Urteil des LG Münster vom 27.08.2007, 81 Js 1751/07

Entschieden
27.08.2007
Schlagworte
Wasser, Vereinte nationen, Persönliche ausrüstung, Geiselnahme, Grundausbildung, Behandlung, Kompanie, Verhör, Körperverletzung, Befragung
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Landgericht Münster, 8 KLs 81 Js 1751/07 (33/07)

Datum: 27.08.2007

Gericht: Landgericht Münster

Spruchkörper: Strafgericht

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 8 KLs 81 Js 1751/07 (33/07)

Normen: StGB §§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 4, WStG §§ 30, 31

Tenor: Der Angeklagte H wird wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Misshandlung und entwürdigender Behandlung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr sechs Monaten verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewäh-rung ausgesetzt wird.

Der Angeklagte H hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Der Angeklagte F wird wegen entwürdigender Behandlung zu einer Geld-strafe von sechzig Tagessätzen zu je 40,- verurteilt.

Der Angeklagte F hat die Kosten des Verfahrens zu tragen mit Ausnahme der Auslagen der Staatskasse, die durch die Vernehmung der Zeugen in den Hauptverhandlungsterminen vom 25.04., 07.05., 09.05., 24.05., 30.05., 11.06., 13.06., 20.06., 02.07., 30.07., 01.08, 08.08. und 13.08.2007 entstanden sind. Die ihm selbst in diesen Hauptverhandlungsterminen entstandenen notwendi-gen Auslagen werden der Staatskasse auferlegt.

Die Angeklagten K und H1 werden auf Kosten der Staats-kasse, die auch ihre notwendigen Auslagen zu tragen hat, freigesprochen.

Angewendete Vorschriften: bei H: §§ 30 Abs. 1, 31 Abs. 1 WStG,

223, 224 Abs. 1 Nr. 4, 52, 56 StGB

bei F: §§ 31 Abs. 1 WStG, 47 Abs. 2 StGB

G r ü n d e 1

I. 2

1.3

4Der zur Tatzeit 27 Jahre alte Angeklagte L wuchs als einziges Kind seiner Eltern in seinem Geburtsort N3 auf. Sein Vater, der früher Zechenangestellter war, ist heute Rentner. Seine Mutter arbeitet als Verkäuferin.

5Nach altersgerechter Einschulung besuchte der Angeklagte vier Jahre lang die Grundschule und anschließend die Realschule bis zur 10. Klasse. Dort erwarb er im Alter von 16 Jahren seine mittlere Reife und begann sodann eine Lehre bei der M als Energieelektroniker. Nach 3 ½- jähriger Ausbildung bestand er seine Gesellenprüfung. Anschließend arbeitete er ein Jahr lang in der Zeche unter Tage, bis er Anfang Januar 1998 schließlich zur Bundeswehr einberufen wurde.

6Dort entschloss er sich während seines Grundwehrdienstes dazu, länger bei der Bundeswehr zu bleiben. Insgesamt verpflichtete er sich für eine Dienstzeit von acht Jahren. Seine Bewerbung als Zeitsoldat für weitere vier Jahre hatte er bereits eingereicht, doch wurde dieser Antrag abgelehnt, nachdem die in diesem Verfahren erhobenen Vorwürfe gegen den Angeklagten bekannt geworden waren. Am 31. Dezember 2005, dem regulären Ende seiner Dienstzeit, schied er daher aus der Bundeswehr aus.

7Derzeit ist der Angeklagte arbeitssuchend und erhält bis zum 30. September 2007 Übergangsgeld in Höhe von 1.370,- netto von der Bundeswehr. Er hat ein Kind, das bei der Kindesmutter lebt und für welches er im Monat 257,- Unterhalt zahlt. Er hat keine Schulden und ist strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten.

82. Der zur Tatzeit 26 Jahre alte Angeklagte G wuchs in seinem Elternhaus in O auf. Sein Vater war Kunststoffformgeber, seine Mutter Hausfrau. Neben einer leiblichen Schwester hatte er zwischenzeitlich zwei Adoptivgeschwister, die aber auf eigenen Wunsch hin die Familie des Angeklagten wieder verlassen haben.

9Im Alter von 6 oder 7 Jahren wurde der Angeklagte eingeschult, besuchte dann 4 Jahre lang die Grundschule und anschließend die Gesamtschule bis zur 10. Klasse. Sodann begann er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. Weil er zu dieser Zeit noch schulpflichtig war, besuchte er daneben ein Jahr lang die Höhere Handelsschule in D. Nach 3 ½ Jahren Ausbildung bestand er im Januar 1999 seine Gesellenprüfung.

10Am 2. Mai 1999 wurde der Angeklagte sodann zur Bundeswehr eingezogen. Er begann als Wehrpflichtiger, bewarb sich aber da er gern länger bei der Bundeswehr bleiben wollte als Soldat auf Zeit. Weil dies zunächst keinen Erfolg hatte, verlängerte er seinen Wehrdienst auf 23 Monate. Erst danach wurde seine Bewerbung als Soldat auf Zeit für vier Jahre positiv beschieden. Als er die Unteroffizierslaufbahn einschlug, verpflichtete er sich sodann für insgesamt 8 Jahre. Zwei Tage vor Beginn seines Feldwebellehrganges die gegen den Angeklagten in diesem Verfahren erhobenen Vorwürfe waren zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt geworden –, wurde er vom Dienst suspendiert. Eigentlich hätte er sich als Soldat für weitere vier Jahre auf dann insgesamt zwölf Jahre verpflichten und den Feldwebellehrgang absolvieren wollen. Als weiteres

Ziel hatte er angestrebt, bei der Bundeswehr seinen Kfz-Meister zu machen und Berufssoldat zu werden. Dies war ihm aber nach seiner Suspendierung nicht mehr möglich.

Seit dem 1. August 2006 befindet sich der Angeklagte in der Ausbildung zum Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr in E3. Er ist nicht bei der Stadt E3 angestellt, sondern absolviert dort nur die Ausbildung und bestreitet seinen Lebensunterhalt von den Übergangszahlungen der Bundeswehr, die sich auf monatlich etwa 1.300,- bis 1.400,- netto belaufen.

12Der Angeklagte ist geschieden, hat keine Kinder und auch keine Unterhaltsverpflichtungen. Bis auf einen Kredit für sein Auto hat er keine Schulden. Strafrechtlich ist er noch nicht in Erscheinung getreten.

133. Der zur Tatzeit 25 Jahre alte Angeklagte I2 wuchs als jüngstes von insgesamt drei Kindern seiner Eltern in I5 auf. Sein Vater ist Bahnmitarbeiter, seine Mutter Hausfrau. Er hat noch zwei Geschwister, eine Schwester und einen Bruder.

14Nach dem Besuch der Grundschule und der Gesamtschule bis zur 10. Klasse begann der Angeklagte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, die er im Alter von 18 oder 19 Jahren erfolgreich abschloss. Seine anschließenden Bewerbungen waren jedoch erfolglos, weil er seinen Wehrdienst noch nicht abgeleistet hatte und daher ständig damit rechnen musste, hierzu eingezogen zu werden. Aus diesem Grund wurde er in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes beschäftigt. Am 1. November 2000 begann sodann sein Wehrdienst, doch bewarb sich der Angeklagte sogleich für eine Dienstzeit von vier Jahren und schlug die Unteroffizierslaufbahn ein.

