Urteil des LG Mainz vom 12.10.2004, 214 Js 10076/04

Entschieden
12.10.2004
Schlagworte
Wohnung, Fristlose kündigung, Wand, Tod, Säugling, Erste hilfe, Psychische störung, Körperliche integrität, Fahrzeug, Vermieter
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Strafrecht Tötungsdelikt

LG

Mainz

12.10.2004

3214 Js 10076/04 - 1 Ks -

Für die Beurteilung des Tötungsvorsatz kommt es allein auf die konkrete Handlungssituation und nicht darauf an, wie der Täter dem angegriffenen Rechtsgut ansonsten begegnet. Daher steht es der Annahme eines bedingten Tötungsvorsatzes nicht entgegen, wenn der Täter bei einer besonders gefährllchen Gewalthandlung gegen ein Kleinkind im Nachhinein die Tat bedauert und Rettungsbemühungen unternimmt, um die Tat soweit wie möglich ungeschehen zu machen.

Geschäftsnummer: Zur Geschäftsstelle gelangt

am: 15.11.2004

H., JOS

3214 Js 10076/04 - 1 Ks als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle

Dieses Urteil ist rechtskräftig

seit dem 8.April 2005

Mainz, den

als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle.

In der Strafsache gegen

J. St. F., geboren am 00.00.1976 in K.,

zuletzt wohnhaft: N. 8, in 00000 S.,

verheiratet, deutscher Staatsangehöriger,

zurzeit in dieser Sache in Untersuchungshaft in der JVA R.,

wegen Totschlags

hat die 1. große Strafkammer -Schwurgericht- des Landgerichts Mainz aufgrund der am 5.10.2004 begonnenen Hauptverhandlung, an der teilgenommen haben:

Vorsitzender Richter am Landgericht N.

als Vorsitzender,

Richter am Landgericht Dr. W.,

Richterin K.

als beisitzende Richter,

Regina L.-D., G.,

Helga L., M.,

als Schöffen,

Staatsanwalt R.

als Vertreter der Staatsanwaltschaft,

Rechtsanwalt H., G.,

Rechtsanwältin B., K.,

als Verteidiger des Angeklagten,

Justizobersekretär H.

als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle,

am 12. Oktober 2004

für R e c h t erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von

elf Jahren

verurteilt.

Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens und seine notwendigen Auslagen.

Angewendete Vorschrift:

§ 212 StGB.

G r ü n d e :

I.

Feststellungen zur Person:

Der am 00.00.1976 ehelich geborene Angeklagte ist deutscher Staatsangehöriger. Er hat zwei jüngere Brüder, die 12 und 23 Jahre alt sind. Der 12-jährige Bruder lebt noch bei der Mutter. Der Angeklagte wuchs in geordneten Verhältnissen auf. Der im November 2003 verstorbene Vater war Klempner, die Mutter Hausfrau. Sowohl er als auch seine Brüder wurden nur selten und maßvoll gezüchtigt durch Ohrfeigen (oder Schlägen), wenn - so seine Darstellung- ein Grund vorlag. Die Familie lebte zunächst in R., wo der Angeklagte auch den Kindergarten besuchte. Die Familie verzog später nach K., wo er altersgemäß in die Grundschule eingeschult wurde. Nach der Grundschule besuchte er die Hauptschule in L., die er erfolgreich 1991 abschloss. Hieran schloss sich der Besuch einer weiterführenden Schule in Fachrichtung Metallbau mit dem Ziel der Erlangung der mittleren Reife an. Diese Fortbildung brach er jedoch ab, weil er nach seiner Darstellung zu faul, der Lernstoff teilweise aber auch zu schwer für ihn gewesen ist. Er begann eine Lehre als Heizungsbauer in einem kleinen Handwerksbetrieb. Weil er erst im Dezember anstelle August die Lehre begonnen habe, habe sich seine Lehrzeit verlängert. Etwa im Jahr 1998 oder 1999 schloss er diese Lehre erfolgreich mit dem Gesellenbrief ab. Er arbeitete nur kurz, etwa bis 2001, in seinem erlernten Beruf. Danach war er bei verschiedenen Firmen, zumeist Zeitarbeitsfirmen, jeweils immer nur für etwa ein Jahr beschäftigt. Er wurde in verschiedenen Berufen, u.a. auch als Möbelpacker eingesetzt, weil in seinem Beruf keine Arbeitsplätze vorhanden waren. Zuletzt arbeitete er bis Februar 2004 für eine Zeitarbeitsfirma bei einem Betrieb in K.. Wehr oder Ersatzdienst leistete er nicht.

Im Jahr 2000 heiratete der Angeklagte seine langjährige Freundin, mit der er bereits seit seiner Jugendzeit zusammen war und mit der er etwa zwei bis drei Jahre vor der Eheschließung eheähnlich zusammenlebte. Das Ehepaar wohnte zunächst in L. und verzog dann später nach Winnweiler. Zu diesem Zeitpunkt war die Ehe nicht mehr glücklich. Es kam zu verbalen Meinungsverschiedenheiten und der Angeklagte war wegen Wechselschichten und auswärtiger Montage häufig nur am Wochenende zu Hause. Etwa Anfang 2003 nahm die Ehefrau des Angeklagten eine außereheliche Beziehung zu einem anderen Mann auf, die sie ihm gegenüber jedoch zunächst abstritt. Auf Drängen des Angeklagten gestand seine Ehefrau diese Beziehung aber etwa im Februar 2003. Bei dieser Gelegenheit versetzte er seiner Ehefrau eine Ohrfeige, nach seinem Bekunden im Affekt. Im September 2003 zog die Ehefrau des Angeklagten schließlich aus der ehelichen Wohnung aus, wobei anfangs nur eine Trennung auf Zeit beabsichtigt war. Bemühungen die Ehe zu retten entfaltete jedoch lediglich der Angeklagte, der anfangs noch versuchte, telefonischen Kontakt zu seiner Ehefrau zu halten, was ihm jedoch mangels Bereitschaft der Ehefrau letztlich nicht gelang. Der Angeklagte blieb zwar in der ehelichen Wohnung, verlegte aber seinen Lebensmittelpunkt wieder zu seinen Eltern. Dort begann er im Internet zu chatten, wobei er etwa im Oktober 2003 die Zeugin Yvonne E., die Mutter des Tatopfers, kennen lernte. Der Angeklagte mietete im Dezember 2003 in der N. 8 in S. in einem Mehrfamilienhaus eine Zweizimmer-, Küche, Bad, Dachgeschosswohnung zu einer Nettomiete von 450,-- €, die er am 25.12.2003 bezog, um seiner Freundin räumlich näher zu sein. Die Wohnung bestand aus einem Wohnzimmer mit integrierter Küche mit einer Verbindungstür zu einem zweiten kleineren Zimmer, einem Korridor über den das Wohnzimmer, die Küche und das Bad betreten werden konnten. Im kleinen Zimmer befand sich ein Jugendbett und offene Regale für Kleidung. Das Wohnzimmer war mit einer Sitzecke, einem Computerplatz und einem Fernseher möbliert.

Seine Freizeit verbrachte der Angeklagte im wesentlichen mit Computer-Spielen (Lara Croft, Sims) und dem Anschauen von Videofilmen, von denen er etwa 100 Stück besaß. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um Actionfilme, Komödien, Familien und Kinderfilme. Sport betrieb er nicht. Im Jahr 2000 hatte er einen Bandscheibenvorfall erlitten. Gelegentlich betrachtete er sich Fußballsendungen im Fernsehen an.

