Urteil des BVerwG vom 06.11.2014, 2 B 97.13

Entschieden
06.11.2014
Schlagworte
Nbg, Polizeidienst, Rüge, Verfügung, Amt, Aufklärungspflicht, Versetzung, Anschluss, Verfahrensmangel, Veröffentlichung
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Sachgebiet:

BVerwGE: nein Fachpresse: ja

Recht des öffentlichen Dienstes einschließlich des Beamtendisziplinarrechts und des Dienstrechts der Soldaten sowie des Rechts der Wehrpflichtigen und der Zivildienstpflichtigen

Rechtsquelle/n:

BeamtStG § 26 Abs. 1 Satz 1, 3 und 4, Abs. 2 BBG a.F. § 42 Abs. 3 BBG n.F. § 44 Abs. 3 VwGO § 86 Abs. 1 Satz 1, § 98, § 132 Abs. 2 Nr. 1 und 3 ZPO § 412 Abs. 1

Titelzeile:

Zurruhesetzung eines Polizeivollzugsbeamten wegen Polizeidienstunfähigkeit

Stichwort/e:

Polizeivollzugsbeamter; vorzeitige Versetzung in den Ruhestand; krankheitsbedingte Abwesenheitszeiten; erhebliche Fehlzeiten; Polizeidienstunfähigkeit; allgemeine Dienstunfähigkeit; Innendienst; Büroarbeit; anderweitige Verwendung; Weiterverwendung; Suchpflicht; gerichtliche Aufklärungspflicht.

Leitsatz/-sätze:

1. Ein polizeidienstunfähiger Polizeivollzugsbeamter darf nicht in den vorzeitigen Ruhestand versetzt werden, wenn im Polizeidienst ein Dienstposten zur Verfügung steht, dessen Aufgaben er bewältigen kann (im Anschluss an Urteil vom 3. März 2005 - BVerwG 2 C 4.04 - Buchholz 237.7 § 194 NWLBG Nr. 2).

2. Der Dienstherr muss nach einem solchen Dienstposten suchen. Die Suchpflicht entfällt, wenn feststeht, dass der Beamte krankheitsbedingt voraussichtlich keinerlei Dienst mehr leisten kann oder erhebliche Fehlzeiten zu erwarten sind (im Anschluss an Urteile vom 26. März 2009 - BVerwG 2 C 73.08 - BVerwGE 133, 297 = Buchholz 232 § 42 BBG Nr. 25 und vom 5. Juni 2014 - BVerwG 2 C 22.13 - NVwZ 2014, 1319 Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung BVerwGE vorgesehen>).

Beschluss des 2. Senats vom 6. November 2014 - BVerwG 2 B 97.13

I. VG Hannover vom 19. Juli 2011 Az: VG 2 A 4108/09

II. OVG Lüneburg vom 9. Juli 2013 Az: OVG 5 LB 99/13

BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 2 B 97.13 OVG 5 LB 99/13

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 2. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 6. November 2014 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Domgörgen und die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Heitz und Dollinger

beschlossen:

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 9. Juli 2013 wird zurückgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Der Streitwert für das Beschwerdeverfahren wird auf 37 000 festgesetzt.

Gründe:

1Die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers kann keinen Erfolg haben. Die

geltend gemachten Revisionszulassungsgründe liegen nicht vor. Aufgrund des

Darlegungserfordernisses nach § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO ist der Senat darauf

beschränkt, über die Revisionszulassung nach § 132 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 VwGO

ausschließlich auf der Grundlage der Beschwerdebegründung zu entscheiden.

2Der Kläger ist Polizeivollzugsbeamter. Er leistete seit April 2005 längere Zeit

krankheitsbedingt keinen Dienst. Im Jahr 2007 musste er eine Wiedereingliederungsmaßnahme aus gesundheitlichen Gründen für sechs Monate unterbrechen. Seit dem 1. November 2007 erledigte er Büroarbeiten. Nach mehreren

weiteren krankheitsbedingten Abwesenheitsphasen leistete der Kläger seit September 2008 keinen Dienst mehr. Auf der Grundlage des polizeiärztlichen und

eines vom Polizeiarzt eingeholten neurologisch-psychiatrischen Gutachtens

versetzte die Beklagte den Kläger mit Wirkung ab 1. September 2009 vorzeitig

in den Ruhestand.

