Urteil des BVerwG vom 03.11.2005, 2 C 16.04

Entschieden
03.11.2005
Schlagworte
Eigenmittel, Elterliche Sorge, Haushalt, Verfügung, Wohnung, Diskriminierungsverbot, Lebensgemeinschaft, Belastung, Einkünfte, Familie
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BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

IM NAMEN DES VOLKES

URTEIL

BVerwG 2 C 16.04 Verkündet OVG 6 A 1376/02 am 3. November 2005 Weikinnis als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 2. Senat des Bundesverwaltungsgerichts auf die mündliche Verhandlung vom 3. November 2005 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht A l b e r s und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. D a w i n , Dr. K u g e l e , Dr. B a y e r und Dr. H e i t z

für Recht erkannt:

Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 12. November 2003 wird zurückgewiesen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Revisionsverfahrens.

G r ü n d e :

I.

1Die Klägerin ist Oberamtsrätin im Dienst des Beklagten. Ihre Ehe wurde im Jahre

1998 geschieden. Sie ist ihrem früheren Ehemann nicht zum nachehelichen Unterhalt verpflichtet. Bei der Scheidung wurde ihr die elterliche Sorge für die gemeinsame

Tochter übertragen. Diese lebte nach der Scheidung jedenfalls bis Ende des Jahres

2000 in der Wohnung der Klägerin. Daher erhielt die Klägerin den Familienzuschlag

der Stufe 1, den kinderbezogenen Teil des Familienzuschlages (Stufe 2) sowie Kindergeld für die Tochter. Der frühere Ehemann zahlte im Jahre 1999 für die Tochter

Unterhalt in Höhe von monatlich 640,00 DM.

2Ab 1. Februar 2000 erhöhte er den Unterhalt auf monatlich 749,00 DM. Daraufhin

stellte das Landesamt für Besoldung und Versorgung die Zahlung des Familienzuschlages der Stufe 1 in Höhe von monatlich 189,42 DM (brutto) mit der Begründung

ein, nunmehr überschritten die für die Tochter zur Verfügung stehenden Eigenmittel

die gesetzliche Grenze in Höhe des Sechsfachen des Betrages der Stufe 1. Diese

Grenze liege bei monatlich 1 136,52 DM (189,42 DM x 6), während sich die Eigenmittel auf monatlich 1 181,06 DM beliefen (Unterhalt des Vaters von 749,00 DM; Kin-

dergeld von 270,00 DM; kinderbezogener Teil des Familienzuschlages von

162,06 DM brutto).

3Ab 1. September 2000 verringerte der frühere Ehemann die Unterhaltsleistungen auf

monatlich 700,00 DM, sodass die Eigenmittelgrenze auch nach dem Rechtsstandpunkt des Beklagten um monatlich 4,46 DM unterschritten wurde.

4Die Klägerin beansprucht den Familienzuschlag der Stufe 1 auch für die Monate Februar bis August 2000. Die nach erfolglosem Antrag und Widerspruch erhobene Klage

hatte in erster Instanz Erfolg, ist aber in der Berufungsinstanz abgewiesen worden. In

dem Berufungsurteil heißt es, bei der Berechnung der Eigenmittelgrenze gemäß § 40

Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG sei der kinderbezogene Teil des Familienzuschlages (Stufe 2) mit dem Bruttobetrag einzustellen. Die Regelung führe den "kinderbezogenen

Teil des Familienzuschlages" ohne Attribute, wie "gewährt", "geleistet" oder "gezahlt"

als Eigenmittel auf. Daraus folge, dass der sich aus den Besoldungsvorschriften ergebende Bruttobetrag gemeint sei. Auch könne für diesen Rechnungsposten nichts

anderes gelten als für den "Betrag der Stufe 1", dessen sechsfache Höhe die Eigenmittelgrenze bilde. Die Klägerin gehe selbst davon aus, dass hier der Bruttobetrag

zugrunde zu legen sei. Die Berücksichtigung der Bruttobeträge trage den Erfordernissen der Verwaltungspraxis Rechnung.

