Urteil des BVerwG vom 05.09.2003, 5 B 60.03

Entschieden
05.09.2003
Schlagworte
Investitionsförderung, Verordnung, Pflege, Sozialhilfeleistung, Rückgriff, Gestaltung, Pacht, Miete, Überprüfung, Deckung
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BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 5 B 60.03 OVG 16 A 2789/02

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 5. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 5. September 2003 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. S ä c k e r und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. F r a n k e und Prof. Dr. B e r l i t

beschlossen:

Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 9. Mai 2003 wird zurückgewiesen.

Der Streitwert für das Beschwerdeverfahren wird auf 1 267,05 festgesetzt.

G r ü n d e :

Die Beschwerde kann nicht wegen der allein geltend gemachten grundsätzlichen

Bedeutung der Rechtssache 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) zugelassen werden.

Die Beschwerde macht als klärungsbedürftig geltend, "ob die Bereitstellung von

Pflegewohngeld für Pflegeheimbewohner entgegen den Vorgaben aus dem SGB XI

- insb. § 9 Satz 3 SGB XI - durch ein Landesgesetz vom vorherigen Einsatz von Vermögen abhängig gemacht werden kann". Es kann offen bleiben, ob damit in einer

den Anforderungen des § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO entsprechenden Weise eine im

Revisionsverfahren klärungsfähige Rechtsfrage des revisiblen Rechts dargelegt ist.

Unter Berufung auf Bestimmungen des SGB XI geht es der Beschwerde erkennbar

um eine Überprüfung der als solchen nicht revisiblen Auslegung landesrechtlicher

Regelungen 14 Abs. 1 und 2 des Gesetzes zur Umsetzung des Pflege-Versicherungsgesetzes Nordrhein-Westfalen - PfG NW> vom 19. März

1996, GVBl NW 1996 S. 137; Verordnung über Pflegewohngeld - PfGWGVO> vom 4. Juni 1996) durch das Berufungsgericht dahin, dass

bei der Entscheidung über die Gewährung des Pflegewohngeldes neben dem Einkommen des Pflegebedürftigen auch dessen Vermögen zu berücksichtigen sei, am

Maßstab des Bundesrechts, letztlich "um die einheitliche Anwendung und Auslegung

der bundesrechtlichen Vorgaben aus den § 1 SGB I i.V.m. §§ 8, 9, 11, 75, 82 SGB XI

im Zusammenhang mit der landesrechtlichen Umsetzung in § 14 Abs. 1 PflWG NRW

in Verbindung mit § 1 Absatz 2 der dazu ergangenen Verordnung". Die bloße

Benennung bundesgesetzlicher Regelungen und Ausführungen zu ihrer Auslegung

ersetzen indes nicht gebotene Darlegungen einer klärungsbedürftigen Rechtsfrage

revisiblen Rechts.

Die in der Beschwerde angesprochenen Rechtsfragen rechtfertigen jedenfalls die

Revisionszulassung deswegen nicht, weil sich ohne weiteres aus dem Gesetz ergibt,

dass Bundesrecht der Berücksichtigung des Vermögens eines Pflegebedürftigen bei

einer (zusätzlichen) bedarfsabhängigen, personenbezogenen (subjektorientierten)

landesgesetzlichen Förderung der Investitionskosten nicht entgegensteht. § 9 Satz 3

SGB XI, nach dem "Zur finanziellen Förderung der Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen (…) Einsparungen eingesetzt werden (sollen), die den Trägern der Sozialhilfe durch die Einführung der Pflegeversicherung entstehen", enthält bereits nach

seinem Wortlaut weder für sich noch in Verbindung mit der in § 82 Abs. 3 SGB XI

geregelten gesonderten Berechnung solcher betriebsnotwendiger Investitionsaufwendungen oder Aufwendungen für Miete, Pacht, Nutzung oder Mitbenutzung von

