Urteil des LG Münster vom 10.03.2008, 540 Js 1078/05

Entschieden
10.03.2008
Schlagworte
Wohnung, Polizei, Familie, Scheune, Schwiegereltern, Brandstiftung, Schwiegervater, Feuerwehr, Kapelle, Zigarette
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Landgericht Münster, 16 Ns 540 Js 1078/05 (86/07)

Datum: 10.03.2008

Gericht: Landgericht Münster

Spruchkörper: Strafgericht

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 16 Ns 540 Js 1078/05 (86/07)

Tenor: Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wird das angefochtene Urteil im Strafausspruch abgeändert und die Angeklagte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten kostenpflichtig verurteilt.

Die Berufung der Angeklagten wird auf ihre Kosten verworfen.

Angewendete Vorschriften: §§ 306 a Abs. 1 Ziffer 1, Abs. 3, 53 StGB.

G r ü n d e : 1

2Die Angeklagte ist Hausfrau und Mutter von zwei Kindern. Sie lebt mit Ihrer Familie und den Schwiegereltern auf einem Bauernhof nahe C im Kreis D. Auf dem Hof kam es seit Mai 2005 zu einer Brandserie mit zum Schluss sieben Bränden. Zwei Brände davon kamen gegen die Angeklagte zur Anklage. Das Amtsgericht D hat die Angeklagte für schuldig befunden und sie mit der angefochtenen Entscheidung wegen schwerer Brandstiftung in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe hat es zur Bewährung ausgesetzt. Sowohl die Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben gegen das Urteil Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft hat ihr Rechtsmittel später auf das Strafmaß beschränkt. Die Angeklagte hat einen Freispruch, die Staatsanwaltschaft eine härtere Bestrafung der Angeklagten erstrebt.

3Allein die Berufung der Staatsanwaltschaft hatte Erfolg. Die Beweisaufnahme vor der Berufungskammer hat ebenfalls die Schuld der Angeklagten ergeben. Die Kammer hat sich dabei mit allen sieben Bränden befasst. In allen Fällen lag Brandstiftung vor. Es hat sich weiter ergeben, dass die Angeklagte die Täterin ist. Fahrlässiges Handeln schied dabei aus. Die erstinstanzlich verhängte Strafe erschien der Kammer zu niedrig. Die Kammer hat im Ergebnis auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten erkannt.

I. 4

5Die Hauptverhandlung vor der Berufungskammer hat zur Person der Angeklagten zu den folgenden Feststellungen geführt:

6Die im Zeitpunkt der Hauptverhandlung siebenunddreißig Jahre alte Angeklagte stammt aus N. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von fünfzehn und dreizehn Jahren. 1972 zog sie mit ihren Eltern von N nach C in den Kreis D. Hier verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend. Ihr Vater war Metallarbeiter. Er starb vor einigen Jahren an Krebs. Die Angeklagte hatte kein gutes Verhältnis zu ihm. Sie beschreibt ihn als gewalttätig. Auch habe er sie als Kind gezwungen, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen. Die Mutter der Angeklagten ist heute 59 Jahre alt und arbeitet noch. Die Angeklagte hatte ehemals zwei Geschwister, eine jüngere Schwester, mit der sie sich nach eigenen Angaben heute einigermaßen verträgt, und einen jüngeren Bruder, der 1998 verstarb. Er war auf einen Strommasten in der Nähe des Hofes der Angeklagten geklettert und nach einem Stromschlag herabgestürzt. Die Angeklagte geht von einer Selbsttötung aus und gibt sich daran eine Mitschuld. Den Grund dafür hat sie der Kammer nicht mitgeteilt. Nach dem Besuch der Grundschule wechselte die Angeklagte zunächst zur Realschule. Diese verließ sie wegen mangelnder Leistungen in Klasse sechs und besuchte fortan die Hauptschule. Hier erwarb sie das Abgangszeugnis der Klasse acht. Anschließend besuchte sie einen Berufsförderlehrgang bei der Kreishandwerkerschaft für ein Jahr. Hier lernte sie ihren ersten Ehemann kennen. Sie wurde schwanger und heiratete. Im Alter von achtzehn Jahren bekam sie ihre erste Tochter. Diese verstarb 1989 im Alter von nur siebeneinhalb Monaten am plötzlichen Kindstod. Die Angeklagte war zu dieser Zeit bereits erneut schwanger. Das zweite Kind, ebenfalls ein Mädchen, kam 1990 zur Welt und verstarb wie schon die erste Tochter früh am plötzlichen Kindstod. Die Ehe der Angeklagten zerbrach. Nach dreizehn Monaten kam es zur Trennung und Scheidung. Die Angeklagte lernte bald einen anderen Mann kennen, mit dem sie eine Beziehung einging, den sie aber nicht heiratete. Aus dem nur ein paar Monate andauernden Verhältnis ging die 1992 geborene Tochter der Angeklagten L hervor. Im November 1992 lernte die Angeklagten ihren heutigen Ehemann S T kennen. Das Paar heiratete in 1994. In diesem Jahr kam auch der gemeinsame Sohn D1 auf die Welt. Beide Kinder besuchen heute die Hauptschule. Die Angeklagte ist Hausfrau. Ihr Ehemann arbeitet auf dem Bauhof der Stadt C. Die Angeklagte lebt mit ihrer Familie seit dem Jahre 1995 auf dem Bauernhof M in C. Das Anwesen gehört den Schwiegereltern der Angeklagten, den Eheleuten M1 und H T. Beide sind bereits über siebzig Jahre alt. Ihr Sohn S wird sie einmal beerben. Der Familie der Angeklagten geht es seit Jahren finanziell nicht gut. Das Einkommen des allein berufstätigen Ehemannes ist niedrig. Durch die Brände sind weitere wirtschaftliche Belastungen auf die Familie zugekommen.

7Ende 1999 begab sich die Angeklagte erstmals wegen einer Depression nach dem Tode ihres Bruders in psychotherapeutische Behandlung. Zuvor hatte sie angefangen, regelmäßig Alkohol zu trinken. Über den Tag verteilt trank sie mehr als eine Kiste Bier. Die Behandlung schloss sie vermeintlich erfolgreich ab. Während der laufenden Brandserie begab sich die Angeklagte Anfang 2006 erneut in die Behandlung ihrer Psychotherapeutin.

8Die Angeklagte ist der Vergangenheit noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Nach dem Brand vom 30. Januar 2008 hat die Kammer am 04. Februar 2008 gegen die Angeklagte einen Haftbefehl erlassen, gestützt auf Wiederholungsgefahr. Aufgrund dieses Haftbefehls befindet sich die Angeklagte seit dem 05. Februar 2008 in Untersuchungshaft.

