Urteil des BVerwG vom 26.10.2011, 2 B 69.10

Aktenzeichen: 2 B 69.10

Grundsatz der Unmittelbarkeit, Rechtliches Gehör, Grundsatz der Gleichbehandlung, Beweisantrag

BUNDESVERWALTUNGSGERICHT

BESCHLUSS

BVerwG 2 B 69.10 VGH 28 A 2577/09.D

In der Verwaltungsstreitsache

hat der 2. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 26. Oktober 2011 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Herbert, die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Thomsen und den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. von der Weiden

beschlossen:

Das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 2. Juni 2010 wird aufgehoben.

Der Rechtsstreit wird zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an den Hessischen Verwaltungsgerichtshof zurückverwiesen.

Die Kostenentscheidung bleibt der Schlussentscheidung vorbehalten.

Der Wert des Streitgegenstandes für das Beschwerdeverfahren wird auf 53 138,80 festgesetzt.

G r ü n d e :

1Die Beschwerde des Beklagten hat mit der Maßgabe Erfolg, dass der Rechtsstreit gemäß § 73 HDG, § 133 Abs. 6 VwGO zur anderweitigen Verhandlung

und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen ist. Die Voraussetzungen des § 73 HDG, § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO liegen vor, weil das Berufungsurteil auf Verfahrensfehlern beruht.

21. Der Beklagte war Lehrer im Landesdienst. Mit Ablauf des Monats März 2007

wurde er vorzeitig in den Ruhestand versetzt. In einem kurz darauf rechtskräftig

gewordenen Strafbefehl wurde wegen eines Vergehens nach § 176 Abs. 1

Alt. 1 und 2 StGB zu Lasten einer zu Beginn der Tathandlungen 13-jährigen

Schülerin gegen ihn eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten verhängt, deren

Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde; zugleich wurde ihm die Zahlung einer Geldbuße von 5 000 auferlegt. Im Disziplinarklageverfahren, das

sexuelle Handlungen in der Schule an und mit der Schülerin, teilweise gegen

ihren Willen, zwischen dem 17. Juli 1991 bis zum Ende des Schuljahres

1994/1995 zum Gegenstand hat, ist auf Aberkennung des Ruhegehalts erkannt

worden.

32. a) Die Beschwerde rügt mit Erfolg, dass die Klageschrift hinsichtlich des Tatkomplexes 2 (sexuelle Handlungen bis in das Schuljahr 1993/1994) an einem

wesentlichen Mangel leidet (Verstoß gegen § 57, § 60 Abs. 1 HDG), auf dem

das Urteil beruht. Der Mangel der Klageschrift hätte von Amts wegen berücksichtigt werden müssen.

4Im zweiten Tatkomplex wird dem Beklagten mit der Klage vorgeworfen, dass er

„über den oben bezeichneten Tatzeitraum hinaus - jedenfalls bis in das Jahr 1994/1995 - die Schülerin W. in der …-Schule regelmäßig zum Oralverkehr gezwungen, an der Schülerin sexuelle Handlungen ausgeführt und an sich von ihr ausführen hat lassen.“

5Eine weitere Konkretisierung findet sich in der Klageschrift nicht.

6Nach § 57 Abs. 1 Satz 1 HDG muss die Klageschrift u.a. die Tatsachen, in denen ein Dienstvergehen gesehen wird, und die anderen Tatsachen und Beweismittel, die für die Entscheidung bedeutsam sind, geordnet darstellen. Die

Sachverhalte, aus denen das Dienstvergehen hergeleitet wird, müssen aus sich

heraus verständlich geschildert werden. Ort und Zeit der einzelnen Handlungen

müssen möglichst genau angegeben, die Geschehensabläufe nachvollziehbar

beschrieben werden (Urteile vom 23. November 2006 - BVerwG 1 D 1.06 - juris

Rn. 14 in Buchholz 232 § 70 BBG Nr. 12 nicht abgedruckt>; vom

25. Januar 2007 - BVerwG 2 A 3.05 - Buchholz 235.1 § 52 BDG Nr. 4 Rn. 27;

Beschlüsse vom 13. März 2006 - BVerwG 1 D 3.06 - Buchholz 235 § 67 BDO

Nr. 1 Rn. 13, vom 18. November 2008 - BVerwG 2 B 63.08 - Rn. 22, 23 nicht veröffentlicht in Buchholz 235.1 § 17 BDG Nr. 1> und vom 21. April

2010 - BVerwG 2 B 101.09 - juris Rn. 6; jeweils zur inhaltsgleichen Vorschrift

des § 52 Abs. 1 Satz 2 BDG bzw. zu dessen Vorgängernorm § 65 Halbs. 2

BDO). Dadurch soll sichergestellt werden, dass sich der Beamte gegen die disziplinarischen Vorwürfe sachgerecht verteidigen kann (Urteile vom 23. November 2006 - BVerwG 1 D 1.06 - Rn. 14, 15 nicht veröffentlicht in

Buchholz 232 § 70 BBG Nr. 12>, vom 25. Januar 2007 a.a.O. und vom 29. Juli

2010 - BVerwG 2 A 4.09 - juris Rn. 146, Beschlüsse vom 8. März 1985

- BVerwG 1 DB 16.85 - BVerwGE 76, 347 <349> und vom 13. März 2006 a.a.O.

