Urteil des BVerwG vom 15.02.2007, 5 B 117.06

Entschieden
15.02.2007
Schlagworte
Vergütung, Sozialhilfe, Hund, Ausschluss, Rechtsschutz, Nachzahlung, Beschränkung, Veröffentlichung, Schiedsstelle
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BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 5 B 117.06 OVG 4 LC 135/05

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 5. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 15. Februar 2007 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Hund und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Schmidt und Dr. Franke

beschlossen:

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Beschluss des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 16. August 2006 wird zurückgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens. Gerichtskosten werden nicht erhoben.

G r ü n d e :

1Die Beschwerde ist nicht begründet. Die allein geltend gemachte Abweichung

132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO) der Berufungsentscheidung von dem Urteil des

Bundesverwaltungsgerichts vom 4. August 2006 - BVerwG 5 C 13.05 - juris (zur

Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung BVerwGE vorgesehen) liegt

nicht vor.

21. Es erscheint bereits fraglich, ob - wie die Beschwerde meint - den Sätzen aus

der Berufungsentscheidung

„Die hier geschlossene vorläufige Vergütungsvereinbarung, auf Grund derer Abschlagspflegesätze in der genannten Höhe gezahlt worden sind, ist aus den im Folgenden dargestellten Gründen endgültigen Vereinbarungen im Sinne des § 93 Abs. 2 Satz 1 BSHG Fassung 1999 gleichzusetzen mit der Folge, dass hier ein Sonderfall nach § 93 Abs. 3 Satz 1 BSHG nicht angenommen werden kann und der Kläger keinen über die gezahlten Abschläge hinaus gehenden Anspruch hat. Die Vorschrift des § 93 Abs. 2 Satz 1 BSHG Fassung 1999 ist auf diese Fälle nach Sinn und Zweck der Regelungen in § 93 Abs. 2 und 3 BSHG Fassung 1999, deren Zusammenhang und der darin zum Ausdruck gekommenen Konzeption des Gesetzes entsprechend anzuwenden.“

ein (abstrahierungsfähiger) Grundsatz dahin entnommen werden kann,

„dass die Vereinbarung zwischen Einrichtungsträger und Sozialhilfeträger über vorläufige Abschläge auf die endgültige Vergütung bzw. die Festsetzung vorläufiger Abschläge durch die Schiedsstelle § 94 BSHG mit der Vereinbarung endgültiger Vergütungen gemäß § 93 Abs. 2 Satz 1 BSHG Fassung 1999 gleichzusetzen sei.“

3Aus den weiteren Ausführungen in der Berufungsentscheidung ergibt sich, dass

vorläufigen Vereinbarungen und darauf beruhenden Abschlagszahlungen Bedeutung nur zukommt, wenn endgültige Vereinbarungen noch zu erwarten sind

(BA S. 11 Abs. 2), und eine (vorläufige) Beschränkung der Leistungspflicht des

Sozialhilfeträgers auf Abschlagszahlungen nur bis zum Inkrafttreten einer endgültigen Regelung berechtigt ist (BA S. 11). Das Berufungsgericht setzt die vorläufigen Vereinbarungen den endgültigen mithin nicht insgesamt gleich, sondern nur insoweit, als sie seiner (zutreffenden) Auffassung nach einer Übernahme der Vergütung nach § 93 Abs. 3 BSHG entgegenstehen.

4Außerdem käme es darauf nach dem Urteil des Senats vom 4. August 2006

(a.a.O.) nicht an. Wie der Senat in diesem Urteil näher ausgeführt hat, liegt

- auch im Verhältnis zu ortsfremden Sozialhilfeträgern - ein „anderer Fall“ i.S.d.

§ 93 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 BSHG F. 1994 bzw. ein Fall des § 93 Abs. 3 Satz 1

BSHG F. 1999 nicht vor, solange gemäß § 93 Abs. 2 Satz 1 BSHG F. 1994

bzw. § 93 Abs. 2 Satz 1 BSHG F. 1999 eine Vereinbarung bzw. eine sie gestaltende Schiedsstellenentscheidung zwischen einer Einrichtung und dem örtlich

zuständigen Träger der Sozialhilfe tatsächlich und rechtlich möglich ist. Vorläufig festgesetzte oder vereinbarte Entgelte bzw. Vergütungen stehen zwar den

endgültig vereinbarten oder festgesetzten Entgelten bzw. Vergütungen nicht

gleich. Die Gewährung von Sozialhilfe ohne Bezug zu einer Vereinbarung ist

aber „gesperrt“, solange der angestrebte Abschluss einer Vereinbarung bzw.

eine vereinbarungsgestaltende Schiedsstellenentscheidung rechtlich und tatsächlich möglich ist (Urteil vom 4. August 2006 a.a.O. juris Rn. 23).

