Urteil des EuGH vom 20.06.2002, C-313/99

Aktenzeichen: C-313/99

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BESCHLUSS DES GERICHTSHOFS (Achte Kammer)

10. Juli 2012(*)

„Rechtsmittel Verordnung (EG) Nr. 40/94 Art. 7 Abs. 1 und 2 Gemeinschaftsmarke Wortmarke SCOMBER MIX Absoluter Nichtigkeitsgrund Beschreibender Charakter“

In der Rechtssache C‑582/11 P

betreffend ein Rechtsmittel nach Art. 56 der Satzung des Gerichtshofs der Europäischen Union, eingelegt am 22. November 2011,

Rügen Fisch AG mit Sitz in Sassnitz (Deutschland), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte O. Spuhler und M. Geitz,

Rechtsmittelführerin,

andere Verfahrensbeteiligte:

Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (HABM), vertreten durch G. Schneider als Bevollmächtigten,

Beklagter im ersten Rechtszug,

Schwaaner Fischwaren GmbH mit Sitz in Schwaan (Deutschland), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwältin A. Jaeger-Lenz und Rechtsanwalt T. Bösling,

Streithelferin im ersten Rechtszug,

erlässt

DER GERICHTSHOF (Achte Kammer)

unter Mitwirkung der Kammerpräsidentin A. Prechal, des Richters K. Schiemann und der Richterin C. Toader (Berichterstatterin),

Generalanwalt: Y. Bot,

Kanzler: A. Calot Escobar,

nach Anhörung des Generalanwalts

folgenden

Beschluss

1Mit ihrem Rechtsmittel beantragt die Rügen Fisch AG (im Folgenden: Rügen Fisch) die Aufhebung des Urteils des Gerichts der Europäischen Union vom 21. September 2011, Rügen Fisch/HABM Schwaaner Fischwaren (SCOMBER MIX) (T-201/09) (im Folgenden: angefochtenes Urteil), mit dem ihre Klage auf Aufhebung der Entscheidung der Vierten Beschwerdekammer des Harmonisierungsamts für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (HABM) vom 20. März 2009 (Sache R 230/2007‑4) (im Folgenden: streitige Entscheidung), mit der einem Antrag auf teilweise Nichtigerklärung der Gemeinschaftsmarke SCOMBER MIX stattgegeben wurde, abgewiesen worden ist.

Rechtlicher Rahmen

2Die Verordnung (EG) Nr. 40/94 des Rates vom 20. Dezember 1993 über die Gemeinschaftsmarke (ABl. 1994, L 11, S. 1) wurde durch die Verordnung (EG) Nr. 207/2009 des Rates vom 26. Februar 2009 über die Gemeinschaftsmarke (ABl. L 78, S. 1), die am 13. April 2009 in Kraft getreten ist, aufgehoben und ersetzt. Für den vorliegenden Rechtsstreit gilt allerdings die Verordnung Nr. 40/94.

3Art. 7 der Verordnung Nr. 40/94 sah vor:

„(1) Von der Eintragung ausgeschlossen sind

...

b) Marken, die keine Unterscheidungskraft haben;

c) Marken, die ausschließlich aus Zeichen oder Angaben bestehen, welche im Verkehr zur Bezeichnung der Art, der Beschaffenheit, der Menge, der Bestimmung, des Wertes, der geografischen Herkunft oder der Zeit der Herstellung der Ware oder der Erbringung der Dienstleistung oder zur Bezeichnung sonstiger Merkmale der Ware oder Dienstleistung dienen können;

...

(2) Die Vorschriften des Absatzes 1 finden auch dann Anwendung, wenn die Eintragungshindernisse nur in einem Teil der Gemeinschaft vorliegen.

...“

4Art. 51 („Absolute Nichtigkeitsgründe“) Abs. 1 der Verordnung bestimmte:

„Die Gemeinschaftsmarke wird auf Antrag beim [HABM] oder auf Widerklage im Verletzungsverfahren für nichtig erklärt,

a) wenn sie den Vorschriften des Artikels 5 oder des Artikels 7 zuwider eingetragen worden ist;

...“

Vorgeschichte des Rechtsstreits

Vorgeschichte des Rechtsstreits

5Am 16. Juni 2003 meldete Rügen Fisch beim HABM das Wortzeichen „SCOMBER MIX“ als Gemeinschaftsmarke an.

