Urteil des LAG Hamm vom 16.03.2006, 15 Sa 1558/05

Aktenzeichen: 15 Sa 1558/05

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Landesarbeitsgericht Hamm, 15 Sa 1558/05

Datum: 16.03.2006

Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm

Spruchkörper: 15. Kammer

Entscheidungsart: Urteil

Aktenzeichen: 15 Sa 1558/05

Vorinstanz: Arbeitsgericht Dortmund, 10 (4) Ca 7344/04

Nachinstanz: Bundesarbeitsgericht, 10 AZR 390/06 Urteil aufgehoben 28.03.2007

Schlagworte: Geriatriezulage für Pflegehilfskräfte in Altenheimen der Arbeiterwohlfahrt

Normen:

Leitsätze:

Protokollerklärung Nr. 1 Abs. 1 Buchst. c zu Teil II Abschnitt B, AW-KrT zum Tarifvertrag über die Tätigkeitsmerkmale BMT-AW II für Arbeitnehmer der Arbeiterwohlfahrt 1. Ein Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage gem. Protokollerklärung Nr. 1 Abs. 1 Buchst. c zu Teil II Abschnitt B, AW-KrT zum Tarifvertrag über die Tätigkeitsmerkmale BMT-AW II für Arbeitnehmer der Arbeiterwohlfahrt besteht nur dann, wenn Tätigkeiten der Grund- und Behandlungspflege arbeitszeitlich überwiegen. Werden der Pflegekraft nur Tätigkeiten der Grundpflege übertragen, sind die Voraussetzungen der Geriatriezulage nicht gegeben.

2. Pflegehilfskräfte in Seniorenzentren der Arbeiterwohlfahrt dürfen seit Implementierung des Qualitätsmanagementhandbuchs "Stationäre Altenpflege" im Jahre 2001 nur noch Tätigkeiten der Grundpflege und nicht mehr der Behandlungspflege ausüben. Sie haben seitdem grundsätzlich keinen Anspruch mehr auf Zahlung der Geriatriezulage.

Rechtskraft: Die Revision wird zugelassen

Tenor: Auf die Berufung des Beklagten wird das Urteil des Arbeitsgerichts Dortmund vom 20.05.2005 - 10 (4) Ca 7344/04 - abgeändert und die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.

Der Streitwert beträgt 1.505,52 EUR.

Die Revision wird zugelassen.

T a t b e s t a n d 1

Die Parteien streiten um die Zahlung einer sogenannten Geriatriezulage. 2

3Die Klägerin ist seit 1973 als Krankenpflegehelferin im Seniorenzentrum H1xxx des Beklagten beschäftigt, der zahlreiche Altenheime unterhält. Der schriftliche Arbeitsvertrag der Parteien vom 14.01./01.02.1986 enthält unter anderem folgende Bestimmungen:

2 4

5Auf das Arbeitsverhältnis finden die Bestimmungen und Vorschriften des Bundesmanteltarifvertrages für die Arbeitnehmer der A1xxxxxxxxxxxxxxx mit den dazu ergangenen und noch ergehenden Zusatzbestimmungen Anwendung.

§ 8 6

7Die A1xxxxxxxxxxxxxxx behält sich vor, den Arbeitnehmer mit anderen zumutbaren, im Rahmen der Vergütungsgruppe liegenden Arbeiten zu beschäftigen. Das Recht der A1xxxxxxxxxxxxxxx, dem Arbeitnehmer eine andere Tätigkeit zu übertragen, wird auch durch eine lange währende Verwendung auf dem selben Arbeitsplatz nicht beschränkt.

8Die A1xxxxxxxxxxxxxxx ist ferner berechtigt, den Arbeitnehmer an einen anderen zumutbaren Tätigkeitsort zu versetzen. Dies gilt insbesondere für Krankheits- und Urlaubsvertretungen."

9Wegen der weiteren Einzelheiten des Arbeitsvertrages wird auf Bl. 221 f. d.A. Bezug genommen.

10Einschlägig für das Arbeitsverhältnis der Klägerin ist Teil II der Vergütungsordnung für Angestellte im Pflegedienst (AW-KrT Abschnitt B). Die Klägerin erhält danach Vergütung entsprechend Vergütungsgruppe AW-KrT IV. Bis Oktober 2000 einschließlich erhielt sie darüber hinaus eine sogenannte Geriatriezulage in Höhe von 81,81 DM brutto, entsprechend 41,82 EUR. Ab November 2000 stellte der Beklagte die Zahlung der Geriatriezulage ein. Anfang des Jahres 2001 forderte die Klägerin den Beklagten vergeblich auf, die Geriatriezulage weiterhin zu zahlen.

11Am 22.05.2001 unterzeichnete die Klägerin eine Stellenbeschreibung für Pflegehelfer/in. Wegen der Einzelheiten dieser Stellenbeschreibung wird auf Bl. 77 ff. d.A. verwiesen.

12Mit vorliegender Klage, die am 24.12.2004 beim Arbeitsgericht Dortmund einging, verfolgt die Klägerin den Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage weiter. Zur Begründung hat sie vorgetragen, ausweislich der Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts vom 19.11.2003 (10 AZR 128/03 und 10 AZR 127/03) hätten Pflegepersonen, die in der Grund- und Behandlungspflege tätig seien und diese Tätigkeit zeitlich überwiegend bei Kranken in geriatrischen Abteilungen ausübten, Anspruch auf eine Geriatriezulage entsprechend der Protokollerklärung Nr. 1 Abs. 1