Für die Arbeit bei der Personalleasingfirma erhielt der Angeklagte ein monatliches Nettoeinkommen von 1.200,-- bis 1.400,-- €. Aufgrund eines Kredites für die Einrichtung der ehelichen Wohnung lief mit seiner Ehefrau noch ein Darlehen von 10.000,-- €. Nachdem der Angeklagte im Februar 2004 seine Arbeit verloren hatte, stand ihm kein Geld mehr zur Verfügung. Er hatte zwar einen Antrag auf Arbeitslosengeld gestellt, aber kein Geld erhalten, weil nach seinem Bekunden vom Arbeitgeber noch Unterlagen fehlten. Von einem Überbrückungsgeld, das in solchen Fällen vom Sozialamt gezahlt wird, will er nichts gewusst haben. Die Miete für die Monate März und April konnte er nicht mehr zahlen. Gemeinsam mit dem Verbraucherdarlehen aus der Ehezeit, den Mietschulden, Kosten für Handy und Internet beziffert er seine Schulden auf ca. 20.000,-- €. Sein Fahrzeug, ein alter Ford Sierra, wurde mangels Zahlung von Steuer und Versicherung zwangsweise entstempelt. Nahrung und sonstige Dinge des täglichen Lebens bestritt die Zeugin E. mit 600,-- €, die aus Kinder- und Erziehungsgeld bestanden.

Alkoholische Getränke nahm der Angeklagte in der Vergangenheit selten und zumeist nur bei

Feierlichkeiten zu sich. Dabei handelte es sich meist um Bier. Ansonsten konsumierte er gelegentlich nach seinem Bekunden ein Bier abends vor dem Fernseher. Darüber hinaus will er einmal bei Freunden in der Schulzeit einen Joint probiert haben. Drogen nimmt er jedoch nicht. Aufgrund eines vier Jahre zurückliegenden Bandscheibenvorfalls nahm der Angeklagte in der Vergangenheit bei Bedarf gelegentlich Schmerzmittel. Genaueres ist jedoch hierüber nicht bekannt.

Der Angeklagte ist strafrechtlich bislang einmal in Erscheinung getreten. Er wurde am 23.11.1999 vom Amtsgericht Landstuhl wegen Diebstahls und Vortäuschens einer Straftat zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen á 80,-- DM verurteilt (4046 Js 6644/99 Staatsanwaltschaft Zweibrücken).

Der Angeklagte hatte einen Freund und Arbeitskollegen, mit dem er gemeinsam in dessen Fahrzeug unterwegs gewesen war, aus dem Fahrzeug Handy und Geldbörse entwendet und zu einem späteren Zeitpunkt das darin befindliche Geld an sich genommen. Als der Freund zu seinem Fahrzeug zurückkehrte und den Diebstahl seines Portemonnaies bemerkte, stellte sich der Angeklagte unwissend. Gegenüber der Polizei gab er bewusst wahrheitswidrig an, dass auch seine Geldbörse aus dem Fahrzeug des Freundes entwendet worden sei. Er entledigte sich zu einem späteren Zeitpunkt der beiden Geldbörsen.

Der Angeklagte wurde in vorliegender Sache am 14.4.2004 vorläufig festgenommen und befindet sich seit dem 15.4.2004 ununterbrochen in Untersuchungshaft in der JVA R. aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts Mainz vom selben Tag (56 Gs 1595/04).

II.

Feststellungen zur Sache:

1.Weitere Vorgeschichte der Tat:

Etwa im Oktober 2003 lernte der Angeklagte die Zeugin E., die Mutter des späteren Tatopfers, beim Internet-Chat kennen. Nach 14 Tagen bis drei Wochen trafen sich der Angeklagte und die Zeugin E. ein erstes Mal an einem neutralen Ort in dem Wohnort der Zeugin in St. J./ Rh.. Nach dem Bekunden des Angeklagten kam es bereits am ersten Abend zum Austausch von Intimitäten, nach der Zeugin E. kam es hierzu erst beim zweiten oder dritten Treffen. Die Zeugin war zu dem Zeitpunkt verheiratet und hatte zwei Kinder, den 3-jährigen Miguel und die am 00.00.2003 geborene Destiny Antonia E., das spätere Tatopfer, deren Vater der Ehemann der Zeugin ist. Die Ehe der Zeugin E. war ebenfalls problembelastet. Nach ihrem Bekunden trennte sie sich noch im November von ihrem Mann, lebte jedoch mit den beiden Kindern noch im selben Haushalt. Nachdem der Angeklagte am 25.12.2003 die Wohnung in S. gemietet hatte verbrachte die Zeugin E. seit diesem Zeitpunkt die Nächte zumeist bei dem Angeklagten und hielt sich tagsüber bei ihrem Mann und den Kindern auf, wobei sie ihrem Mann vorspiegelte, sie schlafe bei einem Freund. Zu dieser Zeit arbeitete der Angeklagte tagsüber noch für eine Zeitarbeitsfirma bei einem Betrieb in K.. Diese Arbeit verlor er jedoch im Februar 2004.

Ab März 2004 lebte die Zeugin E. mit ihren Kindern in der Wohnung des Angeklagten, wobei sich ihr Sohn Miguel auch häufig bei seiner Großmutter aufhielt. Das kleine Zimmer der Wohnung wurde als Kinderzimmer genutzt. Das Baby schlief in einem Kinderreisebett, welches an der Wand gegenüber dem Jugendbett, in dem Miguel schlief, aufgestellt war. Das Bad und die Küche wurden von dem Angeklagten mit Abziehbildern mit kindlichen Motiven dekoriert. Anfangs schliefen der Angeklagte und seine Freundin auf einer Schlafcouch im Wohnzimmer. Da dies auf die Dauer jedoch zu unbequem wurde, schliefen sie später auf einer aufblasbaren Doppelluftmatratze ebenfalls im Wohnzimmer.

Der Angeklagte unterhielt anfangs zu den Kindern seiner Freundin ein, wie sie es beschrieb, gutes Verhältnis. Er spielte mit ihnen und ging mit ihnen spazieren. Er versorgte auch den Säugling, wie es üblicherweise der Säuglingspflege entspricht (baden, wickeln, anziehen, füttern). Wenn Destiny nach Säuglingsart schrie, versuchte der Angeklagte sie mit Herumtragen, Fläschchengeben oder Spielzeug zu

beruhigen, was ihm nach den Bekundungen der Zeugin E. auch ebenso gelang oder misslang, wie ihr als Mutter selbst. Ihr Ansinnen an ihn, Ungehorsam der Kinder auch mal durch einen „Klaps“ auf Po oder Hände zu ahnden, lehnte er ab. Die Zeugin hatte keine Bedenken, ihre Tochter Destiny mit dem Angeklagten allein zu lassen.

Destiny war als Frühgeburt in der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen. Ihre Vitalfunktionen wurden noch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mit einem sog. Säuglingsmonitor überwacht. Diese Maßnahme beendete die Zeugin E. erst als sie mit Destiny im März 2004 zum Angeklagten nach S. zog. Destiny war für ihr Alter ein ungewöhnlich kleines und leichtes Kind. Wegen der medizinischen Einzelheiten wird auf die Ausführungen zum gerichtsmedizinischen Gutachten (s.u.) verwiesen Der Angeklagte wusste von diesen gesundheitlichen Umständen des Babys.

