Urteil des BVerwG vom 14.06.2012, 5 A 1.12

Entschieden
14.06.2012
Schlagworte
Tgv, Wohnung, Reduktion, Abrechnung, Reisekosten, Dienstort, Verordnung, Rechtsgrundlage, Verkehrsmittel, Verfügung
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BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

BVerwG 5 A 1.12

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 5. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 14. Juni 2012 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Vormeier, die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Stengelhofen und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Störmer, Dr. Häußler und Dr. Fleuß

ohne mündliche Verhandlung für Recht erkannt:

Die Abrechnung der Beklagten vom 29. April 2010 in der Fassung ihrer Abrechnung vom 9. Juli 2010 und der Widerspruchsbescheid vom 29. März 2011 werden geändert. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin weiteres Trennungsgeld in gesetzlicher Höhe zu gewähren.

Die Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens.

G r ü n d e :

I

1Die Beteiligten streiten um die Höhe eines Trennungsgeldes.

2Die Klägerin ist als Beamtin beim Bundesnachrichtendienst tätig. Mit Anordnung

vom 3. Februar 2010 wurde sie verpflichtet, an einer internen Fortbildung teilzunehmen und ihren Dienst vom 8. bis zum 19. März 2010 vorübergehend an

der Fortbildungsstätte in H. zu leisten. Während des Lehrgangs kehrte sie jeweils an ihren Wohnort P. zurück. Für die Hin- und Rückfahrten benutzte sie ihr

eigenes Auto.

3Nach Abschluss der Fortbildungsveranstaltung beantragte die Klägerin die Bewilligung von Trennungsgeld für insgesamt 10 Arbeitstage. Die einfache Wegstrecke zwischen ihrem Wohnort und dem Fortbildungsort gab sie mit 45 Kilometern, die Entfernung zwischen Wohnort und bisheriger Dienststelle in G. mit

16 Kilometern an.

4Mit Abrechnung vom 29. April 2010 in der Fassung der Abrechnung vom 9. Juli

2010 setzte die Beklagte den an die Klägerin als Trennungsgeld auszuzahlenden Betrag auf 38,40 fest. Sie behandelte die Anreise am ersten Tag sowie

die Rückfahrt am letzten Tag der Fortbildungsveranstaltung als Dienstreise

nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Bundesreisekostengesetz und gewährte hierfür eine

Wegstreckenentschädigung von 20 Cent je Kilometer zurückgelegter Strecke.

Für die verbleibenden 18 Hin- und Rückfahrten bewilligte sie eine Wegstreckenentschädigung gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 Trennungsgeldverordnung (TGV)

in Höhe von ebenfalls 20 Cent je Kilometer zurückgelegter Strecke. Hierauf

rechnete sie gemäß § 6 Abs. 1 Satz 2 und 3 TGV die Fahrauslagen an, die für

das Zurücklegen der Strecke zwischen Wohnung und bisheriger Dienststätte

entstanden wären. Dabei legte sie als Aufwand einen Betrag von 0,08 je Entfernungskilometer zugrunde. Dem so ermittelten Gesamtbetrag von 168,48

stellte sie in Anwendung der Höchstbetragsgrenze des § 6 Abs. 4 TGV den Betrag gegenüber, der der Klägerin beim Verbleiben am Fortbildungsort zu zahlen

gewesen wäre und den sie mit 38,40 ermittelte. Dabei brachte sie für die Anreise am ersten Tag sowie die Rückfahrt am letzten Tag der Fortbildungsveranstaltung eine Wegstreckenentschädigung von 20 Cent je Kilometer zurückgelegter Strecke in Ansatz. Im Übrigen ging sie davon aus, dass den Berechtigten

nach § 3 TGV unentgeltlich Unterbringung und Verpflegung bereitgestellt worden seien, sodass der Klägerin kein Trennungsübernachtungsgeld zu gewähren

und das ihr zustehende Trennungstagegeld zu kürzen sei.

