Urteil des LG Köln vom 13.09.2006, e am 29.09.200

Entschieden
13.09.2006
Schlagworte
Internationale zuständigkeit, Unerlaubte handlung, Epo, Wirtschaftliche tätigkeit, Analyse, Test, Suspendierung, Bekanntgabe, Veröffentlichung, Unternehmen
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Landgericht Köln, 28 O (Kart) 38/05

Datum: 13.09.2006

Gericht: Landgericht Köln

Spruchkörper: 28. Zivilkammer

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 28 O (Kart) 38/05

Tenor: Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden dem Kläger auferlegt einschließlich der Kosten der Nebenintervention.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages.

T A T B E S T A N D : 1

2Der Kläger ist ein international erfolgreicher Athlet. Er ist gebürtiger Kenianer, verfügt mittlerweile über die amerikanische Staatsangehörigkeit und hat seinen Wohnsitz in den USA.

3Die Parteien streiten um die vom Kläger behaupteten Folgen eines am 8. August 2003 bei dem Kläger durchgeführten (Out-Of-Competition-) Dopingtests, dessen A-Probe in der Folge im Institut der Streithelferin positiv auf rhEPO getestet wurde, während die am 29.09.2003 analysierte B-Probe Bakterienaktivität im analysierten Urin aufwies, so dass eine Auswertung nicht möglich war. Nachdem die B-Probe das Ergebnis der A-Probe somit nicht bestätigte, gab die Beklagte zu 2) am 01.10.2003 eine Presseerklärung heraus, wonach der Kläger startberechtigt sei (Anlage K 6, Bl. 45 d.A.).

4Die Beklagte zu 1), eine Stiftung schweizerischen Rechts mit Sitz in Kanada, hat den weltweiten Kampf gegen Doping zur Aufgabe. Diesem Zweck ist ihr Vermögen gewidmet. Sie wird vollständig durch Zuwendungen von Regierungen und internationalen Sportverbänden finanziert. In Verfolgung ihrer Aufgabe führt sie im Namen und im Auftrag der internationalen Sportverbände u.a. Anti-Doping-Tests durch, darüber hinaus Maßnahmen wie Erziehungsprogramme oder Wissenschaftsförderung. Es kommt so im Jahr zu etwa 3000 Dopingproben im Vergleich zu den weltweit etwa 150.000 Dopingproben von internationalen Sportverbänden. Wegen der Einzelheiten des Satzungszwecks der Beklagten zu 1) wird auf deren Satzung (WADA 2, Blatt 408 ff.) verwiesen.

5Die Beklagte zu 2) ist als gemeinnützige Vereinigung mit Sitz in Monaco der Weltverband für Leichtathletik, ihre Mitglieder sind 211 nationale Leichtathletikverbände, die wiederum ihre eigenen Regeln bestimmen. Die Beklagte zu 2) wurde 1912 mit dem Ziel gegründet, den Internationalen Leichtathletikwettkampfsport durch einheitliche Regeln zu vereinheitlichen. Seit 30 Jahren führt die Beklagte zu 2) Dopingkontrollen durch und betreibt Disziplinarverfahren gegen Athleten. Neben der Verfolgung der Gesundheitsinteressen der Athleten selbst, die sie durch die Einnahme von verbotenen Substanzen bedroht sieht, verfolgt sie die Einhaltung strenger Anti-Doping-Vorschrif-

6ten insbesondere, um faire und gleichberechtigte Wettbewerbsverhältnisse zu erhalten und so die soziologische Aufgabe des Sports im Gemeinschaftsleben zu erfüllen. Wegen der Satzung der Beklagten zu 2) wird auf die Anlage WADA 1, Blatt 384 ff. d.A., Bezug genommen.

7Zwischen der Beklagten zu 2), die die Beklagte zu 1) in die Durchführung der Antidopingtests einbezieht, wurde unter dem 02./04.06.2003 eine Vereinbarung (Drug testing service agreement, Anlage IAAF 4, 728 ff. d.A. bzw. WADA 4, 425 ff. d.A.) geschlossen, nach der sich die Beklagte zu 1) verpflichtete, im Auftrag der Beklagten zu 2) und im Einklang mit dem IAAF-Handbuch und ihren Verfahrensregeln für die Dopingkontrolle (Bl. 720 ff. d.A.) einige Out-of-Competition-Kontrollen durchzuführen. Die Beklagte zu 1) hat hiernach das Recht, selbständig Athleten für diesen Zweck auszuwählen, wobei die Beklagte zu 2) die Beklagte zu 1) über den Aufenthaltsort von Spitzenathleten unterrichtet.

8Die im Namen der internationalen Sportverbände durchgeführten Antidopingtests werden nicht nur bei Sportveranstaltungen durchgeführt, weil es Methoden gibt, die so angewendet werden, dass Doping bei der Veranstaltung nicht mehr nachweisbar wäre. Daher gibt es zusätzliche Kontrollen außerhalb der Wettbewerbe (Out-Of-Competition- Kontrollen). Hierbei werden Athleten unangekündigt aufgesucht, um sicherzustellen, dass die Kontrollen nicht manipuliert werden können. Dafür ist ein weltweites Netz erforderlich, das die Beklagte zu 2) nicht selbstständig unterhalten kann. Sie bedient sich hierbei unter anderem der Beklagten zu 1). Im Rahmen der Out-Of-Competition Dopingkontrollprogramme ist die Beklagte zu 1) berechtigt, sogenannte internationale Dopingkontrolleure mit Probeentnahmen zu beauftragen. Die Kontrolleure ermitteln zunächst, ob der Athlet mit der Entnahme der Probe einverstanden ist. Ist er nicht einverstanden, wird das der Beklagten zu 2) mitgeteilt. Der Athlet unterzeichnet im Falle seines Einverständnisses mit der Kontrolle eine Einverständniserklärung.

9Die Beklagte zu 1) wiederum bedient sich zur Durchführung der Proben der Hilfe Dritter. So setzt sie für die Entnahme der Proben unter anderem das "Drug Free Sports D (DFSC), bestehend aus der kanadischen, der australischen und der norwegischen nationalen Doping Agentur, ein. Das DFSC beauftragt seinerseits Subun-

10ternehmer mit der Durchführung der Tests wie das im streitgegenständlichen Fall tätig gewordene schwedische Unternehmen U & Management AB (IDTM). Dieses wiederum ist zertifiziert und seit Jahren zuverlässig für internationale Sportverbände tätig. Die Analyse der Proben wiederum obliegt speziellen hierfür bei der Beklagten zu 1) akkreditierten Laboren, die allerdings im Jahr 2003 noch vom IOC akkreditiert waren. In Deutschland gibt es zwei akkreditierte Labore, unter anderem das im vorliegenden Fall tätig gewordene unstreitig renommierte - Institut für Biochemie der Deutschen

Sporthochschule Köln, der Streithelferin der Beklagten. Im Rahmen des Akkreditierungsverfahrens wird laufend Eignung, Qualität und Zuverlässigkeit der Labore überprüft und laufend überwacht. Die Streithelferin schloss mit der Beklagten zu 1) am 18.12.2002 eine Vereinbarung, wonach sie die Qualitätsanforderungen der internationalen Dopingkontrollstandards (International Standard for Doping Control, ISDC) umgesetzt hatte und sich verpflichtete, diese laufend zu beachten (vgl. Anlage WADA 6, Bl. 442 ff. d.A.). Das Institut war mit dem durchzuführenden EPO-Test spätestens seit 2002 vertraut.

