Urteil des LAG Hamm, Az. 18 Sa 1552/01

LArbG Hamm: stadt, leiter, vergütung, sozialarbeiter, stellenbeschreibung, anerkennung, arbeitsgericht, jugendamt, gespräch, beweislast
Landesarbeitsgericht Hamm, 18 Sa 1552/01
Datum:
14.08.2002
Gericht:
Landesarbeitsgericht Hamm
Spruchkörper:
18. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
18 Sa 1552/01
Vorinstanz:
Arbeitsgericht Hamm, 4 Ca 888/01
Schlagworte:
Eingruppierung, Leiter des Jugendamts, Sozial- und Erziehungsdienst,
Leitungstätigkeit, Heraushebung durch das Maß der Verantwortung
Normen:
§ 611 Abs. 1 BGB, §§ 22, 23 BAT 1975
Leitsätze:
Der Arbeitsvorgang "Leitung des Jugendamts der Stadt S. (49.000
Einwohner)" hebt sich durch das Maß der damit verbundenen
Verantwortung erheblich aus der Vergütungsgruppe IV a Fallgruppe 15
TV SED heraus.
Rechtskraft:
Die Revision wird nicht zugelassen
Tenor:
Unter Zurückweisung der Berufung der beklagten Stadt wird das Urteil
des Arbeitsgerichts Hamm vom 20.08.2001 - 4 Ca 888/01 - im Tenor wie
folgt neu gefasst:
Die beklagte Stadt ist verpflichtet, dem Kläger ab 01.09.1998 eine
Vergütung nach der Vergütungsgruppe III BAT (VKA) zu zahlen.
Die Kosten der Berufung werden der beklagten Stadt auferlegt.
Tatbestand
1
Die Parteien streiten über die zutreffende tarifliche Eingruppierung des Klägers.
2
Der am 11.01.12xx geborene Kläger ist Diplom-Sozialpädagoge. Seit dem 01.08.1981
ist er bei der beklagten Stadt im Jugendamt tätig. Grundlage des Arbeitsverhältnisses ist
der zwischen den Parteien am 13.07./31.07.1981 geschlossene Arbeitsvertrag (Bl. 5
d.A.). Beide Parteien sind tarifgebunden.
3
Eingesetzt wurde der Kläger zunächst als Stadtjugendpfleger unter Zahlung einer
Vergütung nach der Vergütungsgruppe IV b BAT. Ab 01.01.1991 bezieht der Kläger
eine Vergütung nach der Vergütungsgruppe IV a BAT.
4
Mit Schreiben vom 26.08.1998 (Bl. 7 d.A.) bestellte die beklagte Stadt den Kläger mit
Wirkung ab 01.09.1998 zum Leiter des Jugendamts. Bis zur Umorganisation ab
01.01.1999 war der Amtsleiter des Jugendamts dem Beigeordneten unterstellt. Ab
01.01.1999 wurde das Jugendamt als Abteilung "Kinder, Jugend und Familie" dem
Fachbereich 2 zugeordnet. Der Fachbereich 2 war daneben zuständig für die
Abteilungen "Soziales" und "Bürger- und Ordnungsangelegenheiten".
5
Die Aufgaben des Klägers ergeben sich im Einzelnen aus der Stellenbeschreibung vom
10.12.1998 (Bl. 12 bis 14 d.A.), die von dem Kläger und der Bereichsleiterin C1xxx
unterzeichnet worden ist. Die Arbeitsbeschreibung führt folgende Arbeitsbereiche auf:
6
1. Leitungstätigkeiten
7
1.1 Leitungstätigkeiten allgemein
8
1.1.2 Lenkung und Kontrolle der Leistungserstellung
9
1.1.3 Mitwirkung bei der strategischen Planung der Abteilung
10
1.2 Wahrnehmung der Personalverantwortung
11
1.2.1 Entscheidung in personalrechtlichen und personalwirtschaft-
12
lichen Angelegenheiten
13
1.2.2 Personalführung
14
1.3 Wahrnehmung der Finanzverantwortung
15
1.4 Organisationsverantwortung
16
2. Spezielle Fachverantwortung für
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Jugendarbeit
18
Allgemeiner Sozialer Dienst
19
Adoptions- und Pflegekinderdienst
20
Nach der Arbeitsplatzbeschreibung sind dem Kläger 29 Mitarbeiter und drei
Zivildienstleistende unterstellt. Wegen des aktuellen Personalstands und der Vergütung
der ihm unterstellten Mitarbeiter wird auf das Organigramm in Blatt 10 bis 11 d.A.
verwiesen.
