Urteil des LG Wuppertal vom 05.03.2007, 6 T 91/07

Aktenzeichen: 6 T 91/07

LG Wuppertal: letztwillige verfügung, vorbescheid, enterbung, testament, billigkeit, amtszeit, anweisung, datum, erbvertrag

Landgericht Wuppertal, 6 T 91/07

Datum: 05.03.2007

Gericht: Landgericht Wuppertal

Spruchkörper: 6. Zivilkammer

Entscheidungsart: Beschluss

Aktenzeichen: 6 T 91/07

Vorinstanz: Amtsgericht Mettmann, 7 VI 399/06

Sachgebiet: Bürgerliches Recht

Tenor: Der angefochtene Vorbescheid wird aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Prüfung und Entscheidung über die Erbscheins-anträge der Beteiligten zu 1 und 2 an das Amtsgericht zurückverwiesen, das angewiesen wird, von der in dem angefochtenen Vorbescheid geäußerten Rechtsauffassung Abstand zu nehmen.

Die Beteiligte zu 1 hat die der Beteiligten zu 2 im Verfahren der weiteren Be-schwerde und in dem vorliegenden Beschwerdeverfahren notwendig entstan-denen außergerichtlichen Kosten zu erstatten.

G r ü n d e : 1

Wegen der Einzelheiten des Sachverhaltes und des Verfahrens wird auf die Beschlüsse der Kammer vom 20. November 2006 (6 T 669/06) und des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 29. Januar 2007 (I-3 Wx 256/06) Bezug genommen.

3Die Kammer hat nunmehr, in der nichtöffentlichen Sitzung vom heutigen Tage, den Urkundsnotar, Notar a. D. T, als Zeugen vernommen. Wegen der Einzelheiten insoweit wird auf den über die Sitzung gefertigten Vermerk Bezug genommen.

4Die zulässige Beschwerde der Beteiligten zu 2 führt auch nach erneuter Prüfung zur Aufhebung des angefochtenen Vorbescheids und Zurückverweisung der Sache an das Amtsgericht zur erneuten Prüfung und Entscheidung über die Erbscheinsanträge der Beteiligten zu 1 und 2, verbunden mit der Anweisung, von der in dem angefochtenen Vorbescheid geäußerten Rechtsauffassung Abstand zu nehmen.

5

Nach der Vernehmung des Urkundsnotars steht zur Überzeugung der Kammer fest, dass er mit der von ihm verwendeten Klausel in Ziffer VII Abs. 2 des Erbvertrages vom 22. Dezember 1980 regelmäßig eine umfassende Änderungsbefugnis mit der Möglichkeit der Enterbung einräumen wollte und dass auch die Vertragsschließenden, 2

Möglichkeit der Enterbung einräumen wollte und dass auch die Vertragsschließenden, nachdem sie durch den Notar entsprechend belehrt worden sind, die Änderungsbefugnis übereinstimmend in diesem Sinne verstanden und gewollt haben (vgl. Seite 8, 4. Absatz des vorbezeichneten Beschlusses des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 29. Januar 2007). Denn der als Zeuge vernommene Urkundsnotar hat bekundet, zwar an den konkreten Fall keine Erinnerung mehr zu haben. Die von ihm über mindestens 30 Jahre hinweg in Fällen der vorliegenden Art stets verwendete Klausel habe jedoch dem Überlebenden eine umfassende Änderungsbefugnis, auch mit der Möglichkeit der Enterbung, einräumen sollen, worüber er die Beteiligten regelmäßig auch belehrt habe. Wenn sie solches ausnahmsweise nur zwei bis drei Fälle aus seiner gesamten Amtszeit seien ihm konkret erinnerlich nicht gewünscht hätten, sei es im gemeinschaftlichen Testament bzw. im Erbvertrag entsprechend zum Ausdruck gebracht worden.

6Umstände, die an der Glaubhaftigkeit der Aussage des Zeugen T zweifeln lassen könnten, sind nicht hervorgetreten.

7Danach hält sich das Testament der Erblasserin vom 6. Juni 2006 noch im Rahmen des erbvertraglich vereinbarten Änderungsvorbehalts und ist nicht nach § 2289 Abs. 1 S. 2 BGB unwirksam, so dass der angefochtene Vorbescheid erneut aufzuheben war. Zugleich war die Sache zur erneuten Prüfung und Entscheidung über die Erbscheinsanträge der Beteiligten zu 1 und 2 an das Amtsgericht zurückzuverweisen, das nunmehr, wie schon im Beweisbeschluss vom 18. Dezember 2006 zum Ausdruck gebracht, zu ermitteln haben wird, ob die Erblasserin die letztwillige Verfügung vom 6. Juni 2006 selbst geschrieben und unterschrieben hat und ob sie zum Zeitpunkt der Errichtung dieses Testaments testierfähig war.

8Allerdings weist die Kammer das Amtsgericht darauf hin, dass die Beteiligten, nachdem mit ihnen im heutigen Beweisaufnahmetermin die Sach- und Rechtslage unter Berücksichtigung auch prozessökonomischer Gründe erörtert worden ist, eine grundsätzliche Vergleichsbereitschaft zu erkennen gegeben haben, so dass die in der Sache gebotenen Ermittlungen zunächst zurückgestellt werden können.

9Gemäß § 131 Abs. 1 S. 2 KostO sind das Beschwerdeverfahren 6 T 669/06 und das vorliegende Beschwerdeverfahren gerichtsgebührenfrei. Es bestand nach wie vor kein Anlass, für das Beschwerdeverfahren 6 T 669/06 eine Erstattung außergerichtlicher Kosten anzuordnen. Dagegen entspricht es der Billigkeit, dass die Beteiligte zu 1 der Beteiligten zu 2 die ihr im Rechtsbeschwerdeverfahren und in dem vorliegenden Beschwerdeverfahren notwendig entstandenen außergerichtlichen Kosten zu erstatten hat.

10Wert des Beschwerdegegenstandes für das vorliegende Verfahren und das Beschwerdeverfahren 6 T 669/06: jeweils 160.000,00 €.

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