11Der an keinen Verein gebundene Kläger trainiert seit 1998 regelmäßig in Deutschland. Während dieser Trainingsphasen hält er sich mehrere Monate bei einer Läufergruppe in U2 auf. Er nimmt an Wettkämpfen in Deutschland und Europa teil. Der Kläger ist an keinen Verein gebunden und unterwirft sich bei Wettkampfauftritten den jeweiligen Startbedingungen. Der Kläger war 2003 auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er hatte einen untadeligen Ruf und fungierte als Werbeträger für die Fa. O. In Paris bei der Weltmeisterschaft 2003 hatte er als einer von nur vier Athleten eine eigene Pressekonferenz. Er befand sich im August 2003 zur Vorbereitung auf die Leichtathletik- Weltmeisterschaft in Paris in U2, wo er am 08.08.2003 der streitgegenständlichen Dopingkontrolle unterzogen wurde.

12Die Beklagte zu 1) hatte gemäß der Vereinbarung mit der Beklagten zu 2) durch das DFSC einen Dopingkontrolleur der IDTM angewiesen, bei dem Kläger eine Blut- und eine Urinprobe zu entnehmen. Die Dopingkontrolle wurde seitens des IDTM durch den Kontrolleur Dr. K W durchgeführt, der seit 1995 Blut- und Urinproben bei Athleten nimmt. Dieser legte dem Kläger eine Vollmacht der Beklagten zu 2) vor ("letter of authority to collect samples", Anlage WADA 19, Bl. 1332 d.A.). Der Kläger und der Kontrolleur unterzeichneten ein Formular, das in englischer und französischer Sprache gehalten ist (Doping Control Form, Anlage K 1, Bl. 39 d.A.). Dieses enthält in seinem ersten Abschnitt Namen und Personalien des Klägers und die Bezeichnung beider Beklagter als derjenigen, die den Test verlangen ("name of organization requesting the test"). Es folgen sodann der von beiden Beteiligten unterzeichnete Passus hinsichtlich der Anerkennung ("notification of testing and acknowledgement") und Einzelheiten zum Test selber, so unter anderem die Nummer von A- und B-Probe. Die Rubrik "Drugs" war unausgefüllt und durchgestrichen. Darunter befindet sich eine Bestätigung ("confirmation"), die beide Beteiligte unterzeichneten und die in deutscher Übersetzung wie folgt lautet:

13"Ich erkläre, dass die obigen Informationen zutreffen und ich akzeptiere das Testverfahren und stimme zu, dass alle Streitigkeiten, die sich aus einer nach IAAF Regeln durchgeführten Dopingkontrolle ergeben gemäß den Regelungen der IAAF zur Schiedsgerichtsbarkeit geklärt werden, und dass die nach den Regelungen einer anderen Sportorganisation durchgeführten Dopingkontrollen nach deren Schiedsgerichtsregeln geklärt werden."

14Der Kontrolleur entnahm bei dem Kläger eine Blut- und eine Urinprobe. Zu dieser Zeit herrschten in Deutschland Außentemperaturen von 35 bis 40° C. Der Kontrolleur bewahrte die Proben zunächst bei Raumtemperatur im Hotelzimmer auf und transportierte sie dann am folgenden Tag in seinem klimatisierten Fahrzeug zu dem Labor der Streithelferin in Köln, wo sie am 09.08.2003 eintrafen.

Bei dem Institut wurde zunächst die A-Probe analysiert, wobei der Urin zunächst einem 15

Aktivitätstest unterzogen wurde; dieser ergab keinerlei Bakterienaktivität. Die Analyse bestand aus einer ersten Prüfung am 19.08.2003 (Screening) und einer bestätigenden Untersuchung (Confirmation) am 22.8.03. Nach Durchführung jedes Testlaufs wurde die Probe tiefgekühlt gelagert. Vor Prüfung der Urinprobe war darüber hinaus in einer Vorprüfung die Blutprobe des Klägers analysiert worden. Über dieses Ergebnis streiten die Parteien.

16Das Labor übersandte den Bericht über die Durchführung der A-Probe am 22.08.2003 an die Beklagte zu 1) (Anlage K 2, Bl. 40) mit dem Ergebnis, dass diese positiv auf rhEPO getestet worden sei. Die Beklagte zu 2) wandte sich mit Schreiben vom selben Tag, das als vertraulich gekennzeichnet war, an den kenianischen Leichtathletikverband, dessen Funktionäre sich seinerzeit im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Paris befanden (Anlage K 3, Bl. 41). Hierin wurde mitgeteilt, dass der Kläger positiv auf

17rhEPO getestet worden sei. Der Verband wurde aufgefordert, folgende Prozedur so bald wie möglich auszuführen: - den Eingang des Schreibens zu bestätigen, - den Athleten zu informieren und von ihm so bald wie möglich eine Erklärung zu fordern,

18- die Erklärung sollte spätestens am 23.08.2003 bis 10:00 Uhr morgens der Beklagten zu 2) zugehen.

19Für den Fall, dass der Athlet keine adäquate Erklärung liefern sollte, werde der Test als positiv angesehen und der Athlet von da ab bis zur Klärung des Falles suspendiert ("... the test shall be regarded as positive and the athlete shall be suspended, pending the resolution of his case, from this time").

20Der Kläger gab am selben Abend eine schriftliche Stellungnahme dahingehend ab, dass er nie verbotene Substanzen eingenommen habe (Anlage IAAF 7, Bl. 746 ff.). Die Beklagte zu 2) sah das Abstreiten eines Verstoßes gegen die Dopingregeln angesichts des positiven Befunds der A-Probe nicht als ausreichend an und forderte vom Kläger eine weitere handschriftliche Stellungnahme. Hierin erläuterte dieser (Anlage IAAF 8, Bl. 749), dass möglicherweise eine Verwechslung der Dopingprobe stattgefunden habe.

21Der Kläger reiste anschließend aus Paris ab und nahm nicht an dem 1500 m-Lauf der Weltmeisterschaft teil. Die Beklagte zu 2) veranlasste mit Schreiben vom 26.08.2003 Nachforschungen durch die Beklagte zu 1) im Hinblick auf ein Vertauschen der Probe (IAAF 10, Bl. 753); in dem Schreiben wurde darauf hingewiesen, dass nach den Regeln der Beklagten zu 2) die Sache absolut vertraulich zu handhaben sei. Die Beklagte zu 1 antwortete am 28.08.2003 und übermittelte eine Stellungnahme des Kontrolleurs Dr. W (IAAF 11, Bl. 760), wonach ein Vertauschen ausgeschlossen sei.

22Am 3. September 2003 wurde in einer kenianischen Zeitung ein Bericht über ein Gespräch mit dem Trainer der kenianischen Leichtathletikmannschaft, L, veröffentlicht (IAAF 9, Bl. 751), in welchem dieser erklärt habe, er sei am 21.08.2003 informiert worden dass die A-Probe des Klägers positiv auf rhEPO getestet worden sei; Athletics Kenya habe deshalb den Kläger im besten Interesse der Mannschaft aus dem Wettbewerb genommen. Der Mannschaft sei gesagt worden, er leide an Magenbeschwerden. Ein ähnlich lautender Artikel wurde in der Berliner Zeitung vom 04.09.2003 veröffentlicht (Anlage K 4, Bl. 42).

23Mit Schreiben vom 04.09.2003 teilte der kenianische Leichtathletikverband dem Kläger mit, dass das Exekutivkomitee nach Würdigung der Erklärungen des Klägers unter Berücksichtigung des Artikels 2.52 der IAAF- Regeln für Dopingkontrolle beschlossen habe, den Kläger vorläufig zu suspendieren (Anlage IAAF 13, Bl. 765 f.). Hierauf verlangte der Kläger nunmehr Öffnung und Prüfung der B-Probe sowie Einsicht in die Dokumentation und Hinzuziehung eines eigenen Experten (den als sachverständigen Zeugen benannten Dr. I zur Analyse.