5Mit ihrer nach erfolglosem Widerspruchsverfahren erhobenen Klage begehrt die

Klägerin die Bewilligung eines weiteren Trennungsgeldes. Die Höchstbetragsregelung des § 6 Abs. 4 TGV sei zwar anwendbar. Der Höchstbetrag sei aber

fehlerhaft berechnet. Da ihr Unterkunft und Verpflegung nicht unentgeltlich zur

Verfügung gestellt worden seien, hätten in die Vergleichsberechnung ein Übernachtungsgeld von 20 pro Nacht eingestellt werden und die Kürzung des Tagegeldes unterbleiben müssen.

6Die Klägerin beantragt,

die Trennungsgeldabrechnung zur Anordnung 5892 vom 29. April 2010 in der Fassung der Nachberechnung vom 9. Juli 2010 sowie den Widerspruchsbescheid vom 29. März 2011 aufzuheben und die Beklagte zu verurteilen, ihr Trennungsgeld nach § 6 TGV in gesetzlich zustehender Höhe zu gewähren.

7Die Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

8Nach ihrer Ansicht ist die Höchstbetragsregelung des § 6 Abs. 4 TGV auch in

einer Fallkonstellation wie der vorliegenden anzuwenden, wenn tatsächlich eine

gegenüber der Erstattung der Fahrauslagen kostengünstigere Alternative bestanden habe. Das sei hier zu bejahen. Die Klägerin hätte am Fortbildungsort

eine unentgeltliche Unterkunft erhalten können. Hätte sie diese in Anspruch

genommen, wären geringere Kosten verursacht worden.

9Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die Gerichtsakte und die von der Beklagten vorgelegte Verwaltungsakte (1 Aktenordner) verwiesen, die Gegenstand der Beratung gewesen sind.

II

10Die Klage, über die der Senat nach § 50 Abs. 1 Nr. 4 VwGO im ersten und letzten Rechtszug zu entscheiden hat und über die er gemäß § 101 Abs. 2 VwGO

ohne mündliche Verhandlung entscheiden kann, ist begründet. Der Klägerin

steht für die Zeit des Lehrgangs vom 8. bis zum 19. März 2010 als Trennungsgeld eine weitere Wegstreckenentschädigung nach Maßgabe der nachfolgenden Ausführungen zu.

111. Der geltend gemachte Anspruch findet hinsichtlich der ersten Hinfahrt zum

Fortbildungsort und der letzten Rückfahrt zum Wohnort seine Rechtsgrundlage

in § 3 Abs. 1 Satz 1 Bundesreisekostengesetz (BRKG) in der Fassung des Ge-

setzes zur Reform des Reisekostenrechts vom 26. Mai 2005 (BGBl I S. 1418),

zuletzt geändert durch Gesetz vom 5. Februar 2009 (BGBl I S. 160 ). Danach

erhalten Dienstreisende auf Antrag eine Vergütung der dienstlich veranlassten

notwendigen Reisekosten. Die Anspruchsvoraussetzungen für eine Reisekostenvergütung sind gegeben (a). Als Reisekostenvergütung ist eine Wegstreckenentschädigung nach § 5 Abs. 1 Satz 2 BRKG zu gewähren (b). Ein Anspruch auf Tagegeld nach § 6 BRKG besteht nicht (c).

12a) Die Klägerin war im fraglichen Zeitraum als Beamtin des Bundes Berechtigte

im Sinne des § 1 Abs. 1 BRKG. Sie hat mit der ersten Hinfahrt zum Fortbildungsort und der letzten Rückfahrt zum Wohnort jeweils eine Dienstreise im

Sinne des Bundesreisekostengesetzes durchgeführt.

13Gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 BRKG sind Dienstreisen Reisen zur Erledigung von

Dienstgeschäften außerhalb der Dienststätte. Der Begriff des Dienstgeschäfts

knüpft an das Amt im konkret-funktionellen Sinne an. Als Dienstgeschäft sind

die dem Beamten zur Erledigung übertragenen dienstlichen Aufgaben anzusehen (Urteil vom 22. Januar 2009 - BVerwG 2 A 3.08 - Buchholz 239.1 § 31