6Die Waren und Dienstleistungen, für die die Eintragung beantragt wurde, gehören zu den Klassen 29 und 35 des Abkommens von Nizza vom 15. Juni 1957 über die internationale Klassifikation von Waren und Dienstleistungen für die Eintragung von Marken in seiner überarbeiteten und geänderten Fassung (im Folgenden: Abkommen von Nizza). Die Anmeldung erfasst folgende Waren der Klasse 29 dieses Abkommens: „Konservierter Fisch; Fischkonserven; Fischzubereitung auch unter Verwendung von Kräutern, Kräuterextrakten, Salaten und Gemüsen; Fertig- und Halbfertiggerichte, im Wesentlichen bestehend aus Fisch“. In Klasse 35 dieses Abkommens ist die Dienstleistung „Werbung“ erfasst.

7Am 25. Januar 2005 trug das HABM das Wortzeichen SCOMBER MIX (im Folgenden: streitige Marke) als Gemeinschaftsmarke für die von der Anmeldung erfassten Waren und Dienstleistungen ein.

8Am 26. August 2005 stellte die Schwaaner Fischwaren GmbH (im Folgenden: Schwaaner Fischwaren) einen Antrag auf Nichtigerklärung der streitigen Marke, mit dem sie geltend machte, dass diese in Bezug auf die Waren der Klasse 29 des Abkommens von Nizza beschreibend sei und keine Unterscheidungskraft habe, und damit entgegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der Verordnung Nr. 40/94 eingetragen worden sei.

9Mit Entscheidung vom 15. Dezember 2006 wies die Nichtigkeitsabteilung des HABM den Antrag auf Nichtigerklärung mit der Begründung zurück, dass die lateinische Bezeichnung für Makrele, nämlich Scomber, dem Durchschnittsverbraucher der Waren der Klasse 29 des Abkommens von Nizza unbekannt sei und dass darüber hinaus in dieser Hinsicht nicht auf Fachleute abzustellen sei, die lateinische Begriffe zur genauen Bezeichnung von bestimmten Fischgattungen im wissenschaftlichen oder behördlichen Gebrauch verwendeten. Die Nichtigkeitsabteilung vertrat weiter die Auffassung, Schwaaner Fischwaren habe nicht dargetan, dass die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklung zur Verwendung der Bezeichnung „Scomber“ als der Öffentlichkeit bekannte beschreibende Bezeichnung bestehe. Außerdem war die streitige Marke nach Ansicht der Nichtigkeitsabteilung als ungewöhnliche Wortkombination auch unterscheidungskräftig.

10Am 5. Februar 2007 legte Schwaaner Fischwaren Beschwerde gegen die Entscheidung der Nichtigkeitsabteilung ein und machte dabei geltend, dass die streitige Marke entgegen den Bestimmungen des Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der Verordnung Nr. 40/94 eingetragen worden sei.

11Mit der streitigen Entscheidung hob die Vierte Beschwerdekammer des HABM die Entscheidung der Nichtigkeitsabteilung auf und erklärte die streitige Marke für die Waren der Klasse 29 des Abkommens von Nizza mit der Begründung für nichtig, dass die Marke für diese Waren beschreibend im Sinne von Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 sei, was für sich genommen für die Ablehnung ihrer Eintragung ausreiche.

12Insoweit führte die Beschwerdekammer im Wesentlichen aus, dass der Begriff

12Insoweit führte die Beschwerdekammer im Wesentlichen aus, dass der Begriff „Scomber“ die zoologische Bezeichnung für Makrelen sei und er deshalb nicht lediglich als ein lateinisches Wort angesehen werden könne, das Makrele bedeute und das zur Frage nach dem Stand der Lateinkenntnisse des Durchschnittsverbrauchers Anlass gäbe. Die Beschwerdekammer stellte zudem fest, dass erstens der Begriff „Scomber“ in der Kombinierten Nomenklatur des Gemeinsamen Zolltarifs verwendet werde und dass zweitens Rügen Fisch in ihrer Werbung selbst die Bedeutung der auf der Verpackung ihrer Makrelenkonserven verwendeten Worte „Scomber Mix“ erkläre.

13Außerdem widersprach die Beschwerdekammer der Auffassung der Nichtigkeitsabteilung des HABM, wonach der Begriff „Scomber“ vielleicht Fachleuten, nicht aber den als maßgeblich angesehenen allgemeinen Verkehrskreisen bekannt sei. Insoweit führte die Beschwerdekammer nämlich erstens aus, dass im Italienischen das Wort „sgombro“ als Bezeichnung für die Makrele verwendet werde. Zweitens berücksichtigte die Beschwerdekammer die von Schwaaner Fischwaren vorgelegten Dokumente betreffend die Verwendung des Begriffs „Scomber“ im Wirtschaftssektor und die Definitionen dieses Begriffs in Wörterbüchern.

