Urteil des OLG Düsseldorf vom 07.04.2006
OLG Düsseldorf: gerichtshof der europäischen gemeinschaften, widerrufsrecht, beitrittserklärung, darlehensvertrag, wohnung, urkunde, vertreter, treuhänder, kausalität, vollmachten
Oberlandesgericht Düsseldorf, I-16 U 113/05
Datum:
07.04.2006
Gericht:
Oberlandesgericht Düsseldorf
Spruchkörper:
16. Zivilsenat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
I-16 U 113/05
Vorinstanz:
Landgericht Wuppertal, 19 O 479/04
Tenor:
Die Berufung der Kläger gegen das am 22. Juni 2005 verkündete Urteil
der 19. Zivilkammer des Landgerichts Wuppertal wird auf ihre Kosten
zurückge-wiesen.
Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.
Den Klägern wird nachgelassen, die Zwangsvollstreckung durch
Sicherheits-leistung in Höhe von 110 % des aufgrund dieses Urteils
vollstreckbaren Be-trages abzuwenden, wenn nicht die Beklagte vor der
Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des jeweils zu
vollstreckenden Betrages leistet.
Die Sicherheitsleistungen können auch durch Bürgschaft eines der
Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
unterliegenden Kreditin-stituts erbracht werden.
G r ü n d e:
1
I.
2
Die Kläger, ein Ärzteehepaar, beteiligten sich mit dem Ziel einer steuersparenden
Kapitalanlage durch Beitrittserklärung vom 22. November 1990 (Bl. 20, 21 GA) an dem
geschlossenen Immobilienfonds "B... GbR" (im Folgenden: die Gesellschaft, der Fonds
oder die Fondsgesellschaft). Der Fonds war von der S... GmbH in H... konzipiert worden.
Das Konzept sah die Tätigkeit von mit ihm verbundenen Gesellschaften, der T... GmbH
in B... und der C... GmbH in G..., als Treuhänder oder Geschäftsbesorgungstreuhänder
vor. Die Beklagte gewährte sowohl der Gesellschaft als auch beitretenden Anlegern
Kredite. Hinsichtlich der Anleger trat die T... GmbH als Vermittlerin auf und
unterzeichnete die Darlehensverträge im Namen der Anleger.
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Auf dieser Grundlage kam es auch zum Abschluss mehrere Kreditvereinbarungen
zwischen den Parteien. Die Kläger unterzeichneten zunächst die bereits genannte
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Beitrittserklärung unter dem 22. November 1990, unter dem 26. November 1990
unterzeichneten Vertreter der T... GmbH und der S... GmbH die vorgedruckte auf
demselben Formular befindliche Erklärung: "Wir nehmen die Aufträge an". Die
Beitrittserklärung enthält folgende Erklärung:
"Wir verpflichten uns, der C... GmbH ... und der T... GmbH ... Angebote auf
Abschluss der uns bekannten Geschäftsbesorgungsverträge abzugeben, in denen
die Vorgenannten als externer Treuhänder bzw. Geschäftsbesorgungstreuhänder
zur Vornahme aller mit dem Erwerb der Beteiligung zusammenhängenden
Rechtshandlungen und Rechtsgeschäfte beauftragt und bevollmächtigt werden.
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Wir beauftragen die S... GmbH, die für die Konzeption und Zusammenführung der
Investoren zuständig ist, uns die vorbereiteten Angebote zum Abschluss der
vorgenannten Geschäftsbesorgungsverträge zuzusenden. Wir werden die notarielle
Beurkundung der Vertragsangebote unverzüglich vornehmen lassen. Wir haben
folgenden Notar vorgesehen: H... ... O... . Der Notartermin ist für den 27.11.90
vereinbart.
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Ferner beauftragen und bevollmächtigen wir schon jetzt die T... und die C..., für uns
alle zur Vorbereitung der Durchführung der Investition zweckdienlichen
Rechtshandlungen und Rechtsgeschäfte vorzunehmen.
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Wir bestätigen, den Prospekt (Teil I + II) erhalten und insbesondere von dem Inhalt
der darin aufgeführten Verträge und den Auswirkungen über die wirtschaftlichen und
steuerlichen Vorteile und Risiken des Angebotes Kenntnis genommen zu haben.
Unsere Entscheidung, uns an der BGB-Gesellschaftt als Investor zu beteiligen,
erfolgt ausschließlich aufgrund der in den genannten Unterlagen enthaltenen
Informationen und nicht aufgrund eines besonderen Vertrauens in den
Vertriebsbeauftragten, der für die Entwicklung keine Haftung übernimmt."
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Am 27. November 1990 beurkundete der Notar R... M... in O... "Angebote zum Abschluss
von Geschäftsbesorgungsverträgen sowie Vollmachten". Als Erschienene sind in der in
Fotokopie zu den Akten gereichten, als Ausfertigung bezeichneten Urkunde aufgeführt
die Kläger, "vertreten durch den vollmachtlosen Vertreter Herrn J... K... ... O...". Wegen
des Inhalts und Umfangs der beurkundeten Vertragsangebote an die T... GmbH und die
C... GmbH und der ihnen erteilten Vollmachten wird auf die Anlage B2 (Bl. 81 ff. GA)
Bezug genommen. Auf Seite 17-18 der Urkunde heißt es: "Der Investor beantragt,
jeweils eine Ausfertigung der T..., dem externen Treuhänder, Notar K... M... und der D...