II. 9

10Zur Sache hat die Hauptverhandlung vor der Berufungskammer zu den folgenden Feststellungen geführt:

11Die Angeklagte wohnt mit ihrer Familie auf dem Anwesen M nahe C. Bei dem Anwesen handelt es sich um ein älteres Gehöft mit ehemals fünf freistehenden Gebäuden auf einem etwa 3000 qm großen Grundstück. Die Hofanlage ist mit Fahrzeugen aller Art sowie zu Fuß aus verschiedenen Richtungen zu erreichen. Der Hof besteht aus einem Haupthaus und mehreren Nebengebäuden. Im Haupthaus leben im Erdgeschoss die Schwiegereltern der Angeklagten. Die Angeklagte bewohnt mit ihrer Familie im selben Haus das Obergeschoss. Beide Wohnungen haben getrennte Hauseingänge. Der Eingang zur Wohnung der Angeklagten befindet sich seitlich am Haus. Etwa fünfzig Meter vom Wohnhaus entfernt befindet sich die ehemalige M2er Kapelle, die heute nur noch als Abstelllager und Partyraum genutzt wird. Circa dreihundert Meter entfernt von der Hofanlage befindet sich der Bahnhof M2. Ferner gibt es einen direkt Nachbarn. Das Gehöft T1 grenzt nordöstlich unmittelbar an das T Grundstück an.

12In der Zeit zwischen dem 28. Mai 2005 und dem 30. Januar 2008 kam es auf der Hofanlage und der angrenzenden M2er Kapelle zu einer Brandserie mit insgesamt sieben Bränden. Betroffen waren unter anderem die Scheune des Hofes, die bis auf die Grundmauern niederbrannte, sowie an unterschiedlichen Tagen beide Wohnungen im Haupthaus, die infolge der Brände wochenlang nicht bewohnbar waren. In allen Fällen lag Brandstiftung vor. Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass die Angeklagte die Brände gelegt und sie dies vorsätzlich getan hat. Ihr Motiv ist dabei im unklaren geblieben. Die Taten dürften einen persönlichen Hintergrund haben. Versicherungsbetrug scheidet dagegen aus, da die Feuerversicherung den Versicherungsvertrag nach den Wohnungsbränden kündigte und es keine Versicherung mehr gab, die bereit war, das Objekt gegen Feuer zu versichern. Die Brände insgesamt haben der Familie wirtschaftlich lediglich geschadet.

Zu den Bränden im einzelnen: 13

1. Brand in Pferdebox der Scheune vom 28. Mai 2005, Meldezeit 23.10 Uhr. 14

Etwa mittig der Hofanlage befand sich bis zum späteren Großbrand im Juni 2005 eine größere Scheune. An der Scheunenfront befanden sich insgesamt vier große Holzscheunentore. Hinter dem ganz linken Scheunentor befanden sich linksseitig vier Pferdeboxen. In der zweiten Pferdebox lagerte Stroh. Eine stromführende Leitung befand sich nur unterhalb der Decke (Beleuchtung).

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Am Abend des 28. Mai 2005 hielten sich die Angeklagte, ihr Ehemann und Bekannte zu einem gemütlichen Beisammensein in der Gartenhütte neben der Scheune auf. Gegen 22.30 Uhr sollte der Sohn zu Bett gehen. Er brachte sein Kettcar in die Scheune und ging nach oben ins Wohnhaus. Die Angeklagte sollte ihn bettfertig machen. Die Angeklagte entschloss sich nunmehr aus Gründen, die sich nicht haben feststellen lassen, Feuer zu legen. Auf dem Weg vom Gartenhaus zur Wohnung kam sie an der Scheune vorbei, ging hinein und entzündete dort unbemerkt das in der zweiten Pferdebox gelagerte Stroh. Nun begab sie sich unmittelbar in die Wohnung im ersten Obergeschoss des Haupthauses und alarmierte von dort aus, als sie das erste Flackern 15

sah, durch lautes Zurufen ihren Ehemann. Ferner rief sie die Feuerwehr. Das Feuer konnte rechtzeitig vor einem Übergreifen auf die Holzdecke und das gesamte Gebäude gelöscht werden. Es gelang, das in Brand gesetzte Stroh aus der Box zu ziehen. Zu Brandzehrungen kam es lediglich an der Boxentrennwand zur dritten Pferdebox sowie an dem linken Seitenteil eines Holzschrankes, der in der rechten Nachbarbox stand. Durch die Hitzeeinwirkung schmolz ferner die Verkleidung einer unter der Stalldecke angebrachten Leuchtstofflampe. Das Licht funktionierte aber weiterhin. Personen kamen durch den Brand nicht zu Schaden. Die Schadenshöhe betrug etwa 1.000,- Euro.

17Die Angeklagte geriet zunächst nicht in den Verdacht, den Brand gelegt zu haben. Es begannen vielmehr Spekulationen zu einem unbekannten Brandstifter, welche insbesondere von der Angeklagten und ihrem Ehemann angeschürt wurden. Es entwickelte sich das Gerücht vom sogenannten "schwarzen Mann", einem Mann, der ganz in schwarz gekleidet sei und ein gelb leuchtendes Licht bei sich trage. Der Unbekannte treibe sich in den Abend- und Nachtstunden in der Nähe des Hofes herum und sei auch für die Brände verantwortlich. Dazu hat die Beweisaufnahme ergeben, dass es diesen unbekannten Brandstifter nicht gibt. Die Brände wurden vielmehr von der Angeklagten gelegt.

18Nach dem Brand berichtete der damals zehn Jahre alte Sohn D1 unter anderem seinem Vater davon, er habe bei dem Wegbringen des Kettcars in die Scheune dort ein menschliches Hüsteln oder Stöhnen gehört, dass aus der Nähe des späteren Brandortes gekommen sei. Ob der Sohn seinerzeit tatsächliches etwas gehört hat, hat sich nicht feststellen lassen. Ein menschliches Hüsteln oder Stöhnen war es zumindest nicht, da sich in der Scheune niemand aufhielt, insbesondere kein Brandstifter. Die Angeklagte hat das Feuer erst kurze Zeit später gelegt, als ihr Sohn dass Kettcar bereits weggestellt hatte.

19Ebenfalls noch am Tatabend berichtete die seinerzeit dreizehn Jahre alte Tochter L ihren Eltern von einem ihr unbekannten, dunkel gekleideten Mann, der während der Löscharbeiten auf einer Bank im Garten des Wohnhauses gesessen und den Löscharbeiten zugeschaut habe. Später sei der Mann verschwunden gewesen. Die Kammer hat insoweit keinen Zusammenhang mit der Brandstiftung sehen können. Es lässt sich bereits nicht feststellen, dass es den dunkel gekleideten Mann im Garten tatsächlich gegeben hat. Jedenfalls haben die Brände auf dem Hof Schaulustige von zum Teil weit entfernt angezogen. Von daher könnte es sich bei der unbekannten Person auch lediglich um einen Schaulustigen gehandelt haben, den die Tochter nicht kannte, weil er nicht aus der Nachbarschaft stammt.

20In der Folgezeit meldeten die Angeklagte und ihr Ehemann der Polizei wiederholt eine verdächtige Person auf dem Hofgelände, die sie nicht näher beschreiben konnten, und die vor ihnen geflüchtet sei. Die Polizei ging den Anrufen in jedem Fall nach. Die Fahndung blieb aber jedes Mal erfolglos. Am 09. Juni 2005 kontrollierten Beamte nach Meldung durch die Eheleute T zwei verdächtige Personen am Bahnhof M2. Es stellte sich heraus, dass es zwei junge Männer aus S1 waren, die mit dem nächsten Zug nach M3 fahren wollten. Ein Zusammenhang mit dem Brand vom 28. Mai 2005 war nicht zu sehen.

