Urteil des OLG Brandenburg vom 03.11.2005, EGV 1782/2003

Aktenzeichen: EGV 1782/2003

OLG Brandenburg: ernte, widerklage, landwirtschaftliches grundstück, bewirtschaftung, herausgabe, aufrechnung, auskunft, raps, herbst, besitzer

Quelle:

Normen: § 998 BGB, EGV 1782/2003

Gericht: Brandenburgisches Oberlandesgericht 5. Zivilsenat

Entscheidungsdatum: 02.08.2010

Aktenzeichen: 5 U (Lw) 175/06

Dokumenttyp: Urteil

Herausgabe eines landwirtschaftlichem Grundstücks: Ersatz von Feldbestellungskosten; Berechnung der Halmtaxe;

Berücksichtigung gemeinschaftsrechtlicher Betriebsprämienansprüche

Tenor

Auf die Berufung des Beklagten wird das am 31. August 2006 verkündete Urteil des Amtsgerichts Königs Wusterhausen Landwirtschaftsgericht (4 Lw 8/06) teilweise unter Zurückweisung der Berufung im Übrigen abgeändert:

Es wird auf die Widerklage festgestellt, dass die Vollstreckung der Forderungen der Klägerin aus dem am 3. November 2005 verkündeten Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgerichts - 5 U (Lw) 134/04 in Höhe von 50.303 seit dem 1. März 2006 unzulässig ist.

Die Kosten des Rechtsstreits erster Instanz trägt der Beklagte zu 11/12, die Klägerin zu 1/12. Die Kosten der Berufung trägt der Beklagte zu 7/8, die Klägerin zu 1/8.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Die Parteien können die Vollsteckung aus diesem Urteil durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % der zu vollstreckenden Beträge abwenden, wenn die vollstreckende Partei nicht vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des zu vollstreckenden Betrages leistet.

Die Revision wird nicht zugelassen.

Gründe

I.

1Die Parteien waren durch einen am 30. Oktober 2000 im Anschluss an einen 1997 geschlossenen Bewirtschaftungsvertrag vereinbarten Landpachtvertrag über Ackerflächen in F… und M… verbunden, durch den der Beklagte ferner Eiserninventar und die Nutzung der Hofstelle mit Wohnhaus und Wirtschaftsgebäuden erhielt.

2Am 20. Oktober 2000 schloss der Beklagte unter seiner Hofanschrift mit dem Bankhaus S… in W… einen Sicherungsübereignungsvertrag über diverse, in einer Anlage aufgelistete landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, die u.a. Gegenstand der Klage sind. Mit Schreiben vom 23. August 2004 kündigte die Klägerin den Pachtvertrag zum 30. September 2004.

3Durch Urteil des Senates vom 3. November 2005 (5 U (Lw) 134/04) ist der Beklagte rechtskräftig unter anderem zur Herausgabe der Hofstelle nebst Ackerflächen und zur Zahlung rückständiger Pacht in Höhe von 157.527,30 nebst Zinsen sowie einer Vorenthaltungsentschädigung in Höhe von 351,60 täglich, für die Zeit ab 1. Oktober 2004 verurteilt.

4Die Klägerin betreibt nunmehr aus diesem Urteil die Zwangsvollstreckung, in deren Rahmen sie am 1. März 2006 in den Besitz der Pachtflächen eingewiesen wurde. Nachdem sie Zutritt zu dem Hof erhalten hatte, fand sie bis auf die Eisernpacht und einen beschädigten Teleskoplader, der gepfändet wurde, keinerlei vom Beklagten angeschafftes Betriebsinventar vor, insbesondere nicht die der S… Bank sicherungsübereigneten Geräte. Über den Verbleib dieser und weiterer landwirtschaftlicher Geräte streiten die Parteien mit der von der Klägerin erhobenen Stufenklage.

5Mit der Widerklage hat der Beklagte die Feststellung der Unzulässigkeit der von der

5Mit der Widerklage hat der Beklagte die Feststellung der Unzulässigkeit der von der Beklagten betriebenen Zwangsvollstreckung begehrt, da die titulierte Forderung, die er in Höhe von 305.994,74 nicht bestreitet, in Folge seiner Aufrechnung mit Gegenforderungen in Höhe von 228.554,30 für von der Klägerin übernommenes Feldinventar bzw. auf Zahlung einer Entschädigung für die Ernte 2005/2006 in Höhe von 506.924,62 erloschen sei.

6Das Landwirtschaftsgericht hat den Beklagten antragsgemäß verurteilt, der Klägerin über den Verbleib im einzelnen aufgelisteten Inventar Auskunft zu erteilen.