Nachdem der Angeklagte im Februar 2004 arbeitslos wurde, spitzte sich die wirtschaftliche Gesamtsituation des Angeklagten zu. Er hatte zwar einen Antrag auf Bewilligung von Arbeitslosengeld gestellt, jedoch vom Arbeitsamt kein Geld erhalten, weil nach seinem Bekunden vom Arbeitgeber noch Unterlagen fehlten. Dass das Sozialamt in solchen Fällen mit einem Überbrückungsgeld einspringt, will er nicht gewusst haben. Die Kosten für die Fahrzeugversicherung und die Kfz-Steuer konnte der Angeklagte nicht mehr tragen, sodass sein Fahrzeug zwangsabgemeldet wurde. Ab März konnte der Angeklagte auch die Miete für die Wohnung nicht mehr bezahlen. Er lebte von dem Kinder- und Erziehungsgeld in Höhe von 600,- Euro, das seine Freundin, die Zeugin E., erhielt. Unterhalt von dem Ehemann erhielt die Zeugin für sich und die Kinder zu dem Zeitpunkt nicht. Die Zeugin E. hatte zwar keine genauen Kenntnisse über die wirtschaftliche Situation des Angeklagten, wusste jedoch von seiner Beschäftigung bei einer Zeitarbeitsfirma und dass der Angeklagte Schulden hatte.

Trotz der finanziell angespannten Situation verlief die Beziehung zwischen dem Angeklagten und der Zeugin zunächst weitgehend harmonisch. Angesichts der kurzen Dauer des Gesamtgeschehens können diesem Zeitraum indes nur wenige Wochen zugerechnet werden. Der Angeklagte entfaltete von Anfang an jedoch kaum Anstrengungen, um einen neuen Arbeitsplatz zu finden oder um von den zuständigen Behörden Arbeitslosengeld oder Hilfe zum Lebensunterhalt zu erlangen. Nach den Bekundungen der Zeugin und auch des Angeklagten ging die Initiative zur Arbeitssuche weitgehend von der Zeugin E. aus, die dem Angeklagten bei der Suche nach potentiellen Arbeitgebern und dem Schreiben von Bewerbungen behilflich war. Der Angeklagte scheute sich, Bewerbungen selbst mit der Hand zu schreiben und überließ dies der Zeugin E., weil er behauptete, eine „Sauklaue“ zu haben. Der Angeklagte musste von der Zeugin E. immer wieder angetrieben werden, dass er etwas gegen die Arbeitslosigkeit unternahm. Aufgrund seiner Initiativlosigkeit kam es zwischen den beiden zu verbalen Streitigkeiten, die jedoch nicht lang andauerten, weil der Angeklagte entweder der Zeugin schnell Recht gab oder sich zurück zog und der Situation aus dem Weg ging, indem er spazieren ging oder sich in sein Auto setzte und Musik hörte, als dieses noch vorhanden war.

Die angespannte finanzielle Situation frustrierte den Angeklagten zusehends, gleichwohl unternahm er nur wenig und dann auch nur auf Betreiben seiner Freundin, um dies zu ändern. Vor Beginn der Karwoche, etwa Ende März, spitzte sich die Situation dergestalt zu, dass der Vermieter zwei Mal telefonisch den Angeklagten zur Zahlung der rückständigen Miete aufzufordern versuchte. Die Telefonate nahm jedoch die Zeugin E. entgegen, da der Angeklagte angesichts der drohenden Konfrontation nicht an das Telefon gehen wollte. Bei der dritten Kontaktaufnahme des Vermieters das genaue Datum ist nicht mehr feststellbar gewesen- erschien der Vermieter unter einem Vorwand persönlich an der Wohnungstür des Angeklagten und drohte mit der fristlosen Kündigung, wenn die Miete nicht bis Ostern gezahlt würde. Auch dieses Mal öffnete nicht der Angeklagte die Wohnungstür, sondern überließ die Auseinandersetzung seiner Freundin, die den Vermieter bei ihrer Aussage in der Hauptverhandlung am 08.10.2004 als sehr wütend schilderte, er habe „gebrüllt“.

Mit Eintritt der Arbeitslosigkeit ließen die Aktivitäten und Bemühungen des Angeklagten um die Kinder nach. Er musste von der Zeugin E. ständig aufgefordert werden, mit den Kindern mal zu spielen oder mit ihr und den Kindern spazieren zu gehen. Da es keine Lösung der Situation im finanziellen Bereich gab, unterbreitete die Zeugin E. dem Angeklagten den Vorschlag, noch einmal die Haushalte zu trennen, bis sich seine finanzielle Situation entspannt hat. Dies lehnte der Angeklagte jedoch strikt ab. Die Zeugin E. erklärte, er habe sich dabei abgewandt. Alle vier sollten nach seinem Wunsch zusammen sein.

Die Tagesabläufe gestalteten sich in dieser Zeit immer gleich und wie folgt:

Zwischen 7.00 und 8.00 Uhr wachten die Zeugin E. und der Angeklagte auf, weil der 3-jährige Miguel versorgt werden musste. Nach dem Frühstück wurde der Vormittag mit Lesen und Kinderspielen verbracht. Weiterhin wurden Computerspiele gespielt (Lara Croft, Sims) oder Video gesehen. Nach dem Mittagessen wurde der Nachmittag ebenso wie der Vormittag verbracht. Als der Angeklagte noch das Fahrzeug hatte, machten die zwei Erwachsenen mit den Kindern auch noch Ausflüge, danach Spaziergänge im Ort. Auch die Wochenenden wurden nicht anders verbracht.

Am Abend vor dem Tattag, dem 07.04.2004, wurde das Baby Destiny von der Zeugin E. im Kinderzimmer gegen 20.oo Uhr zu Bett gebracht. Der Sohn Miguel hielt sich wegen der bevorstehenden Osterfeiertage bei seiner Oma in St. J. auf. Der Angeklagte und die Zeugin E. schauten etwa bis 0.00 Uhr fern. Danach gingen die beiden zu Bett. Das Baby schlief bis zum nächsten Morgen durch.

2.Eigentliches Tatgeschehen:

Nach normal verbrachter Nacht stand die Zeugin E. am Morgen des 08.04.2004 (Gründonnerstag) gegen 8.00 Uhr auf und versorgte ihre Tochter, indem sie ihr eine frische Windel anlegte und sie mit Früchtebrei fütterte. Nach dem Füttern setzte sie das Baby noch eine Weile in einen Babysitz, wo es sich eine Weile selbst beschäftigte. Dies wurde immer so gemacht, um dem Baby das Aufstoßen zu erleichtern. Das Baby zeigte zu diesem Zeitpunkt keine Besonderheiten oder Auffälligkeiten. Der Angeklagte schlief zu dieser Zeit noch auf der Matratze im Wohnzimmer. Gegen 10.30 Uhr legte die Zeugin E. ihr Baby im Kinderzimmer ins Bettchen. Der Säugling war mit einem Body und einer Strumpfhose bekleidet. Zu dem Zeitpunkt war der Angeklagte erwacht, döste jedoch noch im Halbschlaf vor sich hin. Die Zeugin kehrte zurück in das Wohnzimmer und teilte dem Angeklagten mit, dass sie auf die Bank gehen wolle, um nachzusehen, ob schon Geld überwiesen ist. Wenn sich Geld auf dem Konto befand, wollte sie einkaufen gehen und danach zurückkehren. Der Angeklagte und die Zeugin verfügten an diesem Morgen nur noch über 20,-- Euro Bargeld. Sie teilte dem Angeklagten mit, dass er auf das Baby achten solle und, dass sie es in sein Bettchen verbracht hat. Zu diesem Zeitpunkt war alles in bester Ordnung. Die Zeugin verließ die Wohnung.

