zweitinstanzlichen Prozessbevollmächtigten des Klägers beantragt und die bis zum 01.03.2005 gewährte Fristverlängerung wurde bei weitem
nicht ausgeschöpft; vielmehr ging die Berufungsbegründung bereits am 09.02.2005 bei Gericht ein.
2.
23 Ohne Erfolg bleibt die Berufung allerdings, soweit die konkrete Werbeanzeige unter dem Gesichtspunkt beanstandet wird, die Preisangabe sei
irreführend, § 5 UWG, oder sie widerspreche dem Gebot der Preisklarheit, § 1 Abs. 5 PAngV.
24 Der Kläger hat zwar bereits in seiner Antragsschrift geltend gemacht, die herausgestellte Preisangabe ohne Berücksichtigung der
Buchungsgebühr sei irreführend; der Sternchenhinweis sei zu klein; er vermöge die Fehlvorstellung über den Reisepreis nicht zu beseitigen. Das
Landgericht hat insoweit aber zutreffend darauf hingewiesen, dass der Unterlassungsantrag auf einen Verstoß gegen § 1 Abs. 1 PAngV
zugeschnitten ist. Er umschreibt das Charakteristische einer Irreführung nicht (vgl. dazu BGH GRUR 1997, 479 = WRP 1997, 431 –
Münzangebot). Dies gilt auch, soweit die Beklagte, wie zweitinstanzlich unstreitig ist, bei der Buchung für Hotelzimmer als gebührenauslösende
"Buchung" nicht zwingend auf den tatsächlichen Akt einer Buchung auch für mehrere Personen abstellt, sondern bei der Buchung von
Hotelzimmern eine Buchungsgebühr auch dann pro gebuchtem Zimmer verlangt, wenn der Kunde mehr als nur ein Zimmer bucht. Daran ändert
auch nichts, dass im Antrag auf die konkrete Werbeanzeige Bezug genommen wird. Durch die Bezugnahme wird nicht die Werbung als solche
unter allen in Frage kommenden Wettbewerbsverstößen Gegenstand des Antrags. Vielmehr beschränkt sich der Antrag durch den Obersatz vor
der Bezugnahme auf den "wenn dies geschieht wie"-Zusatz auf einen Verstoß gegen § 1 Abs. 1 PAngV. Er ist lediglich geeignet, den einen
solchen Verstoß betreffenden Antrag näher zu charakterisieren, bzw. eine umfängliche Abweisung als z. B. zu weitgehend zu vermeiden.
25 Da es sich vorliegend um ein einstweiliges Verfügungsverfahren in der Berufungsinstanz handelt, kommt auch eine Anpassung des
Verfügungsantrags nach einem Hinweis des Senats zur sachgerechten Antragsstellung (§ 139 ZPO) nicht mehr in Betracht. Einem geänderten
Antrag würde es an der erforderlichen Dringlichkeit fehlen, nachdem die die Irreführung begründenden Tatsachen bereits seit der ersten
Abmahnung, spätestens aber mit Kenntnis der eidesstattlichen Versicherung des Dr. U, bekannt waren.
3.
26 Der geltend gemachte Unterlassungsanspruch ist aber wegen Verstoßes gegen § 1 Abs. 1 Satz 1 der PAngV begründet.
a)
27 Die Beklagte kann, auch wenn sie, wie sie erstinstanzlich angedeutet hat, nur Vermittler gewesen sein sollte (Baumbach/Hefermehl/Köhler, a. a.
O. Vorb. PAngV Rdn. 1; BGH GRUR 2001, 1166 – Fernflugreise), gegen § 1 Abs. 1 Satz 1 PAngV verstoßen haben, wenn sie in ihrer Anzeige für
Reisen mit Preisangaben geworben hat, ohne die zu zahlenden Endpreise anzugeben. Endpreise sind nach der Legaldefinition des § 1 Abs. 1
Satz 1 PAngV die Preise, die einschließlich der Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile unabhängig von einer Rabattgewährung zu
zahlen sind. Nach dem Zweck der Preisangabenverordnung soll dem Verbraucher Klarheit über die Preise und deren Gestaltung verschafft und
zugleich verhindert werden, dass er seine Preisvorstellungen anhand untereinander nicht vergleichbarer Preise gewinnen muss.