AG, Filiale W..., und ihm eine beglaubigte Abschrift dieser Urkunde zu erteilen." Das
vollmachtlose Handeln des J... K... genehmigten die Kläger mit einer am 20. Dezember
1990 vor einem Notar in L... abgegebenen Erklärung (Bl. 200 GA), was sie in erster
Instanz noch bestritten haben (Bl. 155 GA).
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Am 7. Dezember 1990 schloss die T... GmbH verschiedene Verträge über steuerliche
Betreuung, Finanzierungsvermittlung- und bearbeitung, etc. (Einzelheiten Bl. 15 GA) im
Namen der Kläger mit sich selbst oder mit Dritten ab. Danach schuldeten die Kläger
ihren Vertragspartnern jeweils bestimmte Vergütungen.
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Nach Erteilung der Vollmacht setzte sich die T... GmbH ferner mit der Beklagten in
Verbindung und beauftragte sie mit der Erteilung von Kreditmitteln. Vor Abschluss des
ersten Kreditvertrags mit den Klägern, nämlich bereits bei der ersten
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Finanzierungsanfrage für die Kläger lag der Beklagten die für sie bestimmte
Ausfertigung der notariellen Urkunde vom 27. November 1990 vor. Die Beklagte wandte
sich mit Schreiben vom 21. Dezember 1990 (Anlage 3 zur Klageschrift = Bl. 22 GA),
dem ein weiteres Schreiben gleichen Datums, welches die Beklagte als
Finanzierungszusage bezeichnet, beigefügt war, an die Kläger. In diesem Schreiben
heißt es:
"... die von Ihnen bevollmächtigte Firma T... ... GmbH, B..., hat unser Haus mit der
Finanzierung des oben genannten Objektes beauftragt und die hierfür notwendigen
Kreditmittel beantragt.
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Wir sind gerne bereit – vorbehaltlich einer positiv abzuschließenden
Bonitätsprüfung –, die erforderlichen Kreditmittel zur Verfügung zu stellen.
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Um die finanzielle Abwicklung zu gewährleisten, hat die T... GmbH zwischenzeitlich
ein Konto – lautend auf Ihren Namen – mit der Nr. .... in unserem Hause
vollmachtsgemäß für Sie eröffnet.
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Zum Zwecke Ihres Einverständnisses wollen Sie bitte die beigefügte Kopie dieses
Schreibens an der gekennzeichneten Stelle unterzeichnen und uns im beigefügten
Freiumschlag kurzfristig wieder zurücksenden.
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Im Falle einer Finanzierungsübernahme durch unser Haus stützen wir uns
maßgeblich auf Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse, die uns noch
nachzuweisen sind. Für die mit dieser Investition angestrebten steuerlichen Vorteile
können wir eine Gewähr selbstverständlich nicht übernehmen, da die Konzeption
nicht von uns geprüft wurde."
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Die dem Schreiben beigefügte Kopie des zweiten Schreibens vom 21. Dezember 1990
(Anlage B3 = Bl. 102-103 GA) unterzeichneten die Kläger und sandten sie an die
Beklagte zurück. Dort heißt es u.a.: "Ihr Einverständnis mit den vorgenannten
Kreditvereinbarungen bitten wir, auf der beigefügten Briefkopie durch Unterzeichnung
und Rückgabe an uns zu bestätigen."
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Die Beklagte gewährte den Klägern sodann zunächst einen Zwischenkredit. Zum
Zwecke der Ablösung der Zwischenfinanzierung wurde am 23. April 1992 (Bl. 63 und
23-26 GA) ein weiterer Darlehensvertrag abgeschlossen, bei welchem wiederum die T...
GmbH im Namen der Kläger tätig wurde. Die Einzelheiten hierzu ergeben sich aus Bl.
104-106 GA. Mit diesem Darlehen wurde die Einlageverpflichtung der Kläger aus dem
Fondsbeitritt beglichen. Nach Ablauf der Zinsfestschreibung unterzeichneten die Kläger
am 12. Mai 2002 einen weiteren Vertrag, der mit "Prolongation zum 01.05.2002"
überschrieben war (Bl. 107 GA).
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Im Jahre 1991 nahm die Fondsgesellschaft bei der D... F... AG (heute: E... AG Frankfurt)
ein Darlehen über insgesamt ca. 2,2 Mio. Euro auf, das letztmalig am 1. Oktober 1992
angepasst wurde. Im Februar 1992 gewährte die Beklagte der Gesellschaft ein
Darlehen über knapp 250.000,-- Euro, das zwischenzeitlich vollständig abgelöst worden
ist.