Der Angeklagte lag immer noch dösend auf der Matratze im Wohnzimmer, als etwa 5 bis 10 Minuten nach dem Verlassen der Wohnung durch die Mutter das Baby im Kinderzimmer zu weinen begann. Der Angeklagte, der sich aufgrund der durch seine Untätigkeit mitverschuldeten finanziellen Notlage und der befürchteten Trennung von der Zeugin E. in gereizter Gemütsverfassung befand, stand auf und ging in das Kinderzimmer. Er nahm das weinende Baby aus seinem Bettchen und versuchte es zu beruhigen, indem er es zunächst auf dem Arm wippte, den Rücken streichelte und versuchte, ihm etwas Tee einzuflößen. Das Baby ließ sich jedoch nicht beruhigen, sondern schrie immer lauter und immer heftiger. Dies dauerte etwa 10 Minuten an. In seiner Verärgerung über dieses - wie der Angeklagte es selbst bezeichnete - hysterische, d.h. auch nach seinem Sprachverständnis unangemessene, „provozierende“ Schreien, fasste er den Säugling mit beiden Händen unter den Armen und schlug ihn wuchtig mindestens zweimal mit dem Hinterkopf gegen die Wand des Kinderzimmers. Dabei nahm er den Tod des Säuglings zumindest billigend in Kauf. Der Säugling zog sich aufgrund des Vorgehens des Angeklagten schwere Hirnverletzungen zu, die innerhalb von wenigen Minuten zum Tod führten. Bereits nach dem zweiten Schlag hörte das Baby auf zu schreien und begann zu röcheln. Es atmete nur noch stoßweise und begann zu erbrechen. Dann hörte die Atmung ganz auf. Der Angeklagte legte den Säugling auf den Fußboden und versuchte, mit einem Handtuch Erbrochenes zu entfernen. Dann zog er dem Baby den Body und die Strumpfhose aus. Er legte es auf seinen Unterarm und schlug ihm mehrfach auf den Rücken, um Erbrochenes herauszubefördern. Danach legte er das Baby auf das Jugendbett und begann mit einer Reanimation durch Beatmung abwechselnd mit einer Herzmassage. Als der Angeklagte gewahr wurde, dass das Baby weiterhin keine Lebenszeichen mehr von sich gab, verständigte er mittels des Handys der Zeugin E., das sie in der Wohnung zurückgelassen hatte, gegen 11.01 Uhr über Notruf den Rettungsdienst. Dieser hielt ihn an, das Erbrochene zu entfernen und das Baby auf die Seite zu legen und die Rettungssanitäter abzuwarten. Diese trafen gegen 11.15 Uhr ein, die Polizeikommissare Schmitt, Raabe und der Kriminalhauptkommissar Sp. trafen gleichzeitig mit den Sanitätern oder unmittelbar nach ihnen am Tatort ein. Dies ließ sich nicht mehr genau feststellen. Dem Zeugen Sp. gegenüber bekundete der Angeklagte, er habe das Kind röchelnd und brechend im Bett vorgefunden und es aufgenommen, um es zu beatmen. Weiterhin äußerte er die Worte: „Ich bin schuld am Tod des Kindes“, was die anwesenden Polizisten und Sanitäter jedoch auf die fehlgeschlagenen Rettungsversuche bezogen und deshalb keine weiteren Nachfragen erfolgten. Die Wiederbelebungsversuche der Sanitäter und des Notarztes blieben

erfolglos. Um 12.17 Uhr wurde der Tod des Kindes festgestellt.

Während der Rettungsmaßnahmen durch die Sanitäter und den Notarzt musste der Angeklagte auf deren Geheiß das Kinderzimmer verlassen. Er ging daraufhin in den Hausflur, wo er auf die Zeugin H. traf und bei ihr um eine Zigarette bat. Der Zeugin H. gegenüber gab der Angeklagte ebenfalls an, das Baby habe sich an Erbrochenem verschluckt und dadurch einen Atemstillstand erlitten. Weiterhin äußerte er, Angst vor den Drohungen des Ehemannes der Zeugin E. zu haben und „deshalb nicht aus der Situation herauszukommen“. Gegenüber der Zeugin wirkte er ruhig und gefasst. Sie sagte aus, seine Hände seien ganz ruhig gewesen. Er begab sich danach zurück in die Wohnung. Der zurückkehrenden Zeugin E. erklärte er mit Tränen in den Augen auf ihr Nachfragen, was passiert sei, „die Kleine habe sich verschluckt und das Erbrochene inhaliert“. Der zunächst sehr aufgeregten Kindesmutter wurde von dem Rettungspersonal bedeutet, sie solle sich hinsetzen und beruhigen. Einige Zeit später wurde ihr von dem Rettungspersonal eröffnet, dass ihre Tochter tot ist. Der die vorläufige Leichenschau durchführende Zeuge Sp. konnte keinerlei äußerliche Anzeichen für Fremdverschulden feststellen. Auf Befragen durch den Zeugen Sp. bekundete der Angeklagte auch diesem gegenüber, er habe das Kind röchelnd in seinem Bettchen vorgefunden und es aus dem Bett genommen, als er feststellte, dass Brei aus Mund und Nase lief und das Baby keine Luft mehr bekam. Er habe versucht, den Brei mit den Fingern zu entfernen und den Notarzt gerufen. Bis zu dessen Eintreffen habe er versucht, das Kind, das mittlerweile nicht mehr atmete, durch Mund-zu-Mund- und Mund-zu-Nase-Beatmung zu reanimieren. Dem Zeugen Sp. erschien der Angeklagte indes sichtlich mitgenommen von dem Geschehen.

Die Leiche der Destiny Antonia E. wurde am 14.4.2004 im Institut für Rechtsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität M. durch die Assistenzärztin Bianca N. und Prof. Dr. med. U. obduziert. Dabei wurde festgestellt, dass das knöcherne Schädeldach insgesamt unverletzt war. Im Bereich der Hinterhauptsregion, unmittelbar in Höhe des Hinterhaupthöckers fand sich eine ca. 1 x 1 cm messende schwarzrote Einblutung an der Innenseite der Kopfschwarte. Weitere, kleinfleckigere schwarzrote Einblutungen fanden sich darunter, knapp links der Mittellinie. Weiterhin fanden sich einige abgerissene Brückenvenen. Unter der harten Hirnhaut fanden sich weiterhin über beide Hirnhälften, links ausgeprägter als rechts sowie basal im Bereich des linken Scheitel und Hinterhauptlappens sowie im Spalt zwischen den Hirnhälften, ausgeprägte flüssige Blutansammlungen. Auch im Bereich der mittleren sowie der hinteren Schädelgrube links wurden bis 2 mm dicke flüssige Blutansammlungen vorgefunden. Die Lungen waren deutlich überbläht. Die Bronchialbaumäste enthielten weißlich breiig-schleimige Flüssigkeit wie Speisebrei.