7Die Widerklage hat das Landwirtschaftsgericht abgewiesen.

8Zur Begründung hat das Landwirtschaftsgericht ausgeführt, die von der Klägerin erhobene Stufenklage sei zulässig, soweit die Klägerin Auskunft begehre und gemäß §§ 592, 260, 242 BGB auch begründet.

9Die mit der Widerklage geltend gemachte Feststellungsklage sei unzulässig. Ein rechtliches Interesse des Beklagten bestehe nicht. Der Beklagte mache Einwendungen geltend, die den durch das Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 3. November 2005 titulierten Anspruch selbst beträfen und deren Gründe erst nach Schluss der mündlichen Verhandlung entstanden seien, indem er die Aufrechnung mit Ansprüchen betreffend Feldinventar 2005/2006 bzw. den Ernteertrag für diesen Zeitraum erkläre. Derartige Einwendungen seien gegenüber dem titulierten Anspruch im Wege der Vollstreckungsabwehrklage 767 ZPO) geltend zu machen, die insoweit als Leistungsklage Vorrang vor der Feststellungsklage habe. Im Übrigen sei die Widerklage unbegründet. Ein vertraglicher Anspruch auf Zahlung von 57.125,48 für die Ernte 2005/2006 bestehe nicht, da das Pachtvertragsverhältnis durch die Kündigungserklärung der Klägerin zum 30. September 2004 beendet worden sei. Ansprüche aus dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereicherung seien ebenfalls nicht gegeben.

10 Gegen das Urteil wendet sich der Beklagte mit seiner Berufung.

11 Mit der Berufung verfolgt der Beklagte nach teilweiser Rücknahme der Berufung nur noch sein Feststellungsbegehren im Rahmen einer Vollstreckungsgegenklage weiter. Er, der Beklagte, habe die Pachtflächen noch im Herbst des Landwirtschaftsjahres 2005/2006 bestellt. Der Senat habe für die Zeit der Bewirtschaftung die Vorenthaltungsentschädigung der Klägerin auf der Grundlage eines jährlichen Pachtzinses von 351,60 €/Tag bestimmt. Dem liege der von den Parteien im Pachtvertrag unter § 11 vereinbarte Referenzgeldrohertrag in Höhe von 1.975,00 DM/ha zugrunde. Damit habe der Senat zugleich erkannt, dass dem Beklagten auch die Ernte zufalle. Die Klägerin könne nicht einerseits von dem Beklagten eine Nutzungsentschädigung für die Vorenthaltung des Besitzes verlangen, deren Höhe unter der Voraussetzung bestimmt worden sei, dass dem Beklagten die Ernte zufalle, andererseits aber die Früchte einbehalten und für sich verwerten. Der Referenzrohertrag für die Pachtflächen in einem Umfang von 502 ha Ackerland betrage 506.924,62 €. Mit diesem Betrag werde die Aufrechnung erklärt gegenüber der Forderung der Klägerin in Höhe von 305.994,74 €.

12 Jedenfalls schulde die Klägerin Ausgleich für das Feldinventar, wie von dem Sachverständigen H… in seinem Gutachten zum Stichtag 23. Februar 2006 (Bl. 73 ff. d.A.) ermittelt.

13 Der Beklagte beantragt,

14unter teilweiser Abänderung des am 31. August 2006 verkündeten Urteils des Amtsgerichts Königs Wusterhausen - 4 Lw 8/06 festzustellen, dass die Vollstreckung der Forderungen der Klägerin aus dem Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgerichts - 5 U (Lw) 134/04 - vom 3. November 2005 im Umfang von 305.994,74 seit dem 1. März 2006 unzulässig sei, hilfsweise, im Wege der Stufenklage, die Klägerin zu verurteilen, ihm Auskunft über von ihr im Jahr 2006 auf nachfolgend im Einzelnen aufgelisteten landwirtschaftlichen, mit Winterweizen, -gerste und -raps bestellten Nutzflächen erzielte Ernteerträge zu erteilen.

15 Die Klägerin beantragt,

16die Berufung zurückzuweisen.

