Urteil des BVerwG vom 04.11.2005, 3 B 81.05

Aktenzeichen: 3 B 81.05

Grundstück, Wohnraum, Versorgung, Öffentlich

BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 3 B 81.05 VG 1 K 1736/02

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 3. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 4. November 2005 durch die Richter am Bundesverwaltungsgericht van Sc h e w i c k , L i e b l e r und Prof. Dr. R e n n e r t

beschlossen:

Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Verwaltungsgerichts Potsdam vom 17. März 2005 wird zurückgewiesen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens. Die Beigeladene trägt ihre außergerichtlichen Kosten selbst.

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 5 000 festgesetzt.

G r ü n d e :

1Die Beschwerde bleibt ohne Erfolg. Die von der Klägerin geltend gemachte grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) liegt nicht vor.

2Die Klägerin hält im Hinblick auf Art. 22 Abs. 1 EV i.V.m. § 1 Abs. 1 und 4 VZOG die

Fragen für grundsätzlich klärungsbedürftig, ob die Versorgung mit Wohnraum zum

kommunalen Aufgabenkreis zähle und es hierfür ausreiche, dass eine Kommune die

Einbeziehung eines Grundstücks in eine beabsichtigte Wohnbebauung im Rahmen

der Errichtung eines neuen Wohngebietes am 3. Oktober 1990 lediglich geplant habe. In Bezug auf die zweite (Teil-)Frage ist in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aber bereits entschieden, dass das kommunale Finanzvermögen

nur solche Vermögensgegenstände umfasst, die für öffentliche Zwecke und Aufgaben, die nach der Rechtsordnung des Grundgesetzes von den Kommunen im Rahmen ihrer Selbstverwaltung nach Art. 28 Abs. 2 GG wahrgenommen werden, am

3. Oktober 1990 tatsächlich genutzt wurden oder für eine solche Nutzung konkret

vorgesehen waren, ohne dass ihre Zweckbestimmung öffentlich-rechtlich gesichert

war (vgl. u.a. Urteile vom 24. März 1994 - BVerwG 7 C 21.93 - BVerwGE 95, 295

<300>; vom 15. Dezember 1994 - BVerwG 7 C 57.93 - BVerwGE 97, 240 <241 f.>

und vom 13. September 2001 - BVerwG 3 C 31.00 - BVerwGE 115, 97 <99>

m.w.N.). Die Voraussetzungen einer Nutzung bzw. einer konkret vorgesehenen Nutzung im Sinne dieser Rechtsprechung sind nicht erfüllt. Das Verwaltungsgericht hat

hierzu festgestellt, dass das streitgegenständliche Grundstück an den Stichtagen

ungenutzt war. Zur künftigen Nutzung hat das Verwaltungsgericht - von der Klägerin

unbeanstandet - die Feststellung getroffen, dass es noch keine konkrete Ausführungsplanung gegeben habe, vielmehr noch weitere Planungen und Genehmigungen

erforderlich gewesen seien. Auch die Klägerin selbst hatte in ihrer Klagebegründung

eingeräumt, dass zu den relevanten Stichtagen Beschlüsse zum Gesamtvorhaben

Wohngebiet "Am Steinberg" noch nicht vorgelegen hätten und die Einbeziehung des

Grundstücks in dieses Gesamtvorhaben und die Bebauung mit Wohnhäusern erst

nach 1990 erfolgt seien. Daraus ergibt sich, dass die Wohnnutzung zum hierfür

maßgeblichen 3. Oktober 1990 noch nicht - wie nach der genannten Rechtsprechung

für das Vorliegen von kommunalem Finanzeigentum erforderlich - konkret

vorgesehen war. Fehlt es danach aber bereits an den nutzungsbezogenen Voraussetzungen für kommunales Finanzeigentum, stellt sich in einem Revisionsverfahren

die von der Klägerin weiter aufgeworfene (Teil-)Frage nicht mehr, ob die Versorgung

mit Wohnraum eine kommunale Aufgabe ist.

3Im Hinblick auf Art. 22 Abs. 4 Satz 2 und 3 EV i.V.m. § 1a Abs. 4 Satz 1 und 2 VZOG

sieht die Klägerin eine zu klärende Frage grundsätzlicher Bedeutung darin, wann

eine Planung im Sinne von Art. 22 Abs. 4 EV als "konkret" angesehen werden könne

und ob es insofern ausreiche, wenn am 3. Oktober 1990 lediglich die Planung einer

Kommune vorgelegen habe, ein Grundstück in eine beabsichtigte Wohnbebauung im

Rahmen der Errichtung eines neuen Wohngebietes einzubeziehen. Auch diese

Frage ist in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aber bereits geklärt.

Danach kann eine Planung nur dann als "konkret" im Sinne von Art. 22 Abs. 4 EV

angesehen werden, wenn es nur noch ihrer Verwirklichung bedurfte. Nur das

Vorliegen einer verbindlichen Investitionsentscheidung rechtfertigt es, die Ausführungsplanung für Objekte der Wohnungsversorgung der tatsächlichen Nutzung für

diesen Zweck gleichzusetzen (vgl. u.a. Beschluss vom 11. September 2001

- BVerwG 3 B 75.01 - Buchholz 111 Art. 22 EV Nr. 32). Hiervon ist auch das Verwaltungsgericht ausgegangen und hat die Anwendbarkeit von Art. 22 Abs. 4 EV verneint, da es noch weiterer Genehmigungen und Planungen bedurft habe.

4Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 und § 162 Abs. 3 VwGO; die Festsetzung des Streitwerts folgt aus § 6 Abs. 3 Satz 2 VZOG.

van Schewick Liebler Prof. Dr. Rennert

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