Ebenfalls am 14.4.2004 wurde der Angeklagte von dem Kriminalbeamten M. zunächst als Zeuge über den Hergang des Geschehens vernommen. Der Angeklagte schilderte anfangs, dass er das Kind 5 bis 6 Minuten nach dem Weggang der Kindsmutter habe röcheln hören. Dem Kind sei Schleim oder Brei aus der Nase gekommen. Er habe es aus dem Bett genommen und mit der flachen Hand auf den Rücken geschlagen. Er habe den Eindruck gehabt, dass die Kleine keine Luft bekomme und sie in Bauchlage vor sich auf den Boden gelegt. Er habe unter Schock gestanden. Er habe sie dann auf den Boden gelegt, um die vom Erbrochenen verschmutzten Kleider auszuziehen. Dabei seien die Lippen ganz blau geworden. Er habe sie dann geschüttelt, dass sie wieder anfange zu atmen. Er sei in Panik gewesen. Dann habe er den Notarzt angerufen. Er fügte dann hinzu, dass bei dem Auf-den-Boden-Legen er das Kind mit dem Hinterkopf gegen den Boden „gedetscht“ habe. Dem erfahrenen Kriminalbeamten M. fielen Ungereimtheiten in der Darstellung des Geschehens durch den Angeklagten auf. Auf die Eröffnung des Verletzungsmusters (zwei Einblutungen am Hinterkopf) hingewiesen, änderte der Angeklagte die Darstellung des Geschehens dahin, dass er die Kleine aus dem Bettchen genommen habe, weil sie so geschrien habe und dann sei er mit ihr gestolpert und zu Boden gefallen. Beim Aufstehen habe er sich umgedreht und sei dann mit der Kleinen im Arm über das Bettchen gefallen und an die Wand gestoßen. Aufgrund der vielen Ungereimtheiten und Widersprüche in der Darstellung der Geschehnisse am 08.04.2004 wurde der Angeklagte wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts zum Nachteil der Destiny von dem Kriminalbeamten M. als Beschuldigter belehrt und verantwortlich vernommen. Der Angeklagte räumte dann erstmals ein, das schreiende Kind, weil es sich nicht mehr habe beruhigen lassen und immer schlimmer geschrien habe, zwei- oder dreimal gegen die Wand geschlagen zu haben. Er habe die Nerven verloren. Die Schläge seien heftig gewesen und mit jedem Mal, das er sie gegen die Wand schlug, sei sie ruhiger geworden. Sie habe nach dem letzten Schlag nur noch stoßweise geatmet und dann ganz mit der Atmung aufgehört.

Nach dieser Aussage wurde der Angeklagte vorläufig festgenommen. Am 15.4.2004 erging gegen ihn Haftbefehl des Amtsgerichts Mainz (56 Gs 1595/04). Seit diesem Tag befindet sich der Angeklagte ununterbrochen in Untersuchungshaft in der JVA R..

Nach weiteren feingeweblichen Zusatzuntersuchungen stellten die medizinischen Sachverständigen Prof. Dr.Dr. U. und die Ärztin Bianca N. als abschließendes Ergebnis der am 14.4.2004 durchgeführten Obduktion am 12.5.2004 fest, dass das 11 Monate alte Kind an einem zentralen Regulationsversagen infolge einer Kombination aus traumatisch bedingten Einblutungen in die Hirnrinde und die motorischen Hirnareale (Talamus) sowie einem Hirnödem mit nachfolgender Hypoxie (Sauerstoffmangel) verstarb.

III.

Beruhen, Einlassung:

1.Diese Feststellungen beruhen auf der Einlassung des Angeklagten, soweit das Gericht ihr zu folgen vermochte, sowie den ausweislich der Sitzungsniederschrift verwendeten Beweismitteln.

2.Der Angeklagte leugnet die Tötung der Tochter seiner Freundin nicht. In seiner polizeilichen Vernehmung vom 14.4.2004 hat er zwar zunächst die Tötung des Babys bestritten und ein abweichendes Unfallgeschehen geschildert. Schließlich räumte er jedoch die Tötung des Kindes ein. Dieses Geständnis hat er in der Hauptverhandlung wiederholt und sich im Einzelnen wie folgt eingelassen:

Er habe wegen seiner schlechten finanziellen Situation und seiner Arbeitslosigkeit mit seiner Freundin keinen Streit gehabt. Sie sei jedoch mit seiner Arbeitssuche nicht zufrieden gewesen. Sie habe ihm „auf die Füße getreten“. Sie habe sein Engagement in dieser Hinsicht bemängelt. Einmal habe sie ihn als „Faulenzer“ bezeichnet. Sie habe ihm aber selten Vorwürfe deshalb gemacht. Außerdem habe er ja gewusst, dass diese Vorwürfe berechtigt gewesen seien. Streit über fehlendes Geld habe es aber schon gegeben. Außerdem habe der Verlust der Wohnung bevorgestanden, weil er bereits seit März die Monatsmiete nicht mehr bezahlt habe. Der Vermieter habe in der Woche vor Ostern (Karwoche) bereits zweimal telefonisch versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Die Telefonate habe aber seine Freundin entgegengenommen. Er habe nicht mit ihm sprechen wollen. Der Vermieter sei in derselben Woche auch ein drittes Mal persönlich in der Wohnung erschienen. Er sei wegen der ausstehenden Mieten sehr wütend gewesen und habe die fristlose Kündigung in Aussicht gestellt, wenn er nicht bis Ostern zahle. Er sei dem Streit mit seiner Freundin im Wesentlichen aus dem Weg gegangen und habe ihr immer schnell Recht gegeben. Er sei wegen der Umstände aber nicht gereizter gewesen als sonst. Am Ostersonntag habe er mit Yvonne und Destiny zu seiner Mutter nach K. fahren wollen, wegen der Osterfeiertage, aber auch um der Situation mit der Wohnung (ausstehende Mieten, wütender Vermieter) aus dem Weg zu gehen. Überhaupt sei er Streit auch in seiner Jugendzeit immer aus dem Weg gegangen, körperliche Auseinandersetzungen im Kindes- und Jugendalter habe er stets gemieden.

Sie seien immer Anfang des Monats einkaufen gegangen und hätten dann alles eingekauft, was sie an Nahrung für den Monat benötigten. Am Tattag seien sie am Ende dieser Einkaufsperiode gewesen und hätten dennoch nur noch über 20,-- Bargeld verfügt. An dem Tag hätten Yvonne und er etwas länger geschlafen. Seine Freundin sei vor ihm aufgestanden und habe das Baby versorgt, er habe jedoch hiervon nichts mitbekommen, da er noch geschlafen habe. Gegen 10.30 Uhr sei er dann wach geworden, als Yvonne die Kleine in das Kinderzimmer gebracht habe. Er sei wach geworden, weil sie beim Verlassen des Wohnzimmers an die Matratze gestoßen sei. Sie habe ihm gesagt, sie würde auf die Bank gehen und wenn Geld da sei auch gleich einkaufen. Sie habe die Kleine fertig gemacht und sie in ihr Bettchen gelegt. Dann habe sie die Wohnung verlassen. Er habe dann noch im Halbschlaf weitergedöst, bis er aus dem Kinderzimmer Destiny habe laut weinen hören. Er sei aufgestanden und habe sie aus dem Bett genommen und auf dem Arm gewippt. Sie habe aber immer lauter und immer heftiger, ja hysterisch geschrien. Er habe Sorgen gehabt, warum sie so schreit. Er habe die Windel überprüft und versucht, ihr die Teeflasche zu geben. Er habe in dem Moment nicht daran gedacht, dem Kind einfach etwas überzuziehen und mit ihm spazieren zu gehen oder es einfach schreien zu lassen oder sich anderweitig Hilfe zu holen bzw. auf die Mutter zu warten. Er habe sich etwa 10 Minuten um das schreiende Kind bemüht, jedoch ohne Erfolg. Die Zeit sei vielleicht nicht lang, aber sehr laut gewesen. Er habe mit dem Baby auf dem Arm im Kinderzimmer an dessen Bettchen gestanden. Es habe dann bei ihm ausgesetzt und er habe das schreiende Baby mit beiden Händen unter den Armen am Brustkorb gefasst und es mit dem Hinterkopf zweimal gegen die Wand geschlagen, es könnte auch öfter gewesen sein. Nach dem zweiten Mal habe Destiny aufgehört zu schreien. Er habe keine Ahnung, wo er das Baby mit dem Kopf an die Wand geschlagen habe, d.h. an welche Wand des Kinderzimmers. Er habe auch keine Ahnung wie fest dies gewesen sei. Es habe dann erbrochen und sei blau geworden. Es habe aufgehört zu atmen. Er

