Urteil des LAG Köln, Az. 4 Sa 590/08

LArbG Köln: ordentliche kündigung, rauchverbot, betriebsrat, persönliche anhörung, abmahnung, form, arbeitsgericht, hof, lebensmittel, zustand
Landesarbeitsgericht Köln, 4 Sa 590/08
Datum:
01.08.2008
Gericht:
Landesarbeitsgericht Köln
Spruchkörper:
4. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
4 Sa 590/08
Vorinstanz:
Arbeitsgericht Bonn, 1 Ca 2399/07
Schlagworte:
Kündigung wegen Verstoßes gegen Rauchverbot
Normen:
§ 1 KSchG, § 6 KSchG
Sachgebiet:
Arbeitsrecht
Leitsätze:
Rauchen in einem Bereich eines Lebensmittel-Betriebes, in dem ein
Rauchverbot gilt, kann jedenfalls nach wiederholter Abmahnung eine
ordentliche Kündigung auch bei langer Betriebszugehörigkeit des
Arbeitnehmers rechtfertigen.
Tenor:
Die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Bonn
vom 28. Februar 2008
- 1 Ca 2399/07 - wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.
Die Revision wird nicht zugelassen.
T a t b e s t a n d
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Die Parteien streiten über eine ordentliche verhaltensbedingte Kündigung.
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Wegen des erstinstanzlichen streitigen und unstreitigen Vorbringens sowie der
erstinstanzlich gestellten Anträge wird gemäß § 69 Abs. 1 ArbGG auf den Tatbestand
des angefochtenen Urteils Bezug genommen.
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Das Arbeitsgericht hat die Kündigungsschutzklage abgewiesen. Gegen dieses ihm am
09.04.2008 zugestellte Urteil hat der Kläger am 07.05.2008 Berufung eingelegt und
diese am 05.06.2008 begründet.
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Er beruft sich zunächst auf § 2 Ziffer 10 BMTV für die Angestellten, gewerblichen
Arbeitnehmer und Auszubildenden der Süßwarenindustrie, der – das bestreitet die
Beklagte nicht – aufgrund beiderseitiger Tarifgebundenheit zwischen den Parteien gilt.
Der Kläger meint, die Ausnahmen des § 2 Ziffer 10 a bis f BMTV griffen im vorliegenden
Fall nicht, so dass die ordentliche Kündigung ausgeschlossen sei.
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Der Kläger meint darüber hinaus, § 40 Ziffer 3 der Arbeitsordnung (Bl. 115 ff. d. A.).
verbiete das Rauchen im Lager nicht, da dieses kein Produktionsraum sei. Ein Verbot in
anderen Teilen sei bis zum Ausspruch der Kündigung nicht ergangen. Jedenfalls sei
das Mitbestimmungsrecht des § 87 Abs. 1 Ziffer 1 BetrVG bei einer solchen Regelung
nicht eingehalten. Deshalb – so meint der Kläger – seien auch schon die
vorausgegangenen Abmahnungen zu Unrecht ergangen. Frühere Abmahnungen
wegen anderer Verstöße seien auch nicht mehr relevant, weil der Kläger bis Februar
2005 Alkoholiker gewesen sei und im Februar 2005 nach einer Entzugsmaßnahme
trocken geworden sei.
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Schließlich meint der Kläger, sein Verhalten müsse weniger gravierend gewichtet
werden, weil die Beklagte ihrerseits bei Hygienefragen fehlende oder falsche
Maßnahmen anwende. Er verweist darauf, dass die Beklagte zum Fangen von Mäusen
einen Kammerjäger einsetze und zusätzlich der Mitarbeiter L pro Woche etwa 20 Mäuse
auf einem Pappdeckel mit Klebstoff fange. Die Mäuse würden oft nicht sofort gefunden
und blieben in verwesten Zustand dort.
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Zigarettenrauch sei vergleichsweise unschädlich. Dies gelte erst recht, wenn man
berücksichtige, dass im Lager wie im Keller sämtliche Lebensmittel fest in Plastiktüten
verschlossen seien und die Plastiktüten sich in mit Klebestreifen verschlossenen
Kartons befänden.
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Auch würden mit einem motorbetriebenen Stapler Waren regelmäßig sortiert.
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Schließlich habe er, der Kläger, am 27.07.2007 wegen zahlreicher aufgrund des zu
erwartenden Audits des Kunden anstehender Arbeiten die Pausenzeit durcharbeiten
müssen.
