Urteil des LG Aachen vom 18.06.2003, 11 O 423/01

Aktenzeichen: 11 O 423/01

LG Aachen: brücke, lege artis, einwilligung des patienten, fehlerhafte herstellung, behandlungsfehler, diagnose, schmerzensgeld, krankenkasse, kunst, eingliederung

Landgericht Aachen, 11 O 423/01

Datum: 18.06.2003

Gericht: Landgericht Aachen

Spruchkörper: 11. Zivilkammer

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 11 O 423/01

Tenor: Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 250,00 Schmerzensgeld nebst 4 % Zinsen seit dem 01.08.2000 zu zahlen.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Beide Parteien dürfen die Vollstreckung der Gegenseite durch Sicherheitsleistung in Höhe von 120 % des zu vollstreckenden Betrages abwenden, wenn nicht der Gegner vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet

T a t b e s t a n d 1

2Die Klägerin macht gegen die Beklagte Ansprüche wegen behauptet fehlerhafter zahnärztlicher und zahnprothetischer Behandlung geltend. Sie befand sich bei der Beklagten in der Zeit von November 1998 bis Dezember 1999 in Behandlung.

3Die Beklagte setzte der Klägerin im November 1998 erstmals im rechten Unterkiefer eine Brücke über den Zähnen 44 - 48 ein, wobei die Brückenglieder 44 und 45 sowie die Brückenglieder 46 und 47 jeweils als Metallkronen mit Keramikverblendung ausgestaltet waren, das Brückenglied 48 als Vollguß-Metallkrone.

4Am 23.03.1999 brach an dieser Brücke an der Krone über dem Zahn 47 wangenwärts ein Stück der Keramik ab. Daraufhin fertigte die Beklagte für die Klägerin unentgeltlich eine weitere Brücke derselben Machart an, von der jedoch wiederum nach einiger Zeit ein Teil der Keramik an Zahn 47 abbrach. Eine dieser Keramikabplatzungen ereignete sich während eines Urlaubs, den die Klägerin mit ihrem Ehemann in ------------------verbrachte, wobei die Parteien darüber streiten, ob die Klägerin zu diesem Zeitpunkt noch die erste oder bereits die zweite Brücke trug; unstreitig ist aber, daß es jedenfalls an beiden Brücken zu den Keramikabplatzungen an Zahn 47 kam.

Da der Grund für die wiederholten Keramikabplatzungen aus Sicht der Beklagten 5

labortechnisch nicht erklärbar war, fertigte die Beklagte schließlich für die Klägerin - wiederum unentgeltlich - eine dritte Brücke an, bei welcher, anders als bei den beiden ersten Modellen, auch die Brückenglieder 46 und 47 als Vollmetallkronen angefertigt waren. Diese Brücke trägt die Klägerin noch heute.

6Nach der Eingliederung der dritten Brücke klagte die Klägerin am 29.11.1999 über starke Zahn- und Ohrenschmerzen. Die Beklagte äußerte daraufhin den Verdacht, daß die Klägerin mit den Zähnen knirsche und riet ihr zum Tragen einer Entlastungschiene; dies lehnte die Klägerin jedoch ab, da sie der Auffassung war, daß eine solche Maßnahme nicht nötig sei.

7Im November 1999 gliederte die Beklagte der Klägerin im Oberkiefer rechts eine weitere Brücke über den Zähnen 15 bis 17 ein.

8Anschließend brach die Klägerin die Behandlung bei der Beklagten ab und suchte einen Gutachter auf, der die Brücke im Unterkiefer an einer Stelle, an welcher er einen Frühkontakt feststellte, einschliff. Nunmehr befindet sich die Klägerin bei einer anderen Zahnärztin in Behandlung, welche der Klägerin ebenfalls zu einer Entlastungsschiene riet. Die Klägerin akzeptierte diesen Rat grundsätzlich, trägt aber die Schiene nicht. Weitere Änderungen an der dritten Unterkieferbrücke wurden bis heute nicht durchgeführt.