5Mit der Revision macht die Klägerin geltend, Eigenmittel im Sinne von § 40 Abs. 1

Nr. 4 Satz 2 BBesG seien nur diejenigen Mittel, die tatsächlich eingesetzt werden

könnten, um den Lebensunterhalt der aufgenommenen Person zu bestreiten. Daher

sei der kinderbezogene Teil des Familienzuschlages (Stufe 2) mit dem nach Steuern

verbleibenden Nettobetrag zu berücksichtigen. Dies ergebe sich aus dem Wortlaut

der Vorschrift, in der Eigenmittel als Mittel bezeichnet würden, die für den Unterhalt

"zur Verfügung stehen". Zudem müsse bei der Auslegung des § 40 Abs. 1 Nr. 4

Satz 2 BBesG beachtet werden, dass sich die Amtsangemessenheit der Alimentation

nach dem Nettoeinkommen beurteile. Es verstoße gegen den allgemeinen Gleichheitssatz und das gemeinschaftsrechtliche Diskriminierungsverbot in Bezug auf die

Arbeitsbedingungen, dass die Gewährung des Familienzuschlages der Stufe 1 an

unverheiratete Beamte, die ihr Kind im Haushalt aufnehmen, von der Unterschreitung

einer Eigenmittelgrenze abhänge, während verheiratete Beamte diese Leistung ohne

Rücksicht auf Eigenmittel des Ehegatten erhielten.

6Die Klägerin beantragt,

das Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom

12. November 2003 aufzuheben und die Berufung des Beklagten gegen den

Gerichtsbescheid des Verwaltungsgerichts Düsseldorf vom 28. Februar 2002

zurückzuweisen.

7Der Beklagte beantragt,

die Revision zurückzuweisen.

II.

8Die Revision ist nicht begründet. Die Klägerin hat keinen Anspruch auf den Familienzuschlag der Stufe 1 für die Zeit von Februar bis August 2000.

91. Gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 BBesG erhalten Beamte, die nicht unter § 40

Abs. 1 Nr. 1 bis 3 BBesG fallen, den Familienzuschlag der Stufe 1, wenn sie eine

andere Person nicht nur vorübergehend in ihre Wohnung aufgenommen haben und

ihr Unterhalt gewähren, weil sie gesetzlich oder sittlich dazu verpflichtet sind. Diese

Vorschrift umfasst nicht nur Unterhaltsleistungen in Form einer Geldrente, sondern

jegliche Gewährung von Unterhalt. Auch ist nicht erforderlich, dass der Beamte für

den gesamten Unterhalt der aufgenommenen Person aufkommt. Es reicht aus, dass

sich die Leistungen nicht lediglich als unbedeutende Zuschüsse darstellen. Die Aufnahme eines unterhaltsberechtigten Kindes in den eigenen Haushalt stellt die Gewährung von Unterhalt im Sinne von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 BBesG dar, auch wenn

der andere Elternteil dem Kind Barunterhalt leistet (Urteile vom 15. November 1984

- BVerwG 2 C 24.82 - BVerwGE 70, 264 <265> und vom 19. September 1991

- BVerwG 2 C 28.90 - BVerwGE 89, 53 <54>).

10Diese Voraussetzungen sind für die hier fragliche Zeit gegeben. Nach den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts gehörte die Klägerin nicht zu den gemäß

§ 40 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 BBesG zuschlagsberechtigten Beamten und kam durch die

Aufnahme der Tochter in ihren Haushalt ihrer Unterhaltsverpflichtung nach.

11Der Anspruch auf den Familienzuschlag der Stufe 1 war jedoch gemäß § 40 Abs. 1

Nr. 4 Satz 2 BBesG entfallen. Nach dieser Vorschrift wird die Leistung nicht gewährt,

wenn für den Unterhalt der aufgenommenen Person Mittel zur Verfügung stehen, die,

bei einem Kind einschließlich des gewährten Kindergeldes und des kinderbezogenen

Teils des Familienzuschlages, das Sechsfache des Betrages der Stufe 1 übersteigen.