BeamtVG Nr. 21 Rn. 21 m.w.N.). Nach § 2 Abs. 1 Satz 4 BRKG sind Dienstreisen auch Reisen aus Anlass u.a. einer Abordnung. Das Wesen der Abordnung

besteht in der vorübergehenden Zuweisung einer Tätigkeit bei einer anderen

Dienststelle (Behörde) desselben oder eines anderen Dienstherrn, wobei die

Zugehörigkeit zur bisherigen Stammdienststelle aufrechterhalten bleibt (stRspr,

vgl. z.B. Beschluss vom 19. März 2012 - BVerwG 6 P 6.11 - juris Rn. 10

m.w.N.). Es bedarf keiner Entscheidung, ob die „Anordnung einer vorübergehenden Dienstleistung zur Fortbildung“ vom 3. Februar 2010 eine Abordnung

darstellt. In jedem Fall hat die Klägerin durch die ihr damit auferlegte Teilnahme

an einer internen Fortbildung, bei der ihr nach Gegenstand und Ausbildungsinhalt Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt wurden, die ihr bei der Erledigung

der Aufgaben ihres Dienstpostens zugute kommen (vgl. hierzu Urteil vom

24. Februar 2011 - BVerwG 2 C 58.09 - Buchholz 240 § 58a BBesG Nr. 4

Rn. 18), ein Dienstgeschäft außerhalb der Dienststätte wahrgenommen.

14Der Anspruch auf Reisekostenvergütung wurde von der Klägerin frist- und

formgerecht geltend gemacht. Sie hat zwar keinen ausdrücklichen Antrag auf

Gewährung von Reisekostenvergütung gestellt. Dieser Antrag ist aber in ihrem

formularmäßigen „Antrag auf Bewilligung von Trennungsgeld nach § 6

TGV/Lehrgänge“ vom 19. April 2010 (konkludent) enthalten. Damit hat die Klägerin hinreichend deutlich zu erkennen gegeben, dass sie eine vollumfängliche

Erstattung derjenigen Kosten begehrt, die ihr durch die dienstlich angeordnete

Teilnahme an der in Rede stehenden Fortbildungsveranstaltung notwendig entstanden sind. Ihr Antrag ist mangels entsprechender Anhaltspunkte nicht dahin

zu verstehen, dass sie auf eine Kostenerstattung verzichtet, soweit der Anspruch gegenüber der Beklagten nicht in § 6 der Verordnung über das Trennungsgeld bei Versetzungen und Abordnungen im Inland (Trennungsgeldverordnung - TGV) in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. Juni 1999

(BGBl I S. 1533), zuletzt geändert durch Verordnung vom 12. Februar 2009

(BGBl I S. 320), sondern unmittelbar im Bundesreisekostengesetz begründet

ist.

15b) Für Fahrten mit - wie hier - einem privaten Kraftfahrzeug wird Wegstreckenentschädigung nach § 5 BRKG gewährt. Mit der Wegstreckenentschädigung

werden in notwendigem Umfang die tatsächlichen Kosten pauschaliert abgegolten (Beschluss vom 21. Mai 2007 - BVerwG 6 P 5.06 - Buchholz 251.5 § 42 He-

PersVG Nr. 1 Rn. 29). Ihre Höhe bestimmt sich hier nach § 5 Abs. 1 Satz 2

BRKG. Danach beträgt die Wegstreckenentschädigung 20 Cent je Kilometer

zurückgelegter Strecke, höchstens jedoch 130 €. Die bei der ersten Hinfahrt

zum Fortbildungsort sowie der letzten Rückfahrt zum Wohnort jeweils zurückgelegte Strecke beträgt nach den unbestritten geblieben Angaben der Klägerin

jeweils 45 Kilometer.

16c) Ein Anspruch auf Tagegeld nach § 6 BRKG scheitert bereits an der insoweit

erforderlichen Mindestabwesenheit von 8 Stunden (vgl. § 6 Abs. 1 Satz 2 BRKG

i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 5 Satz 2 Buchst. c Einkommensteuergesetz). Mit

Rücksicht darauf, dass nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 1 BRKG für Dienstreisen

aus Anlass der Abordnung das Tagegeld für die Zeit bis zur Ankunft am neuen

Dienstort gewährt wird, ist diese Voraussetzung für den ersten Tag der Fortbil-

dung nur erfüllt, wenn die Hinreise vom Wohnort zum Fortbildungsort mindestens 8 Stunden gedauert hat (vgl. Schulz, in: Meyer/Fricke, Reisekosten im öffentlichen Dienst, Stand März 2012, § 11 BRKG/Kommentar Rn. 17). Das war

vorliegend nicht der Fall. Auch am letzten Tag der Fortbildung war die Klägerin

nach ihren unbestritten gebliebenen Angaben weniger als 8 Stunden von ihrer

Wohnung abwesend (vgl. Abwesenheitsnachweis).