15Nachdem die in diesem Verfahren erhobenen Vorwürfe gegen den Angeklagten bekannt geworden waren, wurde er für einige Monate vom Dienst suspendiert später aber wieder an einem anderen Bundeswehrstandort wieder in den Dienst versetzt. Seinen Antrag auf Aufnahme in die Feldwebellaufbahn hat er aufgrund der Vorkommnisse nicht mehr eingereicht, weil er ohnehin nicht mit dessen Erfolg rechnete.

16Zum 31. Oktober 2007 wird der Angeklagte aus dem aktiven Dienst bei der Bundeswehr ausscheiden. Sodann will er eine Ausbildung im Berufsförderungsdienst der Bundeswehr antreten. Sein Ziel ist es, eine Ausbildung zum Physiotherapeuten zu beginnen. Bislang hat er jedoch keinen Ausbildungsplatz gefunden, möglicherweise aufgrund des laufenden Strafverfahrens. Reguläres Ende seiner Bundeswehrdienstzeit ist der 31. Oktober 2008.

17Der Angeklagte I2 ist ledig und hat keine Kinder. Sein monatliches Nettoeinkommen beträgt etwa 1.300,- €, wovon er etwa die Hälfte zur Tilgung seiner Schulden einsetzt.

18Strafrechtlich ist der Angeklagte bislang ein Mal in Erscheinung getreten. Durch Strafbefehl erkannte das Amtsgericht C4 am 4. Dezember 2002 (Az. #####) gegen ihn wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs durch Trunkenheit auf eine Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen zu jeweils 40,- €. Zudem wurde eine Sperre für die Fahrerlaubnis bis zum 3. Dezember 2003 verhängt.

19

4. Der Angeklagte I, der zur Tatzeit 23 Jahre alt war, wuchs bei seiner Mutter auf, nachdem sich seine Eltern schon kurz nach seiner Geburt im Jahre 1981 oder 1982 11

hatten scheiden lassen.

20Er wurde im Alter von sieben Jahren eingeschult und besuchte nach der Grundschule sechs Jahre lang die Gesamtschule bis zur 10. Klasse. Anschließend begann er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, die er nach 3 ½-jähriger Ausbildungsdauer mit bestandener Gesellenprüfung erfolgreich abschloss.

21Am 2. Mai 2001 wurde er zur Bundeswehr eingezogen, wo er sich zunächst auf 4 Jahre verpflichtete. Später verpflichtete er sich, verbunden mit der erfolgreichen Bewerbung für die Feldwebellaufbahn, auf insgesamt 12 Jahre. Nachdem die gegen ihn in diesem Verfahren erhobenen Vorwürfe bekannt geworden waren, wurde er zunächst vom Dienst suspendiert und schließlich am 21. Februar 2005 fristlos aus der Bundeswehr entlassen. Nach vierwöchiger Arbeitslosigkeit fand er Anstellung bei einer Zeitarbeitsfirma. Derzeit arbeitet er als Berufskraftfahrer im Nahverkehr und verdient monatlich etwa 1.150,- bis 1.200,- netto. Er hat keine Unterhaltsverpflichtungen und zahlt auf einen Bankkredit monatlich 60,- an seine Bank.

Strafrechtlich ist der Angeklagte I bisher nicht in Erscheinung getreten. 22

II. 23

Die Angeklagten L, G, I2 und I waren als Unteroffiziere in der ##. Kompanie des ###. Instandsetzungsbataillons der Bundeswehr tätig. Die Kompanie, welche vom früheren Mitangeklagten Hauptmann T2 geführt wurde, war in der C-Kaserne stationiert. Es handelte sich dabei um eine reine Ausbildungskompanie, der jeweils zu Quartalsbeginn neue Rekruten zur dreimonatigen Grundausbildung zugewiesen wurden.

25Der Angeklagte L damals im Rang eines Oberfeldwebels wurde erst Ende Mai 2004 zur ##. Kompanie versetzt und war dort seitdem im 2. Zug als Gruppenführer eingesetzt. Der Angeklagte G vom Dienstgrad her Stabsunteroffizier gehörte seit Anfang 2004 zu dieser Kompanie, wo er zunächst als Hilfsausbilder, im 2. Quartal 2004 dann als Ausbilder und Gruppenführer im 1. Zug tätig war. Der Angeklagte I ebenfalls Stabsunteroffizier war seit dem 2. Quartal 2004 als Ausbilder und Gruppenführer im 2. Zug tätig. Der Angeklagte I2 vom Dienstgrad her Stabsunteroffizier war im 2. Quartal 2004 nicht zur Ausbildung der Rekruten eingesetzt, sondern war als Schirrmeister für den Fuhrpark der Kompanie zuständig.

26Zum Stammpersonal der Kompanie gehörten u. a. die früheren Mitangeklagten Hauptfeldwebel D und Hauptfeldwebel H, die bereits seit mehreren Jahren in der ##. Kompanie als Ausbilder tätig und im 2. Quartal 2004 als Zugführer eingesetzt waren.

27

Im 2. Quartal 2004 galt für die Ausbildung der Rekruten die "Anweisung für die Truppenausbildung Nummer 1" (AnTrA 1), Stand Juni 2001. Sie war im Jahre 2001 durch den für die Ausbildung zuständigen Chef des Heeresamtes II der Bundeswehr herausgegeben worden und regelte Ziel und Inhalte der Allgemeinen Grundausbildung (AGA) im Heer. Diese Anweisung sah als Ziel der dreimonatigen Allgemeinen Grundausbildung vor, jedem Rekruten auf dem Weg vom Zivilisten zum Soldaten Kenntnisse und Fertigkeiten in den Grundlagen der Selbstverteidigung, des Überlebens auf dem Gefechtsfeld und des Handelns als Soldat nach den gesetzlichen Pflichten und Rechten zu vermitteln. Weiterhin sollte der Rekrut auch Kenntnisse und Fähigkeiten erlernen, mit denen er im Einsatz Sicherungs- und Wachaufgaben übernehmen konnte. 24

Eine Ausbildung "Geiselnahme/Verhalten in Geiselhaft" war in dieser AnTrA 1 weder vorgesehen, noch wurde sie ausdrücklich untersagt.

28Weil die Bundeswehr aber nicht mehr ausschließlich zur Landesverteidigung, sondern immer öfter auch in internationalen Friedensmissionen im Ausland eingesetzt wird, hatte es schon seit längerer Zeit Überlegungen im Bundesministerium der Verteidigung gegeben, wie man die Truppenausbildung diesem geänderten Aufgabenspektrum der Bundeswehr anpassen könnte. Als Ergebnis dieser Überlegungen wurde schließlich am 8. Juli 2004 vom dafür zuständigen Chef des Heeresamtes II der Bundeswehr eine geänderte AnTrA 1 herausgegeben, die zum 1. Oktober 2004 in Kraft treten sollte. Diese geänderte AnTrA 1 war ab dem 19. Juli 2004 im Intranet der Bundeswehr abrufbar. Bereits zuvor fanden Lehrgänge im Vereinte-Nationen-Ausbildungszentrum der Bundeswehr in I3 statt, in denen Zugführer von Ausbildungskompanien für die Ausbildung nach der neuen AnTrA 1 geschult wurden. Diese Zugführer sollten sodann als sogenannte Multiplikatoren ihre neu erworbenen Kenntnisse über die geänderte Ausbildung in ihren jeweiligen Einheiten an die übrigen Ausbilder weitergeben.