3Das Oberverwaltungsgericht hat die erstinstanzlich erfolgreiche Klage gegen

die Zurruhesetzungsverfügung abgewiesen. In dem Berufungsurteil heißt es im

Wesentlichen, der Kläger sei nicht nur polizeidienstunfähig, sondern allgemein

dienstunfähig. Nach den Gutachten könne er aufgrund seiner Erkrankungen auf

unabsehbare Zeit keinen Innendienst leisten, weil dabei sog. Flashbacks und

Überlastungssituationen auftreten könnten. Die häufigen Abwesenheitszeiten

des Klägers bei Verrichtung von Büroarbeiten bestätigten diese Einschätzung.

Aufgrund des fehlenden Leistungsvermögens könne der Kläger weder im Polizeidienst noch im allgemeinen Verwaltungsdienst weiterverwendet werden.

41. Mit der Grundsatzrüge wirft der Kläger die Rechtsfrage auf, ob die Regelungen über die Polizeidienstunfähigkeit durch Regelungen über die allgemeine

Dienstunfähigkeit ergänzt werden können.

5Die Zulassung der Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung im Sinne von

§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO setzt voraus, dass die Beschwerde eine Frage des

revisiblen Rechts von allgemeiner, über den Einzelfall hinausreichender Bedeutung aufwirft, die im konkreten Fall entscheidungserheblich ist. Ein derartiger

Klärungsbedarf besteht nicht, wenn die Rechtsfrage auf der Grundlage der

bundesgerichtlichen Rechtsprechung oder des Gesetzeswortlauts mit Hilfe der

üblichen Auslegungsregeln eindeutig beantwortet werden kann (stRspr; vgl.

Beschluss vom 24. Januar 2011 - BVerwG 2 B 2.11 - NVwZ-RR 2011, 329

Rn. 4).

6Diesen Anforderungen genügt die Beschwerdebegründung nicht. Die Voraussetzungen, unter denen ein dauerhaft polizeidienstunfähiger Polizeivollzugsbeamter im Polizeidienst oder in einer anderen Laufbahn weiterverwendet werden

kann, sind - soweit hier entscheidungserheblich - in der Rechtsprechung des

Bundesverwaltungsgerichts geklärt.

7Nach § 26 Abs. 1 Satz 1 und Satz 3, Abs. 2 BeamtStG sind Beamte auf Lebenszeit in den Ruhestand zu versetzen, wenn sie wegen ihres körperlichen

Zustandes oder aus gesundheitlichen Gründen zur Erfüllung ihrer Dienstpflichten dauernd unfähig (dienstunfähig) sind und eine anderweitige Verwendung

nicht möglich ist. Maßstab für die Beurteilung der Dienstunfähigkeit ist das dem

Beamten zuletzt übertragene Amt im abstrakt-funktionellen Sinne, d.h. die Gesamtheit der bei seiner Beschäftigungsbehörde eingerichteten Dienstposten,

auf denen er amtsangemessen eingesetzt werden kann (stRspr; vgl. nur Urteile

vom 26. März 2009 - BVerwG 2 C 73.08 - BVerwGE 133, 297 = Buchholz 232

§ 42 BBG Nr. 25 jeweils Rn. 13 f. und vom 5. Juni 2014 - BVerwG 2 C 22.13 -

NVwZ 2014, 1319 Rn. 14 Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung

BVerwGE vorgesehen>).