14Zum Begriff „Mix“ wird in der streitigen Entscheidung ausgeführt, dass dieser in den meisten Sprachen der Europäischen Union, zumindest aber im Deutschen, Niederländischen, Französischen und Englischen, in der Bedeutung „Mischung“ verstanden werde.

15Die Beschwerdekammer gelangte somit zu dem Ergebnis, dass die Wortkombination „Scomber Mix“ nur die Art der Waren der Klasse 29 des Abkommens von Nizza bezeichne, indem sie darauf hinweise, dass es sich um Fische und um Fischkonserven, auch in Form von Fertiggerichten, handele, die aus der Fischgattung „Makrele“ („Scomber“) unter Beifügung („Mix“) weiterer Zutaten bestünden.

Klage beim Gericht und angefochtenes Urteil

16Am 22. Mai 2009 erhob Rügen Fisch beim Gericht eine Klage auf Aufhebung der streitigen Entscheidung und machte dabei zwei Klagegründe geltend, mit denen sie einen Verstoß gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 und hilfsweise einen Verstoß gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung rügte.

17In Bezug auf den ersten Klagegrund des Verstoßes gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung hat das Gericht insbesondere daran erinnert, dass ein Wortzeichen von der Eintragung als Gemeinschaftsmarke auszuschließen ist, wenn es zumindest in einer seiner möglichen Bedeutungen ein Merkmal der in Frage stehenden Waren oder Dienstleistungen bezeichnet.

18Zur streitigen Marke, die aus zwei Bestandteilen zusammengesetzt ist, nämlich „Scomber“ und „MIX“, hat das Gericht festgestellt, dass zwischen den Verfahrensbeteiligten unstreitig sei, dass der Begriff „Mix“ allgemein in den meisten Sprachen der Union in der Bedeutung „Mischung“ verstanden werde. Es hat dann in Randnr. 24 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass der beschreibende Teil des Bestandteils „Scomber“ zwischen den Verfahrensbeteiligten streitig sei und dass es sich

Bestandteils „Scomber“ zwischen den Verfahrensbeteiligten streitig sei und dass es sich außerdem bei den von der streitigen Marke erfassten Waren um „Konserven handelt, die eine Fischmischung, insbesondere Makrelen, mit anderen Zutaten enthalten“.

19Zum Wort „Scomber“ hat das Gericht in Randnr. 25 des angefochtenen Urteils ausgeführt, dass es sich dabei um einen Fachbegriff handele, der der wissenschaftliche Name der Makrele im Fach der Zoologie sei. Zu den maßgeblichen Verkehrskreisen hat das Gericht in Randnr. 26 dieses Urteils festgestellt, dass sie im Wesentlichen aus den Durchschnittsverbrauchern bestünden, da es um Güter des täglichen Bedarfs aus der Lebensmittelbranche gehe.

20Gestützt insbesondere auf Kopien von Werbeanzeigen, die von Schwaaner Fischwaren beim HABM vorgelegt worden waren, hat das Gericht in Randnr. 27 des Urteils befunden, dass der Begriff „Scomber“, der in der Sprache der Wissenschaft die Makrele bezeichne, gegebenenfalls in Verbindung mit der spezifischen Bezeichnung für die betreffende Makrelenart, auf den Verpackungen der von der streitigen Marke erfassten Waren oder in den Werbeanzeigen für diese Waren zur genauen Identifizierung des in diesen Waren enthaltenen Fisches und damit in einem beschreibenden Sinn verwendet werden könne.

21Das Gericht hat hieraus in Randnr. 28 des angefochtenen Urteils abgeleitet, dass die Verbraucher die Verwendung einer Bezeichnung „Scomber“ für Fischereierzeugnisse als eine Beschreibung dieser Waren verstehen könnten, zumal das Bewusstsein der Verbraucher im Hinblick auf die Zutaten und die geografische Herkunft der von ihnen verbrauchten Lebensmittel zunehme.

22In Randnr. 29 des angefochtenen Urteils hat das Gericht dann befunden, dass feststehe, dass es sich bei dem Wort „Scomber“ nicht um einen Phantasiebegriff handele. Hierzu hat es angeführt, dass Rügen Fisch in ihrer Werbung selbst erkläre: „Das Wort Scomber kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Makrele“.

