Urteil des LAG Rheinland-Pfalz, Az. 9 Ta 104/08

LArbG Mainz: gebühr, geschäftsführer, vertretung, verfügung, quelle, unterliegen, auszahlung, arrest, datum, nettoeinkommen
LAG
Mainz
09.06.2008
9 Ta 104/08
Prozesskostenhilfe
Aktenzeichen:
9 Ta 104/08
2 Ca 1883/07
ArbG Trier
Beschluss vom 09.06.2008
Tenor:
1. Auf die sofortige Beschwerde des Beklagten wird der Beschluss des Arbeitsgerichts Trier vom
06.05.2008, Az. 2 Ca 1883/07, teilweise abgeändert:
Dem Beklagten wird mit Wirkung ab dem 01.02.2008 unter Beiordnung von Rechtsanwalt D.
Prozesskostenhilfe bewilligt, soweit der Beklagte beabsichtigt sich gegen folgende, mit der Klage geltend
gemachte Forderungen zu verteidigen:
Barabhebungen von Konto-Nr. 000000 (Klageschrift zu IV, S.9, 10; darauf entfallende Klageforderung:
144.620,40 EUR)
Einrichtung eines Dauerauftrags über 500,- EUR (Klageschrift zu VI, S. 15; darauf entfallende
Klageforderung: 15.000,- EUR)
Einbehalt von Geldbeträgen aus Nachnahmesendungen (Klageschrift zu VII, S. 16; darauf entfallende
Klageforderung: 344.299,98 EUR)
Auszahlung von Geldbeträgen über das Steuerberatungsbüro (Klageschrift zu VIII, S. 17, 18; darauf
entfallende Klageforderung 326.779,73 EUR).
Im genannten Umfang erfolgt die Bewilligung mit der Maßgabe, dass der Kläger vorerst keine Raten aus
Einkommen oder Vermögen zu leisten hat.
2. Im Übrigen wird die sofortige Beschwerde des Beklagten zurückgewiesen.
3. Die Gebühr nach Nr. 8614 der Anl. 1 zum GKG wird auf 20 EUR ermäßigt.
4. Die Rechtsbeschwerde wird nicht zugelassen.
Gründe:
Die zulässige sofortige Beschwerde des Beklagten hat teilweise Erfolg. Der Beklagte hat im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens vor dem Landesarbeitsgericht zulässigerweise (vgl. § 571 Abs. 2 S. 1 ZPO)
ergänzende Tatsachen geltend gemacht bei deren Berücksichtigung sich ergibt, dass der Beklagte derzeit
nicht in der Lage ist, die Kosten der Rechtsverteidigung aufzubringen.
Insbesondere hat der Beklagte dargelegt, dass die von der Klägerin im Schriftsatz vom 24.01.2008
aufgeführten Vermögensgegenstände/Forderungen aufgrund der von der Klägerin erwirkten
Arrestbeschlüsse des Landgerichts Trier in den Verfahren Aktenzeichen 1 O 3/0511 O 456/04 und 11 O
26/05 einem dinglichen Arrest unterliegen und es sich deshalb um gegenwärtig durch den Beklagten bzw.
seine Ehefrau nicht verwertbares Vermögen handelt. Ebenso hat der Beklagte im Beschwerdeverfahren
dargelegt, dass bezüglich der Einnahmen seiner Ehefrau die Vorlage eines aktuellen
Einkommenssteuerbescheids wegen einer laufenden Betriebsprüfung nicht möglich ist und insoweit nur
auf den Bescheid des Jahres 2005 verwiesen werden kann. Auch hat der Beklagte eine aktuelle
Lohnabrechnung vorgelegt.
Unter Berücksichtigung dieser Angaben ergibt sich ein aktuelles monatliches Nettoeinkommen des
Beklagten in Höhe von 775,52 EUR und der Ehefrau von 614,83 EUR. Unter Berücksichtigung der
Freibeträge/Kosten nach § 115 Abs. 1 Nr. 1 b, Nr. 2 a), b), Nr. 3 ZPO steht kein im Sinne des § 115 Abs. 2
ZPO einzusetzendes Einkommen zur Verfügung.
Eine Rechtsverteidigung des Beklagten bietet allerdings nur teilweise hinreichende Aussicht auf Erfolg im
Sinne des § 114 ZPO. Der Beklagte ist in seinem Schriftsatz vom 01.02.2008 den mit der Klage geltend
gemachten Forderungen nur zum Teil, nämlich hinsichtlich der aus dem Tenor dieses Beschlusses
ersichtlichen Teilforderungen entgegengetreten. Soweit dies geschehen ist, können der
Rechtsverteidigung hinreichende Erfolgsaussichten nicht abgesprochen werden, nachdem der Beklagte
unter Vorlage des gegen den Geschäftsführer der Klägerin gerichteten Strafbefehls behauptet hat, mit
dessen Billigung gehandelt zu haben.
Die Rechtsverteidigung erfolgt insoweit auch nicht mutwillig. Die zum Teil die Grenzen des Zulässigen
überschreitenden Anwürfe des Beklagten gegen die Vorsitzende der erstinstanzlichen Kammer im
Prozesskostenhilfeverfahren verdeutlichen, dass der Beklagte selbst ohne anwaltliche Vertretung zu
einem sachgerechten Vortrag möglicherweise nicht in der Lage ist.
Der angefochtene Beschluss war daher wie geschehen teilweise abzuändern. Dies rechtfertigt die
Herabsetzung der Gebühr nach Nr. 8614 der Anl. 1 zum GKG wird auf 20 EUR. Ein Grund, der die
Zulassung der Rechtsbeschwerde rechtfertigen könnte, besteht nicht. Dieser Beschluss ist daher nicht
anfechtbar.