Urteil des BVerwG vom 17.06.2004, 2 C 50.02

Entschieden
17.06.2004
Schlagworte
Beihilfe, Krankheit, Private Krankenversicherung, Familie, Versorgung, Zuschuss, Besoldung, Gleichwertigkeit, Gesetzesvorbehalt, Fürsorgepflicht
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BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

Verkündet am 17. Juni 2004

BVerwG 2 C 50.02 VG 15 K 4846/00

Schütz Justizhauptsekretärin als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 2. Senat des Bundesverwaltungsgerichts auf die mündliche Verhandlung vom 17. Juni 2004 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht A l b e r s und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. D a w i n , Dr. K u g e l e , G r o e p p e r und Dr. B a y e r

für Recht erkannt:

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln vom 12. September 2002 sowie die Bescheide der Beklagten vom 4. Oktober 1996 und vom 16. Mai 2000 werden aufgehoben. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger zu bestätigen, dass er für seine Ehefrau als berücksichtigungsfähige Angehörige im Pflegefall dem Grunde nach einen Beihilfeanspruch hat.

Die Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens beider Rechtszüge.

G r ü n d e :

I.

Der Kläger ist Regierungsdirektor bei der Beklagten. Seine Ehefrau ist mit der Hälfte

der regelmäßigen Arbeitszeit beim Land Nordrhein-Westfalen angestellt. Sie hatte

sich von der gesetzlichen Krankenversicherung befreien lassen und ist privat krankenversichert. Nach In-Kraft-Treten des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) hat

sie bei dem Krankenversicherungsunternehmen eine Pflegeversicherung nach dem

Tarif für Personen ohne Beihilfeansprüche im Pflegefall abgeschlossen.

Im Jahre 1996 teilte das Krankenversicherungsunternehmen dem Kläger mit, dass

für seine Ehefrau die Möglichkeit bestehe, in den Tarif "Pflegeversicherung für Beihilfeberechtigte" mit einem wesentlich geringeren monatlichen Beitrag eingestuft zu

werden, sofern sie im Pflegefall Beihilfeansprüche über ihn - den Kläger - habe und

eine entsprechende Bescheinigung der Beihilfestelle vorlege. Den darauf gerichteten

Antrag lehnte die Beklagte mit Bescheid vom 4. Oktober 1996 ab.

Nach erfolglosem Widerspruch hat der Kläger Klage auf Erteilung der von ihm beantragten Bestätigung erhoben, die das Verwaltungsgericht mit der Begründung abgewiesen hat, die Ehefrau des Klägers habe eine den Beihilfeansprüchen als Angehörige vorgehende Beihilfeberechtigung. Sie habe zur Absicherung ihres Pflegerisikos

eine von ihrem Arbeitgeber bezuschusste private Krankenversicherung bei einer privaten Versicherungsgesellschaft abgeschlossen, welche ihr eine volle Kostendeckung im Pflegefall biete. Die Leistungen aus der privaten Pflegeversicherung seien

bezüglich des Leistungsumfangs, also der Erstattung pflegebedingter Aufwendungen, den Beihilfeansprüchen im Wesentlichen vergleichbar. Der Vergleichbarkeit der

beiden Sicherungssysteme stehe nicht entgegen, dass Leistungen im Pflegefall der

Ehefrau nicht von deren Arbeitgeber, sondern von einer privaten Versicherungsgesellschaft erbracht würden. Im Rahmen der Fürsorgepflicht stelle es sich grundsätzlich als gleichwertig dar, ob sich der Arbeitgeber an konkret entstandenen Aufwendungen in dem Pflegefall beteilige oder ob er einen angemessenen Zuschuss zu einer versicherungsrechtlichen Absicherung des Arbeitnehmers leiste. Zwar falle der

Arbeitgeberanteil bei einer Teilzeitbeschäftigung wegen der Anknüpfung an die versicherungspflichtigen Bezüge aufgrund der anteiligen Vergütung geringer aus als bei

einer Vollzeitbeschäftigung. Jedoch handele es sich hierbei nur um einen mittelbaren, reflexartigen und nicht um einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der

Teilzeitbeschäftigung und der Höhe des Zuschusses. Der Umstand, dass in der privaten Pflegeversicherung ein höherer Beitrag als in der gesetzlichen Pflegeversicherung anfalle, beruhe letztlich allein auf der Entscheidung der Ehefrau des Klägers,

sich von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht befreien zu lassen. Die Zurechnung zu deren Risikosphäre werde nicht dadurch in Frage gestellt, dass sie sich

zu einem Zeitpunkt von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung habe befreien lassen, in dem das Pflegeversicherungsgesetz noch nicht gegolten habe.