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Schließlich äußert der Kläger Zweifel, ob die Antwort des Betriebsrats vom 14.08.2007
bereits endgültig gewesen sei. Der Betriebsrat habe sich in diesem Schreiben
ausdrücklich eine anderweitige Entscheidung nach Anhörung des Klägers vorbehalten.
Die Beklagte – so der Kläger – habe deshalb mit dem Ausspruch der Kündigung
entsprechend warten müssen.
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Der Kläger beantragt,
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unter Abänderung des Urteils des Arbeitsgerichts Bonn vom 28.02.2008 – 1 Ca
2399/07 – nach den Schlussanträgen des Klägers in erster Instanz zu
entscheiden.
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Die Beklagte beantragt,
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die Berufung zurückzuweisen.
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Die Beklagte verteidigt das erstinstanzliche Urteil.
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Zur Arbeitsordnung beruft sie sich darauf, dass nach dem gemeinsamen Verständnis
aller Betriebsangehörigen zu den Produktionsräumen der gesamte Lebensmittelbereich
zähle, also alle Räume mit Ausnahme der Verwaltung und der Außenbereiche (Hof und
Parkplätze). Das strikte Rauchverbot gelte daher unstrittig seit vielen Jahren mit
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Zustimmung des Betriebsrats auch im Lagerbereich. Die Beklagte beruft sich ferner
darauf – was aufgrund des erstinstanzlichen Vortrags unstreitig ist -, dass auch das
Fertigwarenlager durch entsprechende nicht übersehbare Symbole gekennzeichnet sei.
Im Übrigen sei der Kläger dort angetroffen worden, wo Fertigwaren und Rohstoffe
gelagert und – im Kellergeschoss – auch verarbeitet würden. In diesem Bereich würden
Mandeln veredelt, der dabei entstehende Mandelstaub sei explosionsgefährdet.
Schließlich diene das Rauchverbot nicht nur dem lebensmittelrechtlichen
Kontaminationsschutz, sondern auch dem Brandschutz, da im Lager auch leicht
entflammbare Verpackungen lagerten.
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Schließlich sei es für sie, die Beklagte, schlechterdings nicht nachvollziehbar, warum
der Kläger nicht den Aufenthaltsraum, der – das ist unstreitig – unmittelbar an das Lager
grenze und in dem Rauchen gestattet sei, zum Rauchen genutzt habe.
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Soweit der Kläger sich auf die Mäuseplage berufe, so treffe seine Behauptung nicht zu
und erfolge ins Blaue hinein, dass die Mäuse teilweise tagelang in verwestem Zustand
liegen blieben.
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Was den Gabelstapler anbelange, so würden – das bestreitet der Kläger nicht –
innerhalb des Lagers Elektrohubwagen verwendet. Ein gasbetriebener Stapler sei für
den Transport von Paletten auf dem Hof bestimmt.
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Wegen des übrigen Vorbringens der Parteien wird auf die zwischen diesen
gewechselten Schriftsätze Bezug genommen, die Gegenstand der mündlichen
Verhandlung waren.
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E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e
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Die zulässige, form- und fristgerecht eingelegte und begründete Berufung des Klägers
hat in der Sache keinen Erfolg.
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Die Kammer folgt zunächst den ausführlich begründeten und überzeugenden
Entscheidungsgründen des Arbeitsgerichts und sieht deshalb von einer erneuten
Darstellung dieser Gründe ab (§ 69 Abs. 2 ArbGG).
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Im Hinblick auf die Argumente der Berufung sei Folgendes ergänzt:
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1. Der Kläger beruft sich zunächst auf § 2 Ziffer 10 BMTV für die Angestellten,
gewerblichen Arbeitnehmer und Auszubildenden der Süßwarenindustrie und ist der
Auffassung, die Beklagte habe ihm nur außerordentlich kündigen können.