8Für den Polizeivollzugsdienst haben die Länder aufgrund der Ermächtigung des

§ 26 Abs. 1 Satz 4 BeamtStG Sonderregelungen für die Dienstunfähigkeit getroffen. Nach § 110 des Niedersächsischen Beamtengesetzes vom 25. März

2009 - NBG - (GVBl S. 72) ist ein Polizeivollzugsbeamter dienstunfähig 26

Abs. 1 BeamtStG), wenn er den besonderen gesundheitlichen Anforderungen

des Polizeivollzugsdienstes nicht mehr genügt und nicht zu erwarten ist, dass er

seine volle Verwendungsfähigkeit innerhalb von zwei Jahren wiedererlangt (Polizeidienstunfähigkeit), es sei denn, die ausgeübte oder konkret auszuübende

Funktion erfordert bei Beamten auf Lebenszeit diese besonderen gesundheitlichen Anforderungen auf Dauer nicht mehr uneingeschränkt.

9Der Bedeutungsgehalt dieser Regelung ist insbesondere durch das Urteil des

Bundesverwaltungsgerichts vom 3. März 2005 - BVerwG 2 C 4.04 - (Buchholz

237.7 § 194 NWLBG Nr. 2) geklärt, das zur weitgehend wortgleichen Vorschrift

des § 194 Abs. 1 des Landesbeamtengesetzes Nordrhein-Westfalen ergangen

ist.

10Danach ist Maßstab der Polizeidienstfähigkeit nicht das abstrakt-funktionelle

Amt eines Polizeibeamten bei seiner Beschäftigungsbehörde, sondern sämtliche Ämter der Laufbahn des Polizeivollzugsdienstes. Der Polizeivollzugsbeamte muss zu jeder Zeit, an jedem Ort und in jeder Stellung einsetzbar sein, die

seinem statusrechtlichen Amt entspricht. Die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand scheidet trotz Polizeidienstunfähigkeit aus, wenn der Polizeivollzugsbeamte in einer Funktion des Polizeidienstes verwendet werden kann, deren

Aufgaben er erfüllen kann, ohne polizeidienstfähig zu sein (Urteile vom 3. März

2005 a.a.O. S. 2 f. und vom 26. April 2012 - BVerwG 2 C 17.10 - NVwZ 2012,

1483 = Buchholz 237.6 § 226 NdsLBG Nr. 1 jeweils Rn. 10).

11Die Weiterverwendung im Polizeidienst setzt voraus, dass dort eine Funktion,

d.h. ein Dienstposten, zur Verfügung steht, dessen Aufgaben der Beamte dauerhaft, d.h. voraussichtlich bis zum Erreichen der besonderen Altersgrenze,

bewältigen kann (Urteil vom 3. März 2005 a.a.O. S. 3 f.). Das Verwaltungsgericht hat zutreffend angenommen, dass der Dienstherr verpflichtet ist, nach einer derartigen Funktion zu suchen. Insoweit können die Anforderungen herangezogen werden, die das Bundesverwaltungsgericht für die Suchpflicht nach

§ 42 Abs. 3 BBG a.F. aufgestellt hat (Urteil vom 26. März 2009 a.a.O. Rn. 25 f.).

12Maßstab für die Prüfung der gesundheitlichen Eignung sind die Anforderungen

derjenigen Dienstposten, die für eine Weiterverwendung des Polizeivollzugsbeamten zur Verfügung stehen (Urteil vom 3. März 2005 a.a.O. S. 3). Diese Eignungsbeurteilung unterliegt der uneingeschränkten verwaltungsgerichtlichen

Nachprüfung (vgl. Urteil vom 25. Juli 2013 - BVerwG 2 C 12.11 - BVerwGE 147,

244 = Buchholz 232.01 § 9 BeamtStG Nr. 1 jeweils Rn. 24 f.).

13Der Dienstherr ist von der Suche nach einer Funktion für die Weiterverwendung

im Sinne des § 110 NBG nur dann entbunden, wenn feststeht, dass der Polizeivollzugsbeamte in dem von § 110 NBG vorgegebenen Zeitraum, d.h. in den

nächsten zwei Jahren keinerlei Dienst leisten kann oder erhebliche krankheitsbedingte Fehlzeiten zu erwarten sind (vgl. bereits Urteil vom 5. Juni 2014 a.a.O.

