Urteil des LSG Niedersachsen-Bremen vom 18.06.2003, L 4 KR 142/01

Aktenzeichen: L 4 KR 142/01

LSG Nsb: treu und glauben, klinikum, geschäftsführung ohne auftrag, niedersachsen, goa, hamburger, behandlungskosten, beiladung, winter, moor

Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen

Urteil vom 18.06.2003 (nicht rechtskräftig)

Sozialgericht Lüneburg S 9 KR 88/00

Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen L 4 KR 142/01

Die Berufung wird zurückgewiesen. Der Kläger hat die außergerichtlichen Kosten der Beklagten zu erstatten. Im Übrigen sind keine Kosten zu erstatten.

Tatbestand:

Der Kläger macht als Konkursverwalter über das Vermögen der D. Krankenhaus-behandlungskosten für den bei der Beklagten versicherten E. (Beigeladener) geltend.

Der Beigeladene befand sich vom 12. Januar bis 29. Januar 1998 wegen En-doprothesenlockerung rechtes Kniegelenk im Klinikum F. in stationärer Behand-lung. Es liegt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung des Orthopäden G. (8. Januar 1998) vor. Das Klinikum F. und der Beigeladene schlossen am 12. Ja-nuar 1998 einen "Behandlungsvertrag” ab. Die Rechnung über den stationären Aufenthalt ging bei der Beklagten am 9. Februar 1998 ein.

Mit Schreiben vom 10. Februar 1998 an das Klinikum F. und Schreiben vom 14. Juli 1998 an den Kläger lehnte die Beklagte eine Kostenübernahme ab, da keine vertraglichen Beziehungen nach § 108 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) zwischen ihr und dem Klinikum bestünden. Der Kläger legte eine Vereinbarung über die Abtretung der Leistungen des Versicherten aus Anlass der erbrachten stationären Behandlung gegenüber der Beklagten vom 22. März 2000 vor.

Dem war Folgendes vorausgegangen:

Bis Ende 1997 war der Bereich F. Teil der Hamburger H ... An dem in Niedersach-sen gelegenen Standort Wintermoor erfolgte eine spezielle medizinische Be-handlung für komplizierte bakterielle Knochen- und Gelenkerkrankungen. Die En-do-Klinik mit dem Bereich Wintermoor fielen unter den Versorgungsvertrag mit Hamburger Krankenkassen. Im Laufe des Jahres 1997 beschloss die Unterneh-mensführung der Endo-Klinik, den Standort Wintermoor aus wirtschaftlichen Gründen aufzugeben und das gesamte Behandlungskonzept in Hamburg zentral durchzuführen. Die in Wintermoor tätigen Ärzte und Mitarbeiter der Endo-Klinik wollten den Standort Wintermoor nach dem 31. Dezember 1997 als selbstständi-ges Krankenhaus auf eigene Rechnung fortführen. Im August 1997 wurde des-halb eine Gesellschaft gegründet, die am 4. September 1997 in das Handelsre-gister eingetragen wurde. Diese Gesellschaft, die jetzige Gemeinschuldnerin, er-warb mit Verträgen vom 13. Oktober 1997 und mit Zustimmung des Landes Niedersachsen das Betriebsgelände und das Anlagevermögen Wintermoor. Aus-weislich des notariellen Vertrages war Verkäuferin die Verwaltungsgesellschaft Endo-Klinik als Alleineigentümerin des auf dem Erbbaugrundstück Wintermoor gelegenen Objekts (vgl Vertrag des Notars I. vom 13. Oktober 1997; Urkunden-rolle 683/1997 G mit Anlage; vgl Bl 48 der Beiakten Band I Verfahren L 4 KR 147/01 -). Das Land Niedersachsen machte den Übergang des Erbbaurechts da-von abhängig, dass der für die spätere Gemeinschuldnerin gestellte Antrag auf Aufnahme in den Krankenhausplan des Landes Niedersachsen bis zum 31. De-zember 1997 positiv beschieden werde.