21
Mit Schreiben vom 30.09.1998 (Bl. 15 d.A.) forderte der Kläger die entsprechende
Vergütung für die von ihm jetzt auszuübende Tätigkeit als Leiter des Jugendamts.
22
Am 31.08.1999 kam die Bewertungskommission der beklagten Stadt zu dem Ergebnis,
dass die Stelle nach der Vergütungsgruppe IV a Fallgruppe 1 b der allgemeinen
Tätigkeitsmerkmale auszuweisen sei (Bl. 57 f d.A.). In der Bewertung wird u.a.
ausgeführt:
23
"1. Die Stelle ist zuletzt als Angestelltenstelle - Amtsleiterin Jugendamt -
24
mit Verg. Gruppe III Fallgruppe 1 a/II Fallgr. 1 e (entspricht Bes.
25
Gruppe A 13) bewertet worden.
26
27
4. Die Bewertungskommission kommt einstimmig zu dem Ergebnis, dass
28
für die zu verrichtenden Arbeitsvorgänge folgende Tätigkeitsmerkma-
29
le erfüllt sind:
30
? 100 % gründliche und umfassende Fachkenntnisse
31
? 100 % selbständige Leistungen
32
? 100 % besondere Verantwortung
33
? 100 % besondere Schwierigkeit und Bedeutung
34
Die Stelle ist danach auszuweisen nach Vergütungsgruppe IV a, Fall-
35
gruppe 1 b. Eine entsprechende Eingruppierung führt nach einer
36
vierjährigen Bewährung in die Vergütungsgruppe III, Fallgruppe 1 b
37
(entspricht Bes. Gruppe A 12)."
38
Eine weiter von der beklagten Stadt eingeholte Stellenbewertung durch Frau
Stadtoberamtsrätin B4xxxx aus H4xx kam zu dem Ergebnis, dass die Stelle des Klägers
der Vergütungsgruppe III Fallgruppe 6 des Tarifvertrags für Angestellte im Sozial- und
Erziehungsdienst zuzuordnen sei (Bl. 94 f. d.A.).
39
In der Folgezeit führte der Kläger mehrere Gespräche mit der für
Personalangelegenheiten zuständigen Stelle der beklagten Stadt, so auch mit dem
Bürgermeister D1. R1xxxxxxxx. In dem Gespräch des Klägers mit D1. R1xxxxxxxx am
18.01.2001 teilte der Bürgermeister dem Kläger mit, dass er die externe Bewertung der
Stelle zur Zeit nicht umsetzen würde.
40
Seit dem 01.04.2002 ist im Rahmen einer Umorganisation das Jugendamt und das
Sozialamt in die Abteilung Jugend und Soziales als Arbeitsgruppe eingegliedert.
41
Die vorliegende Klage hat der Kläger am 07.03.2001 erhoben.
42
Zur Stützung der Klage hat der Kläger vorgetragen:
43
Die von ihm zu verrichtende Tätigkeit erfülle die Tätigkeitsmerkmale der
Vergütungsgruppe III BAT/VKA. Dies habe auch die externe Bewertung durch Frau
44
B4xxxx ergeben. Seine Tätigkeit habe sich nicht geändert. Allein die Tatsache, dass
Umorganisationen vorgenommen worden seien, könnte seinen Anspruch nicht
beseitigen. In einem persönlichen Gespräch mit dem Bürgermeister D1. R1xxxxxxxx am
19.11.1999 sei ihm zugesagt worden, dass es nicht bei der Eingruppierung in der
Vergütungsgruppe IV a BAT/VKA bleiben werde. In einem weiteren persönlichen
Gespräch vom 18.01.2001 habe der Bürgermeister D1. R1xxxxxxxx ihm gesagt, dass er
zwar das Ergebnis des externen Gutachtens zum jetzigen Zeitpunkt nicht umsetzen
werde. Der Rat der Stadt müsse erst über den weiteren Aufbau der Verwaltung
entscheiden. Soweit es aber bei der bestehenden Regelung mit Fachbereich und
Abteilungsleitung bliebe, würde er dann auch das Ergebnis der externen
Stellenbewertung akzeptieren und umsetzen.