Mit der vom Verwaltungsgericht zugelassenen und nach Zustimmung der Beklagten

eingelegten Revision rügt der Kläger die Verletzung materiellen Rechts und beantragt,

das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln vom 12. September 2002 sowie die

Bescheide der Beklagten vom 4. Oktober 1996 und vom 16. Mai 2000 aufzuheben und die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger zu bestätigen, dass er

für seine Ehefrau als berücksichtigungsfähige Angehörige im Pflegefall dem

Grunde nach einen Beihilfeanspruch hat.

Die Beklagte tritt der Revision entgegen und beantragt,

die Revision zurückzuweisen.

II.

Die Revision ist begründet. Das Verwaltungsgericht hat die Klage zu Unrecht abgewiesen. Der Kläger hat einen Anspruch auf eine Bescheinigung des von ihm begehrten Inhalts.

1. Die Beihilfevorschriften des Bundes genügen nicht den Anforderungen des verfassungsrechtlichen Gesetzesvorbehalts. Die wesentlichen Entscheidungen über die

Leistungen an Beamte, Richter und Versorgungsempfänger im Falle von Krankheit

und Pflegebedürftigkeit hat der Gesetzgeber zu treffen.

Ob der Kläger einen Anspruch auf Beihilfe im Falle der Pflegebedürftigkeit seiner

Ehefrau hat, bestimmt sich auf der Grundlage der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift

für Beihilfen in Krankheits-, Pflege- und Geburtsfällen (BhV). Die Ehefrau ist "berücksichtigungsfähige Angehörige" gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BhV, für deren Bedarf

nach Maßgabe der weiteren Bestimmungen grundsätzlich Beihilfen vorgesehen sind.

Die Einbeziehung des Ehegatten in das Beihilfesystem entspricht dem Fürsorgegebot, das als hergebrachter Grundsatz des Berufsbeamtentums nach Art. 33 Abs. 5

GG gewährleistet (vgl. BVerfGE 43, 154 <165>; 46, 97 <117>; 83, 89 <98>; 106, 225

<232>) und für die Bundesbeamten in § 79 BBG gesetzlich verankert ist; danach hat

der Dienstherr nicht nur für das Wohl des Beamten, sondern auch für das Wohl der

Familie des Beamten zu sorgen.

Ob und welche Leistungen der Dienstherr im Falle von Krankheit und Pflegebedürftigkeit erbringt, ist für den Beamten und seine Familie von herausragender Bedeutung. Zwar gehört die gegenwärtige Ausgestaltung der Fürsorge mittels Beihilfeleistungen nicht zu den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums. Das System der Beihilfe kann jederzeit geändert werden, ohne dass dadurch Art. 33 Abs. 5

GG berührt wird. Eine verfassungsrechtliche Verpflichtung, den Beamten und Versorgungsempfängern für Krankheitsfälle oder vergleichbare Belastungen Unterstützung gerade in Form von Beihilfen im Sinne der Beihilfebestimmungen zu gewähren,

besteht nicht (stRspr; vgl. BVerfGE 58, 68 <77 f.>; 79, 223 <235>; 83, 89 <98>; 106,

225 <232>). Die Gewichtung dieses Regelungsbereiches als wesentlich im Sinne

des Parlamentsvorbehalts hängt indessen nicht davon ab, ob der Gegenstand von

den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums umfasst wird. Der Umfang

der Beihilfen bestimmt die Qualität der Versorgung bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit sowie den Umfang der Eigenvorsorge. Die Erhaltung und Wiederherstellung

der Gesundheit, die Sicherung einer menschenwürdigen Existenz auch bei dauernder Pflegebedürftigkeit sowie die Wahrung eines amtsangemessenen Lebensunterhalts trotz laufender Aufwendungen für die Risikovorsorge oder besonderer Belastungen wegen Krankheit und Hilflosigkeit sind Schutzgüter mit Verfassungsrang.

Die außergewöhnliche Bedeutung der Beihilfevorschriften wird durch die Rechtsentwicklung in neuester Zeit unterstrichen. Sowohl die Bestimmungen über die Besoldung und die Versorgungsbezüge als auch die Vorschriften über den Schutz bei

Krankheit und Pflegebedürftigkeit haben Rücksicht zu nehmen auf die finanzielle Belastbarkeit des Beamten. Insoweit sind von Verfassungs wegen jedoch keine starren

Grenzen vorgegeben. Zwar hat der Dienstherr nach Art. 33 Abs. 5 GG Vorkehrungen

zu treffen, dass der amtsangemessene Lebensunterhalt des Beamten auch bei Eintritt besonderer finanzieller Belastungen, insbesondere in Krankheits- und Pflegefällen, nicht gefährdet wird. Ob er diese Pflicht über eine entsprechende Bemessung

der Dienstbezüge, über Sachleistungen, Zuschüsse oder in sonst geeigneter Weise

erfüllt, bleibt von Verfassungs wegen seiner Entscheidung überlassen. Kommt der

Dienstherr seiner Fürsorgepflicht durch die Zahlung von Beihilfen nach, die die aus

der Alimentation zu bestreitende Eigenvorsorge ergänzen, so muss gewährleistet

sein, dass der Beamte nicht mit erheblichen Aufwendungen belastet bleibt, die er

auch über eine ihm zumutbare Eigenvorsorge nicht absichern kann (vgl. BVerfGE 83,

