Urteil des LG Bielefeld vom 16.11.2004, 46 Js 273/04

Entschieden
16.11.2004
Schlagworte
Wohnung, Unterbringung, Zukunft, Familie, Drucker, Trennung, Polizei, Behandlung, Persönlichkeit, Aufenthaltserlaubnis
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Landgericht Bielefeld, 10 Ks 46 Js 273/04 - L 1/04 X -

Datum: 16.11.2004

Gericht: Landgericht Bielefeld

Spruchkörper: X. große Strafkammer Schwurgericht

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 10 Ks 46 Js 273/04 - L 1/04 X -

Tenor: Die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus wird angeordnet.

Der Beschuldigte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Angewendete Vorschriften: §§ 63, 20, 212 StGB.

Gründe: 1

(abgekürzt gemäß § 267 Abs. 4 StPO) 2

I. 3

4Der zur Tatzeit 46 Jahre alte Beschuldigte ist zusammen mit acht Geschwistern sechs Schwestern und zwei Brüdern im Haushalt seiner Eltern in seinem Geburtsort S. in Bosnien aufgewachsen. Sein Vater, der als Waldarbeiter tätig war, verstarb, als der Beschuldigte fünf Jahre alt war. Seine inzwischen 89 Jahre alte Mutter versorgte als Hausfrau den Haushalt und übte zur Verbesserung der finanziellen Situation der Familie außerdem gelegentlich Aushilfsarbeiten aus. Sie lebt zur Zeit bei einer ihrer Töchter in Serbien. Zu seiner Mutter hat der Beschuldigte ebenso wie zu den meisten seiner Geschwister auch heute noch Kontakt. Dieser beschränkt sich, soweit seine Verwandten in Bosnien leben, auf Telefongespräche, während er mit seinen beiden in Deutschland lebenden Schwestern auch noch persönlich in Verbindung steht. Seine Kindheit empfand der Beschuldigte trotz der Armut, in der die Familie lebte, als schön.

5Der Beschuldigte wurde mit sieben Jahren in die Grundschule eingeschult, die er nach vierjährigem Besuch mit guten Leistungen abschloss. Danach zog er zu seiner älteren Schwester in die nahe seinem Heimatdorf gelegene Stadt F., wo er eine Arbeit als Knecht aufnahm und so zum Unterhalt der Familie beitrug. Nach knapp zwei Jahren kehrte der Beschuldigte in seinen Heimatort zurück und schloss dort seine Schulausbildung mit dem vierjährigen Besuch der Hauptschule ab. Danach zog er zu einem Bruder und einer Schwester nach K., wo er eine Ausbildung zum Drucker absolvierte, die er nach drei Jahren erfolgreich beendete. Im Anschluss daran leistete der Beschuldigte den 12monatigen Militärdienst ab. Nachdem er im Jahre 1977 entlassen worden war, siedelte er nach Deutschland zu seiner in N. lebenden Schwester über, da er hoffte, hier bessere Lebensverhältnisse vorzufinden. Weil der Beschuldigte keine Aufenthaltserlaubnis für

Deutschland hatte, konnte er keiner ordentlichen, legalen Arbeit nachgehen, sondern verrichtete Schwarzarbeiten. Als er dabei nach etwa 7-jährigem illegalem Aufenthalt in Deutschland anlässlich einer behördlichen Kontrolle im Jahre 1984 angetroffen wurde, erfolgte anschließend seine sofortige Ausweisung. Der Beschuldigte reiste daraufhin zurück in sein Heimatland nach K., wo er eine Anstellung in seinem erlernten Beruf als Drucker fand, den er in den folgenden Jahren auch ausübte.

6Als 1991 der Bürgerkrieg in Jugoslawien ausbrach, verließ der Beschuldigte seine Heimat und reiste mit seiner Familie seiner Frau und seinem Sohn erneut in die Bundesrepublik ein. Er bekam hier eine Aufenthaltserlaubnis und lebte zunächst bei seiner Schwester in B., bevor er nach drei bis vier Monaten Arbeit fand und kurz danach in eine eigene Wohnung umzog. Während die Frau des Beschuldigten als Raumpflegerin tätig war, ging er bis zum Jahr 2000 verschiedenen Beschäftigungen unter anderem beim Deutschen Paketdienst und in einer Schlachterei nach, bevor er eine Arbeit als Drucker fand, die er bis zu seiner vorläufigen Festnahme in dem anhängigen Verfahren am 28.05.2004 innehatte. Sein monatlicher Nettoverdienst betrug durchschnittlich 1.250,00 EUR.

