Urteil des KG Berlin vom 12.11.2004, 1 Ss 61/05

Aktenzeichen: 1 Ss 61/05

KG Berlin: gefahr im verzug, im bewusstsein, befehl, gefährdung, zustand, weisung, verschluss, meldung, offenkundigkeit, quelle

Quelle: Gericht: KG Berlin 5. Strafsenat

Entscheidungsdatum: 11.05.2005

Normen: § 113 Abs 3 StGB, § 88 StVollzG, § 91 StVollzG

Aktenzeichen: (5) 1 Ss 61/05 (12/05)

Dokumenttyp: Urteil

Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte: Rechtmäßigkeitskontrolle für eine wegen Gefahr im Verzug vom schichtleitenden Strafvollzugsbeamten angeordnete besondere

Sicherungsmaßnahme gegen einen Strafgefangenen

Leitsatz

Zur Rechtmäßigkeit einer aufgrund von Gefahr im Verzug von einem anderen Bediensteten als dem Anstaltsleiter angeordneten besonderen Sicherungsmaßnahme

Tenor

Die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landgerichts Berlin vom 12. November 2004 wird verworfen.

Die Landeskasse Berlin hat die Kosten des Revisionsverfahrens und die dem Angeklagten insoweit entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Gründe

1Das Amtsgericht Tiergarten in Berlin hat den Angeklagten wegen Bedrohung in zwei Fällen, jeweils in Tateinheit mit versuchter Nötigung, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt; im übrigen, nämlich hinsichtlich des Vorwurfes, sich am 9. Dezember 2002 in der Justizvollzugsanstalt Tegel eines Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte (Nr. 2 des konkreten Anklagesatzes der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Berlin vom 17. September 2003 - 70 Js 504/03 -) schuldig gemacht zu haben, hat es ihn aus Rechtsgründen freigesprochen. Die auf den Teilfreispruch beschränkte Berufung der Staatsanwaltschaft hat das Landgericht Berlin mit dem angefochtenen Urteil verworfen. Mit ihrer Revision rügt die Staatsanwaltschaft die Verletzung des sachlichen Rechts.

2Die Revision ist unbegründet. Die Rüge der Verletzung sachlichen Rechts greift nicht durch.

I.

3Das Landgericht hat zum Tatgeschehen im Wesentlichen folgende Feststellungen getroffen:

4Die Justizvollzugsbeamtin B... schloss den Angeklagten am 9. Dezember 2002 gegen 16.50 Uhr in der Justizvollzugsanstalt Tegel in seinen Haftraum ein und begab sich anschließend zur Zentrale, wo sie dem schichtleitenden Justizvollzugsbeamten St... in aufgeregtem Zustand meldete, der Angeklagte habe sie beim Einschluss an der Bluse ergriffen und in seinen Haftraum zu ziehen versucht. An der Dienstbluse fehlten drei Knöpfe. Daraufhin löste der Schichtleiter, ohne zuvor versucht zu haben, die Anstaltsleitung zu erreichen, Teilbereichsalarm aus und wies die eingetroffenen Beamten Sch..., P..., Ba... und Br... an, den Angeklagten wegen Gefahr im Verzug in einen besonders gesicherten Haftraum zu verbringen, wobei er sich selbst und P... mit Schlagstöcken ausstattete. Der Beamte Sch... öffnete sodann die von außen verschlossene Tür des Haftraumes und forderte den vor dem Fenster beim Abendbrot sitzenden Angeklagten auf, in den besonders gesicherten Haftraum mitzukommen. Der Angeklagte stand daraufhin auf, wobei er noch sein Besteckmesser in der Hand hielt. Der Beamte Sch..., der - zu Unrecht - befürchtete, es könnte sich bei dem tatsächlich ungefährlichen, von der Anstalt ausgegebenen Messer um ein von dem Angeklagten angespitztes gefährliches Werkzeug handeln, rief: „Messer weg!“, worauf der Beamte St... dem Angeklagten sofort mit dem Schlagstock auf den Unterarm schlug, so dass ihm das Messer aus der Hand fiel. Die übrigen Beamten drängten daraufhin in den

ihm das Messer aus der Hand fiel. Die übrigen Beamten drängten daraufhin in den Haftraum nach und zogen den Angeklagten gemeinsam mit dem Schichtleiter aus dem Haftraum heraus in den Flur, wogegen sich der Angeklagte, mit Armen und Beinen um sich schlagend und tretend, wehrte. Ihm wurden die Hände mit Handfesseln auf dem Rücken fixiert, und er wurde durch die Beamten St..., P..., Br... und Ba... in den besonders gesicherten Haftraum geführt.