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Mit Anwaltsschreiben vom 8. Dezember 2004 (Anlage 6 = Bl. 30 ff. GA) widerriefen die
Kläger gegenüber der Beklagten die auf den Abschluss des
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Zwischenfinanzierungsvertrags, des Darlehensvertrags "vom 30.03.1992" und seine
Verlängerung gerichteten Willenserklärungen nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 HWiG. Ferner
machten sie Schadensersatzansprüche, die ihnen gegenüber der Fondsgesellschaft,
den Treuhänderinnen und der M... H... GmbH zustehen sollen, gegen die Beklagte "im
Wege des Durchgriffs nach § 9 VerbrKrG" geltend. Sie begehrten die Rückerstattung
gezahlter Zinsen, Freigabe bestellter Sicherheiten und Ersatz des Schadens wegen des
eingebrachten Eigenkapitals und der insoweit entgangenen Zinsen. Auf die
Aufforderung, die Ansprüche dem Grunde nach anzuerkennen oder zumindest einen
Verzicht auf die Einrede der Verjährung für sechs Monate zu erklären, reagierte die
Beklagte nicht.
Die Kläger haben behauptet, sie seien im Herbst 1990 von dem Versicherungsmakler
der H... GmbH, die damals als M... H... ... GmbH firmierte, Herrn J... K..., in ihrer
Wohnung aufgesucht worden. Der Vertreter habe sie dahingehend beraten, zum
Zwecke der Steuerersparnis einen Gesellschaftsanteil an der Fondsgesellschaft in
Höhe von 100.000,-- DM zu zeichnen. Er habe vorgeschlagen, lediglich einen Teil von
30.000,-- DM sowie das an die S... GmbH zu zahlende Agio von 5.000,-- DM durch
Eigenkapital aufzubringen und den Rest durch die Beklagte finanzieren zu lassen. Über
die mit dem Fondsbeitritt verbundenen Risiken seien die Kläger nicht aufgeklärt worden.
Der ihnen übergebene Beteiligungsprospekt (von der Beklagten vorgelegt als Anlage
B1 = Bl. 76 ff. GA) hinsichtlich der Fondsgesellschaft sei unvollständig und fehlerhaft
gewesen (Bl. 13 GA); sie hätten den Prospekt auch noch nicht zu diesem Zeitpunkt
erhalten (Bl. 155 GA). Sie hätten ihre Beitrittserklärung noch bei diesem
Beratungsgespräch in der Wohnung abgegeben. Ein sonstiger persönlicher Kontakt
habe nicht stattgefunden. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Abschluss des
Darlehensvertrags habe keinerlei Beratung stattgefunden.
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Der Fonds habe sich von Anfang an nicht so entwickelt, wie dies im Prospekt dargelegt
worden sei. Vielmehr seien die Kläger und die weiteren Gesellschafter nahezu von
Anfang an gezwungen gewesen, Nachschüsse zu leisten. Ausschüttungen seien an die
Kläger nie erfolgt. Mittlerweile seien die Anteile vollkommen wertlos; insoweit verweisen
die Kläger auf die Gesellschafterinformation der S... ... GmbH vom 3. Dezember 2004
(Bl. 160 ff. GA).
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Die Kläger hätten erhebliche Zahlungen sowohl an die Beklagte als auch an die
Fondsgesellschaft sowie Dritte geleistet (die Einzelheiten ergeben sich aus Bl. 16-18
und 156-157 GA). Insgesamt seien ihnen für die Fondsbeteiligung Aufwendungen von
47.627,54 Euro entstanden. Dies könne die Beklagte nicht bestreiten, da sämtliche Zins-
und Tilgungsleistungen auf das im Darlehensvertrag genannte Konto erfolgt seien.
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In rechtlicher Hinsicht sei auszuführen, dass die den beiden Gesellschaften erteilten
Vollmachten nichtig seien, weil sie nicht über eine Erlaubnis nach dem
Rechtsberatungsgesetz verfügten. Dies führe zwangsläufig zur Nichtigkeit der
Darlehensverträge zwischen den Parteien und der sonstigen von der T... GmbH
vermittelten Verträge. Auf die Grundsätze der Rechtsscheinsvollmacht könne sich die
Beklagte nicht berufen. Die Vollmacht sei von dem vollmachtlosen Vertreter J... K... im
Namen der Kläger erteilt worden. Sein Handeln sei nicht genehmigt worden.
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Der Darlehensvertrag enthalte zudem nicht die Mindestangaben nach § 4 VerbrKrG,
was nach § 6 VerbrKrG ebenfalls die Nichtigkeit zur Folge habe. Dieser Mangel sei
nicht nach § 6 Abs. 2 VerbrKrG geheilt worden, weil die Beklagte und die
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Fondsgesellschaft sich derselben Vertriebsorganisation bedient hätten und daher ein
verbundenes Geschäft im Sinne des § 9 VerbrKrG vorliege. Aus dem Umstand, dass die
Beklagte bereits in der notariellen Urkunde vom 27. November 1990 erwähnt sei und die
Konten sämtlicher beteiligten Gesellschaften ebenfalls bei der Beklagten geführt worden
seien, ergebe sich, dass sie zu den Initiatoren des Anlagemodells gehört habe. Ebenso
sei die Gesamtfinanzierung des Objekts durch die Beklagte erfolgt. Es werde bestritten,
dass andere Banken zum Zwecke der Erwerberfinanzierung kontaktiert worden seien.
Nach Kenntnis der Kläger seien sämtliche Anteilsfinanzierungen über die Beklagte
erfolgt. Die Beklagte habe mit den Treuhändern von vornherein eine
Erwerberfinanzierung vereinbart (Bl. 158 GA).