7Der Beschuldigte lernte seine fünf Jahre jüngere Ehefrau das spätere Tatopfer im Jahr 1984 in K. kennen. Die Hochzeit fand am 02.03.1985 statt. Am 09.01.1986 wurde der gemeinsame Sohn S. geboren.

8Der Rauschmittelkonsum des Beschuldigten, der illegale Drogen nie und Medikamente nur nach ärztlicher Verordnung zu sich genommen hat, konzentrierte sich auf alkoholische Getränke. Insbesondere nach der zweiten Ausreise in die Bundesrepublik im Jahre 1991 trank der Beschuldigte vermehrt Bier und Schnaps, vornehmlich allerdings an den Wochenenden. Zwar war der Alkoholkonsum des Beschuldigten zeitweise so intensiv, dass er in den Jahren 1993 bis 1995 zweimal wegen Teilnahme am Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss auffällig wurde und deshalb die Fahrerlaubnis verlor, in den Jahren 1995 oder 1996 auch mal einen sogenannten Filmriss erlebte sowie im Mai 2004 nach einem Streit mit seiner Ehefrau einmal im Polizeigewahrsam ausgenüchtert werden musste. Er war jedoch jederzeit in der Lage, regelmäßig seiner Arbeit nachzugehen und für längere Zeit abstinent zu bleiben; er hatte auch niemals unter Entzugserscheinungen oder Kontrollverlust zu leiden.

9Wegen der Tat, die Gegenstand des anhängigen Verfahrens ist, wurde der Beschuldigte am 28.05.2004 vorläufig festgenommen und befand sich aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts Bielefeld vom selben Tage bis zum 07.06.2004 in Untersuchungshaft; seitdem ist er aufgrund des Unterbringungsbefehls des Amtsgerichts Bielefeld vom selben Tage im Westfälischen Zentrum für Forensische Psychiatrie in Lippstadt einstweilen untergebracht.

II. 10

1.11

12Die Ehe des Beschuldigten mit seiner Frau verlief zunächst harmonisch, da sie von gegenseitigem Verständnis getragen und die wirtschaftlichen Verhältnisse geordnet waren. In den Jahren 2001 oder 2002 kam es jedoch zu ersten ernsthafteren Problemen im Zusammenleben der Eheleute, weil bei dem bis dahin nach außen hin unauffällig lebenden Beschuldigten erstmals wahnbedingte Ideen in Bezug auf die eheliche Treue seiner Frau auftraten. Während sich die Wahnvorstellungen des Beschuldigten zunächst in Grenzen

hielten und sich in seinem Verhalten noch nicht in gravierender Weise bemerkbar machten, verfestigten sie sich schließlich zu einem regelrechten Wahnsystem, das die vermeintliche Untreue seiner Ehefrau zum Gegenstand hatte. Nachdem die Eheleute wegen eines Verkehrsunfalls im August 2003 eine Urlaubsfahrt in ihr Heimatland abbrechen mussten und nicht wie geplant gemeinsam fortsetzen konnten, verstärkte sich dieser Zustand dramatisch. Weil die Ehefrau des Beschuldigten die Urlaubsfahrt allein fortsetzte der Beschuldigte hatte sich bei dem Unfall leichte Verletzungen zugezogen und musste sich um die anschließende Schadensabwicklung kümmern -, war er fest davon überzeugt, dass sie diese Gelegenheit nutzen würde, um sich einem anderen Mann zuzuwenden und ihn mit diesem zu betrügen. Obwohl seine Ehefrau ihm klarmachte, dass sie die Urlaubsfahrt nur deshalb nicht abbreche, weil sie ihren kranken Vater besuchen wolle, lebte der Beschuldigte seitdem in der durch nichts zu erschütternden Vorstellung, dass seine Frau ihn schon seit Beginn ihrer Ehe betrüge, auch vorher bereits viele intime Beziehungen zu Männern gehabt habe und sein Sohn deshalb nicht von ihm stamme. Um Gewissheit zu erlangen, ließ der Beschuldigte einen entsprechenden Test durchführen, der seine Vaterschaft mit über 99 %iger Sicherheit bestätigte. Trotz dieses eindeutigen Ergebnisses war der Beschuldigte von seiner Vaterschaft nicht überzeugt, da die von ihm erwartete 100 % - Marke nicht erreicht worden war. Diese Zweifel äußerte er auch gegenüber einem mit ihm und seiner Frau befreundeten Ehepaar, den Zeugen N. und M. B.. Obgleich diese ihn darauf hinwiesen, dass bei einem solchen Test nie ein 100 %iges Ergebnis zu erreichen sei, änderte der Beschuldigte seine Meinung nicht. Vielmehr bekräftigte er seine Zweifel, indem er erklärte, sein Sohn sehe lediglich seiner Mutter, nicht aber ihm dem Beschuldigten ähnlich. Bei dem Gespräch brachte der Beschuldigte auch erneut seine feste Überzeugung zum Ausdruck, dass seine Ehefrau ihm nicht treu sei.