24Daraufhin wurde der von der Beklagten zu 2) vorgeschlagene Termin vom 23. bis 25.09.2003 zunächst verschoben. Am 29.09.2003 wurde die B-Probe im Institut der Streithelferin geöffnet (Anlage K 4, Bl.44). Der nach der bei der A-Probe verwendeten und einer weiteren seit Anfang September 2003 von M vorgeschlagenen neuen Methode durchgeführte - Aktivitätstest der B-Probe ergab nach beiden Versionen eine starke Proteaseaktivität des zu analysierenden Urins (Schlussbericht der Streithelferin, K 8, Bl. 68 ff., 129), so dass die schwachen EPO-Signale der Urinaktivität zugeschrieben werden konnten. Dies machte eine verlässliche Analyse unmöglich, weshalb sie als unschlüssig ("inconclusive") bewertet wurde. Da aus der Gesamtschau kein Vorhandensein von rhEPO im Urin des Klägers festgestellt werden konnte, teilte die Beklagte zu 2). am 01.10.2003 mit, dass die Analyse der B-Probe das Ergebnis der A-Probe nicht bestätigt habe und dass der Kläger wieder startberechtigt sei. Zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche Leichtathletikwettkämpfe des Jahres 2003 abgeschlossen. Der Kläger ließ die Beklagten durch seinen Prozessbevollmächtigten auffordern, eine gemeinsame Entlastungserklärung zugunsten des Klägers abzugeben (Bl. 46 d.A.). Dies lehnte die Beklagte zu 1) mit Schreiben vom 10.11. 2003 (Bl. 482 d.A.) ab.

25Unter dem Stichwort EPO wird im Bereich des Leistungssports eine Dopingmethode verstanden, mit der die Gesamtzahl an roten Blutkörperchen deshalb erhöht wird, um eine größere Menge an Sauerstoff transportieren und damit die Ausdauerleistung des Sportlers verbessern zu können. EPO ist ein im Körper des Menschen natürlich vorkommendes Hormon, das die Produktion roter Blutkörperchen stimuliert. Die erhöhte Anzahl von roten Blutkörperchen hat eine Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und damit eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit zur Folge. Eine Erhöhung der Anzahl der roten Blutkörperchen kann auf natürliche Weise durch Höhentraining erzielt werden. Seit 1988 wird EPO gentechnisch hergestellt. Das IOC verbot Anfang der Neunziger Jahre den Gebrauch von EPO. Ursprünglich gab es zu seinem Nachweis einen Blut- und Urintest, seit 2001 wird das M-Verfahren zu seinem Nachweis verwendet, das vom IOC anerkannt ist. Das M-Verfahren beruht auf der Erkenntnis, dass sich künstliches EPO in wenigen Details in seiner Eiweißstruktur vom natürlichen EPO unterscheidet und dass die verschiedenen Erscheinungsformen von EPO sich in einem elektrischen Feld unterschiedlich verhalten, sich also bei der Darstellung in anderen Feldern ansiedeln. Dadurch ist eine Trennung von künstlichem und natürlichem EPO möglich. Zum Zwecke dieser Untersuchung werden Antikörper verwendet um die EPO-Isoforme zu markieren. Es ergeben sich nach dieser Methode typische Bandenmuster. Der Nachweis in dem M- Verfahren erfolgt standardisiert in vier Schritten, nämlich der Vorbereitung, der isoelektrischen Fokussierung, dem Blotting und der Visualisierung. Eine Probe wird dann als positiv bewertet, wenn mehr als 80 % der Bandenmuster des getesteten Urins im pH-Wertebereich liegen, der demjenigen der Vergleichsprobe aus rekombinantem EPO entspricht. Seit ihrer Einführung wurde die Testmethode ständig weiter entwickelt.

Die am 08. August 03 geltenden Regeln der Beklagten zu 2) im IAAF Handbuch 26

2002/2003 vom 01.11.2001 sahen im Fall von Streitigkeiten die Entscheidung durch Schiedsgerichte vor. Regel 21 Nr. 1 Satz 2 der IAAF-Satzung lautet (in die deutsche Sprache übertragen) wie folgt:

27"Im Falle einer Streitigkeit zwischen einem Mitglied und einem Athleten bringt das Mitglied die Angelegenheit vor ein Schiedsgericht oder ein anderes eingerichtetes oder autorisiertes Disziplinargericht." Regel 21 Nr. 2 IAAF-Satzung lautet wie folgt:

28"Sämtliche Rechtsbehelfe (i) zwischen Mitgliedern, (ii) zwischen einem Mitglied und einem Athleten, (iii) zwischen IAAF und einem Athleten, oder (iv) zwischen der IAAF und einem Mitglied, gleich aus welchem Grund, ob dopingbezogen oder nicht, sind vor dem CAS oder einer seiner Außenstellen innerhalb von 60 Tagen nach Mitteilung der angegriffenen Entscheidung gegenüber dem Adressaten geltend zu machen."

29Mit der vorliegenden Klage macht der Kläger gegen beide Beklagte einen Schadensersatzanspruch in Höhe von 500.000,- sowie - nach Maßgabe des Antrags zu 2) einschließlich der dazu formulierten Hilfsanträge - Unterlassung von zukünftigen Dopingkontrollen des Klägers auf EPO geltend , bei denen das am 08.08.2003 benutzte Testverfahren angewandt bzw. solcher Doping-Kontrollen, bei denen der EPO- Antikörper AE 7 A 5 verwandt wird.

30Der Kläger macht zur Inanspruchnahme beider Beklagter geltend, dass für ihn nur ersichtlich gewesen sei, dass beide auf dem Dopingkontrollformular als Auftraggeber ausgewiesen seien. Er habe sich der Dopingkontrolle nur angesichts der Folgen einer Verweigerung unterzogen, wozu er wirtschaftlich gezwungen gewesen sei. Er sei bereits mit dem Schreiben der Beklagten zu 2) vom 22.08.2003 suspendiert worden. In Umsetzung der hierin liegenden Anweisung sei dem Kläger von Funktionären seines Verbandes mitgeteilt worden, dass er keinesfalls an den Weltmeisterschaften teilnehmen könne; im Übrigen wäre er auch von der Beklagten zu 2) keinesfalls zugelassen und notfalls handgreiflich an der Teilnahme bei den Weltmeisterschaften gehindert worden.

31Die Suspendierung sei auf Grundlage der von den Beklagten behaupteten angeblich positiven Dopingprobe alsbald noch während der Weltmeisterschaften der Presse öffentlich - und dies weltweit - bekannt gegeben worden. Er gehe davon aus, dass entweder Funktionäre der Beklagten selbst und/oder solche des kenianischen Leichtathletikverbandes das Gespräch mit Pressevertretern gesucht hätten. Im übrigen macht der Kläger geltend, dass es unerheblich sei, wer die Nachricht der erfolgten Suspendierung an die Öffentlichkeit gebracht habe. Es liege auf der Hand, dass eine positive A-Probe wie regelmäßig - nicht geheim gehalten werden könne. Im übrigen könne man erst nach Analyse der B-Probe im Gesamtbild abschätzen, ob künstliches oder natürliches EPO vorgefunden worden sei.