Buchst. c zu Teil II Abschnitt B AW-KrT. Diese Voraussetzungen erfülle sie. Sie, die Klägerin, sei überwiegend in der Grundpflege tätig. Darüber hinaus übe sie aber auch zu einem nicht unerheblichen Teil Behandlungspflege aus. Sie sei während des gesamten streitbefangenen Zeitraums und auch weiterhin im Wohnbereich I in H1xxx eingesetzt worden, der zur Zeit 31 Plätze umfasse, die alle belegt seien. Zwei Bewohner hätten Pflegestufe 3, 16 Bewohner Pflegestufe 2, 8 Bewohner Pflegestufe 1 und lediglich 5 Bewohner keine Pflegestufe. Der überwiegende Teil der Bewohner leide unter Demenz und/oder Inkontinenz. Daneben hätten nahezu alle Bewohner weitere Krankheiten gehabt, so z.B. Herzinsuffizienz, Diabetis mellitus, Zustand nach Krebserkrankungen, Tromboseneigung, Dekubitus, Coxarthrose, Gastritis, Frakturen, Parkinson, Osteoporose, Hypertonie, Niereninsuffizienz sowie benignem Prostataadenom. Sie, die Klägerin, habe ihre Pflegetätigkeit damit zeitlich überwiegend an Kranken im Sinne der oben genannten Protokollerklärung erbracht.

13Sie, die Klägerin, habe auch Behandlungspflege im Sinne der Protokollnotiz ausgeübt und übe sie weiter aus. Behandlungspflege sei nicht nur die Umlagerung von Patienten bei bereits bestehendem Dekubitus, sondern auch zur Verhinderung von Dekubitus. In der Vergangenheit als auch aktuell sei die Mehrheit der Bewohner bettlägerig. Die Dekubitus-Prophylaxe mit den damit in Zusammenhang stehenden Lagerungstätigkeiten gehörten zu den häufigsten von ihr zu erbringenden Behandlungspflegetätigkeiten. Gleiches gelte für die von ihr regelmäßig bei mehreren Bewohnern durchgeführte Intertrigo-Prophylaxe. Auch die Pneumonie- und Tromboseprohylaxe führe sie durch. Des weiteren habe es zu allen genannten Zeiträumen im Wohnbereich 1 Bewohner mit unausgeglichenem Flüssigkeitshaushalt gegeben. Bei diesen Bewohnern habe sie während ihres Dienstes Flüssigkeitszufuhr und Ausscheidung zu überwachen und auf einem Bilanzierungsblatt zu dokumentieren. Auch die Verabreichung von Sondennahrung gehöre zur Behandlungspflege. In den genannten Zeiträumen und auch aktuell seien jeweils 3 4 Bewohner mit Sondenkost zu ernähren gewesen. Auch die Dauerkatheterpflege sowie die Pulskontrolle und Blutdruckkontrolle seien Maßnahmen der Behandlungspflege. Während der Zeiträume, für die sie, die Klägerin, Zahlung der Geriatriezulage beanspruche, sowie aktuell nutzten jeweils mehrere Bewohner einen Dauerkatheter. Sie, die Klägerin, habe speziell die äußere Katheterpflege vorgenommen. Ferner sei sie in der Vergangenheit und auch jetzt in der Inkontinenzversorgung tätig.

14Laut Stellenbeschreibung gehöre auch die Kooperation mit den Ärzten zu ihren Aufgaben. Die Begleitung der Hausärzte sei als Behandlungspflege anzusehen. Schließlich habe es in den streitbefangenen Zeiträumen Bewohner, in der Regel demente Personen, gegeben, die zu ihrer eigenen Sicherheit hätten fixiert werden müssen, und zwar jeweils auf richterlichen Beschluss und auf ärztliche Befürwortung hin. Die Fixierungsmaßnahmen seien von ihr, der Klägerin, durchgeführt worden. Auch aktuell seien Fixierungsmaßnahmen durchzuführen.

Die Klägerin hat beantragt, 15

161. festzustellen, dass der Beklagte verpflichtet ist, an sie eine monatliche Geriatriezulage in Höhe von 41,82 EUR brutto zu zahlen;

172. den Beklagten zu verurteilen, an sie 2.007,37 EUR brutto nebst Zinsen in Höhe von 5 %-Punkten über dem Basiszinssatz seit dem 24.01.2005 zu zahlen.

Der Beklagte hat beantragt, 18

die Klage abzuweisen. 19

Er hat vorgetragen, die Klägerin habe keinen Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage. Denn sie erfülle die tariflichen Voraussetzungen hierfür nicht. Er, der Beklagte, sei verpflichtet, in seinen Einrichtungen entsprechend der gemäß § 80 SGB XI getroffenen Vereinbarungen vom 21.10.1996 über gemeinsame Grundsätze und Maßstäbe zur Qualität und Qualitätssicherung einschließlich des Verfahrens zur Durchführung von Qualitätsprüfungen in vollstationären Pflegeeinrichtungen vorzugehen. In dieser Vereinbarung heiße es unter Ziffer 3.3: Hilfskräfte und angelernte Kräfte werden nur unter der fachlichen Anleitung einer Fachkraft tätig. In Erfüllung der Verpflichtung aus § 80 SGB XI habe er, der Beklagte, das Qualitätsmanagement-Handbuch "Stationäre Altenpflege" erstellt. Dieses Handbuch verweise in Ziffer III.3.1.7 auf den Ordner "Pflege- und Betreuungsstandards". In diesem Ordner sei unter Ziffer 4 geregelt, dass medizinische Behandlungspflege ausschließlich durch eine Pflegefachkraft ausgeführt werde. Seit Implementierung des Qualitätsmanagement-Handbuchs im Jahre 2001 dürfe die Klägerin keine Behandlungspflege mehr ausüben und habe dies auch nicht mehr getan. In der von der Klägerin unterzeichneten Stellenbeschreibung vom 01.03./22.05.2001 heiße es ausdrücklich, dass sie Behandlungspflege nicht ausüben dürfe. Hierauf habe er, der Beklagte, in einem Rundschreiben vom 26.01.2005 (Bl. 75 f. d.A.) nochmals ausdrücklich hingewiesen.