Rn. 13). Auch tragen die gesetzlichen Anforderungen an die Klageschrift dem

Umstand Rechnung, dass sie Umfang und Grenzen der gerichtlichen Disziplinarbefugnis festlegt. Denn gemäß § 65 Abs. 1 Satz 1 HDG dürfen nur Handlungen zum Gegenstand der Urteilsfindung gemacht werden, die dem Beamten in

der Klage als Dienstvergehen zur Last gelegt werden (Urteile vom 25. Januar

2007 a.a.O. und vom 29. Juli 2010 a.a.O. Rn. 147). Nach alledem muss aus der

Klageschrift unmissverständlich hervorgehen, welche Sachverhalte angeschuldigt werden. Es ist erforderlich, aber auch ausreichend, wenn bei verständiger

Lektüre aus der Klageschrift eindeutig hervorgeht, welche konkreten Handlungen dem Beamten als Dienstvergehen zur Last gelegt werden (zum Ganzen

vgl. auch Beschluss vom 28. März 2011 - BVerwG 2 B 59.10 - juris Rn. 5).

7Zum zweiten Tatkomplex genügt die Klageschrift diesen Anforderungen nicht.

Weder sind Ort und Zeit der einzelnen Handlungen konkret angegeben noch

die Geschehensabläufe nachvollziehbar beschrieben. Zwar bedürfen die den

Gegenstand der Disziplinarklage bildenden Vorgänge keiner tagesgenauen Fixierung, aber die bloße Nennung eines ungefähren Anfangs- und eines ungefähren Endzeitraums (über einen unbekannten Tag zwischen dem 17. Juli 1991

und dem 16. Juli 1992 hinaus bis jedenfalls in das Jahr 1994/1995) mit der Angabe, die sexuellen Handlungen seien regelmäßig (täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich?) ausgeführt worden, lässt offen, wie oft es in etwa zu sexuellen

Handlungen gekommen sein soll. Auch der Ort (in der ...-Schule) hätte angesichts seiner Größe näher eingegrenzt werden müssen. Welche weiteren sexuellen Handlungen der Beklagte neben dem Oralverkehr an der Schülerin

ausgeführt und an sich von ihr hat ausführen lassen sollen, bleibt ebenfalls im

Ungewissen. An keiner Stelle in der Klageschrift findet sich eine nähere Präzisierung der Umstände (Tageszeit, was ging voraus, was passierte im Einzelnen?).

8Soweit das Berufungsgericht darauf verweist, dass dem Beklagten ohnehin aus

dem Disziplinarverfahren bekannt gewesen sei, welches Verhalten ihm im Rah

men der Disziplinarklage als Dienstvergehen zur Last gelegt werde, vernachlässigt es die Aufgaben des behördlichen Verfahrens und der Klageschrift. Im

behördlichen Verfahren hat der Dienstherr zu ermitteln, welche Vorwürfe sich

voraussichtlich erweisen lassen werden. Zudem darf der Dienstherr aus den

voraussichtlich beweisbaren Vorwürfen auch nur Dienstpflichtverletzungen und

nicht jedes missliebige Verhalten zum Gegenstand der Disziplinarklage machen

(Begrenzungsfunktion der Disziplinarklageschrift). Von dieser Begrenzungsfunktion hat der Dienstherr im Übrigen insoweit Gebrauch gemacht, als er nur

Oralverkehr unter Zwang zum Gegenstand der Klage gemacht hat. Was allerdings „gezwungen“ bedeutet, ob körperlicher oder psychischer Zwang und insbesondere wodurch der Zwang ausgeübt worden sein soll, bleibt ebenfalls im

Unklaren.

9Diese Unbestimmtheit des Vorwurfs führt hier zudem zu Unstimmigkeiten im

Berufungsurteil: Während die Zeugin bei ihrer behördlichen Vernehmung körperlichen Zwang geschildert hat, hat sie dies in der mündlichen Verhandlung

vor dem Verwaltungsgericht ausdrücklich verneint. Hätte das Berufungsgericht

entsprechend seiner Auffassung die Vorwürfe der Zeugin im behördlichen Verfahren zur Konkretisierung der Klageschrift herangezogen, so hätte es den Beklagten deshalb im zweiten Tatkomplex hinsichtlich des durch körperliche Gewalt „erzwungenen“ Oralverkehrs gemäß § 65 Abs. 1 Satz 1 HDG vom Vorwurf

einer Dienstpflichtverletzung freistellen müssen. Stattdessen hat es den fortlaufenden Oralverkehr erschwerend in seine Gesamtwürdigung einbezogen. Dieser sei „ohne intensive körperliche Gewalt“ durch den Beklagten initiiert worden.