23Außerdem hat das Gericht ausgeführt, dass die italienischsprachigen Verbraucher, da der Begriff „Scomber“ dem Wort „sgombro“, das im Italienischen Makrele bedeute, klanglich hinreichend ähnlich sei, die Bedeutung dieses Begriffs verstehen und ihn damit unmittelbar und ohne weitere Überlegung als eine Beschreibung einer der Zutaten der fraglichen Ware auffassen könnten. Hierzu hat das Gericht angemerkt, dass nach Art. 7 Abs. 2 der Verordnung Nr. 40/94 die in Abs. 1 dieser Vorschrift enthaltenen absoluten Eintragungshindernisse für ein als Gemeinschaftsmarke angemeldetes Zeichen auch dann Anwendung fänden, wenn sie nur in einem Teil der Union vorlägen.

24Was die streitige Marke in ihrer Gesamtheit betrifft, hat das Gericht in Randnr. 31 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass die bloße Aneinanderreihung der Bestandteile „Scomber“ und „Mix“ keinen Eindruck erwecke, der hinreichend weit von dem abweiche, der bei bloßer Zusammenfügung dieser beiden Worte entstehe, da ihre Kombination nicht ungewöhnlich sei. Das Zeichen „SCOMBER MIX“ weise somit nur darauf hin, dass die beanspruchten Waren aus einer Mischung von Makrelen („Scomber“) mit anderen Zutaten („Mix“) bestünden.

25Das Gericht hat daher den ersten Klagegrund von Rügen Fisch zurückgewiesen und die Rechtmäßigkeit der Entscheidung der Beschwerdekammer bestätigt, die streitige

die Rechtmäßigkeit der Entscheidung der Beschwerdekammer bestätigt, die streitige Marke für die Waren der Klasse 29 des Abkommens von Nizza für nichtig zu erklären. Im Übrigen hat das Gericht festgestellt, dass über den zweiten von Rügen Fisch geltend gemachten Klagegrund, mit dem ein Verstoß gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 40/94 geltend gemacht wurde, nicht entschieden zu werden brauche, weil die angefochtene Entscheidung nur auf Art. 7 Abs. 1 Buchst. c dieser Verordnung gestützt sei.

26Daher hat das Gericht die Klage von Rügen Fisch insgesamt abgewiesen.

Anträge der Verfahrensbeteiligten

27Rügen Fisch beantragt in erster Linie, das angefochtene Urteil und die streitige Entscheidung aufzuheben und die Kosten dem HABM aufzuerlegen. Hilfsweise beantragt sie, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache an das Gericht zurückzuverweisen.

28Das HABM beantragt, das Rechtsmittel als unzulässig, zumindest aber als unbegründet zurückzuweisen und Rügen Fisch die Kosten aufzuerlegen.

29Schwaaner Fischwaren beantragt ebenfalls, das Rechtsmittel zurückzuweisen und Rügen Fisch die Kosten aufzuerlegen.

Zum Rechtsmittel

30Rügen Fisch macht als einzigen Rechtsmittelgrund einen Verstoß gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 geltend.

31Ist das Rechtsmittel ganz oder teilweise offensichtlich unzulässig oder offensichtlich unbegründet, so kann der Gerichtshof nach Art. 119 seiner Verfahrensordnung jederzeit auf Bericht des Berichterstatters nach Anhörung des Generalanwalts das Rechtsmittel ganz oder teilweise durch Beschluss, der mit Gründen zu versehen ist, ohne mündliche Verhandlung zurückweisen. Der Gerichtshof ist der Auffassung, dass diese Bestimmung in der vorliegenden Rechtssache anzuwenden ist.

Vorbringen der Verfahrensbeteiligten

32Rügen Fisch wirft dem Gericht erstens vor, von unzutreffenden Tatsachen auszugehen, weil es in Randnr. 24 des angefochtenen Urteils ausgeführt habe, bei den von der angemeldeten Marke erfassten Waren handele es sich um Konserven, die eine Fischmischung, insbesondere Makrelen, mit anderen Zutaten enthielten. Die maßgeblichen Waren seien aber sämtliche im vorliegenden Fall von der Anmeldung erfasste Waren der Klasse 29 des Abkommens von Nizza, nämlich konservierter Fisch, Fischkonserven, Fischzubereitung auch unter Verwendung von Kräutern, Kräuterextrakten, Salaten und Gemüsen und Fertig- und Halbfertiggerichte, im Wesentlichen bestehend aus Fisch. Diese Darstellungsweise des Sachverhalts sei somit unvollständig.

