Urteil des FG Münster, Az. 4 K 1802/08 E

FG Münster (berufliche tätigkeit, coaching, kläger, ausbildung, tätigkeit, seminar, stadt, bezug, training, geschäftsführer)
Finanzgericht Münster, 4 K 1802/08 E
Datum:
27.11.2009
Gericht:
Finanzgericht Münster
Spruchkörper:
4. Senat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
4 K 1802/08 E
Sachgebiet:
Finanz- und Abgabenrecht
Tenor:
Der Einkommensteuerbescheid 2006 vom 11.12.2007 wird unter
Aufhebung der Einspruchsentscheidung vom 11.04.2008 nach Maßgabe
der Urteilsgründe geändert. Die Berechnung der Einkommensteuer wird
dem Beklagten übertragen. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
Die Kosten des Verfahrens tragen die Kläger zu 55 % und der Beklagte
zu 45 %.
Das Urteil ist wegen der Kosten der Kläger vorläufig vollstreckbar. Der
Beklagte darf die Vollstreckung der Kläger durch Sicherheitsleistung in
Höhe des beizutreibenden Betrags abwenden, wenn nicht die Kläger vor
der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leisten.
Tatbestand:
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Streitig ist, ob Aufwendungen für die Teilnahme an verschiedenen Seminaren als
Werbungskosten zu berücksichtigen sind.
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Die Kläger sind Eheleute und werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt.
Beide sind Diplom-Ingenieure. Sie wohnten im Streitjahr zunächst in I-Stadt. Der Kläger
war bei der U-AG beschäftigt. Zum 01.06.2006 wechselte er zur WM- GmbH & Co. KG
mit Sitz in L-Stadt. Der Kläger wurde zum Geschäftsführer der Komplementär-GmbH
(der WM- Beteiligungs-GmbH) bestellt; die WM- GmbH & Co. KG hatte im Streitjahr rd.
20 Mitarbeiter. Die Klägerin war von Januar bis Mitte April 2006 bei einer in der
Universität B-Stadt angesiedelten Einrichtung der N- Gesellschaft nichtselbständig tätig
und bezog für diesen Zeitraum einen Bruttoarbeitslohn in Höhe von 4.360 EUR. Von
Mitte April bis Ende Juli 2006 erhielt sie Arbeitslosengeld. Infolge des
Arbeitsplatzwechsels des Klägers zogen die Kläger im Verlauf des Streitjahres nach M-
Stadt. Seit Februar 2007 ist die Klägerin bei der WD- GmbH & Co. KG angestellt, die
ihren Sitz in P-Stadt hat und Dienstleistungen im Bereich der technischen und
betriebswirtschaftlichen Beratung (einschließlich der Durchführung von Aus- und
Weiterbildungsmaßnahmen) anbietet. Die Klägerin führt für die WD- GmbH & Co. KG
Coaching-Maßnahmen (Business- und persönliches Coaching) durch. Ihr
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Bruttoarbeitslohn belief sich im Jahr 2007 auf 15.243 EUR und im Jahr 2008 auf 21.043
EUR.
Im Streitjahr nahmen die Kläger Seminarangebote der D- Academie KG (C-Stadt) wahr:
Am 24. und 25.05.2006 absolvierten beide das Seminar "Geldtraining"; vom 29.06. bis
02.07.2006 nahm der Kläger am "Empowerment-Training" teil; an drei Wochenenden
des Streitjahres (11. bis 13.08., 27. bis 29.10. und 08. bis 10.12.) und vier Wochenenden
des Folgejahres durchliefen beide Kläger eine "Coaching Ausbildung". Wegen der
Inhalte der Seminare und der - potentiellen - Teilnehmerkreise wird auf das
Informationsmaterial Bezug genommen, dass die D- Academie dem Beklagten mit
Schreiben vom 04.03.2008 im Einspruchsverfahren übersandt hat. Die Gebühren für alle
Seminare wurden im Streitjahr fällig und wurden von den Klägern entrichtet.
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In ihrer Einkommensteuererklärung für das Streitjahr machten die Kläger jeweils
Werbungskosten in Höhe von 9.578 EUR bei ihren Einkünften aus nichtselbständiger
Arbeit geltend. Wegen der Ermittlung dieses Betrags wird auf die Zusammenstellung in
der Anlage "Fortbildungskosten 2006" zur Einkommensteuererklärung Bezug
genommen.