Das Berufungsgericht lässt offen, welche weniger intensive körperliche Gewalt

ausgeübt wurde, und gelangt zur Aberkennung des Ruhegehalts, weil es sich

„allein schon aufgrund des sich über Jahre ersteckenden regelmäßigen Oralverkehrs um einen außergewöhnlich schweren Fall des sexuellen Missbrauchs

einer Schülerin im Schulbereich durch einen dort bediensteten Lehrer“ handele.

10b) Ebenfalls mit Erfolg rügt die Beschwerde, dass das Berufungsgericht die ihm

obliegende Aufklärungspflicht 63 Abs. 1, § 6 HDG, § 86 Abs. 1 VwGO) verletzt habe, weil es keine weiteren Beweise erhoben habe, obwohl sich dies ihm

hätte aufdrängen müssen.

11Gemäß § 63 Abs. 1 HDG erhebt das Gericht die erforderlichen Beweise. Demnach hat es grundsätzlich selbst diejenigen Tatsachen festzustellen, die für den

Nachweis des Dienstvergehens und die Bemessung der Disziplinarmaßnahme

von Bedeutung sind. Entsprechend § 86 Abs. 1 VwGO folgt daraus die Verpflichtung, diejenigen Maßnahmen der Sachaufklärung zu ergreifen, die sich

nach Lage der Dinge aufdrängen. Dies gilt gemäß § 70 Abs. 1 Satz 1 HDG

auch für die Berufungsinstanz (vgl. zu den wortgleichen Vorschriften der § 58

Abs. 1, § 65 Abs. 1 Satz 1 BDG: Beschlüsse vom 19. Dezember 2007

- BVerwG 2 B 34.07 - juris Rn. 5 m.w.N. und vom 4. September 2008 - BVerwG

2 B 61.07 - Buchholz 235.1 § 58 BDG Nr. 4 Rn. 7, vgl. auch zu § 86 Abs. 1

VwGO Urteil vom 28. Juli 2011 - BVerwG 2 C 28.10 - Veröffentlichung in

der Entscheidungssammlung und in der Fachpresse vorgesehen> juris

Rn. 24 ff.).

12Zwar verletzt das Berufungsgericht seine Aufklärungspflicht grundsätzlich nicht,

wenn es von einer Beweisaufnahme absieht, die weder von einem Beteiligten in

der mündlichen Verhandlung beantragt worden ist noch sich den Umständen

nach aufdrängt (stRspr, vgl. Beschlüsse vom 6. März 1995 - BVerwG 6 B

81.94 - Buchholz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr. 265, vom 14. Juni 2005 - BVerwG

2 B 108.04 - Buchholz 235.1 § 58 BDG Nr. 1 = NVwZ 2005, 1199, vom 19. August 1997 - BVerwG 7 B 261.97 - Buchholz 310 § 133 (n.F.) VwGO Nr. 26, vom

19. Dezember 2007 a.a.O. Rn. 6 und vom 13. Oktober 2008 - BVerwG 2 B

119.07 - Buchholz 235.1 § 69 BDG Nr. 5 Rn. 4). Hier hat sich eine weitere Beweisaufnahme jedoch aufgedrängt, ohne dass der Beklagte sie förmlich beantragen musste. Eine weitere Sachverhaltsaufklärung drängt sich auch ohne

ausdrücklichen Beweisantrag dann auf, wenn das Gericht auf der Grundlage

seiner Rechtsauffassung Anlass zu weiterer Aufklärung sehen muss, wenn also

die bisherigen Tatsachenfeststellungen eine Entscheidung noch nicht sicher

tragen. Dies kann etwa dann der Fall sein, wenn ein Verfahrensbeteiligter gegen das bisherige Ergebnis der Beweisaufnahme begründete Einwände erhebt.

Denn in einem solchen Fall ist das Gericht gehindert, seine Entscheidung unter

Übergehung der Einwände auf das angegriffene Beweisergebnis zu stützen

(vgl. zum Ganzen Urteil vom 28. Juli 2011 a.a.O. Rn. 25 m.w.N.).