29Die geänderte AnTrA 1 enthielt im Vergleich zu ihrer Vorgängerin einen neuen Teil, nämlich die "Basisausbildung EAKK" (Einsatzvorbereitende Ausbildung für Krisenbewältigung und Konfliktverhütung). Ziel der Allgemeinen Grundausbildung sollte nunmehr neben dem oben genannten auch sein, dass der Rekrut bereits in der Grundausbildung die für einen Auslandseinsatz im Rahmen von Konfliktverhütung und Krisenbewältigung erforderlichen Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten erlernt. So sollte den Rekruten z. B. das richtige Verhalten an Checkpoints sowie die Errichtung, Unterhaltung und Verteidigung eines Feldlagers vermittelt werden.

30Diese "Basisausbildung EAKK" sah auch eine zweistündige Unterrichtseinheit über Geiselhaft, Entführung und Gefangenschaft bei Einsätzen sowie Konfrontation mit Verwundung und Tod und deren Bewältigung vor, in der den Rekruten u. a. Kenntnisse über psychische Belastungen bei Entführung, Geiselhaft und Gefangenschaft vermittelt werden sollten. Als Ausbildungsform war Unterricht durch den Einheitsführer also durch den Kompaniechef vorgesehen, jedoch keine praktische Übung.

31Anfang April 2004 begannen in der C etwa 80 Rekruten ihre dreimonatige Grundausbildung, wovon etwa die Hälfte Wehrdienstleistende waren, die insgesamt neun Monate Grundwehrdienst abzuleisten hatten. Die andere Hälfte bestand entweder aus freiwillig länger dienenden Soldaten, die sich für eine längere Dienstzeit als neun Monate verpflichtet hatten, oder aus Soldaten auf Zeit, welche die Laufbahn als Unteroffizier oder Offizier einschlagen wollten.

32Es wurden zwei Ausbildungszüge gebildet. Zugführer des 1. Zuges war Hauptfeldwebel D, Zugführer des 2. Zuges war Hauptfeldwebel H. Beide hatten ebenso wie die Angeklagten L und I zu diesem Zeitpunkt bereits an einem Auslandseinsatz der Bundeswehr teilgenommen und zu diesem Zweck zuvor eine sogenannte "Einsatzbezogene Zusatzausbildung" (EbZA) absolviert.

33Eine solche Zusatzausbildung war und ist von der Bundeswehr für diejenigen Soldaten auf Zeit, freiwillig länger dienende oder Berufssoldaten vorgesehen, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen und die den Befehl bekommen haben, an einem Auslandseinsatz der Bundeswehr teilzunehmen. Ein Abschnitt dieser Zusatzausbildung ist eine Übung "Geiselnahme/Verhalten in Gefangenschaft", welche von der

Bundeswehr an drei Standorten durchgeführt wurde, nämlich im Vereinte-Nationen- Ausbildungszentrum der Bundeswehr in I3 und in X2 sowie seit Januar 2004 im Gefechtsübungszentrum des Heeres in A. Diese Übung, die zuvor im Unterricht mit den Teilnehmern besprochen und von Psychologen begleitet wurde, lief dergestalt ab, dass die auszubildenden Soldaten eine Busfahrt unternahmen und der Bus während der Fahrt von maskierten "Geiselnehmern" wobei es sich um Bundeswehrangehörige handelte überfallen wurde. Den überfallenen Soldaten wurden die Augen verbunden und sie wurden aufgefordert, ihre Hände in den Nacken, auf ihre Knie oder auf die Sitzbank vor ihnen zu legen. Anschließend wurden sie an einen Ort verbracht, an dem eine "Befragung" stattfand. Die Soldaten, deren Augen nach wie vor verbunden waren, wurden hierbei physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt, um bei ihnen Stress zu erzeugen. Sie wurden lautstark befragt und mussten körperliche Übungen wie Liegestütze, Kniebeugen oder Situps machen und Holz sägen, zudem wurde ihnen damit gedroht, Kameraden zu schlagen oder zu erschießen, wenn sie bei der Befragung nicht die gewünschten Antworten geben. Zur möglichst realistischen Untermalung wurden die entsprechenden Geräusche (Schläge oder Schüsse) simuliert. Den Soldaten war aus dem vorangegangenen Unterricht bekannt, dass sie jederzeit die Möglichkeit hatten, durch ein Handzeichen aus der Übung auszusteigen. Im anschließenden Unterricht wurde die Übung sodann besprochen.

34In der Vergangenheit war es allerdings in der Bundeswehr vorgekommen, dass auch außerhalb dieser drei benannten Ausbildungszentren eine Ausbildung "Geiselnahme/Geiselhaft" durchgeführt worden war, die nicht der Ausbildung in den Ausbildungszentren der Bundeswehr entsprach und die bei einigen Teilnehmern zu Anzeichen einer Traumatisierung geführt hatte. Aus diesem Grund hatte das Heeresführungskommando der Bundeswehr in L2 mit einem als "VS nur für den Dienstgebrauch" gekennzeichneten Schreiben vom 26. Februar 2004 darauf hingewiesen, dass die Ausbildung "Geiselnahme/Geiselhaft" ausschließlich im Rahmen der einsatzbezogenen Zusatzausbildung in dem Vereinte-Nationen- Ausbildungszentrum bzw. im Gefechtsübungszentrum des Heeres durchgeführt werde, da dort die Ausbildung unter Anleitung des dafür speziell geschulten Personals erfolgen könne. Zu den Empfängern dieses Schreibens gehörte auch die ##. Panzerdivision, zu der das ###. Instandsetzungsbataillon und damit auch die ##. Ausbildungskompanie in D damals noch gehörten.

35Auch in dem "Befehl 38/10" vom 12. April 2004 hatte das Heeresführungskommando der Bundeswehr die Ausbildung über das Thema "Verhalten in Geiselhaft" ausschließlich dem VN-Ausbildungszentrum zugewiesen, wo freiwillig längerdienende Soldaten, Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten ihre abschließende Ausbildung für einen bevorstehenden Auslandseinsatz erhalten sollten.

36Dass die Angeklagten G, L, I und I2 das Schreiben des Heeresführungskommandos vom 26. Februar 2004 oder den "Befehl 38/10" kannten oder von ihm wussten, steht aufgrund der Beweisaufnahme nicht fest.

37Im Verlauf des 2. Quartals 2004 der genaue Zeitpunkt ließ sich nicht mehr feststellen kamen die Zugführer D und H auf die Idee, in der Allgemeinen Grundausbildung in D eine Geiselnahmeübung durchzuführen. Ob sie zuvor an dem bereits erwähnten zweitägigen Fortbildungslehrgang für Zugführer in Ausbildungskompanien in I3 teilgenommen hatten, auf dem die neuen Inhalte der am 1. Oktober 2004 in Kraft tretenden geänderten AnTrA 1 vermittelt werden sollten, konnte die Kammer in der

bisherigen Beweisaufnahme dabei nicht klären.