2. Brand der Scheune vom 13. Juni 2005, Meldezeit 10.40 Uhr. 21

An diesem Tage legte die Angeklagte erneut vorsätzlich Feuer in der Scheune, die 22

diesmal bis auf die Grundmauern niederbrannte. Es entstand ein Sachschaden von etwa 130.000,- Euro. Wie genau die Angeklagte das Feuer entzündete, konnte nicht geklärt werden, da die Scheune derart zerstört wurde, dass die Spurenlage zu dieser Frage nichts mehr hergab. Der Hauptbrandort lag etwa in der Mitte des Scheunengebäudes. Im hinteren Bereich der Scheune war ein Schleppdach angebracht. Darunter lagerten größere Mengen Brennholz und Stroh, die ebenfalls den Flammen zum Opfer fielen. Nach den Feststellungen des Brandsachverständigen entstand der Brand mit hoher Wahrscheinlichkeit in diesem Bereich des Stroh- und Holzlagers. Die Meldung des Brandes erfolgte gegen 10.40 Uhr durch eine Nachbarin, welche den Brand von ihrer Wohnung aus gemerkt hatte. Zu dieser Zeit hielten sich auf dem Hof nur die Eheleute T sen. auf. Der Ehemann der Angeklagten war zur Arbeit und wurde hier telefonisch unterrichtet. Die Kinder waren zur Schule. Die Angeklagte hatte sich nach dem Legen des Feuers von dem Hof entfernt. Sie verließ das Gehöft mit ihren Hunden und wartete mit ihrer Rückkehr, bis der Brand entdeckt war. Die Untersuchungen der Brandstelle durch den Brandsachverständigen T2 ergaben keine Hinweise auf das Vorliegen eines technischen Defekts als Brandursache. Der Einsatz von Brandmittelspürhunden und Messungen mit technischen Geräten ergaben keine Hinweise für das Vorhandensein von Brandbeschleunigern.

23Im Rahmen der Nahbereichsfahndung fuhr die Polizei umgehend alle im näheren Umkreis des Brandortes befindlichen Anwesen an und suchte nach Hinweisen auf verdächtige Personen. Auf dem Parkplatz einer Gaststätte unweit des Gehöfts T geriet der S2 aus S3 in Verdacht, etwas mit dem Brandgeschehen zu tun haben zu können. Dieser war mit seinem Pkw liegen geblieben, weil sein Fahrzeug wie sich später herausstellte keinen Treibstoff mehr hatte. In dem Fahrzeug befand sich neben einem leeren Benzinkanister auch eine gelbfarbene Rundumleuchte. Ferner erkannte die L T den S2 im Rahmen einer Lichtbildvorlage bei der Polizei mit einer Wahrscheinlichkeit von halb/halb als denjenigen wieder, der bei dem ersten Scheunenbrand das Feuer vom Garten aus beobachtet hatte. Auch die Angeklagte war sich bei dem Lichtbild des S2 zu 70 % sicher, dass es sich bei ihm um die Person handeln könne, die sie einige Monate zuvor im Wald erschreckt habe, als sie mit dem Pferd unterwegs gewesen sei. Der S2 wurde daraufhin über knapp zwei Wochen planmäßig polizeilich observiert. Eine Beziehung zu den Ts und den Bränden ließ sich dabei nicht feststellen. Für den folgenden Brand an der M2er Kapelle am 16. Oktober 2005 konnten die Observationskräfte eine Anwesenheit des S2 am Tatort sogar ausschließen.

24Nach dem Brand intensivierte die Polizei ihre Ermittlungen und überprüfte unter anderem den früheren Ehemann der Angeklagten L1. Dabei stellte sich heraus, dass dieser seit Jahren in Süddeutschland lebt und dort als Bettler sein Geld verdient. Die Polizei überprüfte auch den leiblichen Vater der L T, den K aus B. Anhaltspunkte für eine Täterschaft konnten bei ihm ebenfalls nicht gefunden werden. Nach Angaben der Angeklagten zahlt er auch seit Jahren einen monatlichen Unterhalt für seine Tochter.

25Aufgrund der Meldungen observierte die Polizei den Hof T in der Zeit vom 12. bis zum 16. August 2005 sowie vom 19. Oktober bis zum 05. November 2005 in den Abend- und Nachtstunden. Es wurden in diesen Zeiträumen keine verdächtigen Beobachtungen gemacht, insbesondere kein auffälliger Lichtschein gesehen, und keine verdächtige Personen festgestellt. Ferner wurden in der Umgebung des Hofes alleinstehende Scheunen, Melkställe und sonstige Unterkunftsmöglichkeiten überprüft. Es wurden dabei keine Personen und auch keine Gegenstände festgestellt, die auf den Aufenthalt von Personen hindeuteten.

3. Brand der M2er Kapelle vom 16. Oktober 2006, Tatzeit gg. 22.30 Uhr. 26

Am Abend des 16. Oktober 2006 gegen 21.51 Uhr meldeten die Angeklagte und ihr Ehemann erneut das Auftreten einer verdächtigen Person. Die Polizei setzte drei Streifenwagen und einen Hundeführer ein. Die Fahrzeuge wurden weiträumig und verdeckt vom Anwesen abgestellt und der Nahbereich wurde sorgfältig abgesucht. Trotz Vollmond und sternenklarer Nacht konnte von den eingesetzten Kräften eine verdächtige Person nicht ausfindig gemacht. Zwei Beamten fuhren schließlich auf den Hof der Ts. Die Angeklagte und ihr Ehemann hatten zu dieser Zeit ihre Wohnung bereits verlassen und hielten sich außerhalb des Gebäudes auf. S T nahm vor dem Wohnhaus den Kontakt zu den beiden Polizeibeamten auf. Von seiner Ehefrau glaubte er, diese halte im Garten seitlich des Hauses Ausschau nach dem Verdächtigen. Tatsächlich schlich sie aber unbemerkt zur M2er Kapelle und steckte dort im Eingangsbereich des Kellers einen aus Fichtenholz bestehenden Stützpfeiler der Buchenhecke an. Vermutlich entzündete sie den Mulch am Fuße des Stützpfeilers. Sodann entfernte sie sich wieder und begab sich zu ihrem Ehemann und den Polizeibeamten, die keinen Verdacht schöpften. Inzwischen hatte sich das Feuer zu einem gelben Lichtkegel entwickelt. Einer der Beamten entdeckte den Brand. Das Feuer konnte mit einem Eimer Wasser gelöscht werden.

284. Brand in der Erdgeschosswohnung der Großeltern T vom 23. November 2005, Meldezeit 11.23 Uhr.

29Aus der Brandserie sind zwei Taten zur Anklage und Verurteilung gelangt. Hierbei handelt es sich um den ersten Fall.