9Im Oktober 2001 brach an der Unterkieferbrücke, die die Klägerin gegenwärtig trägt, an Zahn 44 ein Stück der Keramik ab; die nachbehandelnde Zahnärztin glättete die Stelle mit einem Polierinstrument. Im Januar 2003 brach an der Brücke im Oberkiefer links ein Stück der Keramik ab; die nachbehandelnde Zahnärztin schliff die Stelle nach.

10Mit der erhobenen Klage begehrt die Klägerin von der Beklagten die Rückzahlung des von ihr an die Beklagte geleisteten Honorars, die Zahlung eines Schmerzensgeldes sowie Feststellung. Soweit die Klägerin von ihrer Krankenkasse Leistungen in bezug auf das an die Beklagte gezahlte Honorar erhalten hat, hat sie sich die auf die Krankenkasse übergegangenen Ansprüche rückabtreten lassen (Bl. 212 b d. A.). Mit anwaltlichem Schreiben vom 12.07.2000 forderte die Klägerin unter Fristsetzung bis zum 31.07.2000 die Beklagte erfolglos zur Erfüllung der geltend gemachten Ansprüche auf.

11Die Klägerin behauptet, daß die Beklagte die streitgegenständlichen Brücken im Unterkiefer behandlungsfehlerhaft nicht korrekt hergestellt und eingegliedert habe, da anders das wiederholte Abplatzen der Keramik nicht erklärbar sei. Sie behauptet weiter, daß sie sich während des Urlaubs in Meran aufgrund der Beschädigung der Brücke eine schmerzhafte Verletzung an der Zunge zugezogen habe, welche dazu geführt habe, daß sie mehrere Tage lang keine feste Nahrung, sondern nur Suppe habe zu sich nehmen können und zudem unter erheblichen Schmerzen gelitten habe. Daß sie nunmehr eine Entlastungsschiene tragen müsse, beruhe darauf, daß auch die dritte Unterkieferbrücke nicht ordnungsgemäß hergestellt sei. Da die Brücke insgesamt neugefertigt werden müsse, könne sie von der Beklagten auch das für diese Brücke gezahlte Honorar zurückverlangen. Soweit die Beschwerden der Klägerin im übrigen darauf beruhten, daß die Beklagte behandlungsfehlerhaft eine weitere Grunderkrankung, nämlich das Vorliegen einer Myoarthropathie, nicht erkannt habe, sei der Beklagten mangels Aufklärung über die Ungeeignetheit der von ihr getroffenen Behandlungsmaßnahmen jedenfalls ein Aufklärungsfehler zur Last zu legen.

12Die Klägerin behauptet zudem, daß auch die im November 1999 eingegliederte Brücke im Oberkiefer nicht ordnungsgemäß hergestellt sei; unter der Brücke sammelten sich immer wieder Speisereste, was darauf zurückzuführen sei, daß zu große Lücken zwischen dem Zahnfleisch und den Brückengliedern bestünden. Die Brücke sei fehlerhaft hergestellt oder eingegliedert worden und müsse darum insgesamt neu hergestellt werden.

13Weiter behauptet die Klägerin, daß noch nicht absehbar sei, zu welchen Folgeschäden die fehlerhafte Behandlung durch die Beklagte in der Zukunft noch führen werde.

14Nach teilweiser Klagerücknahme des zunächst angekündigten Klageantrags zu 3) in Höhe von 2.549,82 DM (1.303,70 €) beantragt die Klägerin nunmehr,

1.15

16die Beklagte zu verurteilen, an sie wegen der fehlerhaften ärztlichen Behandlung in der Zeit von November 1998 bis Dezember 1999 ein angemessenes, in das Ermessen des Gerichts gestelltes Schmerzensgeld, mindestens aber 2.500,00 DM (1.278,23 €), nebst 4 % Zinsen seit dem 01.07.2000 zu zahlen,