Der Kläger hat beantragt
45
festzustellen, dass die beklagte Stadt verpflichtet ist, ihm ab September 1998
eine Vergütung nach der Vergütungsgruppe III BAT zu zahlen.
46
Die beklagte Stadt hat beantragt,
47
die Klage abzuweisen.
48
Die beklagte Stadt hat vorgetragen:
49
Das zutreffende Ergebnis der internen Stellenbewertung sei von ihr akzeptiert und
umgesetzt worden. Eine Zusage auf eine entsprechend höhere Eingruppierung sei dem
Kläger nicht gemacht worden. Für eine Höhergruppierung des Klägers sei ein
entsprechender Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses ihres Rats notwendig.
50
Durch Urteil vom 30.08.2001 hat das Arbeitsgericht der Klage stattgegeben und die
Kosten des Rechtsstreits der beklagten Stadt auferlegt. Den Streitwert hat es auf
16.200,-- DM festgesetzt.
51
In den Entscheidungsgründen hat das Arbeitsgericht ausgeführt, aufgrund des von der
beklagten Stadt geschaffenen Vertrauenstatbestands seien die Grundsätze der
Verteilung der Darlegungs- und Beweislast bei der korrigierenden Rückgruppierung
entsprechend anzuwenden. Dieser Verpflichtung sei die beklagte Stadt nicht
nachgekommen. Sachliche Gründe für die Unrichtigkeit des externen Gutachtens seien
von ihr nicht vorgetragen worden.
52
Gegen dieses ihr am 24.09.2001 zugestellte und wegen der sonstigen Einzelheiten
hiermit in Bezug genommene Urteil hat die beklagte Stadt am 22.10.2001 Berufung
eingelegt und diese nach Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist bis zum
22.12.2001 am 20.12.2001 begründet.
53
Die beklagte Stadt greift das arbeitsgerichtliche Urteil insgesamt an. Sie sieht einen Fall
der Anwendung der Grundsätze der Verteilung der Darlegungslast bei der
korrigierenden Rückgruppierung nicht gegeben. Im Übrigen hält sie weiterhin den
Vortrag des Klägers als nicht schlüssig.
54
Die beklagte Stadt beantragt,
55
das Urteil des Arbeitsgerichts Hamm vom 30.08.2001 - 4 Ca 888/01 -
abzuändern und die Klage abzuweisen.
56
Der Kläger beantragt,
57
die Berufung der beklagten Stadt gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Hamm
vom 30.08.2001 - 4 Ca 888/01 - zurückzuweisen.
58
Der Kläger verteidigt das erstinstanzliche Urteil. Er ist darüber hinaus weiterhin der
Auffassung, dass die Klage schlüssig sei und die Voraussetzungen der tariflichen
Merkmale der Vergütungsgruppe III BAT/VKA erfüllt seien.
59
Wegen des weiteren Vortrags der Parteien wird auf die zwischen den Parteien
gewechselten Schriftsätze und auf die Erklärungen der Parteien in der mündlichen
Verhandlung verwiesen.
60
Entscheidungsgründe
61
A.
62
I.
ist begründet.
63
Dem Kläger steht der begehrte Anspruch auf Vergütung nach der Vergütungsgruppe III
BAT seit dem 01.09.1998 gegen die beklagte Stadt gemäß § 611 Abs. 1 BGB in
Verbindung mit dem Arbeitsvertrag zu. Zu Recht hat das Arbeitsgericht der Klage
stattgegeben.
64
1.
Bundes-Angestelltentarifvertrag in der für den Bereich der kommunalen
Arbeitgeberverbände (VKA) geltenden Fassung mit unmittelbarer und zwingender
Wirkung (§ 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG) Anwendung.