89 <100 f.>; 106, 225 <232>; BVerwG, Urteil vom 3. Juli 2003 - BVerwG 2 C 36.02 -

BVerwGE 118, 277 <280>). Einen exakt bestimmbaren Satz oder proportionalen Anteil, mit dem die Eigenvorsorge betrieben werden kann und soll, enthalten die gesetzlichen Regelungen über die Bezüge der Beamten, Richter und Versorgungsempfänger nicht (vgl. Urteil vom 3. Juli 2003 - BVerwG 2 C 36.02 - a.a.O. <281>). Der

verbleibende Gestaltungsspielraum bei der Bestimmung des Umfangs von Beihilfe

und verbleibender Notwendigkeit der Eigenvorsorge bei stetig steigenden Kosten

einerseits und die unmittelbare Wechselbezüglichkeit von Alimentation sowie ergänzender, von Bund und Ländern je selbst zu regelnder Beihilfe andererseits gebieten

es, dass der parlamentarische Gesetzgeber selbst die Verantwortung für die teilweise erheblichen Eingriffe in den erreichten Beihilfe- und Vorsorgestandard übernimmt,

wie sie in den Ländern mit unterschiedlichen "Kostendämpfungsmaßnahmen" (vgl.

z.B. Urteil vom 3. Juli 2003 - BVerwG 2 C 36.02 - a.a.O.) und im Bund durch die

27. Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Änderung der Beihilfevorschriften vom

17. Dezember 2003 (GMBl 2004, 227) und die 28. Allgemeine Verwaltungsvorschrift

zur Änderung der Beihilfevorschriften vom 30. Januar 2004 (GMBl 2004, 379) erfolgt

sind. Anderenfalls hätte es die Exekutive in der Hand, das Maß der von dem Beamten erwarteten Beteiligung an den Kosten der medizinischen und pflegerischen Versorgung festzulegen und dadurch das mit der gesetzlich festgelegten Besoldung und

Versorgung erreichte Niveau unter Ausschluss des parlamentarischen Gesetzgebers

in beachtlichem Umfang abzusenken.

Zudem greifen die Beihilfevorschriften seit dem In-Kraft-Treten des Pflegeversicherungsgesetzes vom 26. Mai 1994 (BGBl I S. 1014) - SGB XI - über das zwischen

dem Dienstherrn und dem Beamten/Richter bestehende Rechtsverhältnis hinaus und

bestimmen den wesentlichen (Mindest-)Inhalt der Versicherungsverträge, den die im

Geltungsbereich des Pflegeversicherungsgesetzes zum Betrieb der Pflegeversicherung befugten privaten Krankenversicherungsunternehmen aufgrund des nach § 110

SGB XI bestehenden Kontrahierungszwanges anzubieten haben. Nach dieser Vorschrift sind die Versicherer verpflichtet, mit allen in § 23 Abs. 3 SGB XI genannten

versicherungspflichtigen Personen auf Antrag einen Versicherungsvertrag abzuschließen, der einen Versicherungsschutz in dem durch § 23 Abs. 1 und 3 SGB XI

festgelegten Umfang vorsieht. Gemäß § 23 Abs. 3 Satz 2 SGB XI ist die beihilfekon-

forme Versicherung so auszugestalten, dass ihre Vertragsleistungen zusammen mit

den Beihilfeleistungen, die sich bei Anwendung der in § 14 Abs. 1 und 5 BhV festgelegten Bemessungssätze ergeben, den in Absatz 1 Satz 2 vorgeschriebenen Versicherungsschutz gewährleisten. Somit haben die privaten Versicherungsunternehmen

zwingend einen Beihilfestandard zu beachten, der durch bloße Verwaltungsvorschriften, die überdies einem anderen Funktions- und Rechtsbereich zugeordnet sind,

markiert und parlamentarisch nicht legitimiert ist.

Der außergewöhnlichen Bedeutung der Beihilfevorschriften, die hinsichtlich ihrer Regelungsform bislang unbeanstandet geblieben sind (vgl. BVerfG , Beschluss vom 12. August 1977 - 2 BvR 1063/76 - ZBR 1978, 37; BVerwG,

Urteile vom 25. Juni 1964 - BVerwG 8 C 23.63 - BVerwGE 19, 48 <54 f.>, vom

24. November 1988 - BVerwG 2 C 18.88 - BVerwGE 81, 27 <29>), hat die Rechtsprechung bisher dadurch Rechnung getragen, dass sie die Beihilfevorschriften wie

revisible Rechtsnormen ausgelegt hat (vgl. Beschluss vom 28. Mai 1973 - BVerwG

2 B 15.73 - Buchholz 238.91 Nr. 5 BhV Nr. 3; Urteil vom 18. September 1985

- BVerwG 2 C 48.84 - BVerwGE 72, 119 <121 f.>; Urteil vom 10. April 1997

- BVerwG 2 C 11.96 - Buchholz 270 § 18 BhV Nr. 3; Urteil vom 10. Juni 1999

- BVerwG 2 C 29.98 - Buchholz 270 § 6 BhV Nr. 12).