21Er, der Beklagte, bestreite ausdrücklich, dass die Klägerin in dem Zeitraum, für den sie Geriatriezulage geltend mache, Behandlungspflege ausgeübt habe. Sie sei nicht im Rahmen der von ihr im einzelnen genannten Tätigkeiten, soweit diese der medizinischen Behandlungspflege zuzuordnen seien, eingesetzt worden. Umlagerung zur Erleichterung und Vorbeugung sei Grundpflege und nicht Behandlungspflege. Soweit Umlagerung medizinisch angeordnet worden sei, werde diese verantwortlich von den Pflegefachkräften ausgeführt. Es werde bestritten, dass die Klägerin insoweit tätig sei. Das Verabreichen von Sondennahrung gehöre zur Grundpflege ebenso wie die Vitalzeichenkontrolle und das Schreiben von Flüssigkeitsbilanzen und Trinkprotokollen. Auch Maßnahmen zur Aktivierung, d.h. Mobilisierung, seien Teil der Grundpflege.

22Falls die Klägerin den Nachweis führen könne, dass sie im streitigen Zeitraum gleichwohl Behandlungspflege ausgeübt habe, so sei dies entgegen der Arbeitsanweisung gemäß Qualitätsmanagement-Handbuch erfolgt. Bestritten werde, dass Einrichtungsleitung und/oder andere Vorgesetzte der Klägerin Arbeitsanweisungen erteilt hätten, die vom Inhalt des Qualitätsmanagement-Handbuchs abwichen.

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Durch Urteil vom 20.05.2005 hat das Arbeitsgericht festgestellt, dass der Beklagte verpflichtet ist, an die Klägerin eine monatliche Geriatriezulage in Höhe von 41,82 EUR brutto zu zahlen. Darüber hinaus hat das Arbeitsgericht den Beklagten verurteilt, an die Klägerin für die Zeit vom 01.01.2001 bis zum 31.12.2004 die Geriatriezulage in Höhe von insgesamt 2.007,36 EUR brutto nachzuzahlen. Wegen der Einzelheiten wird auf Tatbestand und Entscheidungsgründe des arbeitsgerichtlichen Urteils verwiesen, das dem Beklagten am 11.07.2005 zugestellt wurde. Hiergegen richtet sich die Berufung des Beklagten, die am 05.08.2005 beim Landesarbeitsgericht eingegangen und nach 20

Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist bis zum 12.10.2005 am 12.10.2005 begründet worden ist.

24Der Beklagte vertritt weiter die Auffassung, die Klägerin habe keinen Anspruch auf Zahlung der sogenannten Geriatriezulage. Er, der Beklagte, habe stets betont, dass Altenpflegehelfer/innen nur Grundpflege ausüben dürfen und dies tatsächlich auch nur tun, während examinierte Altenpfleger/innen bzw. Pflegefachkräfte Grund- und Behandlungspflege ausübten. Die Klägerin werde im Bereich der Behandlungspflege nicht eingesetzt und dürfe dies auch nicht. Pflegefachkräfte seien dagegen im Bereich der Grund- und Behandlungspflege eingesetzt und erfüllten deshalb die Voraussetzungen des Anspruchs auf die Geriatriezulage. Wenn er, der Beklagte, sich im August 2004 entschieden habe, bei den Pflegefachkräften nicht in jedem Einzelfall zu prüfen, ob tatsächlich alle Voraussetzungen der genannten Protokollerklärung erfüllt seien, so verstoße er damit nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Er gehe davon aus, dass fast alle Pflegefachkräfte im Streitfall beweisen könnten, dass sie sämtliche Anspruchsvoraussetzungen für die Zahlung einer Geriatriezulage erfüllten. Wenn er bei dieser Sachlage von Einzelfallprüfungen bei Pflegefachkräften absehe, so sei er nicht verpflichtet, Altenpflegehelfern die Geriatriezulage ebenfalls zu zahlen.

25Entgegen der Auffassung des Arbeitsgerichts sei es nicht unerheblich, ob die Klägerin selbst nur Grundpflege oder nur Behandlungspflege oder beides ausübe. Die Auslegung der Protokollerklärung ergebe vielmehr, dass Grund- und Behandlungspflege ausgeübt werden müsse, um die Zulage beanspruchen zu können.

26Entgegen der Darstellung der Klägerin übe sie keine Behandlungspflege aus. Zur Behandlungspflege gehörten Maßnahmen, die Bestandteil der ärztlichen Heilbehandlung und in diese eingebunden seien, also vom behandelnden Arzt verordnet worden seien. Behandlungspflege sei also entgegen der Ansicht des Arbeitsgerichts gleichzusetzen mit medizinischer Behandlungspflege. Die sogenannte Dekubitus-Prophylaxe gehöre hierzu nicht. Die Lagerungstätigkeit bei Bewohnern, die entweder bettlägerig seien oder zur Vermeidung des Dekubitus nach einem bestimmten Lagerungsplan regelmäßig gelagert werden müssten, sei typische Grundpflege. Hierfür seien besondere Fachkenntnisse bzw. eine Ausbildung nicht erforderlich. Letztlich sei jede Art von Prophylaxe Grundpflege. Dies gelte auch für die Vitalzeichenkontrolle. Gleiches gelte für die sogenannte Intertrigo-Prophylaxe, die Pneumonie-Prophylaxe und die Trombose-Prophylaxe. Bei dem sogenannten Kontinenztraining handele es sich schlicht darum, den Bewohner anzuhalten, selbst zur Toilette zu gehen. Soweit die "Begleitung von Hausärzten" in Frage stehe, komme es immer wieder vor, dass Ärzte im Seniorenzentrum erschienen, um einen bestimmten Bewohner aufzusuchen. Wenn der Arzt nicht genau wisse, wo der Bewohner sich aufhalte, werde er natürlich auch von Pflegehelfern zum Patienten begleitet. Dies habe mit Behandlungspflege nichts zu tun. Wenn nach der Untersuchung durch den Arzt die weitere Behandlung im Seniorenzentrum abgestimmt werden müsse, so geschehe dies zwischen Arzt und Seniorenzentrum nur über eine examinierte Fachkraft. Altenpflegehelfer- und auch die Klägerin seien in der Vergangenheit und auch jetzt insoweit nicht eingesetzt worden. Auch die Mithilfe bei Fixierungsmaßnahmen sei keine Behandlungspflege.