An einem genauer nicht mehr feststellbaren Tag vor dem 8. Juni 2004 fand auf Anordnung dieser beiden Hauptfeldwebel eine Ausbilderbesprechung statt, an der neben anderen Ausbildern der Kompanie auch die vier Angeklagten teilnahmen. Die Angeklagten L, G und I nahmen teil, weil sie damals als Gruppenführer in der Grundausbildung tätig waren und die Besprechung von ihren Zugführern angeordnet worden war. Der Angeklagte I2, der wie bereits ausgeführt damals Schirrmeister der Kompanie war, nahm teil, weil D ihn zuvor mit dem Bemerken, dass man noch Leute für einen Überfall auf die Rekruten zwecks Geiselnahme benötige, gefragt hatte, ob er I2 nicht mitmachen wolle. I2 hatte daraufhin zugesagt. Er hätte als Schirrmeister zwar auch ablehnen können, freute sich aber darauf, wieder einmal an einer Geländeübung teilnehmen zu können.

39Auf dieser Ausbilderbesprechung wurde den Anwesenden der grobe Ablauf der geplanten Geiselnahmeübung mitgeteilt. Auf dem Dienstplan der Rekruten war für den 8. Juni 2004 tagsüber eine Schießübung angesetzt, die ins Nachtschießen übergehen sollte. Anschließend so sah es der Plan der beiden Zugführer vor sollten die Rekruten gruppenweise auf einen nächtlichen Orientierungsmarsch geschickt werden, bei dem zum Schluss sodann die "Geiselnahme" mit anschließendem "Verhör" erfolgen sollte. Weder der Orientierungsmarsch noch die geplante Einlage, nämlich diese Geiselnahme, standen auf dem für die Rekruten einsehbaren Dienstplan und waren diesen somit nicht bekannt.

40Seitens der Zugführer war vorgesehen, die Rekruten an einem asphaltierten Wirtschaftsweg im Gelände zu überfallen, wo sie nach den Marschvorgaben in den frühen Morgenstunden des 9. Juni 2004 eintreffen sollten. Für diesen Überfall teilten D und H die Angeklagten L, G und I2 sowie die früheren Mitangeklagten S, F und E ein, die das "Überfallkommando" bilden sollten. Diese sechs Ausbilder sollten die Rekruten überfallen, entwaffnen, fesseln, ihnen die Augen verbinden und ihnen die persönliche Ausrüstung abnehmen. Anschließend sollten die Rekruten mit einem Pritschenwagen der Bundeswehr zum Standortübungsplatz gefahren werden, wo sodann in einer Sandgrube ihr "Verhör" stattfinden sollte. Für dieses Verhör teilten die beiden Zugführer den Angeklagten I ein. Diesem sagte D, er I sei ja auch in I3 dabei gewesen; etwa so wie in I3 solle das "Verhör" in der Sandgrube ablaufen. Mit seiner Bemerkung meinte D die Geiselnahmeübung, die der Angeklagte I im Rahmen seiner Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz mitgemacht hatte. Ob in der Besprechung auch weitere Einzelheiten für die geplanten Stationen "Überfall" und "Verhör" erörtert wurden, konnte die Kammer dabei ebenso wenig aufklären wie die Frage, ob bereits in dieser Besprechung die Rede davon war, dass die Fesselung der Rekruten beim Überfall mit Kabelbindern erfolgen sollte.

41Weiterhin teilten die Zugführer bei dieser Besprechung auch noch das Personal für die übrigen Stationen an den einzelnen Wegpunkten des Orientierungsmarsches ein, welche die Rekruten zuvor anzulaufen hatten und wo sie dann jeweils bestimmte Aufgaben zu erfüllen hatten. An diesen Stationen erhielten die Rekruten auch neue Kartenausschnitte und Anweisungen für ihren Weitermarsch.

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Der frühere Mitangeklagte F hatte, als ihn einer der Zugführer im Vorfeld dieser Ausbilderbesprechung auf die Geiselnahme angesprochen hatte, gefragt, ob die Übung vom Kompaniechef genehmigt worden sei. Der Zugführer wer es war, ließ sich bislang 38

nicht feststellen hatte ihm daraufhin entgegnet, Hauptmann T2 prüfe dies zur Zeit noch. Auf der erwähnten Ausbilderbesprechung teilten die beiden Zugführer D und H den anwesenden Ausbildern sodann mit, dass die geplante Übung "Geiselnahme" vom Kompaniechef abgesegnet worden sei. Tatsächlich hatte der Kompaniechef Hauptmann T2 die Geiselnahmeübung genehmigt, wenn auch in der bisherigen Beweisaufnahme offen geblieben ist, ob er zu diesem Zeitpunkt Einzelheiten der geplanten Übung kannte. Bedenken gegen die Durchführung der Übung wurden in der Ausbilderbesprechung aus den Reihen der Ausbilder nicht erhoben.

43Am Abend des 8. Juni 2004 verlud der Angeklagte I die Materialien, die er nach seiner Vorstellung für das Verhör in der Sandgrube benötigte nämlich ein Maschinengewehr, Stacheldrahtrollen sowie eine Kübelspritze und Reservekanister mit Wasser auf einen Bundeswehr-LKW. Als sein Zugführer, Hauptfeldwebel H, dies sah und ihn fragte, wozu er die Kübelspritze mitnehme, antwortete er, dass man damit die Rekruten nass machen könne. Daraufhin entgegnete H nach bislang unwiderlegter Einlassung des I, das sei nicht schlimm, I solle sie mitnehmen.

44Die Rekruten befanden sich derweil noch auf der Schießbahn und absolvierten das nach Dienstplan vorgesehene Schießen. Gegen Ende des Nachtschießens kamen sodann die beiden Zugführer D und H mit einem Geländewagen zur Schießbahn. Sie trugen Tarnschminke im Gesicht, waren gefechtsmäßig ausgerüstet und ließen die Rekruten antreten. Diesen teilten sie sodann eine Lage mit, wonach Terroristen im Raum D gesichtet worden seien und das Gebiet bestreift werden müsse. Sämtliche Auffälligkeiten sollten dokumentiert werden. Die Rekruten, die ihr komplettes Marschgepäck sowie ihr Gewehr bereits bei sich hatten, kehrten daraufhin zur Kaserne zurück, wo sie Manövermunition (Platzpatronen) aufnahmen. Anschließend machten sie sich gruppenweise auf den Weg, wobei die einzelnen Gruppen zeitlich versetzt losmarschierten. Der planmäßige Gruppenführer marschierte dabei nicht mit; vielmehr musste jeweils ein Rekrut aus der Gruppe die Rolle des Gruppenführers übernehmen.

45Vor dem Abmarsch gab es keinen ausdrücklichen Hinweis darauf, dass im Verlaufe des Marsches abgesehen von eventuellem "Feindkontakt" etwas besonderes passieren könnte. Der Zeuge L5 vermutete dies aufgrund des Verhaltens der Ausbilder zwar, weil tagsüber die Vollständigkeit des Gepäcks der Rekruten kontrolliert worden war, wusste jedoch nicht, womit er zu rechnen hatte. Der Zeuge C2 hatte von einem Ausbilder, möglicherweise von seinem Zugführer, erfahren, dass noch etwas Überraschendes passieren werde, dachte jedoch, der Nachtmarsch sei die Überraschung. Mit einer Geiselnahme rechnete auch er nicht.