Gebäuden oder sonstiger abschreibungsfähiger Anlagegüter, die durch öffentliche

Förderung nach § 9 SGB XI nicht vollständig gedeckt sind, den Landesgesetzgeber

bindende bundesgesetzliche Vorgaben für die Ausgestaltung der Investitionsförderung nach Förderzielen, -gegenständen, -bereichen, -methoden, -höhe, -voraussetzungen und -ansätzen, welche für die Einzelantragsförderung über ein Pflegewohngeld eine Berücksichtigung auch des Vermögens der Pflegebedürftigen ausschlösse. Es ist nach § 9 Satz 2 SGB XI Sache der Länder, wie sie im Rahmen des

dualen Finanzierungssystems ihrer aus § 9 Satz 1 SGB XI folgenden Verantwortung

für die Vorhaltung einer leistungsfähigen, zahlenmäßig ausreichenden und wirtschaftlichen pflegerischen Versorgungsstruktur nachkommen. Das Berufungsgericht

hat insoweit zutreffend darauf hingewiesen, dass dem Bundesgesetzgeber für weitergehende Bindungen des Landesgesetzgebers zu Art und Weise sowie Höhe der

Investitionsförderung keine Gesetzgebungskompetenz zusteht und die von der Beschwerde herangezogene Regelung des § 82 Abs. 3 SGB XI, nach dem die Pflege-

einrichtungen den Pflegebedürftigen die nicht durch öffentliche Förderung nach § 9

SGB XI gedeckten Investitionsaufwendungen gesondert in Rechnung stellen können,

auch bundesgesetzlich voraussetzt, dass die öffentliche Förderung nach § 9 SGB XI

nicht notwendig zur vollständigen Deckung der betriebsnotwendigen Investitionsaufwendungen führen muss. Zudem belässt § 9 Satz 3 SGB XI den Ländern die

Entscheidung, in welchem Umfange sie Einsparungen, die den Trägern der Sozialhilfe durch die Einführung der Pflegeversicherung entstehen, zur finanziellen Förderung

der Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen einsetzen.

§ 82 Abs. 3 SGB XI ermöglicht allerdings durch den gesonderten Ausweis der Investitionskosten eine (ergänzende) Investitionsförderung, die über ein bedarfsabhängiges Pflegewohngeld gewährt wird. Die Regelung beschränkt aber nach Wortlaut,

systematischer Stellung oder Sinn und Zweck nicht die Gestaltungsfreiheit des Landesgesetzgebers, bei der Bedarfsprüfung auch auf das Vermögen der Pflegebedürftigen abzustellen. Ob bzw. in welchem Umfange der zur Gestaltung berufene Landesgesetzgeber das auf Bundesebene mit der Einführung der Pflegeversicherung

verfolgte sozialpolitische Ziel, die Sozialhilfebedürftigkeit von Pflegebedürftigen namentlich in stationären Einrichtungen zu vermindern, auch im Bereich der Investitionsförderung verfolgt, obliegt dabei allein seiner Entscheidung. Die grundgesetzlich

garantierte Etathoheit der Länder, die durch die einfachgesetzlichen Regelungen des

SGB XI nicht eingeschränkt werden kann, belässt es den Ländern auch zu bestimmen, inwieweit Pflegebedürftige - entgegen der Zielsetzung des Pflegeversicherungsgesetzes (s. BTDrucks 13/3419) - an den Investitionskosten beteiligt werden.

Für eine von der Beschwerde angestrebte "bundesfreundliche Auslegung" ist angesichts dieser klaren Kompetenzzuweisung umso weniger Raum, als - wie die Beschwerde im Ansatz zutreffend erkennt - es sich bei der Gewährung des Pflegewohngeldes nicht um eine Sozialhilfeleistung handelt und auch der Rückgriff auf unterhaltsverpflichtete Angehörige ausgeschlossen ist.

Von einer weiteren Begründung, insbesondere hinsichtlich des Vorbringens im

Schriftsatz vom 7. Juli 2003, wird nach § 133 Abs. 5 Satz 2 Halbsatz 2 VwGO abgesehen.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung aus

§ 13 Abs. 2, § 14 Abs. 1 GKG.

Dr. Säcker Dr. Franke Prof. Dr. Berlit

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