In seiner wahnhaften Eifersucht verstieg der Beschuldigte sich sogar zu dem Gedanken, dass seine Ehefrau ihn vergiften wolle, um ihn loszuwerden und mit ihrem Liebhaber allein sein zu können. Deshalb er nur Speisen, von denen auch seine Frau gegessen hatte oder ernährte sich von Konserven.

14Da die Ehefrau des Beschuldigten auf seine fortlaufenden Fragen und Vorwürfe immer abstritt, einen Liebhaber zu haben, der Beschuldigte jedoch darauf bestand und sie immer wieder aufforderte, ihm den Namen zu nennen, kam es häufig zu heftigen Streitigkeiten zwischen ihnen. Im Verlauf einer solchen Auseinandersetzung ging der Beschuldigte in der Silvester-Nacht 2003 sogar so weit, dass er seine Ehefrau mit Benzin übergoss und ihr damit drohte, sie anzuzünden, um sie auf diese Weise dazu zu zwingen, ihm den Namen ihres angeblichen Liebhabers zu sagen.

15In der Folgezeit bis zum Tattag, dem 28.05.2004, spitzte sich die Situation wegen der unnachgiebigen Haltung des Beschuldigten weiter zu. Mit seinen fortlaufenden Eifersuchtsszenen und Bespitzelungen setzte er seiner Ehefrau auf eine für sie so unerträgliche Weise zu, dass sie sich mehrfach kurzzeitig von ihrem Mann trennte, indem sie aus der gemeinsamen Wohnung auszog. Zweimal waren die Streitigkeiten zwischen den Eheleuten so heftig, dass die von der Ehefrau des Beschuldigten benachrichtigte Polizei erschien und diesen einmal im März 2004 aus der Wohnung wies sowie ihm ein 10-tägiges Hausverbot erteilte.

16

Da die Situation wegen der fortlaufenden Auseinandersetzungen für beide Eheleute unerträglich war, suchten sie nach einer dauerhaften Lösung. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass es das Beste sei, sich zu trennen und scheiden zu lassen. Sie suchten deshalb auch einen Rechtsanwalt auf und besprachen die Angelegenheit mit ihm. Die ins 13

Auge gefasste Trennung wurde dann jedoch nicht weiterverfolgt, da die Eheleute sich schließlich wieder versöhnten und in ihrer gemeinsamen Wohnung zusammenlebten. Da die intensiven Spannungen zwischen ihnen wegen des krankhaften Eifersuchtswahns des Beschuldigten jedoch bestehen blieben, war das Thema "Trennung und Scheidung" immer wieder Gegenstand ihrer Gespräche.

2.

18Am Nachmittag des 27.05.2004 des Tages vor der Tat hielten sich der Beschuldigte und seine Ehefrau in ihrem Schrebergarten in B. auf und besprachen wieder einmal die Möglichkeiten, die zwischen ihnen bestehenden Probleme zu lösen, wobei sie erneut auch über eine eventuelle Trennung und Scheidung redeten.