2.17

18festzustellen, daß die Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin jeden weiteren materiellen Schaden zu ersetzen, der aus der fehlerhaften Behandlung von November 1998 bis Dezember 1999 entstehen wird, soweit Ansprüche nicht auf Dritte übergegangen sind,

3.19

die Beklagte zu verurteilen, an sie 5.783,97 DM (2.957,30 €) nebst 4 % Zinsen seit dem 01.07.2000 zu zahlen. 20

Die Beklagte beantragt, 21

die Klage abzuweisen. 22

23Die Beklagte bestreitet, daß die Klägerin infolge der Keramikabplatzungen unter erheblichen Beschwerden gelitten habe, zumal die betroffenen Stellen jeweils durch Zahnärzte poliert und geglättet worden seien. Sie behauptet, daß sie die Klägerin im Rahmen der dieser als Kassenpatientin zustehenden zahnärztlichen Versorgung nach den Regeln der ärztlichen Kunst behandelt habe. Die Keramik der ersten beiden Brücken der Zähne 44 bis 48 sei fehlerhaft hergestellt gewesen, dieser Mangel der ersten beiden Brücken sei aber durch die durchgeführte kostenfreie Neuanfertigung ordnungsgemäß nachgebessert worden. Daß die Klägerin möglicherweise auch heute noch Beschwerden verspüre und daß sie eine Entlastungsschiene tragen müsse, beruhe nicht auf einer Fehlbehandlung durch die Beklagte, sondern darauf, daß die Klägerin mit den Zähnen knirsche, möglicherweise auch auf einer Streßproblematik. Falls die Beschwerden der Klägerin darauf beruhten, daß sie an dem Krankheitsbild der Myoarthropathie leide, so sei dieses Krankheitsbild erst seit einiger Zeit und nur ganz wenigen Zahnärzten bekannt, weshalb es nicht zum allgemeinen zahnärztlichen

Standard gehöre, diese Erkrankung zutreffend zu diagnostizieren.

24Daß ferner auch im Oktober 2001 nach zwei Jahren Tragezeit ein Stückchen der Keramik an Zahn 44 abgeplatzt sei, beruhe auf normalen Verschleißerscheinungen und nicht auf einem Behandlungsfehler der Beklagten. Das Gleiche gelte für die Keramikabplatzung im Oberkiefer im Januar 2003.

25Auch die Oberkieferbrücke der Klägerin sei fehlerfrei hergestellt worden; daß sich unter den Brückengliedern Speisereste sammeln könnten, liege in der Natur der Sache und beruhe nicht auf einem Fehler der eingegliederten Brücke.

26Das Gericht hat Beweis erhoben gemäß Beweisbeschlüssen vom 22.02.2001 (Bl. 57 d. A.) und vom 10.07.2002 (Bl. 185 ff. d. A.) durch Einholung schriftlicher Sachverständigengutachten, Anhörung des Sachverständigen in der mündlichen Verhandlung und Vernehmung des Zeugen -------------------.

27Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf die Gutachten des Sachverständigen ------------------- vom 16.07.2001 (Bl. 75 ff. d. A.) und vom 03.01.2003 (Bl. 219 ff. d. A.), sowie auf die Sitzungsprotokolle vom 05.06.2002 (Bl. 158 ff. d. A.) und vom 28.05.2003 (Bl. 251 ff. d. A.) verwiesen.

28Hinsichtlich der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die von den Parteien zu den Akten gereichten Schriftsätze nebst Anlagen ergänzend Bezug genommen.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e 29

Die Klage ist zulässig, jedoch nur zu einem geringen Teil begründet. 30

Die Klägerin hat gegen die Beklagte einen Anspruch auf das zuerkannte Schmerzensgeld aus §§ 823 Abs. 1, 847 BGB a. F., da nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme zur Überzeugung des Gerichts feststeht, daß die Klägerin aufgrund eines Behandlungsfehlers der Beklagten während ihres Urlaubs in ------------------- eine Keramikabplatzung an der streitgegenständlichen Unterkieferbrücke erlitten hat, die ihr mehrere Tage lang Beschwerden bereitet hat.