Darüber hinaus liege hinsichtlich des Fondsbeitritts eine Haustürsituation im Sinne des
HWiG vor. Die Haustürsituation sei der Beklagten zuzurechnen. Eine Belehrung über
das Widerrufsrecht sei nicht erfolgt. Aufgrund der Prolongation sei das Widerrufsrecht
nicht entfallen. Der Widerruf der auf Abschluss der Darlehensverträge gerichteten
Willenserklärungen sei erklärt worden. Die Kläger seien nicht verpflichtet, die
Darlehensvaluta an die Beklagte zurückzuzahlen, sondern nur den Gesellschaftsanteil
abzutreten. Die Beklagte schulde hingegen Rückzahlung der Zins- und Tilgungsraten.
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Im Übrigen seien die Kläger beim Fondsbeitritt von der Fondsinitiatorin, der S:: GmbH
sowie den mit dieser verbundenen Gesellschaften, über die Rentabilität des Fonds
getäuscht worden. Hieraus bestehende Schadensersatzansprüche könnten sie auch
gegen die Beklagte geltend machen. Die Beklagte habe sie so zu stellen, wie sie
stünden, wenn sie dem Fonds nicht beigetreten wären und den Kreditvertrag nicht
abgeschlossen hätten.
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Verjährung sei nicht eingetreten. Die Rückzahlungsansprüche der Kläger seien erst mit
dem Widerruf vom 8. Dezember 2004 entstanden.
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Die Kläger haben beantragt,
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die Beklagte zu verurteilen, an sie als Gesamtgläubiger 47.627,54 Euro nebst
Zinsen in Höhe von 5 % p.a. über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit Zug
um Zug gegen Abtretung der Gesellschaftsanteile der Kläger an dem
geschlossenen I::: " GbR zu zahlen,
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sowie festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, ihnen als
Gesamtgläubigern sämtlichen zukünftigen Schaden aus der Beteiligung an dem
geschlossenen I::: " GbR zu ersetzen.
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Die Beklagte hat beantragt,
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die Klage abzuweisen.
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Sie hat vorgetragen, die hier streitgegenständlichen Fragen seien bereits
höchstrichterlich im Sinne der Beklagten geklärt worden. Sie könne sich auf
Vertrauensschutz kraft Rechtsscheinvollmacht bei Abschluss des Darlehensvertrags
berufen. Die Geltendmachung der Unwirksamkeit sei zumindest treuwidrig. Die
Entscheidungen des II. Zivilsenats des BGH, auf welche sich die Kläger beriefen, seien
durch Entscheidungen des XI. Zivilsenats mittlerweile überholt. Eine Haustürsituation
habe nicht vorgelegen. Der Klägervortrag, wie es zur Beteiligung der Kläger gekommen
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sei, werde in vollem Umfang mit Nichtwissen bestritten (Bl. 61 GA). Dies gelte auch für
die behaupteten unterlassenen Risikoaufklärungen.
Die Beitrittserklärung der Kläger sei nicht bereits am 22. November 1990, sondern erst
später durch den externen Treuhänder im Namen der Kläger abgegeben worden. Mit
dem als Anlage B3 vorgelegten Scheiben vom 21. Dezember 1990 hätten die Kläger
den Zwischenfinanzierungsvertrag persönlich abgeschlossen. Der Vertrag vom 12. Mai
2002 / 5. Juni 2002 stelle einen neuen Darlehensvertrag dar.
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Die Höhe der Zins- und Tilgungsleistungen werde bestritten. Mit Nichtwissen werde
bestritten, dass die Kläger 35.000,-- DM an Eigenkapital aufgewendet und Nachschüsse
von 2.800,-- DM geleistet hätten.
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Ein verbundenes Geschäft liege nicht vor. Die – ohnehin falschen – Behauptungen der
Kläger ließen eine solche Schlussfolgerung nicht zu. Die Beklagte habe weder die S:::
GmbH noch die T::: GmbH noch einen Vermittler beauftragt. Der Anstoß sei vielmehr
durch die Treuhänderin erfolgt, die im Namen der Kläger und anderer Erwerber um
Darlehen nachgesucht hätte. Sie hätten auch andere Banken kontaktiert. Die Beklagte
habe sich auf ihre Rolle als Kreditgeberin beschränkt. In das Zustandekommen des
Fonds, seine Planung, Konzeption und seinen Vertrieb sei sie nicht eingeschaltet
gewesen. Sie habe sich der Treuhänder auch nicht bedient. Sie habe insoweit nichts
unternommen und nichts abgesprochen. Nicht einmal die Erwerberfinanzierung sei
vorab vereinbart gewesen, auch wenn sie möglicherweise sämtliche Erwerber finanziert
haben sollte (Bl. 184 GA). Hinsichtlich der Konten der S::: GmbH und der T::: GmbH sei
die Beklagte lediglich kontoführende Stelle gewesen. Die Kosten aus sonstigen
Verträgen seien den Klägern aus der Anlage zum Geschäftsbesorgungsvertrag bekannt
gewesen. Dass die Fondsbeteiligung wertlos sei, werde bestritten.
