Urteil des LG Bielefeld vom 06.09.2005, 4 O 66/04

Aktenzeichen: 4 O 66/04

LG Bielefeld: operation, implantation, medizinische indikation, lege artis, anhörung, behandlungsfehler, form, eingriff, prothese, einlage

Landgericht Bielefeld, 4 O 66/04

Datum: 06.09.2005

Gericht: Landgericht Bielefeld

Spruchkörper: 4. Zivilkammer

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 4 O 66/04

Tenor: Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden der Klägerin auferlegt.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des zu vollstreckendes Betrages vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand 1

Die Klägerin nimmt den Beklagten aus einer vermeintlich fehlerhaften Operation zur Brustvergrößerung in Anspruch. Sie stellte sich als Privatpatientin erstmals am 19.03.2003 in der ambulanten Sprechstunde des Beklagten vor und klagte über asymmetrische, zu kleine Brüste, die sie psychisch belasteten und wünschte eine Vergrößerung und Angleichung der Brüste. Der Beklagte untersuchte die Klägerin und erörtert mit ihr die gewünschte Operation, wobei er in der psychischen Belastung der Klägerin eine medizinische Indikation sah.

3Am 31.03.2004 stellte sich die Klägerin im Brustzentrum der Städtischen Kliniken Bielefeld-Mitte zur Operation durch den Beklagten vor. Die Assistenzärztin I. führte ein Aufnahmegespräch. Zwischen den Parteien ist strittig, ob bzw. in welchem Umfang die Fragen der Operationsmethode und der mit einer Operation verbundenen Risiken erörtert wurden. Die Klägerin unterschrieb eine Einverständniserklärung, auf deren Rückseite (ohne weitere Unterschrift der Klägerin) neben der Zeile "OP erklärt" handschriftlich vermerkt ist: "... mögliche Risiken: Blutungen, Infektion, kosmet. Ergebnis, Narben, Drainage(n), Thrombose/Embolie, Reaktion auf Medikamente, Schwellung, "blauer Fleck", Kapselfribrose/Verhärtung/Schmerzen/Gefäß- /Nervenverletzung, Empfindungs-/Bewegungsstörungen, event. Stillprobleme, Durchblutungsstörungen" und auf deren Vorderseite in der Rubrik "Geplanter Eingriff" handschriftlich "Brustvergrößerung bds. mit Silikonprothesen (unter den Brustmuskel gelegt)" eingetragen ist.

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Am 01.04.2003 führte der Beklagten bei der Klägerin in Assistenz der Oberärztin Frau Dr. D. eine subpectorale Augmentation beidseits unter Einlage von Silikonprothesen 2

durch. Am 03.04.2003 wurde die Klägerin entlassen. Sie stellte sich am 16.04.2003 beim Beklagten vor und klagte über Schmerzen. Der Beklagte verschrieb ihr Progestolgel. Am 22.04.2003 stellte sich die Klägerin erneut vor und klagte über stärkere Schmerzen. Der Beklagte untersuchte die Klägerin und verschrieb ein Schmerzmittel, welches sie bis zum Abklingen der Beschwerden nehmen sollte.

5Die Klägerin behauptet, die Behandlung durch den Beklagten sei nicht lege artis erfolgt und trägt dazu folgendes vor:

6Der Beklagte habe eine falsche Operationsmethode gewählt. Er habe die Implantate nicht derart in die Muskeln einlegen dürfen, wie er dies getan habe.

7Durch den Eingriff sei es dazu gekommen, dass die Muskeln ausgeblutet seien und sich erheblich verkürzt hätten. Vor dem Eingriff sei die Klägerin völlig durchtrainiert gewesen. Nunmehr sei es ihr unmöglich, die Muskulatur durch Training zu erhalten oder erneut aufzubauen. Sie sei wegen einer Bandscheibenerkrankung jedoch darauf angewiesen, die Brust- und Rückenmuskulatur zu trainieren. Weiter habe sie auch festgestellt, dass der Aufbau des Schultermuskels nicht mehr möglich sei. Der Beklagte müsse auch diesen abgetrennt oder zumindest erheblich verletzt haben. Da die Klägerin dauerhaft große Schmerzen im gesamten Brustbereich habe, müsse es darüber hinaus zu Nervund Gefäßverletzungen gekommen sein. Infolge der fehlerhaften Behandlung sei es zu einer erheblichen Fehlhaltung der Klägerin gekommen. Aufgrund der eingeschränkten Möglichkeit des Muskelaufbautrainings sei es im Laufe des Verfahrens zudem auch zu einer Verschlechterung der Rückenprobleme, einem Bandscheibenvorfall im Bereich C5/C6 und Veränderungen an der Brustwirbelsäule gekommen.