Die Endo-Klinik stellte den Betrieb in Wintermoor vor Weihnachten 1997 ein. Die von ihr betreuten Patienten wurden nach Hause entlassen. Die Beschäftigungs-verhältnisse mit den Ärzten und übrigen Mitarbeitern endeten am 31. Dezember 1997.

Die Aufnahme des Klinikums Wintermoor in den Niedersächsischen Kranken-hausplan war Gegenstand verschiedener Gespräche, an denen ua Vertreter der Initiatoren, des Niedersächsischen Sozialministeriums sowie die Mitglieder des Planungsausschusses nach § 9 Nds Gesetz zum Bundesgesetz zur wirtschaftli-chen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der Krankenhauspflege-sätze Nds KHG - idF vom 12. November 1986 (Nds GVBl S 343), geändert durch § 29 des Gesetzes vom 19. Dezember 1995 (Nds GVBl S 463), teilnahmen (vgl Ergebnis der Niederschrift der Planungsausschusssitzung vom 10. Dezember 1997; Bl 34 der Beiakte Band II, Informationsschreiben des Niedersächsischen Sozialministeriums vom 19. Januar 1998; Bl 103 der Beiakte Band II Verfahren L 4 KR 147/01 -).

Den Antrag des Klinikums Wintermoor vom 22. Juli 1997 auf Aufnahme in den Niedersächsischen Krankenhausplan lehnte das Niedersächsische Sozialministe-rium mit Bescheid vom 27. Februar 1998 ab (vgl Bl 158 bis 160 der Beiakte Band II Verfahren L 4 KR 147/01 -).

Der Kläger hat am 13. Juni 2000 Klage vor dem Sozialgericht (SG) Lüneburg er-hoben. Er macht als Konkursverwalter über das Vermögen der Klinikum Winter-moor Betriebsgesellschaft mbH die Erstattung von Krankenhauskosten in Höhe von 26.619,38 DM nebst Mahnkosten und Zinsen für den Beigeladenen geltend, da die Bezahlung der vom Klinikum erbrachten Leistungen von der Beklagten zu Unrecht verweigert worden sei.

Das SG hat die Klage mit Urteil vom 11. April 2001 abgewiesen. Sie sei unbe-gründet. Das Klinikum Wintermoor sei während der Behandlungszeit des Beige-ladenen nicht zugelassen gewesen. Es sei auch später nicht zugelassen worden. Vielmehr sei die Aufnahme in den Niedersächsischen Krankenhausplan durch Bescheid vom 27. Februar 1998 abgelehnt worden. Es gäbe keine Rechtsgrund-lage für eine Übernahme der Behandlungskosten während des Schwebezustan-des, also zwischen dem Antrag auf Aufnahme in den Krankenhausplan und der Entscheidung darüber. Ein Vertrauensschutz gegenüber der Gemeinschuldnerin sei nicht gegeben. Die Beklagte habe das Klinikum Wintermoor nicht im Glauben gelassen, dass eine Aufnahme in den Krankenhausplan erfolgen würde. Sollte ein solches Vertrauen erweckt worden sein, so hätte hierfür allenfalls das Ministe-rium, nicht aber die Beklagte einzustehen. Im Übrigen sei dem Klinikum Winter-moor bekannt gewesen, dass am 10. Dezember 1997 ein Gespräch mit dem Pla-nungsausschuss stattgefunden habe. Ein Kostenanspruch ergebe sich auch nicht aus dem Gesichtspunkt einer Notfallbehandlung. Denn eine Notfallsituation sei aus der Diagnose betreffend den Beigeladenen nicht ersichtlich. Hinzu komme, dass der Kläger im Verwaltungsverfahren vorgetragen habe, dass sich die im Ja-nuar 1998 im Klinikum Wintermoor behandelten Patienten überwiegend bereits vor dem 1. Januar 1998 zur Operation angemeldet hätten. Schließlich folge ein Anspruch des Klägers auch nicht aus dem Gesichtspunkt des Systemversagens.