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Am Morgen des 23. November 2005 blieb die Angeklagte allein auf dem Hof. Ihr Ehemann verließ das Gehöft als erster kurz vor 7.00 Uhr. Er fuhr zur Arbeit auf den Bauhof nach C. Hier erfuhr er auch später telefonisch von dem Ausbrechen des Brandes. Die Kinder verließen das Haus wenig später. Sie mussten zur Schule, die bis mittags dauerte. Gegen halb zehn Uhr verließen schließlich auch die Schwiegereltern der Angeklagten den Hof, um einen Arzttermin wahrzunehmen. Anschließend wollte der M1 T noch eine Angelegenheit bei der Verwaltung erledigen. Dazu holte er kurz vor dem Verlassen der Erdgeschosswohnung Papiere aus der als Bügel- und Abstellraum genutzten Kammer im Inneren der Erdgeschosswohnung. Zu dieser Zeit war in diesem Raum noch alles in Ordnung. Die Tür des Raumes verschloss er danach fest. Gegen 10.15 Uhr kamen zwei Kräfte des Ordnungsamtes auf den Hof gefahren, um darauf hinzuweisen, dass entlaufene Ziegen auf der Fahrbahn der anliegenden Straße herumlaufen. Die Angeklagte unterhielt sich vor dem Haus kurz mit den Bediensteten. Dazu kam sie aus der Erdgeschosswohnung ihrer Schwiegereltern. Sie blieb im Türrahmen der weißen Haustür der Schwiegereltern stehen. Nachdem die Angeklagte den beiden Ordnungskräften versprochen hatte, ihren Schwiegervater wegen der Ziegen zu informieren, fuhren sie wieder vom Hof. Kurze Zeit später kam die Nachbarin T3 mit ihrem Hund über das Hofgelände. Sie wollte einen Spaziergang machen und nutzte dabei den Hof als Abkürzung. Die Angeklagte sprach die Zeugin an. Nach dem Eindruck der Zeugin hatte die Angeklagte ein auffälliges Redebedürfnis und suchte dringend eine Gesprächspartnerin. Die Angeklagte fragte die Zeugin, ob sie gemeinsam eine Zigarette rauchen wollten. Die Angeklagte ist Raucherin. Ihre Familie, insbesondere ihr Ehemann, störten sich hieran allerdings massiv. Deshalb musste die Angeklagte, die Ärger vermeiden wollte, stets heimlich und unbemerkt rauchen. Dies tat 27

sie lediglich außerhalb des Hauses, meistens auf ihren Spaziergängen mit den Hunden oder auf dem Hof, wenn jemand, der nicht zur Familie gehörte, für sie Ausschau hielt, dass keiner kam. Die Zeugin T3 hatte diesmal keine Zeit für eine Zigarette und setzte ihren Spaziergang fort.

Um 11.23 Uhr meldete die Angeklagte der Feuerwehr einen Brand in der Erdgeschosswohnung. Den Brand hatte sie zuvor selbst vorsätzlich gelegt. Der Brandentstehungsort lag im Abstellraum der Erdgeschosswohnung. Der etwa 2 x 3 Meter große Raum ist fensterlos. Eine Zugangsmöglichkeit besteht ausschließlich durch eine Zimmertür aus Holz zum Flur der Erdgeschosswohnung. Zugang zur Erdgeschosswohnung wiederum ist grundsätzlich möglich durch die dem Garagengebäude gegenüberliegende Haustür sowie innerhalb des Hauses durch eine Zwischentür zur Obergeschosswohnung und eine weitere Zwischentür von der Erdgeschosswohnung zur Tenne. Der Zugang zur Obergeschosswohnung wiederum liegt, von der Garage aus gesehen, an der linken Giebelseite. Die Haustür zur Erdgeschosswohnung hatten die Schwiegereltern am fraglichen Morgen hinter sich zugezogen. Sie war damit von Außen fest zu. Bei dem Eintreffen der Einsatzkräfte war dies weiterhin der Fall. Die Haustür zur Wohnung der Angeklagten war lediglich geschlossen, der sogenannte Schnapper war umgelegt, so dass ein Öffnen der Tür ohne Schlüssel möglich war. Die Fenster im Erdgeschoss waren verschlossen. Die vordere und hintere Tür zur Tenne waren verriegelt. Ebenso die Zwischentür zur Tenne. Nach der Tat waren an den Fenstern und Türen keine Aufbruchspuren sichtbar. In der gesamten Wohnung wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass die Räume durchsucht worden sind. Gegenstände fehlten ebenfalls nicht.

32In dem vom Brand primär betroffenen Abstellraum stand linksseitig direkt neben der Tür stand ein Schreibtisch. Diesen hatte die Schwiegermutter mit zwei Decken zum Bügeltisch umfunktioniert. Auf dem Tisch lagerte Bügelwäsche. Direkt daneben standen tischhohe Stapel aus Altpapier. Nach dem freigelegten Spurenbild hat sich der Brand oberhalb der Schreibtischoberfläche entwickelt. Hier waren starken Abbrandspuren festzustellen. Zudem wies die Schreibtischoberfläche im linken Bereich nach Freilegen des Brandschutts starke Brandzehrungen auf. Der anfängliche Verdacht, bei dem Brand sei ein Brandbeschleuniger gebraucht worden, zerstreute sich später. Ein Brandbeschleuniger war nicht im Einsatz. Die Beweisaufnahme hat nicht ergeben, wie genau die Angeklagte den Brand entfacht hat. Den Brand dürfte sie erst gelegt haben, als die Bediensteten des Ordnungsamtes den Hof wieder verlassen hatten, vermutlich sogar erst nach dem Zusammentreffen mit der Zeugin T3 nach 10.30 Uhr. Dann entzündete sie einen der auf dem Schreibtisch gelagerten Gegenstände. Nach dem Legen des Feuers ließ die Angeklagte die Tür zur Abstellkammer einen Spalt breit offen stehen. Durch den Brand kam es zu primären Brandschäden an den in der Abstellkammer gelagerten Sachen und Möbeln. Von den Wänden lösten sich Teile der Tapete und des Putzes. Der gesamte Raum verrußte. Durch die zur Brandzeit offen stehende Tür zur Abstellkammer kam es zu einer Brandrauchverschmutzung in starker Form in der gesamten erdgeschossigen Wohnung. Diese war über 12 Wochen nicht bewohnbar. Die Schwiegereltern mussten sich vorübergehend eine Ersatzwohnung beschaffen. Auch die Obergeschosswohnung wurde durch den Brandgeruch und den Russ verunreinigt, konnte aber weiter von der Angeklagten und ihrer Familie bewohnt werden. In diesem Fall entstand ein Sachschaden von etwa 50.000,- Euro.

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Bei dem Eintreffen der Feuerwehr waren Flammen bereits nicht mehr feststellbar. Die Einsatzkräfte kümmerten sich um die Brandrückstände. Diese lagerten sie zum Teil aus. 31

Ferner versorgten sie die Angeklagte, die mit einem Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus kam. Das Krankenhaus konnte die Angeklagte mittags bereits wieder verlassen. Eine von der Ärzten für sinnvoll erachtete Blutentnahme lehnte die Angeklagte ab.

345. Brand in der Obergeschosswohnung der Eheleute T vom 23. Dezember 2005, Meldezeit 11.56 Uhr.

35Hierbei handelt es sich um den zweiten Fall, der zur Anklage und Verurteilung gelangt ist.

36An diesem Tage setzte die Angeklagte ihre vorsätzliche Brandstiftungsserie fort. Wie schon einen Monat zuvor blieb sie auch an diesem Tage am Vormittag allein zu Hause in ihrer Wohnung. Ihre Kinder waren zur Schule, ihr Ehemann unterwegs bei der Arbeit. Die Schwiegereltern waren in ihrer Ersatzwohnung. Der Schwiegervater kam erst im Laufe des Vormittags auf den Hof, um unter anderem den Fortschritt bei den Renovierungsarbeiten in seiner Wohnung zu verfolgen. Handwerker waren aber nicht mehr im Hause. Ob die Angeklagte mitbekam, dass ihr Schwiegervater da war, hat sich nicht klären lassen. Da die Angeklagte die Brände aber stets so gelegt hat, dass niemand persönlich in Gefahr geriet, dürfte dies eher auszuschließen sein.

