Urteil des LG Münster vom 29.08.2008, 023 O 72/08

Entschieden
29.08.2008
Schlagworte
Serie, Cisg, Hersteller, Händler, Ware, Aufrechnung, Geschäftsführer, Gesellschaft, Mangelhaftigkeit, Verfügung
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Landgericht Münster, 023 O 72/08

Datum: 29.08.2008

Gericht: Landgericht Münster

Spruchkörper: Kammer für Handelssachen

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 023 O 72/08

Tenor: Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 210.000,00 nebst Zinsen in Höhe von 8 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 29.08.2008 zu zahlen.

Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

Von den Kosten des Rechtsstreits tragen die Klägerin 3 % und die Beklagte 97 %.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand: 1

2Die Klägerin ist eine niederländische Gesellschaft mit Sitz in W, die u. a. Schulmöbel und Büroeinrichtungen herstellt. Sie gründete in den 1990er Jahren in M die T GmbH, um ihre Produkte mit Hilfe dieser Gesellschaft auf dem deutschen Markt zu vertreiben. Geschäftsführer der T GmbH war der damalige Geschäftsführer der Klägerin; Prokurist und Betreiber der Geschäfte von M aus war der jetzige Geschäftsführer der Beklagten. Die Geschäftsentwicklung der T GmbH war aus der Sicht der Klägerin nicht zufriedenstellend. Im Herbst 2005 traf die Klägerin daher die Entscheidung, die Gesellschaft zum 31.12.2005 zu liquidieren. Der Geschäftsführer der Klägerin U und der Prokurist T2 kamen überein, dass dieser eine Gesellschaft gründe, die als Leithändler die Möbel der Klägerin auf dem deutschen Markt vertreibe. Der Prokurist T2 gründete daraufhin die T GmbH, deren Firma durch Gesellschafterbeschluss vom 19.03.2008 geändert wurde in L GmbH.

3Die Parteien schlossen am 14.12.2005 einen Leithändlervertrag. Danach übertrug die Klägerin der Beklagten das Alleinverkaufsrecht für Nordrhein-Westfalen und weitere Bundesländer. Nach § 2 des Vertrages hat die Beklagte die rechtliche Stellung eines Händlers; sie kauft und verkauft im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Der Vertrag enthält weiterhin u. a. folgende Regelungen:

§ 4 Pflichten des Herstellers 4

1.5

6Gegen die T GmbH bestehende Gewährleistungs- und Garantieansprüche wird der Händler im Auftrage und auf Kosten des Herstellers bearbeiten. Die zur Bearbeitung der Gewähr- und Garantieleistung notwendigen Unterlagen wird der Hersteller dem Händler zur Verfügung stellen.

§ 5 Abwicklung der Kaufverträge zwischen den Vertragspartnern 7

1.8

9Über den Kauf des Händlers beim Hersteller wird jeweils ein separater Kaufvertrag geschlossen. Die Waren werden dann vom Hersteller frei Rampe an das Lager des Händlers ausgeliefert. Dieser hat die ordnungsgemäße Beschaffenheit sofort zu prüfen und Mängelrügen umgehend schriftlich/per Fax dem Hersteller zu melden. Es gelten die jeweils gültigen Preislisten des Herstellers.

2.10

11Die Bezahlung der Ware ist fällig innerhalb von 90 Kalendertagen, ab Rechnungseingang, zahlbar auf das Konto des Herstellers. Es wird bei rechtzeitiger Zahlung ein üblicher Skontobetrag von 2,0 % gewährt. Der Händler kommt nach diesen 90 Tagen automatisch in Verzug.

§ 8 Werbung durch den Händler 12

... 13

2.14

15Der Hersteller wird dem Händler einen jährlichen Werbezuschuss zu den abgestimmten Werbemaßnahmen gewähren. Dieser beträgt 1 % vom Nettojahresumsatz des Vorjahres in Bezug auf die T Produkte, zahlbar bis zum 30.01. des jeweiligen Jahres. Für das Jahr 2006 wird ein

Werbezuschuss von 10.000,00 vereinbart. 16

§ 11 Dauer des Vertrages und Kündigung 17

1.18

Dieser Vertrag tritt mit seiner Unterzeichnung in Kraft und endet zum 31.12.2008. 19

... 20

3.21

Das Recht zur außerordentlichen Kündigung bei Vorliegen eines wichtigen Grundes bleibt unberührt. 22

§ 12 Erfüllungsort 23

Erfüllungsort ist der Sitz des Händlers. Anwendbar ist deutsches Recht. 24

Wegen des weiteren Inhalts des Vertrages wird auf die Ablichtungen Blatt 7 bis 11 d. A. Bezug genommen.