52. Es kann auch offenbleiben, ob die Gleichsetzung von vorläufigen mit endgültigen Vereinbarungen in Bezug auf den Anwendungsausschluss des § 93

Abs. 3 BSHG durch das Berufungsgericht von dem Urteil vom 4. August 2006

(a.a.O. u.a. juris Rn. 24) abweicht. Nach diesem Urteil ist ein Anspruch auf endgültig höhere Sozialhilfeleistungen für die Heimunterbringung nicht deshalb

- derzeit - unbegründet, weil für die streitgegenständliche Zeit vorläufige Entgelte bzw. Vergütungen sei es aufgrund von Schiedsstellenentscheidungen oder

von gerichtlichen Entscheidungen im einstweiligen Rechtsschutz festgesetzt

oder als vorläufig vereinbart worden sind, sondern deshalb, weil eine angestrebte endgültige Vereinbarung (noch) nicht abgeschlossen ist bzw. eine

Schiedsstellenentscheidung noch nicht bestandskräftig ist, solches aber noch

möglich ist. Im Einklang hiermit hat das Berufungsgericht zwischen vorläufiger

und endgültiger Vergütungsvereinbarung differenziert und darauf abgestellt,

dass „solange (die) auf den Abschluss (endgültiger) Vereinbarungen gerichteten Verhandlungen/Verfahren ‚schweben’ und im Hinblick hierauf Abschläge an

den Einrichtungsträger gezahlt werden, nicht angenommen werden (kann),

dass Vereinbarungen nach § 93 Abs. 2 Satz 1 BSHG Fassung 1999 nicht abgeschlossen sind und damit ein Fall einer nicht vertragsgebundenen Einrichtung

vorliegt, den allein § 93 Abs. 3 Satz 1 BSHG Fassung 1999 regelt“(BA S. 11

Abs. 1).

6Selbst wenn das Berufungsgericht mit einer Gleichsetzung von vorläufigen und

endgültigen Vereinbarungen von dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts

vom 4. August 2006 (a.a.O.) abweichen sollte, so beruht die Berufungsentscheidung jedenfalls hierauf nicht. Denn diese Gleichsetzung ist für den Ausschluss der Anwendung des § 93 Abs. 3 BSHG in der Berufungsentscheidung

nicht tragend.

73. Soweit der Kläger vorträgt, das Bundesverwaltungsgericht habe im Urteil

vom 4. August 2006 (a.a.O.) entschieden, die Klage auf die Übernahme einer

höheren Vergütung sei derzeit unbegründet, während das Berufungsgericht die

Klage auf die Übernahme einer höheren Vergütung endgültig abgewiesen habe,

verkennt er, dass das Berufungsgericht dahin erkannt hat, dass der Kläger

„nach (auf Grund) der gegenwärtigen Sachlage“ keinen Anspruch auf die Übernahme einer höheren Vergütung habe (BA S. 5 a.E. und 17 Abs. 4). Dem

schließt sich im Berufungsbeschluss die Feststellung an, dass der Beklagte für

den Fall, dass eine endgültige Vergütungsvereinbarung/Vergütungsfestsetzung

für den entscheidungserheblichen Zeitraum einen höheren Pflegesatz vorsehen

sollte, ausdrücklich die Nachzahlung des Differenzbetrages zugesagt habe.

84. Die Ausführungen der Beschwerde dazu, dass die Unterschiede zwischen

dem angefochtenen Beschluss und dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts

vom 4. August 2006 zu der Notwendigkeit unterschiedlicher Tatsachengrundlagen führten und der angefochtene Beschluss keine Feststellungen dazu enthalte, ob der Abschluss von Leistungs-, Vergütungs- und Prüfungsvereinbarungen

für die streitgegenständliche Zeit rechtlich und tatsächlich noch möglich sei,

führen nicht auf einen Revisionszulassungsgrund. Die Beschwerde wendet sich

insoweit lediglich gegen die tatsächliche und rechtliche Würdigung des Berufungsgerichts, ohne einen Bezug zu einem der in § 132 Abs. 2 VwGO bezeichneten Zulassungsgründe aufzuzeigen.

95. Jedenfalls die Ergebnisrichtigkeit der Berufungsentscheidung steht in entsprechender Anwendung des § 144 Abs. 4 VwGO (stRspr; vgl. etwa Beschlüsse vom 17. März 1998 - BVerwG 4 B 25.98 - Buchholz 406.17 Bauordnungsrecht Nr. 66 und vom 22. August 1996 - BVerwG 8 B 100.96 - Buchholz 310

§ 144 VwGO Nr. 62 m.w.N.) der Zulassung der Revision entgegen.

106. Von einer weiteren Begründung wird abgesehen 133 Abs. 5 Satz 2

Halbs. 2 VwGO).

11Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO, die Gerichtskostenfreiheit auf § 188 Satz 2 VwGO.

Hund Schmidt Dr. Franke

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Anmerkungen zum Urteil