Am späten Nachmittag fuhren die Eheleute nach Hause, wo sie zusammen zu 19

20Abend aßen und gemeinsam mit ihrem Sohn das Programm im Fernsehen anschauten. Dabei war die Ehefrau des Beschuldigten allerdings nicht die gesamte Zeit anwesend, da sie zwischenzeitlich noch eine Aushilfstätigkeit als Raumpflegerin in einer Arztpraxis zu erledigen hatte. Gegen 22 Uhr nicht lange nach ihrer Rückkehr begab sie sich ins Schlafzimmer und ging zu Bett. Als wenig später sein Sohn die Wohnung verließ, um mit Freunden zu feiern, blieb der Beschuldigte allein im Wohnzimmer zurück. Während er dort saß, bedrängten ihn ausgelöst durch seinen krankhaften Eifersuchtswahn wieder die Gedanken an die Untreue seiner Ehefrau. Er hörte wie früher schon häufiger Stimmen, die ihm einredeten, dass sein Sohn nicht von ihm sei. Die Gedanken daran, dass seine Ehefrau sich von ihm ab- und einem anderen Mann zugewandt habe, wurden schließlich so übermächtig und lösten eine derartige Verzweiflung in dem Beschuldigten aus, dass er keinen anderen Ausweg mehr sah, als sofort eine endgültige Lösung des Problems herbeizuführen.

21Deshalb fasste der Beschuldigte den Entschluss seine Ehefrau sogleich zu töten. Er begab sich in die Küche der Wohnung, besorgte sich dort ein etwa 35 cm langes Haushaltsmesser und ging damit in das gemeinsame Schlafzimmer. Hier versetzte der Beschuldigte seiner schlafenden Ehefrau in Ausführung seines Tötungsvorhabens in den frühen Morgenstunden des 28.05.2004 - gegen 2:00 Uhr mit großer Kraft 10 tiefgreifende Stiche bzw. Schnitte in den Hals und trennte schließlich ihren Kopf vollständig vom Rumpf, indem er zusätzlich zu den Halsweichteilen auch die Halswirbel mit erheblicher Anstrengung durchschnitt, was den sofortigen Tod seiner Ehefrau zur Folge hatte.

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Anschließend deckte der Beschuldigte seine Ehefrau mit einer Bettdecke zu und begab sich ins Badezimmer, um sich zu waschen. Nachdem er sich gesäubert hatte, fuhr er mit einem Taxi zur wenige Kilometer entfernten, an der ...straße in B. gelegenen Wohnung seiner Freunde, der Zeugen N. und M. B., wo er gegen 3:15 Uhr eintraf. Im Verlauf des sich anschließenden etwa einstündigen Aufenthalts berichtete er den Zeugen von der soeben geschehenen Tat, indem er erklärte, dass alles vorbei sei und dass es seine Frau nicht mehr gebe, was nach ihrem Verständnis bedeutete, dass er seine Frau getötet hatte. Die Eheleute B., die das nicht glauben konnten, hielten dem Beschuldigten immer wieder vor, dass das doch nicht stimme, dass er die Unwahrheit gesagt habe. Der Beschuldigte äußerte sich dazu nicht, gab der Zeugin N. B. jedoch einen Briefumschlag, in den er zuvor 1.000,00 EUR gesteckt hatte, mit der Bitte, diesen seinem Sohn S. auszuhändigen. Mit dem auf den Briefumschlag geschriebenen Satz: "S., ich musste es tun" bekannte er sich noch einmal dazu, dass er seine Ehefrau getötet hatte. Anschließend bestellte der Beschuldigte telefonisch ein Taxi, verließ die Wohnung der Zeugen B. und ließ sich gegen 4:30 Uhr von 17

dem Taxifahrer P. zu seiner Wohnung in der ...str. bringen. Während der Fahrt bat er den Taxifahrer, die Polizei und einen Krankenwagen zu benachrichtigen, wobei er als Grund angab, eine bzw. seine Frau umgebracht zu haben. Der Zeuge P. informierte daraufhin die Zentrale, die ihrerseits die Polizei alarmierte.

