Urteil des BVerwG vom 24.09.2013, 6 P 9.13

Entschieden
24.09.2013
Schlagworte
Mitwirkungsrecht, Finanzen, Exekutive, Gemeindeverwaltung, Vorschlag, Befund, Beschränkung, Begriff, Rechtsgutachten, Vergleich
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BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

IM NAMEN DES VOLKES

BESCHLUSS

BVerwG 6 P 9.13 OVG 61 PV 4.12

In der Personalvertretungssache

hat der 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 24. September 2013 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Neumann und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Büge, Dr. Möller, Hahn und Prof. Dr. Hecker

beschlossen:

Die Rechtsbeschwerde des Beteiligten gegen den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg - Fachsenat für Personalvertretungssachen des Landes Brandenburg - vom 28. Februar 2013 wird zurückgewiesen.

G r ü n d e :

I

1Im Streit ist die Reichweite des Mitwirkungsrechts in Bezug auf „Personalanforderungen zum Haushaltsvoranschlag“ gemäß § 68 Abs. 2 Nr. 3 BrbgPersVG.

2Bei der Aufstellung des Stellenplanentwurfs für das Haushaltsjahr 2011 vertrat

der Beteiligte die Auffassung, das vom Antragsteller geltend gemachte Mitwirkungsrecht gemäß § 68 Abs. 2 Nr. 3 BrbgPersVG bestehe nur insoweit, als ein

Stellenplanentwurf eine Stellenmehrung im Vergleich zum laufenden Haushaltsjahr vorsehe. Der Antragsteller vertrat demgegenüber die Auffassung, sein Mitwirkungsrecht beziehe sich auf jeden Stellenplanentwurf ohne eine dahingehende Einschränkung. Seinen entsprechenden Feststellungsantrag hat das

Verwaltungsgericht abgelehnt. Das Oberverwaltungsgericht hat ihm mit dem

angefochtenen Beschluss stattgegeben: Das Mitwirkungsrecht bestehe unabhängig davon, inwiefern ein Stellenplanentwurf eine Stellenmehrung, einen

gleichbleibenden Stellenbestand oder eine Stellenminderung vorsehe. Hierfür

spreche der haushaltsrechtliche Bezug des Mitwirkungstatbestands. Ferner

spreche hierfür Sinn und Zweck des Mitwirkungsrechts.

3Der Beteiligte trägt zur Begründung seiner Rechtsbeschwerde vor, der Feststellungsantrag sei unzulässig, da mit ihm ein abstraktes Rechtsgutachten begehrt

werde. Das Oberverwaltungsgericht habe § 92 Abs. 1 BrbgPersVG nicht berücksichtigt, der in Bezug auf Stellenpläne greife, da diese der Entscheidung

der Gemeindevertretung unterlägen. § 68 Abs. 2 Nr. 3 BrbgPersVG gewähre

bei Zugrundelegung der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ein

Mitwirkungsrecht nur bei vorgesehenen Stellenmehrungen. Stellenminderungen

berührten zwar ebenso wie Stellenmehrungen die Personalplanung; insoweit

regele das Personalvertretungsgesetz des Landes Brandenburg aber nur ein

Beteiligungsrecht in Bezug auf die Aufstellung der einschlägigen Grundsätze

65 Nr. 6 BrbgPersVG).

4Der Antragsteller verteidigt den angefochtenen Beschluss.

II

5Die zulässige Rechtsbeschwerde ist nicht begründet. Der angefochtene Beschluss beruht nicht auf der Nichtanwendung oder der unrichtigen Anwendung

einer Rechtsnorm 95 Abs. 2 BrbgPersVG i.V.m. § 93 Abs. 1 Satz 1 ArbGG).

61. Das Feststellungsbegehren ist zulässig. Nichts Gegenteiliges folgt daraus,

dass sich die ursprünglich vom Antragsteller beanspruchte Mitwirkung an der

Aufstellung des Entwurfs des Haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2011 durch

Zeitablauf erledigt hat. Der Antrag ist - losgelöst vom Ausgangsfall - darauf gerichtet, das Mitwirkungsrecht des Antragstellers bei der jährlichen Entwurfsaufstellung abstrakt festzustellen. Hinsichtlich dieser Feststellung steht dem Antragsteller ein Rechtsschutzinteresse zu. Der Beteiligte hält an seinem Rechtsstandpunkt fest, das Mitwirkungsrecht aus § 68 Abs. 2 Nr. 3 BrbgPersVG beschränke sich auf die Konstellation einer vorgesehenen Stellenmehrung. Die im

Ausgangsfall streitig gebliebene Frage wird sich dementsprechend in Zukunft

wieder stellen können.

72. Das Mitwirkungsrecht des Personalrats gemäß § 68 Abs. 2 Nr. 3

BrbgPersVG besteht im Hinblick auf den Stellenplanentwurf ohne Rücksicht

darauf, ob dieser in seinen Einzelansätzen gegenüber dem Stellenplan des laufenden Haushaltsjahrs Abweichungen vorsieht.