46Es wurde den Rekruten auch kein Kennwort mitgeteilt, durch dessen Nennung sie die Übung hätten beenden können. Möglicherweise hatte Hauptfeldwebel D bei einer früheren Gelegenheit einmal gesagt, man könne eine Übung jederzeit durch Heben der Hand abbrechen, wenn man nicht mehr weitermachen könne.

47Dem Angeklagten I waren zur Unterstützung an der Sandgrube auf dem Standortübungsplatz drei Hilfsausbilder zugeteilt worden, nämlich die als Zeugen vernommenen Obergefreiten D1, K und B. Nachdem der von I beladene LKW die Ausrüstung zur Sandgrube gebracht hatte, teilten I und die Hilfsausbilder dort einen Bereich des Geländes mit dem Stacheldraht ab, um so den Eindruck eines befestigten "Lagers" zu erwecken. Für das Maschinengewehr richteten sie oberhalb der Sandgrube eine Stellung ein und luden seine Patronengurte mit Manövermunition. Zudem füllten

sie die Kübelspritze mit Wasser und stellten die ebenfalls mitgebrachten Reservekanister bereit. Anschließend ruhten sich I und die Hilfsausbilder etwas aus und warteten auf die Ankunft der ersten Rekruten, die zwischenzeitlich losmarschiert waren.

Das "Überfallkommando" bestehend aus S, E und F sowie den Angeklagten L, G und I2 wurde derweil von den hierfür eingeteilten Zeugen N und Gefreiter S1 mit einem Pritschenwagen der Bundeswehr zum vorgesehenen Überfallort gefahren. Diese sechs "Angreifer" trugen Bundeswehrkleidung, hatten aber zum Teil ihre Dienstgradabzeichen oder Namensschilder entfernt. Ihre Gesichter waren mit einem Schal, einem Mückenschleier oder einer Mütze vermummt, wodurch sie nicht auf den ersten Blick als Ausbilder zu erkennen waren. Dies war auch beabsichtigt, weil sie Angehörige irregulär kämpfender Einheiten darstellen wollten. Sie hatten Gewehre mit aufgesetzten Manöverpatronengeräten dabei, deren Magazine mit Manövermunition geladen waren, teilweise auch ungeladene Pistolen und mehrere Übungsgranaten. Zudem hatten sie auch eine Munitionskiste mitgenommen, welche später dazu dienen sollte, die Rekruten abzulenken.

49Mit einem der Fahrzeuge entweder mit dem Pritschenwagen oder mit dem von D und H an diesem Morgen benutzten Geländewagen waren auch Kabelbinder zur Überfallstation gebracht worden. Die dort eingeteilten Ausbilder besprachen spätestens jetzt, den Rekruten damit die Hände auf den Rücken zu fesseln. Die Kabelbinder sollten dabei zum einen den Rekruten möglichst über der Kleidung oder über den Handschuhen angelegt werden, zum anderen sollten sie nicht ganz eng zugezogen werden. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass sie in die Haut schnitten. Die Fesselung mit Kabelbindern war den Rekruten bereits aus der vorangegangenen Wachausbildung bekannt, in welcher die Festnahme eines Störers oder Verdächtigten geübt und dieser unter anderem mit Kabelbindern gefesselt wurde.

50Das Überfallkommando richtete den Hinterhalt im Gelände ein und wartete sodann ebenfalls auf die erste Gruppe Rekruten, die gegen 3.00 Uhr morgens dort eintreffen sollte. Weil sich aber einzelne Gruppen auf dem Orientierungsmarsch verlaufen hatten, verzögerte sich der geplante Ablauf. Die erste Gruppe Rekruten darunter die Zeugen M, T und O3 traf deshalb erst in der Morgendämmerung des 9. Juni 2004 am vorletzten Wegpunkt des Orientierungsmarsches ein, wo sie von einem Hilfsausbilder empfangen wurde. Dieser wies sie an, quer über ein Feld zu einer Straße weiterzugehen, wo sich die letzte Station des Marsches befinde. Den dort eingerichteten Hinterhalt sowie die geplante Geiselnahme verschwieg er jedoch.

51Die Rekruten folgten der ihnen vorgegebenen Richtung und marschierten über das Feld. Nach wenigen Minuten trafen sie auf einen asphaltierten Wirtschaftsweg, der auf beiden Seiten von Bäumen und Büschen gesäumt war. Aufgrund der Geländebeschaffenheit waren sie dabei für die Angreifer bereits aus einiger Entfernung sichtbar, so dass diese sich auf den Überfall vorbereiten und in Deckung gehen konnten. Das Überfallkommando wurde zwischenzeitlich von den Hauptfeldwebeln D und H verstärkt, die an diesem Morgen mit einem Geländewagen, der vom früheren Mitangeklagten J gesteuert wurde, Dienstaufsicht fuhren und sich dabei zeitweise auch am Überfallort aufhielten. Sofern dort in dieser Zeit eine Gruppe Rekruten eintraf, halfen D und H auch dabei mit, diese Gruppe zu überfallen und zu überwältigen.

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Um die Rekruten abzulenken, hatten die Angreifer die mitgebrachte Munitionskiste gut sichtbar auf die Straße gestellt. Bei einigen Gruppen legte sich auch einer der Angreifer 48

selbst auf die Straße, um einen Verletzten zu simulieren. Weil die Rekruten vor Marschbeginn angewiesen worden waren, sämtliche Auffälligkeiten zu dokumentieren, erweckte dies ihre Aufmerksamkeit. Als sie sich der Munitionskiste bzw. dem "Verletzten" zuwandten, um nähere Untersuchungen anzustellen, nutzten die Angreifer diesen Moment und kamen schreiend und schießend aus ihrer Deckung. Manchmal ließen sie, um die Rekruten zusätzlich zu verwirren, zuvor Übungsgranaten auf der Straße detonieren. Sie schrien den Rekruten teils auf Englisch, teils auf Deutsch laut zu, dass diese ihre Waffen ablegen, sich hinknien und die Hände in den Nacken nehmen sollten.

53Die Rekruten waren im allgemeinen zu überrascht und nach rund 24 Stunden Dienst und einem mehrstündigen Orientierungsmarsch zumeist auch zu erschöpft, um noch größere Gegenwehr zu leisten. Trotz der Überraschung gingen die Rekruten aber durchweg davon aus, dass es sich bei den maskierten Angreifern um Bundeswehrangehörige handelte; zum Teil erkannten sie auch einzelne Ausbilder wie beispielsweise ihren Zugführer oder Gruppenführer.

54In aller Regel leisteten die Rekruten der Aufforderung der Angreifer, sich zu ergeben und auf den Boden zu legen, letztlich freiwillig Folge. Bei manchen Rekruten halfen die Angreifer mit körperlichem Druck nach. Teilweise gab es zuvor noch einen Schusswechsel zwischen den Rekruten und den Angreifern. Allerdings gab es auch Rekruten, die der Auffassung waren, sich als Soldaten der Gefangennahme widersetzen zu müssen und aus diesem Grund Widerstand leisteten.