13So verhält es sich hier. In Anbetracht der sehr späten Strafanzeige, vorhandener - kleinerer - Unstimmigkeiten im Aussageverhalten der Zeugin W. und der

Konstellation Aussage gegen Aussage hätte das Berufungsgericht zur Aufklärung der entscheidungserheblichen Frage der Glaubwürdigkeit der Zeugin W.

und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen durch Vernehmung derjenigen Zeugen

weiter nachgehen müssen, denen sich die Zeugin W. seinerzeit anvertraut haben will (die von der Schweigepflicht entbundenen Ärzte und der von der

Schweigepflicht entbundene Therapeut, die Mutter der Zeugin W., die Mitarbeiterinnen des Jugendamtes G. und R., das Ehepaar Wi., die in der mündlichen

Berufungsverhandlung von der Zeugin W. benannte Frau P., die in der mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht von der Zeugin W. benannten

Lehrerinnen R. und H.-B., Frau S. von der Opferhilfe Frankfurt).

14Hieran ändert auch der Umstand nichts, dass von einigen Zeugen schriftliche

Erklärungen vorlagen oder Vernehmungsprotokolle aus dem behördlichen oder

anderen Verfahren. Der in § 63 Abs. 1 HDG statuierte Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweiserhebung verpflichtet das Gericht, alle erforderlichen Beweise selbst zu erheben. Eine bestrittene, beweisbedürftige Tatsache kann deshalb grundsätzlich nicht durch Verlesen von Vernehmungsprotokollen des behördlichen Disziplinarverfahrens oder anderer gesetzlich geordneter Verfahren

festgestellt werden. Von Zeugen hat es sich in der mündlichen Verhandlung

selbst einen unmittelbaren persönlichen Eindruck zu verschaffen (zum Ganzen:

Beschluss vom 4. September 2008 - BVerwG 2 B 61.07 - Buchholz 235.1 § 58

BDG Nr. 4 Rn. 7; vgl. zum Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme

auch Urteil vom 28. Juli 2011 a.a.O. juris Rn. 18 ff.). Etwas anderes gilt zwar für

die Berufungsinstanz nach § 70 Abs. 4 HDG in Bezug auf vom Verwaltungsgericht erhobene Beweise. Das Verwaltungsgericht hat jedoch keinen dieser Zeugen vernommen.

153. Die übrigen Verfahrensrügen 73 HDG i.V.m. § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO)

und die Grundsatzrüge 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) bleiben demgegenüber ohne

Erfolg.

16a) Die Beschwerde rügt, dass das behördliche Verfahren durch die Ablehnung

der Beweisanträge (auf Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens und auf

Vernehmung dreier Zeugen) und die Befangenheit des mit der Führung der Ermittlungen betrauten Schulamtsmitarbeiters an wesentlichen Mängeln leide, die

im gerichtlichen Verfahren nach § 60 Abs. 3 HDG fortwirkten.

17Es kann dahinstehen, ob die Ablehnung der Beweisanträge einen Fehler des

behördlichen Verfahrens darstellt. Nach § 27 Abs. 3 HDG ist im behördlichen

Disziplinarverfahren über einen Beweisantrag der Beamtin oder des Beamten

nach pflichtgemäßem Ermessen zu entscheiden (Satz 1). Dem Beweisantrag ist

stattzugeben, soweit er für die Tat- oder Schuldfrage oder für die Bemessung

der Art und Höhe einer Disziplinarmaßnahme von Bedeutung sein kann

(Satz 2). Der Senat hat insoweit zur wortgleichen Vorschrift des § 24 Abs. 3

BDG entschieden, dass die Verletzung dieser Regelungen letztlich sanktionslos

bleibt, weil der angeschuldigte Beamte im gerichtlichen Verfahren den Antrag

wiederholen kann und im Übrigen das Gericht von Amts wegen 6 HDG i.V.m.

§ 86 VwGO) die erforderlichen Beweise zu erheben hat 63 Abs. 1 HDG; vgl.

Urteil vom 29. Juli 2010 - BVerwG 2 A 4.09 - juris Rn. 133, 138 und Beschluss

vom 16. Februar 2010 - BVerwG 2 B 62.09 - Buchholz 235.2 LDisziplinarG

Nr. 9 Rn. 11).

18Nichts anderes gilt, wenn es um die Befangenheit des mit der Führung der Ermittlungen betrauten Schulamtsmitarbeiters geht. Im Übrigen lagen keine Anhaltspunkte für eine Befangenheit des Mitarbeiters 6 HDG i.V.m. § 21 Abs. 1

Hess VwVfG) vor, da der Befangenheitsantrag ausschließlich mit der - aus der

Sicht des Beklagten fehlerhaften - Ablehnung der Beweisanträge durch den

Schulamtsmitarbeiter begründet worden ist. Meinungsunterschiede über die

konkrete Ausgestaltung der Ermittlungspflicht begründen - von besonderen

Umständen des Einzelfalles abgesehen - nicht schon generell den Vorwurf der

Befangenheit (vgl. Urteil vom 29. Juli 2010 - BVerwG 2 A 4.09 - juris Rn. 124).