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Der Beklagte berücksichtigte diese Aufwendungen nicht. Sie seien wegen des
vorwiegend persönlichkeitsbildenden Charakters der Seminare nicht als
Werbungskosten abziehbar. Die Kläger legten Einspruch ein und machten geltend: Der
Kläger sei alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer eines Unternehmens mit 21
Mitarbeitern und stehe ständig im engen Kontakt zu Mitarbeitern und Kunden. Eine
sichere und zielführende Kommunikation sei unabdingbare Voraussetzung für eine
erfolgreiche Unternehmensführung. Die Inhalte der Coaching Ausbildung seien auf
diese Erfordernisse abgestimmt. Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die dem
Einspruchsschreiben beigefügte Erklärung des Klägers vom 23.11.2007 Bezug
genommen. Die Klägerin sei inzwischen bei der WD- GmbH & Co. KG in P-Stadt
angestellt. Die absolvierte Ausbildung verwende sie bei dieser Tätigkeit. Sie biete für
ihren Arbeitgeber Business-Coaching und Team-Coaching an. Momentan betreue sie
im Rahmen dieser Tätigkeit Kunden im Bereich Teamentwicklung durch Veranstaltung
und Leitung von Teamentwicklungsseminaren. Die Kläger reichten in diesem
Zusammenhang eine Bescheinigung der WD- GmbH & Co. KG ein, in der es heißt, im
Sommer 2007 sei dem Dienstleistungsangebot des Unternehmens Business- und
persönliches Coaching hinzugefügt worden. Die Klägerin sei im Frühjahr 2007 unter der
Voraussetzung eingestellt worden, dass sie die Coaching Ausbildung der D- Academie
KG, C-Stadt absolviere, um diesen neuen Bereich zu betreuen. Seit ihrer Anstellung
habe sie für das Unternehmen erste Coaching-Maßnahmen akquiriert und durchgeführt.
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Im weiteren Verlauf des Einspruchsverfahrens schrieb der Beklagte die D- Academie
KG an und bat darum, detaillierte Veranstaltungsprogramme über die von den Klägern
gebuchten Seminare, eine Liste mit Namen und Anschriften aller anderen
Seminarteilnehmer sowie Angaben zur beruflichen Tätigkeit der anderen
Seminarteilnehmer vorzulegen. Die Kläger hatten zuvor mitgeteilt, dass die
"Teilnehmerstruktur" bei der Coaching Ausbildung nicht homogen gewesen sei. Die D-
Academie KG teilte mit, dass sie die Namen und Anschriften der Teilnehmer sowie
deren berufliche Tätigkeit nicht übermitteln werde. Hinsichtlich des Inhalts der Seminare
verwies sie auf drei Broschüren, die sie übersandte.
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Der Beklagte wies den Einspruch mit (Teil-) Einspruchsentscheidung vom 11.04.2008 -
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hinsichtlich der hier streitigen Frage - als unbegründet zurück. Ob Seminare der
steuerlich nicht zu berücksichtigenden privaten Sphäre zuzurechnen seien, hänge
davon ab, ob sie auf die allgemeine Persönlichkeitsentwicklung oder auf die Vermittlung
von auf den Beruf des Steuerpflichtigen zugeschnittenen und für den Beruf wichtigen
Erkenntnissen ausgerichtet seien. Wesentliches Kriterium hierfür sei, ob der
Teilnehmerkreis homogen sei. Nur bei einem homogenen Teilnehmerkreis sei
anzunehmen, dass die vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten auf die konkreten
berufsspezifischen Bedürfnisse einer bestimmten Berufsgruppe ausgerichtet seien. Dies
sei vorliegend nicht der Fall, was bereits daraus folge, dass der Kläger und die Klägerin
unterschiedliche berufliche Tätigkeiten in unterschiedlichen Positionen wahrnähmen.