33Zweitens habe das Gericht das angefochtene Urteil auf einen Wertungswiderspruch in

33Zweitens habe das Gericht das angefochtene Urteil auf einen Wertungswiderspruch in Bezug auf den beschreibenden Charakter des Wortzeichens „SCOMBER MIX“ gestützt. Denn zwar habe das Gericht die Durchschnittsverbraucher als maßgebliche Verkehrskreise bestimmt, jedoch habe es sich dann darauf gestützt, dass es sich bei dem Bestandteil „Scomber“ um einen wissenschaftlichen Fachbegriff für die Makrele handele. Rügen Fisch bestreitet aber, dass die Feststellung des beschreibenden Charakters eines in der Wissenschaftssprache verwendeten Begriffs die Schlussfolgerung zulasse, dass der Durchschnittsverbraucher, dem diese Sprache nicht geläufig sei, diesen Begriff ebenfalls als beschreibend für die Waren auffasse, für die die Marke angemeldet worden sei. Rügen Fisch weist außerdem darauf hin, dass zoologisch 45 Fischarten zur Familie der „Scombridae“ gehörten, so dass die Fachkreise den Begriff Scomber niemals allein verwenden würden, sondern vielmehr beispielsweise die Bezeichnungen „Scomber scombrus“ für die europäische Makrele oder „Scomber australasicus“ für die Makrele des Pazifischen Ozeans.

34Drittens macht Rügen Fisch geltend, das Gericht habe einen Fehler bei seiner Beurteilung des Eindrucks begangen, den die Wortzusammenstellung „Scomber Mix“ bei den maßgeblichen Verkehrskreisen, d. h. den Durchschnittsverbrauchern, hervorrufe. Der Durchschnittsverbraucher erkenne nämlich, weil ihm die lateinische Sprache nicht geläufig sei, wie das Gericht in Randnr. 39 seines Urteils vom 12. März 2008, Compagnie générale de diététique/HABM (GARUM) (T‑341/06), festgestellt habe, und weil er keine Kenntnis der Fachliteratur habe, in dem Wortzeichen „SCOMBER MIX“ keinen zoologischen Fachbegriff, sondern fasse ihn als Phantasiebezeichnung auf und damit als nicht beschreibend für die fraglichen Waren. Zu der Tatsache, dass der Begriff „sgombro“ die italienische Bezeichnung für Makrele ist, macht Rügen Fisch geltend, dass sich dieses Wort von dem Begriff „Scomber“ und erst recht von der Wortkombination „Scomber Mix“ unterscheide, was belege, dass es sich bei dieser um einen Phantasiebegriff handele.

35Zu dem Umstand, dass Rügen Fisch in ihrer Werbung den Inhalt der von ihr mit „Scomber Mix“ bezeichneten Waren beschreibe, macht sie geltend, dass dies entgegen der vom Gericht hieraus gezogenen Schlussfolgerung nicht bestätige, dass die streitige Marke beschreibend sei, sondern gerade belege, dass der Begriff selbst für den Durchschnittsverbraucher nicht hinreichend verständlich sei, so dass es ausgeschlossen sei, ihn als die fraglichen Waren beschreibend zu qualifizieren.

36Das HABM macht geltend, Rügen Fisch wende sich mit dem Rechtsmittel gegen Tatsachenwürdigungen, die das Gericht im angefochtenen Urteil vorgenommen habe. Dies gelte erstens in Bezug auf die Lateinkenntnisse des als maßgebliches Publikum identifizierten Durchschnittsverbrauchers, zweitens für die Bezeichnung der zur Klasse 29des Abkommens von Nizza gehörenden Waren als „Konserven, die eine Fischmischung, insbesondere Makrelen, mit anderen Zutaten enthalten“, sowie drittens für die Frage, ob der Durchschnittsverbraucher in der Lage sei, den zoologischen Begriff „Scomber“ zu erkennen, obwohl die Fachleute auf dem Gebiet der Zoologie vielmehr auf die konkreten Unterarten wie beispielsweise „Scomber australasicus“ Bezug nehme. Rügen Fisch rüge somit keine Rechtsfehler des Gerichts, sondern Fehler bei der Tatsachenwürdigung.