12Um festzustellen, ob die Eigenmittelgrenze gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG

überschritten ist, muss dem sechsfachen Betrag des Familienzuschlages der Stufe 1,

der die Grenze bildet, der Gesamtbetrag der Mittel für die aufgenommene Person

gegenübergestellt werden. Der kinderbezogene Teil des Familienzuschlages, den

der Beamte für ein aufgenommenes Kind erhält, ist mit dem Bruttobetrag, d.h. ohne

Abzug der darauf entfallenden Steuern in die Berechnung einzustellen. Denn unter

dem gesetzlichen Begriff des Familienzuschlages ist der Bruttobetrag zu verstehen.

Dass demgegenüber im Rahmen von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG der Nettobetrag des kinderbezogenen Teils des Familienzuschlages maßgeblich sein soll, kommt

im Wortlaut dieser Vorschrift nicht zum Ausdruck.

13Der Bedeutungsgehalt des Begriffs "Familienzuschlag" erschließt sich aus § 39

Abs. 1 Satz 1 BBesG i.V.m. Anlage V dieses Gesetzes. Gemäß § 39 Abs. 1 Satz 1

BBesG wird der Familienzuschlag nach der Anlage V gewährt. Demzufolge gilt derjenige Betrag als Familienzuschlag, der in der Anlage V ausgewiesen ist. Dort sind

unter der Überschrift "Familienzuschlag (Monatsbeträge in Euro 31. Januar

2001: in DM>)" Bruttobeträge aufgeführt. Folgerichtig wird auch die gesetzliche Eigenmittelgrenze in Höhe des Sechsfachen des Familienzuschlages der Stufe 1 nach

dem Bruttobetrag dieser Leistung ermittelt.

14Dies entspricht dem Bruttoprinzip bei der Festsetzung der Dienst- und Versorgungsbezüge. Sie enthalten auch diejenigen Beträge, die der Beamte an Steuern zu ent-

richten hat. Die Steuer wird auf den Gesamtbetrag der Bezüge erhoben. Steuerschuldner ist der Beamte; der Dienstherr wird bei der Einbehaltung und Abführung

der Lohnsteuer für den Beamten tätig. Daher umfassen Ansprüche des Dienstherrn

auf Rückforderung zuviel gezahlter Bezüge gemäß § 12 Abs. 2 BBesG oder § 52

Abs. 2 BeamtVG die Bruttobeträge (stRspr; u.a. Urteile vom 12. Mai 1966 - BVerwG

2 C 197.62 - BVerwGE 24, 92 <104>, vom 22. September 1966 - BVerwG 8 C

109.64 - BVerwGE 25, 97 <99> und vom 8. Oktober 1998 - BVerwG 2 C 21.97 -

Buchholz 239.1 § 55 BeamtVG Nr. 25; vgl. auch BVerfGE 46, 97 <115 ff.>).

15Das Bruttoprinzip gilt auch für andere besoldungs- und versorgungsrechtlich relevante Einkünfte wie etwa abzuführende Nebentätigkeitsvergütungen (Urteil vom 3. Juli

2003 - BVerwG 2 C 17.02 - Buchholz 237.8 § 72 RhPLBG Nr. 1) oder anrechenbares

Erwerbseinkommen gemäß § 53 Abs. 1 und 7 BeamtVG (Urteil vom 19. Februar

2004 - BVerwG 2 C 20.03 - BVerwGE 120, 154 <165>).

16Dienst- und Versorgungsbezüge sind ebenso wie sonstige besoldungs- und versorgungsrechtlich relevante Einkünfte nur dann mit dem Nettobetrag anzusetzen, wenn

dies der Gesetzeswortlaut ausdrücklich vorsieht (Urteil vom 19. Februar 2004,

a.a.O.). So stellt etwa § 6 Abs. 2 Satz 2 BBesG auf die "Nettobesoldung" ab. Eine

solche Anordnung enthält § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG hinsichtlich des kinderbezogenen Teils des Familienzuschlages nicht. Die Bezeichnung der Eigenmittel der

aufgenommenen Person als Mittel, die für ihren Unterhalt "zur Verfügung stehen",

reicht nicht für die Annahme aus, damit seien nur diejenigen Beträge der gesetzlichen Leistungen gemeint, die für den Lebensunterhalt ausgegeben werden können.