Zudem hätten die Kläger selbst mitgeteilt, dass der Teilnehmerkreis nicht homogen
gewesen sei. Auch die tatsächlichen Lehrinhalte rechtfertigten nicht die Annahme einer
ausschließlichen oder weitaus überwiegenden beruflichen Veranlassung. Dies ergebe
sich aus den übersandten Broschüren, in denen die Begriffe Zielcoaching, Team- und
Businesscoaching, Contextuelles NLP, Geldtraining und Empowerment-Training
erläutert seien. Er, der Beklagte, verkenne nicht, dass die vermittelten Fähigkeiten,
Handlungsstrategien usw. geeignet seien, die berufliche Tätigkeit der Kläger zu fördern.
Diese Förderung stehe jedoch untrennbar mit der Entwicklung der allgemeinen
Persönlichkeit der Kläger in Zusammenhang. Entscheidend sei, dass die gesamte
Bandbreite der Persönlichkeit und nicht nur der berufliche Bereich angesprochen werde.
Dass die Klägerin in ihrem neuen Beschäftigungsverhältnis auch als Coach tätig sei,
ändere hieran nichts. Auch insoweit sei die Entwicklung der Persönlichkeit mit der
Förderung der beruflichen Tätigkeit untrennbar verknüpft.
Zur Begründung ihrer Klage machen die Kläger geltend: Die contextuelle Coaching
Ausbildung hätten sie ausschließlich aus beruflichen Gründen vorgenommen. Eine
private (Mit-) Veranlassung sei entgegen der Ansicht des Beklagten nicht gegeben. Sie
seien seit Jahren glücklich verheiratet und mit ihrem privaten Umfeld (Kinder, Familie)
uneingeschränkt zufrieden. Eine Coaching Ausbildung sei im Hinblick auf den privaten
Bereich daher nicht erforderlich gewesen. Im Hinblick auf den beruflichen Bereich stelle
sich dies anders dar: Auf dem heutigen Arbeitsmarkt sei der permanente wirtschaftliche
Wandel täglich spürbar. Arbeitsplätze seien - auch in Führungspositionen - nicht mehr
sicher. Es stelle eine neue Herausforderung dar, diesen Veränderungsprozessen
mental und emotional gewachsen zu sein. Wenn ein Arbeitnehmer, wie sie, die Kläger,
eine außergewöhnliche Fort- und Weiterbildungsmaßnahme absolviere, diene dies der
Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes und mittelbar auch der Sicherung weiterer
Arbeitsplätze. Wenn der Beklagte auf das Merkmal der Homogenität abstelle, sei dies
problematisch. Auch Steuerpflichtige, die ganz unterschiedliche Berufe ausübten,
könnten eine homogene Gruppe bilden, nämlich dann, wenn sie mit Mitarbeitern,
Kunden, Klienten und Vorgesetzten umzugehen hätten. Der Bundesfinanzhof (BFH)
habe in seinem Urteil vom 28.08.2008 (Az. VI R 44/04) entschieden, dass auch
Veranstaltungen, auf denen keine fachspezifischen Inhalte vermittelt würden, sondern
die sich an Führungskräfte gleich welcher Berufssparte richteten, als berufliche
Fortbildung im Sinne des Werbungskostenbegriffs qualifiziert werden könnten. Sie, die
Kläger, seien zudem mit den Ergebnissen "normaler" Weiterbildungsmaßnahmen nicht
zufrieden gewesen. Sie hätten bewusst nach alternativen Coaching Seminaren
Ausschau gehalten. Zu den Anforderungen, die an eine Führungskraft gestellt würden,
gehöre heute, dass sie über eine Persönlichkeit verfüge, soziale
Kommunikationskompetenz aufweise und persönliche Ausstrahlung habe. Diese
Persönlichkeitsmerkmale seien in dem Coaching-Seminar vermittelt worden.
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Die Kläger beantragen,
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den Einkommensteuerbescheid 2006 vom 11.12.2007 unter Aufhebung der
Einspruchsentscheidung vom 11.04.2008 dahingehend zu ändern, dass weitere
Werbungskosten in Höhe von insgesamt 19.155 EUR berücksichtigt werden;
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hilfsweise, im Unterliegensfall, Zulassung der Revision.
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Der Beklagte beantragt,
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die Klage abzuweisen.
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Er nimmt im Wesentlichen auf die Gründe der Einspruchsentscheidung Bezug.