65
2.
der die Gesamtarbeitszeit des Klägers ausfüllende Arbeitsvorgänge den
Tätigkeitsmerkmalen der von ihm für sich in Anspruch genommenen Vergütungsgruppe
III BAT/VKA entspricht (§ 22 Abs. 2, Unterabs. 2 BAT).
66
a)
entwickelten Begriff des Arbeitsvorgangs.
67
Hierunter ist eine unter Hinzurechnung der Zusammenhangstätigkeiten und bei
Berücksichtigung einer sinnvollen, vernünftigen Verwaltungsübung nach tatsächlichen
Gesichtspunkten abgrenzbare und tarifrechtlich selbständig bewertbare Arbeitseinheit
der zu einem bestimmten Arbeitsergebnis führenden Tätigkeit des Angestellten zu
verstehen (vgl. z.B. BAG, Urteil vom 26.03.1997 - 4 AZR 489/95 - AP Nr. 223 zu §§ 22,
23 BAT 1975, m.w.N.). Dabei ist es zwar rechtlich möglich, dass die gesamte Tätigkeit
des Angestellten nur einen einheitlichen Arbeitsvorgang bildet, wenn der Aufgabenkreis
nicht weiter aufteilbar und nur einer einheitlichen rechtlichen Bewertung zugänglich ist
(vgl. z.B. BAG, Urteil vom 30.01.1985 - 4 AZR 184/83 - AP Nr. 101 zu §§ 22, 23 BAT
68
1975; Urteil vom 23.02.1983 - 4 AZR 222/80 - AP Nr. 70 zu §§ 22, 23 BAT 1975).
b)
Klägers als Leiter des Jugendamts der beklagten Stadt ein einheitlicher Arbeitsvorgang.
69
Leitende und überwachende Funktionen werden nach der Rechtsprechung des
Bundesarbeitsgerichts regelmäßig als ein einheitlicher Arbeitsvorgang betrachtet (vgl.
z.B. BAG, Urteil vom 20.06.2001 - 4 AZR 288/00 - ZTR 2002, 178; BAG, Urteil vom
12.06.1996 - 4 AZR 94/95 - AP Nr. 33 zu §§ 22, 23 BAT Sozialarbeiter; BAG, Urteil vom
25.03.1991 - 4 AZR 1012/88 - AP Nr. 42 zu §§ 22, 23 BAT 1975; vgl. auch Beispiele bei
Clemens u.a., BAT, Band 1, § 22, Erl. 7 II (d) dd).
70
3.
für Angestellte im Sozial- und Erziehungsdienst, nicht nach der Allgemeinen
Vergütungsordnung der Anlage 1 a zum BAT/VKA.
71
Entscheidend für die Abgrenzung ist, ob der Kläger eine dem Berufsbild des
Sozialpädagogen/Sozialarbeiters entsprechende Tätigkeit auszuüben hat. Der Kläger
leitet in seiner Funktion die Kinder-, Jugend und Familienhilfe der beklagten Stadt. Er ist
Sozialpädagoge und übt damit Tätigkeiten eines Sozialpädagogen im Bereich des
Sozial- und Erziehungsdienstes aus.
72
4. a)
Tarifvertrags für Angestellte im Sozial- und Erziehungsdienst an:
73
"...
74
Vergütungsgruppe V b
75
...
76
10. Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit staatlicher Anerkennung und
entsprechender Tätigkeit sowie sonstige Angestellte, die aufgrund gleichwertiger
Fähigkeiten und Erfahrungen entsprechende Tätigkeiten ausüben.
77
...
78
Vergütungsgruppe IV b
79
...
80
16. Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit staatlicher Anerkennung und
entsprechender Tätigkeit sowie sonstige Angestellte, die aufgrund gleichwertiger
Fähigkeiten und Erfahrungen entsprechende Tätigkeiten ausüben, mit schwierigen
Tätigkeiten.
81
...
82
Vergütungsgruppe IV a
83
...
84
...
84
15. Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit staatlicher Anerkennung und
entsprechender Tätigkeit sowie sonstige Angestellte, die aufgrund gleichwertiger
Fähigkeiten und Erfahrungen entsprechende Tätigkeiten ausüben, deren Tätigkeit
sich durch besondere Schwierigkeit und Bedeutung aus der Vergütungsgruppe IV b
Fallgruppe 16 heraushebt.