II.

5Auf dieser Grundlage hat das Landgericht den Angeklagten zu Recht von dem Vorwurf des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte mit der Begründung freigesprochen, die festgestellten Widerstandshandlungen seien nicht strafbar. Denn eine Strafbarkeit des Angeklagten gemäß § 113 Abs. 1 StGB scheidet vorliegend nach Abs. 3 dieser Vorschrift aus, weil die Diensthandlungen, gegen die er sich zur Wehr setzte, nicht rechtmäßig waren.

61. Zwar ist die Rechtmäßigkeit der Diensthandlung gemäß § 113 Abs. 3 StGB nach eigenständigen, vom Verwaltungsrecht losgelösten strafrechtlichen Kriterien zu beurteilen, die geringere Anforderungen stellen (vgl. BGHSt 4, 161, 163; BGHSt 21, 334, 363; KG NJW 2002, 3789 und StV 2001, 260). Danach ist entscheidend nicht die materielle Richtigkeit der Diensthandlung, sondern (nur) deren formale Rechtmäßigkeit (vgl. BGH und KG aaO; Bosch in MünchKomm, StGB § 113 Rdn. 32; v. Bubnoff in LK, StGB 11. Aufl., § 113 Rdn. 25; Eser in Schönke/Schröder, StGB 26. Aufl., § 113 Rdn. 21; Tröndle/Fischer, StGB 52. Aufl., § 113 Rdn. 11, jeweils mit weit. Nachw.). Maßgebend ist die Einhaltung der (sachlichen und örtlichen) Zuständigkeit und die Wahrung der wesentlichen Förmlichkeiten. Zudem trägt der handelnde Organwalter die Pflicht zur situationsangemessenen Beurteilung erkennbarer Eingriffsvoraussetzungen sowie im Falle eines durch die Eingriffsnorm eröffneten Ermessens zu einem adäquaten Ermessensgebrauch. Rechtmäßig ist die Diensthandlung in derartigen Fällen dann, wenn der Beamte das ihm eingeräumte Ermessen pflichtgemäß ausübt und sein Handeln nach dem Ergebnis dieser Prüfung ausrichtet; ob dieses Ergebnis richtig ist oder sich nach späterer Prüfung als falsch herausstellt, ist für die Frage der Rechtmäßigkeit bedeutungslos, wenn der Beamte aufgrund sorgfältiger Prüfung in der Annahme gehandelt hat, zu der Dienstausübung berechtigt und verpflichtet zu sein. Es kommt darauf an, ob der Beamte im Bewusstsein seiner Verantwortung und unter bestmöglicher pflichtgemäßer Abwägung aller ihm bekannten Umstände die Handlung für nötig und sachlich gerechtfertigt halten durfte (vgl. BGHSt 21, 334, 363).

7Nur ein schuldhafter Irrtum über die Erforderlichkeit der Amtsausübung, Willkür oder Amtsmissbrauch machen die Handlung rechtswidrig (vgl. BGHSt 21, 334, 363).