Der Kläger hat gegen dieses ihm am 17. Mai 2001 zugestellte Urteil am 18. Juni 2001 (Montag) Berufung vor dem Landessozialgericht (LSG) eingelegt.

Der Kläger trägt im Wesentlichen vor, solange nicht festgestanden habe, ob der zum Jahreswechsel beabsichtigte Trägerwechsel zustande kommen würde, sei es für die zahlungspflichtigen Krankenkassen gleichgültig gewesen, ob sie für die im Klinikum Wintermoor angefallenen Krankenhaus- und Behandlungskosten ih-rer Versicherten über den Hamburger oder über den Niedersächsischen Kran-kenhausplan belastet würden. Ihre Leistungsverweigerung und die formale Beru-fung auf die nachträglich, nämlich mit Bescheid vom 27. Februar 1998 weggefal-lene, Zulassung des Klinikums ab 1. Januar 1998 verstoße daher gegen das Ge-bot von Treu- und Glauben. Zu Lasten der Beklagten falle weiter ins Gewicht, dass bei Behandlungsbeginn weder die beteiligten Krankenkassen und Vertrags-ärzte noch die spätere Gemeinschuldnerin davon unterrichtet gewesen seien, dass der Trägerwechsel für die 120 Betten nicht zustande kommen würde. Sie hätten im Interesse ihrer Versicherten auf eine Fortdauer des bisherigen Rechtszustandes vertrauen können und müssen; die in Wintermoor behandelten Pati-enten seien mit denjenigen gleichzustellen, die im hamburger Betrieb der Endo-Klinik behandelt worden seien. Es sei auch objektiv ungeklärt und folglich den Beteiligten unbekannt gewesen, ob das im letzten Quartal 1997 überraschend geänderte Konzept der Endo-Klinik, die in Wintermoor behandelten Patienten für septische Gelenkoperationen nicht der späteren Gemeinschuldnerin zu überlas-sen, sondern nach Hamburg zu übernehmen, die Zustimmung der zuständigen Behörden in Niedersachsen und Hamburg finden würde. Die Krankenkassen und auch die Beklagte hätten hiervon erst erfahren, nachdem der Ablehnungsbe-scheid vom 27. Februar 1998 rechtskräftig geworden sei. Vorher hätten sie ihre Vertragsärzte auch nicht verlässlich informieren können. Aus dieser Unsicherheit über die Übernahme der Wintermoor- Betten nach Hamburg und unveränderte Finanzierung über den bisher zuständigen Hamburger Krankenhausplan oder ihre Zuweisung in den Niedersächsischen Krankenhausplan ab 1. Januar 1998 erge-be sich ein erhöhter Vertrauensschutz zu Gunsten der behandelten Patienten und der späteren Gemeinschuldnerin. Dies habe die Kostentragungspflicht der Be-klagten für die in der Schwebezeit vorgenommenen Operationen ihres Versi-cherten zur Folge. Im Übrigen habe die Beklagte wie alle übrigen Krankenkas-sen auch das berechtigte Vertrauen ihrer Vertragsärzte und der Versicherten insoweit gefördert, als sie nach der Besprechung vom 10. Dezember 1997 keinerlei Hinweise und Verlautbarungen herausgegeben hätte, dass bis zur endgül-tigen Entscheidung über den Antrag vom 22. Juli 1997 eine Patientenbehandlung in Wintermoor auf ihre Kosten nicht zulässig sein solle. Wenn sie dieses berech-tigte Vertrauen der Beteiligten für die Zeit ab 1. Januar 1998 hätte erschüttern wollen, wären nach der Besprechung vom 10. Dezember 1997 eindeutige Mittei-lungen an die Vertragsärzte erforderlich gewesen. Die Verantwortung für diese unterlassenen Hinweise könne die Beklagte nicht auf das Sozialministerium ab-schieben.