Diese Betrachtung wird den veränderten Bedingungen, denen der Schutz des Beamten und seiner Familie in Krankheits- und Pflegefällen unterworfen ist, nicht mehr gerecht. Das Rechtsstaatsprinzip und das Demokratiegebot verpflichten den parlamentarischen Gesetzgeber, in grundlegenden Bereichen, zumal im Bereich der Grundrechtsausübung, soweit dieser staatlicher Regelung zugänglich ist, alle wesentlichen

Entscheidungen selbst zu treffen (vgl. BVerfGE 49, 89 <126>; 83, 130 <142>; Beschluss vom 24. September 2003 - 2 BvR 1436/02 - EuGRZ 2003, 621 = NJW 2003,

3111). Die Regelungsform des Gesetzes ist für das Beamtenverhältnis typisch und

sachangemessen (vgl. z.B. BVerfGE 52, 303 <335 ff.>; BVerwG, Urteil vom 26. November 1992 - BVerwG 2 C 11.92 - BVerwGE 91, 200 <203>). Dies gilt nicht nur,

soweit kollidierende Grundrechte auszugleichen sind. Vielmehr bedarf auch die Verantwortung des Dienstherrn bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit des Beamten und

seiner Angehörigen der normativen Ordnung, um die Transparenz im demokratischen Willensbildungsprozess, die Abwägung mit anderen Gesetzgebungsentschei-

dungen "in einer Hand" und die Kontinuität des einmal gewählten Systems zu gewährleisten. Anderenfalls würde der für Besoldung und Versorgung bestehende Gesetzesvorbehalt aus Art. 33 Abs. 5 GG zunehmend ausgehöhlt werden können.

Als Verwaltungsvorschriften genügen die Beihilfevorschriften nicht den Anforderungen des allgemeinen Gesetzesvorbehalts. Bei den Beihilfevorschriften handelt es

sich um administrative Bestimmungen, die nicht die Eigenschaft von Rechtsnormen

haben (vgl. bereits Urteil vom 25. Juni 1964 - BVerwG 8 C 23.63 - BVerwGE 19, 48

<53 ff.>). Ihr Inhalt beschränkt sich nicht darauf, Auslegungshilfe zu sein, Ermessen

zu lenken oder Beurteilungsspielräume auszufüllen (vgl. Urteil vom 27. November

2003 - BVerwG 2 C 38.02 - Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung

vorgesehen>). Sie sind von der Willensbildung des parlamentarischen Gesetzgebers

weitgehend unbeeinflusst. Maßstäbe, ob und in welchem Umfang Beihilfen vorgesehen werden, liefert das Gesetz nicht. Es bestimmt nicht einmal im Grundsatz, in welcher Form der Dienstherr seiner Beistandspflicht in Lebenssituationen von existenzieller Bedeutung für den Beamten und seine Familie nachzukommen hat. Die auf

einer Verwaltungskompetenz beruhenden Bestimmungen unterliegen auch nicht den

verfahrensmäßigen Anforderungen, insbesondere nicht dem Publizitätserfordernis,

die Art. 82 GG für Normen mit verbindlicher Außenwirkung zwingend vorsieht.

Die Beihilfevorschriften sind keine bloße Ableitung und keine alternativlose Konkretisierung des positivrechtlich verankerten Fürsorgegrundsatzes. Vielmehr gestalten sie

dieses Prinzip, indem sie originär ein System von Geldzuschüssen zu finanziellen

Aufwendungen konstituieren, die berechtigten Personen benennen, die leistungsbegründenden Anlässe bestimmen, den Leistungsumfang begrenzen und die Konkurrenzsituation mit anderen Leistungen lösen. Alle diese Regelungen sind - jedenfalls

soweit sie über einen Kernbestand hinausgehen - nicht durch den Fürsorgegrundsatz

präjudiziert oder durch eine maßgebende Rechtsprechung vorgezeichnet, sondern

beruhen auf einer politischen Gestaltungskompetenz. An der nach allem gebotenen

gesetzlichen Regelung fehlt es.

