Urteil des BVerwG vom 16.04.2010, 3 VR 1.10

Entschieden
16.04.2010
Schlagworte
Fahreignung, Beschränkung, Rechtsschutz
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BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 3 VR 1.10 OVG 16 A 3373/07

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 3. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 16. April 2010 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Kley und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Liebler und Buchheister

beschlossen:

Der Antrag auf Abänderung der Beschlüsse des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 19. Oktober 2006 und des Verwaltungsgerichts Minden vom 28. Juni 2006 wird zurückgewiesen.

Der Antragsteller trägt die Kosten des Abänderungsverfahrens.

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Abänderungsverfahren auf 5 000 festgesetzt.

G r ü n d e :

1Der Antrag, die genannten Beschlüsse abzuändern, mit denen es das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen und das Verwaltungsgericht Minden abgelehnt haben, dem Antragsteller einstweiligen Rechtsschutz

gegen die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit der Beschränkung seiner

polnischen Fahrerlaubnis zu gewähren, bleibt ohne Erfolg, ohne dass es einer

Entscheidung darüber bedarf, ob sich das bereits aus § 80b Abs. 1 und 2

VwGO ergibt.

2Nach § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO setzt ein solcher Antrag voraus, dass der Antragsteller veränderte oder im ursprünglichen Verfahren nicht geltend gemachte

Umstände vorträgt, aus denen sich die Möglichkeit einer Änderung der früheren

Eilentscheidung ergibt (vgl. Schoch in Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietzner,

VwGO, § 80 Rn. 386). Hier macht der Antragsteller geltend, dass ihm seine

polnische Fahrerlaubnis entzogen worden sei, weil er sich geweigert habe, sich

der gewünschten medizinisch-psychologischen Begutachtung zu unterziehen.

Seine Rechtsmittel seien erfolglos geblieben, weil das Oberverwaltungsgericht

unbestrittene Informationen aus dem Wiederaufnahmemitgliedstaat unbestreitbaren Informationen aus dem Ausstellermitgliedstaat gleichgestellt habe; das

sei aber unzulässig, wie sich nun aus dem Beschluss des Europäischen Gerichtshofes vom 9. Juli 2009 - Rs. C-445/08, Wierer - ergebe. Den Anforderungen von § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO für einen Abänderungsanspruch wird damit

nicht genügt.

3Der Vortrag des Antragstellers ist unzutreffend, soweit es um die Begründung

für die Fahrerlaubnisentziehung geht. Er hat sich der von ihm geforderten Begutachtung - anders als behauptet - unterzogen und der Fahrerlaubnisbehörde

das für ihn negative Fahreignungsgutachten vorgelegt. Auf die Ergebnisse dieses Gutachtens und nicht etwa auf § 11 Abs. 8 FeV war dann auch die Aberkennung des Rechts gestützt, von der polnischen Fahrerlaubnis im Bundesgebiet Gebrauch zu machen.

4Soweit sich der Antragsteller auf den Beschluss des Europäischen Gerichtshofes vom 9. Juli 2009 als veränderten Umstand im Sinne von § 80 Abs. 7 Satz 2

VwGO berufen will (vgl. zur Berücksichtigungsfähigkeit einer Änderung der

höchstrichterlichen Rechtsprechung BVerfG, Kammerbeschluss vom

26. August 2004 - 1 BvR 1446/04 - NVwZ 2005, 118 Rn. 20), verkennt er, dass

die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts und des Oberverwaltungsgerichts

nicht nur auf einen Verstoß gegen das gemeinschaftsrechtliche Wohnsitzerfordernis, sondern - allein tragend - ausschließlich oder jedenfalls auch auf die

negative Beurteilung seiner Fahreignung in dem von ihm vorgelegten medizinisch-psychologischen Gutachten gestützt waren. Dem Abänderungsantrag des

Antragstellers ist nichts dafür zu entnehmen, dass sich dieser Begründungsansatz mit Blick auf den Beschluss des Europäischen Gerichtshofes vom 9. Juli

2009 als offensichtlich rechtswidrig erweist und damit von der von den Vorinstanzen im Eilverfahren vorgenommenen Interessenabwägung abgewichen

werden müsste; dies ist auch sonst nicht ersichtlich.

5Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO. Die Streitwertfestsetzung beruht auf § 53 Abs. 2 Nr. 2 i.V.m. § 52 Abs. 1 GKG.

Kley Liebler Buchheister

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Anmerkungen zum Urteil