26Die Lieferbeziehung zwischen den Parteien gestaltete sich ab 2007 zunehmend schwierig. Wesentlicher Streitpunkt waren die Reklamationen bezüglich des Stuhls "T3". Die Beklagte entwickelte die Reklamationen ihrer Abnehmer wie folgt ab: Sie überprüfte die Berechtigung der Reklamationen vor Ort und klärte ab, ob und in welcher Form aus ihrer Sicht Nachhilfe erforderlich sei. Sie gab die Reklamationen an die Klägerin weiter, die, soweit sie die Reklamationen für berechtigt hielt, zum Teil auch aus Kulanz der Beklagten Ersatz- und/oder Austauschteile lieferte. Die Beklagte tauschte sodann die

27reklamierten Teile aus und stellte der Klägerin die Kosten für die Reklamationsbearbeitung in Rechnung, die sie mit den Forderungen der Klägerin verrechnete.

28Den Stuhl "T3" lieferte die Klägerin in drei verschiedenen Serien. Der Stuhl der Serie 1 betrifft ausschließlich Lieferungen an die T GmbH. Diese wurden bis zum

29

15.05.2005 ausgeliefert. Ab Mai 2005 lieferte die Klägerin Stühle der Serie 2 aus. Diese Stühle wiesen eine modifizierte Sitzschale auf und waren mit einer stabilisierenden Stahlplatte versehen. Ab Mai 2007 wurden der Beklagten Stühle der Serie 3 geliefert. Die Sitzschalen dieser Stühle waren im Vergleich zu den Stühlen der Serie 2 nochmals 25

modifiziert worden; auf die Stahlplatte wurde verzichtet. 30

31Die Beklagte machte wegen der behaupteten Mängel an den Stühlen "T3" ein Zurückbehaltungsrecht gegenüber den Zahlungsansprüchen der Klägerin geltend. Mit Schreiben vom 06.03.2008 (Blatt 12 d. A.) kündigte die Klägerin den Leithändlervertrag fristlos. Die Beklagte kündigte den Vertrag daraufhin ihrerseits ebenfalls fristlos.

Die Klägerin macht mit der Klage einen Zahlungsanspruch in Höhe von 215.888,10 32

33nebst Prozesszinsen geltend. Sie hat diesen Zahlungsanspruch zunächst auf die in der Klageschrift Seite 3 bis 5 aufgeführten Rechnungen abzüglich eines Abrufauftrags gemäß Rechnung vom 21.12.2007 (Rechnungen gemäß Anlagenkonvolut K4 (Blatt 14 bis 150 d. A.)) gestützt. Die Beklagte erhob Einwendungen gegen die Klageforderung. Einzelne Rechnungen seien ganz oder zum Teil unberechtigt, weil Falschlieferungen, Schlechtlieferungen, Reklamationslieferungen oder Nichtlieferungen vorgelegen hätten. Darüber hinaus hat die Beklagte die Aufrechnung mit einer behaupteten Gegenforderung aus Reklamationskosten in Höhe von 54.273,95 erklärt (Blatt 166 bis 169 d. A., Anlagen B4, B18, Blatt 205 bis 242 d. A.). Mit Schriftsatz vom 02.06.2008 (Blatt 330 ff. d. A.) hat die Klägerin ihren Zahlungsanspruch aus Lieferungen mit 293.434,00 errechnet; diesem Betrag seien Forderungspositionen in Höhe von

293.434,00 errechnet; diesem Betrag seien Forderungspositionen in Höhe von 14.100,00 (Projekt I) in Höhe von 52.985,60 (Rechnungen aus der Zeit vom 27.08. bis 07.09.2007) sowie in Höhe von 11.780,86 (Rechnungen vom 20.09. bis 28.09.2007) hinzuzurechnen.