8a. Der in § 68 Abs. 2 Nr. 3 BrbgPersVG verwendete Begriff der „Personalanforderungen zum Haushaltsvoranschlag“ nimmt Bezug auf das Verfahren der

Haushaltsaufstellung. Der Haushaltsplan des Landes wird durch Haushaltsgesetz, derjenige einer Gemeinde durch Haushaltssatzung festgestellt 1 Satz 1

BrbgLHO, § 65 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BrbgKVerf). Die Beschlussfassung erfolgt

durch den Landtag bzw. die Gemeindevertretung auf der Grundlage eines von

der Landesregierung bzw. vom Hauptverwaltungsbeamten vorzulegenden Entwurfs 30 Satz 1 BrbgLHO bzw. § 67 Abs. 2 Satz 1, Abs. 4 BrbgKVerf). Innerhalb der Exekutive des Landes wird der Entwurf durch das Ministerium der Finanzen auf der Grundlage von Voranschlägen der für die Einzelpläne zuständigen Stellen aufgestellt und von der Landesregierung beschlossen 27 Abs. 1

Satz 1, § 28 Abs. 1 Satz 2, § 29 Abs. 1 Satz 1 BrbgLHO). Innerhalb der Gemeindeverwaltung obliegt die Aufstellung des Entwurfs dem Kämmerer; seine

Feststellung obliegt dem Hauptverwaltungsbeamten 67 Abs. 1 BrbgKVerf).

Auf beiden Ebenen gilt der Grundsatz, dass im Entwurf sämtliche vorgesehenen Ausgaben- und Verpflichtungsermächtigungen aufzuführen sind 11

Abs. 2 BrbgLHO, § 66 Abs. 1 BrbgKVerf). Dem Landes- bzw. Kommunalhaushaltsrecht ist eine Differenzierung von Haushaltsunterlagen anhand des Kriteriums, ob die jeweils vorgeschlagenen Einzelansätze Abweichungen gegenüber

dem laufenden Haushaltsjahr aufweisen, fremd. Vor diesem Hintergrund liegt

ein Verständnis, wonach von „Personalanforderungen zum Haushaltsvoranschlag“ nur im Falle vorgesehener Stellenmehrungen die Rede sein könne, von

vorneherein fern.

9b. Dem Oberverwaltungsgericht ist darin beizupflichten, dass die Zielrichtung

des Mitwirkungsrechts durchgreifend gegen die Rechtsauffassung des Beteiligten spricht. § 68 Abs. 2 Nr. 3 BrbgPersVG zielt darauf, dem Personalrat die Gelegenheit zu verschaffen, im Rahmen des Haushaltsaufstellungsverfahrens die

Beschäftigteninteressen zu Gehör zu bringen. In aller Regel werden die Beschäftigteninteressen dann, wenn die Dienststelle Stellenmehrungen vorschlägt, weniger nachteilig berührt sein, als wenn die Dienststelle auf einen sol-

chen Vorschlag verzichtet oder sogar Stellenminderungen vorschlägt. Eine Beschränkung der Mitwirkung auf den Fall von Stellenmehrungen wäre daher mit

Sinn und Zweck der Vorschrift nicht in Einklang zu bringen.

10c. Die bisherige Senatsrechtsprechung steht diesem Befund nicht entgegen.

Zwar heißt es in dem Senatsbeschluss vom 2. März 1983 in Bezug auf die vergleichbare Vorschrift des § 82 Abs. 2 Satz 1 PersVG RP a.F., der Personalrat

sei zur „Frage des personellen (...) Mehrbedarfs“ anzuhören (BVerwG 6 P 12.80

- Buchholz 238.38 § 82 RPPersVG Nr. 1 S. 2). Hiermit ist jedoch nicht zum

Ausdruck gebracht worden, jenseits der Fälle einer Anmeldung personellen

Mehrbedarfs greife die betreffende Vorschrift nicht. Auch die nachfolgende Entscheidungspraxis des Senats lässt sich nicht in diesem Sinne verstehen (vgl.

Beschlüsse vom 23. Januar 2002 - BVerwG 6 P 5.01 - juris Rn. 11

nicht abgedruckt in Buchholz 250 § 68 BPersVG Nr. 17> und vom 30. August

2005 - BVerwG 6 PB 11.05 - juris Rn. 4 f.).

11d. § 92 Abs. 1 Satz 1 BrbgPersVG ist nicht anwendbar. Das Mitwirkungsbegehren des Antragstellers bezieht sich nicht auf die Beschlussfassung der Gemeindevertretung über die Haushaltssatzung, sondern auf das vorgelagerte, verwaltungsinterne Verfahrensstadium. Der Entscheidungsprärogative des Gemeindeparlaments, die mit § 92 Abs. 1 Satz 1 BrbgPersVG geschützt werden soll

(vgl. LTDrucks 1/2089 S. 16 f.), kann hier nicht berührt sein.

Neumann Büge Dr. Möller

Hahn Prof. Dr. Hecker

Sachgebiet: BVerwGE: nein

Personalvertretungsrecht Fachpresse: ja

Rechtsquellen:

BrbgPersVG § 68 Abs. 2 Nr. 3

Stichworte:

Stellenplanentwurf; Haushaltsplanentwurf; Mitwirkung der Personalvertretung beim Entwurf des Stellenplans.

Leitsatz:

Das Mitwirkungsrecht des Personalrats gemäß § 68 Abs. 2 Nr. 3 BrbgPersVG besteht im Hinblick auf den Stellenplanentwurf ohne Rücksicht darauf, ob dieser in seinen Einzelansätzen gegenüber dem Stellenplan des laufenden Haushaltsjahres Abweichungen vorsieht.

Beschluss des 6. Senats vom 24. September 2013 - BVerwG 6 P 9.13

I. VG Potsdam vom 08.05.2012 - VG 21 K 1953/10.PVL - II. OVG Berlin-Brandenburg vom 28.02.2013 - OVG 61 PV 4.12 -

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