Der Beklagte beantragt, 27

das Urteil des Arbeitsgerichts Dortmund vom 20.05.2005 abzuändern und die Klage abzuweisen. 28

Die Klägerin beantragt, 29

die Berufung zurückzuweisen. 30

Sie verteidigt das arbeitsgerichtliche Urteil und trägt vor, sie erfülle nach wie vor mit ihrer Tätigkeit die Tatbestandsmerkmale der genannten Protokollnotiz und habe deshalb Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage. Dem arbeitsgerichtlichen Urteil sei darin zu folgen, dass die Protokollerklärung nicht zwingend die Leistung von Behandlungspflegetätigkeiten verlange. Unabhängig davon sei sie, die Klägerin, aber im streitbefangenen Zeitraum und auch aktuell im Bereich der Behandlungspflege tätig. So führe sie die Dekubitus-Prophylaxe, die Lagerung von Dekubitus-Patienten, die Intertrigo-Prophylaxe, die Pneumonie-Prophylaxe, die Trombose-Prophylaxe, die Verabreichung von Sondennahrung, die Vitalzeichenkontrolle, die Dauerkatheterpflege sowie die Inkontinenzversorgung durch. Diese Prophylaxen seien in aller Regel nicht ärztlich angeordnet. Gleiches gelte für die von ihr durchgeführte Dauerkatheterpflege. Dennoch seien diese Tätigkeiten der Behandlungspflege zuzurechnen.

32Sie, die Klägerin, habe Dekubitus-Patienten während ihres Dienstes jeweils zwei- bzw. dreimal, jedenfalls an den von ihr in der Berufungsbegründung vom 24.11.2005 genannten Tagen (Bl. 230 ff. d.A.), gelagert. Wie bereits erstinstanzlich vorgetragen, habe sie bis zum Ende des Jahres 2004 bei den Bewohnern, die mit einer Ernährungssonde ernährt worden seien, die Sondennahrung angehängt. Dies sei jedenfalls an den in der Berufungsbegründung vom 24.11.2005 genannten Tagen (Bl. 232 ff.) durchgeführt worden.

33Im Übrigen habe sich der Pflegehelfer S5xxxxx am 11.07.2005 geweigert, eine Dekubituspatientin ohne Anwesenheit einer Pflegefachkraft zu lagern. Er sei deswegen durch die Betriebsleitung Frau S3xxxxxx ermahnt und angewiesen worden, diese Patientin zu lagern, da alle Pflegekräfte diese Patientin zu lagern hätten, unabhängig davon, ob sie Fachkräfte oder Hilfskräfte seien. Die Anweisung, dass auch Pflegehilfskräfte Dekubituspatienten zu lagern hätten, habe Frau S3xxxxxx kurze Zeit später gegenüber den Mitarbeiterinnen B4xxxxx-H2xx und E1xxxx in einer Dienstbesprechung wiederholt.

34Entgegen der Darstellung des Beklagten seien sämtliche der von ihr zu betreuenden Bewohnerinnen und Bewohner im Wohnbereich I krank im Sinne der Rechtsprechung. Danach sei sie zeitlich ausschließlich bei Kranken in der Pflege tätig. Diese Pflegetätigkeit übe sie auch in einer geriatrischen Abteilung bzw. Station im Sinne der Protokollnotiz aus.

35Im übrigen verletze der Beklagte den Gleichbehandlungsgrundsatz, wenn er bestreite, dass sie ihre Pflegetätigkeit überwiegend bei Kranken in geriatrischen Abteilungen oder Stationen ausübe. Der Beklagte habe sich entschieden, bei examinierten Pflegekräften die Geriatriezulage weiterzuzahlen, ohne zu überprüfen, ob diese tatsächlich überwiegend Grund- und Behandlungspflege bei kranken Heimbewohnern ausführten.

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Dem gegenüber hat der Beklagte im nachgelassenen Schriftsatz vom 28.12.2005 vorgetragen, die Klägerin werde zwar zur Dekubitus-Prophylaxe, zur Intertrigo- Prophylaxe, zur Pneumonie-Prophylaxe, zur Trombose-Prophylaxe, zur Dauerkatheterpflege und zur Inkontinenzversorgung eingesetzt. Diese Tätigkeiten seien 31

aber eindeutig der Grundpflege zuzuordnen. Für die medizinisch verordnete Verabreichung von Sondennahrung und die medizinisch verordnete Vitalzeichenkontrolle werde die Klägerin nicht eingesetzt. Bestritten werde, dass die von der Klägerin in ihrer Berufungserwiderung erwähnten Personen im streitigen Zeitraum an Dekubitus erkrankt gewesen seien und dass die Klägerin im Rahmen einer entsprechenden Dekubitusbehandlung eingesetzt worden sei. Vielmehr habe die Klägerin bei den Bewohnern lediglich Dekubitus-Prophylaxe durchgeführt. Bestritten werde auch, dass der Altenpflegerhelfer C3xxxxxxx S5xxxxx am 11.07.2005 aufgefordert worden sei, eine Dekubituspatientin zu behandeln bzw. zu lagern. Der Pflegehelfer S5xxxxx sei am 11.07.2005 nicht im Dienst gewesen. Bestritten werde weiter, dass die Zeugin S3xxxxxx Altenpflegehelfer bei der Dekubitusbehandlung eingesetzt habe bzw. einsetze. In diesem Bereich müsse differenziert werden. Wenn trotz Dekubitus-Prophylaxe ein Dekubitus auftrete, so werde diese Erkrankung ausschließlich von Ärzten und Pflegefachkräften versorgt. Pflegehelfer dürften insoweit nicht eingesetzt werden und würden auch nicht eingesetzt. Dies gelte auch für die Klägerin. Unabhängig davon müsse aber darauf geachtet werden, dass auch bei Dekubituspatienten es nicht zu weiteren Dekubiti komme. Deshalb müssten solche Bewohner im Rahmen der Dekubitusprophylaxe nach Lagerungsplan weiter gelagert werden. Dies sei als Grundpflege anzusehen.