§ 200 BBG, der dem Bundesministerium des Innern die Befugnis einräumt, zur

Durchführung des Bundesbeamtengesetzes die erforderlichen allgemeinen Verwaltungsvorschriften zu erlassen, ist keine Ermächtigungsgrundlage, Normen im formel-

len Sinne zu setzen. Im Übrigen genügte die Vorschrift wegen ihrer inhaltlichen Unbestimmtheit nicht den Anforderungen, die Art. 80 Abs. 1 GG für den Erlass einer

Rechtsverordnung vorsieht. § 200 BBG ist auch nicht Ausdruck einer der Exekutiven

bereits durch die Verfassung ohnehin eingeräumten Regelungsbefugnis. Die persönlichen Rechtsverhältnisse der Beamten, die insoweit nicht Teil der Staatsorganisation

sind und auch nicht in einem den Gesetzesvorbehalt derogierenden "besonderen

Gewaltverhältnis" stehen, hat der parlamentarische Gesetzgeber normativ zu gestalten. Das Bedürfnis, schnell und flexibel auf mannigfache Entwicklungen reagieren zu

können, ist im Beamtenrecht nicht stärker ausgeprägt als im Recht der gesetzlichen

Kranken- und Pflegeversicherung, das - jedenfalls in den wesentlichen Fragen - auf

eine Regelung durch Verwaltungsvorschriften verzichtet. Im Übrigen würde auch eine Rechtsverordnung, die jedenfalls für Detailfragen der Leistungen in den besonderen Lebenslagen ausreichend wäre, die erforderliche Elastizität aufweisen.

Bei der näheren Ausgestaltung der Fürsorge im Falle von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit des Beamten und seiner Angehörigen sind aufgrund des Gesetzesvorbehaltes zumindest die tragenden Strukturprinzipien gesetzlich zu regeln. Der Gesetzgeber selbst hat in der Bandbreite seiner verfassungsrechtlichen Möglichkeiten (vgl.

BVerfGE 58, 68 <77 f.>; 79, 223 <235>; 83, 89 <98>; 106, 225 <232>) das Leistungssystem zu bestimmen, das dem Beamten und seiner Familie Schutz im Falle

von Krankheit und Pflegebedürftigkeit bietet, festzulegen, welche "Risiken" erfasst

werden, für welche Personen Leistungen beansprucht werden können, nach welchen

Grundsätzen Leistungen erbracht und bemessen oder ausgeschlossen werden und

welche zweckidentischen Leistungen und Berechtigungen Vorrang haben. Dabei hat

der Gesetzgeber dem verfassungsrechtlichen Zusammenhang zwischen Fürsorge

und Alimentation besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Das gegenwärtige Alimentationsniveau schließt einen Systemwechsel mit schwerwiegenden wesentlichen Einschränkungen des Leistungsstandards aus. Allerdings ist es trotz des Aufeinanderbezogenseins von Besoldung und Versorgung, die weitestgehend bundesrechtlich

geregelt sind, einerseits und Fürsorgeleistungen in Sonderfällen andererseits nicht

erforderlich, den Schutz insbesondere in Krankheits- und Pflegefällen bundeseinheitlich zu regeln.

2. Trotz des Defizits normativer Regelungen ist für eine Übergangszeit von der Weitergeltung der Beihilfevorschriften auszugehen. Damit ist gewährleistet, dass die

Leistungen im Falle der Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Geburt nach einem einheitlichen Handlungsprogramm erbracht werden, das hinsichtlich des Inhalts jedenfalls bislang in aller Regel keinen Anlass zu Beanstandungen aus der Sicht höherrangigen Rechts geboten hat. Eine andere Beurteilung dürfte erst dann angezeigt

sein, wenn der Gesetzgeber in einem überschaubaren Zeitraum seiner Normierungspflicht nicht nachkommt.

3. Unzutreffend ist das Verwaltungsgericht davon ausgegangen, dass der Kläger im

Falle pflegebedingter Aufwendungen für seine Ehefrau gemäß § 4 BhV schon dem

Grunde nach keine Beihilfe beanspruchen kann.

Gemäß § 4 Abs. 3 Satz 1 BhV schließt die Beihilfeberechtigung aufgrund beamtenrechtlicher Vorschriften die Berücksichtigungsfähigkeit als Angehörige aus. Der Beihilfeberechtigung sind die in § 4 Abs. 4 BhV bezeichneten Ansprüche auf Fürsorgeleistungen gleichgestellt. Zu dem danach ausgeschlossenen Personenkreis gehört

die Ehefrau des Klägers als Angestellte im öffentlichen Dienst nicht.

Gemäß § 4 Abs. 3 Satz 2 BhV geht die Beihilfeberechtigung nach anderen als beamtenrechtlichen Vorschriften der Berücksichtigungsfähigkeit als Angehöriger vor. Eine

derartige Beihilfeberechtigung ist nach § 4 Abs. 5 Satz 1 BhV gegeben, wenn ein Anspruch auf Beihilfen aufgrund privatrechtlicher Rechtsbeziehungen nach einer den

Beihilfevorschriften des Bundes im Wesentlichen vergleichbaren Regelung besteht.

