Urteil des BVerwG vom 27.11.2012, 7 VR 10.11

Aktenzeichen: 7 VR 10.11

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BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 7 VR 10.11

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 7. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 27. November 2012 durch den Richter am Bundesverwaltungsgericht Krauß als Berichterstatter gemäß § 87a Abs. 1 und 3 VwGO

beschlossen:

Das Verfahren über den Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes wird eingestellt.

Die Antragsgegnerin trägt die Kosten des Verfahrens mit Ausnahme der außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen, die diese selbst trägt.

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Antragsverfahren auf 15 000 festgesetzt.

G r ü n d e :

1Nachdem die Antragsteller und die Antragsgegnerin das Antragsverfahren in

der Hauptsache für erledigt erklärt haben, ist das Verfahren entsprechend § 92

Abs. 3 Satz 1 VwGO einzustellen. Gemäß § 161 Abs. 2 VwGO ist nach billigem

Ermessen über die Kosten des Verfahrens zu entscheiden. Der bisherige Sachund Streitstand ist dabei zu berücksichtigen. Kostenpflichtig ist in der Regel derjenige Beteiligte, der voraussichtlich unterlegen wäre, hätte sich der Rechtsstreit nicht erledigt. Hiernach entspricht es der Billigkeit, der Antragsgegnerin

die Kosten des Verfahrens grundsätzlich aufzuerlegen.

2Der Antrag hätte voraussichtlich Erfolg gehabt. Der Ausgang des Klageverfahrens (BVerwG 7 A 16.11) ist offen. Der Berichterstatter hat am 22. Mai 2012

einen Ortstermin und am 23. Mai 2012 einen Erörterungstermin durchgeführt.

Dabei ergab sich unter anderem Folgendes: Die Entscheidung in der Hauptsache wird voraussichtlich insbesondere von der Beantwortung der Frage abhängen, ob die planfestgestellte „Vermeidungslösung“, mit der erreicht werden soll,

dass das Vorhaben nicht zu einer Erhöhung des Salzgehalts des der Weser

entnommenen und zur Tränkung von Vieh verwendeten Wassers führt, dieses

Ziel auch erreicht. Mit der Vermeidungslösung wird Neuland betreten. Ob zu

erwarten ist, dass sie ihr Ziel erreicht, kann deshalb nur aufgrund einer Beweisaufnahme des Senats (vor allem Anhörung von Sachverständigen in dessen

Sitzung) geklärt werden.

3Auch bestehen - wie den Beteiligten bereits im Erörterungstermin gerichtlicherseits mitgeteilt worden ist - Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Planfeststellungsbeschlusses, weil dieser nicht sicherstellt, dass die Vermeidungslösung

zeitgleich mit dem Ausbauvorhaben realisiert wird.

4Die Entscheidung über den vorläufigen Rechtsschutz wäre deshalb aufgrund einer Interessenabwägung zu treffen gewesen. Diese wäre aller Voraussicht nach

zu Gunsten der Antragsteller erfolgt. Deren Interesse daran, dass vor der

Entscheidung über die Klage keine Tatsachen geschaffen werden, die möglicherweise dazu führen, dass das der Weser entnommene Wasser nicht mehr

zur Viehtränke verwendet werden kann, überwiegen das Interesse der Antragsgegnerin an der sofortigen Vollziehbarkeit des Planfeststellungsbeschlusses.

Wie der Ortstermin ergeben hat, steht den Antragstellern in den Sommermonaten, in denen das Vieh auf der Weide gehalten wird, keine andere Tränkemöglichkeit zur Verfügung, so dass negative Veränderungen des Tränkewassers

bereits im ersten Sommerhalbjahr gravierende Nachteile für die Antragsteller

haben könnten.

5Die Entscheidung, dass die Beigeladene ihre außergerichtlichen Kosten selbst

trägt, beruht auf § 162 Abs. 3 VwGO.

6Die Höhe des Streitwerts entspricht der Hälfte des Streitwerts, der im Klageverfahren vorläufig festgesetzt worden ist.

Krauß

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