Rn. 34 f. zur Weiterverwendung nach § 44 Abs. 3 BBG n.F.). Unter dieser Voraussetzung kommt es auf die konkreten Anforderungen der für die Weiterverwendung in Betracht kommenden Dienstposten nicht mehr an. Daher besteht in

diesem Fall keine Pflicht zur Suche nach einem solchen Dienstposten im Polizeidienst, weil deren Zweck von vornherein nicht erreicht werden kann.

14Demgegenüber hat das Oberverwaltungsgericht nicht auf die gesundheitliche

Eignung des Klägers für eine Funktion im Sinne von § 110 NBG, sondern auf

dessen allgemeine Dienstfähigkeit im Sinne von § 26 Abs. 1 Satz 1 und 2

BeamtG abgestellt. Dies wirkt sich indessen im Ergebnis nicht aus, weil das

Oberverwaltungsgericht seine nach § 137 Abs. 2 VwGO bindenden, weil nicht

mit durchgreifenden Verfahrensrügen angegriffenen tatsächlichen Feststellungen dahingehend gewürdigt hat, dass der Kläger im maßgebenden Zeitraum

außerstande war, ohne erhebliche Fehlzeiten Dienst auch nur in Form von Bürotätigkeit zu leisten. Davon ausgehend hat das Oberverwaltungsgericht folge-

richtig angenommen, eine Suchpflicht nach einer Funktion im Sinne von § 110

NBG habe nicht bestanden.

15Entsprechendes gilt für die Suche nach einer anderweitigen Verwendung außerhalb des Polizeidienstes nach § 26 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 BeamtStG. Diese

Regelungen finden auch für Polizeivollzugsbeamte Anwendung, weil die Länder

nach § 26 Abs. 1 Satz 4 BeamtStG nicht zur Regelung der weiteren Voraussetzungen für die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand befugt sind. Die Suche

nach einer anderweitigen Verwendung im Sinne von § 26 Abs. 2 BeamtStG

setzt allerdings regelmäßig die allgemeine Dienstfähigkeit des Polizeivollzugsbeamten voraus. Eine Suchpflicht besteht nicht, wenn feststeht, dass er generell nicht mehr oder nur mit erheblichen krankheitsbedingten Fehlzeiten zur

Dienstleistung imstande ist. Besteht auch diese nicht, muss er vorzeitig in den

Ruhestand zu versetzt werden (vgl. Urteil vom 5. Juni 2014 a.a.O. Rn. 34 f.).

16Davon ist das Oberverwaltungsgericht aufgrund seiner bindenden tatsächlichen

Feststellungen ausgegangen.

172. An die einzelfallbezogene rechtliche Würdigung des Oberverwaltungsgerichts

zur krankheitsbedingten Unmöglichkeit einer Weiterverwendung des Klägers

innerhalb und außerhalb des Polizeidienstes ist der Senat gebunden, weil der

Kläger nicht dargelegt hat, dass den zugrunde liegenden tatsächlichen Feststellungen ein Verfahrensmangel im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO anhaftet.

18Die Rüge, der Dienstherr habe die Suche nach einer Funktion im Sinne von

§ 110 NBG und nach einer anderweitigen Verwendung im Sinne von § 26

Abs. 2 BeamtStG rechtsfehlerhaft unterlassen, ist nicht geeignet, einen Verfahrensmangel im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO darzulegen. Dieser gesetzliche Begriff erfasst Verstöße des Gerichts gegen verwaltungsprozessrechtliche

Vorschriften und Rechtsgrundsätze, nicht aber Fehler des Verwaltungsverfahrens (stRspr; vgl. nur Beschluss vom 26. Februar 2008 - BVerwG 2 B 122.07 -

NVwZ-RR 2008, 477 = Buchholz 235.1 § 55 BDG Nr. 2 jeweils Rn. 3).