Nach ständiger Rechtsprechung soll aufgrund der Regelung des § 4 Abs. 3 BhV erreicht werden, dass der Dienstherr mit der Pflicht zur Gewährung einer Beihilfe nicht

belastet ist, soweit es sich bei dem Angehörigen um eine Person handelt, für die beihilferechtlich ohnehin gesorgt ist. Dadurch, dass der Dienstherr den Beamten wegen

der Aufwendungen dieses Familienmitglieds auf dessen Anspruch gegen einen Dritten verweist, nimmt er diesen Angehörigen von der Erfüllung seiner Fürsorgepflicht

aus, die sich grundsätzlich auch auf die Familie des Beamten erstreckt. Das ist nur

gerechtfertigt, wenn die anderweitige Beihilfeberechtigung des Angehörigen dem

beihilferechtlichen Anspruch des Beamten - bei zu unterstellender Berücksichti-

gungsfähigkeit dieses Angehörigen - insgesamt entspricht. Die beiden konkurrierenden Beihilfesysteme weisen im Wesentlichen vergleichbare Regelungen auf, wenn

sie ungeachtet von Unterschieden in Einzelheiten, insbesondere bei der Konkretisierung der beihilfefähigen Aufwendungen, insgesamt gleichwertig sind. Dies wiederum

beurteilt sich anhand eines wertenden Vergleichs der aus der Beihilfeberechtigung

des Angehörigen fließenden Ansprüche einerseits und der beihilferechtlichen

Rechtsposition des Beamten hinsichtlich der Erstattung von Aufwendungen für seinen Angehörigen andererseits. Zu vergleichen sind die Voraussetzungen, der Umfang sowie die Art der jeweiligen Beihilfeberechtigung; unerheblich ist, ob die im konkreten Einzelfall zu beanspruchenden Beträge gleich groß sind (vgl. Urteil vom

3. Dezember 1998 - BVerwG 2 C 21.98 - Buchholz 270 § 4 Nr. 1 S. 1 <3> m.w.N.).

Entgegen der Auffassung des Verwaltungsgerichts hat die Ehefrau des Klägers nicht

deshalb Ansprüche aufgrund einer dem § 9 BhV im Wesentlichen vergleichbaren

Regelung, weil sie eine private Pflegeversicherung unterhält, die Vertragsleistungen

vorsieht, welche nach Art und Umfang den Leistungen nach §§ 28 ff. SGB XI gleichwertig sind (vgl. § 23 Abs. 1 Satz 2 SGB XI), und der Arbeitgeber hierzu nach Maßgabe des § 61 Abs. 2 SGB XI einen Zuschuss leistet. Leistungen einer privaten Versicherung sind keine "Beihilfen" nach einer den Beihilfevorschriften des Bundes im

Wesentlichen vergleichbaren Regelung. Insoweit kommt es nicht darauf an, ob die

Versicherungsleistungen den Beihilfen nach § 9 BhV im Hinblick auf Voraussetzungen und Umfang entsprechen und dass sie nicht als Sachleistungen, sondern als

Kostenerstattung erbracht werden. Versicherungsleistungen sind prinzipiell keine

"Beihilfen" im Sinne des § 4 BhV. Sie werden aufgrund des mit dem Begünstigten

bestehenden Versicherungsverhältnisses erbracht und stehen in einem synallagmatischen Verhältnis zu den gezahlten Beiträgen. Dagegen sind "Beihilfen" solche Zuwendungen, die einseitig und ohne unmittelbare Gegenleistung des Begünstigten

erbracht werden. Unerheblich ist, ob Dritte die Versicherungsbeiträge bezuschussen

oder einen Anteil selbst tragen. Davon gehen auch die Beihilfevorschriften aus, die

eine Subsidiarität gegenüber Versicherungsleistungen, jedoch keinen Berechtigungsausschluss vorsehen (vgl. § 15 BhV). Ob eine andere rechtliche Beurteilung

angezeigt ist, wenn ein Dritter eine sog. Direktversicherung abschließt und finanziert,

sich die Versicherungsleistungen somit wirtschaftlich ausschließlich als Leistungen

des Dritten darstellen, bedarf keiner Entscheidung. Die Zuschüsse des Arbeitgebers

der Klägerin erreichen nach den Feststellungen des Verwaltungsgerichts nur etwa

14 v.H. der Gesamtprämie.