34Auf Vorschlag des Gerichts haben die Parteien außergerichtlich versucht, einen Abgleich der wechselseitigen Forderungen vorzunehmen. Das Gespräch der Parteien zur Forderungsabstimmung am 20.08.2008 führte unter Berücksichtigung auch der Streitpunkte Werbekostenzuschuss, Skontoabzüge und Gegenforderungen aus Dienstleistungen im Jahre 2007 zu einem Gesamtzahlungsbetrag zugunsten der Klägerin in Höhe

35von rund 210.000,00 €. Die Beklagte war bereit, für die Gesamtabrechnung den Zahlungsbetrag von 207.291,60 €, die Klägerin war bereit, für die Gesamtabrechnung den Zahlungsbetrag von 210.015,00 zugrunde zu legen. Die Parteien kamen überein, dass bei einer Gesamtlösung eine Summe von 210.000,00 als Richtwert unter Berücksichtigung sämtlicher wechselseitiger Forderungen mit Ausnahme eventueller Gewährleistungsansprüche der Beklagten im Zusammenhang mit den Stühlen "T3" zugrunde gelegt werden kann. Im Hinblick auf diese von der Beklagten

36geltend gemachten Gewährleistungsansprüche kam es nicht zu einer abschließenden Einigung der Parteien.

37Die Beklagte trat mit Schreiben vom 21.08.2008 (Blatt 453 d. A.) bezüglich der Lieferung der Stühle "T3" für das F aus dem Jahre 2006 von dem Kaufvertrag zurück und verlangte die Erstattung des gezahlten Kaufpreises in Höhe von 100.954,00 €. In dieser Höhe hat sie die Aufrechnung mit der Klageforderung erklärt. Die Klägerin hat der Rücktrittserklärung und dem Zahlungsverlangen mit Schreiben vom 28.08.2008 (Blatt 454 f. d. A.) widersprochen.

38In der mündlichen Verhandlung vom 29.08.2008 haben die Parteien sich dahin geeinigt, dass der Klägerin unter Berücksichtigung aller in diesem Rechtsstreit berührten wechselseitigen Ansprüche ein Zahlungsanspruch in Höhe von 210.000,00 nebst Zinsen in Höhe von 8 %-Punkten über dem Basiszinssatz seit dem 29.08.2008 zustehen soll; dieser solle Gegenstand der Klage sein. Dabei sollten allein nicht berücksichtigt sein eventuelle Gewährleistungsansprüche der Beklagten bezüglich des Stuhles "T3".

Die Klägerin beantragt, 39

40die Beklagte zu verurteilen, an sie 215.888,10 nebst Zinsen in Höhe von 8 %-Punkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit (14.04.2008) zu zahlen.

Die Beklagte beantragt, 41

die Klage abzuweisen. 42

43Sie ist der Ansicht, die Klägerin könne die Zahlung des vereinbarten Betrages in Höhe von 210.000,00 im Hinblick auf Gewährleistungsansprüche im Zusammenhang mit der Lieferung der T3-Stühle nicht verlangen. Die Klageforderung sei durch Aufrechnung in Höhe von 100.954,00 erloschen. Die Beklagte habe aufgrund des mit Schreiben vom 21.08.2008 erklärten Rücktritts vom Vertrag einen Rückzahlungsanspruch in der

genannten Höhe. Im Übrigen stehe ihr aufgrund der mangelhaften Stuhllieferungen ein Zurückbehaltungsrecht zu. Sie behauptet dazu, die

Klägerin habe in den Jahren 2004 bis Ende 2005 bereits an die Firma T GmbH ca. 44

5.000 und in den Jahren 2006 und 2007 an die Beklagte 10.342 T3-Stühle 45

46geliefert. Bereits im Jahre 2005 habe es erste Probleme mit diesen Stühlen gegeben. Die Plastiksitzschalen seien im vorderen Bereich der Sitzfläche abgebrochen. Die Klägerin habe den jeweils als mangelhaft gerügten Stuhl ausgetauscht. Bereits im Jahre 2005 seien einige hundert der von der T GmbH bezogenen Stühle ausgewechselt worden. Seit Anfang 2006 habe die Beklagte insgesamt 1.157 Sitzschalen (gemäß Liste Blatt 376 ff. d. A.) an den jeweils auch gegenüber der Klägerin als mangelhaft gerügten Stühlen ausgetauscht. In dieser Liste seien auch enthalten Lieferungen an die T GmbH. Hinzu kämen noch rund 300 weitere der Beklagten als defekt gemeldete Stühle, welche die Beklagte noch nicht habe auswechseln können, weil sie die Stühle dafür nicht zur Verfügung habe. Überschlägig könne von ca. 2.000 gebrochenen Stühlen ausgegangen werden. Auch der Nachbesserungskit bestehend aus einer Metallplatte zur Unterstützung der Sitzfläche (Lieferung der zweiten Serie) habe keinen durchschlagenen Erfolg gehabt; auch bei diesen Stühlen seien die Plastiksitzschalen gebrochen. Eine Verbesserung sei erst mit einer völligen Neukonstruktion des Untergestells ohne Metallplatte im Jahre 2007 eingetreten; bei dieser neuen, dritten Serie des Stuhles T3 träten Probleme nicht mehr auf.