Die Verabreichung von Sondennahrung im Rahmen künstlicher Ernährung sei allein Sache der Pflegefachkräfte. Soweit die Klägerin behaupte, Frau I2xx S6x. in den Jahren 2001 bis 2004 an den angegebenen Daten Sondennahrung verabreicht zu haben, sei der Vortrag der Klägerin falsch. Festgestellt worden sei nur, dass laut Behandlungsunterlagen am 02.09., 04.09. und 05.09.2004 die Klägerin an der Verabreichung der Sondennahrung beteiligt gewesen sei, wobei nicht mehr habe geklärt werden können, warum die Klägerin anstelle der zuständigen Fachkraft die Eintragung vorgenommen habe. Jedenfalls gehöre das Verabreichen von Sondenkost zur Aufgabe der Pflegefachkräfte und dürfe nicht von Altenpflegehelfern erledigt werden. Im Zusammenhang mit der Bewohnerin Mxxxx W. sei festgestellt worden, dass die Klägerin am 02.11.2003 bei der Verabreichung von Sondenkost beteiligt gewesen sei. Die übrigen von der Klägerin genannten Daten seien unzutreffend. Die im Zusammenhang mit Herrn S4xxxxxxx S. genannten Daten könnten ebenfalls nicht bestätigt werden. Laut Dokumentation seien nur die Daten 24.09., 07.11., 14.11. und 15.11.2003 zutreffend. Insgesamt sei die Klägerin abweichend von der Arbeitsanweisung nur in einigen wenigen Ausnahmefällen bei der Verabreichung von Sondennahrung mit tätig gewesen. Wenn ein Arbeitnehmer abweichend von der Arbeitsanweisung Aufgaben erledige, die ihm nicht zugewiesen seien, so könne er daraus Ansprüche nicht ableiten. Darüber hinaus sei der Umfang der Tätigkeit im Verhältnis zur Gesamttätigkeit so unbedeutend, dass hieraus ein Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage nicht abgeleitet werden könne.

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Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den vorgetragenen Inhalt der gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen. 37

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e 39

I. 40

Die Berufung des Beklagten ist an sich statthaft sowie form- und fristgerecht eingelegt und begründet worden. 41

II. 42

43Die Berufung hat auch der Sache nach Erfolg. Denn die Klägerin hat keinen Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage.

441. Entgegen der Auffassung des Arbeitsgerichts ist der Beklagte nicht verpflichtet, an die Klägerin für die Zeit von Januar 2001 bis Dezember 2004 die streitige Geriatriezulage in einer Gesamthöhe von 2.007,36 EUR brutto zu zahlen. Dieser Anspruch ergibt sich nicht aus § 2 des Arbeitsvertrages vom 14.01.1986/01.02.1986 i.V.m. der Protokollerklärung Nr. 1 Abs. 1 Buchst. c zu Teil II Abschnitt B, KrT. Denn die Klägerin hat in diesem Zeitraum nicht "zeitlich überwiegend Grund- und Behandlungspflege" im Sinne dieser Protokollerklärung ausgeübt.

45a) Der Beklagte hat dargelegt, dass er in Erfüllung der Verpflichtungen aus § 80 SGB XI das Qualitätsmanagement-Handbuch "Stationäre Altenpflege" erstellt und im Kalenderjahr 2001 in allen seinen Seniorenzentren, also auch im Seniorenzentrum H1xxx, in dem die Klägerin eingesetzt ist, implementiert hat. Nach dem nicht bestrittenen Sachvortrag des Beklagten ist das Qualitätsmanagement-Handbuch in jedem Seniorenzentrum den dort Beschäftigten in hausinternen Schulungen im einzelnen erläutert worden. Aus den Regelungen des Qualitätsmanagement-Handbuchs ergibt sich eindeutig, dass medizinische Behandlungspflege ausschließlich durch eine Pflegefachkraft ausgeführt werden darf. Danach darf die Klägerin als Krankenpflegehelferin gemäß § 80 SGB XI in Verbindung mit dem genannten Qualitätsmanagement-Handbuch in den Einrichtungen des Beklagten diesen Teil der Pflegeleistungen nicht erbringen. Die Umsetzung dieser Arbeitsanweisung hat der Beklagte nach seinem insoweit nicht bestrittenen Vorbringen durch den sogenannten Einsatzplan sichergestellt. Letztlich spiegelt sich die Umsetzung des Qualitätsmanagement-Konzepts auch in der an die Klägerin gerichteten Stellenbeschreibung vom 01.03.2001/22.05.2001 wieder. Unter Ziffer 7 heißt es dort ausdrücklich, dass bei den Aufgaben der Klägerin als Pflegehelferin die ärztlich angeordnete medizinische Behandlungspflege ausdrücklich ausgenommen ist. Mit Implementierung des Qualitätsmanagement-Handbuchs "Stationäre Altenpflege" im Kalenderjahr 2001 hat der Beklagte damit angeordnet, dass Pflegehelfer/innen nur noch in der Grundpflege und nicht mehr in der Behandlungspflege eingesetzt werden dürfen.