32Zur EPO-Wirkung und ihrer Nachweismethode macht der Kläger geltend, dass die nach Herkunft, Geschlecht und den Lebensumständen unterschiedlichen EPO-Profile keinem sicheren Vergleich mit einem wie auch immer und von welcher Testperson gewonnenen künstlichem rhEPO-Profil zugänglich seien. Bandenverschiebungen seien nicht nur durch Urinaktivität, sondern auch durch ethnologische Besonderheiten möglich. So wiesen Personen, die wie er in höheren Lagen lebten, eine besonders hohe Anzahl von roten Blutkörperchen auf. Nachdem bis dahin ein analytischer Nachweis von EPO mit unüberwindbaren Schwierigkeiten verbunden gewesen sei, habe es zu der Olympiade

in Sydney 2000 erstmals einen kombinierten Blut-/Urintest gegeben. Nur ein doppelter Nachweis habe seinerzeit zu einer Sperre geführt. Obwohl noch am 07.11.2001 die Kommission des IOC erklärt habe, dass nur eine gleichzeitige Anwendung beider Tests einen bestmöglichen Nachweis garantiere, habe das IOC am 17.02. 2002 eingeführt, dass nach dem M-Verfahren allein ein Urintest reichte.

33Die nicht durch eine epidemeologische Studie abgesicherte M-Methode verfälsche das Ergebnis grob, da der Test einen spezifischen monoklonalen Antikörper einsetze, der nicht nur auf EPO reagiere, sondern auch auf andere im Urin vorkommende Proteine. Dieser Antikörper binde sich nämlich an alle im Testurin vorhandenen EPO-Moleküle, also auch an die körpereigenen und differenziere nicht, ob diese natürlich oder künstlich seien. Insoweit verweist der Kläger auf die eidesstattlichen Versicherungen von Dr. I2 und Prof. Dr. G (Anlage K 26, in Hülle Bl. 1436). Er macht geltend, das Testverfahren sei bereits 2000 von Professor T2 als unsicher und fehlerquellenbehaftet kritisiert worden. Auch eine von der Beklagten zu 1) geförderte wissenschaftliche Abhandlung (K 14) habe erwiesen, dass die Antikörper im M-

34Verfahren nicht nur auf das EPO Protein, sondern auch auf andere im Urin vorkommender Proteine anspreche. Da diese Proteine im selben Bandenbereich seien, wo auch das rhEPO vermutet werde, bestehe Verwechslungsgefahr. Von diesen Unzulänglichkeiten seien neben dem Kläger auch andere Sportler betroffen, so dass die Klage Chance und Gelegenheit für alle Sportler in fundierter gerichtlicher Beweisaufnahme sei, die sich gegenüberstehenden Behauptungen zur Wirksamkeit des M-EPO-Tests abzuklären. Anpassungs- und Verbesserungsversuche seien gescheitert, das schnell und unfertig auf den Markt gebrachte M-Verfahren zu retten. Dass die Beklagten sich der Methode selbst unsicher seien, belege der Umstand, dass entgegen satzungsrechtlicher Vorgaben die A-und B-Probe plus jeweils zwei Analysen durchgeführt würden und entgegen dem Testverfahren eine Gesamtschau entscheidend sei.

35Der Kläger macht geltend, bei korrekter Testanwendung hätte die Urinaktivität ebenso entdeckt werden müssen wie die schweren Mängel des verwendeten Antikörpers, der mit einer ganzen Zahl anderer Proteine kreuzreagiere. Hierzu behauptet er, Bakterienaktivität des Urins ergebe sich besonders, wenn dieser nicht ausreichend gekühlt, also nicht sofort tiefgefroren würde. Demgegenüber seien die streitgegenständlichen Proben bei Außentemperaturen von 35 bis 40° aufbewahrt worden. Nach Ankunft des Urins im Institut sei die Probe unstreitig - bis zum Abschluss der A-Analyse am 22.08.2003 bei ungefähr aufbewahrt worden. Erst danach sei sie bis zur Öffnung der B-Probe am 29.09.2003 bei minus 20° aufbewahrt worden. Demgegenüber lauteten die Statuten, dass alle Aliquote (bis auf eine) bei –20° aufzubewahren seien, eine Probe bei + 4°. Nur dann könnten Bakterienaktivitäten verhindert werden, insbesondere bei den gegebenen Temperaturen. Die Nichtkühlung sei ein schwerer Fehler des Dopingkontrollverfahrens. Es sei wissenschaftlicher internationaler Standard, Urin sofort nach Abgabe zumindest im bis Bereich gekühlt zu halten, wenn eine sofortige Tiefkühlung nicht möglich sei. Er ist der Ansicht, es sei daher unerheblich, ob die Proben im Hotel bei normalen Temperaturen bzw. im klimatisierten Fahrzeug transportiert worden seien, da eine nachträgliche Lagerung in jedem Fall ungenügend gewesen sei. So habe es noch vor Durchführung der A-Probe erhebliche Bakterienaktivität gegeben, die durch den ersten mangelhaften Aktivitätstest jedoch nicht festgestellt worden sei und die unbeschadet der Unzulänglichkeiten des M- Tests zur Verfäl-

36schung der Ergebnisse geführt habe. Ohne Bakterienaktivität hätte es hier keine Anhaltspunkte für rhEPO gegeben. Bis zum 17.06.2003 habe es zudem im M-EPO- Nachweisverfahren keinerlei Aktivitätstest auf Bakterien gegeben, obwohl dies unerlässlich gewesen sei. Bei der Analyse der A-Probe seien im Kölner Labor entscheidende Fehler unterlaufen, die aber durch ungenügende Verfahrensanweisungen aus dem französischen Dopinglabor selbst begünstigt worden seien. Die Beklagten müssten sich diese Fehler als eigenes schuldhaftes Verhalten zurechnen lassen.

37Seinen Schadensersatzanspruch stützt der Kläger auf §§ 20,33 GWB. Er macht geltend, die Beklagte zu 2) sei ein marktbeherrschendes Unternehmen im Sinne von §§ 20,19 GWB. Die Beklagte zu 1) könne sich nicht auf ihren Satzungszweck zurückziehen und sei ebenfalls wie ein marktbeherrschendes Unternehmen im Sinne des Kartellrechts zu behandeln, da sie vom IOC und den Verbänden auch als Sanktionsinstanz im Antidopingverfahren geschaffen worden sei und sie in sämtlichen verbandsgerichtlichen Dopingverfahren mit eigenem Teilnahme- und Berufungsrecht ausgestattet sei. Sie greife damit in den Markt der Sportveranstaltungen ein. Es sei geboten, ihr den wirtschaftlichen Gewinn der Beklagten zu 2) zuzurechnen, so dass es auf einen eigenen wirtschaftlichen Gewinn der Beklagten zu 1) nicht ankomme. Die ungerechtfertigte Suspendierung sei eine unbillige Behinderung des Klägers als Berufssportler.

38Folgende Fehler lösten den Schadensersatzanspruch des Klägers aus: ein untaugliches Testverfahren, die fehlerhafte Bewertung der A-Probe als positiv, die Veröffentlichung des falschen Analyseergebnisses und die ungerechtfertigte Suspendierung. Fehler in der Analyse seien den Beklagten nach § 278 BGB zuzurechnen, genauso wie die Unsicherheit des M-EPO-Tests. Beiden Beklagten sei nach §§ 30, 33 GWB und § 823 BGB auferlegt, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um den tatsächlich unschuldigen Kläger weltweit und öffentlich zu rehabilitieren. Wie sich aus den Klageerwiderungen ergebe, gingen beide Beklagte nach wie vor von einer positiven A-Probe aus, also von einem Dopingvergehen. Beide hätten insoweit die ihnen vorgeschlagenen ihn rehabilitierenden Erklärungen abgeben müssen.