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a) Die Kammer hat bereits erhebliche Zweifel, ob angesichts der Regelung des § 6
KSchG der Kläger diesen Unwirksamkeitsgrund noch geltend machen kann (vgl. BAG,
08.11.2007 – 2 AZR 314/06 -). Auch auf einen insoweit fehlenden Hinweis des
Arbeitsgerichts § 6 S. 2 KSchG könnte der Kläger sich nach Auffassung der Kammer
nicht berufen, da diese Hinweispflicht nach zutreffender Auffassung (vgl. APS/Ascheid,
§ 6 KSchG Rn. 22; ErfK-Kiel, § 6 KSchG Rn. 6 m. w. N.) nicht bedeutet, dass das
Arbeitsgericht von sich aus alle denkbaren Unwirksamkeitsgründe vom Amts wegen
abfragen müsste. Die Hinweispflicht knüpft vielmehr an die konkrete prozessuale
Situation an, so dass sie erst dann eintritt, wenn aus dem Parteivortrag konkrete
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Anhaltspunkte dafür gegeben sind, dass andere Unwirksamkeitsgründe erkennbar in
Betracht kommen. Der Kläger hatte erstinstanzlich nicht zur Tarifbindung der Parteien
vorgetragen, geschweige denn auf einen konkreten Tarifvertrag Bezug genommen.
b) Davon abgesehen aber ist die Kündigung nicht nach § 2 Ziffer 10 BMTV unwirksam.
Denn der Ausschluss der ordentlichen Kündigung gilt nach Ziffer 10 S. 2 b) nicht bei
Kündigungen mit Zustimmung des Betriebsrats.
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Im vorliegenden Fall hatte der Betriebsrat mit Schreiben vom 14.08.2007 auf den Antrag
der Beklagten auf Zustimmung zur ordentlichen Kündigung vom 08.08.2007 wie folgt
geantwortet:
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"Sehr geehrte Herren,
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hiermit teilen wir Ihnen mit, dass der Betriebsrat Ihrem oben genannten Antrag
zustimmt.
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Allerdings befindet sich Herr R bis zum 26.08.07 in Urlaub, wodurch eine
persönliche Anhörung zur Zeit nicht möglich ist.
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Der Betriebsrat wird diese umgehend nach der Wiederkehr des Herrn R
durchführen. Sollte Herr R dem Vorwurf, der zu Ihrem oben genannten Antrag
geführt hat, widersprechen, behält sich der Betriebsrat vor, seine Entscheidung,
der Kündigung zuzustimmen, neu zu überdenken."
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Aus dem Zusammenhang dieser Erklärung ergibt sich eindeutig, dass der Betriebsrat
dem Ausspruch der Kündigung zustimmt. Der Betriebsrat verweist nämlich darauf, dass
Herr R bis zum 26.08.2007 in Urlaub sei, weshalb eine Anhörung Herrn R zur Zeit nicht
möglich sei. Der Betriebsrat gibt das Antragsdatum der Beklagten mit 08.08.2007 indes
selbst an. Danach war für alle Beteiligten offensichtlich, dass der 26.08.2007 weit
außerhalb der Wochenfrist des § 102 BetrVG lag. Hätte der Betriebsrat seine
Zustimmung nicht geben wollen, so hätte er das problemlos erklären können. Er hat sie
indes ausdrücklich gegeben und sich nur vorbehalten, seine Entscheidung nach
Anhörung des Klägers "neu zu überdenken". Der Betriebsrat ging damit ersichtlich
davon aus, dass die Kündigung bis dahin auch mit seiner Zustimmung ausgesprochen
sein werde. Er hat auch insbesondere nicht vom Arbeitgeber verlangt, bis zur Rückkehr
des Arbeitnehmers zu warten. Zum Zeitpunkt der Kündigung lag damit eindeutig die
Zustimmung des Betriebsrats vor. Dahinstehen kann dabei, dass der Betriebsrat sie
tatsächlich zu keiner Zeit "widerrufen" hat.
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2. Aus den gleichen Gründen war die Stellungnahme des Betriebsrats vom 14.08.2007
auch als abschließende Stellungnahme im Sinne des § 102 S. 2 BetrVG zu verstehen.
Die Stellungnahmefrist lief am nächsten Tag ab. Aus dem Kontext ergibt sich klar, dass
bis zu diesem Tage eine weitere Äußerung des Betriebsrats nicht mehr folgen werde.
Für den Arbeitgeber war das Anhörungsverfahren nach § 102 Abs. 2 BetrVG mit dieser
Stellungnahme des Betriebsrats abgeschlossen, so dass die Kündigung – wie
geschehen – am 15.08.2007 ausgesprochen werden konnte.