37Brandort im engere Sinne war in diesem Fall das in der ersten Etage des Wohnhauses befindliche Wohnzimmer. Das Zimmer erreicht man von Außen am Kürzesten über den links am Wohnhaus befindlichen Wohneingang. Dieser war am Tattag zumindest während der Anwesenheit der Angeklagten nicht verschlossen. Über eine Treppe geht es hinauf zum Obergeschoss. Am Ende der Treppe ist ein kurzer Flur zu durchschreiten. Dann schließt sich eine Diele an. Zum Wohnzimmer geht es im 90 Grad-Winkel nach rechts. Das Wohnzimmer hat zwei Fenster zur Giebelseite. Zwischen den Fenstern stand seinerzeit ein Weihnachtsbaum, der unter anderem mit einer Lichterkette geschmückt war. Nach dem Spurenbild entwickelte sich der Brand aus dem Bereich einer Übergardine, die sich seitlich rechts hinter dem Weihnachtsbaum befand. Übergardinen waren jeweils beidseitig an den Fensterelementen gerade hängend angeordnet und führten bis circa zwanzig cm unterhalb der Fensterbank. Auch in diesem Fall ist nicht klar, wie genau die Angeklagte den Brand gelegt hat. Brandbeschleuniger hat sie nicht verwendet. Möglicherweise entzündete sie die Gardine direkt. Danach verließ sie die Wohnung und ging mit ihren Hunden vom Hof. Sie blieb aber in der Nähe. Ihr Schwiegervater hielt sich zu dieser Zeit bereits einige Zeit in der Erdgeschosswohnung auf. Er bemerkte den Brand aus seiner Küche. Schwarze Rauchschwaden schlugen von oben nieder. Er rief zuerst die Feuerwehr und dann seinen Sohn an. Seine Schwiegertochter hatte er an diesem Tage noch nicht gesehen. Er rief laut nach ihr. Sie kam daraufhin zu Fuß von der Zufahrt zum Haus gelaufen. Sie versuchte, noch einmal ins Haus zu gelangen. Diesen Versuch musste sie aber wegen der starken Rauchentwicklung abbrechen.

38Anschließend entfernte sie sich noch vor dem Eintreffen ihres Ehemannes und der Feuerwehr vom Ort des Geschehens und ging mit ihren Hunden zu einer etwa zwei Hundert Meter entfernt wohnenden Nachbarin. Hier bat sie darum, eine Zigarette rauchen zu dürfen, von der ihr Ehemann aber nichts erfahren dürfe. Die Nachbarin, Frau W, empfand dies angesichts des Umstandes, dass es aktuell in der Wohnung der Angeklagten brannte, sehr befremdlich, wollte es ihr aber nicht verwehren. Auch bemerkte sie bei der Angeklagte eine Alkoholfahne. Die Polizei veranlasste später bei

der Angeklagten eine Blutalkoholuntersuchung. Die Auswertung der um 12.47 Uhr der Angeklagten entnommenen Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,49 Promille. Die Angeklagte hat dazu gegenüber der Kammer erklärt, es habe sich um Restalkohol vom Vorabend gehandelt. Morgens habe sie keinen Alkohol mehr getrunken.

39Beim Eintreffen der Feuerwehr war der Brand bereits nahezu erloschen. Durch den Brand kam es zu Schäden an der Gebäudesubstanz infolge von Abbrandspuren an der hölzernen Deckenverkleidung, zu Ablösungen von Wandputz sowie Rauchbelastungen an Wand- und Deckenflächen. Durch das Ablösen der Furnierkanten an der Deckenverkleidung kam es zu einzelnen lokalen Einbrandpunkten an der Sitzgruppe. Es kam zu einem Kurzschluss an der Lichterbaumkette, die zu dem künstlichen Weihnachtsbaum führte, der in Nähe des Brandherdes aufgestellt war. Die Wohnung war für einen längeren Zeitraum nicht bewohnbar, erst im Mai 2006 bezog die Familie T nach Durchführung einzelner Renovierungsarbeiten die anderen Räumlichkeiten der Wohnung, um sodann mit der Renovierung im Wohnzimmer fortzusetzen. Der Sachschaden betrug in diesem Fall etwa 30.000,- Euro.

6. Brand im Pferde- und Gänsestall vom 20. März 2007, Meldezeit 12.31 Uhr. 40

41Im Juni 2006 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage vor dem Amtsgericht D. Das Gericht ließ die Angeklagte in der Folgezeit psychiatrisch untersuchen. Unter dem 13. Februar 2007 erstattete der Gutachter sein schriftliches Gutachten. Nachfolgend eröffnete das Amtsgericht das Hauptverfahren.

42Am Morgen des 20. März 2007 war die Angeklagte mit ihrer Schwiegermutter alleine auf dem Hof. Der Schwiegervater lag nach einem Sturz vom Dach mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Kinder waren zur Schule und der Ehemann unterwegs. Gegen 10.00 Uhr suchte die Angeklagte ihre direkte Nachbarin E auf. Erneut ging es ihr auffällig darum, unbemerkt eine Zigarette oder einen Zigarillo rauchen zu können. Ihrer Nachbarin fiel sie weiter durch ihre Nervosität und ihren ununterbrochenen Redefluss auf. Ferner hatte die Angeklagte eine Alkoholfahne. Die Angeklagte blieb relativ lange bei ihrer Nachbarin, erzählte viel aus ihrem Leben und kehrte erst gegen 12.00 Uhr auf ihren Hof zurück. Entweder war sie zu dieser Zeit bereits entschlossen, abermals ein Feuer zu legen, oder sie entschloss sich jetzt dazu. Auf dem Anwesen befindet sich als weiteres Nebengebäude eine in Massivbauweise errichtete Scheune. Der mittlere Teil der Scheune wird als Gänse- und Entenstall genutzt. Im hinteren Bereich des Stalles war Stroh gelagert. Dieses entzündete die Angeklagte. Aufgrund des Feuerwehreinsatzes blieb das Gebäude in seiner Substanz vorhanden. Ein Durchbrand durch das Dach erfolgte nicht. Es kam aber zu deutlichen Brandzehrungen am Gehölz der Zwischendecke zum Dachboden sowie an der festen Holztreppe zum Dachboden. Der Sachschaden betrug etwa 7.500,- Euro.

43Den Brand entdeckte der Ehemann der Angeklagten, der gegen 12.20 Uhr von einem Termin aus W1 zurückkehrte. Er rief die Feuerwehr und versuchte dann, den Brand selbst mit Wasser zu löschen, was ihm aber nicht gelang. Die Angeklagte blieb derweil in der Obergeschosswohnung und schaute von hier aus dem Geschehen zu. Als sie die Zeugin E und die weitere Nachbarin T1 bemerkte, wie diese der Brandentwicklung folgten, winkte sie ihnen freundlich mit der vollen Hand zu, als wäre nichts geschehen. Die Polizei veranlasste bei der Angeklagten nachfolgend einen Alcotest mittels Dräger Safety 6510. Hierbei wurde für 13.50 Uhr ein Wert von 0,46 mg/l ermittelt (rund 0,92

Promille).