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Die Prozessvertreter der Kläger haben in der mündlichen Verhandlung am 27.11.2009
eine Bestätigung der WD- GmbH & Co. KG vom 25.11.2009, den mit der Klägerin
abgeschlossenen Arbeitsvertrag vom 22.03.2007 sowie ein auf die Klägerin lautendes
Zertifikat der D- Academie über die Ausbildung zum Coach vom Juni 2008 vorgelegt.
Auf die Sitzungsniederschrift und diese Unterlagen wird Bezug genommen.
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Entscheidungsgründe:
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Die zulässige Klage ist zum Teil begründet. Der angefochtene Bescheid und die
Einspruchsentscheidung sind insoweit rechtswidrig und verletzen die Kläger in ihren
Rechten (§ 100 Abs. 1 Finanzgerichtsordnung - FGO -), als der Beklagte die
Aufwendungen, die im Hinblick auf die Coaching Ausbildung der Klägerin entstanden
sind, nicht als Werbungskosten berücksichtigt hat; diese belaufen sich auf 8.495 EUR.
Bei den übrigen von den Klägern geltend gemachten Seminargebühren und
Reisekosten handelt es sich nicht um Werbungskosten.
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Nach § 9 Abs. 1 Satz 1 Einkommensteuergesetz (EStG) sind Werbungskosten
Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Nach der
ständigen Rechtsprechung des BFH, der sich der Senat anschließt, gehören hierzu
auch Bildungsaufwendungen, sofern sie beruflich veranlasst sind. Eine berufliche
Veranlassung ist gegeben, soweit die Aufwendungen objektiv mit dem Beruf
zusammenhängen und subjektiv zu dessen Förderung erbracht werden. Aufwendungen
für einen Lehrgang erfüllen diese Voraussetzung, wenn ein konkreter Zusammenhang
mit der Berufstätigkeit besteht. Geht es um eine Bildungsmaßnahme, die eine berufliche
Neuorientierung zum Gegenstand hat, kommt es darauf an, dass sie nicht "ins Blaue
hinein" oder aus anderen privaten Gründen absolviert wird, sondern auf die Erzielung
von Einnahmen gerichtet ist (vgl. BFH Urteil vom 18.06.2009 VI R 31/07, BFH/NV 2009,
1797 mit weiteren Nachweisen). Hat der Lehrgang die Persönlichkeitsentwicklung zum
Gegenstand, ist entscheidend, ob er primär auf die spezifischen Bedürfnisse des vom
Steuerpflichtigen ausgeübten Berufs ausgerichtet ist. Lässt sich dies nicht feststellen,
handelt es sich um Aufwendungen für die Lebensführung, die gemäß § 12 Nr. 1 Satz 2
EStG vom Werbungskostenabzug ausgeschlossen sind. Besondere Bedeutung für die
Entscheidung, ob eine berufliche Veranlassung vorliegt, haben im Rahmen der
vorzunehmenden Gesamtwürdigung die Lehrinhalte, ihre konkrete Anwendung in der
beruflichen Tätigkeit, der Ablauf des Lehrgangs sowie der Kreis der teilnehmenden
Personen als Indizien (BFH Urteil vom 28.08.2008 VI R 35/05, BStBl. II 2009, 108 mit
weiteren Nachweisen).
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Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ergibt sich, dass die Aufwendungen für die
vom Kläger absolvierten Seminare nicht als Werbungskosten zu qualifizieren sind.
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Die Kläger machen geltend, die Inhalte der drei Seminare, an denen der Kläger
teilgenommen habe, wiesen einen konkreten Bezug zu seiner beruflichen Tätigkeit auf.
Vor allem das Bilden und Führen von Teams unter Einbindung aller - auch schwieriger -
Mitarbeiter, Mitarbeitergespräche, das Führen von Mitarbeitern, das Erkennen von
Stärken und Schwächen der Mitarbeiter, das Ausrichten des Unternehmens auf
gemeinsame Unternehmensziele und der Einsatz erlernter Kommunikationstechniken
bei Kundengesprächen seien wesentliche Inhalte der Seminare gewesen, die der
Kläger bei seiner täglichen Arbeit als Geschäftsführer habe einsetzen können. Zudem
seien Fähigkeiten wie Führungskompetenz und Kommunikationskompetenz vermittelt
worden, die zum Anforderungsprofil eines Geschäftsführers gehörten.