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3. Die Kündigung ebenso wie die vorangegangene Kündigung vom 04.07.2006 und die
Abmahnung vom 24.04.2006, die beide ebenfalls deshalb ausgesprochen worden
waren, weil der Kläger rauchend im Fertigwarenlager angetroffen wurde, verstießen
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nicht gegen das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats aus § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG
(vgl. dazu BAG 19.01.1999 – 1 AZR 499/98 –), so dass sie nach der Theorie der
individuellen Wirksamkeitsvoraussetzung (vgl. dazu z. B. BAG 29.01.2008 – 3 AZR
42/06 – unter II 2.) unwirksam wären.
a) Wiederum ist die Kammer der Auffassung, dass ein solcher Unwirksamkeitsgrund
nach § 6 KSchG nicht mehr zu berücksichtigen wäre. Der erstinstanzliche Sachvortrag
der Parteien gab keinen Anlass, auf einen solchen möglichen Unwirksamkeitsgrund
hinzuweisen. Der Kläger hatte vielmehr erstinstanzlich (Schriftsatz vom 22.01.2008, Bl.
61 d. A.) selbst ausdrücklich vorgetragen:
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"Es entspricht den Tatsachen, dass die im Betrieb der Beklagten geltende
Arbeitsordnung ein umfassendes Rauchverbot in allen Produktionsräumen,
insbesondere im Fertigwarenlager, wo die Rohstoffe für die Produktion in
verpackter Form gelagert sind, vorsieht."
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b) Unabhängig davon indes lässt sich ein Verstoß des Rauchverbots in dem
Fertigwarenlager gegen ein Mitbestimmungsrecht nicht feststellen. Es ist durch § 40 Nr.
3 der Arbeitsordnung abgedeckt.
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Unstreitig ist die Arbeitsordnung als Betriebsvereinbarung erlassen worden. § 40 Nr. 3
der Arbeitsordnung regelt Folgendes:
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"Das Rauchen ist aufgrund der Unfallverhütungs-Vorschriften grundsätzlich in
allen Produktionsräumen verboten.
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In anderen Betriebsteilen kann das Rauchen im Interesse von Mitarbeitern und
Kunden ganz oder teilweise untersagt werden."
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Der Kläger vertritt zweitinstanzlich ersichtlich die Auffassung, dass das Fertigwarenlager
nicht zu den Produktionsräumen gehöre.
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Dem gegenüber hat die Beklagte vorgetragen, nach dem gemeinsamen Verständnis
aller Betriebsangehörigen zählten zu den Produktionsräumen der gesamte
Lebensmittelbereich, also alle Räume mit Ausnahme der Verwaltung und der
Außenbereiche (Hof und Parkplätze). Das strikte Rauchverbot gelte daher unstreitig seit
vielen Jahren mit Zustimmung des Betriebsrats auch im Lagerbereich.
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Betriebsvereinbarungen sind normativ auszulegen: Auszugehen ist zunächst vom
Wortlaut und dem dadurch vermittelten Wortsinn. Über den reinen Wortlaut hinaus ist
der wirkliche Wille der Betriebsparteien zu berücksichtigen, soweit er in den Vorschriften
seinen Niederschlag gefunden hat. Damit sind insbesondere der
Gesamtzusammenhang sowie der Sinn und Zweck der Regelung zu beachten. Bleiben
hiernach noch Zweifel, so können ohne Bindung an eine Reihenfolge weitere Kriterien
wie die Entstehungsgeschichte oder auch eine tatsächliche Übung herangezogen
werden. Im Zweifel gebührt der Auslegung der Vorzug, der zu einer gesetzeskonformen,
sachgerechten und praktisch handhabbaren Regelung führt (hier zitiert nach BAG,
19.10.2005 – 7 AZR 32/05 -).
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aa) Der Wortlaut ist nicht eindeutig. Je nach Zusammenhang könnten Lagerräume von
Produktionsräumen unterschieden werden. Auch in der juristischen Sprache fehlt es
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indes auch nicht an Beispielen, in denen Lagerräume zu den Produktionsräumen
gezählt werden: So ist z. B. im Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 12.11.1992 (C
209/91) in der Darstellung der Vorlagefragen von "Produktionsräumen einschließlich
verschließbarer Lagerräume" die Rede.
bb) Die Systematik der Arbeitsordnung spricht eher dafür, dass das Fertigwarenlager zu
den Produktionsräumen gehört. Dort wird nämlich das Rauchverbot mit
"Unfallverhütungsvorschriften" in Verbindung gebracht, während für die anderen
Betriebsteile von "Interessen von Mitarbeitern und Kunden" die Rede ist. Offenbar wird
differenziert zwischen Räumen, in denen körperlich gearbeitet wird, wobei durch
brennende Zigaretten in der Hand von Arbeitenden Unfälle entstehen können und
Räumen, in denen dieses nicht der Fall ist, in denen vielmehr nur andere Mitarbeiter und
Kunden durch das Rauchen gestört oder geschädigt werden können.