8Die vom Beklagten eingesetzten Implantate seien falsch eingesetzt worden und hätten die falsche Form oder Größe. Sie würden auf die Rippen drücken, wodurch es

9zu erheblichen Schmerzen und Bewegungsstörungen komme. Den Implantaten fehle auch die nötige Stützfunktion.

10Durch die Operation habe sie eine Hängebrust bekommen. Der Oberkörper sei "abgesackt". Die Haut sei vom Dekollete-Bereich bis zum Bauch faltig geworden. Die Brustwarzen säßen viel zu tief. Die Brüste und Brustwarzen seien asymmetrisch, da die Implantate auf beiden Seiten unterschiedlich gesetzt worden seien. Die Schnittführung sei falsch gewählt. Der Schnitt habe unter der Brust erfolgen müssen.

11Die Körbchengröße habe sich letztlich nicht so wie gewollt verändert. Eine Brustvergrößerung sei nicht erfolgt.

12Die Klägerin rügt weiter, vor der Operation nicht ordnungsgemäß aufgeklärt worden zu sein. Weder der Beklagte noch die Assistenzärztin I. hätten sie auf die beiden Möglichkeiten der präpectoralen und der subpectoralen Augmentation hingewiesen. Über die geplante Operationsmethode sei überhaupt nicht gesprochen worden. Dementsprechend sei sie auch nicht darüber informiert worden, dass die Implantate unter den Muskel hätte gelegt werden sollen.

13Über die Risiken des Eingriffs sei nur insoweit gesprochen worden, als der Beklagte ihr am 19.03.2003 gesagt hätte, dass lediglich die Risiken einer Kapselfibrose und einer Abstoßung bestünden. Im übrigen habe keine Aufklärung stattgefunden. Insbesondere

seien die Risiken, die auf der Rückseite der Einverständniserklärung vom 31.03.2003 aufgeführt seien, nicht mit ihr besprochen worden. Der diesbezügliche Eintrag habe sich zum Zeitpunkt ihrer Unterschrift auch nicht auf der Rückseite befunden. Ebenso sei zum Zeitpunkt der Unterschrift auf der Vorderseite der Einverständniserklärung auch nicht der in Klammern gesetzte handschriftliche Zusatz "unter den Brustmuskel gelegt" vorhanden gewesen. Sie sei insbesondere in keinster Weise darüber aufgeklärt worden, dass es bei der submuskulären Implantation zu Schmerzen und erheblichen Bewegungseinschränkungen bis hin zur Unmöglichkeit des täglichen Muskelkrafttrainings kommen könne. Letzteres, obwohl sie den Beklagten und Frau I. darauf hingewiesen habe, dass sie ein intensives Krafttraining betreibe, auf das sie wegen seit ca. 15 Jahren vorherrschender Rückenprobleme angewiesen sei. Sie sei davon ausgegangen, dass es nur die Methode nämlich die präpectorale gäbe, die Implantate über den Muskel einzusetzen. Wäre sie darüber aufgeklärt worden, dass submuskuläre Implantationen durchgeführt werden sollten, hätte sie dieser Operation niemals zugestimmt, sondern eine Implantation über den Muskel gewählt. Ebenso sei sie nicht darüber aufgeklärt worden, dass die Brust absacken könne und es damit zu einer Hängebrust oder einer Verstärkung einer Hängebrust kommen könne und damit eine zusätzliche Hautstraffung erforderlich sei.

14Die Klägerin begehrt die Zahlung eines Schmerzensgeldes und hält insoweit einen Betrag von mindestens 10.000,00 EUR für angemessen. Weiter begehrt sie mit dem Hinweis, dass eine Korrekturoperation nötig sei, die Feststellung der Einstandspflicht des Beklagten für künftige materielle und immaterielle Schäden.

Die Klägerin beantragt, 15

16den Beklagten zu verurteilen, an sie aufgrund der Ereignisse der Operation vom 01.04.2003 ein angemessenes Schmerzensgeld zu zahlen, dessen Höhe in das Ermessen des Gerichts gestellt wird und das ab dem 01.10.2003 mit 5 % Zinsen über dem jeweiligen Basiszinssatz der Europäischen Landesbank verzinst wird.

