Urteil des LSG Berlin-Brandenburg vom 07.05.2009
LSG Berlin-Brandenburg: stationäre behandlung, krankenkasse, rückgriff, anpassung, quelle, sammlung, sachprüfung, link, ausschluss, mahnung
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Gericht:
Landessozialgericht
Berlin-Brandenburg 9.
Senat
Entscheidungsdatum:
Aktenzeichen:
L 9 KR 262/08
Dokumenttyp:
Urteil
Quelle:
Normen:
§ 112 Abs 2 S 1 Nr 1 Buchst b
SGB 5, § 288 BGB, § 291 BGB
Krankenversicherung - Vergütungsanspruch des Krankenhauses
- Krankenhausbehandlungsvertrag - Verzugszinsen -
Prozesszinsen
Leitsatz
§ 12 Abs. 5 Krankenhausbehandlungsvertrag sieht lediglich die Entstehung von
Verzugszinsen vor; über weiter gehende Prozesszinsen ist vertraglich nichts geregelt. Der
Krankenhausbehandlungsvertrag im Sinne von § 112 SGB V ist insoweit abschließend und
lässt eine ergänzende Geltung der BGB-Regelungen über Prozesszinsen nicht zu
(Weiterführung von L 9 KR 251/04, Urteil vom 16. April 2008).
Tenor
Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil des Sozialgerichts Berlin vom 27. Mai 2008
wird zurückgewiesen.
Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt die Klägerin.
Die Revision wird nicht zugelassen.
Tatbestand
Die Beteiligten streiten über den Anspruch der Klägerin auf Zahlung von Prozesszinsen.
Der bei der Beklagten krankenversicherte H befand sich vom 11. November 2002 bis
einschließlich 25. November 2002 in stationärer Behandlung in einem von der Klägerin
getragenen Krankenhaus. Die Behandlung erfolgte unter Geltung des Vertrages über die
Allgemeinen Bedingungen der Krankenhausbehandlung vom 1. November 1994 in der
Fassung der Ergänzungsvereinbarung vom 22. Dezember 1997 (im Folgenden: KBV).
Dieser enthält u.a. die folgende Regelung:
§ 12 Zahlungsregelungen
1. Nach Beendigung der Krankenhausbehandlung wird der zuständigen
Krankenkasse in der Regel innerhalb von 30 Tagen eine Schlussrechnung übersandt.
2. […]
3. […]
4. Die zuständige Krankenkasse bezahlt die Rechnung innerhalb von 14
Kalendertagen nach Rechnungseingang. […]
5. Erfolgt die Zahlung nicht fristgemäß, kann das Krankenhaus ab Fälligkeitstag ohne
vorherige Mahnung Zinsen in Höhe von 2 % über dem Diskontsatz der Deutschen
Bundesbank berechnen.
6. Andere Zahlungsregelungen und Formen der Rechnungsstellung können
Gegenstand vertraglicher Absprachen zwischen dem Krankenhaus und der
Krankenkasse sein.
Die für die Behandlung insgesamt angefallenen Kosten i.H.v. 3.532,36 Euro wurden mit
Schlussrechnung vom 15. Mai 2003, der Beklagten zugegangen am 19. Mai 2003,
geltend gemacht. Hierauf beglich die Beklagte einen Teilbetrag von nur 1.766,33 Euro,
weil sie der Annahme war, die über den 17. November 2002 hinausgehende stationäre
Behandlung des Versicherten sei nicht erforderlich gewesen.
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Wegen der Restforderung i.H.v. 1766,03 Euro hat die Klägerin am 27. Dezember 2006
Klage erhoben, verbunden mit dem Antrag, die Beklagte zur Zahlung von Zinsen in
Höhe von zwei Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 2. Juni 2003
zu verurteilen. Mit Schreiben vom 23. April 2007 hat die Klägerin einen Anspruch auf
Prozesszinsen ab dem 27. Dezember 2006 i.H.v. acht Prozentpunkten über dem
jeweiligen Basiszinssatz geltend gemacht; später hat sie noch hilfsweise geltend
gemacht, die Beklagte zur Zahlung von Prozesszinsen i.H.v. acht Prozentpunkten über
dem jeweiligen Basiszinssatz jedenfalls ab Antragserweiterung am 23. April 2007 zu
verurteilen.
Die Beklagte hat die Klageforderung am 8. Oktober 2007 im Umfang der Hauptforderung
nebst Zinsen i.H.v. zwei Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ab dem 3. Juni 2003
anerkannt; Hauptforderung und anerkannter Teil der Zinsforderung wurden beglichen.
