Urteil des LG Dortmund vom 18.05.2000, 15 O 52/99

Entschieden
18.05.2000
Schlagworte
Tinnitus, Verkehrsunfall, Schmerzensgeld, Sicherheitsleistung, Anhalten, Anhörung, Rechtshängigkeit, Datum
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Landgericht Dortmund, 15 O 52/99

Datum: 18.05.2000

Gericht: Landgericht Dortmund

Spruchkörper: 15. Zivilkammer

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 15 O 52/99

Tenor: Die Beklagten werden verurteilt, als Gesamtschuldner an

die Klägerin 7.000,00 DM (i.W. siebentausend Deutsche

Mark) nebst 4 % Zinsen seit dem 27.5.1999 zu zahlen.

Es wird festgestellt, dass die Beklagten verpflichtet

sind, der Klägerin gesamtschuldnerisch allen materiellen

und immateriellen Schaden zu ersetzen, der der Klägerin

aus dem Verkehrsunfall mit der Beklagten zu 1. am

14.1.1998 in X noch entstehen wird, soweit der Anspruch

nicht auf einen Sozialversicherungsträger oder

andere Dritte übergegangen ist.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden den Beklagten zu

30 % und der Klägerin zu 70 % auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar, für die Klägerin

jedoch nur gegen Sicherheitsleistung in Höhe von

9.200,00 DM, für die Beklagten jedoch nur gegen Sicherheitsleistung

in Höhe von 3.500,00 DM.

Ta t b e s t a n d : 1

Die Klägerin verlangt von der Beklagten zu 1.) als 2

Fahrerin und der Beklagten zu 2.) als Haftpflichtversi- 3

cherung Schadensersatz aus Anlaß eines Verkehrsunfalles 4

vom 14.01.1998 in X. Die Klägerin wurde, als sie 5

als Fußgängerin an einem Fußgängerüberweg bei grün über 6

die Straße ging, von der Beklagten zu 1.) angefahren 7

und zu Boden geschleudert. Sie erlitt Verletzungen, deren 8

Ausmaß streitig sind. 9

Sie behauptet, sie habe sich eine Schädelprellung, eine 10

Gehirnerschütterung, ein Gehörgangs- und Trommelfellhämatom, 11

Schulter- und Ellenbogenprellungen rechts, 12

eine Prellung des linken Kniegelenks mit Hämatom sowie 13

eine HWS-Syndrom zugezogen. Ferner habe sie einen bleibenden 14

Tinnitus rechts davongetragen. 15

Die Klägerin beantragt, 16

1.17

die Beklagten zu verurteilen, als Gesamtschuldner 18

an die Klägerin ein über den gezahlten Betrag von 19

5.000,00 DM hinausgehendes angemessenes 20

Schmerzensgeld nebst 4 % Zinsen seit Rechtshängigkeit 21

zu zahlen, 22

2.23

festzustellen, dass die Beklagten verpflichtet 24

sind, der Klägerin gesamtschuldnerisch allen materiellen 25

und immateriellen Schaden zu ersetzen, der 26

der Klägerin aus dem Verkehrsunfall mit der Beklagten 27

zu 1.) am 14.01.1998 in X noch entstehen 28

wird, soweit der Anspruch nicht auf einen 29

Sozialversicherungsträger oder andere Dritte übergegangen 30

ist. 31

Die Beklagten beantragen, 32

die Klage abzuweisen. 33

Sie bestreiten das Ausmaß der Verletzungen. Der gezahlte 34

Betrag von 5.000,00 DM sei ausreichend. 35

Wegen weiterer Einzelheiten des Parteivorbringens wird 36

auf den vorgetragenen Inhalt der von den Parteien gewechselten 37

Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen. 38

Die Kammer hat die Klägerin gehört sie ein schriftliches 39

Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. T 40

eingeholt . 41

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e: 42

Die Klage hat in dem aus dem Tenor ersichtlichen Umfang 43

Erfolg. 44

Die Klägerin kann gemäß §§ 7, 17 StVG, § 847 BGB, § 3 45

Pflichtversicherungsgesetz ein weiteres Schmerzensgeld 46

von 7.000,00 DM sowie die begehrte Feststellung verlangen. 47

Aufgrund der Angaben der Klägerin bei ihrer Anhörung, 48

den objektiven Befunden in den ärztlichen Bescheinigungen 49

Dr. Q vom 13.05.1998, Dr. L vom 50

12.05.1998 und Dr. B vom 29.09.1998 sowie des Gut- 51

achtens Prof. Dr. T geht die Kammer davon aus, dass 52

die Klägerin bei dem Verkehrsunfall eine Schädelprellung, 53

eine Gehirnerschütterung, ein Gehörgangs- und 54

Trommelfellhämatom, eine Schulter- und Ellbogenprellung 55

rechts, eine Prellung des linken Kniegelenks mit Häma- 56

tom sowie ein HWS-Syndrom erlitten hat. Darüber hinaus 57

leidet sie seit dem Verkehrsunfall an einem Tinnitus 58

rechts, den sie noch heute als hellen Ton wahrnimmt, 59

wobei sie im rechten Ohr allgemein ein "Wattegefühl" 60

habe. Zwar hat der Sachverständige Prof. Dr. T be- 61

züglich des Tinnitus ausgeführt, dass bei den meisten 62

Patienten bei psychischer Intaktheit der Leidensdruck 63

erfahrungsgemäß nach einigen Jahren nachlasse. Ob das 64

bei der Klägerin der Fall sein wird, steht aber nicht 65

fest, so dass die Kammer bei der Bemessung des 66

Schmerzensgeldes davon ausgegangen ist, dass die Kläge- 67

rin noch bis zum Ende des Jahres 2002 unter dem Tinnitus 68

rechts zu leiden haben wird. Sollten die Tinnitusbeschwerden 69

länger anhalten, müßte gegebenenfalls ein 70

weiteres Schmerzensgeld festgesetzt werden. Insoweit 71

greift der Feststellungsantrag, der im übrigen auch 72

deswegen begründet ist, weil nicht auszuschließen ist, 73

dass die Beeinträchtigungen durch den Tinnitus sich auch 74

einmal verschlimmern können. 75

Der Zinsanspruch rechtfertigt sich aus dem Gesichtspunkte 76

des Verzuges. 77

Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 91, 92, 708 78

Nr. 11, 709, 711 ZPO. 79

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Anmerkungen zum Urteil