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Die Beklagte könne sich auf die Grundsätze der Rechtsscheinvollmacht berufen, da ihr
eine Ausfertigung der Vollmacht vorgelegen habe. Mit dem Abschluss des
Prolongationsvertrags hätten die Kläger den Darlehensvertrag aus dem Jahre 1992
ausdrücklich genehmigt. Die Berufung der Kläger auf die Nichtigkeit sei zumindest
treuwidrig, nachdem sie die Prolongation vereinbart haben. Vorsorglich werde die
Einrede der Verjährung erhoben, soweit die Rückzahlung von in den Jahren bis 1999
geleisteten Zahlungen begehrt werde.
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Ein Verstoß gegen die Angabeerfordernisse des § 4 Abs. 1 Satz 5 VerbrKrG liege nicht
vor. Konkretes sei auch nicht vorgetragen. Durch die Auszahlung des Kredits seien
etwaige Mängel nach § 6 VerbrKrG geheilt. Ein verbundenes Geschäft im Sinne des § 9
VerbrKrG bestehe nicht. Diese Regelung sei ohnehin nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 VerbrKrG
nicht anwendbar. Daran scheitere auch ein Einwendungsdurchgriff.
Schadensersatzansprüche gegen die Initiatoren des Fonds seien nicht schlüssig
dargetan und zudem verjährt.
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Ein Widerrufsrecht nach § 1 HWiG bestehe nicht. Es fehle an der Haustürsituation.
Hierfür sei nicht die Haustürsituation des Vertretenen bei Vollmachtserteilung, sondern
die des Vertreters bei dem Abschluss des Darlehensvertrags maßgeblich. Eine solche
werde von den Klägern jedoch nicht vorgetragen und habe auch nicht bestanden. Im
Übrigen fehle es an der Kausalität der Haustürsituation, weil zwischen dem behaupteten
Beratungsgespräch und dem Abschluss des Zwischenfinanzierungsvertrags
mindestens ein Monat gelegen habe. Im Falle eines wirksamen Widerrufs seien die
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Kläger zur Rückzahlung des Darlehens nebst marktüblicher Zinsen verpflichtet.
Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Die Darlehensverträge seien nicht nichtig.
Die Beklagte könne sich auf Rechtsscheinsgrundsätze berufen, weil ihr bei Abschluss
der Verträge unstreitig die für sie bestimmte Vollmacht vorgelegen habe. Der Einwand
der Kläger, das vollmachtlose Handeln ihres Vertreters im Notartermin sei von ihnen
nicht genehmigt worden, sei widerlegt. Die mündliche Verhandlung sei deswegen nicht
wiederzueröffnen gewesen, weil die Beklagte mit der Vorlage der Genehmigung der
Kläger nur ihren bisherigen Vortrag belegt habe. Ferner hätten die Kläger im Jahre 2002
eine Prolongation vereinbart, worin eine ausdrückliche Genehmigung erblickt werden
müsste, wenn es darauf noch ankäme.
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§ 6 Abs. 1 VerbrKrG greife nicht ein. Die Kläger hätten schon nicht vorgetragen, welche
Angaben sie vermissten. Im Übrigen wäre jedenfalls Heilung nach § 6 Abs. 2 VerbrKrG
eingetreten, weil die Valuta an die Fondsgesellschaft ausgezahlt worden sei.
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Ein verbundenes Geschäft liege nicht vor. Eine Einbindung der Beklagten in
Organisation, Struktur und Vertrieb sei nicht erkennbar. Außerdem greife § 3 Abs. 2 Nr. 2
VerbrKrG ein, so dass die Anwendbarkeit der §§ 7, 9 VerbrKrG ausgeschlossen sei.
Mangels eines verbundenen Geschäfts scheide auch ein Einwendungsdurchgriff aus.
Pflichtverletzungen der Beklagten in dem sie originär treffenden Bereich der
Kreditanbahnung seien nicht ersichtlich.
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Aus dem Haustürwiderrufsgesetz könnten die Kläger nichts Rechtserhebliches
herleiten. Bei Einschaltung eines Vertreters komme es auf die Haustürsituation des
Vertreters, nicht des Vertretenen an. Zudem fehle es an der erforderlichen Kausalität der
Überrumpelungssituation, weil nicht nur eine kurze Zeitspanne zwischen der
Haustürsituation und der Unterzeichnung des Zwischenfinanzierungsvertrags liege.
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Hiergegen richtet sich die Berufung der Kläger, mit der sie ihr erstinstanzliches
Zahlungs- und Feststellungsbegehren in vollem Umfang weiterverfolgen. Sie begründen
ihr Rechtsmittel ausschließlich mit der Wiederholung ihres Vortrags zu einem
wirksamen Widerruf der Darlehensverträge nach dem Haustürwiderrufsgesetz.
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Die Kläger beantragen,
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das angefochtene Urteil "aufzuheben" und die Beklagte zu verurteilen, an sie
als Gesamtgläubiger 47.627,54 Euro nebst Zinsen in Höhe von 5 % p.a. über
dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit Zug um Zug gegen Abtretung der
Gesellschaftsanteile der Kläger an dem geschlossenen I:::" GbR zu zahlen,
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sowie festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, ihnen als
Gesamtgläubigern sämtlichen zukünftigen Schaden aus der Beteiligung an dem
geschlossenen I::: " GbR zu ersetzen.