17 Die Klägerin hält den Wechsel von der Feststellungs- zur Vollstreckungsgegenklage für unzulässig. Jedenfalls sei die Berufung nach teilweiser Berufungsrücknahme unzulässig,

unzulässig. Jedenfalls sei die Berufung nach teilweiser Berufungsrücknahme unzulässig, weil der Beklagte sein erstinstanzliches Begehren nicht weiterverfolge. Die Klägerin rügt die Darlegungen des Beklagten zur Höhe seines Anspruchs auf Ersatz der Feldbestellungskosten als verspätet und hält ferner die vom Beklagten erklärte Aufrechnung für unzulässig. Aber auch nach dem ergänzenden Vortrag des Beklagten seien die Feldbestellungskosten weder schlüssig dargetan noch substantiiert dargelegt. Schließlich macht die Klägerin geltend, dass die ungetrennten Früchte wegen der schlechten Ertrags- und Erlössituation im Wirtschaftsjahr 2005/2006 einen Negativwert von 12.394,80 gehabt hätten.

18 Der Senat hat gemäß Beweisbeschluss vom 5. Juni 2008 ein Gutachten des Sachverständigen Dipl. Agrar Ing. B… zum Wert des Feldinventars zum Stichtag 1. März 2006 sowie gemäß Beschluss vom 30. April 2009 ein Ergänzungsgutachten eingeholt. Der Sachverständige hat unter dem 10. Juni 2010 Stellung zu weiteren Einwendungen und Fragen der Parteien genommen und seine Gutachten im Termin zur mündlichen Verhandlung vor dem Senat erläutert.

19 Wegen der weiteren Einzelheiten des Parteivorbringens wird auf den Tatbestand des angefochtenen Urteils sowie auf die gewechselten Schriftsätze der Parteien Bezug genommen (§§ 540, 313 Abs. 2 ZPO).

20 Mit auf die mündliche Verhandlung nachgereichtem Schriftsatz vom 27. Juli 2010 kündigt der Beklagte die Erweiterung der Widerklage auf Auskunft über von der Klägerin tatsächlich erzielte Ernteerträge an.

II.

21 1. Die Berufung ist auch nach teilweiser Berufungsrücknahme statthaft und zulässig.

22 Sie ist fristgerecht eingelegt und begründet worden (§§ 511 Abs. 1, 513, 517, 519, 520 ZPO).

23 Gegenstand des Berufungsverfahrens ist zwar nunmehr als Hauptantrag ausschließlich der Widerklageantrag zu Ziffer 2 der Berufungsbegründung, nämlich festzustellen, dass die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil des Senates vom 3. November 2005 zum Aktenzeichen 5 U (Lw) 134/04 in Höhe von 305.994,74 seit dem 1. März 2006 unzulässig sei, sowie der hilfsweise angekündigte Auskunftsantrag.

24 Dennoch richtet sich die Berufung weiterhin gegen die in dem angefochtenen Urteil liegende Beschwer. Denn der Beklagte verfolgt das in der Vorinstanz abgewiesene Begehren auf Feststellung, dass die titulierte Forderung aus dem Urteil des Senates vom 3. November 2005 in Höhe von ca. 305.000 erloschen sei, weiter. Bei einem Übergang von der in erster Instanz abgewiesenen Feststellungsklage zu einer Leistungsklage ist die Berufung zulässig, weil damit die Beschwer lediglich im erweiterten Umfang geltend gemacht wird. (BGH NJW 1996, 1020, NJW-RR 2002, 1435, NJW-RR 2006, 442 ).

25 Der Umstand, dass der Beklagte in der zweiten Instanz seinen erstinstanzlichen Feststellungsantrag in eine Vollstreckungsgegenklage geändert hat, ist auch im Übrigen unbedenklich. Zwar ist eine Vollstreckungsgegenklage gemäß §§ 767 Abs. 1, 802 ZPO grundsätzlich bei dem Gericht des ersten Rechtszuges zu erheben, von dem das Urteil stammt. Dies ist das Landwirtschaftsgericht, so dass der Senat funktionell unzuständig wäre. Etwas anderes muss jedoch gelten, wenn das nach § 767 Abs. 1 ZPO zuständige Gericht bereits im Rahmen des Klageantrags über denselben Streitstoff entschieden hat, der nunmehr Gegenstand der Vollstreckungsgegenklage ist (OLG Frankfurt, MDR 1976, 939). Hier hatte das Landwirtschaftsgericht bereits über den Streitstoff entschieden, indem es den widerklagend gestellten Zahlungsantrag des Beklagten abgewiesen hat. Die Entscheidung über den Zahlungsantrag setzte eine Überprüfung derselben Fragen voraus, die Gegenstand des Feststellungsantrags waren und jetzt der Vollstreckungsgegenklage sind. Denn in beiden Fällen geht es darum, ob und wenn ja in welcher Höhe dem Beklagten ein Anspruch auf Verwendungsersatz für die Feldfrüchte zusteht. Es wäre unnütze Förmelei, wenn die Vollstreckungsgegenklage hier als unzulässig abgewiesen werden würde und mit denselben Sachfragen des ohnehin zu entscheidenden Zahlungsantrags nochmals vor dem Landwirtschaftsgericht begonnen werden müsste.