Es bestehe die Notwendigkeit der Beiladung des Landes Niedersachsen, denn ihm dem Kläger stünden, falls seine vorliegende Klage rechtskräftig abgewie-sen werde, mindestens in Höhe der Klageforderungen im vorliegenden Verfahren und den sieben Parallelverfahren gegen das Land Niedersachsen nach Art 34 Grundgesetz (GG), § 839 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) Schadenersatzansprü-che zu, weil über den Antrag der späteren Gemeinschuldnerin auf Aufnahme in den Krankenhausplan des Landes Niedersachsen nicht rechtzeitig vor dem Trä-gerwechsel am 31. Dezember 1997 / 1. Januar 1998 entschieden oder mindes-tens eine vorläufige Regelung getroffen worden sei.

Der Kläger beantragt,

das Urteil des Sozialgerichts Lüneburg vom 11. April 2001 aufzuheben, die Beklagte kostenpflichtig und vorläufig vollstreckbar zu verurteilen, 13.610,27 EUR (26.619,38 DM) nebst 4 % Zinsen seit dem 1. April 1998 sowie vorgerichtliche Mahnkosten in Höhe von 444,21 EUR (868,80 DM) an den Kläger zu zahlen.

Die Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Sie hält das erstinstanzliche Urteil für zutreffend.

Der Beigeladene hat keinen Antrag gestellt.

Mit den Beteiligten hat am 25. September 2002 ein Termin zur Erörterung des Sachverhalts und der Rechtslage vor dem Berichterstatter des Senats stattgefun-den. Insoweit wird auf die Sitzungsniederschrift verwiesen.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Vorbringens der Beteiligten und des Sach-verhalts wird auf die Gerichtsakten des ersten und zweiten Rechtszuges sowie auf die Verwaltungsakten der Beklagten und des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit Beiakten in dem Parallelverfahren L 4 KR 147/01 -, die Gegenstand der Entscheidung gewesen sind, verwiesen.

Entscheidungsgründe:

Der Senat konnte mit Zustimmung der Beteiligten ohne mündliche Verhandlung entscheiden 124 Abs 2 Sozialgerichtsgesetz SGG -).

Die vom Kläger beantragte Beiladung des Landes Niedersachsen nach § 75 SGG kam nicht in Betracht, denn die Voraussetzungen für eine notwendige Beiladung iSd § 75 Abs 2 SGG liegen nicht vor.

Die gemäß §§ 143 und 144 Abs 1 Satz 1 Ziff 1 SGG statthafte Berufung ist form- und fristgerecht eingelegt worden und auch im Übrigen zulässig.

Die Berufung ist jedoch nicht begründet.

Der Kläger hat keinen Anspruch gegenüber der Beklagten aus abgetretenem Recht. Zwar hat der Beigeladene erklärt, er wolle seinen Kostenerstattungsan-spruch gegen die Beklagte an den Kläger abtreten. Dem Beigeladenen stand jedoch kein Kostenerstattungsanspruch gegen die Beklagte nach § 13 Abs 3 Satz 1 SGB V zu.

Nach § 13 Abs 3 Satz 1 SGB V hat die Krankenkasse Kosten zu erstatten, die dadurch entstehen, dass sie eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen konnte (1. Alternative) oder dass sie eine Leistung zu Unrecht abge-lehnt hat (2. Alternative). Der Kostenerstattungsanspruch tritt an die Stelle des Anspruchs auf eine Sach- oder Dienstleistung; er besteht deshalb nur, soweit die selbstbeschaffte Leistung ihrer Art nach zu den Leistungen gehört, die von den gesetzlichen Krankenkassen als Sachleistung zu erbringen sind. Dabei muss zwi-schen dem die Haftung der Krankenkasse begründenden Umstand (bei der 1. Alternative: dem Unvermögen zur rechtzeitigen Leistung; bei der 2. Alternative: der rechtswidrigen Ablehnung) einerseits und den Nachteil des Versicherten (Kostenlast) andererseits ein Kausalzusammenhang bestehen, ohne den die Be-dingung des § 13 Abs 1 SGB V für die Ausnahme vom Sachleistungsgrundsatz nicht erfüllt ist (ständige Rechtsprechung des Senats; vgl ua Urteil vom 24. Ap-ril 2002 L 4 KR 49/00 mwH auf die Rechtsprechung des BSG und des erken-nenden Senats).