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Dass der Inhalt der Seminare Geldtraining und Empowerment-Training einen solchen
Bezug zur beruflichen Tätigkeit des Klägers aufwiesen, ist nach dem dem Gericht
vorliegenden Informationsmaterial, das die D- Academie dem Beklagten im Verlauf des
Einspruchsverfahrens übersandt hat, nicht ersichtlich. Gegenstand des Geldtrainings
war das Verhältnis der Seminarteilnehmer zu Geld, Reichtum und Wohlstand. Ziele des
Seminars waren neben einem Zuwachs an Lebensfreude und Geld, neue Erkenntnisse
und Einsichten und einen zusätzlichen Nutzen durch einen bewussten und gezielten
Umgang mit Geld zu gewinnen. Hieraus geht hervor, dass es bei dem Seminar um die
grundlegende persönliche Einstellung der Teilnehmer zu wirtschaftlichem Wohlstand
(Bedeutung, Zufriedenheit mit der aktuellen Situation etc.) mit dem Ziel der
Verbesserung oder Optimierung dieser inneren Einstellung ging. Ein konkreter Bezug
zu der beruflichen Tätigkeit des Klägers als Geschäftsführer der WM- GmbH & Co. KG
liegt nicht vor. Entsprechendes gilt für das Empowerment-Training, das sich ausweislich
der übersandten Broschüre sowohl an Führungskräfte als auch an Teammitglieder
richtete. Durch das Empowerment-Training sollten durch bestimmte Übungen (die unter
anderem während eines "Outdoor Tags" stattfanden) emotionale und mentale
Erfahrungen gesammelt und so das Selbst-Bestimmtsein der Teilnehmer gefördert
werden, mit dem Ziel, Vorstellungen ("Visionen") verwirklichen zu können und gelassen
und kraftvoll aufzutreten. Zwar sind Eigenschaften wie innere Stärke, mentale und
körperliche Vitalität, visionäres Vorstellungsvermögen und auch Teamfähigkeit für die
Ausübung einer leitenden Tätigkeit als Geschäftsführer von Vorteil. Der von der
Rechtsprechung des BFH geforderte Zuschnitt der Lehrinhalte auf die konkrete
berufliche Tätigkeit des Klägers als Geschäftsführer der WM- GmbH & Co. KG ist indes
nicht dargetan. Das Empowerment-Training diente vielmehr der Entwicklung bestimmter
Aspekte der Gesamtpersönlichkeit des Klägers (wie innere Stärke, Gelassenheit,
visionäre Kraft), die im beruflichen Bereich und im Rahmen der privaten Lebensführung
gleichermaßen von Nutzen sind. Hierfür spricht auch, dass sich das Empowerment-
Training nicht nur an Führungskräfte, sondern auch an Teammitglieder richtete, der
Teilnehmerkreis nach dem vorliegenden Informationsmaterial also nicht homogen war.
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Ähnlich verhält es sich mit den Aufwendungen für die Teilnahme des Klägers an der
Coaching Ausbildung. Zwar haben die Kläger insoweit genauer vorgetragen, als sie
dargestellt haben, für welche Bereiche der täglichen Arbeit des Klägers die in der
Coaching Ausbildung vermittelten Inhalte von Nutzen sind (insbesondere bei der
Teambildung und -führung, dem Konfliktmanagement, bei Mitarbeitergesprächen, der
Mitarbeiterführung und der Kommunikation mit Kunden). Hieraus folgt jedoch nicht, dass
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private Gesichtspunkte keine oder eine nur ganz untergeordnete Rolle spielten. Denn zu
berücksichtigen ist auch, dass in der Coaching Ausbildung in großem Umfang Inhalte
vermittelt wurden, die für die berufliche Tätigkeit des Klägers keine unmittelbare
Relevanz aufwiesen, sondern der Entwicklung der (Gesamt-) Persönlichkeit dienten.