46Der Beklagte war auch befugt, der Klägerin nur noch Tätigkeiten im Bereich der Grundpflege zuzuweisen. In § 8 des schriftlichen Arbeitsvertrages hat der Beklagte sich ausdrücklich vorbehalten, die Klägerin mit anderen zumutbaren, im Rahmen der Vergütungsgruppe liegenden Arbeiten zu beschäftigen. Es heißt dort weiter, dass das Recht der A1xxxxxxxxxxxxxxx, dem Arbeitnehmer eine andere Tätigkeit zu übertragen, auch durch eine lange währende Verwendung auf demselben Arbeitsplatz nicht beschränkt wird. Durch die mit Implementierung des Qualitätsmanagement-Handbuchs "Stationäre Altenpflege" im Jahre 2001 erfolgte Weisung an die Klägerin als Pflegehelferin, nur noch Tätigkeiten der Grundpflege auszuüben, hat der Beklagte berechtigterweise von seinen Befugnissen nach § 8 des genannten Arbeitsvertrages Gebrauch gemacht. Die Zuweisung von Tätigkeiten der Grundpflege lässt die Vergütungsgruppe, in der die Klägerin sich befindet, unberührt. Die Beschäftigung mit Tätigkeiten der Grundpflege, die zweifellos zumutbar ist, erfolgt damit im Rahmen ihrer Vergütungsgruppe.

47b) Hat der Beklagte die Klägerin entsprechend den Vorgaben des Qualitätsmanagement-Handbuchs "Stationäre Altenpflege" seit dem Kalenderjahr 2001 nur noch in der Grundpflege eingesetzt, so kann die Klägerin die Anspruchsvoraussetzungen der streitigen Zulage nicht erfüllen.

48aa) Die Protokollerklärung setzt unter anderem voraus, dass die Pflegekraft "zeitlich über-wiegend Grund- und Behandlungspflege" ausübt. Unter Grundpflege ist die Befriedigung der allgemeinen Bedürfnisse der zu pflegenden Personen im Hinblick auf Nahrungsaufnahme und Hygiene zu verstehen. Dementsprechend haben die Spitzenverbände der Pflegekassen klargestellt, dass von den Leistungen der Pflegeversicherung nur diejenigen der Grundpflege erfasst werden, die Verrichtungen im Bereich der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung umfassen. Behandlungspflege ist die darüber hinausgehende Versorgung nach medizinischen Bedürfnissen, also zur Besserung oder Linderung von Krankheiten (vgl. BAG; Urteile vom 19.11.2003 10 AZR 127 und 128/03 -; 04.06.2003 10 AZR 579/02 -, jeweils m.w.N.). Ausweislich dieser Entscheidungen ist zwar nicht erforderlich, dass die Behandlungspflege arbeitszeitlich insgesamt oder auch nur im Verhältnis zur Grundpflege überwiegt. Vielmehr ist nur erforderlich, dass Grund- und Behandlungspflege zusammen genommen arbeitszeitlich überwiegen. Ein bestimmter Anteil der jeweiligen Pflegeart innerhalb dieses Blocks der überwiegend erbrachten Tätigkeit ist tariflich nicht vorgegeben.

49Wenn das Bundesarbeitsgericht allerdings ausführt, es seien Einzelfälle denkbar, in denen der Anteil der Behandlungspflege an der Gesamttätigkeit nur wenige Minuten betrage und deshalb als unerheblich angesehen werden könnte, so folgt hieraus unzweifelhaft, dass in der arbeitszeitlich überwiegenden Tätigkeit jedenfalls Grund- und Behandlungspflege anfallen müssen, wobei der Anteil der Behandlungspflege nicht unerheblich sein darf. Die Voraussetzungen der genannten Protokollerklärung sind zweifellos dann nicht erfüllt, wenn der Arbeitnehmer überhaupt keine Behandlungspflege ausübt. Die Tarifvorschrift setzt vielmehr voraus, dass der Arbeitnehmer sowohl Grund- als auch Behandlungspflege ausübt. Dies ergibt sich bereits aus dem eindeutigen Wortlaut der Protokollerklärung. Danach wird die zeitlich überwiegende Ausübung von Grund- und Behandlungspflege verlangt. Falls ein Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage nach dem Willen der Tarifvertragsparteien auch dann bestehen sollte, falls ausschließlich Tätigkeiten in der Grundpflege ausgeübt werden, so hätte die Tarifvorschrift lediglich verlangen müssen, dass die Pflegekraft überwiegend Grund- oder Behandlungspflege ausübt. Ein dahingehender Wille der Tarifvertragsparteien hat in der genannten Tarifvorschrift nicht einmal im Ansatz seinen Niederschlag gefunden.

50bb) Hat der Beklagte danach in Umsetzung des im Kalenderjahr 2001 implementierten Qualitätsmanagement-Handbuchs "Stationäre Altenpflege" die bei ihm tätigen Pflegehilfskräfte in der Folgezeit berechtigterweise nur noch in der Grundpflege eingesetzt, so ist die Voraussetzung, dass Grund- und Behandlungspflege zusammen genommen arbeitszeitlich überwiegen müssen, im Falle der Klägerin nicht gegeben.

51(1) Soweit die Klägerin geltend macht, sie sei im streitbefangenen Zeitraum mit Tätigkeiten der Dekubitus-, Intertrigo-, Pneumonie- und Trombose-Prophylaxe befasst worden und werde dies auch heute noch, so können hiermit die Voraussetzungen der genannten Protokollerklärung nicht erfüllt werden. Tätigkeiten der Prophylaxe dienen nicht der Besserung und Linderung von Krankheiten und sind deshalb nicht als

Behandlungspflege zu werten (vgl. BAG, Urteil vom 04.06.2003 10 AZR 579/02 -; Urteil vom 19.11.2003 10 AZR 127/03 jeweils m.w.N.). Sie bezwecken vielmehr die Verhinderung von Krankheiten und sind damit der Grundpflege zuzuordnen.