Vielmehr kann die Formulierung "zur Verfügung stehen" nach dem Wortsinn auch

diejenigen Mittel umschreiben, die dem Beamten oder der aufgenommenen Person

zustehen. Ansonsten wäre die Berücksichtigung von Mitteln dann ausgeschlossen,

wenn der Beamte oder die aufgenommene Person die zugrunde liegenden Zahlungsansprüche - aus welchen Gründen auch immer - nicht durchzusetzen versucht

(vgl. Schwegmann/Summer, BBesG, § 40 Rn. 9.8 unter 4).

17Für die Auslegung des Begriffs "kinderbezogener Teil des Familienzuschlages" im

Rahmen von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG ist ohne Bedeutung, dass sich nach

dem Nettoeinkommen bestimmt, ob Dienst- oder Versorgungsbezüge die Amtsan-

gemessenheit der Alimentation gewährleisten (BVerfGE 44, 249 <266>; 81, 363

<375>; 99, 300 <315>). Denn die Amtsangemessenheit bemisst sich nach dem Nettobetrag der gesamten Besoldungs- und Versorgungsleistungen, die dem Beamten

nach der Besteuerung verbleiben. Daraus kann nicht gefolgert werden, dass die einzelnen Leistungen mit Nettobeträgen anzusetzen sind (Urteil vom 19. Februar 2004,

a.a.O.). Dies gilt erst recht, wenn diese Leistungen - wie der Familienzuschlag - gesetzlich als Bruttobeträge ausgewiesen sind.

18Schließlich sprechen Praktikabilitätserwägungen dagegen, den kinderbezogenen Teil

des Familienzuschlages im Rahmen von § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG mit dem

Nettobetrag zu berücksichtigen. Denn dieser Betrag steht erst nach Durchführung

des Lohnsteuerjahresausgleichs fest.

192. Die Eigenmittelgrenze gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG verstößt nicht gegen höherrangiges Recht. Dadurch werden unverheiratete Beamte, die ihr Kind in

ihre Wohnung aufgenommen haben, gegenüber verheirateten Beamten weder

gleichheitswidrig benachteiligt noch in Bezug auf die Arbeitsbedingungen diskriminiert.

20Der allgemeine Gleichheitssatz gemäß Art. 3 Abs. 1 GG gebietet, wesentlich Gleiches gleich zu behandeln. Es bleibt dem Gesetzgeber überlassen, aufgrund autonomer Wertungen die Merkmale auszuwählen, an die er eine Gleich- oder Ungleichbehandlung anknüpft. Die Gleichbehandlung von Sachverhalten ist erst dann geboten,

wenn eine am Gerechtigkeitsgedanken orientierte Betrachtungsweise ergibt, dass die

Ungleichheiten so bedeutsam sind, dass ihnen Rechnung getragen werden muss.

Dies setzt voraus, dass sich im Hinblick auf die Eigenart des in Rede stehenden

Sachbereichs ein vernünftiger, einleuchtender Grund für die Ungleichbehandlung

nicht finden lässt (vgl. BVerfGE 76, 256 <329>; 83, 89 <107>; 103, 310 <318>). Im

Bereich des Besoldungsrechts hat der Gesetzgeber grundsätzlich einen weiten Spielraum politischen Ermessens, innerhalb dessen er das Besoldungsrecht den tatsächlichen Notwendigkeiten und der fortschreitenden Entwicklung anpassen darf

(BVerfGE 103, 310 <319>; 110, 353 <364>).

21Dem Familienzuschlag kommt eine soziale, nämlich ehe- und familienbezogene

Ausgleichsfunktion zu. Er tritt zu den leistungsbezogenen Besoldungsbestandteilen

hinzu, um diejenigen Mehraufwendungen auszugleichen, die typischerweise durch

Ehe und Familie entstehen. Dadurch erfüllt der Gesetzgeber die sich aus dem Alimentationsgrundsatz gemäß Art. 33 Abs. 5 GG ergebende Verpflichtung, die dem

Beamten obliegenden Unterhaltspflichten gegenüber Ehegatten und Kindern realitätsgerecht zu berücksichtigen (vgl. BVerfGE 81, 363 <378>; 99, 300 <316>).