82. Das Vorgehen der Justizvollzugsbeamten genügte aber auch diesen gelockerten Anforderungen nicht.

9a) Der als Schichtleiter fungierende Vollzugsbeamte St... ordnete nach den Urteilsfeststellungen ohne weitere Prüfung des Sachverhaltes sogleich die Unterbringung des Angeklagten in einem besonders gesicherten Haftraum nach § 88 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 5 StVollzG an, wobei er seine - nachrangige - Anordnungskompetenz, ohne Überprüfung der Erreichbarkeit des Anstaltsleiters oder vorrangig zuständiger Bediensteter, wegen der von ihm angenommenen Gefahr im Verzug auf § 91 Abs. 1 Satz 2 StVollzG stützte. Zwar war nach der Meldung der Beamtin B..., zumal da diese „in aufgeregtem Zustand“ erfolgt war (UA, S. 3), die Notwendigkeit entstanden, den Sachverhalt zu überprüfen und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu treffen. Nach den Feststellungen des Landgerichts war jedoch bereits zur Zeit der Meldung des Vorfalls klar, dass sich der Angeklagte inzwischen in seinem Haftraum nach dem Einschluss unter Verschluss befand und sich bis zur nächsten regulären Haftraumöffnung am Morgen des folgenden Tages weiterhin dort befinden würde. Eine Gewaltanwendung gegen andere Personen war damit ausgeschlossen; für Gewaltanwendungen gegen sich selbst fehlte jeder Anhalt. Ob Gewalt gegen Sachen zu erwarten war, hätte sich unschwer durch einen Blick durch den Sichtspion der Haftraumtür (soweit möglich) oder durch die Überprüfung der Geräusche, die aus dem Haftraum dringen, beurteilen lassen. Beim Eintreffen im Haftraum fanden die Beamten den Angeklagten jedenfalls am Fenster sitzend beim zu dieser Zeit allgemein stattfindenden Abendessen vor.

10 Bei dieser Sachlage war bereits die Aufrechterhaltung der zunächst getroffenen Anordnung, den Angeklagten wegen erhöhter Gefahr von Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen in einem besonders gesicherten Haftraum unterzubringen, von der Eingriffsgrundlage des § 88 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 5 StVollzG nicht mehr gedeckt. Die Gefahr von Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen liegt vor, wenn Gewaltakte in massiver Art und Weise durch das Verhalten oder den Zustand des Gefangenen drohen

massiver Art und Weise durch das Verhalten oder den Zustand des Gefangenen drohen (vgl. Brühl in AK-StVollzG 4. Aufl., § 88 Rdn. 7). Bei einer im erhöhten Maße - dieses Merkmal bezieht sich auf alle in § 88 Abs. 1 StVollzG angesprochenen Gefahren (vgl. Brühl aaO Rdn. 5) - gegebenen Gefahr können besondere Sicherungsmaßnahmen nach § 88 Abs. 2 StVollzG angeordnet werden. Bei dieser Ermessensentscheidung ist die Notwendigkeit einer Maßnahme mit dem Eingliederungsprinzip sorgfältig abzuwägen. Ob und welche Sicherungsmaßnahmen zu treffen sind, ist unter den Aspekten der Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit nach den Umständen des Einzelfalles zu entscheiden. Dabei ist wegen des schwerwiegenden Eingriffs in die Persönlichkeitsrechte des Gefangenen, die mit solchen Maßnahmen verbunden sind, insbesondere zu beachten, dass es sich um äußerste Notmaßnahmen handelt, die nach Möglichkeit durch Ausschöpfung aller anderen, milderen Mittel zu vermeiden sind.

11 Angesichts der gesicherten Unterbringungsverhältnisse des Angeklagten nach regulärem Einschluss und seines ruhigen Verhaltens zur Zeit der Haftraumöffnung bestand für die Annahme von Gefahr im Verzug in einer Offenkundigkeit kein Raum, die mindestens das Festhalten an der einmal getroffenen Anordnung und ihre Umsetzung auch nach den genannten strafrechtlichen Rechtmäßigkeitskriterien rechtswidrig werden ließ.

12 Gefahr im Verzug, deren Vorliegen allein die Zuständigkeit der handelnden Beamten eröffnet hätte, ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. BVerfG NJW 2001, 1121) ein eng auszulegender Rechtsbegriff. Die Annahme von Gefahr im Verzug muss mit Tatsachen begründet werden, die auf den Einzelfall bezogen sind. Lediglich spekulativ-hypothetische Erwägungen oder auf kriminalistische Alltagserfahrungen gestützte, fallunabhängige Vermutungen reichen nicht aus (BVerfG aaO). Sie liegt vor, wenn sich beim Abwarten der Entscheidung des nach § 91 Abs. 1 Satz 1 StVollzG vorrangig Entscheidungsbefugten die durch die Sicherungsmaßnahme zu verhütende Gefahr zu verwirklichen droht oder wenn eine bereits eingetretene Störung mit nachteiligen Folgen fortdauern würde (vgl. Arloth/Lückemann, StVollzG § 91 Rdn. 1).