(2) Der Sachvortrag der Klägerin, sie habe auch Tätigkeiten der Dekubitusbehandlung aus-geführt, kann einen Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage im streitbefangenen Zeitraum nicht begründen. Nach Darlegung des Beklagten gehören diese Tätigkeiten nicht zu den Aufgaben der Klägerin. Durch Implementierung des Qualitätsmanagement- Handbuchs im Jahre 2001 in Verbindung mit den oben genannten weiteren Maßnahmen hat der Beklagte allen Beschäftigten in seinen Seniorenzentren und damit auch der Klägerin gegenüber un-missverständlich klargestellt, dass Pflegehilfskräfte nur in der Grundpflege eingesetzt werden und keine Behandlungspflege ausüben dürfen. Dem entspricht auch die Stellenbeschreibung für Pflegehelfer/innen, die die Klägerin am 22.05.2001 unterzeichnet hat. Sollte die Klägerin im Widerspruch hierzu und ohne Wissen und Wollen ihrer Vorgesetzten im streitigen Zeitraum dennoch Tätigkeiten der Behandlungspflege ausgeübt haben, so kann dieses weisungswidrige Verhalten einen Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage nicht begründen. Wann und durch welche Personen, deren Handeln der Beklagte sich gegebenenfalls zurechnen lassen müsste, ihr eine hiervon abweichende Weisung dahingehend erteilt worden sein soll, Tätigkeiten der Behandlungspflege ohne Hinzuziehung einer Pflegefachkraft auszuführen, hat die Klägerin weder dargelegt, noch unter Beweis gestellt.

53Der Vortrag der Klägerin, der Pflegehelfer S5xxxxx sei durch die Zeugin S3xxxxxx angewiesen worden, eine Dekubituspatientin zu lagern, ist unerheblich. Diese vom Beklagten bestrittene Weisung bezieht sich nicht auf die im Wohnbereich I tätige Klägerin, sondern auf den im Wohnbereich VI tätigen Pflegehelfer S5xxxxx. Sollten der Klägerin Tätigkeiten der

54Behandlungspflege ohne Hinzuziehung einer Pflegefachkraft angetragen werden, so darf und muss sie sich weigern, dieser Weisung Folge zu leisten. Angesichts der Vorgaben im Qualitätsmanagement-Handbuch "Stationäre Altenpflege" in Verbindung mit der Stellenbeschreibung der Klägerin ist sie gehalten, bei Tätigkeiten, die der Behandlungspflege zuzuordnen sind, eine Pflegefachkraft hinzuzuziehen. Warum sie dies in den von ihr geschilderten Fällen der Behandlung von Dekubituspatienten nicht getan hat, hat die Klägerin nicht dargelegt.

55(3) Auch die von der Klägerin im Bereich der Dauerkatheterpflege ausgeführten Tätigkeiten können einen Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage nicht begründen. Die Klägerin hat nicht näher dargelegt, welche konkreten Tätigkeiten sie insoweit ausgeübt hat, sondern nur vorgetragen, sie habe "speziell die äußere Katheterpflege" vorgenommen. Mangels näherer Darlegung der in diesem Bereich im einzelnen angefallenen Arbeiten ist die erkennende Kammer davon ausgegangen, dass es sich hierbei um die Reinigung der äußeren Kathetergeräte gehandelt hat. Reinigungstätigkeiten können nicht der medizinischen Behandlungspflege zugeordnet werden. Im übrigen ist nicht ersichtlich, wann, bei welchen Personen und in welchem Umfang die Klägerin derartige Tätigkeiten ausgeführt hat.

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(4) Auch die von der Klägerin gegebenenfalls im Bereich der Inkontinenzversorgung ausgeführten Tätigkeiten können nicht der Behandlungspflege zugeordnet werden. Nach Darlegung der Beklagten handelt es sich hierbei um das Anhalten der Bewohner zum Toilettengang. Die Klägerin hat nicht dargelegt, welche weitergehenden konkreten 52

Tätigkeiten sie wann und bei welchen Personen ausgeübt haben will. Das Anhalten der Bewohner,

regelmäßig die Toilette aufzusuchen, ist der Grundpflege zuzuordnen. 57

58(5) Soweit es um die Kooperation mit den Hausärzten der einzelnen Bewohner des Altenzentrums des Beklagten geht, hat die Klägerin nicht dargelegt, welche konkreten Tätigkeiten sie in diesem Zusammenhang wann und im Hinblick auf welche Bewohner ausgeführt haben will. Nach dem Sachvortrag des Beklagten handelt es sich hierbei allenfalls um die Begleitung des Arztes zum Patienten, wenn der Arzt nicht weiß, wo der Bewohner sich aufhält. Die weitere Abstimmung der Behandlung erfolgt demgegenüber nur über eine examinierte Fachkraft. Das Begleiten der Ärzte zwecks Auffinden der Bewohner kann nicht als Behandlungspflege gewertet werden.