32Hinsichtlich sämtlicher weiterer Beschwerden der Klägerin steht nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme fest, daß diese nicht auf einem von der Beklagten begangenen Behandlungsfehler im Sinne einer Verletzung des zahnmedizinischen Standards beruhen, weshalb eine Haftung der Beklagten insoweit nicht in Betracht kommt.

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Der Sachverständige -------------------, dessen plausible und nachvollziehbare Feststellungen sich die Kammer vollumfänglich zu eigen macht, hat zunächst hinsichtlich der von der Beklagten insgesamt dreimal angefertigten Unterkieferbrücke festgestellt, daß die zunächst hergestellten und eingegliederten zwei Modelle dieser Brücke zahntechnische Herstellungsfehler aufwiesen. Für deren Folgen haftet die Beklagte grundsätzlich. Der Sachverständige hat insoweit nachvollziehbar beanstandet, daß die Krone über dem Zahn 48, welche angesichts der Bißlage der Klägerin so kurz wie nur möglich hätte gestaltet werden müssen, überflüssigerweise mit hohen Höckern und einer strukturierten Kaufläche hergestellt wurde, welche für die Bißsituation der Klägerin ungünstig waren. Die Kammer folgt dem Sachverständigen auch dahingehend, 31

daß es eine Verletzung der Regeln der ärztlichen Kunst darstellte, daß die Brückenglieder dieser Brücke in derselben Breite wie die natürlichen Backenzähne gefertigt worden sind, obwohl sie entweder schmaler oder stärker eingerundet hätten hergestellt werden müssen. Dies führte - zusammen mit der Grunderkrankung der Klägerin, auf welche im Folgenden noch einzugehen sein wird - zu einer störenden Artikulation und zu Balancekontakten, welche die Beklagte behandlungsfehlerhaft nicht erkannt hat. Infolgedessen - und auch aufgrund der Grunderkrankung der Klägerin - war die Keramikverblendung der Zähne 46 und 47 mit einem höheren Risiko von Abplatzungen behaftet, so daß man der Klägerin hätte empfehlen müssen, diese Kronen als Vollmetallkronen herzustellen. Für die materiellen und immateriellen Schäden, die der Klägerin aufgrund der nicht angezeigten Verblendung dieser Kronen mit Keramik entstanden sind, hat die Beklagte deshalb einzustehen.

34Der Sachverständige -------------------, dem die Kammer auch insoweit folgt, hat aber zugleich auch festgestellt, daß diese Mängel der ersten und zweiten Brücke bei der Herstellung der dritten Brücke, welche die Klägerin noch heute beschwerdefrei trägt, weitestgehend korrigiert worden sind, so daß die zahnmedizinischen Standards hinsichtlich dieser Brücke nunmehr gewahrt sind und die Klägerin diese Brücke weiterhin tragen kann. Eine Neuanfertigung der Unterkieferbrücke ist entgegen der Auffassung der Klägerin nicht erforderlich.

35Hinsichtlich der sonstigen Beschwerden der Klägerin hat der Sachverständige ------------- ------ nachvollziehbar festgestellt, daß diese - und auch zum Teil die wiederholten Keramikabplatzungen an der Unterkieferbrücke rechts - darauf zurückzuführen sind, daß die Klägerin an einer von der Beklagten nicht erkannten Funktionserkrankung des Kauorgans, einer sog. "Myoarthropathie" leidet. Die Kammer macht sich insoweit allerdings auch die weiteren, von Sachkunde getragenen Ausführungen des Sachverständigen zu eigen, wonach es nicht als Behandlungsfehler zu werten ist, daß die Beklagte das Vorliegen dieses Krankheitsbildes nicht bereits vor der Anfertigung der ersten Brücke erkannt hat, weil es sich um eine erst seit kurzem bekannte Erkrankung handelt, deren Behandlung nicht oder nur zum Teil von den Krankenkassen bezahlt wird und deren sichere Diagnose und Behandlung nur wenigen Spezialisten möglich ist, aber nicht zum allgemeinen zahnärztlichen Standard gehört.