19In Bezug auf die Suche nach einer anderweitigen Verwendung scheidet ein

Verstoß des Oberverwaltungsgerichts gegen die Pflicht zur gerichtlichen Sachaufklärung nach § 86 Abs. 1 Satz 1 VwGO aus, weil nach dessen insoweit

maßgebenden Rechtsauffassung keine Suchpflicht bestanden hat. Die Aufklärungspflicht verlangt nicht, dass ein Tatsachengericht Ermittlungen anstellt, die

aus seiner Sicht unnötig sind, weil deren Ergebnis nach seinem materiellrechtlichen Rechtsstandpunkt für den Ausgang des Rechtsstreits unerheblich ist

(stRspr; Urteil vom 14. Januar 1998 - BVerwG 11 C 11.96 - BVerwGE 106, 115

<119> = Buchholz 451.171 § 7 AtG Nr. 5 S. 58 f.; Beschluss vom 14. Juni 2005

- BVerwG 2 B 108.04 - Buchholz 235.1 § 58 BDG Nr. 1 S. 1 f.).

20Die Rüge des Klägers, die polizei- und fachärztlichen Untersuchungen seien

nicht verwertbar, weil ihnen keine rechtmäßige Untersuchungsanordnung zugrunde gelegen habe, kann bereits deshalb keinen Erfolg haben, weil sich der

Kläger den Untersuchungen unterzogen hat. Die Rechtmäßigkeit der Anordnung ist jedenfalls nach Erstellung und Bekanntgabe des Gutachtens ohne Bedeutung (Urteil vom 26. April 2012 a.a.O. jeweils Rn. 18).

21Auch die Rüge, die dem Berufungsurteil zugrunde liegende ärztliche Bewertung

sei nicht umfassend und stehe in Widerspruch zu der Bewertung des Polizeiarztes aus den Jahren 2007 und 2008, ist nicht geeignet, einen Verstoß des Oberverwaltungsgerichts gegen die Aufklärungspflicht darzulegen.

22Über die Einholung eines weiteren Sachverständigengutachtens entscheidet

das Tatsachengericht nach seinem Ermessen 98 VwGO, § 412 Abs. 1 ZPO).

Seine Weigerung, ein weiteres Gutachten einzuholen, findet im Prozessrecht

nur dann keine Stütze, wenn das bereits vorliegende Gutachten nicht geeignet

ist, dem Gericht die für die richterliche Überzeugungsbildung notwendigen

sachlichen Grundlagen zu vermitteln. Dies ist etwa der Fall, wenn das Gutachten von unzutreffenden tatsächlichen Voraussetzungen ausgeht, unlösbare inhaltliche Widersprüche enthält oder Anlass gibt, an der Sachkunde oder Unparteilichkeit des Gutachters zu zweifeln. Ein weiteres Gutachten muss nicht schon

dann eingeholt werden, wenn ein Beteiligter ein vorliegendes Gutachten als

Erkenntnisquelle für unzureichend hält (stRspr; vgl. nur Beschlüsse vom

26. Februar 2008 a.a.O. Rn. 29 und vom 29. Mai 2009 - BVerwG 2 B 3.09 -

NJW 2009, 2614 = Buchholz 235.1 § 58 BDG Nr. 5 jeweils Rn. 7).

23Einen derartigen Mangel der Gutachten des Polizeiarztes und der von ihm beauftragten Fachärztin hat der Kläger nicht nach § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO dargelegt, weil die Beschwerdebegründung insoweit völlig unsubstanziiert ist. Es

fehlt jede Auseinandersetzung mit den Diagnosen und den daraus gezogenen

Schlussfolgerungen der Ärzte. Auch geht der Kläger nicht darauf ein, dass das

Oberverwaltungsgericht eingehend dargelegt hat, die Einschätzung des Polizeiarztes werde durch den beruflichen Werdegang des Klägers seit 2005 bestätigt.

243. Die Divergenzrüge genügt offensichtlich den Darlegungsanforderungen des

§ 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO nicht; der Kläger hat sie mit keinem Wort begründet.

25Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO. Die Festsetzung des

Streitwerts für das Beschwerdeverfahren beruht auf § 47 Abs. 1 und Abs. 3,

§ 52 Abs. 5 Nr. 1 GKG.

Domgörgen Dr. Heitz Dollinger

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Anmerkungen zum Urteil