7. Brand in der Garagezeile vom 30. Januar 2008, Meldezeit 23.50 Uhr. 44

45Den Abend des 30. Januar 2008 verbrachte die Angeklagte mit ihrer Familie in der gemeinsamen Wohnung. Die Tochter L hatte noch Besuch von ihrem Freund, der sich gegen 20.30 Uhr verabschiedete. Beide Kinder gingen dann in ihre Zimmer und zu Bett. Die Angeklagte und ihr Ehemann schauten sich gemeinsam verschiedene Sendungen im Fernsehen an. Gegen 23.00 Uhr wollte der Ehemann der Angeklagten zu Bett gehen. Die Angeklagte gab an, noch ein wenig aufräumen zu wollen. Ihr Ehemann begab sich in das Badezimmer der Wohnung und machte sich dort bettfertig. Dazu ging er auf die Toilette, wusch sich und putzte sich die Zähne. Dies nahm zwischen fünf und zehn Minuten Zeit in Anspruch. In dieser Zeit schlich die Angeklagte unbemerkt aus der Wohnung, über den Flur im Obergeschoss, an den Zimmern der Kinder vorbei, die Treppe hinunter nach Draußen. Dort ging sie zu dem gegenüber liegenden Werkstattund Garagengebäude. Hierbei handelt es sich um eine Garagenzeile mit fünf Unterstellmöglichkeiten und fünf Garagentoren. Die zweite Garage von links stand offen. In der Garage stand der Pkw ihres Schwiegervaters, ein älterer N1, Modell ###. Der Wagen war vorwärts eingeparkt. Neben dem linken Vorderreifen stand ein Karton (50 x 60 cm) mit Altpapier und leeren Kunststoffflaschen. Die Angeklagte ging hin und entzündete vorsätzlich den Karton. Sodann begab sie sich umgehend wieder in die Wohnung im Obergeschoss. Der Ehemann der Angeklagten befand sich zu dieser Zeit weiterhin im Badezimmer, war aber insoweit fertig. Möglicherweise weil sie wollte, dass ihr Ehemann den Brand entdeckt, bat sie ihn, im Schlafzimmer schon einmal an den Fenstern die Rollos herunter zu ziehen. Der Ehemann kam der Bitte nach. Dabei entdeckte er den Brand. Das Feuer beschränkte sich zu dieser Zeit noch auf den Karton und seinen Inhalt. Die Flammen waren noch nicht höher als die Motorhaube des Fahrzeugs. Der Ehemann der Angeklagten alarmierte seine Familie und seine Eltern im Erdgeschoss. Sein Vater verfolgte gerade ein Fußballspiel im Fernsehen. Dem Ehemann der Angeklagten gelang es in der Folgezeit noch, den Pkw seines Vaters aus der Garage rückwärts hinaus zu fahren. Der Pkw wies zu dieser Zeit bereits Brandbeschädigungen im Bereich des linken Vorderreifens, des linken Kotflügels und der linken Seite des Motorraumes auf. Anschließend wollte er auch den Garagenbrand löschen. Dazu reichte aber der Gartenschlauch von der Länge nicht aus, er war zu kurz. Schließlich fiel das Garagentor zu, weil inzwischen die Rollen des Toren geschmolzen waren. Der Brand konnte nunmehr auf das Gebäude übergreifen. Es kam zum Durchbrennen der Holzdecke und des Dachstuhls. An dem Gebäude und an den gelagerten Gegenständen entstand ein Sachschaden von rund 20.000,- Euro. Der Angeklagten wurde erst am Folgetag um 11.01 Uhr eine Blutprobe entnommen. Diese ergab keinen Nachweis für eine Alkoholisierung.

Die Angeklagte war bei der Begehung allen Taten uneingeschränkt schuldfähig. 46

III. 47

48Die vorstehenden Feststellungen beruhen auf dem Ergebnis der Beweisaufnahme durch die Kammer, dessen Inhalt und Umfang sich aus der Sitzungsprotokoll ergibt.

49Die Feststellungen zur Person der Angeklagten beruhen auf ihren eigenen glaubhaften Angaben. Ihr Ehemann hat diese Angaben bestätigt, soweit sie die Zeit betreffen, in der er mit seiner Ehefrau zusammen ist. Gegenüber ihrer Therapeutin M4 hat die

Angeklagte im Rahmen ihrer Therapie gleichlautende Angaben zu ihrer Person gemacht, wie die Zeugin M4 im Rahmen ihrer Vernehmung durch die Kammer bekundet hat.

50Zur Sache hat sich die Angeklagte nicht einlassen wollen. Im Rahmen der mehrtägigen Hauptverhandlung hat sie aber einzelne Fragen beantwortet, worauf im Einzelnen noch einzugehen sein wird.

51Die Brände und ihr Verlauf sind der Kammer im Einzelnen von den Ermittlungsbeamten M5 und L2 sowie dem Sachverständigen T2, soweit dieser sie selbst untersucht hat, dargelegt worden. Die Kammer hat sich in diesem Zusammenhang auch die in der Akte und den schriftlichen Gutachten des Brandsachverständigen T2 vorhandenen Lichtbilder angesehen und sich dadurch ein eigenes Bild vom Geschehen machen können. Ferner hat sie als Augenzeugen aller Brände den Ehemann der Angeklagten als Zeugen vernommen. Dieser hat den Brandablauf ebenfalls wie festgestellt geschildert. Die Feststellungen zur Schadenshöhe folgen aus den Angaben des in erster Linie geschädigten Schwiegervaters der Angeklagten sowie der Aussage ihres Ehemann. Genaue Schadensbeträge konnten beide Zeugen nicht nennen, da die Brandversicherung die Schadensbeseitigung in den versicherten Fällen in die Hände einer Fachfirma gegeben hat. Genaue Zahlen zur Schadenshöhe haben die Ts daher nie erfahren. Die von den Zeugen genannten Beträge entsprechen aber den Schätzungen der Polizei, wie der Ermittlungsbeamte M5 bestätigen konnte. Die Zeugen M5 und L2 haben der Kammer auch über die von der Polizei in diesem Fall angestellten Ermittlungsarbeiten berichtet.

52Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme ist die Kammer davon überzeugt, dass sämtliche sieben Brände das Ergebnis vorsätzlicher Brandstiftung sind. Ein technischer Defekt oder ein Blitzeinschlag scheiden als Brandursache aus. Blitze sind von keinem der Zeugen zu den Brandzeiten beobachtet worden. Lediglich bei dem großen Scheunenbrand im Juni 2005 gab es einige Zeit zuvor einen kräftigen Regenguss. Ob es dabei überhaupt zu Blitzen gekommen ist, hat sich nicht klären lassen. Der Schwiegervater der Angeklagte konnte jedenfalls ausschließen, dass bei dem Schauer oder Gewitter ein Blitz in die Scheune eingeschlagen ist. Nach seinen Bekundungen vor der Kammer hielt er sich zum Zeitpunkt des Gewitters bis zum Brand in einer Werkstatt auf, die sich am Ende der Scheune befand. Einen Blitzeinschlag in die Scheune hat er nicht bemerkt. Hätte es einen solchen geben, hätte ihn der Schwiegervater aber schon wegen der damit verbundenen Lautstärke bemerken müssen. Der Sachverständige T2 hat die Brandstelle zudem untersucht und keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass das Feuer durch einen Blitz ausgelöst worden sein könnte.