habe versucht, das Erbrochene mit einem Handtuch zu entfernen und es hierzu auf den Boden gelegt. Dann habe er Destiny die verschmutzten Kleider ausgezogen. Er habe sie dann wieder auf den Arm genommen und sie bäuchlings auf den Arm gelegt und auf den Rücken geschlagen, um das Erbrochene herauszubefördern. Danach habe er das Baby zur Beatmung auf das im selben Zimmer befindliche Jugendbett gelegt. Er habe das Kind beatmet durch Mund-zu-Mund-Beatmung. Dabei habe er die Nase zugehalten. Dann habe er jeweils drei Herzmassagen mit dem Daumen in der Herzregion gemacht. Diese Kenntnisse habe er durch einen Erste-Hilfe-Kurs erlangt. Er wisse, dass es Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern bei der Reanimation gebe. Gegen 11.oo Uhr habe er dann den Notarzt angerufen. Der habe ihn angehalten, das Erbrochene zu entfernen und das Kind auf die Seite zu legen und die Rettungssanitäter abzuwarten. Nach der Tat habe er unter Schock gestanden. Von dem eingetroffenen Notarzt sei er dann weggeschickt worden. Er habe sich daraufhin in den Hausflur begeben, wo er eine Nachbarin getroffen habe. Dieser habe er erzählt, dass Destiny sich an Erbrochenem verschluckt und einen Atemstillstand erlitten hätte. Gegen 11.3o Uhr sei dann Yvonne zurückgekehrt. Auf ihre Frage, was passiert sei, habe er ihr dasselbe erzählt wie der Nachbarin. Er habe ihr auch gesagt, er habe die Befürchtung, bei der Reanimation etwas falsch gemacht zu haben und dass er dadurch vielleicht mit Schuld am Tod der Tochter sein könnte. Sie hätten gemeinsam in der Küche gesessen. Yvonne habe geweint. Er habe auch geweint.

IV.

Beweiswürdigung

Die vorstehende Einlassung des Angeklagten ist, soweit sie im Widerspruch zu den getroffenen Feststellung steht, durch das Ergebnis der Beweisaufnahme widerlegt.

a) Erwiesen ist im Sinne der Feststellungen zunächst, dass der Angeklagte der Täter der hier angeklagten Straftat gewesen ist.

aa)Der Angeklagte hat in der Hauptverhandlung am 5.10.2004 eingeräumt, die Tochter seiner Freundin Yvonne E. mindestens zweimal mit dem Hinterkopf gegen eine Wand des Kinderzimmers geschlagen zu haben. Diese Angabe stimmt überein mit dem Inhalt seiner von dem Kriminalbeamten J. M. geschilderten polizeilichen Vernehmung vom 14.4.2004, in der der Angeklagte eingeräumt hat, das Baby „gegen die Wand“ geschlagen zu haben, dies sei „zwei- oder dreimal“ geschehen.

Das Geständnis des Angeklagten ist auch glaubhaft. Es wird bestätigt durch eine Reihe weiterer Erwägungen.

Der Angeklagte hat sich am Tattag zwischen 10.3o Uhr (dem Weggang der Yvonne E.) und etwa 11.15 Uhr (Zeitpunkt des Eintreffens der Rettungssanitäter und der Polizei) allein mit dem Tatopfer in der Tatwohnung aufgehalten. Dafür, dass er in diesem Zeitraum Besuch von einer dritten Person erhalten hat, die als Täter in Frage käme, haben sich Anhaltspunkte nicht ergeben. Das Tatopfer ist, bevor der Angeklagte mit ihm allein in der Tatwohnung verblieben ist, unverletzt gewesen. Das hat die Zeugin Yvonne E. bestätigt, die bekundet hat, vor ihrem Weggang zur Bank gegen 10.3o Uhr das Baby in sein Bettchen gelegt zu haben und unmittelbar vor dem Verlassen der Wohnung noch einmal nach dem Rechten geschaut zu haben. Es sei alles in Ordnung gewesen.

Das Tatopfer ist, als die Rettungssanitäter in der Wohnung eingetroffen sind, bereits tot gewesen. Der gleichzeitig mit oder unmittelbar nach den Rettungssanitätern eingetroffene Polizeibeamte A. Sp. hat bekundet, bei seinem Eintreffen kurz nach den Rettungssanitätern habe das Baby auf dem Jugendbett gelegen und sei erkennbar tot gewesen.

Für die Täterschaft des Angeklagten spricht im Übrigen der Umstand, dass die nach den Ausführungen der Sachverständigen Bianca N. bei dem Tatopfer festgestellten Verletzungen, auf die später näher einzugehen sein wird (s.u.), mit der Tatschilderung des Angeklagten - dem mindestens zweimaligen Schlagen des Kopfes gegen die Zimmerwand- zwanglos in Übereinstimmung zu bringen sind. Dies gilt insbesondere für die von der Obduzentin geschilderte ca. 1 cm mal 1 cm messende schwarzrote Einblutung an der Innenseite der Kopfschwarte unmittelbar in Höhe des Hinterhaupthöckers sowie weitere kleinfleckige schwarzrote Einblutungen darunter, knapp links der Mittellinie und dem Einriss einzelner

Brückenvenen zwischen harter Hirnhaut und Hirnoberfläche, die nach den Ausführungen der Sachverständigen typische Folge des vom Angeklagten geschilderten Aufschlagen des Kopfes des Kindes auf eine harte Unterlage - der Zimmerwand- gelten können. An der Zimmerwand unmittelbar über dem ursprünglichen Standort des Baby-Bettchens wurden von dem Kriminalbeamten P. B. zwei Stellen mit Anhaftungen durch Lichtbilder dokumentiert, die von Hautfett herrühren können. Anhaftungen befanden sich auch an der gegenüberliegenden Wand. Dass der Kriminalbeamte Sp. darüber hinaus keine Tatspuren festgestellt hat, steht der Täterschaft des Angeklagten nicht entgegen, denn zum einen hatte das Tatopfer keine blutenden Wunden erlitten, zum anderen hatte der Angeklagte nach der Tat auch hinreichend Gelegenheit, durch Abwischen der Wand etwaige Spuren zu beseitigen.