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Die Beklagte bittet um
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Zurückweisung der Berufung
50
und tritt dem gegnerischen Vorbringen im Einzelnen entgegen.
51
Der Senat hat die Parteien durch Beschluss vom 1. März 2006 auf die Unbegründetheit
der Berufung hingewiesen. Wegen des näheren Inhalts des Hinweisbeschlusses wird
auf Bl. 301-304 GA verwiesen.
52
Wegen des weiteren Sach- und Streitstands wird auf den vorgetragenen Inhalt der
wechselseitigen Schriftsätze der Parteien und der von ihnen vorgelegten Urkunden und
Schriftstücke Bezug genommen.
53
II.
54
Die zulässige Berufung der Kläger ist unbegründet. Ein Widerrufsrecht nach dem
Haustürwiderrufsgesetz (HWiG), auf welches sie sich mit ihrem Rechtsmittel allein
berufen, besteht nicht. Infolge dessen können sie von der Beklagten nicht die Erstattung
ihrer bisherigen Aufwendungen für den Fondsanteil und auch nicht den Ersatz eines
zukünftig möglicherweise entstehenden Schadens verlangen (wobei der
Feststellungsantrag auch mit einem wirksamen Widerruf nach dem HWiG ohnehin nicht
hätte gerechtfertigt sein können).
55
A.
56
Zutreffend hat das Landgericht entschieden, dass den Klägern kein
Rückgewähranspruch aus § 3 Abs. 1 Satz 1 HWiG (in der bis zum 30. September 2000
geltenden Fassung, § 9 Abs. 3 des bis zum 31. Dezember 2001 geltenden HWiG)
zusteht. Denn es lässt sich nicht feststellen, dass ein wirksamer Widerruf vorliegt.
57
1. Die Regelungen des HWiG sind im vorliegenden Fall auf sämtliche
Darlehensverträge anzuwenden.
58
Der Zwischenkreditvertrag ist nach dem beiderseitigen Parteivortrag im Dezember 1990
geschlossen worden. Dieser Vertrag ist mit dem Darlehensvertrag vom 23. April 1992
abgelöst und ersetzt worden (vgl. Bl. 105 GA: "Abl. Zwifi", was ersichtlich soviel
bedeutet wie "Ablösung Zwischenfinanzierung"). Beide Vertragsabschlüsse liegen
daher innerhalb des Geltungszeitraums des HWiG in der bis zum 30. September 2000
geltenden Fassung.
59
Das HWiG dieser Fassung ist auch für die zum 1. Mai 2002 vereinbarte Prolongation
anwendbar, denn das alte Recht gilt dann weiter, wenn der Kreditvertrag ohne ein
neues Kapitalnutzungsrecht geändert wird (vgl. Palandt-Putzo, BGB, 61. Aufl., Art. 9
HwiG (Übergangsvorschriften) Rn 1). Den Klägern ist im Jahre 2002 kein weiteres
Darlehen gewährt worden, vielmehr ist lediglich die ursprünglich auf 10 Jahre
festgesetzte Zinsfestschreibung bei einer Gesamtlaufzeit des Darlehens von ca. 30
Jahren (Bl. 104 GA) durch die auf fünf Jahre bemessene neue Zinssatzvereinbarung (Bl.
107 GA) ersetzt worden. Es kann daher insoweit nicht von dem Abschluss eines neuen
Vertrags im Sinne des Art. 229 § 5 Satz 1 EGBGB ausgegangen werden, auf den die
Vorschriften der §§ 312 ff. BGB (Haustürgeschäfte) und §§ 491 ff. BGB
(Verbraucherdarlehen) Anwendung fänden. Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB ändert hieran
nichts, denn die Frage, ob die Voraussetzungen eines Widerrufs wegen einer
Haustürsituation bei Vertragsabschluss vorliegen, kann sich allein nach den
Vorschriften im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bemessen.
60
Abgesehen davon ergeben die nachfolgenden Ausführungen, dass den Klägern im
61
Hinblick auf den Vertrag aus dem Jahre 2002 auch nach den Vorschriften des
Bürgerlichen Gesetzbuches in der seit dem 1. Januar 2002 geltenden Fassung ein
Widerrufsrecht nicht zustünde.
2. Zwar ist das Recht der Kläger zum Widerruf ihrer Willenserklärungen auf Abschluss
der mit der Beklagten geschlossenen Kreditverträge nicht schon wegen der
Subsidiaritätsklausel des § 5 Abs. 2 HWiG a.F. (nunmehr: § 312a BGB)
ausgeschlossen, weil – nach der gebotenen richtlinienkonformen Auslegung des § 5
Abs. 2 HWiG a.F. – nur solche Gesetze darunter fallen können, die ein gleich
weitreichendes Widerrufsrecht wie das Haustürwiderrufsgesetz einräumen (vgl. BGHZ
150, 248 = WM 2002, 1181; BGHZ 152, 331, 336 f. = WM 2002, 2501; ZIP 2003, 160,
162; WM 2003, 61 = ZIP 2003, 21; WM 2003, 64 = ZIP 2003, 247 f.). Dies gilt auch für
Fälle, in denen ein Kreditvertrag vor Inkrafttreten des Verbraucherkreditgesetzes am 1.