39Als subsidiäre Anspruchsgrundlagen kämen §§ 823 ff. BGB in Betracht. Die unerlaubte Handlung sei die Kontrolle mit untauglichem Dopingtest, der daher auch von der Beklagten zu 1) zu unterlassen sei. Ein zurechenbares Verschulden des Kölner Dopinglabors sei insoweit nicht nötig, da die Beklagte zu 1) für die Analysen zentral verantwortlich sei und sie die Laboratorien bestimme. Soweit ein Verschulden des Kölner Labors vorliege, wäre das als Falscherkennung der A-Probe den Beklagten zuzurechnen. Darüber hinaus sei von ihnen ein ungenügender Aktivitätstest zur Verfügung gestellt worden.

40Der Kläger macht ferner geltend, ihm stünden auch Ansprüche aus Vertragsverletzung zu. Die freiwillige Unterwerfung des Klägers unter das Testverfahren sei der Abschluss eines Schuldverhältnisses zwischen den Parteien mit Fürsorge- und Sorgfaltspflichten der Beklagten, wonach beide einen sicheren Dopingtest hätten verwenden müssen.

41Der Kläger macht folgende Schadenspositionen geltend: entgangene Gewinn- und Prämienverluste wegen fehlender Teilnahme an der Weltmeisterschaft und den anschließenden Wettkämpfen sowie immateriellen Schadensersatz. Er behauptet, sein Hauptkonkurrent habe im olympischen Finale nur einen hauchdünnen Vorsprung

gehabt. Wenn beide am Start gewesen wären, wäre der Kläger jedenfalls Zweiter geworden. Andere Konkurrenz habe er nicht zu fürchten gehabt.

Bei der Weltmeisterschaft in Paris wäre er Zweiter geworden und hätte 40.000,- Preisgeld sowie von seinem Hauptsponsor eine Prämie von $ 20.000,- erhalten. Er hätte ohne die Suspendierung am 05.09.2003 bei dem Memorial van E2 teilgenommen bei 10.000 Antrittsgeld, einer Prämie von 6.000,- als Zweiter und mit Sicherheit einem Zeitbonus von 10.000,-, insgesamt also 26.000,-. Er hätte am 13. und 14.09.2003 an der Monaco-Gala mit einer Siegprämie von 30.000,- teilgenommen und diese erhalten, da sein Hauptkonkurrent nicht am Start gewesen sei. Hinzu komme ein Sponsoring- Bonus von 5.000,-. Bei dem Wettkampf in Moskau hätte der Kläger $ 17.000,- Antrittsgeld und 20.000 Dollar für den zweiten Platz, also insgesamt $ 37.000,- erhalten. Er hätte dann auf dem zweiten Platz der Weltrangliste der Beklagten zu 2 gestanden und von dem Sponsor $ 12.000,- bekommen. Dies mache bei einem Umrechnungskurs von 1,16 US-Dollar 155.000,- aus. Demgegenüber stünden keine besonderen Kosten des Klägers, da die Spesen vom Veranstalter oder vom Sponsor getragen würden. Im Schriftsatz vom 24.04.2006 (dort Bl. 9 = Bl. 1424 d.A.) hat er allerdings vorgetragen, die endgültige Wettkampfplanung für den Saisonverlauf nach den Weltmeisterschaften habe noch nicht festgestanden und wäre in Abhängigkeit von dem bei der Weltmeisterschaft erzielten Ergebnis und den Angeboten der Veranstalter erfolgt. Ein Start etwa beim ISTAF in Berlin wie in den Jahren 2002 und 2004 habe im Bereich des Möglichen gelegen. In dieser Möglichkeit sei der Kläger eingeschränkt worden.

43Der Kläger behauptet, ihm seien weitere Einnahmen dadurch entgangen, dass durch die streitgegenständlichen Geschehnisse sein Ruf gelitten habe und er heute noch mit dem Vorwurf der positiven A-Probe in Verbindung gebracht werde. Er sei dadurch als Berufssportler gebrandmarkt. Die Veröffentlichung der A-Probe vor Abschluss der B- Probe stelle eine Diskriminierung im Sinne von § 20 GWB dar. Die Beklagten hätten gegen das Gebot der Verschwiegenheitspflicht verstoßen, das gerade Rufschädigungen verhindern solle. Auch sei eine Satzungsregelung, die betreffend den EPO-Test eine Suspendierung vor Abschluss der Gesamtschau zulasse, rechtswidrig. Nach der Weltmeisterschaft hätte der Kläger sich Produkte und Veranstaltungen heraussuchen können, für die er sich als Werbeträger hätte zur Verfügung stellen wollen. Das sei nunmehr zunichte gemacht geworden: potenzielle Sponsoren und Werbepartner seien wegen der Vorwürfe nicht an ihn herangetreten oder es seien Verhandlungen abgebrochen worden. Andere Athleten, die mit dem Kläger vergleichbar seien, würden die durch die Verdächtigungen entstandenen Schäden in zweistelliger Millionenhöhe schätzen wie z.B. Marion Jones mit $ 33,- Millionen. Den Schaden bewertet der Kläger unter Hinweis auf § 287 ZPO mit 200.000,-.

44Der Kläger macht weiter immateriellen Schadensersatz wegen der erfolgten Veröffentlichung aus § 823 Abs. 1 und 2 BGB geltend. Durch die Verleumdung liege eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung und ein Eingriff in das Gewerbe des Klägers als Berufssportler vor. Der Schaden sei anderweitig nicht wieder gutzumachen. Vielmehr hätten die Beklagten mit ihrer Weigerung, zeitnah eine Erklärung abzugeben, zur Schadensvertiefung beigetragen. Da sie zudem nie das positive Ergebnis der A- Probe in Frage gestellt hätten, hätten sie damit Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Sie hätten bereits den unsicheren EPO-Test nicht anwenden dürfen und an sich auch die A-

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Probe als negativ bewerten müssen. Jedenfalls aber hätte die Veröffentlichung des Ergebnisses der A-Probe unterbleiben müssen. Die Veröffentlichung stelle eine falsche 42

Tatsachenbehauptung wider besseres Wissen dar, die auch von den Beklagten verschuldet worden sei, da die M-Methode nicht erprobt gewesen sei. Darüber hinaus sei die Beklagte zu 1) sich der Unsicherheiten des Tests bewusst gewesen. Es liege ein besonders schwerwiegender Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers vor, dessen Marktwert auch von der Art und Weise lebe, in der er Leistungen erbringe. Dies gelte insbesondere deshalb, weil Doping weltweit geächtet und kein Kavaliersdelikt sei. Daher sei die Doping-Behauptung eine der schwerwiegendsten Vorwürfe für Berufssportler. Der Verdacht werde dem Kläger sein gesamtes Berufsleben lang anhängen und könne durch einen Widerruf nicht befriedigend ausgeglichen werden. So hätten sich weitere Folgen für den Kläger auch im Rahmen des Staatsbürgerschaftswechsels ergeben. Insofern sei eine besonders hohe Geldentschädigung auch aus Präventionsgründen mit 145.000,- angemessen.

46Seinen Unterlassungsanspruch stützt der Kläger auf § 33 GWB. Er macht geltend, dass der M-EPO-Test keine sicheren Ergebnisse zulasse und er befürchten müsse, nochmals mit dem Vorwurf eines unrichtigen Ergebnisses konfrontiert zu werden. Hinsichtlich beider Beklagter fehle es im Hinblick auf den Kläger an einer Disziplinargewalt als Sportverbände, weshalb beide keinen Rechtsanspruch auf Unterwerfung des Klägers in Dopingkontrollen auch außerhalb besonderer Verpflichtungserklärungen hätten. Mitglied bei der Beklagten zu 2) sei nur der kenianische Leichtathletikverband, bei dem der Kläger kein Mitglied sei. Auch der Beklagten zu 1) seien Athleten nicht angeschlossen. Der Kläger sei bereit, mit den Beklagten Vereinbarungen über Out-Of- Competition Dopingkontrollen einzugehen, wenn der M-Test nicht mehr angewandt werde.