Die Klägerin hat daraufhin Haupt- und Hilfsantrag auf Verurteilung der Beklagten zur
Zahlung der Differenz zwischen den gezahlten Verzugszinsen und den geltend
gemachten Prozesszinsen weiter verfolgt und demgemäß beantragt, die Beklagte zu
verurteilen, an sie 97,25 Euro, hilfsweise 63,29 Euro zu zahlen.
Das Sozialgericht Berlin hat die Klage mit Urteil vom 27. Mai 2008 abgewiesen, die
Berufung wegen grundsätzlicher Bedeutung der Sache zugelassen und zur Begründung
im Wesentlichen ausgeführt: Die Klägerin habe keinen Anspruch auf die geltend
gemachten Prozesszinsen, denn solche seien mit dem KBV ausgeschlossen. § 12 Ziffer
5 KBV regele abschließend und damit unter Ausschluss der §§ 286 bis 291 BGB, unter
welchen Bedingungen und in welcher Höhe ein Krankenhaus auf Forderungen, die infolge
einer Krankenhausbehandlung entstanden seien, Zinsen beanspruchen könne. Eines
ausdrücklichen Ausschlusses der §§ 286 bis 291 BGB habe es angesichts der vom
Regelungsgehalt dieser dispositiven Normen abweichenden vertraglichen Regelung nicht
bedurft.
Mit ihrer am 9. Juni 2008 gegen das ihr am 4. Juni 2008 zugestellte Urteil erhobenen
Berufung verfolgt die Klägerin ihr Begehren weiter. Die sich im Hinblick auf die
Prozesszinsen ergebende Lücke im KBV müsse durch die einschlägigen BGB-
Regelungen geschlossen werden.
Die Klägerin beantragt,
das Urteil des Sozialgerichtes Berlin vom 27. Mai 2008 aufzuheben und die Beklagte
zu verurteilen, an sie 97,25 Euro, hilfsweise 63,29 Euro zu zahlen,
weiter hilfsweise, die Revision zuzulassen.
Die Beklagte beantragt,
die Berufung abzuweisen.
Sie hält das erstinstanzliche Urteil für zutreffend.
Wegen des Sachverhalts und des Vorbringens der Beteiligten wird im Übrigen auf den
Inhalt der Gerichtsakte und des Verwaltungsvorgangs der Beklagten Bezug genommen,
der, soweit wesentlich, Gegenstand der Erörterung in der mündlichen Verhandlung und
der Entscheidungsfindung war.
Entscheidungsgründe
Die zulässige Berufung hat keinen Erfolg. Das Sozialgericht beurteilt die Sach- und
Rechtslage in seinem Urteil vom 27. Mai 2008 zutreffend. Die mit der Klage geltend
gemachte Forderung besteht nicht. Der Senat nimmt zur Vermeidung von
Wiederholungen nach eigener Sachprüfung Bezug auf die Entscheidungsgründe des
erstinstanzlichen Urteils (§ 153 Abs. 2 SGG) und führt ergänzend lediglich aus:
Der Wortlaut des zwischen den Beteiligten geltenden Krankenhausbehandlungsvertrages
lässt kein anderes Ergebnis zu. Aus § 12 Abs. 5 und 6 ergibt sich eindeutig, dass eine
spezifische Zinsregelung vereinbart ist und andere Zahlungsregelungen der
gesonderten Vereinbarung bedürfen. Der Rückgriff auf das dispositive Recht des BGB
zum Anspruch auf Verzugs- bzw. Prozesszinsen ist damit verschlossen. Dass der
Krankenhausbehandlungsvertrag in § 12 Abs. 5 abschließend ist, hat der Senat schon an
anderer Stelle betont und entschieden, dass neben den geregelten Verzugszinsen kein
weiter gehender Verzugsschaden beansprucht werden kann (L 9 KR 251/04, Urteil vom
16. April 2008). Sofern die Klägerin ein anderes Ergebnis wünscht, kann dies nur über
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16. April 2008). Sofern die Klägerin ein anderes Ergebnis wünscht, kann dies nur über
eine Anpassung des Vertragswerks erreicht werden.
Die Entscheidung zu den Kosten der Berufung beruht auf § 197 a Abs. 1 Satz 1, 2. HS
SGG i.V.m. §§ 154 Abs. 2 VwGO.
Die Revision war nicht zuzulassen, da ein Zulassungsgrund (§ 160 Abs. 2 SGG) nicht
vorliegt. Insbesondere kommt der Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung zu,
denn sie betrifft keine ungeklärte Rechtsfrage.
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