Januar 1991 geschlossen worden ist und den Regelungen des Abzahlungsgesetzes
unterliegt (BGH, Urt. v. 13.6.2005 – II ZR 222/03 –).
62
3. Die Kläger sind zudem nach den vorgelegten Vertragsunterlagen (Bl. 102 ff. GA) und
dem Vortrag der Parteien überhaupt nicht über ein Widerrufsrecht belehrt worden. Eine
Belehrung trägt auch die Beklagte nicht vor. Aufgrund dessen kann ihnen die
Versäumung der gesetzlich festgelegten Widerrufsfrist (§ 1 HWiG: 1 Woche; § 355 Abs.
1 BGB: 2 Wochen) nicht vorgehalten werden, da die Frist mangels Belehrung gar nicht
zu laufen begonnen hat (§ 2 Abs. 1 HWiG bzw. § 355 Abs. 2 BGB).
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4. Auf die zwischen den Parteien diskutierte Frage der Zurechnung einer
Haustürsituation zu Lasten einer das Rechtsgeschäft finanzierenden Bank kommt es
nach der neuesten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht mehr an. Nach der
bindenden Auslegung des europäischen Rechts durch den Gerichtshof der
Europäischen Gemeinschaften (Urteil vom 25. Oktober 2005 – Rs. C-229/04) ist das
Haustürwiderrufsgesetz richtlinienkonform dahin auszulegen, dass die Haustürsituation
der Bank bereits dann zuzurechnen ist, wenn sie objektiv vorgelegen hat. Auf eine
Kenntnis oder ein Kennenmüssen im Sinne des § 123 Abs. 2 BGB, worauf die
Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bis zur EuGH-Entscheidung abgestellt hat,
kommt es nicht an (BGH, Urt. v. 12.12.2005 – II ZR 327/04 –).
64
5. Letztlich kann all dies allerdings dahinstehen. Es lässt sich jedenfalls – und zwar
schon nach dem eigenen Sachvortrag der Kläger – nicht feststellen, dass sie zum
Abschluss der Darlehensverträge durch mündliche Verhandlungen im Bereich ihrer
Wohnung im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 HWiG a.F. (§ 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB)
bestimmt worden sind. Dabei kann zu Gunsten der Kläger unterstellt werden, dass die
erste und einzige Verhandlung mit dem Vermittler Keul überhaupt in ihrer Wohnung
stattfand, was die Beklagte allerdings bestreitet.
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a. Das Landgericht hat zutreffend darauf abgestellt, dass es im Falle der Einschaltung
eines Vertreters für die Anwendung der Vorschrift nur darauf ankommt, ob sich der
Vertreter des Verbrauchers bei Abschluss des Darlehensvertrags in einer
Haustürsituation befunden hat; die Situation des Vertretenen ist demgegenüber rechtlich
unerheblich. Dies entspricht gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl.
nur BGH, Urt. v. 26.10.2004 – XI ZR 255/03 –; BGH WM 2003, 1064).
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Zu Recht hat die Beklagte daher bereits in erster Instanz darauf hingewiesen, dass eine
Haustürsituation der T::: GmbH, welche die Darlehensverträge von 1990 und 1992 im
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Namen der Kläger geschlossen hat, nicht bestanden hat und aus diesem Grund die
Regelungen über Haustürgeschäfte nicht eingreifen. Die entsprechenden Ausführungen
des Landgerichts im angefochtenen Urteil greifen die Kläger nicht einmal an.
b. Soweit hinsichtlich der Prolongation im Jahre 2002 ein Vertreterhandeln nicht
vorgelegen hat, sondern die Kläger persönlich die Vereinbarung mit der Beklagten
getroffen haben, fehlt es an der erforderlichen Kausalität der Haustürsituation für den
Abschluss des Darlehensvertrags.
68
Zwischen den in § 1 HWiG bzw. § 312 BGB genannten Verhandlungssituationen und
dem Vertragsschluss muss ein Kausalzusammenhang bestehen, den der Kunde zu
beweisen hat. Dabei ist es zwar nicht erforderlich, dass der Kunde seine auf den
Vertragsschluss gerichtete Erklärung in einer der in § 1 HWiG aufgezeigten Situationen
abgibt; vielmehr ist es ausreichend, dass dem Vertragsschluss ein mündliches
Ansprechen "an der Haustür" vorausgegangen, dieses also mitursächlich geworden ist
(BGH, Urt. v. 12.12.2005 – II ZR 327/04 –). Der Beweis des ersten Anscheins spricht
jedoch nur dann dafür, dass die Überrumpelungssituation noch fortdauert, wenn
zwischen dem Gespräch und der Vertragserklärung selbst nur eine kurze Zeitspanne
liegt (vgl. BGH, WM 2003, 1370; WM 2003, 918; Senat, v. 02.04.2004 – I-16 U 92/03; v.