85
...
86
Vergütungsgruppe III
87
...
88
6. Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit staatlicher Anerkennung und entsprechender
Tätigkeit sowie sonstige Angestellte, die aufgrund gleichwertiger Fähigkeiten und
Erfahrungen entsprechende Tätigkeiten ausüben, deren Tätigkeit sich durch das
Maß der damit verbundenen Verantwortung erheblich aus der Vergütungsgruppe IV
a Fallgruppe 15 heraushebt.
89
..."
90
b)
müssen die Voraussetzungen der jeweiligen Ausgangsvergütungsgruppe erfüllt sein.
Anschließend sind die weiteren Merkmale der darauf aufbauenden höheren
Vergütungsgruppen zu prüfen (vgl. z.B. BAG, Urteil vom 17.08.1994 - 4 AZR 644/93 -
AP Nr. 183 zu §§ 22, 23 BAT 1975; BAG, Urteil vom 20.09.1995 - 4 AZR 413/94 - AP Nr.
205 zu §§ 22, 23 BAT 1975). Dabei genügt eine pauschale Überprüfung, soweit die
Parteien die Tätigkeit des Klägers als unstreitig ansehen (vgl. BAG, Urteile vom
17.08.1994 a.a.O. und vom 20.09.1995 a.a.O.).
91
c)
übertragen worden ist (§ 22 Abs. 2 Unterabs. 1 BAT).
92
Der Bewertung ist damit der Tätigkeitsbereich zugrunde zu legen, der dem Kläger am
01.09.1998 auf Dauer übertragen worden ist. Selbst wenn die späteren
Umorganisationen zu einer Änderung der tariflichen Wertigkeit des Aufgabenbereichs
des Klägers geführt haben, bleibt der einmal erworbene tarifliche (= vertragliche)
Vergütungsanspruch hiervon unberührt.
93
5.
Vergütungsgruppe V b Fallgruppe 10 BAT/VKA.
94
Er ist Sozialpädagoge mit staatlicher Anerkennung. Seine Tätigkeit als Leiter des
Jugendamts entspricht - wie dargelegt - dem Berufsbild eines Sozialpädagogen.
95
6.
BAT/VKA mit dem Heraushebungsmerkmal "mit schwierigen Tätigkeiten" vor.
96
Schon nach der Protokollnotiz Nr. 12 ist dieses Merkmal u.a. erfüllt bei "Koordinierung
der Arbeiten mehrerer Angestellter mindestens der Vergütungsgruppe V b".
97
7.
16 BAT/VKA durch "besondere Schwierigkeit und Bedeutung" im Sinne der
Vergütungsgruppe IV a Fallgruppe 15 BAT/VKA heraus.
98
a)
was die Schwierigkeit angeht, eine beträchtliche, gewichtige Heraushebung im
Vergleich mit den fachlichen Anforderungen der Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16
BAT/VKA.
99
Bei der gesteigerten Bedeutung der Tätigkeit genügt eine deutlich wahrnehmbare
Heraushebung. Sie muss sich auf die Auswirkungen der Tätigkeit beziehen und kann
sich aus der Art oder der Größe des Aufgabengebiets sowie aus der Tragweite für den
innerdienstlichen Bereich ergeben.
100
b)
genügt eine pauschale Bewertung.
101
aa)
Jugendamts verlangt wird, übersteigt die Anforderungen der Vergütungsgruppe IV b
Fallgruppe 16 BAT/VKA in gewichtiger Weise, d.h. beträchtlich. Die erhöhte
Qualifikation ergibt sich schon aus der Breite und Tiefe des geforderten fachlichen
Wissens, wenn man die Funktion des Klägers vergleicht mit den Funktionen, die als
Beispielsfälle in der Protokollerklärung Nr. 12 angegeben sind.
102
bb)
Bedeutung der Tätigkeit ergibt sich im innerdienstlichen Bereich schon aus der
hierarchischen Einordnung der Stelle. Die besonderen Auswirkungen für die
Allgemeinheit ergeben sich aus der Tatsache, dass der Kläger zuständig ist für die
Leitung und Koordination der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe der beklagten Stadt.