19b) Ebenso ohne Erfolg bleibt die Rüge, das Berufungsgericht habe den in der

mündlichen Verhandlung gestellten Beweisantrag auf Einholung eines aussagepsychologischen Sachverständigengutachtens verfahrensrechtswidrig - und

zwar unter Verstoß gegen seine Aufklärungspflicht gemäß § 86 Abs. 1 VwGO

sowie gegen seine Verpflichtung zur Gewährung rechtlichen Gehörs gemäß

Art. 103 Abs 1 GG und § 108 Abs. 2 VwGO - abgelehnt.

20Nach § 63 HDG erhebt das Gericht im Disziplinarklageverfahren die erforderlichen Beweise. Das Gebot der Gewährung rechtlichen Gehörs verpflichtet das

Gericht, einem Beweisangebot nachzugehen, wenn die unter Beweis gestellte

Tatsache zu einem Rechtsstandpunkt erheblich ist und die Nichtberücksichtigung des Beweisangebots im Prozessrecht keine Stütze findet (stRspr, vgl. Beschluss vom 29. Mai 2009 - BVerwG 2 B 3.09 - Buchholz 235.1 § 58 Nr. 5

= NJW 2009, 2614, zuletzt Beschluss vom 1. April 2011 - BVerwG 2 B 84.10 -

Rn. 5 m.w.N.).

21Die Beurteilung der Glaubwürdigkeit vernommener Zeugen sowie der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen unter Berücksichtigung der vom Beklagten erhobenen

Einwände ist grundsätzlich Sache des Gerichts (Urteil vom 29. Juli 2010

- BVerwG 2 A 4.09 - juris Rn. 158). Ausnahmen können dann gerechtfertigt

sein, wenn besondere, in erheblicher Weise von den Normalfällen abweichende, Umstände vorliegen, deren Würdigung eine spezielle Sachkunde erfordert,

die dem Gericht nicht zur Verfügung steht (stRspr des BGH, vgl. Beschluss vom

28. Oktober 2009 - 5 StR 419/09 -, NStZ 2010, 100 und Urteil vom 18. August

2009 - 1 StR 155/09 - NStZ 2010, 51 jeweils m.w.N.; vgl. auch BVerwG, Beschluss vom 7. Juli 1999 -BVerwG 9 B 401.99 - Buchholz 310 § 86 Abs. 1

VwGO Nr. 304 = juris Rn. 4 m.w.N.). Dies kommt überwiegend bei Verdachtsmomenten für eine die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigende Erkrankung

in Betracht, nicht aber bereits bei den hier zur Begründung des Beweisantrags

vorgetragenen sonstigen Umständen (die Zeugin sei bereits im Kindesalter Opfer anderweitiger sexueller Übergriffe von Erwachsenen geworden, bei ihr liege

langjähriger Drogenkonsum mit anhaltender Abhängigkeit und Alkoholmissbrauch vor, sie habe eine höchst problematische Entwicklung im Kindes- und

Jugendlichenalter durchlaufen Auszug aus dem Elternhaus, langjährige

Heimaufenthalte, zeitweise Prostitution>, sie stehe langfristig und andauernd in

psychotherapeutischer Behandlung, sie habe die Strafanzeige gegen den Beklagten erst Jahre nach dem streitigen Tatzeitraum gestellt, sie habe freiwillig

die Beziehung zu dem Beklagten aufrecht erhalten, sei mit diesem im Erwachsenenalter eine intime Beziehung eingegangen, es fänden sich signifikante Widersprüche in ihren Aussagen und die mündliche Verhandlung vor dem Berufungsgericht habe die begründeten Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussage

und ihrer persönlichen Glaubwürdigkeit nicht ausräumen können). Das Berufungsgericht durfte daher den Beweisantrag ohne Verstoß gegen das Prozessrecht ermessensfehlerfrei mit der Argumentation ablehnen, es liege - ungeachtet des nicht unproblematischen Werdegangs der Zeugin W. - insgesamt noch

keine Sachlage vor, nach der eine Bewertung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen und ihrer persönlichen Glaubwürdigkeit fremder Sachkunde bedarf. Soweit

sich die Beschwerde mit der näheren und sehr ausführlichen Begründung des

Berufungsgerichts auseinandersetzt, setzt sie nur ihre eigene Beurteilung gegen diejenige des Berufungsgerichts, ohne einen Ermessensfehler darzutun.

Insbesondere ist das Berufungsgericht nicht von einer die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigenden, nicht näher bekannten psychischen Erkrankung der

Zeugin ausgegangen, sondern hat - ebenso wie das Verwaltungsgericht - festgestellt, dass diese an einem posttraumatischen Psychosyndrom leidet, und

zwar aufgrund des fortwährenden sexuellen Missbrauchs durch den Beklagten.