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Aufgrund der verrichteten körperlichen Arbeit in Lagerräumen erscheinen diese daher
als den Produktionsräumen und nicht den "anderen Betriebsteilen" zugehörig.
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cc) Schließlich aber ist die tatsächliche Übung klar: Es ist unstreitig, dass seit langer
Zeit durch Symbole gekennzeichnet auch im Fertigwarenlager ein Rauchverbot gilt. Der
Betriebsrat hat weder bei der ersten noch bei der zweiten Kündigung das Rauchverbot
in irgendeiner Weise in Frage gestellt. Der Kläger hat erstinstanzlich selbst vorgetragen,
dass die geltende Arbeitsordnung ein umfassendes Rauchverbot in allen
Produktionsräumen, insbesondere im Fertigwarenlager, wo die Rohstoffe für die
Produktion in verpackter Form gelagert würden, vorsehe. Dieses Verständnis der
Arbeitsordnung entsprach damit offensichtlich der Betriebsübung und damit dem
Verständnis der Betriebsparteien.
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4. Das Arbeitsgericht hat auch den im Kündigungsrecht geltenden ultima ratio-
Grundsatz beachtet. Der Kläger war durch die Abmahnung vom 24.04.2006 und erst
recht durch die bereits einmal ausgesprochene Kündigung vom 04.07.2006 klar und
deutlich gewarnt. Seinem erneuten, jetzt kündigungsauslösenden Rauchen im Lager
war zunächst vorausgegangen, dass er bereits am 21.04.2006 vom Geschäftsführer K
rauchend angetroffen worden war und dafür mit Schreiben vom 24.04.2006 abgemahnt
wurde. Als er weniger als 3 Monate nach dieser Abmahnung am 04.07.2006 erneut dort
rauchend angetroffen wurde, hörte die Beklagte den Betriebsrat zu einer ordentlichen
Kündigung zum 31.03.2007 an. Der Betriebsrat stimmte dieser Kündigung zunächst zu.
Er modifizierte seine Zustimmung jedoch sodann dahingehend, dass in Anbetracht des
Alters des Klägers und seiner langjährigen Betriebszugehörigkeit die Kündigung
zurückgenommen werden sollte, sofern der Kläger innerhalb der bis zum 31.03.2007
laufenden Kündigungsfrist nicht mehr gegen die Betriebsordnung verstoße. Die
Beklagte hatte sich damit einverstanden erklärt und das Arbeitsverhältnis, nachdem die
Kündigung zunächst am 12.07.2006 ausgesprochen war, ohne dass der Kläger
hiergegen vorgegangen wäre, über den 31.03.2007 hinaus fortgesetzt, weil der Kläger
bis dahin nicht mehr gegen die Betriebsordnung verstoßen hatte. Deutlicher kann einem
Arbeitnehmer der drohende Verlust des Arbeitsplatzes nicht vor Augen geführt werden.
Nur wenige Monate später indes verstieß er erneut gegen genau dieses Rauchverbot.
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Dabei kann dahinstehen, ob frühere Abmahnungen wegen anderer Verstöße gegen die
Arbeitsordnung (so die vom 12.09.1997 wegen eines mit Urin gefüllten Eimers auf dem
vom Kläger gefahrenen Fahrzeug, vom 28.01.2003 wegen des alkoholisierten
Zustandes während der Arbeit, vom 21.04.2004 wegen des gleichen Verstoßes und
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wegen Urinierens ins Fertigwarenlager) nicht mehr - wie der Kläger offensichtlich meint
– relevant sind, weil dieser seit der letzten Abmahnung eine Entzugsbehandlung
durchführte und seither "trocken" gewesen ist. Der Kläger war jedenfalls speziell wegen
des Verstoßes gegen Rauchverbot vor nicht langer Zeit einmal abgemahnt und ein
weiteres Mal gekündigt worden. Es ist nicht ersichtlich, was der Arbeitgeber zur
Erfüllung des ultima ratio-Grundsatzes noch tun sollte.