10.04.2004 – I-16 U 67/03; OLG Köln WM 2000, 2139, 2145; MüKo-Ulmer, BGB, 3. Aufl.,
Rdnr. 16 ff. zu § 1 HWiG; Soergel/Wolf, BGB, 12. Aufl., Rn 12 zu § 1 HWiG;
Staudinger/Werner, BGB, 14. Bearbeitung, Rn 70 zu § 1 HWiG; Fischer/Machunsky,
HWiG, 2. Aufl., Rn 52 zu § 1; Erman/Saenger, BGB, 10. Aufl., Rn 15 zu § 1 HWiG).
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Danach kann im vorliegenden Fall – und zwar bereits hinsichtlich des Abschlusses des
im Dezember 1990 geschlossenen Zwischenfinanzierungsvertrags – die Indizwirkung
der Ursächlichkeit des mit der Haustürsituation verbundenen Überrumpelungseffekts für
den Abschluss des Darlehensvertrags nicht mehr bejaht werden. Die Kläger tragen vor,
sie seien von dem Vermittler K::: lediglich am 22. November 1990 in ihrer Wohnung
aufgesucht worden und hätten die vorgelegte Beitrittserklärung unmittelbar bei dieser
Gelegenheit unterzeichnet. Unstreitig ist der Vertrag über die Zwischenfinanzierung
jedoch erst nach dem 21. Dezember 1990 geschlossen worden, wie die vorgelegten
Unterlagen auf Bl. 22 und 102 GA belegen. Damit lag zwischen der behaupteten
Haustürsituation und dem Abschluss des ersten Kreditvertrags mit der Beklagten ein
Zeitraum von mindestens einem Monat. Dieser Zeitraum ist ausreichend, um die
aufgezeigte Indizwirkung entfallen zu lassen (vgl. BGH WM 203, 1370: Wegfall der
Indizwirkung nach Ablauf von drei Wochen). Dies gilt erst recht für die nachfolgend
zwischen den Parteien abgeschlossenen Verträge.
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Entscheidend sind zwar letztlich die Umstände des Einzelfalls (BGH aaO). Die hier
vorgetragenen Einzelfallumstände lassen jedoch eine abweichende Beurteilung nicht
zu. Ohne Erfolg machen die Kläger geltend, dass sie sich durch ihre Beitrittserklärung
bereits unwiderruflich gebunden hätten. Darauf kann es für das Widerrufsrecht
hinsichtlich der Darlehensverträge nicht ankommen. Der Beklagten kann es nicht zum
Nachteil gereichen, dass das zu finanzierende Geschäft – abgesehen von einem
insoweit möglicherweise bestehenden Widerrufsrecht – für die Kläger bereits bindend
war und die Notwendigkeit einer Finanzierung begründet hat. Im Übrigen müssen sich
die Kläger entgegen halten lassen, dass sie durch ihre Genehmigungserklärung vom
20. Dezember 1990 (Bl. 200 GA), die sie durch Unterschriftsleistung vor einem Notar
abgegeben haben, das notariell beurkundete Angebot auf Abschluss eines
Geschäftsbesorgungsvertrags an die T::: GmbH und die C::: GmbH ausdrücklich haben
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wirksam werden lassen. Unmittelbar vor Abschluss des ersten Kreditvertrags haben sie
somit durch eine von ihnen persönlich abgegebene Erklärung außerhalb einer
Haustürsituation zum Ausdruck gebracht, an ihrem Beitritt festhalten zu wollen, und zwar
auch nach Ablauf von vier Wochen nach Beendigung der Haustürsituation. Dieser
Umstand ist bei der Prüfung der Fortdauer einer Überrumpelungssituation zu
berücksichtigen und geht zu Lasten der Kläger.
Mangels Indizwirkung hätten die Kläger daher die Kausalität der Haustürsituation für
den Abschluss der Kreditverträge mit der Beklagten näher darlegen und schlüssig
begründen müssen. Diesen Anforderungen ist ihr Vorbringen nicht gerecht geworden.
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6. Auf die Frage, welche Rechtsfolgen sich aus einem wirksamen Widerruf der
Darlehensverträge ergeben hätten, kommt es bei dieser Sach- und Rechtslage nicht
mehr an.
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B.
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Sonstige Berufungsangriffe der Kläger liegen nicht vor. Eine Überprüfung der
erstinstanzlichen Ausführungen der Kläger hat zudem ergeben, dass sie ihr Begehren
nicht hätten rechtfertigen können. Die abgeschlossenen Darlehensverträge sind nicht
unwirksam, weil die Beklagte zu Recht Vertrauensschutz im Hinblick auf die nichtigen
Vollmachten gemäß §§ 171, 172 BGB geltend macht; eine Schadensersatzpflicht der
Beklagten ist aufgrund des Klägervortrags nicht festzustellen.
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C.
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Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 97 Abs. 1, 708 Nr. 10, 711 ZPO.
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Den Streitwert für das Berufungsverfahren setzt der Senat endgültig auf bis zu 60.000,--
Euro fest. In dieser Höhe sind die Kläger beschwert.
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Ein Grund zur Zulassung der Revision besteht nicht. Die Voraussetzungen des § 543
Abs. 2 ZPO liegen nicht vor. Weder hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung
noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen
Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts.
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R::: S::: Dr. P:::
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