Bei der Gesamtwürdigung der vorstehenden Angaben kommt -entsprechend seinem Geständnis- allein der Angeklagte als Täter in Betracht.

b) Erwiesen ist ferner, dass der Angeklagte bei der Tatausführung den Tod des Babys Destiny Antonia E. zumindest billigend in Kauf genommen hat.

Der Angeklagte hat nach den getroffenen Feststellungen eine äußerst gefährliche Gewalthandlung begangen. Bei einer solchen liegt es grundsätzlich nahe, dass der Täter mit der Möglichkeit rechnet, das Opfer könne zu Tode kommen. Ob dies zutrifft, bedarf freilich im Hinblick auf die hohe Hemmschwelle bei Tötungsdelikten einer besonders sorgfältigen Prüfung, die die Persönlichkeit des Täters und die Besonderheiten der Tat einzubeziehen hat (vgl. BGH NStZ 03, 603). Diese Prüfung führt indes zur zweifelsfreien Feststellung des Vorliegens sowohl des Wissens als auch des voluntativen Vorsatzelements (BGH, a.a.O., Seite 603).

Für das Vorliegen eines bedingten Tötungsvorsatzes spricht zunächst das mehrmalige Schlagen des Kopfes als eines insbesondere bei Babies und Kleinkindern besonders empfindlichen Körperteils des mit beiden Händen am Oberkörper gepackten Kindes gegen die Zimmerwand. Für das Vorliegen eines bedingten Tötungsvorsatzes sprechen ferner die von dem Tatopfer erlittenen Brückenvenenabrisse und subduralen Hämatome, insbesondere den massiven Einblutungen in den sogenannten Interhemisphären-Spalt (Spalt zwischen den Hirnhälften), von denen die Sachverständige Bianka N. berichtet hat und die nach ihren Bekundungen auf eine hohe Gewalteinwirkung schließen lassen. Für einen Erwachsenen sei erkennbar, dass diese Gewalteinwirkung für ein Kleinkind sehr gefährlich, tödlich sein kann. Hierauf wird später noch näher einzugehen sein (s.u.). Der Angeklagte hat es für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen, durch das Schlagen des kindlichen Kopfes gegen die harte Unterlage (Zimmerwand), dem Säugling lebensbedrohende Verletzungen zuzufügen, in deren Folge der Tod des Säuglings eintreten konnte. In Kenntnis seines gefährlichen Tuns durfte der Angeklagte nicht auf einen glücklichen Ausgang vertrauen. Er hat diesen vielmehr dem Zufall überlassen, aber gleichwohl gehandelt (vgl. BGH in NStZ-RR 2001, S. 369, 379). Rechtlich tragfähige Anhaltspunkte, die geeignet wären, diesen Schluss in Frage zu stellen, bestehen nicht. Die Bekundung des Angeklagten, mit seiner Freundin Yvonne E. „alt werden zu wollen“ sowie der Umstand, dass ein Großteil der für seinen Lebensunterhalt erforderlichen Mittel auf dem Kinder –und Erziehungsgeld der Yvonne E. für Destiny und Miguel beruhte, spricht nicht gegen einen bedingten Tötungsvorsatz. Denn das Scheitern des vermeintlichen Zukunftsentwurfes stand kurz bevor. Der Angeklagte war finanziell am Ende. Die Zeugin E. erwog nach nur kurzer Zeit des Zusammenlebens mit dem Angeklagten, bis zu einer Besserung seiner wirtschaftlichen Situation wieder auszuziehen. Eine Besserung war jedoch aufgrund der Antriebslosigkeit und der Untätigkeit des Angeklagten nicht in Sicht, der sich sogar die Bewerbungsschreiben an die Firmen von der Zeugin E. hat schreiben lassen. Im Gegenteil, wenn sie aus der Wohnung auszöge, bliebe auch der von der Freundin ausgehende Antrieb, das für eine Besserung Erforderliche zu tun, aus. Eine Besserung der Situation und eine Rückkehr der, emotionale und finanzielle Geborgenheit versprechenden, Partnerin wäre nicht mehr in Sicht. Außerdem drohte die fristlose Kündigung seiner Wohnung. Gegen die Annahme eines bedingten Tötungsvorsatzes spricht auch nicht, dass dem Angeklagten eine Zuneigung zu der Tochter der Yvonne E. nicht abgesprochen werden kann und ausweislich der Bekundungen der Zeugin E. der Angeklagte sich in der Vergangenheit geweigert hat, ihrer Aufforderung nachzukommen, Ungehorsam eines der Kinder (zumeist Miguel) mit einem „Klaps“ auf Finger oder Po zu ahnden. Diese Weigerung ist in seiner Persönlichkeit begründet, jeder Form von Auseinandersetzungen -verbaler oder körperlicher Art- aus dem Weg zu gehen und nicht in der Überzeugung einer gewaltfreien Kindererziehung. Denn dass er Züchtigungen durchaus als probates Erziehungsmittel anerkennt, bringt er durch seine Äußerung zum Ausdruck „zu Hause habe es auch mal eine Ohrfeige oder Schläge gegeben, wenn ein Grund, das heißt ein Fehlverhalten vorgelegen habe“. Auch der Umstand, dass er im Nachhinein die Tat bedauert und versucht hat, sie soweit wie möglich ungeschehen zu machen, spricht grundsätzlich nicht gegen eine billigende Inkaufnahme des tödlichen Erfolges zum Zeitpunkt der Tathandlung. Denn für die Beurteilung des Vorliegens von Tötungsvorsatz kommt es allein auf die konkrete Handlungssituation und nicht darauf an, wie der Täter dem angegriffenen Rechtsgut ansonsten begegnet. Weiterer Umstand, der das Gewicht der Rettungsbemühungen vermindert, ist auch die von dem Angeklagten sowohl gegenüber der Zeugin H. als auch in der Hauptverhandlung am 05.10.2004 geäußerte Angst vor den Drohungen des Ehemannes und Vater der getöteten Destiny im Vorfeld der Tat, „er werde ihn sich vornehmen, wenn der Destiny etwas passiert“.

Auch hat er auf die wiederholte Frage der Zeugin E. im Nachhinein, wie so etwas habe passieren können, die wahrheitswidrige Behauptung aufgestellt, das Baby habe sich verschluckt und das Erbrochene eingeatmet. Er mache sich Sorgen, „dass man ihm etwas in die Schuhe schieben würde“. Dies zeigt, dass die Sorge über die zu erwartenden Konsequenzen für sich selbst die Sorge und Anteilnahme am Tod des Kindes überwog. Auch eine affektive Beeinflussung des Angeklagten, die das voluntative Vorsatzelement ausschließen könnte, hatten vorliegend ausweislich den Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. Johann G., auf die später noch näher einzugehen wird (s.u.), keine Auswirkungen auf die Annahme eines bedingten Tötungsvorsatzes.