Dementsprechend ist dann, wenn unter Angabe von Preisen für Leistungen geworben wird, die aus der Sicht der Letztverbraucher als
einheitliches Leistungsangebot und Gegenstand eines einheitlichen Vertragsschlusses erscheinen, ein sich auf das einheitliche
Leistungsangebot insgesamt beziehender Endpreis anzugeben. Die Werbung der Beklagten enthält aus der Sicht der Letztverbraucher
einheitliche Leistungsangebote, die nicht nur den Flug selbst umfassen, sondern auch die Begleichung derjenigen Leistungen Dritter, die bei
jeder Flugreise in Anspruch genommen werden müssen, nämlich der Flughafen-, Sicherheitsgebühren u. ä. sowie der bei der Flugreise
anfallenden Steuern, die ausdrücklich im Sternchenhinweis genannt sind (vgl. auch Völker, Preisangabenrecht, 2. Aufl., § 1 PAngV Rdn. 56). Für
die Buchungsgebühr, die bei Buchung der Reise über die Beklagte zwingend anfällt, gilt nichts anderes, denn der Erwerb einer Urlaubsreise
ohne Zahlung dieser Gebühr ist nicht möglich.
b)
28 Die nach § 1 Abs. 1 Satz 1 PAngV bestehende Verpflichtung zur Angabe der Endpreise ist unabhängig davon, ob der Verkehr bei Angeboten
einer bestimmten Art daran gewöhnt ist, den Endpreis anhand angegebener Preisbestandteile zusammenzurechnen (vgl. dazu BGH GRUR
1981, 140, 141 – Flughafengebühr), oder davon, ob die Errechnung des Endpreises anhand der Preisbestandteile, die in der Werbung genannt
sind, für einen durchschnittlichen Letztverbraucher einfach oder schwierig ist (vgl. BGH GRUR 1999, 762, 763 = WRP 1999, 845 – Herabgesetzte
Schlußverkaufspreise). Wie der Bundesgerichtshof (GRUR 2001, 1166 = WRP 2001, 1301 – Fernflugreise) ausgeführt hat, entfällt die Pflicht des
Werbenden, Endpreise anzugeben, grundsätzlich auch nicht deshalb, weil die Flugreisen zu bestimmten Zielen je nach dem Reisetag, den
Abflugs- und Ankunftszeiten und der Reiseroute unterschiedlich mit Steuern und Gebühren belastet sind. Jede einzelne Urlaubsreise hat einen
bestimmten Preis, da die Preisbestandteile insoweit jeweils grundsätzlich feststehen. Die Angaben sind dann nicht in dem Sinne variabel, dass
es sich um verbrauchsabhängige Bestandteile handelt. Dies gilt im vergleichbaren Fall der Buchungsgebühr. Auch soweit die tatsächliche
Anzahl der Personen, für die gebucht werden soll, zum Zeitpunkt der Werbung noch nicht feststeht, steht aber die Höhe der Gebühr, die auf eine
Person entfällt, und damit der jeweilige Endpreis pro Person fest; bei einer Buchung für 2 Personen beträgt sie 9,00 EUR, für 3 Personen 6,00
EUR, für 4 Personen 4,50 EUR, für 10 Personen 1,80 EUR etc. Dies gilt insbesondere für den vorrangig beworbenen Fall der Buchung eines
Doppelzimmers, denn dort gibt es nur zwei Möglichkeiten, nämlich den Normalfall der Buchung eines Doppelzimmers durch 2 Personen oder
den eher selteneren Fall der Buchung eines Doppelzimmerplatzes durch eine Einzelperson. Wenn die Beklagte unter diesen Umständen mit
Preisbestandteilen wirbt, hat sie grundsätzlich den im Einzelfall tatsächlich zu entrichtenden Endpreis anzugeben. Dies bedeutet nicht, dass die
Beklagte im Ergebnis auf Werbung für die von ihr angebotenen Reisen verzichten müsste (BGH a. a. O: – Fernflugreise). So kann sie z. B. in der
Weise werben, dass sie Flüge und Urlaubsreisen "ab" einem bestimmten Preis anbietet und in der Werbung erläutert, warum ein bestimmter
Preis nicht genannt wird. Ob diese Erleichterung auch bei der Werbung für eine Urlaubsreise mit Unterbringung im Doppelzimmer eingreift, kann