37Zu der Frage, ob auf die Wahrnehmung des Begriffs „Scomber“ durch das Fachpublikum abgestellt werden dürfe, obwohl festgestellt worden sei, dass der Durchschnittsverbraucher das maßgebliche Publikum darstelle, stellt das HABM fest, dass es das Gericht vermieden habe, hierzu Stellung zu nehmen. Für das Gericht sei es nämlich entscheidend gewesen, dass das italienische Publikum das lateinische Wort „Scomber“ aufgrund seiner Nähe zum italienischen Wort „sgombro“ verstehen werde, was ausreichend für den Nachweis sei, dass der Begriff „Scomber“ und folglich auch „Scomber Mix“ zumindest in einem Teil der Union beschreibend sei. Da Rügen Fisch insoweit keine Sachverhaltsentstellung geltend gemacht habe, gehe ihr Rechtsmittel letztlich ins Leere.

38Jedenfalls ist das HABM der Auffassung, dass die Beschwerdekammer, um die Argumentation von Rügen Fisch zu widerlegen, zu Recht festgestellt habe, dass die Fachkreise, die nicht aus Wissenschaftlern, sondern aus Herstellern, Händlern und sonstigen in den Vermarktungsprozess der betreffenden Waren einbezogenen Personen bestünden, die beschreibende Bedeutung des Begriffs „Scomber“ erkennen könnten und dieses Zeichen in einem solchen beschreibenden Sinne benutzten. Somit sei es unerheblich, ob der europäische Durchschnittsverbraucher die wissenschaftliche Bezeichnung der Makrele oder die Kombinierte Nomenklatur des Gemeinsamen Zolltarifs kenne.

39Schwaaner Fischwaren macht ebenfalls geltend, dass Rügen Fisch mit dem Rechtsmittel darauf abziele, dass der Gerichtshof die Tatsachenwürdigung des Gerichts durch seine eigene ersetze. Dies gelte insbesondere für die Feststellung des Gerichts, dass die Begriffe „Scomber Mix“ nicht nur von Fachleuten, sondern auch von den angesprochenen Verkehrskreisen, im vorliegenden Fall dem Durchschnittsverbraucher, als beschreibender Hinweis auf Waren verstanden würden, die Makrele enthielten.

40Zu dem Umstand, dass das Gericht in Randnr. 24 des angefochtenen Urteils aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung die von der streitigen Marke erfassten Waren unter einem geeigneten Oberbegriff zusammengefasst und geprüft habe, macht Schwaaner Fischwaren geltend, das Gericht habe, wie aus Randnr. 3 des angefochtenen Urteils hervorgehe, über sämtliche von der Anmeldung erfassten Waren entschieden. Diese Praxis der Zusammenfassung der Waren unter einem Oberbegriff für den Zweck der Prüfung der Klage sei rechtmäßig und vom Gerichtshof in seinem Beschluss vom 9. Dezember 2009, Prana Haus GmbH/HABM (C‑494/08 P, Slg. 2009, I‑210, Randnr. 46), zugelassen worden. Im Übrigen habe das Gericht keinen Rechtsfehler mit der Feststellung begangen, dass eine Bezeichnung, die tatsächlich als beschreibende Angabe verwendet werde, als beschreibende Angabe im Sinne von Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 dienen könne.

41Gestützt auf den Beschluss des Gerichtshofs vom 13. Februar 2008, Indorata-Serviços e Gestão/HABM (C‑212/07 P, Randnrn. 37 bis 39), macht Schwaaner Fischwaren geltend, dass die Fragen, ob die angesprochenen Verkehrskreise einem Zeichen eine bestimmte Bedeutung beimessen und ob das Zeichen einen hinreichend direkten und konkreten Bezug zu den Waren und Dienstleistungen aufweise, für die eine Marke angemeldet worden sei, wiederum Tatsachenfragen seien, die nicht der Kontrolle des Gerichtshofs im Rahmen eines Rechtsmittels unterlägen.

im Rahmen eines Rechtsmittels unterlägen.

42Außerdem habe Rügen Fisch zur Stützung ihres Rechtsmittels keine Verfälschung von Tatsachen geltend gemacht, so insbesondere nicht betreffend die Feststellung des Gerichts, dass der Begriff „Scomber“ dem italienischen Wort „sgombro“, das Makrele bedeute, hinreichend ähnlich sei, so dass seine Bedeutung von den italienischsprachigen Verbrauchern in der Union erkannt werden könne, wodurch ihm ein beschreibender Charakter verliehen werde.