Eine solche Erkrankung ist eine typische Folge eines traumatischen Erlebnisses. Sie führt nicht dazu, dass ein Gericht verpflichtet wäre, ein aussagepsychologisches Sachverständigengutachten einzuholen.

22c) Die Ablehnung des Antrags auf Beiziehung der Akten des Jugendamts der

Stadt Frankfurt betreffend die Zeugin W. lässt ebenfalls keinen Verfahrenfehler

erkennen. Das Berufungsgericht durfte den Antrag im Einklang mit dem Prozessrecht mit der Begründung ablehnen, er genüge bereits formal nicht den

Anforderungen der § 6 HDG, § 86 Abs. 2 VwGO, weil weder eine bestimmte zu

beweisende Tatsache noch ein klares Beweisthema benannt werde; es handele

sich um einen unzulässigen Ausforschungsantrag.

23Soweit die Beschwerde meint, die Beiziehung der Jugendamtsakte sei von

Amts wegen geboten gewesen, vermag sie auch damit nicht durchzudringen.

Diese Argumentation der Beschwerde beruht auf der Annahme, dass es in Fällen sexuellen Missbrauchs einer Schülerin durch einen Lehrer immer zum

Schulwechsel kommt. Diese Annahme ist aber weder zwingend noch ist sie

Gegenstand der Befragung des Zeugen M. in der mündlichen Verhandlung vor

dem Berufungsgericht gewesen.

24d) Ebenfalls nicht dargelegt ist, dass der Beweisantrag betreffend die Zeugin

S.-B. verfahrensrechtswidrig vom Berufungsgericht abgelehnt worden ist. Zur

fehlenden Entscheidungserheblichkeit des Beweisantrags setzt die Beschwerde

lediglich ihre Würdigung gegen diejenige des Berufungsgerichts.

25e) Die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 103

Abs. 1 GG, § 6 HDG, § 108 Abs. 2 VwGO) vernachlässigt, dass grundsätzlich

davon auszugehen ist, dass ein Gericht Vortrag der Beteiligten zur Kenntnis

nimmt und in seine rechtlichen Erwägungen einbezieht. Es ist nicht gehalten,

das gesamte Vorbringen in den Entscheidungsgründen wiederzugeben und zu

jedem einzelnen Gesichtspunkt Stellung zu nehmen. Das Gericht kann sich auf

die Darstellung und Würdigung derjenigen tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte beschränken, auf die es nach seinem Rechtsstandpunkt entscheidungserheblich ankommt (vgl. § 6 HDG, § 108 Abs. 1 Satz 2 VwGO). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist nur dann verletzt, wenn im Einzelfall besondere

Umstände deutlich machen, dass das Gericht nach seinem Rechtsstandpunkt

zentrale Argumente eines Beteiligten nicht zur Kenntnis genommen oder sich

mit ihnen nicht auseinandergesetzt hat (stRspr, Urteil vom 13. Mai 1976

- BVerwG 2 C 26.74 - Buchholz 237.4 § 35 HmbBG Nr. 1, zuletzt Beschlüsse

vom 19. April 2011 - BVerwG 2 B 60.11 - juris Rn. 7 und vom 20. Juli 2011

- BVerwG 2 B 32.10 - juris Rn. 3).

26Deshalb kann insbesondere aus einer von der Ansicht eines Beteiligten abweichenden Beweiswürdigung eines Gerichts nicht auf einen Gehörsverstoß geschlossen werden. Im Übrigen ist die Beweiswürdigung aufgrund des § 73

HDG, § 137 Abs. 2 VwGO revisionsrechtlich nur daraufhin überprüfbar, ob Beweiswürdigungsgrundsätze wie etwa Auslegungsregeln, Denkgesetze und allgemeine Erfahrungssätze verletzt sind (stRspr, vgl. nur Beschluss vom 26. Februar 2008 - BVerwG 2 B 122.07 - Rn. 34 = ZBR 2008, 257 <260>; insoweit

nicht in Buchholz abgedruckt). Dies ist nicht dargelegt. Insbesondere liegt ein

Verstoß gegen die Denkgesetze nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nur dann vor, wenn ein Schluss aus Gründen der Logik

schlechthin nicht gezogen werden kann, nicht aber schon dann, wenn das Gericht andere Schlüsse gezogen hat, als sie nach Auffassung eines der Verfahrensbeteiligten hätten gezogen werden müssen, selbst wenn der vom Verfahrensbeteiligten favorisierte Schluss vielleicht sogar näher liegt als der vom Gericht gezogene (vgl. Beschluss vom 21. September 1982 - BVerwG 2 B 12.82 -

juris Rn. 7 nicht veröffentlicht in Buchholz 238.5 § 46 DRiG Nr. 2>).