26 Grundsätzlich kann die Vollstreckungsgegenklage auch als Widerklage erhoben werden.

27 Die Voraussetzungen des § 767 Abs. 2 ZPO sind erfüllt. Der Beklagte rechnet gegenüber der titulierten Forderung auf mit einem Anspruch, der erst mit Rückgabe der

der titulierten Forderung auf mit einem Anspruch, der erst mit Rückgabe der Pachtflächen am 1. März 2006 entstanden ist. Erst seither stehen sich die gegenseitigen Forderungen aufrechenbar gegenüber.

28 2. In der Sache hat die Berufung in der Hauptsache teilweise Erfolg, während sie im Übrigen unbegründet ist.

29 Die titulierte Forderung der Klägerin aus dem Urteil des Senates vom 3. November 2005 gilt gemäß § 389 BGB teilweise, soweit der Beklagte mit einem Betrag in Höhe von 50.303 gegenüber dem titulierten Zahlungsanspruch 396 Abs. 1 Satz 1 BGB) aufrechnet, als erloschen. Nur in diesem Umfang ist unter Abänderung des angefochtenen Urteils auszusprechen, dass die Vollsteckung der titulierten Forderungen unzulässig ist.

30 a. Einen aufrechenbaren Zahlungsanspruch kann der Beklagte nicht daraus herleiten, dass der Klägerin durch Urteil des Senates vom 3. November 2005 ein Nutzungsentgelt gemäß § 597 BGB zugesprochen worden ist, dessen Höhe sich nach dem von den Parteien in § 11 des Pachtvertrages vereinbarten Referenzgeldrohertrag richtet. Der Betrag war der Klägerin als Ersatz für den Vorenthaltungsschaden im Sine von § 597 Satz 1 BGB und nicht als Gegenleistung für eine Nutzung der Flächen durch den Beklagten zugesprochen worden.

31 b. Soweit der Beklagte mit Feldbestellungskosten aufrechnet, kann er eine aufrechenbare Gegenforderung für die aufstehenden und von der Klägerin geernteten Feldfrüchte nicht aus § 596 a Abs. 1 und 2 BGB herleiten. Der Anspruch auf die Halmtaxe gem. § 596 a Abs. 1 bzw. auf Aufwendungsersatz gem. § 596 a Abs. 2 BGB würde voraussetzen, dass das Pachtverhältnis zwischen den Parteien im Laufe eines Pachtjahres beendet worden wäre, und sich im Zeitpunkt der Beendigung des Pachtverhältnisses vom Beklagten während der Pachtzeit noch nicht getrennte, jedoch nach den Regeln einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung vor Ende des Pachtverhältnisses zu trennende Früchte befunden hätten. Vorliegend war das Pachtverhältnis jedoch mit Ablauf des Pachtjahres, und zwar des Pachtjahres 2003/2004 am 1. Oktober 2004 beendet. Erst danach im Herbst 2005, also zu einer Zeit, zu der er nicht mehr aufgrund des Pachtvertrages zum Besitz an den Flächen berechtigt war, hat er die Bestellungen vorgenommen, deren Kosten Gegenstand der Widerklage sind.

32 Darauf, dass der Beklagte rechtliche Gewissheit über den Zeitpunkt der Beendigung des Pachtverhältnisses zum 1. Oktober 2004 letztlich durch das Urteil des Senates vom 3. November 2005 (5 U (Lw) 134/09) erlangt hat, kommt es in diesem Zusammenhang nicht an.

33 c. Rechtsgrundlage für den Anspruch des Beklagten ist daher allein § 998 BGB. Danach hat der Eigentümer in dem Fall, in dem ein landwirtschaftliches Grundstück herauszugeben ist, die Kosten, die der Besitzer auf die noch nicht getrennten, jedoch nach den Regeln einer ordnungsgemäßen Wirtschaft vor dem Ende des Wirtschaftsjahres zu trennenden Früchte verwendet hat, insoweit zu ersetzen, als sie einer ordnungsgemäßen Wirtschaft entsprechen und den Wert dieser Früchte nicht übersteigen. § 998 BGB gilt ohne Rücksicht auf die Qualität des Besitzes; insbesondere der unredliche und der verklagte Besitzer werden also besser gestellt als bei anderen Verwendungen (MünchKomm/Medicus, BGB, 4. Aufl. § 998 Rn. 1).