23Infolgedessen trafen gegen kurz vor 5:00 Uhr mehrere Polizeibeamte vor dem Haus in der ...str. ein, wo auch der Beschuldigte inzwischen angekommen war. Der Polizeibeamtin H., die ihn befragte, erklärte er, dass er in seiner in der zweiten Etage linksseitig gelegenen Wohnung seine Ehefrau mit einem Messer umgebracht habe, da sie "fremdgegangen" sei. Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung des Beschuldigten fanden die Polizeibeamten im Schlafzimmer die mit abgetrenntem Kopf unter einer Bettdecke verborgene Leiche seiner Ehefrau.

24Der Beschuldigte wurde daraufhin gegen 5:05 Uhr vorläufig festgenommen. Die ihm im Polizeigewahrsam gegen 7:40 Uhr entnommene Blutprobe wies einen Blutalkoholgehalt von 0,0 Promille auf.

25Bei der am 28.05.2004 von der Sachverständigen Dr. med. P... vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Münster durchgeführten Obduktion wurde als Todesursache ein Verbluten bei scharfer kompletter Abtrennung des Kopfes vom Rumpf zwischen 3. und 4. Halswirbelkörper festgestellt. Nach den weiteren Ausführungen der Sachverständigen ist nach der Art der Verletzungen am Hals von einem mindestens 10-maligen Ansetzen des Messers auszugehen.

26Der Beschuldigte war wie sich aus den Gutachten der Sachverständigen ....ergibt, denen die Kammer folgt bei Begehung der Tat aufgrund einer schweren wahnhaften Störung nicht in der Lage, über Recht und Unrecht zu reflektieren und sein Handeln nach normativen Prinzipien auszurichten.

27Hinsichtlich der Prognose ist nach den Erklärungen der Sachverständigen wegen des Fortbestehens und weiteren Ausbaus der Wahnsymptomatik auch unter neuroleptischer Behandlung damit zu rechnen, dass der Beschuldigte auch in Zukunft Delikte begehen wird, die von mit der vorliegenden Tat vergleichbaren Gewalttätigkeiten geprägt sind.

III. 28

29Diese Feststellungen beruhen auf der Einlassung des Beschuldigten sowie dem Ergebnis der übrigen Beweisaufnahme.

30Soweit es um die Feststellungen zum Krankheitsbild des Beschuldigten sowie zur prognostischen Einschätzung geht, hat die Kammer die Gutachten der Sachverständigen ... herangezogen.

Die Sachverständigen haben zusammengefasst Folgendes ausgeführt: 31

32Der Beschuldigte sei, wie sich aus den durchgeführten Tests ergebe, eine intellektuell durchschnittlich leistungsfähige, wahnhaft gestörte, depressiv gestimmte Persönlichkeit mit psychotischen Hirnleistungsfunktionsbeeinträchtigungen. Da sein neurologischer Status ungestört und aus der Vergangenheit keine hirnorganischen Erkrankungen bekannt seien sowie die durchgeführte Kernspintomographie des Schädels vom 16.06.2004 einen unauffälligen Befund habe, müsse davon ausgegangen werden, dass ein wahnhafter Prozess bereits in die Perzeptionsstruktur des Beschuldigten eingedrungen sei. Tatsächlich verdeutlichten die Testbefunde, dass der Beschuldigte in seinem

Persönlichkeitsgefüge durch eine wahnhafte Störung weitgehend desorganisiert und zerstört sei. Er könne nur unzulänglich zwischen Gehörtem und Gedachtem, zwischen Gedanken und Wahrnehmung, zwischen Erlebtem und Vorgestelltem unterscheiden. Sein Realitätsbezug sei gestört. Die Grenzen zwischen Innenwelt und Außenwelt seien eingerissen. Er stehe unter realitätsfremden Beziehungsideen und lebe in Wahngestimmtheit, Wahnwahrnehmung und Wahndeutung. Er glaube, dass sein Willen von anderen Menschen beeinflusst werde, fühle sich von anderen dauernd beobachtet und kontrolliert, habe zu anderen Menschen keine innere Beziehung mehr und leide unter Stimmenhören. Im Übrigen klage er über körperliche Dysfunktionalität, wie Kopfschmerzen, Herz- und Brustschmerzen, über Angst und Depressivität sowie kognitive Entfremdung, wie Gedankenleere und Gedankenbeeinflussung.