Dies gilt namentlich für die Module "Beziehungsmanagement" (das Beziehungen
jeglicher Art betraf), "Contextuelles systematisches Coaching" (bei dem es u.a. um eine
systematische "Familienbilderbewertung" ging) und "Contextuelle Rational-Emotive-
Therapie und Gefühlsmeisterschaft" (mit Elementen der Rational-Emotiven
Verhaltenstherapie). Der Senat verkennt nicht, dass die im Rahmen der Coaching
Ausbildung vermittelten Kenntnisse für die berufliche Tätigkeit förderlich waren und sie
auch Inhalte umfasste, die einen gewissen beruflichen Bezug aufwiesen (was
insbesondere für das Modul "Team- und Business Coaching" gilt). Allerdings lässt sich
auch unter Berücksichtigung dieser Umstände nicht feststellen, dass die Coaching
Ausbildung primär auf die spezifischen Bedürfnisse der vom Kläger ausgeübten
beruflichen Tätigkeit (Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens)
zugeschnitten war. Gewichtiges gegen eine berufliche Veranlassung sprechendes Indiz
ist zudem, dass der nach den vorliegenden Unterlagen angesprochene Teilnehmerkreis
nicht homogen war, insbesondere nicht nur Führungskräfte zum potentiellen
Teilnehmerkreis gehörten. Die Coaching Ausbildung wurde nach der im
Einspruchsverfahren vorgelegten Broschüre vielmehr für Personen entworfen, die
als Coach / Trainer für die D- Academie oder andere Institutionen arbeiten wollen;
ihre Führungskompetenzen und Kommunikationseffektivität erweitern und ein
Team absichtsvoll anleiten wollen;
neue persönliche und berufliche Herausforderungen selbst wählen und erfüllen
wollen;
mit ihrem Sein das Leben anderer Menschen bereichern wollen und sich die
Frage stellen: "Welchen Beitrag will ich leisten?"
sich nicht nur beruflich qualifizieren, sondern sich selbst auch persönlich "nach
vorne bringen" und eine ganzheitliche Einheit von Körper, Geist und Seele
erleben wollen
mentale Stabilität, emotionale Meisterschaft und intuitives Handeln erfahren und
im täglichen Leben einsetzen wollen.
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Die Kläger haben zur Frage der Zusammensetzung des Teilnehmerkreises des von
ihnen besuchten Seminars (trotz Aufforderung durch den Beklagten) nicht näher
vorgetragen. Da sich das Seminar nach der Broschüre auch an Personen richtet, für die
die persönliche Entwicklung im Vordergrund steht, ohne dass - zugleich - berufliche
Interessen verfolgt werden, ist die Annahme, Teilnehmer seien in erster Linie
Führungskräfte mit gleichgerichteten Interessen gewesen, nicht gerechtfertigt.
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Hingegen sind die Aufwendungen, die aus der Teilnahme der Klägerin an der Coaching
Ausbildung resultierten, als - vorab entstandene - Werbungskosten zu qualifizieren. Sie
sind beruflich veranlasst, weil die Coaching Ausbildung Voraussetzung für die durch
den Umzug nach M-Stadt erforderlich gewordene berufliche Neuorientierung der
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Klägerin war. Die Kläger haben bereits im Einspruchsverfahren eine Bestätigung der
WD- GmbH & Co. KG vorgelegt, aus der sich ergibt, dass die Klägerin im Frühjahr 2007
(während die Coaching Ausbildung noch andauerte) eingestellt wurde, um den neuen
Dienstleistungsbereich Business Coaching und persönliches Coaching zu betreuen.
Voraussetzung hierfür war, dass die Klägerin über Kenntnisse und Fähigkeiten in
diesem Bereich verfügte. Dafür, dass die Klägerin die Coaching Ausbildung "ins Blaue
hinein" oder sonst aus privaten Gründen absolviert hat und sich einige Monate nach
Beginn der Ausbildung zufällig die Möglichkeit einer Anstellung ergab, ohne dass die
Klägerin ernsthaft beabsichtigt hätte, in diesem Bereich beruflich tätig zu werden, spricht
angesichts des tatsächlichen Geschehensablaufs nichts. Vielmehr hat die Klägerin die
Coaching Ausbildung begonnen, als sie sich wegen des mit dem Arbeitsplatzwechsel
des Klägers verbundenen Umzugs beruflich neu orientieren musste. Entgegen der
Auffassung des Beklagten spricht gegen eine Anerkennung der Aufwendungen als
Werbungskosten nicht, dass Gegenstand der Coaching Ausbildung auch die
Persönlichkeitsentwicklung war. Denn das Seminar war inhaltlich auf die spezifischen
Bedürfnisse des von der Klägerin angestrebten Berufs als Coach / Trainerin
ausgerichtet und auf den Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten für diese
angestrebte Tätigkeit angelegt. Bei einer solchen Konstellation ist es unbeachtlich,
wenn sich private Anwendungsmöglichkeiten zwangsläufig und untrennbar aus den im
beruflichen Interesse gewonnenen Erkenntnissen und Fertigkeiten ergeben. Dies gilt
auch für die Module, bei denen persönliche Aspekte eine Rolle spielen; dies ist bei
einer psychologisch orientierten Unterrichtung und Übung regelmäßig der Fall (vgl. BFH
Urteil vom 17.07.1992 VI R 12/91, BStBl. II 1992, 1036; BFH Urteil vom 24.08.2001 VI R
40/94, BFH/NV 2002, 182; BFH Urteil vom 28.08.2008 VI R 44/04, BStBl. II 2009, 106).