55Der Zeuge M ging beim Überfall auf seine Gruppe im Straßengraben in Deckung. Als er von dort aus das Geschehen auf der Straße beobachtete, wurde er von dem früheren Mitangeklagten Oberfeldwebel J entdeckt, der dies den Angreifern mitteilte. Daraufhin rannten zumindest zwei der Ausbilder auf M zu, darunter möglicherweise der ehemalige Mitangeklagte F. Als M aus dem Graben aufstehen wollte, wurde er von einem dieser Ausbilder umgerissen und zu Boden gebracht, wo er auf dem Bauch zu liegen kam. Damit er nicht wieder aufstehen konnte, stellte einer der Ausbilder ein Knie auf L Hals. Anschließend wurden L Hände auf dem Rücken mit den Kabelbindern gefesselt und zusätzlich mit der Splitterschutzweste oder dem Koppeltragegestell verbunden, wodurch die Arme des Zeugen nach oben gezogen wurden und er schmerzhaften Druck auf seinen Schultern verspürte. Als er sich gegen die Fesselung wehrte, nahm einer der Ausbilder sein Knie in einen Haltegriff, wodurch L Bein verdreht wurde und er Schmerzen erlitt. Wer von den Ausbildern an dieser körperlichen Auseinandersetzung mit dem Zeugen M beteiligt war, konnte die Kammer bisher nicht feststellen; wahrscheinlich war einer der Ausbilder der frühere Mitangeklagte F.

56Als der Zeuge S entwaffnet werden sollte, gab es zwischen ihm und seinem Angreifer eine kleine Rangelei, wobei aber niemand verletzt wurde. Wer von den Mitgliedern des Überfallkommandos dieser Angreifer war, konnte die Kammer nicht feststellen.

57Der Zeuge L4 schließlich wurde beim Überfall von einem der Ausbilder von wem, ließ sich nicht feststellen von hinten in einen Würgegriff genommen und auf diese Weise zu Boden gebracht. Die Luft wurde dem Zeugen hierdurch aber nicht abgedrückt.

58Sobald alle Rekruten der jeweils überfallenen Gruppe entwaffnet und auf der Straße gesammelt worden waren, wo sie sich hinknien oder auf den Bauch legen mussten, wurde ihnen die gesamte persönliche Ausrüstung abgenommen und in einzelnen

Säcken verstaut. Ihre Hände wurden auf dem Rücken mit den Kabelbindern gefesselt, wobei die Ausbilder größtenteils darauf achteten, dass die Kabelbinder nicht zu stramm anlagen. Zumindest die Zeugen C6, C2, E, E4, E1, H3, L5, L3, L4, G3, U, S, W und W1 wurden von den sie fesselnden Ausbildern ausdrücklich gefragt, ob die Fesselung zu stramm oder erträglich sei. Als sich der Zeuge E daraufhin beschwerte, dass die Fesseln zu stramm seien, bekam er neue, dieses Mal lockerer sitzende Kabelbinder angelegt. Auch der Zeuge M beschwerte sich über die zu fest sitzenden Kabelbinder; er wurde allerdings nicht von diesen befreit, stattdessen zog später einer der Ausbilder die Kabelbinder noch einmal fester zu und äußerte dabei, sie säßen zu locker. Wer dies getan hat, konnte die Kammer jedoch nicht feststellen.

Bei den meisten Rekruten hinterließen die Kabelbinder keine Spuren auf der Haut. Die Zeugen G3, I4, U, T, X4 und X3 hatten nach ihrer Befreiung jedoch Druckstellen an den Handgelenken. Bei den Zeugen G2 und U waren Kratzer bzw. kleine Schnittwunden an den Armen zu sehen, nachdem sie befreit worden waren. Diese Wunden waren jedoch spätestens nach einer Woche vollständig verheilt. G2 war nicht durch einen der Angeklagten dieses Verfahrens gefesselt worden. U war nach der Fesselung von dem ihn fesselnden Ausbilder gefragt worden, ob die Fesseln zu stramm säßen, hatte diese Frage aber verneint.

60Die Augen der Rekruten wurden mit dem Dreiecktuch, welches sie bei sich führten, verbunden, möglicherweise ist dem einen oder anderen Rekruten stattdessen auch ein Wäschesack über den Kopf gezogen worden. Die Rekruten konnten hiernach zwar noch atmen, aber nicht mehr oder nur noch äußerst eingeschränkt sehen. Teilweise wurden sie bereits jetzt in gebrochenem Englisch nach ihrem Gruppenführer, dem Kompaniechef oder der Gruppenstärke befragt. Der Zeuge U wurde bei der Befragung allerdings nicht durch einen der Angeklagten auf englisch beschimpft und als "fucking soldier boy" bezeichnet. Der Zeuge U ging jedoch davon aus, dass dies zu der Rolle gehört, welche die Angreifer spielten, und fühlte sich dadurch nicht persönlich beleidigt.

61Nach dem Überfall auf eine Gruppe um welche Gruppe es sich handelte, ist offen geblieben stellte der Angeklagte G einem Rekruten, der mit gefesselten Händen und verbundenen Augen auf dem Bauch auf der Straße lag, seinen rechten Fuß auf den Rücken. In der rechten Hand hielt G sein Gewehr, die linke Faust reckte er in die Höhe. In dieser Pose vergleichbar einem Jäger, der seine Beute präsentiert ließ er sich sodann fotografieren. Wer dieser Rekrut war und wer dieses Foto gemacht hat, konnte die Kammer aufgrund der bisherigen Beweisaufnahme nicht aufklären. Von den Überfällen auf die Rekruten und ihrer Gefangennahme wurden an diesem Morgen, ebenso wie von den anschließenden Verhören auf dem Standortübungsplatz, zahlreiche weitere Fotos gemacht.

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Nachdem sämtliche Rekruten einer Gruppe auf die vorstehend beschriebene Art und Weise außer Gefecht gesetzt worden waren, was zwischen fünf und zehn Minuten dauerte, wurde der von den Zeugen N und S1 gefahrene Pritschenwagen auf ein verabredetes Zeichen der Ausbilder hin an den Überfallort herangefahren. Anschließend wurden die Rekruten von den Angeklagten und den übrigen Mitgliedern des Überfallkommandos auf diesen Pritschenwagen verladen. Dabei wurden die Rekruten, die ja aufgrund der Augenbinde gar nicht oder nur äußerst eingeschränkt sehen konnten, von einem Ausbilder zur Ladekante des Pritschenwagens geführt, auf diese Kante gesetzt und sodann entweder von einem zweiten Ausbilder auf die Ladefläche gezogen oder sie rutschten selbst in den LKW hinein und suchten sich einen 59

Sitzplatz. Der Zeuge E wurde in den LKW hineingezogen oder unsanft hineingeschoben. Der Zeuge O3 kam nach dem Einladen auf Kameraden zu liegen, die sich bereits auf der Ladefläche befanden, was er als unangenehm empfand. Der Zeuge C wurde auf den LKW geschubst und stieß sich dabei das Knie, was er an diesem Tag als das Schmerzhafteste empfand, was ihm passierte.