43In Bezug schließlich auf die angeblich in Fachkreisen übliche Verwendung der Bezeichnung der Arten der Gattung „Scomber“ anstelle der generischen Gattungsbezeichnung macht Schwaaner Fischwaren geltend, dass es bei der Bestimmung, ob der Begriff „Scomber“ selbst beschreibend sei, auf diesen Gesichtspunkt nicht ankomme.

Würdigung durch den Gerichtshof

44Zur Begründung ihres Rechtsmittels versucht Rügen Fisch insbesondere darzutun, ohne insoweit eine Entstellung von Tatsachen geltend zu machen, dass das Gericht fehlerhaft einen hinreichend direkten und konkreten Zusammenhang zwischen dem Wortzeichen „SCOMBER MIX“ und den Waren, für die die Eintragung der streitigen Marke durch die Nichtigkeitsabteilung für nichtig erklärt wurde, festgestellt habe.

45Dies gilt insbesondere für die Feststellung des Gerichts in Randnr. 30 des angefochtenen Urteils, wonach die italienischsprachigen Verbraucher aufgrund der klanglichen Ähnlichkeit der Wörter „Scomber“ und „sgombro“ in der Lage seien, die Bedeutung des Begriffs „Scomber“ zu erkennen. Ferner gilt dies für die Feststellungen des Gerichts in den Randnrn. 27 und 29 des Urteils, wonach der Begriff „Scomber“ keinen Phantasiebegriff darstelle, sowie für die Feststellung des Gerichts, insbesondere in Randnr. 31 des Urteils, wonach die Kombination der Wörter „Scomber“ und „Mix“ keinen Gesamteindruck erwecke, der hinreichend weit von dem abweiche, der bei bloßer Zusammenfügung dieser beiden Wörter entstehe, die für die betreffenden, im vorliegenden Fall von Rügen Fisch vermarkteten Waren beschreibend seien. Ebenso zielt Rügen Fisch mit dem Vorbringen, dass die Fachkreise auf die zur Gattung „Scombridae“ gehörenden Arten und nicht auf den Begriff „Scomber“ in Alleinstellung Bezug nähmen, darauf ab, eine Tatsachenwürdigung des Gerichts in Frage zu stellen.

46Insoweit ist allerdings darauf hinzuweisen, dass nach Art. 256 Abs. 1 AEUV und Art. 58 Abs. 1 der Satzung des Gerichtshofs der Europäischen Union das Rechtsmittel auf Rechtsfragen beschränkt und allein das Gericht für die Feststellung und Beurteilung der relevanten Tatsachen sowie die Beweiswürdigung zuständig ist. Somit ist die Würdigung dieser Tatsachen und Beweise, sofern nicht der Fall ihrer Entstellung bzw. Verfälschung vorliegt, keine Rechtsfrage, die als solche der Kontrolle des Gerichtshofs im Rahmen eines Rechtsmittels unterliegen würde (Urteil des Gerichtshofs vom 17. Juli 2008, L & D/HABM, C‑488/06 P, Slg. 2008, I‑5725, Randnr. 40, und Beschluss vom 14. Mai 2012, Timehouse/HABM, C‑453/11 P, Randnr. 35).

47Folglich ist, da Rügen Fisch insoweit keine Entstellung von Tatsachen geltend gemacht hat, ihre Argumentation in Bezug auf die im Wesentlichen in den Randnrn. 44 und 45 des

hat, ihre Argumentation in Bezug auf die im Wesentlichen in den Randnrn. 44 und 45 des vorliegenden Beschlusses aufgeführten Tatsachenwürdigungen des Gerichts als offensichtlich unzulässig zurückzuweisen.

48Was den Umstand betrifft, dass das Gericht in Randnr. 24 des angefochtenen Urteils die von der streitigen Marke erfassten Waren mit „Konserven, die eine Fischmischung, insbesondere Makrelen, mit anderen Zutaten enthalten“ bezeichnet hat, anstatt auf den vollständigen Wortlaut des Warenverzeichnisses der Klasse 29 des Abkommens von Nizza Bezug zu nehmen, ist im Hinblick auf dessen Wiedergabe in Randnr. 3 des angefochtenen Urteils festzustellen, dass klar zu erkennen ist, dass diese redaktionelle Entscheidung des Gerichts vor allem in der Absicht einer Vereinfachung und Konkretisierung der Prüfung der Klage gründete. Rügen Fisch erläutert jedoch nicht, inwiefern diese redaktionelle Entscheidung, die von ihr als Wiedergabe „unzutreffende[r] Tatsachen“ bezeichnet wird, die aber dennoch im Wesentlichen dem Wortlaut des Warenverzeichnisses der Klasse 29 des Abkommens von Nizza entspricht, Auswirkungen auf die Beurteilung des beschreibenden Charakters des Wortzeichens „SCOMBER MIX“ gehabt haben soll.