103
8.
weiter durch das Maß der damit verbundenen Verantwortung erheblich aus der
Vergütungsgruppe IV a Fallgruppe 15 BAT/VKA heraus.
104
a)
dass - ausgehend von dem Tätigkeitsmerkmal der niedrigeren Vergütungsgruppe - eine
beträchtliche, gewichtige Heraushebung und damit eine besonders weitreichende hohe
Verantwortung zu fordern ist. Dieses Maß der Verantwortung kann nur in einer
Spitzenposition des gehobenen Angestelltendienstes erreicht werden, z.B. durch
Angestellte, die große Arbeitsbereiche bei Verantwortung für mehrere Arbeitsgruppen
mit qualifizierten Gruppenleitern leiten, bzw. durch Angestellte, die besonders
schwierige Grundsatzfragen mit richtungsweisender Bedeutung für nachgeordnete
Gerichte oder die Allgemeinheit beantworten (vgl. grundlegend BAG, Urteil vom
29.01.1986 - 4 AZR 465/84 -, AP Nr. 115 zu §§ 22, 23 BAT 1975; vgl. auch BAG, Urteil
vom 09.07.1997 - 4 AZR 780/95 - AP Nr. 39 zu §§ 22, 23 BAT Sozialarbeiter Nr. 39;
BAG, Urteil vom 20.06.2001 - 4 AZR 288/00 - ZTR 2002, 178).
105
b)
Kläger am 01.09.1998 auf Dauer übertragene Tätigkeitsbereich - wie oben dargelegt -
zugrunde zu legen ist (§ 22 Abs. 2 Unterabs. 1 und 2 BAT).
106
aa)
Als Leiter des Jugendamts leitet er einen großen Arbeitsbereich mit Verantwortung für
zwei große Arbeitsgruppen. Die Aufgabenstellung der Abteilung umfasst die gesamte
Bandbreite der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe eines Jugendamts. Es handelt sich
um eine - wie von der Rechtsprechung gefordert - Spitzenposition des gehobenen
Dienstes im Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes.
107
bb)
die Organisationsverantwortung (Ziffer 1.4 der Stellenbeschreibung), die
Personalverantwortung (Ziffer 1.2 der Stellenbeschreibung) und die
Finanzverantwortung (Ziffer 1.3 der Stellenbeschreibung). Hinzu kommt die spezielle
Fachverantwortung für die Jugendarbeit, den allgemeinen sozialen Dienst und den
Adoptions- und Pflegekinderdienst (Ziffer 2 der Stellenbeschreibung). Zu
berücksichtigen ist auch die Verantwortung des Klägers als weisungsunabhängiges
beratendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss.
108
cc)
entgegen der Auffassung der beklagten Stadt zu keiner anderen Bewertung.
109
Die organisatorische Stellung in der Hierarchie (Stand 01.09.1998) zeigt, dass der
Kläger tatsächlich eine Spitzenposition im Bereich des gehobenen Dienstes wahrnimmt.
Seine Verantwortlichkeit als Amtsleiter des Jugendamts wird durch die organisatorische
Unterstellung nicht begrenzt. Dass diese Verantwortung auf den Fachbereichsleiter
übertragen worden ist, hat auch die beklagte Stadt nicht vorgetragen.
110
dd)
beträchtlich höher und gewichtiger als die Verantwortung, die bei einem Angestellten
der nächst niedrigeren Vergütungsgruppe IV a BAT/VKA zur Rede steht. Dies zeigt ein
Vergleich der Verantwortlichkeit des Klägers mit der Verantwortung, die die in den
Tätigkeitsmerkmalen der Vergütungsgruppe IV a BAT/VKA genannten Leiter von
Kindertagesstätten und Leiter von Erziehungsheimen zu tragen haben.
111
II.
Höhergruppierung stützt, kann dahingestellt bleiben, ob im vorliegenden Fall - wie das
Arbeitsgericht meint - die Grundsätze der Verteilung der Darlegungs- und Beweislast bei
der korrigierenden Rückgruppierung entsprechend anzuwenden sind.
112
B.
113
Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.
114
Die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision sind nicht gegeben.
115
Knipp
Martin
Radek
116