Urteil des LAG Rheinland-Pfalz vom 07.12.2009, 11 Ta 253/09

Aktenzeichen: 11 Ta 253/09

LArbG Mainz: arbeitsgericht, beschwerdeschrift, akte, einzahlung, quelle, schriftstück, verfahrensrecht, datum, gehalt, prozesshandlung

LAG

Mainz

07.12.2009

11 Ta 253/09

Zahlungseingang nach Aufhebung der Prozesskostenhilfebewilligung

Aktenzeichen: 11 Ta 253/09 6 Ca 198/09 ArbG Koblenz - AK Neuwied -

Beschluss vom 07.12.2009

Tenor:

1. Der Nichtabhilfebeschluss des Arbeitsgerichts Koblenz - Auswärtige Kammern Neuwied - vom 20. Oktober 2009 wird aufgehoben.

2. Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei.

3. Die Rechtsbeschwerde zum Bundesarbeitsgericht wird nicht zugelassen.

Gründe:

I. Durch Beschluss vom 02.03.2009 - 6 Ca 198/09 - bewilligte das Arbeitsgericht Koblenz - Auswärtige Kammern Neuwied - dem Kläger Prozesskostenhilfe unter Beiordnung von Rechtsanwalt L. und setzte monatliche Raten in Höhe von 30,00 €, zu zahlen ab dem 01.04.2009 fest.

Mit Schreiben vom 11.03.2009 wurde der Kläger aufgefordert, Ratenzahlungen in Höhe von 30,00 €, zahlbar am 1. jeden Monats, erstmals am 01.04.2009 zu leisten. Hieran wurde er mit Schreiben vom 23.04.2009 erinnert. Mit Schreiben vom 09.06.2009 wurde er letztmalig aufgefordert, monatliche Raten zu zahlen, verbunden mit dem Hinweis, dass er sich bereits mit drei Monatsraten im Rückstand befinde und der Aufforderung 90,00 bis zum 30.06.2009 zu zahlen.

Am 24.06.2009 zahlte der Kläger 40,00 bei der Gerichtszahlstelle Neuwied ein.

Mit Schreiben vom 07.08.2009 wurde der Kläger sodann aufgefordert, einen fälligen Betrag in Höhe von 110,00 bis zum 28.08.2009 zu leisten. Nachdem kein Zahlungseingang durch den Kläger zu verzeichnen war, hob der Rechtspfleger beim Arbeitsgericht Neuwied durch Beschluss vom 31.08.2009 den Bewilligungsbeschluss vom 02.03.2009 auf. Dieser Beschluss wurde dem Klägervertreter zugestellt am 03.09.2009.

Am 24.09.2009 wurden weitere 40,00 bei der Gerichtszahlstelle in Neuwied eingezahlt. Daraufhin teilte der Rechtspfleger dem Kläger mit, dass die Prozesskostenhilfe gemäß § 124 Nr. 4 ZPO aufgehoben worden sei. Er teilte dem Kläger weiter mit, dass er den Zahlungseingang in Höhe von 40,00 vom 24.09.2009 als sofortige Beschwerde auslege. Weiter fragte der Rechtspfleger an, ob die sofortige Beschwerde zurückgenommen werde. Der Kläger wurde schließlich darauf hingewiesen, dass er sich bereits mit mehr als drei Monatsraten im Rückstand befinde (fälliger Betrag 100,00 €). Der Rechtspfleger

bereits mit mehr als drei Monatsraten im Rückstand befinde (fälliger Betrag 100,00 €). Der Rechtspfleger wies den Kläger weiter darauf hin, dass dann, wenn innerhalb einer Frist von zwei Wochen weder ein Zahlungseingang in Höhe von 100,00 vorliege noch die sofortige Beschwerde zurückgenommen werde, die sofortige Beschwerde dem Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz zur Entscheidung vorgelegt werde, die Beschwerde könne dann kostenpflichtig zurückgewiesen werden.

Nachdem in der gesetzten Frist weder ein Zahlungseingang zu verzeichnen war noch eine Äußerung des Klägers bei Gericht einging, half der Rechtspfleger beim Arbeitsgericht Koblenz - Auswärtige Kammern Neuwied - der "sofortigen Beschwerde" vom 25.09.2009 gegen den Beschluss vom 31.08.2009 durch Beschluss vom 20. Oktober 2009 nicht ab und übersandte die Akte an das Landesarbeitsgericht zur Entscheidung über die sofortige Beschwerde.

Der Kläger hat innerhalb der ihm gesetzten Frist die "Beschwerde" nicht begründet.

II. Der Nichtabhilfebeschluss des Arbeitsgerichts Koblenz - Auswärtige Kammern Neuwied - vom 20. Oktober 2009 war aufzuheben, da vom Kläger keine sofortige Beschwerde gegen den Beschluss des Arbeitsgerichts Koblenz - Auswärtige Kammern Neuwied vom 31. August 2009 eingelegt wurde.

Gemäß § 569 Abs. 2 ZPO wird die Beschwerde durch Einreichung einer Beschwerdeschrift eingelegt. Hierbei muss die Beschwerdeschrift die Bezeichnung der angefochtenen Entscheidung sowie die Erklärung enthalten, dass Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt werde. Die Beschwerde kann gemäß § 569 Abs. 2 ZPO auch zu Protokoll der Geschäftstelle eingelegt werden.

Im vorliegenden Fall hat der Rechtspfleger beim Arbeitsgericht Koblenz - Auswärtige Kammern Neuwied - den Zahlungseingang vom 24.09.2009 als sofortige Beschwerde ausgelegt. Der Kläger hat sich zu dieser vom Arbeitsgericht vorgenommenen Auslegung in der ihm gesetzten Frist nicht geäußert.

Der Eingang allein einer Zahlung genügt nicht den Anforderungen des § 569 ZPO. Zwar gilt im Verfahrensrecht der Grundsatz, dass eine Parteihandlung mit einem prozessrechtlichen Gehalt auszulegen und als bestimmte Handlungsform gegebenenfalls analog § 140 BGB (um-)zudeuten ist, wenn sie die Voraussetzungen der Prozesshandlung erfüllt und ein entsprechender maßgeblicher Parteiwille zu erkennen ist. Dabei ist dem erkennbaren Parteiwillen Rechnung zu tragen, eine gerichtliche Entscheidung nicht akzeptieren zu wollen, weil sie der Rechtslage nicht entspreche.

Ein irgendwie geartetes Schriftstück, das vom Kläger herrührt, oder eine Erklärung an der Rechtsantragstelle liegt im vorliegenden Fall gerade nicht vor. Der in der Akte befindlichen Zahlungsanzeige kann nicht einmal entnommen werden, ob der Kläger selbst die Einzahlung von Gerichtskosten vorgenommen hat.

Ein Rechtsmittel ist gegen die vorliegende Entscheidung nicht gegeben. Die Rechtsbeschwerde zum Bundesarbeitsgericht konnte angesichts der gesetzlichen Kriterien von §§ 78 S. 2, 72 Abs. 2 ArbGG nicht zugelassen werden.

Urteil herunterladen
Informationen
Optionen
Sie suchen einen Anwalt?

Wir finden den passenden Anwalt für Sie! Nutzen Sie einfach unseren jusmeum-Vermittlungsservice!

Zum Vermittlungsservice