53Ein technischer Defekt hat die Brände ebenfalls nicht ausgelöst. Bei dem Brand in der Pferdebox vom 28. Mai 2005 gab es lediglich unter der Decke eine stromführende Leitung für die Beleuchtung. Diese kann für das Feuer im Stroh nicht ursächlich gewesen sein. Sie blieb bis zum Schluss voll in Takt. Die Beleuchtung funktionierte auch nach dem Brand noch einwandfrei, wie sich aus den Lichtbildern ersehen lässt. Ein technischer Defekt in der Leitung lässt sich von daher ausschließen. Der Brandsachverständige T2, der sich von diesem Brand erst im nachhinein anhand der Aktenlage ein Bild machen konnte, hat diese Ansicht geteilt. Bei dem Brand an der M2er Kapelle am 16. Oktober 2005 gab es im Umfeld des Stützpfahles insgesamt keine technische Einrichtungen. Eine defekte Technik als Brandursache scheidet damit aus. Gleiches gilt für den Brand vom 30. Januar 2008. Nach den Feststellungen des

Brandgutachters T2 und der insoweit glaubhaften Aussage des Ehemannes der Angeklagten entwickelte sich der Brand in einem Wellpappkarton, der hinten in der Garage neben dem Fahrzeug des Schwiegervaters auf dem Boden stand. Hier hat der Ehemann den Brand entstehen sehen. Wie er bekundete, waren die Flammen am Anfang gerade einmal so hoch wie die Kühlerhaube des Pkw. Elektroleitungen des Gebäudes waren an dieser Stelle unten am Boden und auch darüber nicht verlegt. Nach den Feststellungen des Sachverständigen, die er der Kammer im Termin nachvollziehbar dargetan hat, verliefen in der Garage lediglich zwei Elektroleitungen, und zwar eine rechtsseitig, die vom Netz abgetrennt war, und eine zweite links oberhalb des Garagentores hinüber zur ersten Garage. Nach den plausibel Ausführungen des Sachverständigen können diese Leitungen den Brand schon rein örtlich nicht ausgelöst haben. Er hat die Leitungen zudem überprüft. An der zweiten Leitung links hat er eine Lichtbogenverschmelzung feststellen können, die aber nach seinen Untersuchungen eine Folge des Brandes war und diesen nicht ausgelöst hat. Die Autoelektrik kann das Feuer ebenfalls nicht entfacht haben. Der Sachverständige hat die Elektronik des Fahrzeug kontrolliert. Dabei hat er festgestellt, dass eine Sicherung des Pkw durchgebrannt war. Diese gehörte zu einer Leitung im Innenkotflügel links. Diese Leitung führte im ausgeschalteten Zustand keine Spannung. Zum Durchbrennen der Autosicherung kam es nach den plausiblen Darlegungen des Sachverständigen T2 erst, als der Ehemann der Angeklagten den Pkw nach der Entdeckung des Brandes startete, die Leitung also unter Spannung setzte, und rückwärts aus der Garage fuhr. Da die Leitung im Innenkotflügel vorne links zu diesem Zeitpunkt bereits durch den Brand geschädigt war, kam es zum Durchbrennen der Autosicherung.

Bei den übrigen vier Bränden war der Sachverständige T2 ebenfalls von Beginn der Ermittlungen an als Brandgutachter beauftragt und tätig. In allen vier Fällen hat er keine Anhaltspunkte für eine technische Brandentstehungsursache feststellen beziehungsweise diese Ursache sogar ausschließen können und hat als Gesamtuntersuchungsergebnis jeweils Brandstiftung angenommen. Andere technisch natürliche Ursachen hat er nicht gesehen. Die Kammer konnte seinen plausiblen Ausführungen folgen. Der Sachverständige ist seit vielen Jahren mit Sachverstand als Brandgutachter für die Polizei und die Gerichte tätig. Seine Untersuchungen sind der Kammer als stets sehr gründlich und gewissenhaft bekannt.

55Bei dem Brandschaden vom 13. Juni 2006 hat er das Schadensbild einige Tage nach dem Brand untersucht und ausgewertet. Technische Einrichtungen konnte er im Brandentstehungsbereich nicht mehr vorfinden. Unter dem Abdach soll sich eine Steckdose ohne Verbraucher befunden haben, wie er vom Schwiegervater der Angeklagten erfahren hat. Dies hat der Zeuge M1 T der Kammer gegenüber bestätigt. Ebenso hat der Zeuge angegeben, dass es mit der Steckdose in der Vergangenheit keine Probleme gegeben habe, insbesondere keine Stromausfälle. Der Sachverständige hat insoweit keinen Anhaltspunkt für einen technischen Defekt an der Steckdose und der zugehörigen Leitung gefunden. Die Kammer ist diesem nachvollziehbaren Schluss gefolgt. Der Sachverständige hat die übrigen, nicht vom Brand zerstörten elektrischen Einrichtungen in der Scheune untersucht und dabei, wie er gegenüber der Kammer nachvollziehbar ausgeführt hat, keine sichtbaren Fehler oder Beschädigungen gefunden.

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Den Brandschaden vom 23. November 2005 hat der Sachverständige ebenfalls eingehend untersucht. Seine Arbeit war in diesem Fall dadurch erschwert, dass die Feuerwehr Teile des Brandschutts aus der Abstellkammer herausgeschafft und auf 54