172. Bezüglich der arbeitstäglichen Fahrten zwischen der ersten Hinfahrt und der

letzten Rückfahrt ist Rechtsgrundlage für das streitige Begehren § 6 Abs. 1

Satz 1 TGV. Nach dieser Vorschrift erhält ein Berechtigter, der täglich an den

Wohnort zurückkehrt oder dem die tägliche Rückkehr zuzumuten ist 3 Abs. 1

Satz 2 TGV), als Trennungsgeld Fahrkostenerstattung, Wegstrecken- oder Mitnahmeentschädigung wie bei Dienstreisen. Das Trennungsgeld ist ein Unterfall

der Reisekostenvergütung im weiteren Sinne (Beschluss vom 21. Mai 2007

a.a.O. Rn. 20). Es ist Ausfluss der Fürsorgepflicht des Dienstherrn (Urteile vom

24. Juli 2008 - BVerwG 2 C 13.07 - juris Rn. 12 und vom 20. Juni 2000

- BVerwG 10 C 3.99 - BVerwGE 111, 255 <257 f.>). Die anspruchsbegründenden Voraussetzungen für das Trennungsgeld liegen vor (a). Die Höhe der Wegstreckenentschädigung bemisst sich nach § 5 Abs. 1 Satz 2 BRKG unter Anrechnung der fiktiven Fahrauslagen für das Zurücklegen der Strecke zwischen

Wohnung und bisheriger Dienststätte (b). Die auf das Trennungsgeld bei auswärtigem Verbleiben bezogene Höchstbetragsgrenze des § 6 Abs. 4 TGV ist

nicht anzuwenden (c).

18a) Die Klägerin war im fraglichen Zeitraum als Bundesbeamtin Berechtigte im

Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 TGV. Mit der verfügten Anordnung zwecks Teilnahme an einer internen Fortbildung vom 3. Februar 2010 liegt auch eine anspruchsbegründende Personalmaßnahme im Sinne der Trennungsgeldverordnung vor, wobei nicht abschließend zu klären ist, ob es sich um eine Maßnahme nach § 1 Abs. 2 Nr. 6 TGV oder um eine solche nach § 1 Abs. 2 Nr. 8 TGV

handelt.

19Die Klägerin ist im Sinne des § 6 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 TGV auch täglich an den

Wohnort zurückgekehrt. Erforderlich, aber auch ausreichend ist die tatsächliche

Rückkehr zum Wohnort. Unerheblich ist in diesem Zusammenhang, ob der Klägerin die tägliche Rückkehr zum Wohnort im Sinne des § 3 Abs. 1 Satz 2 TGV

zuzumuten war. Denn die Tatbestandsalternativen des § 6 Abs. 1 Satz 1 TGV

müssen nicht kumulativ vorliegen (vgl. Kreutzmann, a.a.O., Stand März 2009,

§ 6 TGV/Kommentar Rn. 9).

20b) Die Wegstreckenentschädigung ist wie bei Dienstreisen, hier also nach der

entsprechend anzuwendenden Vorschrift des § 5 Abs. 1 Satz 2 BRKG zu gewähren. Demnach sind hier für jede einzelne Fahrt 20 Cent für jeden der

45 Kilometer zwischen Wohnort und Fortbildungsort in Ansatz zu bringen. Auf

die so ermittelte und zu gewährende Wegstreckenentschädigung sind gemäß

§ 6 Abs. 1 Satz 2 TGV die Fahrauslagen anzurechnen, die für das Zurücklegen

der Strecke zwischen Wohnung und bisheriger Dienststätte entstanden wären

und die nach den unbestritten gebliebenen Angaben der Klägerin 16 Kilometer

beträgt. Als Aufwand ist ein Betrag von 0,08 je Entfernungskilometer und Arbeitstag zugrunde zu legen 6 Abs. 1 Satz 3 TGV).