34 Die Beweislast für die Anspruchsvoraussetzungen trifft den Beklagten als Besitzer. Er hat auch zu beweisen, dass die aufgewendeten Kosten den Wert der Früchte nicht übersteigen (Staudinger/Gursky, BGB, [2006] § 998 Rn.7).

35 Der Anspruch des Beklagten ist nicht gemäß § 1002 BGB erloschen.

36 Die Herausgabevollstreckung fand am 1. März 2006 statt. Vor Fristablauf, dem 1. September 2006, hatte der Beklagte die Feldbestellungskosten mit der am 7. Juli 2006 bei Gericht eingegangenen Widerklage geltend gemacht.

37 Soweit der Anspruch nach § 998 BGB voraussetzt, dass es sich um noch nicht getrennte Feldfrüchte handelt und die geltend gemachten Kosten Früchte betreffen, die nach den Regeln einer ordnungsgemäßen Wirtschaft vor dem Ende des Wirtschaftsjahres zu trennen sind, sind diese Voraussetzungen unzweifelhaft erfüllt.

38 Das vom Senat eingeholte Gutachten gelangt auch zu dem Ergebnis, dass die vom Beklagten aufgewendeten Kosten den Regeln einer ordnungsgemäßen Wirtschaft entsprechen.

39 Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme übersteigt der Wert der Früchte die Kosten, die die Klägerin für die Ernte hat aufbringen müssen, um 50.303 €, während dem Beklagten eine darüber hinausgehend aufrechenbare Forderung nicht zusteht.

40 In seinem Erstgutachten hat der Sachverständige die Bestellungskosten nachvollziehbar und überzeugend ermittelt. Von den Parteien insoweit erhobene Einwendungen hat der Sachverständige in seinem Ergänzungsgutachten zur Überzeugung des Senates ausgeräumt, so dass der Senat keine Bedenken hat, den zu den Bestellungskosten getroffenen Feststellungen des Sachverständigen zu folgen. Danach hat der Beklagte im Herbst 2005 auf den streitigen Flächen auf 192.5743 ha Winterweizen, auf 127.1076 Winterraps und auf 145.8850 ha Wintergerste ausgesät.

41 Bei der Ermittlung der für die Bestellung aufgewendeten Kosten hat der Sachverständige die Aufwandtaxe zu Grunde gelegt. Dies entspricht entgegen der Ansicht der Klägerin in ihrer Stellungnahme zum Erstgutachten und zu den Erläuterungen des Sachverständigen in der mündlichen Verhandlung Bestellungskosten im Sinne von § 998 BGB, wozu der Wert des Saatgutes, der Aufwand für das Ausbringen und Düngen der Früchte sowie die Betriebskosten für die landwirtschaftlichen Betriebe zählen (Soergl- Siebert/Stadler, BGB, 13. Aufl. § 998 a.a.O. Rn 2).

42 Saatgutkosten hat der Sachverständige auf der Grundlage der ihm vom Beklagten zur Verfügung gestellten Rechnungen für Lieferungen in der Zeit vom 18. Juli bis zum 7. November 2005 ermittelt, die er bezogen auf die Flächen der Klägerin, die 86 % des Betriebes des Beklagten ausmachen, auf praxisübliche Mengen gekürzt hat. Plausibel gehalten hat der Sachverständige auch den Einsatz von Stickstoffdünger im Herbst auf Raps, den er auf die streitigen Rapsflächen gekürzt hat. Gleiches gilt für den Einsatz von Schneckenkorn auf Teilflächen oder Randbereichen der Rapsfelder.

43 Auch die von dem Beklagten angegeben Arbeitsgänge einschließlich Maschineneinsatz hat der Sachverständige einer Plausibilitätskontrolle unterzogen. In deren Ergebnis entsprechen sie der Praxis sowie der Datensammlung für Betriebsplanung des LVLFB für 2005.

44 Im Ergebnis hat der Sachverständige die vorgenommenen Maßnahmen zur Herbstbestellung und den Einsatz des vereinfachten Drillverfahrens bei einem Teil des Winterrapses und der gesamten Wintergerste als sachgerechte Ausführung einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung bzw. als ortsüblich und damit als ordnungsgemäß bewertet. Dabei hat er den von der Klägerin bemängelten Umstand, dass nicht gepflügt sondern nur gegrubbert worden sei, als übliche Bewirtschaftung angesehen, und eine unzureichende Bestockung und teilweise Vergilbung nicht auf fehlende ordnungsgemäße Bewirtschaftung sondern auf eine starke Auswinterung zurückgeführt. Wegen auf den Rapsfeldern 2 und 8 im Herbst unterlassener Herbizidmaßnahmen hat der Sachverständige einen Abschlag von 9 % von dem Erlös für Winterraps vorgenommen. Diese unterlassenen Maßnahme allein, die gemäß den Ausführungen des Sachverständigen nie auszuschließen ist, führt auch nach Ansicht des Senates nicht dazu, die Herbstbestellung auf den Rapsfeldern 2 und 8 als nicht ordnungsgemäß zu qualifizieren.