17festzustellen, dass der Beklagten verpflichtet ist, der Klägerin allen zukünftigen materiellen und immateriellen Schaden zu ersetzen, der ihr durch die Ereignisses der Operation vom 01.04.2003 entstehen wird, soweit der Anspruch nicht auf einen anderen übergegangen ist oder noch übergeht.

Der Beklagte beantragt, 18

die Klage abzuweisen. 19

20Der Beklagte bestreitet, dass die Behandlung der Klägerin fehlerhaft gewesen sei und behauptet dazu folgendes:

21Die gewählte Operationsmethode entspreche dem medizinischen Standard. In Abwägung der beiden möglichen Operationsmethoden der sub- und der präpectoralen Augmentation werde die subpectorale Einlage als Standardvorgehen empfohlen. Die Vorteile der präpectoralen Methode lägen darin, dass die Operation leichter durchzuführen sei und die Brustmuskulatur geschont werde. Die Nachteile dieser Methode bestünden darin, dass im Vergleich zur subpectoralen Methode in der Folge deutlich häufiger Abstoßungsreaktionen aufträten und überdies bei schlaffem

Bindegewebe die Prothese durchhänge. Dies seien auch die Nachteile des subpectoralen Aufbaus. Die vorgenannten Komplikationen träten bei dieser Vorgehensweise jedoch deutlich seltener auf. Der Nachteil der subpectoralen Methode liege darin, dass die Operationstechnik aufwendiger sei und Schmerzen in der Brustmuskulatur auftreten könnten, die sich aber regelhaft nach einer gewissen Zeit zurückbildeten. Der Klägerin sei daher die subpectorale Methode empfohlen worden, wobei sie auch über die präpectorale Operationsmethode unterrichtet worden sei. Bei der Klägerin sei überdies die subpectoral Methode besonders indiziert gewesen, da sie über ein relativ schwaches Bindegewebe verfüge. Bei einer präpectoralen Einlage hätte den Implantaten vollkommen der Halt gefehlt.

22Die Prothesen seien nicht zu klein gewesen. Größere Prothesen hätten ein deutlich größeres Operationstrauma verursacht. Zudem wäre ein Absacken der Brustdrüsen viel auffälliger. Zu einer Absackung der Prothesen sei es nicht gekommen. Die Prothesen lägen vollkommen korrekt über der unteren Umschlagfalte. Das als kosmetisch unbefriedigend angesehene Abhängen der Brust resultiere daraus, dass die Brustdrüse über den Prothesen abgerutscht sei. Ursache hierfür sei die Veranlagung der Klägerin, nicht jedoch eine Fehlbehandlung durch den Beklagten. Dass die Haut faltig geworden sei, sei ebenfalls nicht Folge der Operation, sondern stehe in Zusammenhang mit der entstandenen Ptosis.

23Die Durchblutung der Brustmuskeln sei durch die Operation nicht gestört worden. Diese erfolge nicht vom Ansatz am Brustbein und von den Rippen her, sondern von oben. Eine Durchblutungsstörung sei bei der gewählten Operationsmethode ausgeschlossen. Der Muskel könne sich zwar zusammenziehen, bliebe aber in der Regel in seiner ursprünglichen Lage. Davon sei auch im vorliegenden Fall auszugehen. Das Absacken der Achselhöhle stehe in keinem Zusammenhang mit der Operation, da dieses Areal überhaupt nicht berührt werde.

24Die gewählte Schnittführung entspreche der in allen gängigen Lehrbüchern empfohlenen.

25Der Beklagte behauptet, dass die Klägerin vor der Operation über die verschiedenen Operationsmethoden wie die Risiken der Operation aufgeklärt worden sei. Bei der Untersuchung am 19.03.2003 sei Gegenstand der Aufklärung gewesen, ob der von der Klägerin gewünschte Eingriff überhaupt indiziert worden sei, ferner der Hinweis, dass die Operation erhebliche Risiken bezüglich des kosmetischen Ergebnisses habe. Am 31.03.2003 sei die Klägerin nach der Anamnese durch die Assistenzärztin Frau I. erneut aufgeklärt worden. Sie sei insbesondere über die verschiedenen Operationsmethoden, deren Vor- und Nachteile sowie die Risiken der Operation aufgeklärt worden. Das operative Vorgehen sei am 31.03.2003 nochmals von Frau Dr. D. mit der Klägerin besprochen worden.