Entgegen der Auffassung der Beklagten ist die Berechtigung der Ehefrau des Klägers gemäß § 40 BAT nicht dem Anspruch auf Beihilfe nach den Beihilfevorschriften

insgesamt gleichwertig. Der nach § 4 Abs. 5 Satz 1 BhV anzustellende Vergleich bezieht sich nicht auf sämtliche Sachbereiche, für die nach den konkurrierenden Beihilfesystemen Leistungen vorgesehen sind. Vielmehr beschränkt er sich von vornherein

auf die einzelnen Leistungsanlässe wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Geburt

und löst sich von der Zufälligkeit kodifikatorischer Zusammenfassungen. Dies entspricht auch der Systematik des Sozialversicherungsrechts, das die Krankenversicherung und die Pflegeversicherung jeweils eigenständig regelt. Nur wenn nach den

maßgeblichen Kriterien sektoral eine Übereinstimmung im Wesentlichen besteht,

kann von einer Gleichwertigkeit die Rede sein. Sachbereichsübergreifende Strukturunterschiede sind für den Vergleich ohne Belang, weil Defizite in einem Leistungsbereich nicht durch Kongruenzen oder Besserstellungen in einem anderen Leistungsbereich ausgeglichen werden können. Nach § 40 Abs. 1 Satz 2 BAT, der für die Ehefrau des Klägers maßgeblich ist, sind Aufwendungen im Sinne des § 9 BhV - also im

Falle der Pflegebedürftigkeit - nicht beihilfefähig. Der explizite tarifrechtliche Leistungsausschluss begründet einen erheblichen Unterschied. Von einer Gleichwertigkeit der Ansprüche des Klägers und der Ansprüche seiner Ehefrau nach den verschiedenen Beihilfesystemen kann schon deshalb nicht die Rede sein, weil das Tarifrecht für das Risiko der Pflegebedürftigkeit keinerlei Zuwendungen ("Beihilfen") des

Arbeitgebers vorsieht, sondern den Arbeitnehmer auf solche Leistungen verweist, auf

die nach den allgemein geltenden Bestimmungen, also nach dem Recht der gesetzlichen oder der privaten Pflegeversicherung, ein Anspruch besteht und die nicht den

Charakter von "Beihilfen" haben.

4. Das angegriffene Urteil kann nicht deshalb aufrechterhalten werden, weil es sich

aus anderen Gründen als zutreffend erweist (vgl. § 144 Abs. 4 VwGO). Zwar hat der

Kläger nach den gegenwärtigen Verhältnissen keinen Anspruch auf Beihilfe im Falle

der Pflegebedürftigkeit seiner Ehefrau, weil diese aufgrund der derzeit bestehenden

privaten "Vollversicherung" bedarfsdeckende Leistungen erhält, die den Leistungen

nach § 9 BhV entsprechen und deshalb nach § 15 BhV in vollem Umfang angerech-

net werden. Die Ehefrau ist jedoch nicht zur Aufrechterhaltung ihrer privaten Pflegevollversicherung verpflichtet, solange ihre Bezüge die Einkommensgrenze des § 5

Abs. 4 Nr. 3 BhV nicht überschreiten, und hat im Hinblick auf potenzielle Beihilfeansprüche ihres Ehemannes die Möglichkeit, die private Pflegeversicherung beihilfekonform zu gestalten.

Dem stehen sozialversicherungsrechtliche Vorschriften nicht entgegen. Eine Pflicht

zur Eigenversicherung nach dem SGB XI und eine über den Ehegatten vermittelte

Beihilfeberechtigung schließen sich nicht gegenseitig aus (vgl. BSG, Urteile vom

6. November 1997 - 12 RP 1/97 und 12 RP 4/97 - BSGE 81, 177 <179> = SozR

3-3300 § 55 SGB XI S. 3). Ein solches Alternativverhältnis besteht nach dem Wortlaut der §§ 23, 25 SGB XI nicht. Auch Sinn und Zweck der Vorschriften über die Versicherungspflicht (vgl. §§ 20 ff. SGB XI) verlangen dies nicht. Danach geht es vielmehr grundsätzlich darum, dass diejenigen, die sich gegen das Risiko der Pflegebedürftigkeit zu versichern haben, diesen Schutz lückenlos erhalten, auch wenn insoweit komplementäre Leistungen erbracht werden, und dass das Beitragsniveau der

gesetzlichen Pflegeversicherung nicht überschritten wird (vgl. § 110 SGB XI). In diesem Rahmen ist es aus der Sicht der gesetzlichen Pflegeversicherung unerheblich,

ob Versicherungsleistungen durch Beihilfeleistungen ergänzt werden. Dieser Konkurrenzlage haben ausschließlich die Vorschriften des Beihilferechts Rechnung zu tragen.

Aus § 23 Abs. 1, § 25 SGB XI ergibt sich nicht, in welchem Umfang die Ehefrau des

Klägers verpflichtet ist, selbst eine Pflegeversicherung zu unterhalten. Zwar wäre die

Ehefrau im Falle der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht gemäß § 25 SGB XI familienversichert, weil sie nach § 23 SGB XI in der privaten Pflegeversicherung pflichtversichert ist (vgl. § 25 Abs. 1 Nr. 3 SGB XI). Dies allein begründet indessen keine

Pflicht zur Vollversicherung.