Sind bei der Beweiswürdigung mehrere Folgerungen denkgesetzlich möglich,

so ist es nicht nur verfahrensfehlerfrei, wenn das Tatsachengericht unter mehreren möglichen eine Folgerung wählt, sondern gerade auch seine ihm durch

§ 6 HDG, § 108 Abs. 1 VwGO übertragene Aufgabe, sich unter Abwägung verschiedener Möglichkeiten seine Überzeugung zu bilden. Das Beschwerdevorbringen legt insoweit keinen Verfahrensfehler dar.

27Von einer weiteren Begründung der Ablehnung der Verfahrensrügen wird gemäß § 73 HDG, § 133 Abs. 5 Satz 2 VwGO abgesehen.

284. Gleichfalls ohne Erfolg wirft die Beschwerde schließlich als grundsätzlich bedeutsam die Frage auf,

ob einem Ruhestandsbeamten das Ruhegehalt ohne weitere Voraussetzungen oder Einschränkungen selbst bei lang zurückliegender Tat aberkannt werden kann, wenn er, wäre er noch im Dienst, aus dem Beamtenverhältnis hätte entfernt werden müssen.

29Hierzu weist sie darauf hin, dass zwischen Beginn der Tat 19 Jahre und deren

Ende 15 Jahre vergangen seien bis zur Aberkennung des Ruhegehalts, so dass

diese Disziplinarmaßnahme bei einem Beamten, der ansonsten unbescholten

geblieben sei, unverhältnismäßig erscheine. Dies gelte insbesondere bei einem

Ruhestandsbeamten, der nicht mehr die Möglichkeit habe, sich andere Erwerbsquellen zu erschließen. Nach dem Eintritt in den Ruhestand bestünden

nur noch beschränkte Beamtenpflichten.

30Eine Rechtssache hat grundsätzliche Bedeutung 73 HDG, § 132 Abs. 2 Nr. 1

VwGO), wenn sie eine abstrakte, in dem zu entscheidenden Fall erhebliche

Frage des revisiblen Rechts mit einer über den Einzelfall hinausgehenden allgemeinen Bedeutung aufwirft, die im Interesse der Einheitlichkeit der Rechtsprechung oder im Interesse der Rechtsfortbildung in einem Revisionsverfahren

geklärt werden muss (stRspr, vgl. Beschluss vom 2. Oktober 1961 - BVerwG

8 B 78.61 - BVerwGE 13, 90 <91> = Buchholz 310 § 132 VwGO Nr. 18). Diese

Voraussetzungen sind nicht erfüllt, wenn die von der Beschwerde aufgeworfenen Rechtsfragen bereits geklärt sind oder sich anhand der bisherigen Rechtsprechung unter Zuhilfenahme des Gesetzestextes ohne Durchführung eines

Revisionsverfahrens eindeutig beantworten lassen. So verhält es sich hier.

31Nach § 16 Abs. 2 Satz 2 HDG, der mit § 13 Abs. 2 Satz 2 BDG inhaltlich übereinstimmt, setzt die Aberkennung des Ruhegehalts voraus, dass die Entfernung

aus dem Beamtenverhältnis gerechtfertigt wäre, falls der Ruhestandsbeamte

sich noch im Dienst befände. Danach gelten die Bemessungsgrundsätze des

§ 16 Abs. 2 Satz 1 HDG auch für die Bestimmung der erforderlichen Disziplinarmaßnahme gegen einen Ruhestandsbeamten, der während seiner aktiven

Dienstzeit ein schweres Dienstvergehen begangen hat. Der nachträgliche Eintritt in den Ruhestand führt weder zur Anwendung anderer Bemessungsmaßstäbe noch stellt er einen mildernden Umstand dar.

32Den gesetzlichen Regelungen liegen zum einen generalpräventive Erwägungen

zugrunde. Es wären Rückwirkungen auf das Vertrauen in die Integrität des Berufsbeamtentums zu erwarten, wenn ein Ruhestandsbeamter, der wegen eines

schweren Dienstvergehens als aktiver Beamter nicht mehr tragbar wäre, weiterhin sein Ruhegehalt beziehen könnte und berechtigt bliebe, die Amtsbezeichnung zu führen. Dies gilt unabhängig davon, ob das Dienstvergehen in der