26Das Gericht hat Beweis erhoben durch Einholung eines schriftlichen Gutachtens des Sachverständigen Prof. Dr. W., mündliche Anhörung des Sachverständigen und Vernehmung der Zeuginnen K. (vormalig I.) und Dr. D.. Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf den Inhalt des schriftlichen Gutachtens des Sachverständigen Prof. Dr. W. vom 03.11.2004 und des Protokolls der mündlichen Verhandlung vom 06.09.2005 Bezug genommen.

Entscheidungsgründe 27

Die Klage ist unbegründet. 28

29Die Klägerin stehen gegen den Beklagten die mit der Klage verfolgten materiellen und immateriellen Schadensersatzansprüche wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers gem. §§ 823, 253 bzw. 280 BGB nicht zu.

30Die Klägerin hat zunächst den ihr obliegenden Beweis, dass sie vom Beklagten nicht fachgerecht behandelt worden ist, nicht erbracht. Aufgrund der Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. W., an dessen Sachkunde kein Zweifel besteht und die sich die Kammer zu eigen macht, lässt sich ein ärztlicher Behandlungsfehler im Zusammenhang mit der Operation vom 01.04.2003 nicht feststellen.

31Der Sachverständige ist vielmehr zu dem Ergebnis gekommen, dass die Brustvergrößerung in Form der submuskulären Augmentation indiziert gewesen und entsprechend den gängigen Standards ohne Behandlungsfehler ausgeführt worden sei.

32Zur Frage der Indikation der submuskulären Augmentation hat der Sachverständige dabei in seinem schriftlichen Gutachten ausgeführt, dass die submuskuläre Implantation heute dem üblichen Standard entspreche, welches insbesondere deshalb gewählt werden, um die Rate an Kapselfibrosen zu reduzieren.

33Soweit er sodann weiter dargelegt hat, dass keine falsche Operationsmethode gewählt worden sei, sich jedoch unmittelbar postoperativ wie auch unter dem Langzeitaspekt die Notwendigkeit einer zusätzlichen Hautmantelstraffung bestätigt habe und eine solche zur Erzielung einer günstigeren Form hätte durchgeführt werden müssen, hat der Sachverständige in seiner persönlichen Anhörung klarstellend ergänzt, dass es keine eindeutigen Empfehlungen oder standardmäßige Vorgehensweisen gebe, nach denen eine Hautmantelstraffung immer gleich vorzunehmen sei, vielmehr im Einzelfall entschieden werden müsse, ob sofort gestrafft werde oder eine Nachstraffung vorgenommen werden solle.

34Den weiteren Hinweis, dass die subsmukuläre Implantation im Falle der Klägerin unter dem Aspekt ihres seit 17 Jahren ausgeführten Krafttrainings zu bemängeln sei, hat er in seiner persönlichen Anhörung dahingehend erläutert, dass grundsätzlich keine Kontraindikation für die submuskuläre Augmentation vorgelegen habe. Vergleichbare Fälle bei stärkeren Muskelbeanspruchungen und submuskulärer Implantation böten sowohl nach den Berichten in der Literatur als auch nach seinen eigenen Erfahrungen keine erhöhten Probleme. Insoweit könne auch eine auf den Brustmuskel eingebrachte Prothese ähnliche Beschwerden hervorrufen, insbesondere da bei dieser Implantationsform die Kapselfibroserate höher sei, so dass allein die Kapselfibroserate mit ihren spezifischen subjektiven Beschwerden für den Patienten bei auf den Brustmuskel eingebrachter Prothese höher anzusetzen wäre.

35Zur Frage der Durchführung der Operation hat der Sachverständige in einzelnen folgendes ausgeführt: Betreffend der Implantatgröße und Implantatform liege kein Behandlungsfehler vor. Bei der Klägerin seien Polytech Silimed Silikonprothesen mit 249 ml rechts und 277 ml links platziert worden. Bei den Implantaten habe es sich um runde, mit Silikongel gefüllte, texturierte Implantate mit moderatem Profil gehandelt, somit um gängige Implantatgrößen sowie –formen. Die Kammer sieht auch keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass bei der Klägerin runde Implantate eingebracht sind.