dahinstehen; hier drängt sich allerdings angesichts der Tatsache, dass für jede Buchung eines Doppelzimmers eine Gebühr anfällt, die Frage
auf, ob nicht für die allein in Frage kommenden beiden Möglichkeiten – Buchung einer Reise mit Doppelzimmer von einer oder von 2 Personen –
entsprechende Endpreise anzugeben sind (vgl. dazu BGH GRUR 2001, 446 = WRP 2001, 392 – 1-Pfennig-Farbbild; Harte/Henning/Völker,
UWG, § 1 PAngV Rdn. 15; Gloy/Loschelder/Helm, Handbuch des Wettbewerbsrechts, 3. Aufl., § 59 Rdn. 10; Köhler/Piper, UWG, 3. Aufl., § 1
PAngV Rdn. 2; Völker a. a. O. Rdn. 40; vgl. auch OLG Frankfurt NJW-RR 1988, 555); gegebenenfalls könnte auch der Normalfall der Buchung
von 2 Personen für eine Doppelzimmer mit "ab ..." beworben – und die Zusatzkosten für den eher außergewöhnlichen Fall einer Buchung eines
Einzelreisenden für ein Doppelzimmer – ausreichend kenntlich gemacht und erläutert werden. Diese Frage kann aber dahinstehen, weil die
Werbung auch im Übrigen den Anforderungen, unter denen auf einen korrekt angegebenen Endpreis inklusive aller Preisbestandteile verzichtet
werden könnte, nicht gerecht wird. So enthält der im Mittelpunkt beworbene Preis für die 9-Tagesreise in der Türkei für 345,00 EUR keinen "ab"-
Zusatz und bei den weiter genannten Preisen ist der "ab"-Zusatz drucktechnisch derart klein gestaltet, dass er ohne Zuhilfenahme von Sehhilfen
kaum zu lesen ist. Außerdem ergibt sich der Preisbestandteil "Buchungsgebühr" auch nicht mit der erforderlichen Klarheit aus der Erläuterung im
Sternchenhinweis, denn dieser lässt sich nicht mit der erforderlichen Klarheit entnehmen, dass im Falle der Buchung von zwei Doppelzimmern
nicht die Buchung als solche, sondern die Buchung der jeweiligen Wohneinheit, die Buchungsgebühr auslöst. Soweit die Beklagte darauf
hinweist, dass im Versandhandel eine Werbung zulässig ist, ohne die jeweiligen Endpreise inklusive der Versandkosten angeben zu müssen,
verkennt sie zum einen, dass der Verkehr im Versandhandel gewohnt ist, dass Versandkosten hinzu kommen können; zum anderen sieht § 1
Abs. 2 Nr. 2 PAngV diesen Fall ausdrücklich vor und regelt, dass hierüber ausdrücklich Auskunft zu geben ist (vgl. dazu BGH GRUR 1997, 479 =
WRP 1997, 431 – Münzangebot).
29 Der geltend gemachte Unterlassungsanspruch ist in vollem Umfang zuzusprechen. Allerdings würde der Antrag ohne den "wenn dies geschieht
wie"-Zusatz, der keinen Bezug zur konkreten Verletzungsform hätte, zu weit gehen, denn er würde die Angaben eines Endpreises für alle Arten
von Urlaubsreisen, mithin auch für solche verlangen, in denen es nicht nur um die Vermittlung eines Doppelzimmers geht und die
Voraussetzungen für das Entstehen der Buchungsgebühr ausreichend klar und verständlich erläutert sind und der angesprochene
Letztverbraucher anhand dieser Angaben den Endpreis ohne weiteres errechnen könnte. Damit würde der Antrag das Charakteristische der
beanstandeten Werbung jedenfalls teilweise nicht zum Ausdruck bringen und über eine noch zulässige Verallgemeinerung der beanstandeten
Verhaltensweise hinausreichen (BGH GRUR 2001, 446 – 1-Pfennig-Farbbild m. w. N.). Durch den "wenn dies geschieht wie"-Zusatz ist
Gegenstand des mit der Klage geltend gemachten Unterlassungsantrags aber die konkrete Verletzungsform, auf die der Antrag – ungeachtet der
in ihm enthaltenen abstrakten Beschreibung der angegriffenen Wettbewerbshandlung – durch den Hinweis "... wenn dies geschieht wie in der als
Anlage ASt 1 beigefügten Werbeanzeige in der ... Zeitung vom 9. Oktober 2004" Bezug nimmt (BGHReport 2002, 78; BGH GRUR 2004, 605 =
WRP 2004, 735 – Dauertiefpreise).