45 Soweit die Klägerin die Feststellungen des Sachverständigen zu den Bestellungskosten angreift, weil ihnen Angaben des Beklagten zugrunde liegen sowie im Privatgutachten H… ermittelte Herstellungskosten, übersieht die Klägerin, dass die Angaben des Beklagten gestützt werden durch von ihm vorgelegte Betriebsmittelrechnungen für seinen überwiegend aus Flächen der Klägerin bestehenden Landwirtschaftsbetrieb.

46 Zudem hat der Sachverständige die Angaben einer Plausibilitätskontrolle unterzogen. Sie entsprechen auch einem Abgleich mit der Datensammlung des LVLFB. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass die Feststellungen des Sachverständigen H… auf der Besichtigung der bestellten Felder vom 23. Februar 2006 beruhen.

47 Entgegen der Ansicht des Beklagten erhöht sich der vom Sachverständigen ermittelte Betrag nicht um die von dem Beklagten zu entrichtende pauschalierte Nutzungsentschädigung, wie vom Senat durch Urteil vom 3. November 2005 zuerkannt. Nach § 998 BGB sind ausschließlich die Feldbestellungskosten zu ersetzen, die auf die Frucht gerichtet sind. Demgegenüber stellt die pauschalierte Nutzungsentschädigung einen Ersatz für den Vorenthaltungsschaden dar und kann als zu leistender Schadensersatz mit den Betriebskosten nicht gleichgestellt werden.

48 Soweit der Beklagte an den Wasser- und Bodenverband zu entrichtende Beträge hinzusetzen will, hat er selbst im Schriftsatz vom11. November 2009 ausgeführt, dass

hinzusetzen will, hat er selbst im Schriftsatz vom11. November 2009 ausgeführt, dass derartige Kosten seit 2005 nicht mehr erhoben worden seien.

49 Die von dem Sachverständigen mit 102.418,08 ermittelten Feldbestellungskosten sind nur insoweit ersatzfähig, als sie den Wert der mit ihrer Hilfe gewonnenen Früchte (sog. Halmtaxe) nicht übersteigen. Für den Wert der Früchte ist gemäß § 996 BGB auf den Zeitpunkt der Herausgabe (1. März 2006) abzustellen. Sind die Früchte, wie im vorliegenden Fall, nicht ausgereift, ist ihr geschätzter Wert bei der Ernte zugrunde zu legen; von dem Erntewert sind die nach der Herausgabe noch nötig werdenden Gewinnungskosten abzuziehen (Soergl-Siebert/Stadler, a.a.O. § 998 Rn. 2 m.w.N.). Hingegen kommt es entgegen der Ansicht des Beklagten auf den tatsächlich von der Klägerin erzielten Ernteerlös nicht an. Denn das Marktrisiko, das der Verpächter mit dem Verkauf der Ernte eingeht, trägt dieser allein (Faßbender/Hötzel/Lukanow, Landpachtrecht, 3. Aufl. § 396a Rn. 21). Dass die Halmtaxe auf den Zeitpunkt der Herausgabe der Flächen zu berechnen ist, erhellt zudem der Umstand, dass anderenfalls der Anspruch entgegen § 996 BGB erst mit der Ernte fällig werden könnte, was mit dem Mechanismus der §§ 1000 bis 1003 BGB nicht zu vereinbaren wäre. Diese setzen eindeutig voraus, dass der Verwendungsersatzanspruch im Augenblick der Herausgabe oder Genehmigung fällig wird und in diesem Zeitpunkt auch dem Umfang nach festgelegt ist. Im Hinblick darauf, dass der Wert der zu erwartenden Ernte sich unter Zugrundelegung langfristiger Durchschnittssätze schätzen lässt und im vorliegenden Fall auch geschätzt worden ist, sprechen auch keine praktischen Erwägungen dagegen, den Wert der Früchte vor der Ernte zu bestimmen (Staudinger/Gursky, a.a.O., § 998 BGB, Rn 4).