Zwar konnte der Sachverständige die runde Form nicht anhand der ihm (im Termin zur mündlichen Verhandlung) vorgelegten Kernspintomagraphieaufnahmen nachhalten, ob bei der Klägerin rund oder anatomisch geformte Implantate eingebracht sind und hat dies damit erklärt, dass die Implantate immer eine gewisse Deformierung seitens des umliegenden Gewebes erfahren würden. Der Sachverständige hat darüber hinaus jedoch erklärt, dass die Bestellnummern des Herstellers in den Krankenunterlagen, wie sie auch in den Produktaufklebern der original verpackten Implantate mitgeliefert würden, auf die angenommene Implantatform hinweisen würden. Damit ist mangels anderer Anhaltspunkte davon auszugehen, dass die bei der Klägerin eingebrachten Implantate den in der Krankenakte eingeklebten Aufklebern entsprechen. Zudem hat der Sachverständige in seiner persönlichen Anhörung ergänzend erklärt, dass bei der vorhandenen Brustausgangsform auch ein anatomisch geformtes Implantat kein besseres Ergebnis gebracht hätte, da das Hauptproblem die überschüssigen Brustweichteile über dem Brustmuskel darstellen würden.

36Weiter hat der Sachverständige in seinem schriftlichen Gutachten dargelegt, dass die Implantate, wie im Operationsbericht ausgeführt, korrekt eingesetzt seien und die Wahl der unterschiedlichen Implantatgrößen am postoperativen Operationsergebnis eine seitengleiche Symmetrie ergeben habe. Die Schnittführung des Beklagten entspreche nicht den gängigen Inzisionen. Sie sei als atypische zu werten, es sei jedoch von keiner Behinderung außer einer stärkeren Sichtbarkeit auszugehen. Diesbezüglich hat der Sachverständige in der mündlichen Verhandlung ergänzend ausgeführt, dass es sich nicht um eine fehlerhafte Behandlung, sondern lediglich um ein kosmetisches Problem insoweit handele, als die sichtbare Narbe schon im äußeren unteren Quadranten zu liegen komme und nicht wie im Allgemeinen üblich im Bereich des unteren mittleren und äußeren Quadranten.

37Darüber hinaus kann entgegen der Behauptung der Klägerin nicht festgestellt werden, dass keine Brustvergrößerung eingetreten sei. Nach der diesbezüglichen Ausführung des Sachverständigen im schriftlichen Gutachten ist vielmehr eine Brustvergrößerung, von Körbchengröße 75B auf 75C erfolgt und lediglich durch das Absacken der Weichteile über den Implantaten der Eindruck einer nicht eingetretenen Brustvergrößerung entstanden.

38Schließlich kann auch nicht festgestellt werden, dass der Beklagte Muskeln oder Nerven und Gefäße fehlerhaft verletzt hat. Der Sachverständige hat in seiner mündlichen Anhörung insoweit zwar bestätigt, dass bei der submuskulären Augmentation der Klägerin tatsächlich Muskeln und Nerven durchtrennt worden seien, sodann aber erläutert, dass dies keinen Behandlungsfehler darstelle. Bei einer submuskulären Augmentation müssten vielmehr immer Muskelansätze durchtrennt werden. Dies entspreche einem regelhaften Vorgehen und es könnten zwangsläufig auch Folgeerscheinungen wie nachlassende Muskelspannung, atypische Muskelkontraktionen in veränderter Lage des Muskels oder auch Sensibilitätsstörungen im Brustbereich auftreten. Auch könnten dabei längerwierige Nervenschmerzen verbleiben. Ein Anhalt für Gefäßverletzungen liege aber nicht vor. Muskeln seien in korrekten Anteilen abgetrennt worden. Ein Anhalt dafür, dass der Muskel an falscher Stelle abgetrennt sei, liege daher ebenfalls nicht vor. Insbesondere sei er nicht in den Anteilen Richtung Schlüsselbein durchtrennt, da in einem solchen Fall das Implantat eine hohe Fehlplatzierung aufweisen müsse. Auch nach Durchsicht der Kernspinaufnahmen könne nicht festgestellt werden, dass eine atypische Abtrennung durchgeführt worden sei, die gegen ärztliche Standards verstoßen würde.

Schließlich kann die Klägerin sich auch nicht mit Erfolg darauf berufen, dass sie nicht über die Risiken der Operation aufgeklärt worden sei, insbesondere nicht darüber, dass die subpectorale und die präpectorale Implantation als Behandlungsalternativen zur Verfügung standen und eine subpectorale Augmentation durchgeführt werden sollte.

40Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme steht zur Überzeugung der Kammer fest, dass die Klägerin seitens der Zeugin K. über die Möglichkeit und die Risiken der subpectoralen wie der präpectoralen Implantation, insbesondere das Risiko der Ptosis, aufgeklärt worden ist sowie darüber, dass eine subpectorale Implantation geplant war. Die Zeugin hat bekundet, dass sie mit der Klägerin in dem von ihr geführten Aufklärungsgespräch die auf der Rückseite der Einverständniserklärung vom 31.03.2003 vermerkten Risiken besprochen habe und dies für die Kammer nachvollziehbar damit begründet, dass sie die Risiken um nichts zur vergessen - üblicherweise schon vor einem Gespräch auf der Rückseite vermerke und sei sicher, dass die Klägerin ihre Unterschrift auf der Vorderseite in Kenntnis der Eintragungen geleistet habe. Dies sei Standard. Ein Grund, nachträgliche Eintragungen vorzunehmen, habe nicht bestanden. Üblicherweise würden von ihr im Aufklärungsgespräch auch die Alternativverfahren erörtert. Dies ergebe sich vorliegend insbesondere aus der obigen handschriftlichen Eintragung "unter den Brustmuskel". Sie erörtere in diesen Fällen auch das Alternativverfahren, dass die Implantate vor den Muskel gelegt werden könnten sowie die damit verbundenen Vor- und Nachteile hinsichtlich dieser beiden Verfahren. Als Nachteil eines präpectoralen Verfahrens führe sie an, dass bei diesem Verfahren das Risiko einer Kapselfibrose und einer Abstoßreaktion des Körpers größer sei und auch die Gefahr des Eintritts eine Ptosis bestehe. Diese Risiken seien bei dem subpectoralen Verfahren geringer. Als Nachteil bei dem subpectoralen Verfahren erkläre sie in der Regel, dass ein Schnitt im Muskel erfolgen müsse und postoperativ Bewegungs- und Empfindungseinschränkungen entstehen könnten. Ebenso weise sie stets darauf hin, dass das kosmetische Ergebnis unbefriedigend ausfallen könne. Die Kammer hat keinen Anlass an der Richtigkeit der Aussage zu zweifeln. Die Aussage der Zeugin ist glaubhaft. Die Zeugin hat insbesondere frei von Widersprüchen und ohne Belastungstendenzen ausgesagt. Da die Zeugin K. die Aufklärungsgespräche nach ihrem Bekunden üblicherweise wie dargestellt führt, geht die Kammer davon aus, dass sie auch hinsichtlich der Aufklärung der Klägerin nicht von ihrem Standard abgewichen ist, demgegenüber die Erinnerung der Klägerin unvollständig ist. Insoweit geht die Kammer insbesondere davon aus, dass die Klägerin den Belehrungen im Hinblick auf die bei ihrer Tochter vom Beklagten im Ergebnis zur vollsten Zufriedenheit durchgeführte Brustvergrößerung keine vollkommene Aufmerksamkeit geschenkt hat und sich heute nur noch an die ggfs. hervorgehoben besprochenen Risiken der Kapselfibrose und der Abstoßung erinnern kann, die auch nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. W. grundsätzlich für beide Operationsmethoden bestehen, und nach der Aussage der Zeugin K. hinsichtlich beider Verfahren erwähnt worden sind.

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Es kann auch dahinstehen, ob die Klägerin dem Beklagten und der Zeugin mitgeteilt hat, dass sie seit 17 Jahren Krafttraining betreibe, auf das sie wegen ihrer Rückenprobleme angewiesen sei. Da der Sachverständige dargelegt hat, dass besondere Probleme einer submuskulären Augmentation im Hinblick auf einen Kraftverlust weder in der Literatur bekannt sei und auch ihm im Rahmen seiner 14jährigen Praxis nur einmal begegnet seien, musste der Beklagte insoweit auch nicht von einem besonderen Risiko für die Klägerin ausgehen bzw. die Klägerin dementsprechend besonders belehren, sondern durfte es mit dem auf der Rückseite der 39

Aufklärung vorgenommenen Hinweis auf die Gefahr von Bewegungseinschränkungen bewenden lassen. Die Klägerin kann daher auch nicht mit dem Einwand gehört werden, dass sie in keinster Weise darüber aufgeklärt worden sei, dass es bei der submuskulären Implantation zu Schmerzen und erheblichen Bewegungseinschränkungen bis hin zur Unmöglichkeit des täglichen Muskelkrafttrainings kommen könne.

Nach alledem war die Klage mit der Kostenfolge aus § 91 ZPO abzuweisen. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus § 709 ZPO. 42

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