21c) Die als Trennungsgeld zu gewährende Wegstreckenentschädigung ist entgegen der Ansicht der Beklagten nicht auf den in § 6 Abs. 4 TGV umschriebenen Umfang begrenzt. Diese Vorschrift ist nicht anzuwenden, wenn der Berechtigte - wie hier - täglich zum Wohnort zurückkehrt und ihm dies zuzumuten ist.

Zwar erstreckt sich die Höchstbetragsregelung nach ihrem Wortlaut auch auf

diesen Fall. Die Bestimmung ist jedoch im Wege der teleologischen Reduktion

dahin einzuschränken, dass sie insoweit keine Anwendung findet. Die Befugnis

der Korrektur des Wortlauts einer Vorschrift steht den Gerichten unter anderem

dann zu, wenn diese nach ihrer grammatikalischen Fassung Sachverhalte erfasst, die sie nach dem erkennbaren Willen des Gesetzgebers nicht erfassen

soll. In einem solchen Fall ist eine zu weit gefasste Regelung im Wege der sogenannten teleologischen Reduktion auf den ihr nach Sinn und Zweck zugedachten Anwendungsbereich zurückzuführen (vgl. Urteil vom 9. Februar 2012

- BVerwG 5 C 10.11 - NJW 2012, 1305 m.w.N.). So liegt es bei der hier in Rede

stehenden Fallgestaltung.

22Der Verordnungsgeber geht davon aus, dass es generell nicht zu rechtfertigen

wäre, einem Berechtigten, der täglich an seinen Wohnort zurückkehrt, obgleich

ihm dies wegen der großen Entfernung eigentlich nicht zuzumuten wäre, im

Hinblick auf den dann entstehenden hohen Fahrkostenaufwand ein höheres

Trennungsgeld zu gewähren als demjenigen, der am auswärtigen Dienstort

verbleibt und Trennungsgeld nach §§ 3 und 4 TGV erhält (vgl. Kopicki/

Irlenbusch, Reisekostenrecht des Bundes, Stand Mai 2006, § 6 TGV Rn. 53).

Damit dies nicht geschieht, ordnet § 6 Abs. 4 Satz 1 TGV an, dass das Trennungsgeld nach den Absätzen 1 und 2 das in einem Kalendermonat zustehende Trennungsgeld nach den §§ 3 und 4 TGV sowie das Tage- und Übernachtungsgeld für die Hin- und Rückreise nicht übersteigen darf. Des Weiteren bestimmt § 6 Abs. 4 Satz 2 TGV, dass als Übernachtungsgeld für die ersten

14 Tage höchstens der Betrag nach § 7 Abs. 1 Satz 1 BRKG und ab dem

15. Tag als Trennungsübernachtungsgeld ein Drittel dieses Betrages berücksichtigt wird. Demnach ist die Anwendung der Höchstbetragsgrenze des § 6

Abs. 4 TGV allein in den Fällen zweckgerecht, in denen der Lenkungszweck

des Regelwerks überhaupt erreichbar ist. Das ist der Fall, wenn der Berechtigte

täglich zum Wohnort zurückkehrt, obwohl ihm dies wegen der weiten Entfernung von Wohnung und Dienstort nicht zuzumuten wäre (vgl. Kopicki/

Irlenbusch, a.a.O., Stand September 2011, § 6 TGV Rn. 1; Kreutzmann, a.a.O.,

Stand Dezember 2010, § 6 TGV/Kommentar Rn. 144). Kehrt der Berechtigte

dagegen täglich zum Wohnort zurück und ist ihm dies zuzumuten, erweist sich

die höhenmäßige Begrenzung des Trennungsgeldanspruchs als nicht sachgerecht. Denn in diesem Fall verhält sich der Berechtigte dem Lenkungszweck

des Regelwerks entsprechend. Trennungsgeld bei auswärtigem Verbleiben

kann er nicht erhalten 3 Abs. 1 Satz 1 TGV), so dass es keinen Sinn macht,

ihn auf eine dahingehende kostengünstigere Alternative zu verweisen (vgl. Beschluss vom 21. Mai 2007 a.a.O. Rn. 30).