47Die Beklagte ist nunmehr der Auffassung, sämtliche 10.342 Stühle mit Metallplatte seien mangelhaft. Aus der Vielzahl und Gleichartigkeit der aufgetretenen Schäden an diesen Stühlen sei von einem Konstruktions- oder/und Fertigungsmangel auszugehen. Sämtliche Stühle müssten ausgetauscht werden.

48Die Klägerin ist der Ansicht, die Beklagte sei weder zur Aufrechnung berechtigt noch stehe ihr ein Zurückbehaltungsrecht zu. Die Stühle der Marke T3 der Serie 2 mit Nachbesserungskit (Metallplatte zur Verstärkung der Sitzfläche) seien nicht mangelhaft. Schäden an den Sitzschalen seien auf unsachgemäße Behandlung zurückzuführen.

49Soweit die Beklagte einzelne Stühle als mangelhaft gerügt habe, seien die erforderlichen Nachbesserungen vorgenommen worden.

50Abgesehen davon seien Gewährleistungsansprüche ausgeschlossen. Nach Artikel 9 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Klägerin betrage die Gewährleistungsfrist ein Jahr ab Lieferung der Ware. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Klägerin (Blatt 340 f. d. A.) seien wirksam vereinbart. In sämtlichen Auftragsbestätigungen werde auf sie ausdrücklich Bezug genommen.

51Das Vorbringen der Beklagten zum Umfang der reklamierten und ausgetauschten Stühle sei unzutreffend. Die Beklagte vermische Lieferungen der Stühle der Serie 1 an die T GmbH mit Lieferungen der Serie 2 an die Beklagte. Aus den Lieferungen an die T GmbH könne die Beklagte keine Rechte herleiten.

52Wegen des weiteren Sach- und Streitstandes wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

Entscheidungsgründe: 53

Die Klage ist im Wesentlichen begründet. 54

55Die Klägerin hat gegen die Beklagte gemäß Artikel 53 CISG einen Kaufpreiszahlungsanspruch in Höhe von 210.000,00 €.

56Auf die Kaufverträge ist das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Verträge über den internationalen Warenkauf (CISG) anzuwenden. Die Vertragsparteien haben ihre Niederlassung in verschiedenen Staaten (Artikel 1 CISG). In § 12 des Leithändlervertrages haben die Parteien die Anwendbarkeit des deutschen Rechts vereinbart. Dazu gehört auch das UN-Kaufrecht.

57Die Parteien haben in der mündlichen Verhandlung übereinstimmend erklärt, dass unter Berücksichtigung aller in diesem Rechtsstreit berührten wechselseitigen Ansprüche mit Ausnahme eventueller Gewährleistungsansprüche der Beklagten im Zusammenhang mit der Lieferung der Stühle "T3" der Klägerin ein Kaufpreiszahlungsanspruch in

58Höhe von 210.000,00 zustehen soll. Sie haben damit die Höhe des Kaufpreiszahlungsanspruchs verbindlich festgelegt.

59Der Kaufpreiszahlungsanspruch ist auch gemäß Artikel 58 Abs. 1 CISG zur Zahlung fällig. Die Beklagte kann weder ein Zurückbehaltungsrecht geltend machen noch hat sie einen aufrechenbaren Gegenanspruch gegen die Klägerin.

60Die der Beklagten als Käuferin zur Verfügung gestellten Stühle "T3" sind als vertragsgemäß anzusehen. Die Beklagte muss sich so behandeln lassen, als wenn diese

61Stühle der Qualität entsprächen, die sie bestellt hat. Sie hat entsprechend dem gerichtlichen Hinweis nicht substantiiert vorgetragen, dass sie die Mängel bezüglich der ca. 300 gebrochenen Stühle und bezüglich aller nicht beschädigten Stühle der Serie 2 rechtzeitig im Sinne des Artikel 39 CISG gerügt hat.