50 Der Sachverständige hat in seinem Ergänzungsgutachten die Halmtaxe ermittelt. Dabei hat er, da die Früchte am 1. März 2006 nicht ausgereift waren, die Naturalerträge und Preise für die Zeit der Ernte entsprechend den obigen Maßgaben vorgeschätzt und von dem so ermittelten Wert bei der Ernte die nach der Herausgabe noch nötig werdenden Gewinnungskosten abgezogen. Er gelangt nach sorgfältiger Auswertung zur Verfügung stehende Tabellen und Statistiken und Berücksichtigung von standort- und witterungsbedingten Besonderheiten der zu bewertenden Flächen zu Ertragsansätzen bei Winterweizen von rund 59 dt/ha, bei Wintergerste von rund 46 dt/ha und bei Winterraps von rund 26 dt/ha. Unter Zugrundlegung der Ende Februar 2006 notierten Börsenpreise, die er an die Marktsituation in Brandenburg anpasst, berücksichtigt er die Erzeugerpreise für Weizen mit 9,80 €/dt, für Gerste mit 8,80 €/dt und für Raps mit 21,50 €/dt. Entsprechend beträgt der Gesamterlös für Winterweizen 580 €/ha, für Wintergerste 492 €/ha und für Raps 738 €/ha. Auf die um die Umbruchflächen reduzierten Pachtflächen umgerechnet gelangt der Sachverständige zu Ernterlösen von insgesamt 257.250 €. Da nur die von den am 1. März 2006 nicht getrennten Früchten zu erzielenden Erlöse zu berücksichtigen sind und das Ernterisiko vom Beklagten zu tragen ist, sind von diesem Betrag die unterstellten Ernteerlöse aus Ersatzbestellungen für von der Auswinterung betroffene Flächen in Höhe von (20.790 + 9.702 + 1.584 + 6.450 =) 38.526 abzuziehen (Fassbender/Hötzel/Lukanow, a.a.O., § 596 a Rn. 18). Der Ernteerlös kann hiernach lediglich mit 218.724 berücksichtigt werden kann.

51 Dieser Betrag ist entgegen der Ansicht des Beklagten und auch des Sachverständigen nicht um Prämienzahlungen zu erhöhen.

52 Im Gegensatz zur Milchmarkt- und Zuckerrübenordnung der europäischen Gemeinschaft stellen sich die Zahlungsansprüche nach der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP Reform) auf der Grundlage der VO des Rates vom 29. September 2003 über die gemeinsamen Regeln für Direktzahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (VO (EG) 1782/2003 ) und der Kommission vom 21. April 2004 mit den Durchführungsbestimmungen zur Betriebsprämienregelung ( VO ( EG ) 795 / 2004 ) und deren Umsetzung in nationales Recht nicht als Reflex einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung der Pachtsache dar.

53 Zweck des von der Europäischen Gemeinschaft beschlossenen Systemwechsels der Agrarförderung war es, durch Zuweisung von Zahlungsansprüchen das gesamte landwirtschaftliche Einkommen eines Betriebsinhabers zu stärken, nicht aber die Produktion zu lenken oder zu kontingentieren. Der Landwirt soll seine Entscheidung, welches landwirtschaftliche Produkt er in welcher Menge erzeugt, anhand der jeweiligen Marktbedingungen treffen. Nach der erstmaligen flächenbezogenen Zuweisung von Zahlungsansprüchen im Jahr 2005 sind die Zahlungsansprüche nicht mehr an die Bewirtschaftung bestimmter Flächen oder an eine konkrete landwirtschaftliche Nutzung gebunden. Vielmehr kann der Betriebsinhaber über die Zahlungsansprüche auch ohne eine Fläche verfügen und diese entweder durch Veräußerung oder durch Aktivierung auf anderen Flächen nutzen. Es handelt sich bei den Zahlungsansprüchen also um von

anderen Flächen nutzen. Es handelt sich bei den Zahlungsansprüchen also um von konkreten Flächen unabhängige Beihilfen zur Steigerung des landwirtschaftlichen Einkommens. Nach der ersten Zuteilung zum Stichtag vom 15. Mai 2005 besteht keinerlei Bindung mehr zwischen einem Zahlungsanspruch und der landwirtschaftlichen Fläche, für dessen Bewirtschaftung dieser einmal gewährt wurde (BGH RdL 2007, 94, 95; BGH NL-BzAR 2010, 150, 151). Der Klägerin würde diese freie Verfügungsbefugnis genommen, wenn sie Prämien, die sie für andere Flächen erhalten hat, für die vom Beklagten bewirtschafteten Flächen verwenden müsste, obwohl die Flächen ihr im Zeitpunkt der Bestellung vorenthalten worden waren.