33Die Explorationsergebnisse und die Testbefunde sowie das Verhalten des Beschuldigten in der Hauptverhandlung belegten, dass bei ihm eine schwere wahnhafte Störung mit Verfolgungs- und Beeinträchtigungswahn, Verlust des Realitätsbezugs, der Ich-Identität und Affektstörungen vorliege. Seine Persönlichkeitsstruktur sei krankhaft disreguliert. Er sei seinen Wahnideen ausgeliefert und nicht fähig über Recht und Unrecht nachzudenken und sein Handeln nach normativen Prinzipien auszurichten. Es handele sich um eine krankhafte seelische Störung im Sinne des Gesetzes mit der Folge, dass dem Beschuldigten zur Tatzeit die Einsichtsfähigkeit gefehlt habe.

34Die von dem Beschuldigten begangene Tat, die er subjektiv als Verzweiflungstat erlebt habe, sei ein Symptomdelikt, das heißt direkter Ausdruck seiner krankhaften seelischen Verfassung. Da die strukturelle Desintegration seiner Persönlichkeit und sein wahnhaftes Erleben, in das auch seine Schwester einbezogen sei, andauere, müsse damit gerechnet werden, dass der Beschuldigte auch in Zukunft Gewalttaten begehen werde. Dafür spreche der lange Verlauf seiner Erkrankung mit zunehmender Isolation, Egozentrik und Empathieverlust sowie das Fortbestehen und der weitere Ausbau der Wahnsymptomatik auch unter neuroleptischer Behandlung. Aus diesen Gründen müsse aus psychiatrischer und klinisch-psychologischer Sicht die Unterbringung und Behandlung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus unbedingt empfohlen werden.

IV. 35

36Nach diesen Feststellungen war die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß § 63 StGB anzuordnen.

37Der Beschuldigte hat, indem er seine Ehefrau mit mindestens 10 Messerstichen in den Hals getötet hat, vorsätzlich und rechtswidrig einen Totschlag nach § 212 Abs. 1 StGB begangen. Wegen dieser Tat kann er nicht bestraft werden, weil er bei ihrer Begehung infolge einer krankhaften seelischen Störung eines Verfolgungs- und Beeinträchtigungswahns mit Verlust des Realitätsbezugs, der Ich-Identität und Affektstörungen, das heißt einer schweren wahnhaften Störung gemäß § 20 StGB schuldunfähig war. Nach den getroffenen Feststellungen war der Beschuldigte aufgrund dieses krankhaften Zustands zur Tatzeit nicht in der Lage, das Unerlaubte seines Verhaltens zu erkennen und damit wegen mangelnder Einsichtsfähigkeit schuldunfähig.

38Die Gesamtwürdigung des Beschuldigten und seiner Tat ergibt, dass infolge seines krankhaften und derzeit fortbestehenden Zustands seine Persönlichkeit ist nach wie vor geprägt durch die schwere Wahnerkrankung - auch in Zukunft erheblich rechtswidrige Taten von ihm zu erwarten sind. Im Hinblick auf die dem anhängigen Verfahren zu Grunde liegende Tat und die daraus abzuleitende Prognose hinsichtlich der in Zukunft zu

erwartenden Taten ist die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus auch nicht unverhältnismäßig 62 StGB).

39Die Vollstreckung der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß § 67 b StGB zur Bewährung auszusetzen, kam nicht in Betracht, da die mit der Maßnahme verfolgten Zwecke nur im Rahmen einer längeren stationären Therapie zu erreichen sind.

V. 40

Die Kostenentscheidung folgt aus § 465 Abs. 1 StPO. 41

LG Bielefeld: immobilie, provision, firma, anhörung, kaufpreis, sicherheitsleistung, beweiswürdigung, ankauf, käufer, datum

5 O 144/08 vom 13.08.2008

LG Bielefeld: vergleich, vertragsstrafe, internetseite, kennzeichen, logo, schreibfehler, fahrzeug, zwangsvollstreckungsverfahren, copyright, einzahlung

4 O 293/06 vom 29.08.2007

LG Bielefeld (wasser, uwg, landwirtschaftlicher betrieb, folge, behandlung, kläger, anlage, höhe, gerät, industrie)

15 O 221/08 vom 06.04.2010

Anmerkungen zum Urteil