13 Eine derartige Situation war nach den landgerichtlichen Feststellungen objektiv nicht gegeben. Denn angesichts dessen, dass sich der Angeklagte unter Verschluss in seinem Haftraum befand, sich in diesem ruhig verhielt und mit den gewöhnlichen Verrichtungen des Tagesablaufes befasst war, ging von ihm ersichtlich keine Gefährdung für Personen oder Sachen aus. Wie sich den Gründen des landgerichtlichen Urteils entnehmen lässt, hat der Vollzugsbeamte St... in der Berufungshauptverhandlung dazu bekundet, er habe keine konkreten Anhaltspunkte für das Vorliegen von Gefahr im Verzug gehabt. Die handelnden Beamten, die diese Situation problemlos registrieren konnten, verstießen durch die Aufrechterhaltung und zwangsweise Durchführung der angeordneten Sicherungsmaßnahme gegen die sie treffende Pflicht zur situationsangemessenen Beurteilung der für sie erkennbaren Eingriffsvoraussetzungen. Denn ihnen standen mehrere Handlungsalternativen zur Auswahl, beispielsweise die Beobachtung des Gefangenen bei Nacht 88 Abs. 2 Nr. 2 StVollzG), und es bestand keinerlei Zeitdruck, der ihre Erkenntnismöglichkeiten bei der Entscheidung hätte begrenzen können.

14 Bei der Beurteilung der Rechtmäßigkeit der in Rede stehenden Diensthandlungen ist zudem zu beachten, dass der gelockerte strafrechtliche Rechtmäßigkeitsbegriff des § 113 Abs. 3 StGB nach den Vorstellungen des Gesetzgebers dem Zweck dient, den Vollzugsbeamten in seiner Entschlusskraft bei der Amtsausübung zu schützen, die gelähmt würde, müsste er in der konkreten, oftmals hektischen und unübersichtlichen Entscheidungssituation eingehende rechtliche Erwägungen anstellen. Maßgeblich für derartige Handlungssituationen, wie sie etwa für Versammlungen, Aufzüge und Razzien, aber auch im Rahmen von Verkehrskontrollen typisch sind, ist der strafrechtliche Rechtmäßigkeitsbegriff entwickelt worden (vgl. BGHSt 4, 161, 164). In der Konsequenz dessen erhöhen sich die Prüfungsanforderungen für die handelnden Amtsträger umso mehr, je überschaubarer und gesicherter die von ihm vorgefundene Situation ist. Hier war die Lage geordnet und übersichtlich. Sie barg für keinen der Beamten und für niemand anderen, ebenso wenig für Sachen, eine gegenwärtige unmittelbare Gefährdung.

15 Auch die spezielle Zuständigkeitsregelung für die Anordnung von besonderen Sicherungsmaßnahmen, wie sie der Gesetzgeber in § 91 Abs. 1 StVollzG getroffen hat, hätte bei pflichtgemäßer Beurteilung der Eingriffsvoraussetzungen vor der Anordnung der Maßnahme beachtet werden müssen. Danach darf grundsätzlich nur der Anstaltsleiter - oder von diesem mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde bestimmte höherrangige Bedienstete - die Sicherungsmaßnahme anordnen. Sinn dieser Regelung ist die Prüfung des Sachverhaltes ohne Zorn und Eifer durch einen übergeordneten

ist die Prüfung des Sachverhaltes ohne Zorn und Eifer durch einen übergeordneten Bediensteten, der an dem - häufig emotional aufgeladenen - Konflikt nicht beteiligt war. Die Zweckmäßigkeit der vorbehaltenen Anordnungsbefugnis erweist sich gerade am vorliegenden Fall, in dem die Ausübung der Eilkompetenz ersichtlich unnötig war.