63Als alle Rekruten einer Gruppe auf die Ladefläche verbracht worden waren und ihre Ausrüstung im Führerhaus des Pritschenwagens verstaut worden war, fuhr der Zeuge N mit dem Wagen los und brachte die Rekruten in langsamer Fahrt zum Standortübungsplatz, der etwa 2 km vom Überfallort entfernt war. Während dieser Fahrt fuhr einer der Ausbilder aus dem Überfallkommando mit, um unter den Rekruten für Ruhe zu sorgen und zu verhindern, dass sie miteinander reden. Wenn einer der Rekruten die meist auf Englisch ausgesprochene Anweisung, ruhig zu sein, nicht befolgte, erhielt er wie die Zeugen O3 und E vom mitfahrenden Ausbilder einen leichten Schlag, zumeist auf den Helm. Schmerzhaft war dies nicht, es sollte dem Rekruten nur bedeuten, mit dem Reden aufzuhören. Der Zeuge M erhielt, als er der Aufforderung, seine "Klappe zu halten", nicht folgte, leichte Schläge auf seine Schultern. Dies war für ihn etwas schmerzhaft, weil seine Schultern aufgrund der Fesselung bereits erheblich schmerzten. Wer dem Zeugen M diese Schläge versetzt hat, konnte die Kammer nicht feststellen. Zumindest ein Rekrut, nämlich der Zeuge O3, bekam während der Fahrt aufgrund der beengten Platzverhältnisse auf der Pritsche einen schmerzhaften Krampf in den Beinen.

64Der Pritschenwagen traf nach fünf bis zehn Minuten Fahrt auf dem Übungsgelände an der Sandgrube ein, wo die Rekruten vom Angeklagten I und seinen Hilfsausbildern, den erwähnten drei Obergefreiten, in Empfang genommen wurden. Nachdem der Pritschenwagen angehalten hatte, wurden die Rekruten einzeln von der Ladefläche geholt, wobei darauf geachtet wurde, dass sie sich nicht verletzten. Die Zeugen K, O3, S, M und T fielen beim Abladen allerdings auf den Sandboden, verletzten sich dabei jedoch nicht. Bei den übrigen Rekruten verlief das Abladen reibungslos.

65Die Rekruten wurden in den zuvor mit Stacheldraht abgetrennten Bereich des Übungsplatzes gebracht, wo sie sich zunächst in einer Sandgrube hinknien mussten. Bei dieser Sandgrube handelte es sich um eine etwa 3 Meter durchmessende Abgrabung mit steilen Sandwänden, die zu einer Seite hin offen war. Einige der Rekruten wurden angewiesen, sich mit ihrem Kopf an diese Sandwand anzulehnen. Der Pritschenwagen fuhr, nachdem auch die Ausrüstung der Rekruten abgeladen worden war, derweil mit dem Ausbilder, der zur Begleitung auf der Pritsche mitgefahren war, zurück zum Überfallort, um dort auf die nächste Gruppe Rekruten zu warten.

66In der Sandgrube begann sodann das eigentliche, vom Angeklagten I geleitete "Verhör". Die Rekruten wurden zunächst ganz allgemein befragt, wer Gruppenführer und wer Zugführer ist, wie stark die Truppe ist und welchen Auftrag sie hat, teilweise wurden auch Namen und Personenkennziffer der Befragten verlangt. Der Angeklagte I stellte diese Fragen durchweg in gebrochenem Englisch, wodurch er möglichst realistisch eine Gefangennahme durch irregulär kämpfende Einheiten simulieren wollte. Manchmal wurden seine Fragen von einem der Hilfsausbilder für diejenigen Rekruten ins Deutsche übersetzt, die kein Englisch verstanden.

67Die Rekruten reagierten auf diese Befragung unterschiedlich. Sie waren auf eine solche "Übung" nicht vorbereitet worden und wussten deshalb nicht, wie sie sich richtig zu

verhalten hatten. Manche der Rekruten gaben nicht ernst gemeinte Antworten. So bezeichnete der Zeuge X3 den Fragesteller als "Jogi-Bär". Ein Kamerad aus der Gruppe des Zeugen L3 gab "H" als Antwort auf die Frage nach seinem Anführer; der Zeuge von K beantwortete diese Frage mit "Bundeskanzler Gerhard Schröder". Manche Rekruten sagten, dass sie die gewünschten Antworten nicht wüssten. Einige wenige Rekruten, wie beispielsweise der Zeuge H3, beantworteten die Fragen wahrheitsgemäß. Größtenteils gingen die Rekruten aber davon aus, dass von ihnen als Soldaten erwartet werde, niemanden zu verraten, deshalb schwiegen sie und gaben keine Antwort. Der Angeklagte I versuchte, diese schweigenden Rekruten und diejenigen, die unpassende Antworten gaben, dann doch noch zu einer aus seiner Sicht zufriedenstellenden Antwort zu bewegen, indem er sie unterschiedlichen "Behandlungen" unterzog.

68Ein Teil der Rekruten musste sich in einer Entfernung von etwa einem Meter einem Kameraden gegenüber hinknien. Sodann wurden beide mit dem Oberkörper soweit nach vorne gezogen, bis sich ihre Helme berührten. Diese Position mussten zumindest die Zeugen C2, E, J, G3, N2, A, C6 und E1 einnehmen. Es wurde für die Rekruten nach einiger Zeit anstrengend, diese Position zu halten. Wenn einen der Rekruten die Kräfte verließen und er umfiel, wie dies dem Zeugen N2 passierte, fiel auch der andere Kamerad mit um. Da die Rekruten nach wie vor gefesselt waren, hatten sie keine Möglichkeit, sich hierbei abzufangen und fielen in den Sand.

69Eine Variation dieser Zwangshaltung bestand darin, einen Rekruten an einen Baum zu stellen, ihn sich mit dem behelmten Kopf daran anlehnen zu lassen und sodann seine Füße soweit zurückzuziehen, bis es für ihn sehr anstrengend wurde, die Position zu halten. Auf diese Weise wurde von den Ausbildern mit dem Zeugen E4 verfahren. Wäre er mit dem Kopf abgerutscht, wäre er umgefallen und hätte sich wegen seiner nach wie vor auf dem Rücken gefesselten Hände auch nicht abfangen können.

70Ein anderer Teil der Rekruten wurde von den Kabelbindern befreit und musste sodann wie die Zeugen C2, H3, K, Le, X3, P und H mit verbundenen Augen Liegestütze oder Kniebeugen machen. Den Zeugen C2, der Liegestütze machen musste, fasste der Angeklagte I dabei am Kragen und drückte ihn nach unten, wodurch die Ausführung der Liegestütze erheblich anstrengender wurde. Als C2 hierbei mit seinem Kopf auf den Sandboden aufschlug, entschuldigte sich der Angeklagte I sofort hierfür.

71Einige Rekruten, darunter die Zeugen C2, E, H3, Le, X3, W, S, H und E1, mussten nach dem Lösen der Kabelbinder mit verbundenen Augen alleine oder zu zweit einen Baumstamm vor dem Körper bzw. über dem Kopf halten. Bei denjenigen Rekruten, die den Baumstamm über ihrem Kopf halten mussten, standen zur Absicherung jeweils zwei Hilfsausbilder daneben, die notfalls den Baumstamm auffangen sollten, falls die Rekruten von ihren Kräften verlassen würden und sie den Baumstamm fallen ließen. Zwei Kameraden aus der Gruppe des Zeugen O2, die einen Baumstamm halten mussten, wurde von den Verhörenden gesagt, dass einer ihrer Kameraden erschossen werde, wenn sie den Baumstamm fallen lassen. Ließen sie den Baumstamm dann tatsächlich fallen, gab einer der Hilfsausbilder auf ein zuvor verabredetes Zeichen eines anderen Ausbilders hin einen Feuerstoß aus dem Maschinengewehr ab, wodurch die angedrohte Erschießung des Kameraden simuliert werden sollte.