36Der Sachverständige hat allerdings auch ausgeführt, daß die Beklagte, nachdem es wiederholt zum Abplatzen der Keramik an Zahn 47 gekommen war, eine entsprechende Ursachenforschung hätte betreiben und die Verdachtsdiagnose einer Myoarthropathie hätte stellen müssen und daß das Unterlassen dieser Diagnose behandlungsfehlerhaft war. Nach den diesbezüglichen Feststellungen des Sachverständigen, denen die Kammer folgt, war das Wissen um das Krankheitsbild der Myoarthropathie unter den niedergelassenen Zahnärzten in den Jahren 1998 und 1999 bereits so weit verbreitet, daß die Beklagte zumindest deren Vorliegen als möglich hätte ansehen und der Klägerin zu einer Behandlung bei einem Spezialisten hätte raten müssen. Soweit der Klägerin durch diese nicht gestellte Diagnose der bestehenden Myoarthropathie materielle und immaterielle Schäden entstanden sind, ist die Beklagte deshalb auch verpflichtet, diese Schäden zu ersetzen. Soweit die Klägerin insoweit auch einen Aufklärungsfehler der Beklagten annehmen will, ist dem allerdings nicht zu folgen, da nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme die unterlassene Diagnose der Myoarthropathie als behandlungsfehlerhaft zu bewerten ist; die ärztliche Aufklärungspflicht erstreckt sich aber grundsätzlich nicht auf mögliche Behandlungsfehler, da insoweit eine wirksame Einwilligung des Patienten ohnehin

nicht in Betracht kommt.

In bezug auf die Oberkieferbrücke über den Zähnen 15 bis 17 steht schließlich nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme zur Überzeugung der Kammer fest, daß diese Brücke lege artis hergestellt worden ist. Der Sachverständige ------------------- hat insoweit nachvollziehbar festgestellt, daß zwar die Randschlüsse der Kronen an den Zähnen 14 und 15 nicht optimal sind, daß aber die Regeln der zahnärztlichen Kunst noch gewahrt sind. Ein Behandlungsfehler der Beklagten ist deshalb in bezug auf die Paßform dieser Kronen zu verneinen. Nach den weiteren Feststellungen des Sachverständigen, die die Kammer sich ebenfalls zu eigen macht, ist auch - entgegen der Auffassung der Klägerin - der Abstand der Brückenglieder dieser Brücke zum Zahnfleisch keinesfalls zu groß, sondern vergleichsweise - wenn auch nicht in einem solchen Maße, daß es als fehlerhaft zu bezeichnen wäre - gering. Die Unannehmlichkeiten, die der Klägerin durch das Hängenbleiben von Speiseresten unter dieser Brücke entstehen, liegen nach den auch insoweit plausiblen Ausführungen des Sachverständigen in der Natur der Sache und sind von der Klägerin durch erhöhten Pflegeaufwand, welcher mit Zahnersatz im Vergleich zu natürlichen Zähnen stets verbunden ist, zu beheben.

38Hinsichtlich der materiellen und immateriellen Schäden, welche der Klägerin durch die zweimalige zahnprothetisch fehlerhafte Herstellung der Unterkieferbrücke, durch die Verblendung der Kronen dieser Brücke über den Zähnen 46 und 47, sowie durch die von der Beklagten nicht diagnostizierte Myoarthropathie entstanden sind, steht nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme folgendes fest:

39Durch die zunächst vorhandenen Herstellungsmängel des ersten und des zweiten Modells der Unterkieferbrücke ist der Klägerin letztlich ein materieller Schaden nicht entstanden, da die Beklagte diese Mängel kostenfrei durch die Herstellung der dritten, grundsätzlich nicht mehr zu beanstandenden Brücke beseitigt hat. Nach den auch insoweit überzeugenden Feststellungen des Sachverständigen sind die zunächst vorhandenen Mängel des Zahnersatzes bei der Herstellung dieser Brücke weitestgehend behoben worden, so daß die Klägerin diese Brücke grundsätzlich weiterhin tragen kann.