16 b) Der Umstand, dass die Beamten Sch..., P..., Ba... und Br... auf Weisung des Schichtleiters St... handelten, führt auch für deren Diensthandlungen zu keiner anderen Beurteilung.

17 Die Weisung des Dienstvorgesetzten konnte sie vorliegend nicht decken. Für den - aufgrund der beamtenrechtlichen Weisungsstrukturen regelmäßig gegebenen - Fall des Handelns auf Befehl oder Weisung gelten folgende Grundsätze: Handelt ein Amtsträger auf einen - nicht offensichtlich rechtswidrigen - Befehl eines Vorgesetzten, so ist der von ihm auf die Anordnung vorgenommene Vollzugsakt rechtmäßig, sofern er im Vertrauen auf die Rechtmäßigkeit der Anordnung vorgenommen wurde, mag auch der Vorgesetzte die Eingriffsvoraussetzungen in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht verkannt haben. Zur Prüfung ihrer Rechtmäßigkeit ist der unmittelbar vollziehende Beamte grundsätzlich weder berechtigt noch verpflichtet (vgl. BGHSt 4, 161; KG NJW 1972, 781). Gerade für diese Konstellation der auf entsprechenden Befehl hin vorgenommenen Diensthandlung ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass sich ein Vollstreckungsbeamter häufig in der Lage sieht, in einem schwierig gelagerten Fall eine schnelle Entscheidung zu treffen, und es ihm dabei oft nicht möglich ist, die gesamten Umstände zu übersehen und richtig zu würdigen. Legte man hier den strengen verwaltungsmäßigen Rechtmäßigkeitsbegriff zugrunde, wäre das Risiko des Beamten zu groß und dadurch die Gefahr gegeben, dass seine Initiative gelähmt würde (vgl. KG aaO unter Bezugnahme auf den Bericht des Sonderausschusses im Rahmen des 3. Strafrechtsreformgesetzes vom 20. Mai 1970, BT-Drucks. VI/502, S. 5).

18 Gemessen an diesen Grundsätzen gilt für die Vollzugsbeamten, die auf Anordnung des Schichtleiters handelten, vorliegend aber derselbe Pflichtenmaßstab wie für diesen. Denn eine unübersichtliche, schnelles Handeln erfordernde Situation der oben skizzierten Art, die die auf Anordnung handelnden Beamten zu Recht privilegierte, lag, wie bereits dargestellt, nicht vor. Eine andere Beurteilung wäre möglicherweise am Platze, hätte der Vorgesetzte das Vorkommnis bei Erteilung der Anordnung dramatisiert. Das ist aber nicht festgestellt. Hätte ihnen der Dienstvorgesetzte hingegen keinerlei Information über den Anlass für die angeordnete Sicherungsmaßnahme gegeben, so hätte dies die Anforderungen an ihre eigene pflichtgemäße Situationsbeurteilung nicht herabgesetzt, sondern erhöht. Denn für eine pauschale Privilegierung des blindlings gutgläubigen Vollzugsbeamten besteht kein Bedürfnis, wenn für den Untergebenen das (teilweise oder vollständige) Fehlen der Eingriffsvoraussetzungen auch ohne besondere Prüfung der Sach- und Rechtslage erkennbar war (vgl. Eser in Schönke/Schröder, StGB 26. Aufl., § 113 Rdn. 31).

19 Für die von dem Schichtleiter herbeigerufenen Vollzugsbeamten war die Situation hier problemlos erkennbar und einschätzbar. Es fanden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass von dem eingeschlossenen Gefangenen aktuell eine erhöhte Gefährdung für Personen oder Sachen ausging. Der Vollzugsbeamte St... nahm zudem persönlich an der Maßnahme teil, so dass eine abwägende, hinterfragende Kommunikation jederzeit möglich war.

20 Die Kostenentscheidung folgt aus § 467 Abs. 1 StPO.

Datenschutzerklärung Kontakt Impressum

Urteil herunterladen
Informationen
Optionen
Sie suchen einen Anwalt?

Wir finden den passenden Anwalt für Sie! Nutzen Sie einfach unseren jusmeum-Vermittlungsservice!

Zum Vermittlungsservice