72Solche simulierten Erschießungen gab es im übrigen auch dann, wenn Rekruten sich weigerten, auf die Fragen des Angeklagten I zu antworten. Den Zeugen K, E, X, H3, O3, T, U, S, W, von K, C und K1 wurde damit gedroht, sie zu erschießen, wenn sie nicht

antworteten. Als sie gleichwohl keine Antwort auf die Fragen des Angeklagten I gaben, wurde ein Feuerstoß aus dem Maschinengewehr abgegeben. Anschließend wurde ihnen auf Deutsch leise ins Ohr geflüstert, sie seien jetzt tot und sollten sich ruhig verhalten. Sie wurden dann während der weiteren Befragung auch nicht mehr angesprochen.

73Aus der mitgebrachten Kübelspritze wurden zahlreiche Rekruten, darunter die Zeugen K, E2, E, E1, F, Le, U, O3, X3, W, P, W1, W2, H, K und E3, mit Wasser bespritzt, was einige aufgrund der sommerlichen Außentemperaturen als nicht schlimm oder als Erfrischung empfanden, andere hingegen nämlich der Zeuge F als überflüssig oder wie der Zeuge O3 als unangenehm. Dem Zeugen M wurde gesagt, als er in der Sandgrube von oben herab nass gespritzt wurde, dass auf ihn und seine Gruppe herunteruriniert werde.

74Anderen Rekruten wurde Sand unter ihre Kleidung geworfen, wie den Zeugen M5 und C2, und schließlich gab es auch noch Rekruten, die mit beidem also mit Wasser und Sand traktiert wurden. Hierzu gehörten unter anderem die Zeugen I4, Le, X4, U, S1, S und C. Da der nasse Sand an der Kleidung haftete und auf der Haut rieb, führte dies bei den als Zeugen vernommenen Rekruten X4 und C dazu, dass sie sich beim abschließenden Marsch zurück zur Kaserne die Oberschenkel wund liefen bzw. sich ihre vom vorangegangenen Nachtmarsch herrührenden wunden Stellen verschlimmerten.

75Einem weiteren Teil der Rekruten nämlich den Zeugen O3, T, M, E2, F, X und L5 wurde durch den Angeklagten I und einen Hilfsausbilder das Wasser aus der Kübelspritze auch in den Mund gepumpt, wobei entweder der Angeklagte I den Rekruten festhielt und der Hilfsausbilder pumpte oder umgekehrt.

76Die Zeugen T, O3 und M gehörten zur ersten Gruppe Rekruten, die in der Sandkuhle ankam. Der Zeuge M wurde im Laufe seiner Befragung auf den Rücken gelegt. Weil die Schmerzen in seinen Schultern in dieser Lage schlimmer wurden, versuchte er, sich wieder auf die Seite zu drehen, wurde aber wieder auf den Rücken gelegt, dabei festgehalten und weiter befragt. Da er nach wie vor nicht die gewünschten Antworten gab, wurde ihm der Schlauch der Kübelspritze entweder von I oder einem der beteiligten Hilfsausbilder im Beisein des I vor den Mund gehalten und die Kübelspritze sodann betätigt. Weil M seinen Mund nicht freiwillig aufmachte, wurde dieser vom Angeklagten I oder dem Hilfsausbilder im Beisein des I dadurch gewaltsam geöffnet, dass mit der Hand Druck auf L Unterkiefer ausgeübt wurde. In den auf diese Weise geöffneten Mund wurde sodann das Wasser aus der Kübelspritze hineingepumpt. Infolge des Wassers im Mund bekam M keine Luft mehr und versuchte, sich seitlich wegzudrehen. Dies gelang ihm aber nicht, da er entweder vom Angeklagten I oder einem der anwesenden Hilfsausbilder weiterhin festgehalten und auf dem Boden fixiert wurde. In dieser Lage wurde M mehrmals Wasser in den Mund gepumpt. Später wurde ihm dann noch der Reißverschluss seiner Hose geöffnet, der Schlauch der Kübelspritze hineingesteckt und sodann Wasser in die Hose gepumpt. Anschließend wurde M vom Angeklagten I in Anspielung auf die nasse Hose als "Bettnässer" verhöhnt. Als der Zeuge M daraufhin richtig wütend wurde und seinerseits den Angeklagten I beleidigte, fragte dieser ihn, ob er sterben wolle. M, der er keine Lust mehr auf die Fortsetzung der Befragung hatte, bejahte dies mit den Worten "It`s a nice day to die.". Daraufhin bekam er einen metallischen Gegenstand welchen, konnte die Kammer nicht klären an den Kopf gehalten und hörte einen Maschinengewehrverschluss einrasten. Er geriet daraufhin in

Panik, weil er im ersten Moment dachte, dass ihm tatsächlich ein Maschinengewehr an den Kopf gehalten werde und er aus dem vorangegangenen Unterricht wusste, welche Verletzungen auch Platzpatronen verursachen können, wenn sie in unmittelbarer Nähe eines Menschen abgeschossen werden. Es fielen sodann tatsächlich mehrere Schüsse aus dem Maschinengewehr, doch befand sich dies nicht unmittelbar am Kopf des Zeugen, sondern in einer Entfernung von einigen Metern. Anschließend sagte der Angeklagte I dem Zeugen M, dass dieser jetzt "tot" sei und ruhig sein solle.

77Den Zeugen T und O3 ebenfalls aus der ersten Gruppe Rekruten, die zur Sandgrube kam wurden, während sie auf dem Sandboden mit verbundenen Augen und auf dem Rücken gefesselten Händen knieten, die Nase zugehalten, damit sie ihren Mund aufmachten. Sodann wurde ihnen ebenfalls Wasser mit der Kübelspritze in den Mund gepumpt, so dass sie eine Zeit lang nicht richtig atmen konnten. Auch dem Zeugen F, der in einer anderen Gruppe als die Zeugen T, M und O3 war, wurde in der Sandgrube gewaltsam der Mund aufgedrückt und Wasser hineingepumpt. Dabei lief ihm auch Wasser in die Nase. Atemprobleme bekam der Zeuge F hierdurch aber nicht.

78Dem Zeugen E2, der in derselben Gruppe wie der Zeuge F war, passiert das Gleiche wie diesem. Er hatte kurzfristig Luftnot, als ihm die Nase zugehalten wurde. Auch ihm wurde der Reißverschluss seiner Hose geöffnet, der Schlauch der Kübelspritze durch die Öffnung in die Hose gesteckt und sodann Wasser in die Hose gepumpt. Dem Zeugen U wurde mit der Kübelspritze mehrmals Wasser in den Mund gespritzt, bis er nicht mehr richtig atmen konnte, weil ihm das Wasser dann auch in die Nase lief. Allerdings wurde sein Mund nicht gewaltsam geöffnet. Der Zeuge L5 wurde mit Wasser aus der Kübelspritze übergossen. Nachdem er sodann auf den Rücken gelegt worden war, wurde ihm Wasser in den Mund gepumpt.

79Der Zeuge X, der eine patzige Antwort auf eine Frage des Angeklagten I gegeben hatte, wurde ebenfalls auf den Rücken gelegt. Sodann wurde ihm der Schlauch der Kübelspritze vor ein Nasenloch gehalten und Wasser in