Zugleich kommt er der durch Art. 6 Abs. 1 GG begründeten Pflicht nach, Ehe und

Familie durch geeignete Maßnahmen zu fördern (vgl. BVerfGE 82, 60 <81>; 87, 1

<35>).

22Der kinderbezogene Teil des Familienzuschlages (Stufe 2) gemäß § 40 Abs. 2

BBesG ist dazu bestimmt, den von Kindern verursachten Mehrbedarf des Beamten

einschließlich der Mehraufwendungen für Unterkunft und Heizung zu decken

(BVerfGE 81, 363 <380>; 99, 300 <321>; BVerwG, Urteil vom 17. Juni 2004

- BVerwG 2 C 34.02 - BVerwGE 121, 92 <98>). Der Familienzuschlag der Stufe 1

soll einen pauschalen Beitrag zur Deckung des Mehrbedarfs leisten, der bei verheirateten Beamten aufgrund des gemeinsamen Hausstandes mit dem Ehegatten anfällt

(BVerfGE 49, 260 <273>; BVerwG, Urteil vom 15. November 1984, a.a.O. <268>).

23Dementsprechend knüpft der Familienzuschlag der Stufe 1 gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 1

BBesG an den Familienstand der Ehe an. Folgerichtig wird geschiedenen Beamten

der Zuschlag gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 3 BBesG nur gewährt, wenn sie zum nachehelichen Unterhalt verpflichtet sind. Hier tritt die Unterhaltsleistung an die Stelle der

Mehraufwendungen aufgrund des gemeinsamen Hausstandes; sie muss mindestens

die Höhe des Zuschlages erreichen (Urteil vom 19. September 1991, a.a.O. <55>).

Der Zuschlagsgewährung an verwitwete Beamte gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 2 BBesG

liegt die Erwägung zugrunde, dass ihnen aufgrund des regelmäßig vorgerückten Alters die Einschränkung der Haushaltsführung, d.h. ein Umzug in eine kleinere Wohnung nicht mehr zugemutet werden soll. Darin liegt keine gleichheitswidrige Bevorzugung (BVerfGE 49, 260 <274>).

24Gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 BBesG werden unverheiratete Beamte verheirateten

gleichgestellt, wenn auch sie einen erweiterten Haushalt führen, um ihre Unterhalts-

verpflichtungen zu erfüllen. Durch die Eigenmittelgrenze gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4

Satz 2 BBesG wollte der Gesetzgeber sicherstellen, dass unverheirateten Beamten

der Zuschlag nur gewährt wird, wenn er erforderlich ist, um die Mehrkosten der erweiterten Haushaltsführung auszugleichen. Dies ist nicht der Fall, wenn aufgrund der

Eigenmittel der aufgenommenen Person allenfalls eine geringe wirtschaftliche Belastung verbleibt (vgl. BTDrucks 10/3789 S. 13).

25Davon ausgehend führt die Regelung des § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG nicht dazu, dass unverheiratete Beamte, die einen gemeinsamen Hausstand mit ihren Kindern führen, unter Verstoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG schlechter gestellt werden als

verheiratete Beamte. Auch insoweit beruht die Einführung der Eigenmittelgrenze nur

für Beamte, die unter § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 BBesG fallen, auf sachgerechten Erwägungen:

26Beiden Gruppen wird als Ausgleich für den von Kindern verursachten Mehrbedarf

einschließlich der Kosten der Mehraufwendungen der erweiterten Haushaltsführung

bereits der kinderbezogene Teil des Familienzuschlages (Stufen 2 und folgende)

gewährt (BVerfGE 81, 363 <378>; 99, 300 <316>; BVerwG, Urteil vom 17. Juni 2004,

a.a.O.). Somit erhalten unverheiratete Beamte mit im Haushalt lebenden Kindern die