5. Ohne Erfolg auch versucht der Kläger seinen Verstoß als wenig bedeutend
darzustellen:
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a) Der Vortrag des Klägers, dass ein Mitarbeiter der Beklagten, Herr L , einmal in der
Woche mit einem Pappdeckel mit Klebstoff Mäuse fange und dass auch Mäuse in
verwestem Zustand entdeckt würden, hat keinen relevanten Bezug zum Verstoß des
Klägers. Dass die Beklagte sich gegen Mäuse wehren muss, ist offensichtlich. Ob diese
Versuche möglicherweise unzureichend sind, hat nichts mit dem Rauchverbot zu tun,
gegen das der Kläger verstoßen hat. Die Beklagte muss nicht deshalb hartnäckige
vorsätzliche Verstöße des Klägers hinnehmen, weil möglicherweise an anderer Stelle in
dem von ihr insgesamt verantworteten Betriebsbereich Fehler gemacht werden.
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b) Auch wenn man berücksichtigt, dass nach des Klägers Vortrag im Keller sämtliche
Lebensmittel fest in Plastiktüten verschlossen seien und jede Plastiktüte noch einmal in
einem mit Klebestreifen verschlossenen Karton verpackt sei, erscheinen die
hartnäckigen Verstöße des Klägers gegen das Rauchverbot nicht in milderem Licht.
Zum Einen kann sich Rauch auch auf Kartons niederschlagen, so dass diese nach
Rauch riechen, wenn sie ausgeliefert werden. Zum Anderen aber erscheint das
Rauchverbot offensichtlich auch aus Brandschutzgründen gerechtfertigt. Der Kläger
wusste durch die vorhergehenden Sanktionen um die Bedeutung, die die Beklagte dem
Rauchverbot beimaß.
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c) Der Kläger beruft sich ferner darauf, dass ein mit Motor betriebener Stapler eine weit
größere Kontamination darstelle. Nach unwidersprochenem Vortrag der Beklagten
werden im Lagerbereich Elektrofahrzeuge benutzt. Nur im Außenbereich wird ein mit
Gas betriebener Gabelstapler gefahren, der gelegentlich bis zu 2 Meter in den
Eingangsbereich der Halle hinein kommt. Dies ist aber offensichtlich – da das Tor offen
sein muss – gelüftet. Dieser Betrieb eines gasbetriebenen Gabelstaplers muss die
Beklagte keineswegs veranlassen, auch das Rauchen im Lager hinzunehmen.
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d) Schließlich kann es den Kläger nicht entlasten, dass er nach seinem Vorbringen an
diesem Tage wegen des bevorstehenden Audits des wichtigen Kunden R unter Stress
gestanden habe. Die Beklagte hat unwidersprochen vorgetragen, dass an das Lager
angrenzend ein Aufenthaltsraum existiere, in dem geraucht werden dürfe. Dass der
Kläger nicht für die kurze Zeit des Rauchens der Zigarette in den Aufenthaltsraum hätte
gehen können, ist nicht ersichtlich. Gänzlich unsubstantiiert ist auch sein Vortrag, dass
an diesem Tag so viele Arbeiten von ihm zu erledigen gewesen seien, dass er die
Pausenzeit durcharbeiten "musste". Dass ihm eine entsprechende Weisung gegeben
wäre, hat der Kläger auch nicht einmal in allgemeiner Form behauptet. Davon
abgesehen aber lässt mögliche Zeitnot das Verhalten des Klägers deshalb nicht in
milderem Licht erscheinen, weil er durch die erst vor kurzer Zeit vorangegangene
Abmahnung und die ebenfalls vor kurzer Zeit vorangegangene Kündigung eindeutig
gewarnt war.
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Die Kostenentscheidung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.
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R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g
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Gegen dieses Urteil ist für mangels ausdrücklicher Zulassung die Revision nicht
statthaft, § 72 Abs. 1 ArbGG. Wegen der Möglichkeit, die Nichtzulassung der Revision
selbständig durch Beschwerde beim
60
Bundesarbeitsgericht
61
Hugo-Preuß-Platz 1
62
99084 Erfurt
63
Fax: (0361) 2636 - 2000
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anzufechten auf die Anforderungen des § 72 a ArbGG verwiesen.
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Dr. Backhaus Röcker Becker
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