23Die teleologische Reduktion scheidet entgegen der Auffassung der Beklagten

nicht deshalb aus, weil der Klägerin nach dem Vorbringen der Beklagten eine

unentgeltliche Unterkunft am Fortbildungsort zur Verfügung gestanden hätte,

bei deren Inanspruchnahme geringere Kosten als durch die tägliche Rückkehr

zum Wohnort entstanden wären. Selbst wenn dies zuträfe, kann der Lenkungs-

zweck des § 6 Abs. 4 TGV nicht greifen. Denn die (tatsächliche) Bereitstellung

einer unentgeltlichen Unterkunft gehört nicht zu den in § 3 TGV abschließend

geregelten Voraussetzungen für die Gewährung von Trennungsgeld beim auswärtigen Verbleiben.

24Der Klägerin war die tägliche Rückkehr zum Wohnort zuzumuten. Das ist in der

Regel zu bejahen, wenn beim Benutzen regelmäßig verkehrender Beförderungsmittel die Abwesenheit von der Wohnung weniger als zwölf Stunden oder

die benötigte Zeit für das Zurücklegen der Strecke zwischen Wohnung und

Dienststätte und zurück weniger als drei Stunden beträgt (vgl. § 3 Abs. 1 Satz 2

TGV). Grundsätzlich maßgeblich für die Beantwortung der Zumutbarkeitsfrage

sind die bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel anzusetzenden Abwesenheits- und Fahrzeiten. Nur ausnahmsweise kann auf die Abwesenheits- und

Fahrzeiten bei Benutzung eines Kraftfahrzeuges abgestellt werden, wenn das

Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel „völlig unzulänglich ist“ (Beschluss vom

12. November 2009 - BVerwG 6 PB 17.09 - Buchholz 251.92 § 42 SAPersVG

Nr. 1 Rn. 29 ff.). Anhaltspunkte für einen derartigen Ausnahmefall sind weder

vorgetragen noch sonst ersichtlich. Die in § 3 Abs. 1 Satz 2 TGV normierten

zeitlichen Grenzen werden nicht überschritten.

253. Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO.

Vormeier Stengelhofen Dr. Störmer

Dr. Häußler Dr. Fleuß

B e s c h l u s s

Der Wert des Streitgegenstandes wird auf eine Höhe bis 300 festgesetzt.

Vormeier Stengelhofen Dr. Störmer

Sachgebiet: BVerwGE: nein

Trennungsgeldrecht Fachpresse: ja

Rechtsquellen:

BRKG § 2 Abs. 1 Satz 1 und 4, § 3 Abs. 1 Satz 1, § 5 Abs. 1 Satz 2, §§ 6, 11 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 1 TGV § 3 Abs. 1 Satz 2, § 6 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1, Satz 2 und 3, Abs. 4

Stichworte:

Dienstreise; Dienstgeschäft; Reise aus Anlass einer auswärtigen Wahrnehmung eines Dienstgeschäfts; Abordnung; Teilnahme an interner Fortbildung; Reisekosten; Reisekostenvergütung; arbeitstägliche Fahrten; Trennungsgeld; Trennungsgeld bei auswärtigem Verbleiben; Trennungsgeld bei täglicher Rückkehr zum Wohnort; Trennungsgeld in Form der Wegstreckenentschädigung; Trennungsgeldanspruch; Zumutbarkeit der täglichen Rückkehr; Höchstbetragsgrenze bei täglicher Rückkehr an den Wohnort; Lenkungszweck; teleologische Reduktion.

Leitsatz:

Die auf das Trennungsgeld bei auswärtigem Verbleiben bezogene Höchstbetragsgrenze nach § 6 Abs. 4 TGV ist nicht anzuwenden, wenn der Berechtigte täglich an den Wohnort zurückkehrt und ihm dies zuzumuten ist.

Urteil des 5. Senats vom 14. Juni 2012 - BVerwG 5 A 1.12

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Anmerkungen zum Urteil