Im Rahmen der durch den Senat vorzunehmenden Gesamtwürdigung aller Umstände ist
nicht von ausschlaggebender Bedeutung, dass der Teilnehmerkreis nicht homogen war,
das Seminar also nicht ausschließlich von Personen besucht wurde, die die Coaching
Ausbildung absolvierten, um später als Coach / Trainer tätig zu werden. Entscheidend
ist vielmehr, dass die Klägerin beabsichtigte, eine entsprechende berufliche Tätigkeit
auszuüben, das Seminar sie hierzu befähigte und künftige Coachs / Trainer zum
Adressatenkreis des Lehrgangs gehörten. Die Aufwendungen für die Coaching
Ausbildung der Klägerin belaufen sich auf insgesamt 8.495 EUR (Seminar-Gebühr:
8.016 EUR; Übernachtungskosten: 207 EUR; Verpflegungsmehraufwendungen: 96
EUR; Fahrtkosten 176 EUR).
Die Aufwendungen, die aus der Teilnahme der Klägerin an dem Seminar "Geldtraining"
resultieren, sind hingegen nicht als Werbungskosten zu qualifizieren. Dass dieses
Seminar Inhalte aufwies, die für die spätere Tätigkeit der Klägerin als Coach / Trainerin
erforderlich waren, wird von den Klägern nicht vorgetragen. Dem Umstand, dass u.a. die
Teilnahme an dem Seminar "Geldtraining" - nach den internen Richtlinien der D-
Academie - Voraussetzung für die Erteilung des (in der mündlichen Verhandlung
vorgelegten) "Zertifikats über die Ausbildung zum Coach" war, kommt keine
maßgebliche Bedeutung zu. Dies wäre nur dann anzunehmen, wenn das Zertifikat
Voraussetzung für eine Tätigkeit als Trainer / Coach ist. Dies ist nicht der Fall. Zwar ist
ein Auftreten unter der Marke "Contextuelles Coaching" nur möglich, wenn das Zertifikat
erworben wurde. Eine Tätigkeit als Trainer / Coach setzt jedoch das Vorliegen des
Zertifikats offensichtlich nicht voraus. So hat die Klägerin mit ihrer Tätigkeit für die WD-
GmbH & Co. KG im April 2007 begonnen, das Zertifikat jedoch erst im Juni 2008
erworben. Aus der in der mündlichen Verhandlung vorgelegten Bestätigung der WD-
GmbH & Co. KG ergibt sich nicht Gegenteiliges. Dass die Klägerin inzwischen unter der
Marke "Contextuelles Coaching" auftreten darf, besagt nicht, dass sie ohne Zertifikat
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keine Führungskräfte- und Teamentwicklungsseminare für die WD- GmbH & Co. KG
durchführen könnte.
Die Berechnung der festzusetzenden Steuer wird dem Beklagten übertragen (§ 100
Abs. 2 FGO). Die Kostenentscheidung beruht auf § 136 Abs. 1 Satz 1 FGO. Die
Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus § 151 FGO i.V.m. §§ 708 Nr.
11, 711 Zivilprozessordnung.
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Die Revision ist nicht zuzulassen. Die Voraussetzungen des § 115 Abs. 2 FGO liegen
nicht vor. Die Sache hat weder grundsätzliche Bedeutung noch erfordert die Fortbildung
des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung
des BFH.
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