59(6) Soweit die Klägerin geltend macht, sie sei auch mit Tätigkeiten bei der Versorgung von Bewohnern mit Sondennahrung eingesetzt worden, hat der Beklagte dargelegt, dass dies nicht zu den Aufgaben der Klägerin gehört habe und gehöre. Sollte die Klägerin tatsächlich Tätigkeiten in diesem Bereich ausgeführt haben, die der Behandlungspflege zuzuordnen sein sollten, kann hierdurch dennoch nicht ein Anspruch auf Zahlung der Geriatriezulage begründet werden. Die Klägerin hat nicht dargelegt, wann und durch welche Personen ihr Weisungen dahingehend erteilt worden sind, diese Tätigkeiten auch ohne Hinzuziehung einer Pflegefachkraft auszuführen. Die erkennende Kammer verweist zur Vermeidung von Wiederholungen auf die Ausführungen im Zusammenhang mit Tätigkeiten im Bereich der Dekubitusbehandlung. Unerheblich ist, dass die Verabreichung von Sondernahrung nach dem Sachvortrag der Klägerin im nachgereichten Schriftsatz vom 23.01.2006 in den Grundpflegenachweisen abgezeichnet wird. Daraus kann nicht geschlossen werden, dass diese Aufgabe den Hilfskräften zugewiesen ist. Unstreitig nehmen Pflegefachkräfte neben der Behandlungspflege auch Aufgaben der Grundpflege wahr.

60(7) Der Sachvortrag der Klägerin über die von ihr ausgeführten Tätigkeiten im Bereich der Vitalzeichenkontrolle und der Fixierung von Bewohnern ist unsubstantiiert. Er lässt nicht erkennen, wann, bei welcher Person und aufgrund welcher Anweisung seitens des Beklagten Tätigkeiten in diesem Bereich angefallen sind, die der Behandlungspflege zuzuordnen sind. Die allgemeinen Hinweise der Klägerin auf Art und Umfang der in ihrer Abteilung anfallenden Pflegetätigkeiten sind in dieser Form einer Beweisaufnahme nicht zugänglich.

61c) Ein Anspruch der Klägerin auf Zahlung der Geriatriezulage ergibt sich auch nicht in Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes. Auch wenn der Beklagte sich entschieden hat, bei examinierten Pflegekräften ohne Einzelfallprüfung die Geriatriezulage zu zahlen, ist hierin eine Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes nicht zu sehen. Unstreitig werden die Pflegefachkräfte in den Seniorenzentren des Beklagten aufgrund der Dienstpläne und Einsatzpläne sowohl im Rahmen der Grundpflege als auch im Rahmen der Behandlungspflege eingesetzt. Im Unterschied hierzu hat der Beklagte durch Implementierung des Qualitätsmanagement-Handbuchs "Stationäre Altenpflege" in Verbindung mit den oben genannten weiteren Maßnahmen entschieden, dass Pflegehilfskräfte nur im Rahmen der Grundpflege eingesetzt werden. Wenn der Beklagte den bei ihm beschäftigten Pflegefachkräften die Geriatriezulage zahlt, ohne den Einzelnachweis zu verlangen, dass Grund- und Behandlungspflege zeitlich überwiegend ausgeübt wird, so werden

dadurch nicht gleiche Sachverhalte ungleich behandelt. Da die Klägerin als Pflegehilfskraft nur im Bereich der Grundpflege eingesetzt werden darf, befindet sie sich im Verhältnis zu den Pflegefachkräften, die im Bereich der Grund- und Behandlungspflege eingesetzt werden dürfen und tatsächlich eingesetzt werden, nicht in einer vergleichbaren Lage.

622. Die Klage auf Feststellung, dass der Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin eine monatliche Geriatriezulage in Höhe von 41,82 EUR brutto zu zahlen, ist zulässig aber unbegründet. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass der Beklagte in Erfüllung seiner Verpflichtungen aus § 80 SGB XI im Jahre 2001 das von ihm erstellte Qualitätsmanagement-Handbuch "Stationäre Altenpflege" in allen Seniorenzentren, also auch im Seniorenzentrum H1xxx, in dem die Klägerin beschäftigt ist, implementiert hat. Er hat damit klargestellt, dass die Klägerin in Zukunft nur noch Tätigkeiten der Grundpflege ausüben darf und zu Tätigkeiten der Behandlungspflege nicht mehr befugt ist. Wie weiter ausgeführt wurde, war der Beklagte hierzu angesichts der Regelungen in § 8 des Arbeitsvertrages der Parteien arbeitsrechtlich befugt. Hat der Beklagte der Klägerin nur noch Tätigkeiten der Grundpflege zugewiesen und die Ausübung der medizinischen Behandlungspflege durch die Klägerin ausdrücklich ausgenommen, wie dies in der Stellenbeschreibung vom 01.03.2001/22.05.2001 in Ziffer 7 geschehen ist, so kann sie mit dieser ihr vom Beklagten übertragenen Tätigkeit die Voraussetzungen der genannten Tarifvorschrift mangels Wahrnehmung von Behandlungspflege nicht erfüllen. Dass der Beklagte ihr abweichend hiervon Tätigkeiten der Behandlungspflege übertragen hat, lässt sich dem Vortrag der Klägerin nicht entnehmen. Insbesondere ist nicht ersichtlich, dass Vorgesetzte der Klägerin, deren Handeln der Beklagte sich gegebenenfalls zurechnen lassen müsste, ihr im Widerspruch zu den Anweisungen des Beklagten aufgetragen haben, Tätigkeiten der Behandlungspflege ohne Hinzuziehung einer Pflegefachkraft auszuführen. Führt die Klägerin entgegen der ausdrücklichen Weisung des Beklagten und im Widerspruch zu den Regelungen in ihrer Stellenbeschreibung eigenmächtig Behandlungspflege ohne Hinzuziehung einer Pflegefachkraft aus, so wird hierdurch eine Verpflichtung des Beklagten zur Zahlung der Geriatriezulage nicht begründet. Die Kammer verweist zur Vermeidung von Wiederholungen auf die entsprechenden Ausführungen unter II.1.

III. 63

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO. 64

Der Streitwert hat sich im Berufungsverfahren nicht geändert. 65

Die Kammer hat die Revision gemäß § 72 Abs. 2 Ziff. 1 ArbGG zugelassen. 66

Dr. Wendling Lusmöller Roßhoff 67

WR./Go. 68

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