49Im Übrigen ist Rügen Fisch der Auffassung, das Gericht habe sich nicht darauf stützen dürfen, dass der Begriff „Scomber“ in der Wissenschaftssprache verwendet werde, um daraus abzuleiten, dass der Durchschnittsverbraucher diesen Begriff ebenfalls als beschreibend wahrnehme. Jedoch ist festzustellen, dass das Gericht aus dem Umstand, dass dieser Begriff, der tatsächlich aus der Wissenschaftssprache stammt, in Werbeanzeigen für aus Makrelen hergestellte Waren zu beschreibenden Zwecken benutzt wurde, in Randnr. 27 des angefochtenen Urteils den Schluss gezogen hat, dass der Durchschnittsverbraucher die Verwendung eines solchen Begriffs als für die so vermarkteten Waren beschreibend wahrnehmen könnte. Das von Rügen Fisch vorgebrachte Argument ist damit offensichtlich unbegründet.

50Unabhängig von dieser Feststellung hat das Gericht zudem in Randnr. 30 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass der Begriff „Scomber“ dem italienischen Wort „sgombro“, das „Makrele“ bedeutet, klanglich hinreichend ähnlich sei, so dass die italienischsprachigen Verbraucher die Bedeutung dieses Begriffs verstehen könnten.

51Zum einen jedoch fallen solche im angefochtenen Urteil getroffene Feststellungen zu der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung oder der Einstellung der Verbraucher in den Bereich der Tatsachenwürdigung (vgl. Urteil vom 4. Oktober 2007, Henkel/HABM, C‑144/06 P, Slg. 2007, I‑8109, Randnr. 51, sowie Beschluss vom 11. Mai 2012, LAN Airlines/HABM, C‑198/11 P, Randnr. 32), so dass sie als solche keine Rechtsfrage darstellen, die der Kontrolle des Gerichtshof im Rahmen eines Rechtsmittels unterliegen könnte.

52Zum anderen geht aus dem Wortlaut von Art. 7 Abs. 1 der Verordnung Nr. 40/94 hervor, dass es ausreicht, dass eines der in dieser Vorschrift aufgezählten absoluten Eintragungshindernisse anwendbar ist, um die Eintragung des fraglichen Zeichens als Gemeinschaftsmarke auszuschließen (vgl. Urteil vom 19. September 2002, DKV/HABM, C‑104/00 P, Slg. 2002, I‑7561, Randnr. 29, sowie Beschluss Indorata-Serviços e Gestão/HABM, Randnr. 18). Zudem finden gemäß Art. 2 Abs. 7 die Vorschriften des Abs. 1 auch dann Anwendung, wenn die Eintragungshindernisse nur in einem Teil der

Abs. 1 auch dann Anwendung, wenn die Eintragungshindernisse nur in einem Teil der Union vorliegen.

53Hieraus folgt, dass die Feststellung, dass der Begriff „Scomber“ für die italienischsprachigen Verkehrskreise beschreibend ist, für sich genommen genügt, damit das Gericht in Randnr. 31 des angefochtenen Urteils zu dem Schluss gelangen durfte, dass das Zeichen „SCOMBER MIX“ zumindest für diese Verkehrskreise lediglich darauf hinweise, dass die beanspruchten Waren aus einer Mischung („Mix“) von Makrelen („Scomber“) mit anderen Zutaten bestünden, was allein bereits ausreichte, um die Nichtigerklärung der Marke für die Waren der Klasse 29 des Abkommens von Nizza gemäß Art. 51 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung Nr. 40/94 im Hinblick auf Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung zu rechtfertigen.

54Nach alledem ist das Rechtsmittel als teilweise offensichtlich unzulässig und teilweise offensichtlich unbegründet zurückzuweisen.

Kosten

55Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung, der gemäß Art. 118 der Verfahrensordnung auf das Rechtsmittelverfahren entsprechende Anwendung findet, ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da das HABM und Schwaaner Fischwaren die Verurteilung von Rügen Fisch beantragt haben und diese mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr die Kosten aufzuerlegen.

Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Achte Kammer) beschlossen:

1.Das Rechtsmittel wird zurückgewiesen.

2.Die Rügen Fisch AG trägt die Kosten.

Unterschriften

* Verfahrenssprache: Deutsch.

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