Bei der gebotenen Gesamtwürdigung dieser Umstände kann an dem Vorliegen eines zumindest bedingten Tötungsvorsatzes im Tatzeitpunkt kein Zweifel bestehen.

c) Erwiesen sind im Sinne der getroffenen Feststellungen ferner die Beweggründe der Tat. Dabei handelt es sich um ein Motivbündel, bei dem indes einem der Beweggründe die maßgebliche, tatursächliche Bedeutung zukommt.

cc) Mitursächlich für die Tatausführung war die angespannte wirtschaftliche Lage des Angeklagten, in die er sich selbst hineinmanövriert hatte durch seine Antriebslosigkeit und Untätigkeit im Hinblick auf die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Nach seinem eigenen Bekunden war er nicht nur in seinem erlernten Beruf, sondern in der Vergangenheit auch in Hilfsarbeitertätigkeiten beschäftigt gewesen. Die Zeugin Yvonne E. hat in diesem Zusammenhang berichtet, dass der Angeklagte von sich aus nahezu nichts unternommen habe, um diese Situation zu ändern, sondern er sich sogar von ihr zum Arbeitsamt und zu potentiellen Arbeitgebern habe begleiten lassen, bzw. sie ihn habe dazu anhalten müssen, diese aufzusuchen. In diesem Zusammenhang steht aber auch die gleichzeitige Frustration des Angeklagten, dem es nicht gelang, kurzfristig Arbeit zu finden; ein Umstand, von dessen Bedeutung auch die Zeugin E. berichtet hat.

d) Mitursächlich für die Straftat war auch das nach dem Scheitern seiner Ehe kurz bevorstehende erneute Scheitern seines Zukunftsentwurfs eines „gemeinsamen Altwerdens“ mit der Zeugin E., welche nach ihrem Bekunden dem Angeklagten einen Auszug aus der Wohnung bis zu einer Besserung seiner finanziellen Situation in Aussicht stellte. Da eine Besserung für den Angeklagten jedoch weder subjektiv noch objektiv in Sicht war, hätte diese vorgeschlagene Trennung der Haushalte auf Zeit eine endgültige Trennung und somit ein erneutes Scheitern einer Beziehung innerhalb kürzester Zeit bedeutet. Nach den Äußerungen der Zeugin E. wies er diesen Vorschlag auch brüsk von sich mit den Worten „dies käme gar nicht in Frage, wir vier bleiben zusammen“.

e) Bestimmendes Motiv und unmittelbar tatauslösend war indes nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme die Verärgerung über das Schreien des Babys, das er als hysterisch bezeichnete - auch nach seinem Sprachverständnis steht Hysterie für ein provokantes, unangemessenes Verhalten. Die 10 Minuten, die es in babytypischer Art schrie, waren auch nach seinem Verständnis nicht lang, aber, wie er es sagte, sehr laut. Diese Lautstärke störte ihn in seinem untätigen Verharren, dösend auf der Matratze.

Für diese Feststellung streitet die Einlassung des Angeklagten in der Hauptverhandlung vom 5.10.2004, das Baby habe etwa 10 Minuten geradezu hysterisch geschrieen, keine lange, aber eine sehr laute Zeit. Er habe nur noch gewollt, dass es still ist. Dies korrespondiert auch mit dem vom Kriminalbeamten J. M. geschilderten Eindruck, den er während der Beschuldigtenvernehmung aus der Tatsachenschilderung des Angeklagten gewann, das Tatopfer habe in dem Moment den Angeklagten genervt, er sei gestört gewesen und habe nur noch gewollt, dass es ruhig ist. Schließlich hat auch der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. Johann G. in seinem zur Schuldfähigkeit erstatteten Gutachten, auf das später näher einzugehen sein wird, ausgeführt, das Kind habe in der Rolle des Opfers für das den Angeklagten lange quälende Unbehagen gestanden und Entlastung von diesem durch eine wütende Aggression ermöglicht. Sein Handeln sei bestimmt gewesen von einem Zorn, der nicht auf einen konkreten Gegner gerichtet sei, der sich aber aus der Einsicht in eigenes Versagen ebenso speise wie aus der Perspektivlosigkeit der Lebenssituation, aus Furcht vor dem Verlust der Liebe und Geborgenheit garantierenden Partnerin und aus einem Gefühl der Demütigung angesichts des erneuten Scheiterns eines vermeintlichen Zukunftsentwurfs.

Bei einer Gesamtwürdigung dieser Umstände ist das tatauslösende Motiv im Sinne der Feststellungen erwiesen.

f) Fest steht im Sinne der getroffenen Feststellungen ferner die (ungefähre) Tatzeit. Die Zeugin Yvonne

E. hat bekundet, sie sei am Tatmorgen gegen 10.3o Uhr kurz vor dem Verlassen der Wohnung noch einmal im Kinderzimmer gewesen und habe nach dem Rechten geschaut. Es sei alles in Ordnung gewesen. Zu einem früheren Zeitpunkt kann sich mithin das Tatgeschehen nicht ereignet haben. Um 11.01 Uhr ging der von dem Angeklagten abgesetzte Notruf in der Rettungsleitstelle ein, bei dem er schilderte, das Baby seiner Freundin habe sich an Erbrochenem verschluckt und atme nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt war also bereits der Atemstillstand eingetreten. Gegen 11.15 Uhr trafen sodann die Rettungssanitäter nahezu zeitgleich mit der Polizei ein. Die Gesamtwürdigung dieser Umstände rechtfertigt es daher, den Tatzeitpunkt auf die Zeit zwischen 10.3o Uhr und 11.oo Uhr festzulegen.

g) Erwiesen sind endlich die von dem Opfer erlittenen Verletzungen und die Todesursache, die von der am Institut für Rechtsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität bedienstete Ärztin Bianca N., die das Tatopfer gemeinsam mit dem Institutsleiter Prof. Dr. Dr. Reinhard U. obduziert hat, im Sinne der getroffenen Feststellungen geschildert worden sind.

Die Sachverständige hat ausgeführt, bei der Obduktion des Tatopfers habe sich im Bereich der Hinterhauptsregion, unmittelbar in Höhe des Hinterhaupthöckers an der Innenseite der Kopfschwarte eine ca. 1cm mal 1 cm messende schwarzrote Einblutung befunden, die bis auf die Beinhaut reichte. Weitere, kleinfleckige schwarzrote Einblutungen befanden sich darunter, knapp links der Mittellinie. Weiterhin zeigte sich, dass einige Brückenvenen abgerissen waren. Unter der harten Hirnhaut hätten sich über beide Hirnhälften, links ausgeprägter als rechts, schwarzrote flüssige Blutansammlungen befunden. Entsprechende Blutansammlungen fanden sich auch basal im Bereich des linken Scheitel und Hinterhautlappens sowie im Spalt zwischen den Hirnhälften. Weitere flüssige Blutansammlungen befanden sich im Bereich der mittleren sowie der hinteren Schädelgrube links (Subduralhämatom). Weiterhin sei eine Einatmung von Mageninhalt bis in kleinere Bronchialbaumäste mit deutlicher Überblähung der Lungen und vereinzelten flohstichartigen Einblutungen in die Haut der oberen Brustregion vorgefunden worden. Zusammenfassend sei nach der Untersuchung des Gehirns davon auszugehen, dass das Tatopfer an einem zentralen Regulationsversagen infolge einer Kombination aus traumatisch bedingten Einblutungen in die Hirnrinde und die motorischen Hirnareale (Talamus) sowie eines Hirnödems mit nachfolgender Hypoxie (Sauerstoffmangel) verstarb. Zu den Blutansammlungen in die Hirnrinde führte die Sachverständige aus, dass bereits 10 ml Blut für den Tod eines Kindes ausreichen, hier jedoch deutlich mehr Blut (ca. 50 ml) vorgefunden worden sei. Subdurale Blutungen seien typisch für Kindesmisshandlungen. Die hier