einer Schubkarre zwischengelagert hatte. Der Sachverständige konnte sich nach eigenen Angaben gleichwohl ein vollständiges Bild vom Brandhergang machen. Nach seinen Angaben hatte er auch Zugang zu dem ausgelagerten Teil des Brandschutts, wie sich dies auch aus seiner Bilddokumentation des Brandes ergibt. Der Sachverständige hat anhand des freigelegten Spurenbildes festgestellt, dass sich der Brand im Abstellraum oberhalb der Schreibtischoberfläche entwickelt hat. Hier befanden sich auf der Tischplatte lokale Brandkonzentrationsspuren mit Schwerpunkt auf der linken Seite. Eine weitere Brandkonzentration auf der rechten äußeren Seite des Schreibtisches ist nach seinen Feststellungen durch die Ausweitung des Brandes erfolgt. Rechts neben dem Schreibtisch habe sich ein Stapel mit Altpapier befunden, der dann mit in Brand geraten sei. Der Zeuge M1 T hat bei seiner Vernehmung bestätigt, dass dort Altpapier gelagert worden sei. Dies ergibt sich auch aus den Lichtbildern vom Brandort, welche die Kammer in Augenschein genommen hat. Der Sachverständige hat eine technische Ursache für die Brandentstehung ausgeschlossen. Der Abstellraum hatte nach seinen Feststellungen eine Zwischendecke, über der verschiedene stromführende Leitungen verlegt waren. Der Sachverständige hat diese Zwischendecke geöffnet und eingesehen. Eine Brandentwicklung aus dem Zwischendeckenbereich konnte er danach eindeutig ausschließen. Die vom ihm dazu gefertigten und von der Kammer in Augenschein genommenen Lichtbilder bestätigen dies. Die Bewertung der technische Einrichtungen des Abstellraumes, nämlich der Raumbeleuchtung einschließlich Zuleitung und des Schalters sowie zwei Steckdosen, durch den Sachverständigen hat ebenfalls keine Anhaltspunkte für einen technischen Defekt als Brandursache ergeben. Der Sachverständige hat Teile der Einrichtung, nämlich den Lichtschalter, die Zuleitung zum Lichtschalter und die Steckdose oberhalb der rechten Oberkante des Schreibtisches im Labor mikroskopisch ausgewertet und dabei keinerlei Auffälligkeiten festgestellt. Bei der Steckdose war an den Innenflächen deutlich erkennbar, dass diese zur Brandzeit nicht mit einem Steckerstift belegt waren. Die Kontaktoberflächen zeigten an keiner Stelle eine Lichtbogenspur. Materialablösungen lagen ebenfalls nicht vor. Gleiches hat er auch bei der Zuleitung, die zum Lichtschalter und zu der zweiten Steckdose neben der Tür führte, festgestellt. An keiner der Leitungsadern war eine Lichtbogenverschmelzung vorhanden. Auf die labortechnische Untersuchung der zweiten Steckdose neben der Tür hat der Sachverständige nach eigenen Angaben verzichtet, weil diese erkennbar während des Brandes nicht belegt gewesen sei. Die in Augenschein genommenen Lichtbilder bestätigen dies. Die Steckdose ist dort abgelichtet. Sie ist auch von innen stark verrußt, was nicht zu erklären gewesen wäre, wenn die Steckdose belegt gewesen wäre. Dafür, dass die Steckdosen nicht belegt waren, spricht auch die weitere Aussage des M1 T, der bekundet hat, dass der Raum nur noch als Abstell- und Bügelraum benutzt werde. Wenn seine Ehefrau dort bügele, benutze sie die Steckdose rechts neben dem Schreibtisch. Nach dem Bügeln müsse der Stecker wieder herausgezogen werden, was seine Ehefrau auch immer gewissenhaft getan habe. Kurz vor dem Verlassen des Hauses am Tattag sei er noch im Abstellraum gewesen, weil er Papiere für einen Besuch bei der Verwaltung gesucht habe. Zu diesem Zeitpunkt sei noch alles in Ordnung gewesen. Es liegt zumindest nahe, dass dem Zeugen ein heißes Bügeleisen, dass in Betrieb gewesen ist, bei seiner Suche nach Papieren aufgefallen wäre, was es aber nicht ist. Obgleich der Sachverständige festgestellt hat, dass die Steckdosen bei dem Brand nicht belegt waren, hat er die Rückstände von den Geräten, die sich nach Angaben des M1 T in der Nähe des Brandentstehungsortes befunden haben, zusätzlich überprüft. Dies waren das Bügeleisen sowie ein Radio mit einem Plattenspieler, das auf einem Regal oberhalb des Schreibtisches gestanden hatte. Messtechnisch war das Bügeleisen in Ordnung und zeigte keine Auffälligkeiten. An der Leitung waren keine Lichtbogenspuren

vorhanden. Nach den Spuren an dem Stecker lag dieser zur Brandeinwirkungszeit auf einer Fläche. Damit scheidet das Bügeleisen als Brandverursacher auch aus diesem Grunde sicher aus. Von dem Radio mit Schallplattenspieler konnte der Sachverständige die Leitung und die Steckerstifte überprüfen. Hier fanden sich keine Lichtbogenspuren. Nach der Aussage des M1 T war das Radio auch nicht mehr in Betrieb und nicht mit dem Stromnetz verbunden. Dies deckt sich mit den Feststellungen des Brandsachverständigen T2. Die Kammer vermochte ihm damit in allen Punkten zu folgen.

57Die Feststellungen des Sachverständigen T2 werden durch die Ausführungen des von der Verteidigung in das Verfahren eingebrachten weiteren Brandgutachters C1 nicht in Zweifel gezogen und bleiben Grundlage der Entscheidungsfindung der Kammer. Der Sachverständige C1 ist ebenfalls ein erfahrener Brandgutachter. Dieser hat sich in einer schriftlichen Stellungnahme vom 22. Dezember 2007, welche die Kammer durch Vorhalte im Rahmen der Anhörung beider Sachverständiger eingeführt hat, unter anderem mit dem hier in Rede stehenden Brand vom 23. November 2005 befasst und dabei die bisherigen Feststellungen des Sachverständigen T2 und des Amtsgerichts hinterfragt. Darin kommt er zusammengefasst zu Zweifeln an der Richtigkeit der getroffenen Feststellungen. Der Brand könne, so seine damalige Meinung, durchaus die Folge eines unachtsamen Umgangs mit Zigarettenglut, Kerzen oder Teelichtern sein, weiter könnten mit der Auslagerung von Teilen des Brandschutts wesentliche Gegenstände und Spurenbilder verloren gegangen sein, so dass ein technischer Defekt zumindest nicht eindeutig auszuschließen sei. Der Sachverständige hat ferner gemeint, dass mikroskopische Untersuchungen einen nur geringen Beweiswert hätten, dass der genaue Zeitpunkt der Brandentstehung anhand der Spurenlage nicht zu ermitteln sei und schließlich, dass der Brand nach seiner Meinung nicht auf der Schreibtischplatte, sondern dem Regal darüber entstanden sei. Der Brandsachverständige C1 hatte seine Stellungnahme im Wesentlichen anhand der Akten ohne brauchbare Lichtbilder erstellt. Diese hat ihm die Kammer dann zur Verfügung gestellt. Ferner hat er an der Hauptverhandlung teilnehmen können. Danach hat er eine Zigarette als Brandauslöser für nicht mehr wahrscheinlich erachtet. Dagegen spreche insbesondere der Zeitablauf und der Umstand, dass gegen 10.15 Uhr, als die beiden Bediensteten des Ordnungsamtes auf dem Hof erschienen seien, noch keine Rauchentwicklung festzustellen gewesen sei. Zumindest ein stundenlanger Schwelbrand dürfe damit ausscheiden. Gegen einen schnelleren Schwelbrand wiederum würde sprechen, dass der Raum allenfalls durch die einen Spalt breit geöffnete Tür mit Zuluft versorgt worden sei, was nicht ausgereicht haben dürfte, um aus einer Zigarettenglut einen schnellen Brand entstehen zu lassen. Für die Kammer scheidet eine Zigarette als Brandauslöser auch aus anderem Grunde aus. Einziger Raucher in der Familie T ist die Angeklagte. Die anderen Familienmitglieder sind strikte Nichtraucher, wie dies unter anderem der M1 T und auch sein Sohn bekundet haben. Für den Ehemann war dies, wie er gegenüber der Kammer bekundet hat, zumindest früher ein echter Streitpunkt. Die Angeklagte ging deshalb, was unter anderem die Zeuginnen T3, W und E ausgesagt haben, heimlich anderenorts rauchen. Sie hatte dabei fast panische Angst, entdeckt zu werden. Die Angeklagte hätte deshalb unter keinen Umständen innerhalb des Wohnhauses, weder im Erd- noch im Obergeschoss, geraucht. Denn die Gefahr war viel zu groß, wegen des Qualmgeruches der Zigarette aufzufallen. Dass das Feuer durch eine Kerze entzündet worden sein könnte, ist fernliegend und auszuschließen. Die Abstellkammer hatte Licht und war kein geeigneter Raum für eine Pause bei Kerzenlicht. Soweit der Sachverständige C1 gemeint hat, mit dem Auslagern des Brandschutts könnten wichtige Gegenstände und Spuren verloren gegangen sein, die

einen technischen Defekt belegen könnten, so gibt es