62Nach Artikel 39 CISG verliert der Käufer das Recht, sich auf eine Vertragswidrigkeit der Ware zu berufen, wenn er sie dem Verkäufer nicht innerhalb einer angemessenen Frist nach dem Zeitpunkt, in dem er sie festgestellt hat oder hätte feststellen müssen, anzeigt, und dabei die Art der Vertragswidrigkeit genau bezeichnet. Bei der Bestimmung der "angemessenen Frist" sind die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Nach der Rechtsprechung in Deutschland ist bei dauerhaften Gütern im Normalfall von einer Frist von ca. einem Monat auszugehen. Nach § 5 Abs. 1 des Leithändlervertrages als spezieller Parteivereinbarung hat die Beklagte die ordnungsmäßige Beschaffenheit der Ware sofort nach Auslieferung zu prüfen und Mängelrügen umgehend schriftlich zu melden.

63Bezüglich der ca. 300 aufgrund Beschädigung als mangelhaft gerügten Stühle hat die Beklagte weder vorgetragen, aus welchen Lieferungen diese Stühle herrühren, wann sie von ihren Abnehmern als mangelhaft gerügt worden sind und deshalb die Beklagte die Vertragswidrigkeit gekannt hat oder kennen musste noch hat sie bezüglich jeden einzelnen Stuhles mitgeteilt, wann sie die Mangelhaftigkeit gegenüber der Klägerin gerügt hat. Das Vorbringen der Beklagten, über die behauptete Gesamtzahl von

mangelhaften 1.157 Stühlen hinaus müssten noch rund 300 weitere als defekt gemeldete Stühle ausgetauscht werden, genügt insoweit nicht.

64Bezüglich dieser ca. 300 Stühle ebenso wie bezüglich aller T3-Stühle der Serie 2 gilt hinsichtlich der Nichteinhaltung der Rügefrist Folgendes:

65Die Beklagte hat nach ihrem eigenen Vorbringen seit 2006 eine große Zahl der T3- Stühle aus der Serie 2 als mangelhaft gerügt. Es sollen insgesamt 1.157 Stühle ausgetauscht worden sein. Wegen der Vielzahl und Gleichartigkeit der aufgetretenen Schäden an diesen Stühlen macht sie einen grundlegenden Konstruktions- oder/und Fertigungsmangel im Bereich der Unterkonstruktion bezüglich aller Stühle geltend. Sie hätte diese Rüge bereits im Jahre 2006 erheben müssen, nachdem eine Vielzahl

66gleichartiger Reklamationen für einen solchen Mangel sprach. Die Beklagte hat nicht vorgetragen, wann sie nach Erkennbarkeit eines Konstruktions- oder Fertigungsmangels im Jahre 2006 die Mangelhaftigkeit aller Stühle gerügt hat.

67Die Beklagte hat danach das Recht, sich auf die Vertragswidrigkeit der Leistung zu berufen, verloren.

68Die Beklagte hat ebenso ihr Recht, die Aufhebung des Vertrages zu erklären, gemäß Artikel 49 Abs. 2 b), i) CISG verloren. Denn sie hat nicht innerhalb einer angemessenen Frist, nachdem sie die Vertragsverletzung kannte oder kennen musste, die Aufhebung erklärt. Die Aufhebung ist erst durch Rücktrittserklärung mit Schreiben vom 21.08.2008 erklärt worden.

69Es bedurfte danach keiner Entscheidung, ob und inwieweit Gewährleistungsansprüche der Beklagten nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Klägerin verjährt sind.

70Ebenso konnte offen bleiben, ob und gegebenenfalls von welchen Zeitpunkt an die Klägerin für die behauptete Mangelhaftigkeit der Stühle nach Art. 35 Abs. i. V. m. Abs. 2 CISG deshalb nicht einzustehen hatte, weil die Beklagte die Vertragswidrigkeit der Ware bei den Vertragsschlüssen durch Neubestellung kannte oder darüber nicht in Unkenntnis sein konnte.

71Der Zinsanspruch ergibt sich aus der in der mündlichen Verhandlung zwischen den Parteien getroffenen Vereinbarung.

72Im Umfang des weitergehenden Zahlungsanspruchs und Verzugszinsanspruchs war die Klage abzuweisen.

73Die Kostenentscheidung folgt aus § 92 Abs. 1 ZPO. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf § 709 ZPO.

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