47Die Zuständigkeit des Landgerichts Köln folge aus § 32 ZPO als internationale Zuständigkeit für die Schadensersatz- und Unterlassungsklage aus §§ 20, 33 GWB. Hier sei die unerlaubte Handlung begangen worden, auch nach dem Presserecht, weil die Nachricht des Dopingverdachts und der Suspendierung des Klägers auch in Köln verbreitet worden sei, so durch das Internet und die Berliner Zeitung. Im Übrigen gehe der Kläger seiner Erwerbstätigkeit weltweit nach und trainiere in Deutschland, wo er auch

48an Leichtathletikwettkämpfen teilnehme. So habe er das Stadionfest in Berlin gewonnen. Er müsse befürchten, überall getestet zu werden, also auch in Köln. Damit sei auch bezüglich der Beklagten zu 1) die Zuständigkeit, insbesondere auch für den Antrag zu 2), gegeben. Im Übrigen sei ein Handlungsort durch die Durchführung der Untersuchung der A-Probe und die Bekanntgabe ihrer Ergebnisse in Köln gewesen. Die Sperre sei eine logische Konsequenz hiervon gewesen.

49Der Kläger macht geltend, die Anwendbarkeit deutschen Rechts folge aus § 130 Abs. 2 GWB. Es handele sich um eine Wettbewerbsbeschränkung, die sich im Geltungsbereich dieses Gesetzes auswirke; insoweit weist er auf den möglichen Start etwa beim ISTAF 2003 in Berlin hin.

50Zu der Einrede der Schiedsvereinbarung durch die Beklagten macht der Kläger geltend, es sei bereits unklar, wer Partei einer solchen Schiedsvereinbarung sei. Der Unterlassungsantrag sei bereits deshalb nicht von der Schiedsabrede erfasst, weil es hier um zukünftige Dopingkontrollen gehe, denen sich der Kläger nicht unterworfen habe. Er hätte bei der Unterschrift nur die damalige Kontrolle im Auge gehabt und nur allgemein gewusst, dass die Beklagten seinen Urin auf EPO untersuchen lassen. Er

habe jedoch nichts über Art und Weise des Nachweises gewusst, daher sei insoweit jedenfalls keine Zuständigkeit des CAS vereinbart worden. Im Hinblick auf die von Art. 2 UNÜ erforderliche Schriftform gebe es zwar einen Hinweis im Kleingedruckten und die Unterschrift des Controllers. Dessen Bevollmächtigung, Erklärungen zum Abschluss einer Schiedsvereinbarung abzugeben, bestreite er aber. Offenbar habe dieser insofern nicht einmal Erklärungsbewusstsein gehabt; es sei ihm nur um die Ordnungsmäßigkeit der Kontrolle gegangen.

51Die Schiedsvereinbarung sei auch insofern unwirksam, da der Kläger gezwungen gewesen sei, sie zu unterschreiben. Er hätte dies getan, um die Zwei-Jahres-Sperre zu vermeiden. Ein solches Vorgehen führe jedoch zu einem unzulässigen Schiedszwang mit der Folge der Nichtigkeit.

52Auch sei die überraschende Verweisklausel auf dem Dopingkontrollformular zu unbestimmt. Die Parteien sollten sich inhaltlich bewusst sein, um was es geht. Hier sei nicht

53ersichtlich gewesen, welche IAAF-Regeln gemeint seien. Dem Kläger sei der Inhalt der Regeln 12 und 21 der IAAF-Satzung nicht geläufig gewesen. Auch gebe es sonst keine Unterwerfungsvereinbarung im Sinne von Art. 12 der Regeln der Beklagten zu 2). Der Kläger habe sich immer nur den jeweiligen Startbedingungen unterworfen. Im Übrigen erfasse die Regel 21 der IAAF-Regeln nicht den streitgegenständlichen Sachverhalt. Gemeint seien dort nur Sachverhalte und Streitigkeiten, die die IAAF selbst beträfen, also nicht auch mit der Beklagten zu 1). Im Übrigen würden Streitigkeiten wie die in diesem Rechtsstreit nicht erfasst; der CAS sei nur als Rechtsbehelfszuständigkeit aufgeführt. Auch seien dort Schadensersatzforderungen nicht erfasst. Sinn und Zweck der Verweisungsklausel des Formulars sei es, dass bei Eröffnung des Dopingverfahrens Sanktionen nur durch ein nationales Verbandsgericht getroffen werden. Gegen diese Entscheidungen könnten der Athlet, der nationale Verband, die Beklagte zu 2) und auch die Beklagte zu 1) vorgehen, in den übrigen Streitigkeiten sei jedoch weder der CAS noch das nationale Verbandsgericht betroffen. Darüber hinaus sei der CAS kein unabhängiges Gericht, da die Schiedsrichter entweder Verbandsfunktionäre seien oder als Anwälte die Verbände gegen Athleten vertreten hätten. Soweit die Beklagten darauf hingewiesen hätten, dass im französischen Wortlaut der Satzung der Beklagten zu 2) das Wort "litige", also Rechtssache im Allgemeinen verwendet werde, verweist der Kläger darauf, dass nach Art. 11 Zf. 2 der Satzung der Beklagten zu 2) zwar das Regelwerk in englischer und französischer Sprache abgefasst sei, jedoch gelte bei unterschiedlicher Auslegung die englische Version.

Der Kläger beantragt, 54

551. die Beklagten als Gesamtschuldner zu verurteilen, an ihn Schadensersatz in Höhe von 500.000,00 zuzüglich Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Zustellung der Klageschrift zu zahlen; 2. die Beklagten zu verurteilen, zukünftig jede Doping-Kontrolle des Klägers auf EPO zu unterlassen, bei der das für die Kontrolle vom 08.08.2003 benutzte Testverfahren oder ein anderes Testverfahren angewandt wird, das nicht auf der Grundlage gesicherter allgemein-wissenschaftlicher Erkenntnisse

56und/oder anerkannter wissenschaftlicher Studien zu zweifelsfreien Ergebnissen führt,

57hilfsweise: die Beklagten zu verurteilen, zukünftig jede in Deutschland durchgeführte Doping-Kontrolle des Klägers auf EPO zu unterlassen, bei der das für die Kontrolle am 08.08.2003 benutzte Testverfahren oder ein anderes Testverfahren angewandt wird, das nicht auf der Grundlage gesicherter allgemein-wissen-schaftlicher Erkenntnisse und/oder anerkannter wissenschaftlicher Studien zu zweifelsfreien Ergebnissen führt,

58hilfweise hierzu: die Beklagten zu verurteilen, zukünftig jede Doping-Kontrolle des Klägers auf EPO zu unterlassen, bei der der EPO-Antikörper AE 7 A 5 verwandt wird;

und hilfsweise hierzu: 59

60die Beklagten zu verurteilen, zukünftig jede in Deutschland durchgeführte Dopingkontrolle des Klägers auf EPO zu unterlassen, bei der der EPO-Antikörper AE 7 A 5 verwandt wird.

61Beide Beklagte erheben die Einrede der Schiedsvereinbarung und rügen die Unzuständigkeit des LG Köln.