Die von dem Beigeladenen in Anspruch genommene Krankenhausbehandlung war nicht unaufschiebbar. Den ärztlichen Unterlagen lässt sich nicht entnehmen, dass die Behandlung des Beigeladenen auf einem Notfall beruhte. Ein Kostener-stattungsanspruch des Beigeladenen iSd § 13 Abs 3 Satz 1 Alternative 1 SGB V scheidet daher aus.

Dasselbe gilt für einen Kostenerstattungsanspruch nach § 13 Abs 3 Satz 1 Alter-native 2 SGB V. Denn dem Beigeladenen stand kein Sachleistungsanspruch ge-gen die Beklagte auf Behandlung im Klinikum Wintermoor zu.

Nach § 27 Abs 1 Satz 2 Nr 5, § 39 Abs 1 Satz 2, § 108 SGB V haben Versicherte Anspruch auf vollstationäre Behandlung in einem zugelassenen Krankenhaus iSd § 108 SGB V. Nach § 108 SGB V dürfen die Krankenkassen Krankenhausbe-handlung nur durch Hochschulkliniken im Sinne des Hochschulbauförderungsge-setzes oder durch Krankenhäuser, die in den Krankenhausplan eines Landes aufgenommen sind (Plankrankenhäuser), oder durch Krankenhäuser, die einen Versorgungsvertrag mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ver-bänden der Ersatzkassen abgeschlossen haben, erbringen.

Diese Voraussetzungen liegen hier das ist zwischen den Beteiligten unstreitig nicht vor. Das Klinikum Wintermoor war weder eine Hochschulklinik, noch war es während der Behandlungszeit des Beigeladenen in den Krankenhausplan

des Landes Niedersachsen aufgenommen. Es hatte auch keinen Versorgungsvertrag mit den Verbänden der Krankenkassen abgeschlossen. Damit scheidet ein An-spruch des Beigeladenen gegen die Beklagte nach § 13 Abs 3 Satz 1 SGB V aus (vgl auch Urteil des BSG vom 3. November 1999 B 3 KR 4/99 R = SGb 2001, 193, 194).

Schließlich stand dem Beigeladenen auch kein Anspruch gegen die Beklagte aus dem Gesichtspunkt der Rechtsscheinshaftung zu. Ein solcher Anspruch setzt voraus, dass ein zur vertragsärztlichen Behandlung zugelassener Leistungserb-ringer gegenüber dem Versicherten zum Ausdruck gebracht hat, die von ihm durchgeführte Behandlung werde im Rahmen des Sachleistungssystems der Ge-setzlichen Krankenversicherung kostenfrei erbracht. Im vorliegenden Fall schei-tert eine Rechtsscheinhaftung der Beklagten daran, dass das Klinikum Wintermoor und die den Beigeladenen behandelnden Ärzte nicht zur vertragsärztlichen Behandlung zugelassen waren. Sie waren keine Leistungserbringer der Beklag-ten. Infolgedessen muss die Beklagte für ihr Verhalten auch nicht einstehen. Auf die Frage, ob der Beigeladene von der fehlenden Zulassung wusste oder wissen musste oder ob er davon ausging, dass er im Klinikum Wintermoor als Versi-cherter der Beklagten im Wege der Sachleistung behandelt würde, kommt es nicht an.

Dem Kläger steht gegen die Beklagte auch kein Anspruch aus eigenem Recht zu.