c)
30 Der beanstandete Verstoß gegen die Preisangabenverordnung beinhaltet zugleich einen Verstoß gegen §§ 3, 4 Nr. 11 UWG. Er beeinträchtigt in
seiner konkreten Form den Wettbewerb zum Nachteil der Mitbewerber und der Verbraucher nicht nur unerheblich. Die Werbung ist daher
unzulässig und zu verbieten, § 3 UWG.
31 Bei der Frage, ob der Wettbewerb nicht nur unerheblich beeinträchtigt wird, ist darauf abzustellen, ob ein durchschnittlich informierter,
aufmerksamer und verständiger Durchschnittsverbraucher durch die Angabe irregeführt oder ein Preisvergleich für ihn nicht nur unerheblich
erschwert wird. Das ist grundsätzlich nicht der Fall, wenn bei einer Werbung für Flüge in einer übersichtlich gestalteten Anzeige der Verbraucher
die genannten Preise (z. B. "ab"-Preise plus Buchungsgebühr) als Bestandteile der Endpreise ohne weiteres einander zuordnen und die
Endpreise ohne Schwierigkeiten berechnen kann (Baumbach/Hefermehl/Köhler, a. a. O. Vorb. PAngV Rdn. 5; BGH GRUR 2004, 435 = WRP
2004, 490 – FrühlingsgeFlüge; BGH Report 2004, 676). Wird die Möglichkeit des Preisvergleiches durch den Letztverbraucher erheblich
erschwert oder erscheint durch den Verstoß gegen die PAngV das Angebot des Werbenden besonders günstig, so ist die Eignung zur
wesentlichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs dagegen zu bejahen (Gloy/Loschelder/Helm, a. a. O. § 59 Rdn. 21). Danach stellt die Werbung
in der konkreten Form eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung dar, denn weder enthält sie einen deutlichen Hinweis darauf, dass es sich um
einen Mindestpreis handelt ("ab"-Zusatz), noch lässt sich den Erläuterungen zum Sternchenhinweis mit der erforderlichen Klarheit entnehmen,
dass im Falle der Buchung von Wohneinheiten, z. B. von zwei Doppelzimmern, nicht die Buchung als solche, sondern die Buchung der
jeweiligen Wohneinheit die Buchungsgebühr auslöst. Auch soweit ein verständiger Durchschnittsverbraucher die Entscheidung für das Angebot
einer Urlaubsreise erst nach reiflicher Überlegung treffen wird, hat er keine Anhaltspunkte dafür, dass eine Buchungsgebühr – abweichend vom
Wortlaut – für jede Buchung einer Wohneinheit anfällt. Dass der angesprochene Verkehr weiß, dass die Buchungsgebühr in diesem Sinne zu
verstehen ist, hat die Beklagte noch nicht einmal behauptet. Aus ihrem erstinstanzlichen Vortrag und den dazu vorgelegten Anlagen B 7 und 8
ergibt sich vielmehr das Gegenteil. Auch dem Senat, der zu den angesprochenen Verkehrskreisen gehört und die Frage einer möglichen
Irreführung aus eigener Anschauung beurteilen kann, ist nicht geläufig, dass die Buchungsgebühr in diesem Sinne verstanden wird. Zudem wird
der Preisvergleich durch diese Art der Werbung erschwert. Demgegenüber würde es an einer nicht nur unerheblichen Beeinträchtigung des
Wettbewerbs fehlen, soweit der Antrag des Klägers über die konkrete Verletzungsform hinausginge und er die Angaben eines Endpreises auch
in den Fällen verlangen würde, in denen die Voraussetzungen für das Entstehen der Buchungsgebühr ausreichend klar und verständlich
erläutert sind und der angesprochene Letztverbraucher anhand dieser Angaben den Endpreis ohne weiteres errechnen kann (BGH GRUR 2004,
435 = WRP 2004, 490 – FrühlingsgeFlüge; BGH Report 2004, 676).
4.
32 Die Entscheidung über die Kosten folgt aus § 91 ZPO.