Die Beklagten und die Streithelferin beantragen im übrigen, 62

die Klage abzuweisen. 63

64Die Beklagte zu 1) beruft sich auf die Freiwilligkeit mit der der Kläger sich der Dopingkontrolle unterzogen habe. Sie arbeite nur mit qualifizierten und akkreditierten Labors zusammen. An der Zuverlässigkeit des Labors der Streithelferin bestehe kein Zweifel. Die Labors handelten zwar im Auftrag der Beklagten zu 1), im übrigen jedoch selbstständig. Der Kontrolleur habe die Proben entsprechend der Vorgaben bei Raumtemperatur im Hotelzimmer aufbewahrt und diese dann im klimatisierten Fahrzeug bei 20° bis 23° in das Labor in Köln transportiert. Es liege auch kein Fehler des Labors vor. Dieses gebe nach der Analyse selbstständig dem jeweiligen Verband hier der Beklagten zu 2) - das Analyseergebnis bekannt. Die Beklagte zu 1) habe das Ergebnis weder analysiert noch kommentiert. Sie habe auch mit der Abreise des Klägers aus Paris nichts zu tun, da sie am Verfahren der Bekanntgabe - unstreitig - nicht beteiligt war. Die Beklagte zu 1) habe ebenfalls die Presse nicht informiert.

65Das M-Verfahren sei auch auf im Hochland lebende Personen anwendbar, da die Zahl der roten Blutkörperchen für diesen Test nicht relevant sei, sondern es nur auf die Unterscheidung von natürlichem und künstlichem EPO ankomme. Es sei falsch, dass die EPO-Profile sich nach Herkunft, Geschlecht und Lebensumständen unterschieden, was durch wissenschaftliche Studien widerlegt sei. Unabhängig von seiner Herkunft habe jeder Mensch nur natürliches EPO. Die wissenschaftlichen Untersuchungen hätten bestätigt, dass der Test zum EPO-Nachweis ausreiche. Es handle sich um ein wissenschaftlich anerkanntes und in der Praxis bewährtes Verfahren, was auch der CAS in diversen Entscheidungen bestätigt habe.

66Wenn das M-Verfahren eingehalten werde, bringe es einen sicheren Nachweis. Fehler könnten sich nur dann ergeben, wenn das Verfahren nicht eingehalten werde oder Ergebnisse falsch interpretiert würden. Eine Tiefkühlung der Urinprobe sei nicht erforderlich, sie entspreche nicht dem allgemeinen Standard; insoweit weisen die

Beklagten auf die Procedural Guidelines der Beklagten zu 2) hin (WADA 8, Bl. 457 ff.). Die Probe beim Kläger sei gemäß den maßgeblichen Bestimmungen der Beklagten zu 2) und anerkannten wissenschaftlichen Standards genommen worden. Es lägen weder ein Laborfehler noch unzureichende Verfahrensanweisungen vor. Als im Laufe der Zeit die Problematik des aktiven Urins aufgetreten sei, seien alle Labore von Frau Dr. M unverzüglich informiert worden (WADA 12, Bl. 516 f.). Auf der Grundlage dieser Informationen habe es Aktivitätstests seit 2002 gegeben, nicht erst seit dem 17.06. 2003.

Die Beklagte zu 1) macht weiter geltend, sie sei kein marktbeherrschendes Unternehmen. Auf dem Markt der Sportveranstaltungen sei sie nicht tätig und führe auch keine Dopingtests im Rahmen von Sportveranstaltungen durch. Ihre einzige Aufgabe sei es, Dopingproben außerhalb von Wettkämpfen durchzuführen. Der Antidopingkampf sei keine wirtschaftliche Tätigkeit. Die Beklagte zu 1) sei auch keine Vereinigung von Unternehmen im Sinne des Kartellrechts, wie das europäische Gericht erster Instanz in seinem Urteil vom 30.9.2004 (T 313/02, Meca Medina) entschieden habe.

68Der Kläger habe nichts zur Haftungsgrundlage hinsichtlich der Beklagten zu 1) vorgetragen. Diese hafte allenfalls nach § 831 BGB, könne sich aber exkulpieren: sie habe ein weltweit anerkanntes Labor eingeschaltet, das im Rahmen des Akkreditierungsverfahrens laufend überwacht werde. Zudem sei Professor T2 einer der führenden Wissenschaftler, wovon die Beklagte zu 1) sich laufend überzeuge.

69Die Beklagte zu 1) bestreitet mit Nichtwissen, dass der Kläger ohne das streitgegenständliche Testergebnis der A-Probe an der Weltmeisterschaft in Paris sowie den anderen von ihm behaupteten Sportveranstaltungen im Jahr 2003 teilgenommen hätte. Die Beklagte zu 1) bestreitet auch den Vortrag des Klägers zu den im Zeitraum vom 22.08. bis 01.10.2003 entgangenen Antrittsgeldern, Sponsorengeldern, Siegerprämien und Boni. Sie macht geltend, er habe gegen seine Schadensminderungspflicht verstoßen, weil er nicht sofort die B-Probe verlangt habe. Sie bestreitet, dass die für einen Schadensersatzanspruch erforderliche Gewissheit vorliege, dass der Kläger bei der Weltmeisterschaft in Paris Zweiter geworden wäre. Den Vortrag zu weiteren entgangenen Einnahmen rügt die Beklagte zu 1) als zu unsubstantiiert. Auch ein immaterieller Schaden sei weder ersichtlich noch vorgetragen.

70Durch Unterzeichnung des Dopingkontrollformulars hätten die Parteien eine Schiedsvereinbarung getroffen, die auch wirksam sei und im Hinblick auf die notwendige Einheitlichkeit der Entscheidung - auch Schadensersatzansprüche umfasse. Die Schiedsvereinbarung sei auch erfüllbar gewesen, der Kläger hätte das Schiedsgericht anrufen können.

71Die internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln aus § 32 ZPO sei nicht gegeben, da die Voraussetzungen von §§ 20, 33 GWB nicht schlüssig dargelegt seien. Das GWB sei weder räumlich noch sachlich anwendbar, insbesondere liege eine Wettbe-

72werbsbeschränkung mit Auswirkungen im Inland nicht vor. Auch sonst ergebe sich keine Zuständigkeit für das Landgericht Köln, zumal eine deliktische Handlung nicht vorgetragen sei.

73

Ein vertraglicher Anspruch gegen die Beklagte zu 1) scheitere bereits daran, dass sie nicht Vertragspartnerin des Klägers sei, zumal Dr. W dem Kläger nur eine Vollmacht der 67

Beklagten zu 2) vorgelegt habe. Dass sie in dem Dopingkontrollformular mit aufgeführt sei, sei wegen dessen eindeutigen Auftretens unerheblich. Auch inhaltlich habe ein Vertragsschluss zwischen dem Kläger und der Beklagten zu 1) fern gelegen, weil sie weder Sportveranstalter sei noch irgendeine Regelungsbefugnis besessen habe. Zu der Beklagten zu 2) habe sie in einem Auftragsverhältnis, nicht aber einem Gesellschaftsverhältnis gestanden. Auch insoweit sei die Zuständigkeit des Landgerichts Köln nicht gemäß § 29 ZPO begründet: zum einen sei grundsätzlich der Erfüllungsort nach dem Recht zu bestimmen, nach dem sich ein etwaiges Vertragsverhältnis richte; insoweit komme im Hinblick auf die Beklagte zu 2) gemäß Art. 28 EGBGB nur monegassisches Recht in Betracht. Käme es auf die Beklagte zu 1) an, sei kanadisches Recht maßgeblich. Darüber hinaus komme der Gerichtsstand des Erfüllungsortes deshalb nicht in Betracht, weil es sich bei der Vereinbarung um eine Schiedsvereinbarung handele, die als prozessrechtlicher Vertrag nicht in den Anwendungsbereich von § 29 ZPO falle.