Familienzuschläge der Stufen 1 und ab der Stufe 2 aus demselben Grund, nämlich

wegen der kinderbezogenen Mehrkosten der Haushaltsführung. Demgegenüber wird

verheirateten Beamten der Familienzuschlag der Stufe 1 als Ausgleich derjenigen

Mehrkosten gewährt, die aufgrund der ehelichen Lebensgemeinschaft anfallen. Würden unverheiratete Beamte diese Leistung auch dann erhalten, wenn sie wegen der

Eigenmittel der aufgenommenen Person wirtschaftlich nicht erforderlich ist, so würden sie ohne sachlichen Grund zumindest besser gestellt als allein verdienende verheiratete Beamte mit im Haushalt lebenden Kindern (vgl. BTDrucks 10/3789 S. 13).

27Zudem ist die Gewährung des Familienzuschlages der Stufe 1 an verheiratete Beamte ohne Rücksicht auf Eigenmittel des Ehegatten sachlich gerechtfertigt, weil es sich

bei dieser Leistung um eine Maßnahme zur Förderung der ehelichen Lebensgemeinschaft handelt. Sie ist Ausdruck des besonderen staatlichen Schutzes, den die Ehe

gemäß Art. 6 Abs. 1 GG genießt. Der staatliche Schutzauftrag umfasst auch die Ver-

pflichtung, die Ehe durch geeignete Maßnahmen zu fördern (BVerfGE 82, 60 <81>;

87, 1 <35>).

28Die Einführung der gesetzlichen Eigenmittelgrenze nur für unverheiratete Beamte

gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG verstößt auch nicht gegen das gemeinschaftsrechtliche Diskriminierungsverbot gemäß Art. 141 Abs. 1 und 2 EGV i.V.m.

der Richtlinie 75/117/EWG vom 10. Februar 1975 (ABl Nr. L045 S. 19). Die Regelung

kann nicht zu einer Schlechterstellung allein stehender weiblicher Beamter hinsichtlich des Arbeitsentgeltes führen. Denn es ist gewährleistet, dass der Familienzuschlag der Stufe 1 als Ausgleich der Mehrkosten der Haushaltsführung, die auf die

Aufnahme von Kindern zurückzuführen sind, geleistet wird, wenn ansonsten eine

wirtschaftliche Belastung verbliebe.

29Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO.

Albers Prof. Dawin Dr. Kugele

Dr. Bayer Dr. Heitz

B e s c h l u s s

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Revisionsverfahren auf 677,94 festgesetzt 13 Abs. 1 Satz 1, § 14 Abs. 1 Satz 1 GKG a.F. i.V.m. § 71 Abs. 1, § 72

Nr. 1 GKG).

Albers Dr. Kugele Dr. Heitz

Sachgebiet: BVerwGE: nein

Besoldungsrecht Fachpresse: ja

Rechtsquellen:

GG Art. 3 Abs. 1 EGV Art. 141 Abs. 1 und 2 BBesG § 40 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2

Stichworte:

Familienzuschlag der Stufe 1; Eigenmittelgrenze; Bruttoprinzip; Barunterhalt; nacheheliche Unterhaltspflicht; kinderbezogener Teil des Familienzuschlages (Stufe 2); allgemeiner Gleichheitssatz; gemeinschaftsrechtliches Diskriminierungsverbot.

Leitsätze:

Bei der Berechnung der Eigenmittelgrenze gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG ist der kinderbezogene Teil des Familienzuschlages mit dem Bruttobetrag einzustellen.

Die Eigenmittelgrenze gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG ist mit höherrangigem Recht vereinbar.

Urteil des 2. Senats vom 3. November 2005 - BVerwG 2 C 16.04

I. VG Düsseldorf vom 28.02.2002 - Az.: VG 26 K 4527/00 - II. OVG Münster vom 12.11.2003 - Az.: OVG 6 A 1376/02 -

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5 C 19.11 vom 10.01.2013

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9 VR 4.13 vom 28.05.2013

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6 B 107.08 vom 22.08.2007

Anmerkungen zum Urteil