54 Da es sich bei den Zahlungsansprüchen nicht mehr um produktspezifische Direktzahlungen handelt, verbietet es sich zudem, diese dem Ernteerlös gleichzustellen bzw. diese gemäß den mündlichen Ausführungen des Sachverständigen vor dem Senat als Anreiz für eine Feldbestellung zu verstehen, deren Erträge anderenfalls den Herstellungsaufwand nicht rechtfertigen könnten. Dies muss umso mehr gelten, als die für die streitigen Flächen erhaltenen Prämienansprüche für den Beklagten weiterhin einen Vermögenswert darstellen, auch wenn er diese Flächen nicht mehr bewirtschaftet. Denn er kann sie einfordern um sie für andere Flächen einzusetzen oder auf dem entsprechenden Markt veräußern.

55 Die Kosten für die Pflege und Aberntung setzt der Sachverständige mit 199.430 an. Von diesem Betrag sind wiederum die prognostizierten Kosten der Ersatzbepflanzung auf den Umbruchflächen für Zuckerrüben, Weizen, Sommergerste und –raps aus den genannten Gründen abzuziehen. Sie wurden von dem Sachverständigen mit (27.035 + anteilige Betriebskosten = 3.974) mit 31.009 berücksichtigt, so dass die Erntegewinnungskosten 168.421 betragen.

56 Die Differenz zu dem Ernteerlös beträgt (218.724 - 168.421 =) 50.303 .

57 c. Die Vorschriften der §§ 994 bis 1003 BGB regeln im Verhältnis zwischen Eigentümer und nichtberechtigtem Besitzer den Ersatz der Verwendungen erschöpfend und schließen die Anwendbarkeit der Regeln über die GoA und des allgemeinen Bereicherungsrechts aus (BGHZ 41, 157; BGH MDR 1996, 1114).

58 Der Beklagte kann daher einen darüber hinausgehenden Zahlungsanspruch nicht daraus herleiten, dass die Klägerin aus der von ihm vorgenommenen Feldbestellung tatsächlich höhere Ernteerlöse erzielt habe, zu deren Ermittlung er auf die mit dem Hilfsantrag begehrte Auskunft angewiesen sei. Denn dem Beklagten steht, wie ausgeführt, aus § 998 BGB lediglich ein Anspruch auf Ersatz der ungetrennten Früchte zu, so dass es für seinen Anspruch auf den späteren tatsächlichen Gewinn nicht ankommt.

59 Aus diesem Grund hätte auch der erstmals mit nach Schluss der mündlichen Verhandlung eingegangenem Schriftsatz vom 27. Juli 2010 angekündigte Auskunftsantrag keinen Erfolg, so dass er die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung nicht zu rechtfertigen vermag.

60 d. Die Ansprüche des Beklagten auf Ersatz der Feldbestellungskosten sind mit Rückgabe der Pachtflächen am 1. März 2006 fällig geworden. Zu diesem Zeitpunkt waren Ansprüche der Klägerin auf Ersatz des Vorenthaltungsschadens tituliert. Danach besteht seither eine Aufrechnungslage nach § 387 BGB. Der Beklagte kann sich hierauf auch berufen. Der Aufrechnung steht § 242 BGB nicht entgegen. Die titulierte Forderung der Klägerin war umstritten und vom Landwirtschaftsgericht abgewiesen worden, so dass der Beklagte vor ihrer Befriedigung die endgültige Entscheidung abwarten konnte. Für den Anspruch des Beklagten aus § 998 BGB kommt es zudem auf Bösgläubigkeit des Besitzes nicht an.

61 Da der Beklagte aus dem vollstreckbaren Titel neben der Hauptforderung Zinsen und Kosten schuldet, enthält die Aufrechnungserklärung, die Zinsen und Kosten nicht erwähnt, keine von § 367 BGB abweichende Bestimmung (BGH NJW 1981, 1729), so dass die Klägerin an einer entsprechende Verrechnung ihrer titulierten Forderungen nach § 367 Abs. 1 BGB nicht gehindert ist.

III.

62 Die prozessualen Nebenentscheidungen folgen § 48 Abs. 1, § 1 a LwAnpG, §§ 92, 708 Ziff. 10, § 711 ZPO.

63 Gründe, die es rechtfertigen könnten, die Revision zuzulassen (§543 Abs. 2 Satz 1 ZPO), liegen nicht vor.

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