Öffentlichkeit bekannt geworden ist und wann es begangen wurde. Zum anderen gebietet der Grundsatz der Gleichbehandlung gemäß Art. 3 Abs. 1 GG,

dass ein Beamter, der in den Ruhestand tritt, nachdem er ein zur Auflösung des

Beamtenverhältnisses führendes Dienstvergehen begangen hat, nicht bessergestellt wird als ein Beamter, der bis zum Abschluss des Disziplinarverfahrens

im aktiven Dienst verbleibt (BVerfG, Kammerbeschlüsse vom 22. November

2001 - 2 BvR 2138/00 - NVwZ 2002, 467 und vom 9. August 2006 - 2 BvR

1003/05 - DVBl 2006, 1372 <1373>; BVerwG, Urteile vom 23. November 2006

- BVerwG 1 D 1.06 - Buchholz 232 § 70 BBG Nr. 12 Rn. 28, vom 24. Mai 2007

- BVerwG 2 C 25.06 - juris Rn. 17 nicht veröffentlicht in Buchholz

235.1 § 13 BDG Nr. 4> und BVerwG 2 C 28.06 juris Rn. 17 sowie vom 28. Juli

2011 - BVerwG 2 C 16.10 - juris Rn. 32; Beschlüsse vom 13. Oktober 2005

- BVerwG 2 B 19.05 - Buchholz 235.1 § 15 BDG Nr. 2 Rn. 6, vom 28. August

2007 - BVerwG 2 B 26.07 - juris Rn. 3 und vom 26. August 2009 - BVerwG 2 B

66.09 - juris Rn. 10).

33Schließlich ist geklärt, dass weder eine lange Dauer des Verfahrens noch das

lange Zurückliegen des Dienstvergehens es rechtfertigen, von der Entfernung

aus dem Beamtenverhältnis oder der Aberkennung des Ruhegehalts abzusehen, wenn diese Maßnahme geboten ist. Zwar kann eine pflichtenmahnende

Disziplinarmaßnahme in diesen Fällen unvereinbar mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit werden. Bei Fortbestand des Beamtenverhältnisses kann das

durch ein Dienstvergehen ausgelöste Sanktionsbedürfnis gemindert werden

oder sogar entfallen, weil die mit dem Disziplinarverfahren verbundenen wirtschaftlichen und dienstlichen Nachteile positiv auf den Beamten eingewirkt haben, sodass sie eine günstigeres Persönlichkeitsprognose ermöglichen. Demgegenüber geht es bei der Dienstentfernung darum, das Beamtenverhältnis in

Fällen besonders schwerwiegender Dienstvergehen zu beenden, weil der Beamte im öffentlichen Dienst untragbar geworden ist. An dem endgültigen Vertrauensverlust, den er durch sein Fehlverhalten herbeigeführt hat, vermögen

eine lange Verfahrensdauer oder ein langes Zurückliegen des Dienstvergehens

nichts zu ändern. Das verlorene Vertrauen kann nicht durch Zeitablauf wiederhergestellt werden. Dies gilt gemäß § 13 Abs. 2 Satz 2 BDG, § 16 Abs. 2 Satz 2

HDG gleichermaßen für die Aberkennung des Ruhegehalts (BVerfG, Beschluss

vom 4. Oktober 1977 - 2 BvR 80/77 - BVerfGE 46, 17 <28 f.>; Kammerbeschluss vom 9. August 2006 a.a.O.; BVerwG, Urteile vom 22. Februar 2005

- BVerwG 1 D 30.03 - juris Rn. 80 und vom 8. Juni 2005 - BVerwG 1 D 3.04 -

juris Rn. 27; Beschlüsse vom 13. Oktober 2005 a.a.O. Rn. 8, vom 28. Oktober

2008 a.a.O., vom 26. August 2009 a.a.O. Rn. 11 und vom 16. Februar 2010

- BVerwG 2 B 62.09 - Buchholz 235.2 LDisziplinarG Nr. 9 Rn. 5 und 6). Aus

diesem Grunde gibt es auch für die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis und

die Aberkennung des Ruhegehalts - anders als für die pflichtenmahnenden Disziplinarmaßnahmen - kein Disziplinarmaßnahmeverbot wegen Zeitablaufs nach

§ 18 HDG 15 BDG).

34Die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zur

überlangen Verfahrensdauer (Art. 6 Abs. 1 und 13 EMRK) vermag hieran nichts

zu ändern. Ob eine überlange Verfahrensdauer Auswirkungen auf die materielle

Rechtslage hat, bestimmt sich allein nach innerstaatlichem Recht. Der Gerichtshof kann aber nach Art. 41 EMRK den Staat zum Ersatz des immateriellen

Schadens verurteilen (vgl. EGMR, Urteil vom 16. Juli 2009 - 8453/04 - Rn. 57 ff.

= NVwZ 2010, 1015 ff.).

355. Die Streitwertfestsetzung beruht auf § 82 Abs. 1 HDG i.V.m. § 52 Abs. 5

Satz 1 Nr. 1 GKG analog.

Herbert Thomsen Dr. von der Weiden

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