Die Beklagte zu 2) macht geltend: 74

75Die A-Probe sei ordnungsgemäß ausgeführt und analysiert worden. Das Institut der Streithelferin sei mit dem EPO-Test vertraut gewesen. Die Probe sei in sicheren, geeigneten Behältern gelagert gewesen. Das Labor habe bei der Vorprüfung der Blutprobe des Klägers festgestellt, dass der Schwellenwert für Hämatokrit mit 51 % überschritten gewesen sei, was auf synthetisches EPO hinweise. Daher sei die Urinprobe des Klägers auf synthetisches EPO analysiert worden. Der Bluttest in der Vorprüfung sei nach der Rechtsprechung des CAS wissenschaftlich anerkannt. Am 23.08.2003 seien durch die Beklagte zu 2) zunächst Nachforschungen angestellt worden, welchem Athleten die Dopingprobe zuzuordnen sei. Hier sei man auf den Kläger gekommen. Die Beklagte zu 2) habe den Befund nochmals anhand der Blutwerte des Klägers überprüft. Erst daraufhin sei das vertrauliche Schreiben an den kenianischen Leichtathletikverband erfolgt.

76Die Beklagte zu 2) habe den Kläger nicht vorläufig suspendiert, da die Ermittlungen noch gelaufen seien. Sie bestreitet auch eine vorläufige förmliche Suspendierung durch den Kenianischen Leichtathletikverband vor dem 04.09.2003 mit Nichtwissen. Die Beklagte zu 2) habe eine Suspendierung des Klägers nie angeregt. Das Schreiben vom 22.8. 2003 sei keine Anweisung an kenianischen Verband. "Shall" sei nicht als "soll", sondern als Futurform zu verstehen. Der kenianische Verband sei nicht Empfänger, sondern Übermittler der Nachricht. Der Nationalverband dürfe sich nicht aufgefordert fühlen, Athleten wider die Regelwerke zu suspendieren, zumal nach dem Regelwerk der Beklagten zu 2) für die Verhängung einer vorläufigen Sperre oder Suspendierung nur die Beklagte zu 2) zuständig sei. Der kenianische Verband habe die Beklagte zu 2) vor seiner Maßnahme nicht konsultiert. Die Entscheidung des Kenianischen Verbandes sei der Beklagten zu 2) dementsprechend nicht zurechenbar, sondern in eigener Verantwortung erfolgt. Sie wisse nicht, wer die Information über die positive A-Probe an die Öffentlichkeit weitergegeben habe, es sei wohl der Trainer der Kenianischen Leichtathletikmannschaft gewesen. Die Beklagte zu 2) habe die positive A-Probe streng vertraulich behandelt und alle Beteiligten um strenge Vertraulichkeit gebeten. Die Veröffentlichung durch Dritte sei ihr nicht zuzurechnen. Der Trainer der Kenianischen Leichtathletikmannschaft sei nicht Mitglied der Beklagten zu 2) und habe auch nicht in deren Vertretung oder auf deren Weisung gehandelt.

Falsch sei der Vortrag des Klägers, dass es keinen direkten Nachweis von 77

synthetischem EPO gebe und dass erst nach einem Gesamtbild abzuschätzen sei, ob dieses vorliege. Ausweislich des Laborberichts (Anlage K 8, Bl. 70) seien die Urinproben bis zur Durchführung der A-Probe bei gelagert worden, was den Anweisungen des QM-Handbuchs entspreche. Vor der Analyse der Urinprobe sei geprüft worden, ob diese zum Beispiel beim Transport degradiert und deshalb unbrauchbar geworden sei. Dazu seien der pH-Wert und das spezifische Gewicht der Probe analysiert worden, beides habe dicht bei den am Tag der Probeabnahme festgestellten Werten gelegen. Es habe kein Anhaltspunkt für ein Degradieren während des Transports gegeben. Nach der unschlüssigen B-Probe, die keinen klaren Negativbefund ergeben habe, habe die Beklagte zu 2) nur deshalb eine öffentliche Stellungnahme in der Sache abgegeben, weil von dritter Seite Informationen über die positive A-Probe an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Seitdem Ende 2001 die Testmethode vom IOC anerkannt gewesen sei, hätten spätere Veröffentlichungen bestätigt, dass der Test wissenschaftlich verlässlich sei (Anlagen K 9, IAAF 5, K 11). Es gebe gerade keine Gefahr falscher positiver Ergebnisse. Auch der Grenzwert von 80 % sei nach Entscheidungen des CAS ein wissenschaftlich begründeter statistischer Wert. Die A-Probe des Klägers habe den Grenzwert mit über 90 % deutlich überschritten. Wie der CAS entschieden habe, führe das Testverfahren auf Grund allgemein wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse und anerkannter wissenschaftlicher Studien zu zweifelsfreien Ergebnissen. Im Jahr 2003 sei das EPO- Verfahren längst anerkannt gewesen.

79Bei allen Doping-Tests würde die A-Probe zweimal untersucht, hingegen die B-Probe nur einmal. Falsch sei auch die Behauptung des Klägers es habe kein einheitliches Protokoll gegeben, was die vom Kläger vorgelegte Anlage K 8 belege. Die in der Zwischenzeit eingeführten weiteren Verfeinerungen des Tests bedeuteten nicht, dass die früheren Tests als unsicher anzusehen seien. Auch äußere der Kläger nur Vermutungen für ein Fehlverhalten des Labors; ausweislich der Checkliste seien alle Arbeitsschritte bei der A-Probe durchgeführt worden (K 8, dort Seiten 23, 24, 28, 29). Selbst eine fehlerhafte Lagerung des Urins sei unerheblich, da der Urin in der Analyse auf seine Unversehrtheit überprüft und ein Aktivitätstest durchgeführt worden sei. Die A- Probe sei entsprechend den wissenschaftlichen Erkenntnissen durchgeführt worden. Bei der B-Probe sei auf Wunsch der Beklagten der alte und der neue Aktivitätstest angewandt worden.

80Die Beklagte zu 2) sei nicht marktbeherrschend, die Dopingregelungen seien sportliches Regelwerk und keine wirtschaftliche Tätigkeit. Die Dopingprobe sei keine unbillige Behinderung des Klägers, zumal er dieser zugestimmt habe. Er unterliege auch als Nichtmitglied den Regeln der Beklagten zu 2), zumal er mehrfach selbst um Dopingproben gebeten und regelmäßig an Veranstaltungen der Beklagten zu 2) teilgenommen habe. Ferner liege keine sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung im Sinne von § 20 GWB vor. Hinsichtlich der durch Dritte durchgeführten Dopingkontrolle sei eine Zurechenbarkeit zu der Beklagten zu 2) nicht vorgetragen.

81

Da die Weltmeisterschaft in Paris vor der behaupteten Suspendierung gelegen habe, sei diese für die Nichtteilnahme des Klägers nicht kausal. Für die Beklagte zu 2) ersichtlich habe der Kläger freiwillig nicht an der Weltmeisterschaft teilgenommen. Der Kläger sei auch nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit immer Zweiter geworden. Sie bestreitet Start- und Preisgelder für die einzelnen Veranstaltungen und weist darauf 78

hin, dass der Kläger falsch vortrage, wenn er geltend mache, er hätte ohne Suspendierung am ISTAF-Meeting 2003 in Berlin teilgenommen. Das Meeting habe nämlich bereits am 10.08.2003 unter Teilnahme des Klägers stattgefunden, der dort den 8. Rang belegt habe (Anlage IAAF 48, Bl. 1571 d.A.); dies ist seitens des Klägers nicht mehr bestritten worden. Zu den angeblich entgangenen