Es kommt weder ein Herstellungsanspruch noch ein anderer auf den auch im öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben 242 BGB) ge-stützter Anspruch in Betracht. Denn die Beklagte hat sich gegenüber dem Klini-kum Wintermoor weder rechtsfehlerhaft verhalten noch einen Vertrauenstatbe-stand geschaffen, aufgrund dessen sie für die Krankenhauskosten einstehen müsste. Vielmehr musste das Klinikum Wintermoor aufgrund der klaren und ein-deutigen Rechtslage selbst wissen, dass eine Behandlung gesetzlich krankenver-sicherter Patienten auf Kosten der Beklagten nur möglich ist, wenn die Voraus-setzungen des § 108 SGB V erfüllt sind. Aufgrund dessen konnte die Beklagte weder den Anschein erwecken noch den Anschein aufrecht erhalten, dass sie ab 1. Januar 1998 Krankenhauskosten übernehmen würde. Entsprechendes gilt für die Aufnahme in den Krankenhausplan, für die im Übrigen nicht die Beklagte, sondern die Landesregierung zuständig ist. Hinzu kommt, dass es nach dem Ge-spräch mit dem Planungsausschuss im Dezember 1997 für alle Gesprächspart-ner also auch für das Klinikum Wintermoor völlig offen war, wann eine Ent-scheidung über die Aufnahme in den Krankenhausplan erfolgen würde. So ver-tagten sich die am Zulassungsverfahren Beteiligten auf ein weiteres Gespräch am 13. Januar 1998.

Ein Anspruch aus Geschäftsführung ohne Auftrag (GoA) nach § 677 ff BGB ent-fällt ebenfalls. Zwar sind die §§ 677 ff BGB im Bereich der gesetzlichen Kranken-versicherung grundsätzlich entsprechend anwendbar (BSG SozR 3-7610 § 683 Nr 1). Aufwendungsersatzansprüche nach den Vorschriften über die GoA sind im öffentlichen Recht jedoch ua dann nicht gegeben, wenn die Vorschriften des öf-fentlichen Rechts eine erschöpfende Regelung darstellen, die einen Rückgriff auf die Grundsätze über die GoA nicht erlaubt (BSG, Urteil vom 3. November 1999, aaO, S 193, 195 mwN). Das ist hier der Fall.

Die Vorschriften über das Leistungsrecht der Versicherten und der Leistungser-bringer im Recht der gesetzlichen Krankenversicherung (hier insbesondere §§ 39, 69, 108 ff SGB V) regeln die Beziehungen zwischen Krankenkassen und Leis-tungserbringern insoweit abschließend und verbieten einen Rückgriff auf die GoA. Grund hierfür ist, dass die Anwendung der Grundsätze über die GoA das Sach-leistungsprinzip empfindlich beeinträchtigen würden. Denn der Gesetzgeber hat in § 2 Abs 2 SGB V normiert, dass die Versicherten die Leistungen grundsätzlich als Sach- und Dienstleistungen erhalten. Diese Leistungen werden durch Verträ-ge der Krankenkassen mit den Leistungserbringern sichergestellt (vgl §§ 72 f, 108 ff SGB V). Eine von diesen Grundsätzen abweichende Regelung würde das Sachleistungsprinzip gefährden. Deshalb hat sie der Gesetzgeber auch nicht vor-gesehen. Er hat eine Kostenerstattung daher nur in wenigen Ausnahmen zuge-lassen.

Schließlich scheidet auch ein Anspruch des Klägers aus ungerechtfertigter Berei-cherung aus 812 BGB). Denn zwischen dem Klinikum Wintermoor und der Be-klagten bestand kein Leistungsverhältnis im Sinne einer zu erbringenden Ver-tragsleistung (vgl auch BSG, Urteil vom 9. Oktober 2001 - B 1 KR 6/01 R = SGb 2002, 563, 564).

Die Kostenentscheidung beruht auf § 193 Abs 1, 4 SGG (in der bis zum 1. Januar 2001 geltenden Fassung).

Gründe für die Zulassung der Revision haben nicht vorgelegen 160 Abs 2 Ziff 1 und 2 SGG).

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