Die Versicherungspflicht nach § 23 Abs. 1 SGB XI steht einer möglichen Versicherung nach § 23 Abs. 3 SGB XI ebenfalls nicht entgegen. Die Bestimmungen stehen

zueinander im Verhältnis der Spezialität (vgl. BSG, Urteil vom 12. Februar 2004

- B 12 P 3/02 R - Veröffentlichung vorgesehen>). Auch wer in der privaten Pflegeversicherung pflichtversichert ist, darf sich beihilfekonform versichern, wenn für ihn

dem Grunde nach eine Beihilfeberechtigung besteht. § 61 Abs. 8 SGB XI hat den

Fall bedacht, dass eine Verpflichtung zum Abschluss einer privaten Pflegeversicherung mit einem Anspruch auf Beihilfe zusammentreffen kann, und sieht vor, dass im

Falle der Beihilfeberechtigung der Beitragszuschuss des Arbeitgebers oder Dienstherrn entfällt. Die Vorschrift setzt ihrem Wortlaut nach nicht die Identität von Zuschuss- und Beihilfeberechtigtem voraus. Allerdings führt diese Bestimmung dazu,

dass der Arbeitgeber der Klägerin von dem Beitragszuschuss entlastet wird.

Die Beihilfevorschriften sehen keine vorrangige Vorsorgeverpflichtung des berücksichtigungsfähigen Angehörigen vor. Nach der ausdrücklichen Regelung des § 5

Abs. 4 Nr. 3 BhV sind die in § 9 BhV genannten Aufwendungen bei Pflegebedürftigkeit, die für den Ehegatten des Beihilfeberechtigten entstanden sind, grundsätzlich

nicht beihilfefähig, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte des Ehegatten im Vorvorkalenderjahr vor der Stellung des Beihilfeantrags 18 000 übersteigt. Die Regelung

geht davon aus, dass dem Ehegatten eine Eigenvorsorge zuzumuten ist, wenn er

selbst über ausreichende Einkünfte verfügt. Wird diese Einkommensgrenze nicht erreicht, besteht - von einer hier nicht interessierenden Ausnahme abgesehen - Anspruch auf Beihilfeleistungen.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO.

Albers Prof. Dawin Dr. Kugele

Groepper Dr. Bayer

B e s c h l u s s

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Revisionsverfahren auf 4 000 festgesetzt 13 Abs. 1 Satz 2 GKG).

Albers Groepper Dr. Bayer

Sachgebiet: BVerwGE: ja

Beamtenrecht Fachpresse: ja

Rechtsquellen:

GG Art. 33 Abs. 5 BBG § 79 BhV § 4 Abs. 3, 5, § 5 Abs. 4 Nr. 3, §§ 9, 15

Stichworte:

Beihilfevorschriften des Bundes und Gesetzesvorbehalt; beihilfeberechtigter Angehöriger; beihilfekonforme Pflegeversicherung des Ehegatten; Gleichwertigkeit von Beihilfeansprüchen; Pflegebedürftigkeit; private Pflegevoll- und -teilversicherung; Subsidiarität der Beihilfe; Verwaltungsvorschriften.

Leitsätze:

1. Die Beihilfevorschriften des Bundes genügen nicht den Anforderungen des verfassungsrechtlichen Gesetzesvorbehalts. Die wesentlichen Entscheidungen über die Leistungen an Beamte, Richter und Versorgungsempfänger im Falle von Krankheit und Pflegebedürftigkeit hat der Gesetzgeber zu treffen. Für eine Übergangszeit sind die Beihilfevorschriften noch anzuwenden.

2. Leistungen aus einer privaten Pflegevollversicherung eines von der gesetzlichen Krankenversicherung befreiten Arbeitnehmers, zu der der Arbeitgeber einen Zuschuss leistet, sind keine Beihilfen und schließen die Berechtigung nach den Beihilfevorschriften nicht aus.

3. Ob Ansprüche auf Beihilfe nach den Beihilfevorschriften und nach einem konkurrierenden Beihilfesystem auf einer "im Wesentlichen vergleichbaren Regelung" beruhen, ist nicht auf der Grundlage der gesamten Kodifikation, sondern im Rahmen des jeweiligen Sachbereichs zu entscheiden.

4. Der Ehegatte eines Beamten, der selbst zu einer privaten Pflegeversicherung verpflichtet ist, darf sich beihilfekonform versichern, soweit die vorgeschriebenen Einkommensgrenzen für im Rahmen der Beihilfe berücksichtigungsfähige Angehörige nicht überschritten werden.

Urteil des 2. Senats vom 17. Juni 2004 - BVerwG 2 C 50.02

VG Köln vom 12.09.2002 - Az.: VG 15 K 4846/00 -

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5 C 19.11 vom 10.01.2013

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9 VR 4.13 vom 28.05.2013

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Anmerkungen zum Urteil