40Auch durch die zahnmedizinisch nicht indizierte Keramikverblendung der Kronen über den Zähnen 46 und 47 bei den ersten beiden Brückenmodellen ist der Klägerin nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme ein materieller Schaden nicht entstanden. Der Sachverständige -------------------, dessen Feststellungen die Kammer folgt, hat hierzu detailliert ausgeführt, daß der Klägerin durch diese Keramikverblendungen Mehrkosten nicht entstanden sind, da dann, wenn diese Kronen von Anfang an als Vollgußkronen hergestellt worden wären, zwar die zahnärztliche Honorarrechnung als solche etwas niedriger gewesen wäre (26,40 DM je Krone), demgegenüber jedoch die Laborrechnung, welche bis auf einen von der Krankenkasse gezahlten Festbetrag von der Klägerin zu tragen gewesen wäre, im Hinblick auf den höheren Goldbedarf um einen Betrag, der den des eingesparten Honorars übersteigt (45,49 DM je Krone) erhöht gewesen wäre. Die Klägerin hat folglich durch den Einsatz der keramikverblendeten Kronen und deren unentgeltlichen Ersatz durch Vollgußkronen letztlich weniger aufwenden müssen, als dies bei einer anfänglichen Planung der Brücke mit Vollgußkronen der Fall gewesen wäre.

41

Allerdings steht aufgrund der Vernehmung des Zeugen ------------------- zur Überzeugung der Kammer fest, daß die Klägerin aufgrund der während des Urlaubs in ------------------- 37

aufgetretenen Keramikabplatzung an dieser Brücke unter Beschwerden und Unannehmlichkeiten zu leiden hatte: Sie mußte sich zunächst notfallmäßig im Urlaub von einem Zahnarzt behandeln lassen, zudem hatte sie eine schmerzhafte Verletzung an der Zunge, aufgrund derer sie mehrere Tage lang keine gewürzten Speisen zu sich nehmen konnte und Schwierigkeiten beim Sprechen hatte. Zum Ausgleich dieser Beschwerden hält die Kammer das zugesprochene Schmerzensgeld in Höhe von 250,00 für angemessen, aber auch ausreichend.

42Hinsichtlich sämtlicher weiterer Schmerzen und Beschwerden der Klägerin, namentlich der am 29.11.1999 aufgetretenen Zahn- und Ohrenschmerzen, steht indes nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme aufgrund der plausiblen Feststellungen des Sachverständigen ------------------- zur Überzeugung der Kammer fest, daß diese Beschwerden nicht auf einem Behandlungsfehler der Beklagten, sondern auf der bei der Klägerin vorliegenden Grunderkrankung, der Myoarthropathie, beruhen. Diese Krankheit lag aber bereits vor der Eingliederung der streitgegenständlichen Brücken vor und wurde durch diese nach den überzeugenden Feststellungen des Sachverständigen auch im Ergebnis nicht beeinflußt. Soweit der Sachverständige diesbezüglich festgestellt hat, dass die Eingliederung der dritten Brücke einen akuten Schub der Erkrankung ausgelöst hat, war gerade diese Brücke nach seinen weiteren Feststellungen mangelfrei. Zudem hat der Sachverständige auch ausgeführt, dass jede Veränderung im Mund der Klägerin - unabhängig von etwaigen Behandlungsfehlern - einen solchen Schub auslöst. Auch die behandlungsfehlerhaft nach den mehrfachen Abplatzungen der Keramik nicht gestellte Diagnose dieser Erkrankung durch die Beklagte hat nicht zu weiteren materiellen und immateriellen Schäden der Klägerin geführt: Der Sachverständige hat hierzu nachvollziehbar dargestellt, daß es zur Behandlung der durch die Myoarthropathie hervorgerufenen Beschwerden der Klägerin erforderlich gewesen wäre, nach dem Eingliedern der dritten Brücke zunächst eine Schienentherapie durchzuführen und anschließend geringfügige, aber gezielte Einschleifmaßnahmen an der Unterkieferbrücke vorzunehmen, wobei allerdings nur die Durchführung der Schienentherapie zum Behandlungsstandard bei Kassenpatienten gehört und die übrigen Kosten von der Klägerin selbst zu tragen wären. Insoweit steht aber nach dem unstreitigen Sachverhalt fest, daß die Beklagte der Klägerin zur Durchführung einer Schienentherapie geraten hat und die Klägerin diese Behandlung abgelehnt hat. Auch während des Verlaufs des Rechtsstreits hat die Klägerin bis zur Gegenwart die von dem Sachverständigen empfohlenen Behandlungsmaßnahmen nicht durchführen lassen; sie ist heute beschwerdefrei und trägt die ihr von der Nachbehandlerin verordnete Schiene nicht. Da die Klägerin also auch nach der Diagnose der Myoarthropathie entsprechende Behandlungsmaßnahmen nicht hat durchführen lassen, hat sich die verspätete Diagnose dieser Grunderkrankung für sie im Ergebnis nicht schädigend ausgewirkt, da die Klägerin eine entsprechende Behandlung trotz des dahingehenden ärztlichen Rats der Beklagten, der Nachbehandlerin und des Sachverständigen gerade nicht durchgeführt hat.

43Soweit es schließlich während des Verlaufs des Rechtsstreits zu weiteren Keramikabplatzungen gekommen ist, hat der Sachverständige ------------------überzeugend ausgeführt, daß aufgrund der bei der Klägerin bestehenden Myoarthropathie, solange diese unbehandelt bleibt, mit weiteren Folgeschäden zu rechnen ist, diese aber nicht der Beklagten anzulasten sind. Die der Beklagten vorzuwerfenden Behandlungsfehler hat der Sachverständige detailliert und abschließend festgestellt und in überzeugender Weise ausgeführt, daß der Klägerin hierdurch mit Ausnahme der Keramikabplatzungen an Zahn 47 keine weiteren

44Schäden entstanden sind. Aus diesem Grund war auch der mit der Klage erhobene Feststellungsantrag im Ergebnis abzuweisen, da nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme feststeht, daß weitere Schäden aufgrund der zunächst bestehenden, aber durch die Beklagte bereits selbst korrigierten Mängel der Unterkieferbrücke nicht zu erwarten sind und die Oberkieferbrücke lege artis hergestellt worden ist.

45Der zuerkannte Zinsanspruch ergibt sich aus § 288 BGB, wobei allerdings als Zinsbeginn entsprechend dem verzugsbegründenden Schreiben der Klägerin vom 12.07.2000 und der dortigen Fristsetzung bis zum 31.07.2000 der 01.08.2000 anzusetzen war.

46Die Kostenentscheidung beruht auf § 92 Abs. 2, 269 Abs. 3 ZPO, die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus §§ 708 Nr. 11, 711 ZPO.

Streitwert: 47

bis zum 16.08.2201: 48

Klageantrag zu 1): 1.278,23 (2.500,00 DM) 49

Klageantrag zu 2): 1.000,00 50

insgesamt: 2.278,23 51

vom 17.08.2001 bis zum 26.08.2001: 52

Klageantrag zu 1): 1.278,23 (2.500,00 DM) 53

Klageantrag zu 2): 1.000,00 54

Klageantrag zu 3): 4.261,00 (8.333,79 DM) 55

insgesamt: 6.539,23 56

ab dem 27.08.2001: 57

Klageantrag zu 1): 1.278,23 (2.500,00 DM) 58

Klageantrag zu 2): 1.000,00 59

Klageantrag zu 3): 2.957,30 (5.783,97 DM) 60

insgesamt: 5.235,53 61

U1 U2 U3 62

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